Wirtschaftswachstum in den USA verdankt sich fast ausschließlich dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz

Bild: Marco Verch/ccnull.de/CC BY-2.0

Vor allem dank wachsender Verschuldung gibt es in Deutschland mit vermuteten 1,3% ein höheres Wirtschaftswachstum als erwartet. Für die USA liegt es trotz der Eskapaden der US-Regierung unter Trump und einer enormen Staatsverschuldung mit 2,3% höher. Die Energiepreise sind deutlich niedriger, auch wenn sie durch den Krieg gegen den Iran in den USA in die Höhe gingen, vornehmlich sind es die Investitionen in Rechenzentren und KI, die das BIP ansteigen lassen.

Schaut man sich die Situation näher an, wird die Unwucht in den USA allerdings deutlich. Sie zeigt das Risiko des vornehmlich durch Investitionen in KI getriebenen Wachstums, das Präsident Trump mit allen Kräften fördert. Nach Daten von Ökonomen der Harvard Kennedy School ist besonders auffällig, wie Derek Thompson herausgearbeitet hat, wie stark der Bau von Rechenzentren angestiegen ist, der in den USA allerdings auch zu einer Protestwelle geführt hat (Maschinensturm gegen KI- Rechenzentren).

Sieht man sich die von ihm veröffentlichte Grafik an, wird die einseitige Entwicklung überdeutlich. Der Bausektor ist für das gesamte Wirtschaftswachstum ein wichtiger Faktor. 2026 sind die Ausgaben für den Bau von Rechtenzentren bis August um mehr als 60 Prozent gewachsen. Nur noch die Ausgaben für Energie, die auch mit Rechenzentren verbunden sind, liegen mit 4% im positiven Bereich. In allen anderen Sektoren wie dem Neubau von Mehrfamilienhäusern, von Gebäuden im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich oder für den Einzelhandel oder Büros brachen die Ausgaben ein. In der Industrie, die Trump besonders fördern wollte, schrumpften die Ausgaben für Neubauten mit fast 24 Prozent am stärksten. Eine Folge der explodierenden Bauprojekte für KI ist, dass Arbeitskräfte kurzfristig von anderen Branchen abgezogen werden.

Bild: Jason Furman

Erwartet wird, dass in den USA 2026 800 Milliarden US-Dollar in KI investiert werden. Ab 2027 sollen es mehr als eine Billion werden. Die Hälfte der Ausgaben fließt in Herstellung und Kauf von Chips, 20% in die Energieversorgung, 15% in Netzwerkkomponenten, 7,5 in die Kühlung und ebenso viel in den Bau.  Die daran beteiligten Branchen sind die Gewinner des Booms. Die Frage ist allerdings, ob das Rekordwachstum anhält oder ob die Ausgaben der Industrie schnell wieder zurückgehen werden. Bei den größten Unternehmen scheinen die Ausgaben pro Angestellten wieder zu sinken, bei den übrigen wachsen sie noch. Allerdings sinken die Einnahmen der KI-Unternehmen oder haben ein Plateau erreicht, während die Nutzung steigt. Das wäre ein Verlustgeschäft. Tatsächlich fallen die Preise, was auch mit der harten Konkurrenz zu tun hat.

Der KI-Boom frisst viel Kapital und macht wenige Menschen reich, aber er teilt eine Eigenschaft allgemein mit der Digitalisierung: Das Wachstum schafft nicht mehr Arbeitsplätze. Die NZZ stellt dies am Chip-Entwickler Nvidia dar. Der Konzern gehört, siehe oben, zur Branche, in die am meisten Geld fließt. Erwartet wird, dass Nvidia 2026 einen Gewinn von mehr als 350 Milliarden US-Dollar einfahren wird, das ist doppelt so viel wie alle Schweizer Unternehmer. Aber Nvidia beschäftigt lediglich 40.000 Menschen.

