KI-Konzerne sind eilig dabei, dem Pentagon bei der Beschaffung des mörderischen „Arsenals der Freiheit“ zu helfen

Kampfroboter. BIld: US Army

Palantir-Chef Alexander Karp hatte kürzlich mit der Veröffentlichung seines Manifests oder seiner Thesen aus dem Buch „The Technologic Society“ bereits vorgegeben, wohin die Reise der IT-Konzerne gehen soll: in die rückhaltlose Militarisierung, weil dort viel sicheres Geld winkt. Das Pentagon rüstet massiv mit Künstlicher Intelligenz auf, US-Präsident Trump hat einen Militärhaushalt von 1,5 Billionen US-Dollar in Aussicht gestellt.

Da können die Konzerne, die viele Milliarden in die Entwicklung von KI investieren, nur alle Schleusen öffnen. Lange ist Zeit her, als Google noch behauptete: „Don’t be evil“. Karp gab die Losung aus, dass die Konzerne des Silicon Valley verpflichtet seien, an der Verteidigung des Landes mitzuwirken. Da sei auch Zwang oder Wehrpflicht erforderlich, weil sich jeder beteiligen müsse: „Wir sollten als Gesellschaft ernsthaft darüber nachdenken, von einer reinen Freiwilligenarmee abzurücken und den nächsten Krieg nur dann führen, wenn alle das Risiko und die Kosten gemeinsam tragen.“ Natürlich werden Karp, Bezos, Zuckerman, Altman und wie sie alle heißen mitkämpfen, indem sie die Mittel liefern, die im modernen Krieg entscheidend sein sollen: die Software, d.h. die KI. Und natürlich sind sie auch dabei, wenn die USA im Ausland Krieg führen.

Zicken hatte in letzter Zeit Anthropic mit der KI Claude gemacht. Der Konzern wollte zwar profitieren als Teil des militärisch-industriellen Komplexes, aber nicht ganz böse sein. Gefordert wurde vom Pentagon, dass die Anwendung der KI zur Massenüberwachung und zur Steuerung vollständig autonomer Waffensysteme beschränkt werde. Kriegsminister Hegseth gab sich empört über solch ein Ansinnen. Der IT-Konzern wurde als „Risiko für die nationale Sicherheit“ eingestuft.

Der versuchte, sich juristisch dagegen zu wehren, hatte aber auch schnell eine neue KI zur Hand, um das Kriegsministerium zu ködern: Die auf Claude basierende KI Mythos sei imstand, in allen Programmen Sicherheitslücken zu entdecken und auszunutzen. Es soll als ein optimales Hacker- und Spionagewerkzeug sein. Anthropic gab die Bedrohung bekannt und stellte sein Eintreten für die nationale Sicherheit heraus, indem nur amerikanischen Banken und IT-Konzerne sowie das Pentagon und die Geheimdienste Zugang erhielten. Die können nun die Sicherheitslücken schließen und die in der Wirtschaft, der Infrastruktur und dem Militär in anderen Staaten ausbeuten. Hier verweigert das Pentagon nicht die Zusammenarbeit (Die KI Mythos von Anthropic verschafft amerikanischen IT-Konzernen und Geheimdiensten Vorteile).

Aber inzwischen haben sich acht amerikanische IT-Konzerne, die KI entwickeln, gefunden, die dem Pentagon bei der Anwendung ihrer Produkte weitgehend oder vielleicht auch vollständige Freiheit gewähren wollen. Das folgte auf die Andeutung aus dem Pentagon, dass man Widerspruch nicht dulden werde: „Es ist unverantwortlich, sich auf einen einzigen Partner zu verlassen“, sagte Emil Michael, der Chief Technology Officer des Pentagon gegenüber CNBC. „Als wir erfuhren, dass ein Partner nicht wirklich so mit uns zusammenarbeiten wollte, wie wir es uns vorgestellt hatten, haben wir uns umgesehen und dafür gesorgt, dass wir mehrere verschiedene Anbieter haben.“

Und weil mit dem in Aussicht gestellten Pentagon-Haushalt von 1,5 Billionen viele Milliarden winken, zieren sich die Konzerne nicht lange mitzuhelfen, „die Entscheidungsfindung von Soldaten in komplexen Einsatzumgebungen zu verbessern“. Dabei sind nach dem US-Kriegsministerium: Microsoft, Amazon, Oracle, Google, Nvidia, OpenAI, Reflection und SpaceX.

Zwar sollen die Verträge auch Klauseln zur Einschränkung bei Überwachung und autonomen Waffen enthalten, aber das soll vielleicht/wahrscheinlich nur den Deal für beide Seiten besser verkaufen lassen. Natürlich werden vom Pentagon autonome Waffensysteme entwickelt, die ohne human in the loop in den Krieg geschickt werden, auch um Menschen zu töten. Im Iran-Krieg wurde KI zur Zielfindung eingesetzt, was zur Bombardierung einer Schule und dem Tod von mehr als 100 Schülern führte.

Open AI erklärt: „Wir sind der Meinung, dass diejenigen, die die Vereinigten Staaten verteidigen, über die besten Ausrüstungsgegenstände der Welt verfügen sollten.“ Und das kurz nachdem die USA einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit Unterstützung von KI gegen den Iran führen. Klar, Profit geht über Moral, aber das darf nicht gesagt werden. Palantir ist sowieso dabei, das Maven Smart System ist auch im Krieg in der Ukraine im Einsatz.

Für das Pentagon geht es schlicht darum, allen anderen Staaten militärisch überlegen zu sein: „Das Kriegsministerium und diese strategischen Partner teilen die Überzeugung, dass die Führungsrolle der USA im Bereich der KI für die nationale Sicherheit unverzichtbar ist. Diese Führungsrolle hängt von einem florierenden inländischen Ökosystem fähiger Modellentwickler ab, die den umfassenden und effektiven Einsatz ihrer Fähigkeiten zur Unterstützung der Aufgaben des Ministeriums ermöglichen. Gemäß dem Auftrag von Präsident Trump und Minister Hegseth wird das Ministerium unsere Soldaten weiterhin mit fortschrittlicher KI ausstatten, um den beispiellosen neuen Bedrohungen von morgen zu begegnen und unser ‚Arsenal der Freiheit‘ zu stärken.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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5 Kommentare

  1. In der Ukraine sind bereits KI-gestützte Kill-Chains und KI-gestützte Zielverfolgung und Zielidentifikation im Einsatz.

    Für einen Bruchteil der der Kohle.

    1. @Murg: „In der Ukraine sind bereits KI-gestützte Kill-Chains und KI-gestützte Zielverfolgung und Zielidentifikation im Einsatz.

      Für einen Bruchteil der der Kohle.“
      Und was wollen Sie uns damit sagen? Dass das eine tolle Sache ist, wenn KI-gestütztes Mordwerkzeug nur deutlich billiger ist?

  2. Die Perversion kennt keine Grenzen, die Menschheit wird sich selbst vernichten.
    Von daher glaube ich auch nicht mehr an den Klimaschutzwillen oder ähnlichen Gedönskrams um angeblich die Welt zu retten. Das ist angesichts dieser Perversionen vollkommen blödsinnig da die Welt an kranken Hirnen leidet.

    Um mir nicht den ganzen Tag mit perversen Gestalten wie Thiel zu versauen lese ich für die verbleibene Restzeit bis zum Untergang doch lieber „Persian translation of Bernstein’s “Einstein” republished after 26 years“
    https://www.tehrantimes.com/news/525725/Persian-translation-of-Bernstein-s-Einstein-republished-after

  3. Das ist in Imperien halt so, dass die Militärmacht die führende Rolle spielt. Und wie alle Imperien in ihrer Spätphase führt die überbordende Korruption zu einer Steigerung der Geldflüsse von den Steuerzahlern zu den Eigentümern.

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