Zur „Tafelisierung“ der Gesellschaft

Bild: Reiner Pfisterer | Tafel Deutschland e.V.

Die von der Unternehmensberatung McKinsey geförderte Tafelbewegung in Deutschland ist gescheitert.

Mittlerweile gibt es bei uns eine ganze Generation von Menschen, die es nicht anders kennen, dass arme Leute bei den Tafeln um Lebensmittel anstehen. Sie denken, eine Tafel ist Teil des Sozialsystems und gehört eben für die „Verlierer der sozialen Marktwirtschaft“ einfach dazu.

Erzählt man den Menschen dieser jüngeren Generation davon, dass McKinsey, die weltweite Unternehmensberatung, auch der Initiator der „Tafelbewegung“ bei uns ist und ganz viele Unternehmen und Einzelpersonen in sein Tafelkonzept eingebunden hat, mit seinen unzähligen ehrenamtlichen Beschäftigten, bekommt man ungläubige Blicke. Doch die Idee der Tafeln ist ein fester Bestandteil der neoliberalen Politik. Sie soll zeigen, dass „Privat vor Staat“ funktioniert und gleichzeitig ein billiges Konzept für die Abfallbeseitigung für die Lebensmittelunternehmen ist.

Die riesige Organisation mit ihren rund 1000 Ausgabestellen, trotz üppiger Spenden eingebettet in permanenten Finanznöten, ,scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Das Tafelkonzept ist nicht nur an seine Grenzen gestoßen, sondern das gesamte Modell wird mittlerweile in Frage gestellt, neuerdings auch von den Tafeln selbst.

In kurzer Zeit hat sich die Zahl der Menschen, die bei den Tafel-Einrichtungen um Lebensmittel bitten, um 50 Prozent erhöht. Zum Ende des Jahres 2024 hatten die Tafeln 1,5 Millionen „Kunden“, davon waren 28 Prozent Kinder und 20 Prozent der Menschen, die sich bei den Tafeln mit gespendetem Essen versorgen müssen, sind über 63 Jahre alt. Gleichzeitig bekommen die Einrichtungen weniger Lebensmittel als früher.

Weil die Regelleistungen im Sozialgesetzbuch (SGB II/SGB XII) und Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) zu gering sind, rutschen immer mehr Menschen in Armut und Überschuldung ab. Sie können sich die verteuerten Lebensmittel nicht mehr leisten und müssen zu den Tafeln gehen. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten für Miete und Energie.

Seit Beginn der „Tafelbewegung“ in den 1990er Jahren haben die staatlichen Stellen die Institutionalisierung der Tafeln kräftig gefördert, auch um die Leistungsbemessung für die Zahlungen gemäß dem Sozialgesetzbuch möglichst gering halten zu können.

Höchststand der Armut in Deutschland

Nach der gängigen Definition ist arm, wer über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettohaushaltseinkommens verfügt. Dies trifft auf aktuell 16,8 Prozent der Bevölkerung Deutschlands zu, das sind 14,2 Millionen Menschen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) leben derzeit etwa 5,5 Millionen Menschen in sogenannten Bürgergeld/Hartz-IV/Grundsicherung – „Bedarfsgemeinschaften“, darunter sind fast zwei Millionen Kinder. Rund jeder fünfte Bezieher von Leistungen der Jobcenter arbeitet für einen Niedriglohn und stockt auf. Hinzu kommen mehr als eine Million Menschen, die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung benötigen, weil ihre Rente zu gering ist, sowie rund 400.000 Bezieher von Asylbewerberleistungen. Letztere erhalten sogar noch fast 20 Prozent geringere Leistungen als Bürgergeld/Hartz-IV-Bezieher. Außerdem arbeiten fast acht Millionen Beschäftigte in Deutschland im sich immer weiter ausbreitenden Niedriglohnsektor.

Der Regelsatz für Alleinstehende beträgt aktuell 563 Euro. Hinzu kommt noch die Warmmiete. Doch wenn diese die sogenannte Angemessenheitsgrenze übersteigt, müssen Betroffene die Differenz auch noch aus eigener Tasche zahlen. Im vergangenen Jahr musste fast jeder sechste Haushalt im Bürgergeld/Hartz-IV-Bezug einen Teil der Miete selbst zahlen. Im Durchschnitt waren dies beachtliche 93 Euro monatlich und die Jobcenter konnten so fast eine halbe Milliarde Euro einsparen.

Andere Posten im Regelsatz, vor allem der Energieposten, reichen schon seit Jahren nicht aus, um den realen Bedarf zu decken und führen direkt in die Überschuldung.

Während der stärksten Preissteigerungen bei Lebensmitteln seit Jahrzehnten lässt die Spendenfreude der Lebensmittelhändler nach und die Zahl der bedürftigen Menschen steigt rapide an.

Die ausrangierten Lebensmittel, die die Supermärkte andernfalls in den Müll geworfen hätten, reichen nicht mehr für alle Hungrigen, auch weil im Einzelhandel durch die Digitalisierung immer treffsicherer geplant werden kann und daher weniger Lebensmittel zum Spenden übrigblieben. Zwei Drittel der Tafeleinrichtungen haben deshalb die für zwei oder drei Euro ausgegebenen Rationen verkleinert, um möglichst vielen Menschen Lebensmittel mitgeben zu können. Ein Drittel hat bereits einen Aufnahmestopp verhängt und 17 Prozent haben die Abholhäufigkeit reduziert, so dass die einzelnen Personen oder Familien beispielsweise nur noch alle zwei Wochen, statt jede Woche, zur Lebensmittelausgabe kommen dürfen.

60,7 Prozent der Tafeln verzeichnen einen Zuwachs von bis zu 50 Prozent bei denen, die Lebensmittel nachfragen. 22,6 Prozent der Tafeln unterstützen bis zu doppelt so viele Menschen wie vor einem halben Jahr. Zu den neuen Nutzern zählen Geflüchtete, besonders aus der Ukraine, aber auch viele erwerbslose Menschen mit Bezug von Arbeitslosengeld I oder II, Beschäftigte mit geringem Einkommen sowie Ältere im Rentenbezug.

Die Tafeln „retten“ nach eigenen Angaben Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können und geben sie an Menschen in Armut weiter, die sich eine ausgewogene Ernährung nicht leisten können. Mit 60.000 Helfern sind die Tafeln nach Verbandsangaben eine der „größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland“. Pro Jahr würden rund 265.000 Tonnen Lebensmittel gesammelt und diese an 1,6 bis 2 Millionen Menschen weitergegeben.

Unternehmensberatungsfirma als Motor der „Tafelbewegung“

Die Idee der Tafeln ist ein fester Bestandteil der neoliberalen Politik und gleichzeitig ein billiges Konzept für die Abfallbeseitigung, denn schwerpunktmäßig sind die Produkte der Tafeln Waren, deren Verfallsdatum erreicht oder überschritten ist und die deshalb nicht mehr verkauft werden dürfen. Da ist die Entsorgung durch Abgabe an die Tafeln billiger als eine kostenpflichtige Verbringung auf dem Müll. Nicht einmal Transportkosten entstehen, weil die Tafeln die Lebensmittel selbst abholen.