Es werden, was auch für Google, Apple, Microsoft und Co. gilt, enorme Gewinne gemacht, aber keine Arbeitsplätze geschaffen (jobless growth). Die Tendenz ist, dass viele Arbeitsplätze verschwinden und von der KI übernommen werden. Jetzt schon lässt sich sehen, dass zwar diejenigen, die bereits Erfahrung haben, auch in Branchen, die als KI-gefährdet gelten, ihre Jobs nicht verlieren, aber Berufsanfänger Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden.

Das lässt in den USA auch die sowieso schon große Ungleichheit weiterwachsen: „Während die Profite unablässig steigen, schrumpft andererseits der Anteil der Löhne am volkswirtschaftlichen Kuchen. Die Lohnquote gemessen am BIP ist auf einen neuen Tiefstand von 52,9 Prozent gesunken. Bis in die frühen 2000er Jahre lag dieser Wert konstant über 60 Prozent.“

Zudem könnte KI das Leben teurer machen, die Inflation erhöhen und die Preise allgemein steigen lassen. So warnte Austan Goolsbee, der  Präsident der Fed von Chicago: „Die Preise steigen in Bereichen, die nicht nur Komponenten in Rechenzentren und den direkt damit verbundenen Branchen betreffen. Ich werde zunehmend nervös, dass es sich dabei einfach um eine klassische, altmodische Überhitzung der Nachfrage handelt.“ Die Federal Reserve führt die Erhöhung der Preise zunehmend auf den Ausbau der KI zurück. Im Septemberbericht der Fed heißt es: „Die meisten Direktoren stellten einen Druck auf die Inputkosten aus vielen Quellen fest, darunter Öl- und Kraftstoffpreise, Zölle, steigende Gesundheitskosten sowie der Wettbewerb um Ressourcen und Lieferungen im Zusammenhang mit dem Ausbau der KI.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
Mehr Beiträge von Florian Rötzer →

Ähnliche Beiträge:

3 Kommentare

  1. Das wird schon ziemlich beeindruckende Zahlen. Was passiert, wenn die Prognosen zutreffen, dass durch KI Arbeitsplätze in Größenordnungen ersetzt werden? Ich las mal, dass jeder, der bei seiner Arbeit vor einem Monitor sitzt, schon mal darüber nachdenken soll, was ihn persönlich unersetzbar macht. Ich habe in den letzten Wochen einige Beispiele dafür gesehen, was mit den kostenpflichtigen Modellen tatsächlich gemacht werden kann und war schon beeindruckt. Ich glaube, wir sollten aus den manchmal absurden und albernen Ergebnissen, die wir beim Spielen mit uns zugänglichen Modellen erzielten, keine falschen Schlüsse ziehen.
    Wie funktioniert Kapitalismus, dessen einziges Ziel die abstrakte Geldvermehrung ist, wenn all die Büroangestellten, Servicemitarbeiter, die Sachbearbeiter in Verwaltungen oder Banken, die Code schreibenden Programmierer in den Softwareschmieden usw. nicht mehr gebraucht werden? Hätte ich meine Söhne Maurer oder Klemperer lernen lassen sollen? Und hätte das was genutzt, wenn keiner sie beauftragen und bezahlen kann ?
    Womit machen Firmen, die die Leistungen der KI verwenden sollen, die Gewinne um sie zu bezahlen. Kriegen arbeitslose Programmierer Kredite, um sich Autos, Häuser oder auch nur Lebensmittel zu kaufen.

    Manchmal denke ich, dass die war pigs, die mit manischer Besessenheit auf einen neuen Waffengang drängen, sich diese Fragen auch schon stellten und dabei beunruhigende Antworten fanden, die sie so handeln lassen, als gäbe es kein Morgen.

    1. Bringen wir es auf den Punkt, letztlich stellst du die Sinnfrage. Wozu das alles? Ist das nicht der Gipfel eines völlig falschen Weges, den die Menschheit eingeschlagen hat? Beim Lesen deines Posts ist mir diese uralte Programmierer-(Spaß)-Frage in den Sinn gekommen: Wozu brauchen wir Computer? Antwort: Damit wir die Probleme gelöst kriegen, die wir ohne Computer nicht gehabt hätten. War wohl noch nie so viel dran wie heute.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen