Wirtschaftssysteme als geopolitische Schicksale

Bild: wiredforlego/CC BY-NC-2.0

Eine Ordnung der Wirtschaftsmodelle und ihre Implikationen für den Weltkonflikt.

Aufbauend auf dem im Overton Magazin erschienenen Artikel „Eigentum als letzte Bastion: Sozialismus, Kapitalismus und die Logik des New Deal“ entwickelt dieser Beitrag eine zweidimensionale Taxonomie von Wirtschaftssystemen. Die vier entstehenden Typen — marktwirtschaftlicher Sozialismus, marktwirtschaftlicher Kapitalismus, planwirtschaftlicher Sozialismus und planwirtschaftlicher Kapitalismus – werden den Hauptakteuren des gegenwärtigen Weltkonflikts zugeordnet. Aus dieser Zuordnung wird eine strukturelle Prognose über die Gewinner und Verlierer eines möglichen dritten Weltkriegs abgeleitet.

I.  Theoretisches Fundament: Eigentum und die zwei Achsen der Systemanalyse

In einem früheren Beitrag für das Overton Magazin wurde die analytische Kernfrage gestellt, ob Planwirtschaft und Kapitalismus überhaupt ein Gegensatzpaar bilden. Die dort entwickelte Minimaldefinition des Sozialismus — verstanden als Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln — bildet das theoretische Fundament des vorliegenden Artikels. Diese Definition erlaubt eine scharfe Trennlinie dort, wo die politische Debatte gewöhnlich in Unschärfe versinkt: Ein Staat kann Preise kontrollieren, Investitionen lenken, Märkte regulieren und dennoch kapitalistisch verfasst sein, solange das Eigentumsrecht an den Produktionsmitteln unangetastet bleibt. Umgekehrt ist ein System sozialistisch, wenn dieses Eigentumsrecht aufgehoben ist — unabhängig davon, ob Märkte existieren oder nicht.

Aus dieser Grundunterscheidung lassen sich zwei voneinander unabhängige Dimensionen ableiten, entlang derer sich reale Wirtschaftssysteme verorten lassen:

Dimension 1 — Eigentumsordnung: Kapitalismus (Privateigentum an Produktionsmitteln) vs. Sozialismus (kollektives oder staatliches Eigentum an Produktionsmitteln)

Dimension 2 — Koordinationsmechanismus: Marktwirtschaft (dezentrale Preisbildung durch Angebot und Nachfrage) vs. Planwirtschaft (zentrale staatliche Steuerung der wirtschaftlichen Aktivitäten)

Entscheidend ist, dass diese beiden Dimensionen — wie der Vorläuferartikel betonte — orthogonal zueinander verlaufen. Planwirtschaft und Kapitalismus schließen sich nicht aus. Ein Staat kann die Koordination der Wirtschaft zentralisieren und dabei das Privateigentum an Produktionsmitteln unangetastet lassen. Diese konzeptuelle Weichenstellung ist der Schlüssel zum Verständnis der heutigen geopolitischen Konstellation.

 

II.  Eine Taxonomie der Wirtschaftssysteme

 

Aus der Kombination beider Dimensionen entstehen vier analytisch distinkte Typen. Diese Typologisierung wird im Folgenden mit konkreten historischen und gegenwärtigen Beispielen unterlegt — wobei die Zuordnung stets idealtypischer Natur ist und reale Systeme hybride Züge tragen.

1.  Marktwirtschaftlicher Sozialismus — Das chinesische Modell

China verkörpert heute den Typus des marktwirtschaftlichen Sozialismus in seiner reinsten Form. Seit den Reformen Deng Xiaopings wurden Märkte zugelassen, Preismechanismen etabliert und private Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen geduldet — und dennoch ist die strategische Kontrolle über die Schlüsselindustrien, das Finanzsystem und die politisch relevanten Produktionsmittel in den Händen der Kommunistischen Partei geblieben. Der Markt fungiert als Instrument zur Kapitalakkumulation und Effizienzsteigerung, nicht als autonomer Steuerungsmechanismus. Das Eigentum an den wirklich relevanten Produktionsmitteln bleibt kollektiv verfasst, vermittelt durch den Parteiapparat.

Diese Konstruktion verbindet die Informationsvorteile dezentraler Marktkoordination mit den strategischen Steuerungsvorteilen zentral gebündelter Eigentumsrechte. Es ist ein System, das in Krisenzeiten — und erst recht im Krieg — eine Ressourcenmobilisierung erlaubt, die weder rein marktlichen noch rein planwirtschaftlichen Systemen zugänglich ist.

2.  Marktwirtschaftlicher Kapitalismus — Das amerikanische Modell

Die Vereinigten Staaten repräsentieren den historisch am weitesten entwickelten Fall marktwirtschaftlichen Kapitalismus. Das Privateigentum an Produktionsmitteln ist verfassungsrechtlich geschützt, die Koordination erfolgt primär über Märkte. Staatliche Eingriffe — vom New Deal bis zum Industrial Policy Revival der Biden-Ära — berühren diese Grundkonfiguration nicht, wie der Vorläuferartikel am Beispiel der Executive Order 6102 von 1933 eindrücklich gezeigt hat: Selbst weitgehende staatliche Eingriffe in Eigentumsrechte blieben im kapitalistischen Rahmen, solange die Produktionsmittel in privater Hand blieben.

Die institutionelle Resilienz des amerikanischen Marktes, kombiniert mit der globalen Leitwährungsfunktion des Dollar und dem militärisch-industriellen Komplex, macht die USA im Krisenfall zu einem widerstandsfähigen Akteur — aber einem mit strukturellen Verwundbarkeiten im Bereich kurzfristiger gesellschaftlicher Kohäsion und langfristiger industrieller Kapazitäten.

3.  Planwirtschaftlicher Sozialismus — Das sowjetische Modell

Die historische UdSSR illustriert den Typus des planwirtschaftlichen Sozialismus: Privateigentum an Produktionsmitteln ist abgeschafft, die Koordination erfolgt durch zentralisierte Staatsplanung. Dieses Modell kombiniert die Schwächen beider Dimension: Die Abwesenheit von Marktpreissignalen erzeugt chronische Allokationsineffizienz, während die Abwesenheit privater Eigentumsrechte Innovationsanreize unterdrückt. Das System kann kurzfristig enorme Ressourcen mobilisieren — wie die sowjetische Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg zeigte — leidet aber unter strukturellem Informationsmangel, der langfristig zu wirtschaftlichem Zerfall führt.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist das historische Urteil über diesen Systemtyp: nicht als moralisches Versagen, sondern als strukturelles Scheitern eines Koordinationsmechanismus, der weder die Komplexität moderner Volkswirtschaften bewältigen noch die Dynamik technologischer Innovation entfachen konnte.

4.  Planwirtschaftlicher Kapitalismus — Das europäisch- russische Modell

Die problematischste und analytisch interessanteste Kategorie ist der planwirtschaftliche Kapitalismus — ein Typus, den, wie im Vorläuferartikel betont, die politische Debatte gewöhnlich nicht als kohärente Kategorie erkennt, weil er weder zum Kapitalismus-Bild der Marktliberalen noch zum Sozialismus-Bild der Linken passt.

Gemeint ist ein System, in dem das Privateigentum an Produktionsmitteln formal erhalten bleibt, die tatsächliche wirtschaftliche Koordination jedoch zunehmend zentralistisch durch regulatorische Dichte, politische Lenkung, Subventionssysteme und bürokratische Planung erfolgt.

Sowohl die Europäische Union als auch das postsowjetische Russland sind paradigmatische Fälle dieses Typus — mit unterschiedlichen institutionellen Ausprägungen, aber derselben strukturellen Logik. In der EU hat sich dieser Zustand schleichend entwickelt: Durch regulatorische Expansion, Industriepolitik, Energieplanung und fiskalische Transfermechanismen wurde eine planwirtschaftliche Koordinationslogik über eine kapitalistische Eigentumsstruktur gelegt. In Russland vollzog sich nach 1991 — wie weiter unten ausgeführt wird — ein geradezu tragischer Übergang: vom planwirtschaftlichen Sozialismus zum planwirtschaftlichen Kapitalismus, also vom zweitschlechtesten zum schlechtesten Systemtyp.

III.  Die Rangordnung: Effizienz, Resilienz und systemische Widersprüche

Aus dieser Taxonomie ergibt sich eine Rangordnung der Wirtschaftssysteme, die nicht normativ, sondern funktional begründet ist: Welches System erzeugt am zuverlässigsten wirtschaftliches Wachstum, technologische Innovation, gesellschaftliche Kohäsion und — entscheidend für die geopolitische Analyse — strategische Mobilisierungsfähigkeit im Krisenfall?

An erster Stelle steht der marktwirtschaftliche Sozialismus chinesischen Typs. Er kombiniert marktwirtschaftliche Effizienz mit staatlicher Steuerungsfähigkeit und kann im Krisenfall Ressourcen mobilisieren, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Eigentumsdebatten zu gefährden. An zweiter Stelle steht der marktwirtschaftliche Kapitalismus amerikanischen Typs: hohe Effizienz und Innovationskraft, aber beschränkte strategische Steuerungsfähigkeit durch dezentrale Eigentumsstruktur. Auf dem dritten Platz der planwirtschaftliche Sozialismus: Steuerungsfähigkeit ohne Effizienzanreize, ein strukturell instabiles Gleichgewicht. Auf dem letzten Platz der planwirtschaftliche Kapitalismus: Er vereint das Schlechteste beider Welten — die Starrheit zentralistischer Koordination ohne die Mobilisierungsfähigkeit sozialistischer Eigentumsrechte, und formales Privateigentum ohne die Dynamik echter Marktkoordination.

IV.   Der tragische Sonderfall Russland

Russlands wirtschaftliche Geschichte nach 1991 ist ein Lehrstück für die Konsequenzen systemblinden politischen Handelns. Der Zusammenbruch der Sowjetunion markierte das Ende des

planwirtschaftlichen Sozialismus. Die unter Boris Jelzin durchgeführten Schocktherapien und Privatisierungsprogramme — konzipiert von westlichen Beratern und durchgesetzt unter dem Paradigma des „Washington Consensus“ — schufen dem Anschein nach die Voraussetzungen für einen Übergang zum marktwirtschaftlichen Kapitalismus. Was tatsächlich entstand, war etwas anderes: eine Oligarchenstruktur, in der formales Privateigentum an strategischen Produktionsmitteln mit informeller politischer Steuerung kombiniert wurde.

Unter Putin konsolidierte sich dieser Übergang zum planwirtschaftlichen Kapitalismus. Die Rückverstaatlichung strategischer Sektoren — Energiewirtschaft, Rüstungsindustrie, Medien — verlief nicht über eine Kollektivierung im sozialistischen Sinne, sondern über politische Kontrolle bei formalem Privatbesitz. Das Ergebnis ist strukturell identisch mit dem europäischen Modell: ein kapitalistisches Eigentumsregime unter planwirtschaftlicher Lenkung.

Damit hat Russland nach 1991 nicht den schlechtest möglichen durch einen besseren Systemtyp ersetzt. Es hat den zweitschlechtesten Systemtyp (planwirtschaftlicher Sozialismus) durch den schlechtesten (planwirtschaftlicher Kapitalismus) ersetzt. Die Ironie der Geschichte ist schwer zu überbieten: Im Namen der Überwindung des Kommunismus wurde ein System etabliert, das dessen strukturelle Schwächen — fehlende Marktinformationen, fehlende Innovationsanreize, politische Ressourcenallokation — beibehält und zusätzlich die sozialen Sicherungsmechanismen und die ideologische Kohärenz des alten Systems aufgibt.

V.   Geopolitische Implikationen: Eine Prognose

Wenn Wirtschaftssysteme Schicksale sind, dann folgt aus der obigen Analyse eine geopolitische Prognose, die im Kern strukturell und nicht intentional ist. Sie fragt nicht nach dem Willen der politischen Akteure, sondern nach den systemischen Bedingungen, die über Ausdauer, Mobilisierungsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz in einem langanhaltenden Großkonflikt entscheiden.

In einem solchen Szenario sind die Verlierer nicht schwer zu identifizieren. Die EU leidet an einer strukturellen Diskrepanz zwischen ihrer wirtschaftlichen Koordinationsform und den politischen Anforderungen einer Kriegswirtschaft: Planwirtschaftlicher Kapitalismus erzeugt weder die Effizienz des Marktes noch die Mobilisierungsfähigkeit staatlicher Eigentumsrechte. Bürokratische Überregulierung, politisch fragmentierte Entscheidungsstrukturen und eine jahrzehntelang vernachlässigte Industriebasis machen die EU zum verwundbarsten Akteur im Wettbewerb der Großmächte. Russland teilt dieses strukturelle Schicksal, ist jedoch zusätzlich geschwächt durch demographischen Rückgang, technologische Abhängigkeit und die oben beschriebene systemische Degradation seit 1991.

Die USA nehmen eine mittlere Position ein. Die Stärken des marktwirtschaftlichen Kapitalismus — technologische Innovationsfähigkeit, Kapitalmarkttiefe, militärisch-industrieller Komplex — werden durch strukturelle Schwächen konterkariert: gesellschaftliche Polarisierung, Infrastrukturverfall, fiskalische Fragilität und eine zunehmend de-industrialisierte Wirtschaftsstruktur. Die USA sind verwundbar, aber nicht strukturell chancenlos.

China hingegen verfügt über eine einzigartige Kombination aus Stärken: ein Wirtschaftssystem, das Marktdynamik mit staatlicher Steuerungsfähigkeit verbindet, eine Industriebasis, die in der Breite keine andere Volkswirtschaft erreicht, eine Eigentumsstruktur, die im Krisenfall schnelle Mobilisierung erlaubt, und eine demographische Masse, die — trotz gegenwärtiger Herausforderungen — strategische Ausdauer ermöglicht. Aus rein wirtschaftssystemischer Perspektive ist China der strukturell bevorteilte Akteur eines globalen Machtkonflikts.

VI.   Schlussbetrachtung

Die hier entwickelte Analyse hat weder prophetischen Anspruch noch ignoriert sie die Komplexität geopolitischer Wirklichkeit. Militärische Faktoren, geographische Gegebenheiten, Führungspersönlichkeiten und historische Zufälle bleiben relevante Variablen. Aber Wirtschaftssysteme sind keine Nebenbedingungen der Geschichte — sie sind deren Gerüst.

Der Vorläuferartikel im Overton Magazin hat die analytische Trennlinie zwischen Eigentumsordnung und Koordinationsmechanismus scharf gezogen. Dieser Artikel hat gezeigt, dass diese Unterscheidung weit mehr ist als eine akademische Klassifikationsübung. Sie beschreibt strukturelle Differenzen in der Krisenresilienz, der Mobilisierungsfähigkeit und der langfristigen wirtschaftlichen Vitalität von Gesellschaften.

Wenn die Geschichte des 21. Jahrhunderts durch einen Weltkonflikt geprägt werden sollte, werden es nicht die Länder mit den lautesten Bekenntnissen zu Freiheit oder Sozialismus sein, die ihn überstehen. Es werden jene sein, deren Wirtschaftssystem am besten in der Lage ist, Ressourcen zu mobilisieren, Innovationen zu erzeugen und gesellschaftlichen Zusammenhalt unter extremem Druck aufrechtzuerhalten.

Günther Orend

Günther Orend hat Anglistik, Germanistik, Philosophie und Pädagogik in Gießen und Siegen studiert und lebt als Privatgelehrter in Berlin. Für Fragen und Anregungen erreichbar unter: g-orend[at]t-online.de
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11 Kommentare

  1. Diese Varianten wurden üblicherweise immer wieder durchgespielt. Sie basieren auf dem Glaubensgrundsatz, dass die Produktionsweise unhinterfragt quasi gottgegeben und selbstverständlich für ewig gegeben sein müssen.
    Das ist und bleibt Religion in der politischen Ökonomie. Auch wenn sich die Apologeten auch der „sozialistischen Marktwirtschaft“ auf Marx berufen, verfälschen sie dessen grundsätzliche Wertform-Analyse, die er „Das Kapital“ vollzogen hat.
    Diese wurde 2017 mit der Neuausgabe des Werkes von Rolf Hecker und Ingo Stützle „Das Kapital 1.1-1.5“, dabei besonders im Teil „1.5 Die Wertform“, :ganz dem Anliegen von Marx folgend, der das ähnlich vorhatte, aber nicht schaffte, zusammen gefasst. Damit stellten sie die Gesamtheit der Aussagen vom Wert zueinander und die Werttheorie auf die Füße.
    Es ist nicht sinnvoll, von Marx grundlegend abweichende „Kapital“-Analysen immer wieder zu melken.
    Alle bisherigen gehen die Sache falsch an. Worin der Irrtum besteht, hat Dieter Wolf erläutert.

    1. Ergänzend, Wolf „Von den allgemeinen Eigenschaften, Arbeitsprodukt und abstrakt menschliche Arbeit zu sein…“ De Gruyter 2017

    2. Es ist auch nicht sinnvoll, immerzu auf der irgendwie ‚richtigen‘ Darstellung von Marxens Wertform rumzuhacken. Der wollte die Produktion nach dem von ihm beschriebenen Wertgesetz abschaffen, im Gegensatz zu den Realsozialisten, die meinten, das Wertgesetz ‚richtig‘ anwenden zu können.

      Der Begriff ‚Kapitalismus‘ taucht mW bei Marx nirgendwo auf und wurde erst nach dessen Tod von von Werner Sombart in die Debatten ‚eingeführt‘.

      Der einzig zutreffende Satz in obigem Text lautet: „Der Markt fungiert als Instrument zur Kapitalakkumulation und Effizienzsteigerung, nicht als autonomer Steuerungsmechanismus“ Statt sich mit den Konsequenzen daraus zu beschäftigen, dh, nach Grund und Zweck zu fragen, gibt der Autor bloß elaborierte Urteile im Stil früherer Preisrichter beim Eiskunstlauf ab.

      Wenn die Akkumlation von Kapital der Zweck der ganzen Veranstaltung und der Markt der Ort ist, wo die Akkumulation realisiert wird, dann meint ‚Effizienzsteigerung‘ Kostensenkung in der Produktion.

      Das funktioniert immer auf zweierlei Art und Weise, Ersetzung der Arbeiter durch Maschinen und Ausweitung der Produktion mit weniger Arbeitern. Das Resultat ist auch stets das gleiche: das akkumulierte Kapital wirft ein vergrößertes Produkt auf den Markt, aber der eingesparte Lohn fehlt, um den ‚Wert‘ auf dem Markt zu realisieren.

  2. Meines Erachtens gibt es noch weitere Ebenen:
    – offene/geschlossene Gesellschaft
    – existenzerhaltende/existenzzerstörende Wirtschaft
    Somit gibt es 16 verschiedene Typen
    Zudem gibt es auch noch für alle Ebenen Zwischenstufen. es gibt nirgendwo rein marktwirtschaftliche und rein planwirtschaftliche Gesellschaften/Wirtschaftssysteme.
    Deswegen u.a. ist auch die EU nicht ausschließlich in eine Schublade zu stecken.
    Schwarz-weiß-Denken führen nicht zu sinnvollen Ergebnissen.

  3. „Welches System erzeugt am zuverlässigsten wirtschaftliches Wachstum, technologische Innovation, gesellschaftliche Kohäsion und — entscheidend für die geopolitische Analyse — strategische Mobilisierungsfähigkeit im Krisenfall?“

    Na da fragt man doch gleich weiter.
    Welches System führt am ehesten zum Krieg und welches System führt am ehesten zum Frieden ?
    Und welches System führt automatisch zum Krieg. ?

  4. Chinas Stärke besteht nicht in dem hier vorgestellten »marktwirtschaftlichem Sozialismus«, sondern wie es sich aus kriegerischen und damit verschwenderischen bzw. wertvernichtenden Auseinandersetzungen fast völlig heraus hält. Hier wird auch aufgerüstet, Chinas Militär wächst anteilig entsprechend des wirtschaftlichen Ergebnisses, allerdings ist es ein präsentes und kein agierendes Militär. China verbraucht daher erheblich weniger „Wirtschaftsressourcen für nichts“ als in den US und der EU, wobei die RF versucht die „Wunde im Westen“ hinreichend zu versorgen, ohne sich langfristig unnötig zu verausgaben. Weiterhin entwickelt China natürlich auch eigene Innovationen, doch der größte Teil der Wirtschaft ist weiterhin die des globalen Zulieferers von Allerlei. Die Zahlen nach der „Pandemie“ und die kommenden Einbußen aus dem Konflikt am Persischen Golf (welche kurzfristig waren und sein werden), sprechen da für sich.

    Es werden jene sein, [die einen Weltkonflikt überstehen] deren Wirtschaftssystem am besten in der Lage ist, Ressourcen zu mobilisieren, Innovationen zu erzeugen und gesellschaftlichen Zusammenhalt unter extremem Druck aufrechtzuerhalten.

    Oder eben jene, die am längsten die Füße still gehalten haben werden und und sich nicht vorzeitig verausgabten, während sie ihre Produktionsmöglichkeiten und Innovationsfähigkeiten für unnützes Kriegsgedöns vertrocknen ließen.

    ———-

    Der Autor Günther Orend verbleibt hier – wie angekündigt und was auch völlig in Ordnung geht – bei der Betrachtung und dem Vergleich von Wirtschaftssystemen, doch wäre eine anschließende Analyse des Begriffs „Markt“ wünschenswert, in wie weit dieser ein Pull- oder eher ein Push-System ist, also ein Ort ist, an dem sinnvolle Nachfrage bedient wird oder für den aktiv redundante Bedürfnisse erzeugt werden. Weiter könnte untersucht werden, in wie weit Chinas Wirtschaft von den äußeren, suprakonsumptiven Gesellschaftssystemen (denen China sich angleicht) abhängig ist und wie es in der Zukunft langfristig damit umgehen wird.

  5. Und wieder marxistisch-leninistische Traumtänzerei: „Umgekehrt ist ein System sozialistisch, wenn dieses Eigentumsrecht aufgehoben ist — unabhängig davon, ob Märkte existieren oder nicht.“

    Der Marxist tut so, wie wenn Produktionsmittel einfach von sich aus da wären und nur deren Besitzordnung geklärt werden müsste. Genau daran ist die UdSSR und wird jeder Sozialismus/Kommunismus scheitern.

    Produktionsmittel hängen nicht wie Äpfel an den Bäumen …

    Aber da Leute wie ich hier nichts zu sagen habe werden die Traumtänzer weiter am Tanzen gehalten – und damit das System stabilisert. Das hier ist eine links-marxistische Traumtänzerfabrik. Zur Aufrechterhaltung des SPALTE und Herrsche!

    1. @Ratzefatz:
      Das ist kein Argument, sondern der übliche antikommunistische Reflex aus der Mottenkiste: Erst wird Marxismus zu einer Kinderzeichnung verkleinert — angeblich glauben Linke, Produktionsmittel wüchsen wie Äpfel am Baum — und anschließend wird diese selbstgebastelte Karikatur mit „UdSSR! UdSSR!“ erschlagen. Inhaltlich ist das dünn wie Durchzug.

      Niemand behauptet, Produktionsmittel entstünden ohne Arbeit, Wissen, Technik, Infrastruktur, Rohstoffe, Planung und gesellschaftliche Organisation. Im Gegenteil: Gerade weil Produktionsmittel gesellschaftlich erzeugt werden, ist die Eigentumsfrage überhaupt politisch relevant. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Maschinen vom Himmel fallen, sondern wer über sie verfügt, wer die Arbeit organisiert, wer die Gewinne abschöpft und wer am Ende die Rechnung zahlt.

      Der Text drückt sich genau vor dieser Frage. Statt Eigentum, Macht und Verteilung zu analysieren, wird mit „Traumtänzer“, „links-marxistisch“ und „Spalte und herrsche“ herumgefuchtelt. Das ist kein Denken, das ist ideologischer Alarmanlagenlärm.

      Besonders hübsch ist der Vorwurf der „Traumtänzerei“ von Leuten, die ernsthaft glauben, das bestehende System sei naturgegeben, alternativlos und nur deshalb gerecht, weil irgendwo ein Eigentumstitel herumliegt. Das ist keine Realitätsnähe, das ist Besitzstandsromantik mit Schaum vorm Mund.

      Kurz: Wer so argumentiert, widerlegt keinen Sozialismus. Er zeigt nur, dass ihm zur Eigentumsfrage außer Kalter-Krieg-Folklore und Stammtischnebel nichts mehr einfällt.

      1. Besonders entlarvend ist dieser Satz: „Produktionsmittel hängen nicht wie Äpfel an den Bäumen“. Damit soll in einfacher Sprache gesagt sein, dass die UDSSR und ihre Partnerstaaten dergleichen nie hingekriegt hätten. Selbst der hartgesottenste Antikommunist und Russenhaser weiß es besser, musste er doch seinerzeit von modernen Panzerarmeen über Atomkraftwerke bis hin zu Welttraumstationen missmutig allerlei praxistaugliche Produkte zur Kenntnis nehmen. Dass die befreite Ukraine als Staat weiter existieren konnte und sogar noch kann, beruht zum großen Teil auf all dem Zeug, das der Staatssozialismus seinerzeit zuwege gebracht hat: riesige Heizkraftwerke, Staudämme, Rüstungsindustrie etc. Trotz jahrzehntelanger marktkonformer Verwahrlosung nach 1991 sind Teile davon immer noch funktionsfähig, wie auch jedermann weiß.
        Selbstredend steht solches Allgemeinwissen aber dem bereits vorher feststehenden Urteil nicht im Wege: ‚Realsozialismus kann keine Produktion‘. Sehr nett stellt sich dieser Glaubenssatz in einem Europa der kapitalistisch durchkalkulierten Deindustrialisierung dar….

    2. Die meisten Produktionsmittel (und Arbeitsplätze, zumindest für Deutschland galt das lange so) werden von Kleinunternehmern geschaffen. Da mietet einer eine Halle, stellt Maschinen rein, hat eine Geschäftsidee (die, angenommen, sinnvoll für Kunden ist, also nicht irgend so eine PR-Klitsche oder Plastikdeko-Ramschkiste). Das allererste ist die Idee und dann die Inititative. Und zu all dem kommt es eben nicht, wenn der Unternehmer keinen Sinn darin sieht, so etwas auf die Beine zu stellen. Weil ihm die Verfügung über diese Produktiosnmittel entzogen werden soll. Ja, für Kommunisten soll der Staat oder DIE PARTEI das alles richten …

      Arme Tropfe die sowas ernstlich glauben.

      Ach, und übrigens: ich bin keineswegs ein Verfechter des Kapitalismus, wie Pseudolinke das natürlich billig behaupten müssen, … ich weiß und sage nur, dass Sozialismus/Kommunismus ein falscher weil nicht funktionierender „Ausweg“ ist. Es gibt genug Konzepte für andere Arten des Wirtschaftens als Marx sich vortellen konnte.

  6. Taxonomie? Nirgends kommt das „zum Wohle des Menschen“ vor …
    Um mit Hr. Weinert zu sprechen: Die Taxonomie muss sich in der Erzeugung des allgemeinen Weltwohles spiegeln …

    „Die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Allgemein- / Weltwohles muss das oberste Ziel allen Denkens und Handelns in ziviler Bürgergesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft sein.“

    Es werden immer BIP oder pro Kopf Einkommen etc. herangezogen ..

    Lasst uns andere Kennzahlen entwickeln mit denen wir in den Wettstreit treten…
    (bestimmt nicht Anzahl Panzer)

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