Erstaunlich ist, dass so eine Bewegung wie die Tafelbewegung mithilfe einer Unternehmensberatungsfirma flächendeckend gewachsen ist. Über die Medien hochgejubelt, wurde auch suggeriert, dass jeder, dem es nicht gut geht, zur Not doch die Tafel nutzen kann und er mit „durchgefüttert“ wird.

Die hohe Akzeptanz der Tafeln in der Bevölkerung ist das Ergebnis einer Mission, die den Sozialstaat vorführen wollte, um „Sozialromantiker“, die für diesen eintreten, zu diskreditieren.

Dabei haben staatliche Stellen die Institutionalisierung der Tafeln kräftig gefördert, auch um die Leistungsbemessung für die Zahlungen gemäß dem Sozialgesetzbuch möglichst gering halten zu können.

McKinsey, die weltweite Unternehmensberatung, hat mittlerweile sehr viel Erfahrung mit dem Sozialsystem in Deutschland. Sie ist auch für die Entlassung Hunderttausender verantwortlich, die in den von ihr beratenen Unternehmen beschäftigt waren. Auch hat McKinsey maßgeblich am Hartz-Konzept mitgewirkt und war Mitglied der Hartz-Kommission der rot-grünen Bundesregierung Anfang des Jahrhunderts.

Der Leitspruch lautet dabei immer, dass Sozialleistungen und Unternehmenssteuern abgebaut werden müssen.

McKinsey war auch der Initiator der „Tafelbewegung“ und hat unzählige Unternehmen und Einzelpersonen in sein Tafelkonzept eingebunden, mit seinen unzähligen ehrenamtlichen Beschäftigten.

Tafeln als Ergebnis einer verfehlten Sozialpolitik

Sozialpolitisch gesehen ist das flächendeckende Tafelangebot äußerst problematisch, da

  •       mit der Ausgabe von Lebensmitteln Armut gelindert werden kann, aber die Armut und deren Ursachen können so nicht beseitigt werden,
  •     die Tafeln als Nothilfe den Druck auf die Politik reduzieren, die Ursachen der Armut zu beseitigen,
  •     es verhindert, dass eine armutsfreie, bedarfsgerechte und existenzsichernde Mindestsicherung gewährleistet ist, die die Tafeln und andere mildtätige Angebote in Zukunft überflüssig machen,
  •     sie nur reine Überlebenshilfe und Notversorgung leisten, verhindern sie eine Befähigung, den Bedürftigen verfügbare Handlungsperspektiven zu eröffnen, die über die Linderung der akuten Not hinauswirken,
  •     die Tafelarbeit in der Medienberichterstattung und Öffentlichkeit als genügende Absicherung gegen Armut erscheint, ihre flächendeckende Ausbreitung den Eindruck eines kompletten und ausreichenden Hilfsangebots vermittelt, das in der Realität aber nur einen Bruchteil der Bedürftigen erreicht und die eigentliche Armutsbekämpfung in den Hintergrund treten lässt,
  •     es die Menschen bremst, für Bedingungen einzutreten, die den „Befähigungsgedanken“‘ in den Mittelpunkt stellen und den Anspruch des Sozialgesetzbuches auf „selbstbestimmte Teilhabe“ unterstützt,
  •     das eingetreten ist, was Vordenker der Tafelbewegung sich wünschten, nämlich, dass sich der Staat mit Hinweis auf die Bürgergesellschaft aus der Daseinsvorsorge seiner Bürger sukzessive zurückgezogen hat und sich weiter zurückziehen wird,
  •     der Staat als Reaktion auf die Hilfe durch die Tafeln seine Mittel kürzt, weil z.B. § 9 SGB I sagt: „Wer nicht in der Lage ist, aus eigenen Kräften seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder in besonderen Lebenslagen sich selbst zu helfen, und auch von anderer Seite keine ausreichende Hilfe erhält, hat ein Recht auf persönliche und wirtschaftliche Hilfe, die seinem besonderen Bedarf entspricht, ihn zur Selbsthilfe befähigt, die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht und die Führung eines menschenwürdigen Lebens sichert. Hierbei müssen Leistungsberechtigte nach ihren Kräften mitwirken“,
  •     der Bestand und Ausbau der wohlfahrtsstaatlichen Sicherungssysteme und die Etablierung der beruflichen, fachlich qualifizierten Sozialen Arbeit die Abschaffung von mildtätigen, auf Zufall beruhenden Gaben und einhergehenden Abhängigkeiten für bedürftige Menschen voraussetzt. Den zufälligen möglichen Hilfeleistungen müssen individuelle Rechte entgegengestellt werden, die die Teilhabe aller Gesellschaftsmitglieder sichern,
  •     dadurch, dass Kosten für Lebensmittel eingespart werden können, Tafeln Bedürftigen den entgeltlichen Konsum von Waren ermöglichen, die eigentlich bei der Regelbedarfsermittlung berücksichtigt sein müssten,
  •     laut dem Bundesverband Deutsche Tafel e.V. von den ca. 9 Millionen Menschen, die in Deutschland auf Sozialleistungen angewiesen sind, rund 2 Million zur Tafel gehen. Die Tafeln sehen diese 7 Millionen Menschen als „unausgeschöpftes Potenzial“ an und betreiben entsprechende Akquise. Die „Kundenbindung“ bei Tafeln dient alleine der Aufrechterhaltung der Bedürftigkeit und ist das Gegenteil von einer strukturellen Armutsbekämpfung,
  •     anstelle an einer Abschaffung der Armut mitzuarbeiten, die Tafeln sich an einer Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme beteiligen. Die langen Schlangen vor den Ausgabestellen signalisieren allen Menschen, dass unser Sozialsystem so etwas zulässt und man selbst schnell zum Tafelnutzer werden kann und dann zu „denen“ gehört,
  •     fast überall die Sozialämter und Jobcenter Bedürftigen in Not die schnelle Hilfe verweigern. Sie schicken „ihre Klientel“ zu einer Tafel, und zwar ohne die Einrichtung zu fragen, ob diese überhaupt in der Lage ist, zu helfen,
  •     viele Jobcenter zuvor sanktionierten oder aus anderen Gründen bedürftige  Menschen an die Tafeln verweisen, wenn sie in Not geraten sind. Dort gibt es neue Probleme, denn auch Tafeln fordern aktuelle Nachweise über das gesamte Einkommen der Hilfesuchenden. Wer dies nicht hat, muss draußen bleiben. So kommen bei Problemen mit dem Jobcenter und Sozialamt nicht selten Probleme mit der Tafel hinzu

und der große Zulauf zu den Tafeln das Zeichen einer verfehlten Sozialpolitik überhaupt ist.

Das ist eine Sozialpolitik, die es zu verantworten hat, dass große Teile unserer Gesellschaft von einer gleichberechtigten Teilhabe ausschlossen werden, die Menschen materiell kurz hält und dann noch mit dem Sozialgesetzbuch II permanent bevormundet, erniedrigt und sanktioniert. Hinter dieser Politik stehen auch diejenigen Honoratioren aus Politik, Kirche, Unternehmen und Kultur, die vor Ort in den Gremien der Tafeln mitarbeiten und sich öffentlichkeitswirksam „sozialpolitisch engagieren“.

Leben als Tafel-„Kunde“

Einen Einblick in die Praxis der Tafelarbeit bekommt man aber, wenn die Nutzer der Tafeln zu Wort kommen. Dann ist zu hören, dass

  •     es etwas ganz Anderes ist, als im Supermarkt einkaufen zu gehen,
  •     die Menschen meistens in der Warteschlange anstehen müssen, mal eine halbe Stunde, mal bis zu zweieinhalb Stunden lang, dabei kann es vorkommen, dass sie im Regen stehen oder zur Toilette müssen,
  •     die Reihenfolge mit Nummern geregelt wird,
  •     wenn die Tafel-Besucher dann an die Reihe kommen, sie nicht selbst auswählen dürfen, sondern die Nahrungsmittel von den Helfern in die Tasche gepackt bekommen,
  •     die Ware in die Tasche reingeworfen wird – man kann sie nicht anschauen oder Fragen stellen,
  •     manchmal Waren dabei sind, die die Kunden aus gesundheitlichen Gründen nicht essen können,
  •     es oft 3 Wochen lang nur die gleiche Gemüsesorte gibt,
  •     die ehrenamtlichen Tafelhelfer oft als reserviert und unfreundlich beschrieben werden,
  •     die Helfer auch bestimmen können, wer wie viele Lebensmittel erhält,
  •     von den Nutzern „Bescheidenheit und Demut“ erwartet wird,
  •     sie in eine passive und ohnmächtige Rolle hineinkommen,
  •     sie sich beschämt fühlen,
  •     die „Bedürftigkeitsprüfung“ schamvoll ist, die Nutzer müssen ihren Bürgergeld/Hartz-IV- oder Rentenbescheid vorlegen, um Essen zu bekommen

und dass jeder sich darüber im Klaren ist, dass es sich dabei um eine freundliche Gabe handelt, die auch ausbleiben kann.

Neue Töne von der Tafel Deutschland e.V.

In den vielen Interviews der letzten Zeit schlug Jochen Brühl, Vorstand der Tafel Deutschland e.V. neue Töne an. Er sagte: „Bürgerschaftliches Engagement darf nicht dazu dienen, staatliches Versagen zu kaschieren. Mit Minijobs oder Niedriglohn klappt es nicht, gesellschaftlich teilzuhaben, auch wenn letzterer jetzt mehr als zwölf Euro betragen soll. Wir fordern stattdessen 100 Euro Zuschuss pro Monat. Auch Regelsätze und Sozialleistungen müssen angehoben werden. Die Versorgung der Menschen ist Aufgabe des Staates. Wir von den Tafeln unterstützen nur, wir sind keine Existenzhilfe. Unser Anliegen ist es, kurzfristig in Not geratene Menschen zu unterstützen.“

Brühl stellte klar: „Dass alle Menschen in Deutschland genug zu essen und zu trinken haben, muss der Staat gewährleisten, nicht das Ehrenamt.“ Denn „Tafeln sind ein privates Zusatzangebot“. Weiter sagt er: „Die Menschen haben große Existenzängste und Sorgen, wie sie Lebensmittel, Wohnen, Heizen zahlen können. Die Tafeln können aber nicht auffangen, was der Staat nicht schafft.“ Die staatlichen Hilfen seien „unzureichend“ und kämen zu spät. „Menschen, die zu den Tafeln kommen, haben keine Reserven. Armutsbetroffene Menschen brauchen jetzt schnelle Hilfen.“ Er schließt sich auch den Forderungen an, dass die Regelleistungen dringend deutlich erhöht und die Stromkosten aus den Regelleistungen heraus- und in die Unterkunftskosten mit hereingenommen werden müssen.

Der Tafel-Vorsitzende Andreas Steppuhn sieht neuerdings auch in der anhaltenden Armut eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wir brauchen sozialpolitische Maßnahmen, die sich wirklich um soziale Gerechtigkeit bemühen: armutsfeste Löhne, Renten und Sozialleistungen“, forderte er von der Politik. Besonders wichtig sei zudem mehr bezahlbarer Wohnraum, da die Wohnungsknappheit einer der „Armutsbeschleuniger unserer Zeit“ sei.

So ein Statement war von den Tafeln bisher nie zu hören. Vielleicht ist das Umdenken der aktuellen Lage bei den Tafeln geschuldet, bei der die Preissteigerungen zur Belastungsprobe, die Tafeln an ihre Grenzen stoßen und ihre Stellung und Daseinsberechtigung in der Sozialpolitik offenkundig wird.

Das Tafelprojekt scheint den neoliberalen Förderern auf die Füße zu fallen. Die wachsende Zahl der armen Menschen kann durch die Tafeln nicht mehr versorgt und ruhig gehalten werden. Momentan wird besonders deutlich, was die Tafeln immer schon waren und noch sind: ein Ort der Konkurrenz an der Resterampe unserer Gesellschaft.

Quellen: WAZ, WDR, Tafel Deutschland e. V., SGB, junge welt, der paritätische, BA

Der Artikel erschien zuerst im gewerkschaftsforum.de

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49 Kommentare

  1. Kapitalismus halt…nichts weiter…
    Wir werden um 2030 herum, spätestens amerikanische Verhältnisse kriegen.
    Vor allem, wenn dann die CDU zusammen mit der Afd am Drücker sein wird.

    1. @ motonomer

      Genosse, nicht bloß Achselzucken! Flaggezeigen ist hier angesagt!

      Zeit für klare Kiste – die institutionalisierten Suppenküchen müssen weg! Sie stillen nicht den Hunger, sondern bloß das schlechte Gewissen der Satten und Verfetteten! Der Ausbeuterklasse! Die dienen einzig der Ablenkung, Ruhigstellung und Spaltung. Sie verwalten die Armut, verteilen ein paar kümmerliche Brotsamen – und verkaufen das Ganze auch noch als „Nächstenliebe“, gerade zum Jahresende!

      Doch jetzt muss einfach Schluss sein mit der Wohltätigkeitsfassade! Zeit für Selbstorganisation statt Charity-Gedöns! Jedem nach seinen Bedürfnissen! Bar auf die Kralle! Freiheit statt Betreuung!

      So würde ein Schuh draus! Und zum Rest vielleicht später…

      1. Die dienen einzig der Ablenkung und Spaltung.

        Schlimmer, sie räumen allergroßmütigst gratis für den Staat einen Teil der Späne weg, die beim staatlichen Hobeln anfallen.

