Wird Trump die Midtermwahlen im November verlieren?

Donald Trump 2026
The White House, Public domain, via Wikimedia Commons

Um sich dieser Frage zu nähern, sollte man zunächst wissen, was die Amerikaner über Trump denken. Dafür verwenden wir, wie in unserer ersten Analyse, die von Nate Silver in seinem Silver Bulletin berechneten Akzeptanzwerte. Er gewichtet dabei die ursprünglichen Messwerte, der nunmehr täglich eintreffenden Umfragen u.a. nach Aktualität, Art und Größe der Stichprobe sowie Qualität bei der letzten US-Wahl. Die Befragten sollen eine der folgenden fünf Kategorien auswählen. Sie können Trumps Politik mit sehr gut, gut, unentschieden, schlecht oder sehr schlecht bewerten. Die ersten beiden Klassen spiegeln die Akzeptanz und die letzten beiden die Ablehnung wider. Als Netto-Akzeptanz wird die Differenz zwischen diesen beiden Gruppen definiert. Der Anteil der Unentschiedenen liegt nur bei etwa 5 Prozent und weist auf die starke Polarisierung der Wähler hin. Er wird nicht in die Berechnung einbezogen.

Grafik basierend auf Daten von Nate Silver

In der ersten Abbildung ist die Zeitreihe der Netto-Akzeptanz von Donald Trump seit seinem Amtsantritt zu sehen. Anfangs erkennt man den bei allen neuen Präsidenten vorkommenden Popularitätsverlust. Dieser fällt jedoch von +12 Prozent (am 20. Januar 2025) bis -3 Prozent (am 1. April 2025) besonders massiv aus. Am 2. April inszenierte Trump auf großen Tafeln seine neue Zollpolitik, weil er glaubt, dass das stark negative Handelsdefizit seines Landes zeigt, wie die USA seit Jahrzehnten systematisch von anderen Ländern (insbesondere den größten Exportnationen China, Japan und Deutschland) ausgebeutet werden. Wenn man einen solchen Sachverhalt ändern will, ist Diplomatie der richtige Weg. Aber Trump möchte Druck ausüben und seine Zweikampfstärke mit jedem einzelnen Land demonstrieren. Für ihn ist dieses auch ein geeignetes Bestrafungsinstrument für unwillige Nationen. Fast alle haben seine Vorschläge angenommen. In China jedoch hat er seinen Meister gefunden. Auch der neue Papst zeigt sich furchtlos. Europa hingegen ist mutlos.

Bei diesen extremen Aktionen sind die Weltbörsen steil auf Talfahrt gegangen. Überraschend sanken gleichzeitig die US-Staatsanleihen, obwohl sie sonst in solchen Situationen als sicherer Hafen gelten. Dadurch erhöhten sich die entsprechenden Zinsen und Renditen, womit das Schuldenmachen für Trump bei neuen Anleihen deutlich teurer wurde. Mit diesem Manöver hatte er offensichtlich nicht gerechnet, ruderte zurück und milderte seine Zollpolitik ab. Wie man sieht, fiel die Akzeptanzkurve (siehe Abb. 1) allein im April 2025 von -3 auf -10 Prozent. Somit ergab sich drei Monate nach seinem Amtsantritt ein rekordverdächtiger Popularitätsverlust von 22 Prozentpunkten.

Die Bilanz von Trumps Zollpolitik ist nach einem Jahr ernüchternd, denn im Vergleich zu 2024 (noch unter Biden) ist das Defizit 2025 unter Trump praktisch konstant geblieben. Der Staat konnte zwar zusätzliche Zolleinnahmen generieren, aber die Importunternehmen und vor allem die Verbraucher hatten die Hauptlast der Kosten zu schultern. Außerdem muss jetzt Trump einen Teil der Zolleinnahmen zurückzahlen.

Die Akzeptanz von Trump erholte sich dann etwas, weil u.a. das Justizministerium die Epstein-Untersuchungen für abgeschlossen erklärt hatte. Bemerkenswert ist die anschließende Haushaltsblockade durch die Demokraten, die die Akzeptanzwerte bis auf -15 Prozent fallen ließ.

Die Vorgänge in Minneapolis, wo von der Einwanderungsbehörde ICE zwei Demonstranten getötet wurden, hatte nur geringe Auswirkungen. Insgesamt wird die Migrationspolitik weniger scharf bewertet. Die zugehörige spezielle Akzeptanzkurve verläuft im Durchschnitt etwa 7 Prozentpunkte oberhalb der allgemeinen Kurve, während die Akzeptanz bei Wirtschaftsfragen viel sensibler ist und deutlich darunter liegt.

Die allgemeine Akzeptanzkurve findet in Amerika seit Jahrzehnten große Beachtung. Die beiden Tiefpunkte ereigneten sich 2024 nach der denkwürdigen Wahldiskussion mit Trump, als Biden auf einen Wert von -20,5 Prozent kam und danach seine Kandidatur aufgab. Das absolute Minimum von -20,8 Prozent erreichte Trump in seiner ersten Amtszeit. Somit sind Werte unter -20 Prozent als sehr kritisch einzustufen.

Der völkerrechtswidrige Einstieg in den Irankrieg ist wohl Trumps bisher größter Fehler. Seine Popularität sank unmittelbar auf -17 Prozent (siehe 4). Das liegt auch daran, dass bei diesem Krieg im Gegensatz zu Vietnam, Afghanistan und Irak von Anfang an die Mehrheit der Wähler dagegen war. Doch das kümmert Trump wenig. Der entscheidende Punkt für einen Wahlverlust im November dürften die wirtschaftlichen Folgen sein. So stiegen seitdem die Benzinpreise um fast 50 Prozent auf über 4 Dollar pro Gallone. Das trifft den Nerv der Bevölkerung, zumal nachfolgend auch die Verbraucherpreise (CPI) im Jahresvergleich von 2,4 Prozent für Februar auf 3,3 Prozent für März erheblich angestiegen sind. Diese Verteuerung könnte sich noch verstärken und längere Zeit bestehen bleiben. Für April beträgt die Inflationsrate schon 3,8 Prozent. Durch die Sperre der Seestraße von Hormus hat Iran die entscheidende Karte in der Hand und kann dadurch die Weltpreise für Öl, Gas und Düngemittel in die Höhe treiben. Dies wird uns noch einige Monate beschäftigen.

Trump hat die letzte Wahl durch zwei Versprechen gewonnen. Keine Kriege und keine Inflation. Das erste hat er skrupellos gebrochen und eine durchaus mögliche Inflation könnte ihn später noch empfindlich treffen.

Sitzverteilung im Repräsentantenhaus bei der Prognosebörse Kalshi

 

Schon jetzt zeigen sich negative Auswirkungen auf die Wahlen im November. Das sieht man deutlich an der zweiten Abbildung für die Sitzverteilung der beiden Parteien in Bezug auf das Repräsentantenhaus. Hierzu liefert die weltweit zweitgrößte Prognosebörse Kalshi seit Dezember 2025 entsprechende Werte.

Ausgangspunkt ist die aktuelle Sitzverteilung im Repräsentantenhaus von 220 zu 215 für die Republikaner. Von Beginn an hatten die Demokraten in der Prognosebörse einen Vorsprung von 226 zu 209, der sich bis Ende April auf 235 zu 200 erhöhte. Im Mai konnten die Republikaner Boden gutmachen, weil sie bei einigen (nicht allen) Gerichtsentscheidungen zum Neuzuschnitt von Wahlbezirken (u.a. in Tennessee, Louisiana oder Alabama) siegreich waren. Allerdings halten die Demokraten mit ähnlichen Schritten, wie etwa in Kalifornien, dagegen. Amerikanische Politologen schätzen, dass diese Manöver für Trump bis zu 12 Sitze bringen könnte. Dieses könnte etwas zu hoch sein, weil nicht mehr alle Wahlkreisänderungen vor der Wahl realisiert werden können. Zurzeit führen in der Prognosebörse die Demokraten wieder mit 226 zu 209.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang ebenfalls der Big Data Poll von Ende April mit knapp 4000 Befragten zur Wahl für das Repräsentantenhaus. Dabei erzielten die Demokraten landesweit einen Vorsprung von 11 Prozenten. Bemerkenswert ist, dass erstmals seit vielen Jahren die Demokraten bei den weißen Wählern, die rund 70 Prozent der Wähler ausmachen, knapp in Führung lagen. Ferner zeigte sich bei den Demokraten eine höhere Wahlbereitschaft. Allerdings sind noch etwa 12 Prozent der Wähler unentschlossen und 6 Prozent wollen eine andere Partei wählen.

Die Umfrageinstitute beginnen gerade mit ausführlichen Befragungen in den Wahlbezirken. Dabei werden die weitaus meisten Entscheidungen in den einzelnen Wahlkreisen als ziemlich sicher eingestuft, und zwar mit einem Vorteil von 200 zu 183 für die Demokraten. Zusätzlich werden noch 52 knappe Ausgänge erwartet. Insgesamt sehen die Umfrageinstitute die Demokraten ebenfalls vorn. Man sollte bei diesen Voraussagen beachten, dass Umfrageinstitute den Istzustand beschreiben, während Prognosemärkte den Wahlzeitpunkt im Blick haben.

Nachdem Trump am 22. April den Notzustand im Energiesektor ausgerufen hat, sollen jetzt Maßnahmen folgen. Wie in Deutschland soll an der Benzinsteuer gedreht werden. Diese bringt als Bundessteuer nur etwa 6 Cent pro Liter, weil die einzelnen Bundesstaaten zusätzliche Steuern erheben. Trump könnte nun auch die ursprünglich vorgesehenen 2000-Dollar-Schecks pro Haushalt, die zunächst die Kosten der Zollpolitik ausgleichen sollten (sog. Zoll-Dividende) in einen Energieausgleich umwidmen.

Dieses wird alles wenig nützen, weil die Preisschilder an den Tankstellen und die jeweils in der Monatsmitte veröffentlichten Inflationszahlen die Wähler wütend machen. Wenn am 15. Oktober letztmals vor der Wahl bei diesen Werten eine Vier oder sogar eine Fünf vor dem Komma steht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Trump das Repräsentantenhaus verlieren wird. Im Senat, wo nur für 35 der 100 Sitze Neuwahlen stattfinden, sind die Chancen der Republikaner bei einem knappen Ausgang besser. Diese höheren Lebenshaltungskosten, auf die die Amerikaner sehr empfindlich reagieren, werden Trump den Wahlsieg im Repräsentantenhaus kosten und damit seine politische Macht erheblich einschränken. Allerdings sind es mehr als fünf Monate bis zur Wahl, in denen Trump noch sehr spezielle Ideen entwickeln könnte, um seine Niederlage abzuwenden.

Es ist schon bitter, von hier mit ansehen zu müssen, wie dieser korrupte, irrationale und machtbesessene amerikanische Präsident die Fundamente der Demokratie aushöhlt und das Ansehen seines Landes zerstört.

Walter Mohr und Frank Püschel

Walter Mohr und Frank Püschel
Prof. Dr. Walter Mohr absolvierte ein Studium der Mathematik und der Wirtschaftswissenschaften. Seine Lehr- und Forschungstätigkeiten an Fachhochschulen und Universitäten führten zu über 50 Veröffentlichungen – insbesondere in den Bereichen Zeitreihenanalyse und Wirtschaftsprognosen.

Dr. Frank W. Püschel studierte Mathematik und Wirtschaftswissenschaften. Er ging Lehrtätigkeiten im Hochschulbereich nach. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den Gebieten der Zeitreihenanalyse und Wirtschaftsprognosen.
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5 Kommentare

  1. Völlig egal, wer da gewinnt oder verliert!
    Der politische Kurs ist doch im Prinzip der Gleiche, Verhinderung des Zusammenbruchs der hegemonialen Stellung, Verhinderung des Zusammenbrechens des Dollars als Leitwährung, Verhinderung einer europäischen Friedensordnung unter Einschluss Russlands und China möglichst viel Knüppel zwischen die Beine werfen, Trump ist nur unverblümter.
    Diese USA sind der große Friedensstörer, es wird mit diesem Land keine friedliche Welt geben können!
    Die ganze dieser bluttriefenden Geschichte dieser spricht doch für sich!
    Gleichheit und „Streben nach Glück“ zu postulieren, dabei aber die Sklaverei beibehalten und über die Stellung der Frau in deren Verfassung braucht man sich auch nicht zu unterhalten.
    Dieser ganzen Nation wurde die Heuchelei direkt mit in die Wiege gelegt!!
    Manchmal denke ich, obwohl ich selbstverständlich gegen die Sklaverei bin, ob es für die Menschheit nicht besser gewesen wäre, wenn die Konföderierten den Bürgerkrieg gewonnen hätten!
    Vielleicht wären drei statt zwei Staaten in Nordamerika für das Wohl der ganzen Menschheit besser gewesen!
    Ich mein ja nur!
    Wer da in den USA der aktuelle Exponent des Kapitals ist…..egal!
    Für mich immer so ziemlich das Gleiche!

    1. @ Wallenstein 17 Uhr 13 Sie treffen den Nagel auf den Kopf: es ist doch politisch völlig egal, welche Figur da „regiert“ .

      Der jetzige hat offenbar überhaupt keinen Genierer. Der letzte, der wollte einen auf Gentleman machen, aber die Politik war nicht anders.

  2. „Wenn am 15. Oktober letztmals vor der Wahl bei diesen Werten eine Vier oder sogar eine Fünf vor dem Komma steht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Trump das Repräsentantenhaus verlieren wird.“

    Eine sichere Methode die Fünf vor dem Komma oder noch höhere Inflationswerte zu erreichen, wäre eine Fortsetzung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen den Iran. Sollte dies passieren, droht der Iran mit dem Beschuss der Ölquellen und Verladestationen auf der arabischen Halbinsel. Die Straße von Hormus wäre weiter geschlossen, die Notvorräte spätestens im Juli aufgebraucht. Dann würden die Preise richtig steigen und für lange Zeit auf hohem Niveau verbleiben.

    Dann müsste die FED die Zinsen erhöhen, was bei ca 40 Billionen Staatsschulden die Schuldenlast erdrückend werden lässt.

  3. „Trump hat die letzte Wahl durch zwei Versprechen gewonnen. Keine Kriege und keine Inflation.“
    Zuerst zum Versprechen, keine Kriege zu führen, das ein echtes Versprechen ist, und tatsächlich von Trump gebrochen wurde. Aber die Entführung Maduros und Frau werden die Amerikaner Trump nicht negativ anrechnen. Vielleicht sollte man das Versprechen so umformulieren, dass Trump versprochen habe, keine Kriege zu verlieren. Der Irankrieg hat den USA schon viel Geld eingebracht, durch die Bombardierung der arabischen Staaten durch den Iran. Wie es weiter geht ist noch offen, aber wenn Trump das Uran bekommt und eine Übereinkunft über die Straße von Hormus erzielt, sieht es gut für die midterms aus.

    Keine Inflation ist kein Versprechen, sondern bedeutet, dass es für Trump ein Ziel ist, für das er sich einsetzen will. „So stiegen seitdem die Benzinpreise um fast 50 Prozent auf über 4 Dollar pro Gallone.“ wird im Artikel zur Verdeutlichung der Inflation angeführt. Lassen wir mal ausrechnen: 4 USD/gal sind 0.91 EUR/L. Wegen 91 Cent pro liter wird Trump die Midtermwahlen nicht verlieren.
    Es gibt aber noch andere Ziele, und die können in Konflikt mit der Inflationsbekämpfung miteinander. Trump hat „versprochen“, die Deindustrialisierung zu stoppen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, Senkung der Löhne oder Zölle. Die Industrieproduktion ist in USA im letzten Jahr um 1,4% gewachsen. Die aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamts der BRD zeigen für 2025 gegenüber 2024 einen Rückgang der Industrieproduktion von rund –1 % bis –2 % an.
    Das Wirtschaftwachstum in USA betrug im letzten Quartal 2%.
    Fazit der Autoren:
    „Es ist schon bitter, von hier mit ansehen zu müssen, wie dieser korrupte, irrationale und machtbesessene amerikanische Präsident die Fundamente der Demokratie aushöhlt und das Ansehen seines Landes zerstört.“
    HAHAHA

  4. Die viel relevantere Frage ist: Falls der US-Imperator von den Wählerinnen und Wählern gestürzt werden sollte, wer oder was kommt als Nachfolger?

    Sicherlich ist Trump für die herrschende ökonomische, mediale und politische US-amerikanische Nomenklatura ein „perfekter“ Imperator, aber der Nachfolger, egal ob Republikaner oder Demokrat, könnte für die US-Bürger und die Welt noch schlimmer sein als Trump. Aber man soll ja den Teufel nicht an Wand malen bevor er im Weißen Haus sitzt.

    Man muss sich nur Deutschland ansehen. 1970 wollte ein SPD-Kanzler (Willy Brand) mehr Demokratie wagen. Dann kam 1982 der Leistungsträger Helmut Kohl und seine Partei der Vereinigten „Christen“ und schleifte 16 Jahre lang den Sozialstaat. Anschließend kürzte der neoliberale Gerd Schröder mit seiner SPD die Renten, die Arbeitslosenunterstützung und schuf den „besten Niedriglohnsektor Europas“. Das neoliberale DDR-Merkel von den Vereinigten „Christen“ öffnete dann alle Grenzen und trieb die Wählerinnen und Wähler in die Arme einer rechten Partei, die sich selbst als „alternativ“ bezeichnet, weil sie noch asozialer ist als die FDP. Das woke und regenbogenfarbene SPD-Olaf hat gegendert und sonst gar nichts gemacht, weil er sich an nichts erinnern kann.

    Jetzt haben wir einen CDU-Bundeskanzler, der 2008 ein Buch geschrieben hat mit dem Titel: „Mehr Kapitalismus wagen“ und es als „gerecht“ bezeichnet, wenn der reichste Deutsche über ein Vermögen von 50.000 Millionen Euro verfügt und immer noch reicher wird und sich gleichzeitig 1,5 Millionen Bürger bei den Tafeln anstellen, weil das Geld nicht für die Miete und zum Essen reicht, und im Winter in Hamburg 15 oder noch mehr Obdachlose auf der Straße erfrieren.

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