        1. Das sowieso! Das gehört zum Verwalten der Armut und dem Erhalten des Sachstands für die etablierten Kreise und deren Wasserträger.

          Aber im „Charity-Month“ (früher: „Advent“ genannt) kann man sich als saturierter Mittelschichtler ja so doll beömmeln wenn man ein paar abgelaufene Äpfel oder nicht gefressene Junkfood-Packungen aus dem Kühlschrank dort abladen kann.

          So, muss jetzt Reste abstauben gehen, noch einen guten Abend allerseits!

      2. Zeit für Selbstorganisation? Ich lach mich weg. War selber lange Zeit Tafelgänger (185 € Rente). Selbstorganisation mit dem Tafelpublikum. Träum weiter, Süsser….

        1. War selber lange Zeit Tafelgänger (185 € Rente)

          Bin schwerbehindert und langzeitarbeitslos. Steche ma?

          Die Erfahrungen und Eindrücke von Leuten aus meiner Gegend habe ich hier zu verarbeiten versucht.

          Selbstorganisation mit dem Tafelpublikum.

          Das war breiter gemeint und nicht nur auf „Tafelgänger“ bezogen. Zumal es „die“ nicht gibt. Die Menschen bei Ihrer örtlichen Tafel sind womöglich andere als die hier.

          Aber ganz allgemein: Man sucht sich Gleichgesinnte und packt in seinem kleinen Rahmen etwas an. Alle bilden ja heutzutage so gern „Gegengesellschaften“ – die Rechtsliberalen haben ihre Privatstädte, die Rechtsautoritären ihre nationalbefreiten Reichsbürgerzonen, die Islamisten ihre Kleinstadt-Umma. Wo sind die Freien, die zusammengehen und etwas für sich aufbauen?

          Denn ja – in der Tat, irgendwo muss man doch begingen. Besser als immer weiter in die Abhängigkeit von Charity-Veranstaltungen oder staatlicher Privilegiengeber zu geraten. Denn was tun, wenn die (wieder!) die Brotkrumen und „Privilegien“ wegnehmen? Ich habe für mich begonnen, vor meiner Haustüre in kleinstem Rahmen. 🤷‍♂️

      3. @Wolkenkuckucksheim

        „Sie stillen nicht den Hunger, sondern bloß das schlechte Gewissen der Satten und Verfetteten!“

        Sagen sie das doch gerne den Nutzern, die in langen Schlangen dort anstehen, wenn sie mal auf ihrem Einhorn vorbei reiten..
        Vermutlich wird man ihnen empfehlen, sich ihre güldenen Hirngespinste sonstwo hinzustecken.

                1. @ foehre

                  Ist sie – zumindest wenn man dem fach- bzw. frauenkundigen Mitforisten @ Two Moon Glauben schenkt, der mir das neulich mitteilte.

                  Die Giftspritzerei wie gerne auch mal passiv-aggressive Herangehensweise weist aber in der Tat klassisch schadfeministische Züge auf. Ich dachte erst es sei der neue Account von „Bella“, die hier nie mehr schreiben wollte und sogar (angeblich) ihr Overton-Abo kündigte, aber der / die / das nennt sich ja heuer „Naomi“. 🤷‍♂️

              1. Ich habe keine Ahnung, wie sie darauf kommen, aber ich habe mich nie aushalten lassen.
                Es ist genau umgekehrt, denn, ich habe immer dafür gesorgt, auch durch Umverteilung des Kapitals, das so einige Leute sich einiges mehr leisten konnten als es normalerweise für ihren eher ärmlichen Verdienst möglich gewesen ist.
                Und als ich noch meine Werkstatt hatte, haben meine Mechaniker immer weit über Tarif verdient.
                Nur, während meiner Adoleszenz. hatte ich ein Mäzen der meine Talente auch finanziell unterstützt hatte.

                1. Ich habe keine Ahnung, wie sie darauf kommen, aber ich habe mich nie aushalten lassen.

                  Sie sind doch Blaublüter, mit dem letzten Kaiser verwandt. Wer, wenn nicht der Adel, lässt sich denn aushalten? 😂🤣

          1. @ foehre

            Davon ist auszugehen.

            Das ist jetzt der dritte oder vierte Anpatschversuch der / die / das Mitforist*ix in den letzten Wochen. 🤷‍♂️

    2. 2030?
      Haben die da Oben nicht Putin ante portas bis dahin vorhergesagt? Wenn wir den/die dann endlich besiegt haben, wird alles besser……

    1. ???

      Der Genosse schrieb:

      Vor allem, wenn dann die CDU zusammen mit der Afd am Drücker sein wird.

      Was soll daran falsch oder abgehoben sein?

      Denn wenn die rechts-rechten Triebtäter und Epstein-Zöglinge erst mal vollends am Ruder sind, wird sich hier jeder noch gewaltig umgucken dürfen! Dann gibt’s nämlich erst recht Armut per Gesetz. Aber solange es wohl ein paar Ausländer zum Klatschen und ein paar angeblich faule Arbeitslose zum Bespucken und Schickanieren gibt, werden die Stolzdeutschen auch Schwarz-Blau treu die Stange halten, freiwillig mitgehen und sich schinden und peitschen lassen bis sie am Verrecken sind. Hauptsache den „Schmutzaffen“ ganz unten geht es noch dreckiger!

      1. Ist doch klar, der Forent „Lichtenberg“ möchte nicht, das ich so lapidar den Kapitalismus dafür haftbar mache, also versuch er mich mit der üblichen Verfahrensweise mich zu diskreditieren.
        Unbenommen dürfte es die Tafeln ja gar nicht geben, weil sich die herrschende Klasse im Zweifel immer auf ehrenamtliche Arbeits und Sachleistungen verlässt um die Allernötigsten Befindlichkeiten sicherzustellen.

      2. @ Altlandrebell: Wer hält den schwarz – blau die Stange??? Es wird schwarz – rot
        die Stange gehalten und wenn das zu Ende ist gibt es schwarz – rot- grün…..wetten?
        Bis jetzt ist es die AFD mit dem BSW die gegen die Zustände im sozialen Bereich
        kämpfen. Warum sollte die AFD den Zustand noch verschlimmern, sollte sie tatsächlich
        einmal an oder in die Regierung kommen?

        1. Die Afd kämpft gegen die Zustände im „sozialen Bereich“
          Kaum zu glauben dass das noch jemand ausgerechnet hier glaubt.
          Die Afd wird uns endgültig den Gar ausmachen, allein schon, weil sie eine „Law and Order “ Gruppierung ist.
          Fortschritte in einer wie auch immer gearteten humanitären Richtung, kamen schon rein historisch gesehen niemals von Rechts, sondern immer von linken Ideologien.
          Die Afd und Konsorten, sind dabei sämtliche humanitären Errungenschaften der letzten 150 Jahre in die Tonne zu treten.

        2. @ Träumer

          Bis jetzt ist es die AFD mit dem BSW die gegen die Zustände im sozialen Bereichkämpfen.

          😂🤣

          Sagen Sie das den Leuten, die jetzt eine „Brombeerkoalition“ vor der Nase haben. Oder bald ein neues BSW-gestütztes Polizeigesetz bekommen (Sachsen).

          Und was für sozialpolitische Wohltaten soll man eigentlich von der AfD erwarten dürfen? Eine Flattax? Arbeitszwang für Arbeitslose? Hartz V? In ihrem Grundsatzprogramm wird auf den „Sozialstaat“ ja glaube ich nur einmal eingegangen – im Zusammenhang mit der „Einwanderung aus Drittstaaten“.

          Warum sollte die AFD den Zustand noch verschlimmern, sollte sie tatsächlich einmal an oder in die Regierung kommen?

          Weil sie rein rechts-autoritäres U-Boot ist, randgefüllt mit neoliberalen Tropen im Wirtschaftsteil, ergänzt um eiskalte Militaristen und sonstige Gewaltfanatikern? Und gerade melonisiert wird, von einer Frau, die schon mit „innerparteilicher Demokratie“ ihre Probleme hat?

          In diesem Land gilt es drei Säulen zu verehren. Man muss ökonomisch neoliberal sein (Sozialstaatskürzungen, Merkantilismus, „schlanker Staat“, Angst vor Schulden…). Außenpolitisch imperial (pro-EU, pro-NATO, pro-Bundeswehr und Aufrüstung). Und gesellschaftlich identitär – ob woke, nationalradikal oder was auch immer, Identität muss ein, denn Authentizität ist des Teufels. Die Frage der Identität spielt allgemein nur in puncto Zielgruppenbespaßung eine Rolle und ist ansonsten austauschbar. Personen – im Sinne von Politikern –, die auch nur ein Jota von diesen Prinzipien abweichen, werden beschämt, belächelt, beschmiert, ausgegrenzt, gemobbt, an den Rand gedrängt, bekommen Kinderpornos oder alte Flugblätter im Keller gefunden, werden bei Bedarf vom Verfassungsschutz beobachtet, im Bademantel abgeführt oder enden wenn alles nichts hilft wie Barschel in der Badewanne. Die Beispiele, der bearbeiteten und entweder über Bord geschmissenen oder wieder halbwegs zurechtgeschliffenen, ist lang. Der Machtmaschine entkommt niemand. Keiner kann sich gegen das System stellen, niemand. Gängige Namen von Zielpersonen reichen von André Holm über Edathy, Moro, Palme und alte PDSler, bis hin zu Wagenknecht und Hubsi Aiwanger. In diesem System kommt nur an die Macht, wer an die Macht kommen soll. Wer den richtigen Stallgeruch und die richtigen Voraussetzungen hat.

          Wenn die AfD an die Macht kommt, dann weil sich die herrschende Klasse mal wieder auf nationalradikale Elemente stützen muss, um ihre „Projekte“ voranzutreiben. Genau wie in Italien. Eine Meloni war ja der feuchte Traum der Amis und anderen Westler seit rund 70 Jahren. Dass das immer zu Lasten der gesellschaftlich schwächsten Gruppen geht, ist altbekannt und vielfach beobachtbar. Die Hetze der AfD gegen angeblich faule, art- und rassefremde Elemente ist Legion. Wer glaubt mittels der AfD gegen „die da oben“ vorgehen zu können, glaubt auch, dass der Verzicht auf Geschlechtsverkehr die Geburtenrate hochtreibt.

          Und man sieht ja auch bereits wie die AfD zugeschliffen wird. Schritt für Schritt salonfähig, Schritt für Schritt die abweichenden Elemente (beispielsweise Russlandfreunde) beseitigt. Dass nun das Verwaltungsgericht Köln vorerst verhindert, dass sie als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird, passt ins Bild. Es gibt die altbekannten Kartellparteien – SPD, Olivgrüne, Linkende, Union, FDP, Freie Quäler – und es gibt die Scheinopposition von AfD und BSW. Wer den Schmu durchschaut und den medial ausgegossenen wie amtlich gelehrten 🧙‍♂️☕ nicht länger schlürft, hört auf, sich am Wahltheater zu beteiligen und versucht sich soweit es geht dem Nonsens und der Gewalt der Herrschenden zu entziehen. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

  2. Das gehört so, und nicht allein bei den Tafeln:

    „Der Sozialstaat ist ein buchstäbliches Armutszeugnis“
    03. Februar 2019 um 11:45

    Armut ist in unserer Gesellschaft nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das sagen Arian Schiffer-Nasserie und Renate Dillmann im Interview mit den NachDenkSeiten. Die beiden Sozialwissenschaftler durchdringen in ihrer aktuellen Studie die Oberfläche der Armutsforschung, die in der Regel Armut als Abweichung vom Normaleinkommen definiert. Schiffer-Nasserie und Dillmann nehmen sich dem Thema grundsätzlicher an und sagen: „Wenn der deutsche Sozialstaat mit mehreren Ministerien, zwölf Sozialgesetzbüchern und vielen Milliarden Euro jährlich interveniert, dann gibt es in diesem Land offenbar auch stets aufs Neue ein erhebliches Maß sozialer Bedürftigkeit.“ Und die Gründe für diese Situation führen zu tieferliegenden systemischen Ursachen. Ein Interview über den Sozialstaat, Armut und ihre systemischen Ursachen. Von Marcus Klöckner.
    (…)
    Dillmann: Die sozialpolitischen Maßnahmen vom Kindergeld über das Wohngeld bis zur Pflegeversicherung sind zunächst einmal Ausdruck davon, dass der größte Teil der Menschen in diesem Land „von der Wiege bis Bahre“ nicht dazu in der Lage ist, aus eigenen Mitteln das Leben als Familien mit Kindern, in Zeiten der Krankheit, der Arbeitslosigkeit, des Alters, der Pflegebedürftigkeit etc. selbständig zu bestreiten.

    Der Sozialstaat also als offensichtliches Zeichen dafür, dass etwas Grundlegendes in dem Land nicht stimmt?

    Dillmann: Der Sozialstaat ist in diesem Sinne – nüchtern betrachtet – ein buchstäbliches Armutszeugnis über die Lebensbedingungen der Mehrheit in diesem Land. Wenn der deutsche Sozialstaat mit mehreren Ministerien, zwölf Sozialgesetzbüchern und vielen Milliarden Euro jährlich interveniert, dann gibt es in diesem Land offenbar auch stets aufs Neue ein erhebliches Maß sozialer Bedürftigkeit.

    Wovon der Staat auch ausgeht.

    Dillmann: So ist es. Der soziale Staat rechnet mit diesen Notlagen. Und ganz im Gegensatz zu dem, was sozial Engagierte oder im Sozialwesen Beschäftigte in Deutschland häufig von „ihrem“ Staat erwarten, zielt seine Tätigkeit nicht auf die Beseitigung der Ursachen sozialer Notlagen, sondern darauf, diese Notlagen wirtschafts- und staatsnützlich zu verwalten.

    Die Armut, die Sie angesprochen haben, entspringt nämlich den ökonomischen Grundlagen dieser Gesellschaft und ihrer Eigentumsordnung. An diesen ändert die Sozialpolitik nichts.

    Armut ist also im System angelegt?

    Schiffer-Nasserie: Armut, wie immer man sie auch näher bestimmt, bedeutet zunächst mal Ausschluss von Reichtum. Worin auch immer der Reichtum in modernen Gesellschaften bestehen mag, er existiert in jedem Fall als Eigentum, das heißt als ausschließliche (!) Verfügungsgewalt über eine Sache. Der Eigentümer dieser Sache ist berechtigt, alle anderen von ihrer Nutzung auszuschließen. Das Prinzip Eigentum beinhaltet bereits die prinzipielle Trennung zwischen Haben und Benutzen, zwischen Bedürfnis und den Mitteln der Bedürfnisbefriedigung. Die gehören in der Regel anderen. Ausschluss vom Reichtum fängt also nicht da an, wo Menschen arbeitslos werden, wo sie unter dem Hartz-IV-Regime verarmt werden oder wo man ihnen sogar lebenswichtige Nahrungsmittel, Medikamente oder Wohnraum vorenthält. Ausschluss von den Mitteln der eigenen Interessensverfolgung und Ausschluss von den Mitteln, um nützliche Dinge für die Bedürfnisbefriedigung herzustellen, konstituieren geradezu diese Gesellschaft.

    Da klingt jetzt Karl Marx an.

    Schiffer-Nasserie: Wahrscheinlich ist bei den NachDenkSeiten einigen noch der erste Satz aus der Marxschen Kapitalanalyse bekannt: „Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als ungeheure Warenansammlung…“ Das bedeutet: Alle Dinge, die man in dieser Gesellschaft benutzen will, um notwendige oder auch darüber hinausgehende Bedürfnisse zu befriedigen, sind Waren. Sie gehören den Warenproduzenten bzw. Anbietern und sie haben einen Preis, den man zunächst einmal zahlen muss, wenn man sie benutzen will. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Die böse Ironie: Waren werden nicht produziert, um Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um die Bedürfnisse jener auszunutzen, die über die nötige Zahlungsfähigkeit verfügen! Der Gelderwerb ist der Zweck, die Produktion und der Verkauf von nützlichen Dingen, von Waren, ist das Mittel dazu. In diesem Sinne ist die warenproduzierende Gesellschaft mit ihren riesigen Warenbergen übrigens extrem bedürfnisfeindlich.

    Bitte etwas konkreter.

    Dillmann: Die konkreten Folgen dieser vermeintlich abstrakten Formulierung kennt jeder von uns aus eigener Erfahrung: Wer nicht über das nötige Geld verfügt, kann die Waren nicht benutzen, die er benötigt. Er wird auch dann von ihnen ausgeschlossen, wenn die entsprechenden Sachen bereits überreichlich vorhanden oder gar unverkäuflich sind. Lebensmittelüberschüsse, nicht ausgelastete Produktionskapazitäten, Fabrikschließungen, brachliegender Ackerboden, globale Überproduktion einerseits…

    … und Armut und Hunger andererseits?

    Schiffer-Nasserie: Genau. Armut im Kapitalismus ist also gerade nicht dem Mangel an Reichtum geschuldet, sondern dem Zweck dieser Produktion, nämlich der Geldvermehrung.

    Vieles läuft auf Produktionsmittel hinaus, über die ein Großteil der Bürger nun mal nicht verfügt, oder?

    Schiffer-Nasserie: So ist es. Denn es sind ja nicht nur die Mittel der Bedürfnisbefriedigung, die als fremdes Eigentum vorliegen. Das Problem mit dem Eigentum gewinnt wesentlich an Schärfe dadurch, dass moderne Menschen in der Regel nicht die Möglichkeit haben, getrennt vom Markt als Selbstversorger die Dinge ihres Bedarfs herzustellen. Schlimmer noch: In einer Gesellschaft, in der alle Dinge nur gegen Geld erhältlich sind, sind die wenigsten Menschen in der Lage, selbst Waren zu produzieren und am Markt gegen Geld zu verkaufen. Es fehlen ihnen schlicht und ergreifend die Mittel dazu – die sogenannten Produktionsmittel.

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=48967

    1. Ja, bei armen Leuten muss man ganz genau aufpassen, was die mit den drei Kröten machen, die sie haben. Nicht, dass sie dem Leben noch irgendwas abgewinnen oder es sich wenigstens schönsaufen oder -rauchen können. Mit Schampus das Klo und mit Kox die Nase spülen ist den Reichen vorbehalten.

      PS: Arbeitsämter, die auf sich halten, ziehen Tafellebensmittel und Flaschenpfand übrigens vom Satz ab. So gehen Zucht und Ordnung.

      1. Das haben die mal versucht ist aber inzwischen geregelt, dass keine Anrechnung bei Tafellebensmittel erfolgt. Bei Pfandsammlern haben bisher die Gerichte zugunsten der Hilfebedürftigen entschieden.

        1. Macht es Sie nicht stutzig, dass Gerichte so was entscheiden mussten?
          Was meinen Sie, wie viele Mittellose die Energie haben, vor Gericht zu ziehen? Zwei Prozent würde ich schon für optimistisch geschätzt halten.
          Es ist ohnehin Schnee von gestern, da ja jetzt offiziell ist, dass den Leuten ihre materielle Existenz nach Gutdünken und Willkür entzogen werden kann.

    2. @sonja
      ich denke mal, es geht dich einen feuchten Kehricht an, was, wer mit seinem Geld macht.

      Woher nimmst du die Unverschämtheit, irgendeinem Menschen vorschreiben zu wollen, ob er sich Zigaretten, Heroin oder Kaffee für sein Geld kauft?
      (sollte ich dich missverstanden haben, nehme ich mein Worte gerne zurück und entschuldige mich ….)

    1. Und am Ende wird Beifall geklatscht weil:
      Ich bin ja nicht arbeitslos, ich bekomme verdientermaßen mein Geld, ich glotze nicht in die Röhre, sondern gucke ARTE und trinke nicht, sondern gönne mir ein Beaujolais oder Bordeaux.

      Genau mein Humor!

      1. da kann ich dir nur zustimmen …
        Alle Staaten sind terroristische Gebilde, die nur aufgrund des angeeigneten Gewaltmonopols existieren.
        Ohne diese Aneignung wäre die Finanzierung durch Raub (Steuern) nicht möglich.
        Eine Demokratie, die Mehrheitsbeschlüsse gewaltsam durchsetzt, ist dabei auch nichts weiter als ein weiteres Unterdrückungsinstrument von andersdenkenden Minderheiten.

      2. Könnt aus einem Werbeprospekt für das hier stammen:

        Die feuchten Träume der Ultra-Libertären

        Jürg Müller-Muralt / 25.02.2026 Libertäre wollen die Welt in Mikrostaaten und Privatstädte zerlegen. Demokratische Mitbestimmung ist nicht vorgesehen.

        Ein Schiff wird kommen! Aber nicht jenes legendäre Schiff, auf welches «das Mädchen aus Piräus» wartet und das die deutsche Sängerin Lale Andersen im Jahr 1960 besingt. Sondern jenes des Zürchers Frank Binder, Milliardär und Erbe des Pharmakonzerns Merck. 2029 wird es so weit sein. 324 Meter lang soll die grösste Jacht der Welt werden, knapp so lang wie der US-Flugzeugträger Gerald R. Ford (337 Meter) und 51 Meter länger als die Titanic. Der schwimmende Wohntraum für Superreiche beherbergt 130 Luxusappartements, inklusive Swimmingpools, Theater, Kinos, Bibliothek, Spital, Restaurants, Weinkeller, Nachtklub, Fitnessstudios, Spas, Helikopter, U-Boote und andere nützliche Dinge.

        Der amerikanische Journalist und Pulitzer-Preisträger Evan Osnos sagte dazu jüngst in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen: «Eine Superjacht ist letztlich eine mobile Enklave, ein schwimmender Kleinstaat. (…) In den USA werben einige Unternehmen offen für Konzepte wie den ‹Netzwerkstaat› – politische Gebilde, die eher an exklusive Clubs erinnern als an Gemeinwesen. Zugang gegen Kapital, Mitgliedschaft statt Staatsbürgerschaft. Die zugrunde liegende Fantasie bleibt dieselbe: Abgeschiedenheit, Kontrolle, Selektion.»

        Weg vom gemeinen Volk

        Das sind die feuchten Träume der Superreichen und Libertären: Weg vom gemeinen Volk, hinein in die abgeschotteten und exklusiven Luxusstädte. Der kanadische Historiker Quinn Slobodian untersuchte Ideen und Praktiken dieser radikalen libertären Strömungen in seinem Buch mit dem sprechenden Titel «Kapitalismus ohne Demokratie. Wie Marktradikale die Welt in Mikronationen, Privatstädte und Steueroasen zerlegen wollen» (Berlin 2023). Er zeigt, wie die Ideen dieser Kreise darauf abzielen, den Kapitalismus vom demokratischen Staat zu entkoppeln.
        (…)
        Parallelstruktur zum Staat

        Auch in Europa wird seit einiger Zeit an solchen Projekten herumgetüftelt. So in der schmucken Kreisstadt Döbeln im sächsischen Landkreis Mittelsachsen. Dort ist der Sitz der Bürgergenossenschaft Mittelsachsen. Sie will ganz offen Parallelstrukturen zum Staat aufbauen, wie es auf der Homepage heisst: «Die freiwillige Selbstorganisation entschlossener Bürger und damit die Vermeidung staatlicher Willkür wird in dem Masse zunehmen, in welchem das Vertrauen in staatliches Handeln abnimmt. Dieser Ansatz kann ausgeweitet und institutionalisiert werden. Nämlich durch die Gründung einer Bürgergenossenschaft. (…) Die BüG bietet eine Parallelstruktur des Zusammenlebens als Alternative zu vorhandenen Institutionen. Im Sinne von ‹Leben und leben lassen› steht sie für Vertragsfreiheit, Privateigentum und Marktwirtschaft.»

        «Steuern sind Raub»

        Gemäss der «Sächsischen Zeitung» wird die Genossenschaft von der rechtslibertären Atlas-Initiative unterstützt. Als Mitgründer der Genossenschaft wird ein gewisser Titus Gebel genannt. Der deutsche Unternehmer und Jurist war gemäss Wikipedia Vorstandsvorsitzender der Holding Deutsche Rohstoff-AG und Geschäftsführer der Rhein-Petroleum-GmbH. Der Mann ist eine zentrale Figur in der Freistädte-Bewegung; so ist er Präsident der Free Cities Foundation, bei der die Fäden dieser libertären Bewegung zusammenlaufen. Partnerorganisationen sind das oben genannte Seasteading-Institute, aber auch Organisationen wie Staatenlos. Sie wirbt mit Slogans wie: «Steuern sind Raub – mach dich aus dem Staub» und «hilft frei denkenden Menschen dabei, ein Leben ohne Grenzen zu leben. Steueroptimiert. Auf der ganzen Welt.»

        https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-feuchten-traeume-der-ultra-libertaeren/

        Seit es companien gibt, hat sich doch ohnehin das Gewicht immer mehr in diese Richtung verschoben.

        1. Könnt aus einem Werbeprospekt für das hier stammen:

          Die feuchten Träume der Ultra-Libertären

          Man sollte Freidenker, Anarchisten und sonstige Libertäre m.E. wirklich nie mit rechtsliberalen Markschreiern à la Musk, Milei und Milton Friedman verwechseln. Da kriege ich wirklich physische Schmerzen von. Letztere stammen (allenfalls) aus dem IV. Quadranten des politischen Koordinatensystems, erstere aus dem III.

          Nur weil sich in vielen Medien „libertär“ inzwischen als Synonym (um nicht zu schreiben: Schimpfwort) für rechte Umtriebe, für neoliberalen und sonstig marktradikalen Dreck eingebürgert hat, heißt das ja noch lange nicht, dass man jedem Staatskritiker automatisch das Etikett Privatstadtsfetischist anheften muss.

          Die Libertalia richten sich gegen jede Form der Herrschaft und Hierarchie. Jeder ernsthaft freiheitsliebende Mensch sieht „Privatstädte“ und Oligarchen mindestens genauso kritisch wie staatliche oder religiöse oder sonstige Macht. Wenn „libertär“ zu sein, nun nur noch mit den Umtrieben irgendwelcher Päderasten, Bonzen und Chefausbeuter verbunden wird, werden doch die Reste jeglichen anti-autoritär-egalitären Denkens endgültig pervertiert und reif für den Orkus gemacht. Toll. Danke für nichts.

          Der Infosperber beschreibt hier feuchte Träume und Projekte rechts-autoritärer Marktideologen. Die wollen den Staat so für sich zurechtschneiden, dass mehr Zaster für ihre schwarzen Löcher bei rausspringt. Und wenn ein paar Rentner aufmucken, schreien sie – klassisch staatskritisch – sofort nach Polizei und Militär, um die niederknüppeln zu lassen. Mit diesem 🧙‍♂️☕ habe ich nichts am Hut und viele andere Freigeister sicherlich auch nicht.

          1. Es ging mir mehr darum, darauf hinzuweisen, daß „Der Staat gehört ersatzlos abgeschafft“ eine ziemlich platte Phrase ist, die in etwa den Gehalt eines Rülpsers hat und in dieser Form auch ein Einfallstor für alle möglichen von den Herrschaften gewünschten Befüllungen hat.

            Nebenbei bemerkt, sind die Konzernkonglomerate weitaus mächtiger als die entkernten Staaten, weitaus umtriebiger und primäre Steuereinheit, das neben den Denkfabriken und Stiftungen, aber finden seltsamerweise oder auch nicht, kaum Erwähnung. Sapperlot aber auch.

            Macht aber nix, das Internet besteht ja zu gefühlt fünfundneunzig Prozent aus Rülpsern.

            1. eine ziemlich platte Phrase ist

              Ach, ist es kurz und pointiert, ist es „platt“, „inhaltsleer“ und „flach“. Ist es ausführlich und enthält mehrere Absätze gilt es als „weitschweifig“ und „Gelaber“. Enthält es Links oder Buchtipps ist es sowieso einzig und allein „belehrend“. Wie man’s macht ist es falsch. 🤷‍♂️ Davon hatte ich es mit @ Krim bereits neulich.

              Nebenbei bemerkt, sind die Konzernkonglomerate weitaus mächtiger als die entkernten Staaten

              Kommt auf den Fall und das Fallbeispiel an. Wenn Sie einen Staat wie die Kapverdischen Inseln meinen – das mag sein. Es gibt freilich genug Beispiele wie der Staat, insbesondere imperialistische westliche Großmächte, Konzerne und Konglomerate überhaupt erst hochzüchten und fettmästen.

              Ansonsten ist es ganz simpel – gegen jede Gewalt und Hierarchie endet nie beim Staat, sondern umfasst selbstredend auch die Gewalt und die Hierarchien, die Markt, Trusts, Konzerne, Tempel und sonstige autoritäre Instanzen (EU, WHO, WTO…) (er)schaffen und vorantreiben. 🤷‍♂️

      1. Sie haben recht, dass das „ersatzlos“ des Mitforisten verwirrend klingt. Ich schrieb weiter oben deshalb bewusst: Jedem nach seinen Bedürfnissen! Dafür braucht es aber keine „Tafel“.

  3. Beschäftigt euch mal mit den Sicherheits und Hygieneregeln beim „Foodsharing“ und warum sich da die Behörden (Lebensmittelüberwachung) ganz dolle für Interessieren!

  4. „Tafelisierung der Gesellschaft“, eine großartige Beschreibung für diesen Wohltätigkeitsdreck, von dem immer mehr Menschen in einem der noch immer reichsten Länder der Welt leben müssen. Mal ganz abgesehen davon, dass in diesem großartigen „Schland“ z.B. aktuell für militärisches Mordwerkzeug Geld ohne Ende zur Verfügung steht.

    Zu diesem Rotz hat der Schweizer Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi bereits im 18. Jahrhundert alles Wesentliche gesagt: „Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.“

  5. Ich würde die lokale Tafel einfach spontan mobil vor dem nobelsten 5-Sterne-Hotel der Stadt aufmachen oder vor dem Luxusuhrenshop. Kreativität ist gefragt. Möglichst gerade dann, wenn sie ein schönes Event haben. Dazu noch die zumeist Rentner einladen, die gespendet haben, die meist selbst kaum Geld haben, dass sie doch die Kunden und die Hotelbesitzer höflich bitten, ob sie ihnen die Spende nicht ersetzen können. Oder man macht eine Versteigerung für Flaschensammler, irgendwas mit Obdachlosen usw. immer dann, wenn es überhaupt nicht passt für die Reichen und Schönen. Oder z.B. bei einem Parteitag der FDP führt man ihnen mal die Armut vor, die sie so zwanghaft versuchen nicht zu sehen.

    Das Ergebnis wird absehbar sein: Die Reichen rennen weg, der Hotelier zahlt vielleicht einmal eine gesichtswahrende Spende. Der Politiker labert Dreck wie immer. Es ist klar, was passiert, wenn das regelmäßig passieren würde: Das würde von der Polizei nieder geknüppelt. Es war aber in der Vergangenheit schon so, wenn bei Kampagnen gegen bestimmte Unternehmen oder Reiche genug sozialer Druck aufgebaut wurde, dass sie doch mal einknickten.

  6. Seit einiger Zeit werden in den Supermärkten schon Lebensmitteltüten zum Kauf angeboten, die kann man dann zum Spenden abgeben. D.h. der Supermarkt tafelisiert nicht mehr seine überschüssigen Lebensmittel, sondern verdient auch noch an dem Elend. Wobei ich die Preiskalkulation für die Tüten nicht kenne.
    Solche Spendenaktionen gab es früher nur bei Hungersnöten in der Dritten Welt…

  7. 30 Jahre sind aber eine sehr lange Zeit zum Scheitern eines Konzepts.

    Das Problem scheint eher zu sein, dass mit dem wirtschaftlichen Niedergang auch dieser Teil des Sozialsystems (im weitesten Sinne) schlicht überlastet ist. Was als Unterstützung für Härtefälle gedacht hat war, wird zur Dauereinrichtung für immer größere Bevölkerungsteile.

    Dass der Staat sich mit Verweis auf die Tafeln aus seiner Verantwortung stiehlt, gilt natürlich seit dem ersten Tag. Nichtsdestotrotz kann man aber auch durchaus sehen; dass es besser ist, noch verzehrbare Lebensmittel über die Tafeln zu verteilen, als sie wegzuwerfen.

  8. Ich vermute das mindestens 95 bis 99 % der 60.000 freiwilligen (unbezahlten) Tafelhelfern mehr Empathie mit ihren „Kunden“ empfinden, als der Autor. Ich kenne jedenfalls keinen von ihnen (und ich kenne etliche), die das Versagen des Sozialstaates nicht als Ursache ihrer Hilfeleistung verstehen. Was ist die Alternative? Tafeln einstellen, der Verelendung noch ein wenig Nachdruck geben um dann, ja was, zu befördern Revolution oder erstmal die Montagsdemos 2.0 organisieren?
    Derartige theoretischen Betrachtungen aus der Sesselposition finde ich kalt und überheblich. Sie sind auch eine Beleidigung für die vielen zehntausenden Menschen, die sich etliche Stunden in die Tafelarbeit einbringen. (Übrigens am Wenigsten als Lebensmittelretter – wenn die Tafelausgabe vorbei ist, kommt „Foodsharing“ und verwertet die übriggebliebene Reste).
    Ich denke, die Kritik an dem Sozialstaatsabbau und den neoliberalen Begleitprojekten, wie von McKinsey in die Welt gesetzt, geht hier in eine völlig falsche Richtung – letztendlich spaltet sie. Ich hoffe sie verpufft wirkungslos.

  9. Aberwitzige Diskussion, letztendlich nicht zielführend!

    Deutschland hat fertig!

    Herr Merz wird uns den weiteren Weg aufzeigen! Sure!

    Der US-Wildwest-Kapitalismus zeigt, für was eine Entwicklung Deutschland vorbestimmt ist.

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