
Das Thermometer kletterte am 4.8.2026 in Wien Stammersdorf auf 41 Grad im Schatten. Hitze, Trockenheit und Waldbrände im Stadtgebiet machen die Folgen der Klimakrise in der ehemals „lebenswertesten Stadt der Welt“ für alle mehr als spürbar. Lösungen sind nicht in Sicht.
Im Jahr 2026 hat es insbesondere im Osten Österreichs viel zu wenig geregnet. Normalerweise würden die Hitzewellen des Sommers (Wien erlebt seine dritte) das Wasser aus dem Boden saugen. Die dadurch entstehende Verdunstung kühlt. Es ist aber kein ausreichendes Wasser mehr im Boden, das verdunsten könnte.
Die Wiener Lobau ist ein am südöstlichen Rand der Stadt gelegenes Auenland. Nominell wäre es somit feucht, aktuell ist es in Brand geraten. Feuerwehren rückten aus, um den Vegetations- und Waldbrand schnellstmöglich einzudämmen.
In dem Naturschutzgebiet befindet sich nämlich auch der Ölhafen Lobau mit einem Großtanklager. Ein Übergreifen der Flammen auf die Anlage hätte wohl zusätzliche katastrophale Folgen und eine dicke, schwarze Brandwolken von brennendem Erdöl würden die Zwangsmetapher Lobau unschön abrunden.
Gutes Beispiel Lobau
Die Lobau ist nämlich seit Jahren ideologischer Kampfplatz. Die Stadtregierung lobt sich gerne selbst wegen der artenreichen Naturoase im Stadtgebiet und betont ihren Wert als Naherholungsgebiet.
Die Stadtregierung in Wien hat nur eine einmalig merkwürdige Weise ihre Liebe zur Natur zu zeigen. Weil die Sumpfgewächse und Vogerln einem unbedingt nötigen Autobahnring im Wege sind und weil man heute einfach nicht mehr als Vollbetonierer dastehen will, soll die Lobau untertunnelt werden.
Menschen mit entsprechendem Know-how wiesen jahrelang auf die ökologischen Folgen einer Untertunnelung hin (es zeigt sich, was unter der Erde ist, steht im Zusammenhang mit dem Oben) und überhaupt wurde die Sorge artikuliert, wie neuen Autobahnmeilen mit Energie- und Verkehrswende, zu der man sich ja auch in Wien verpflichtet hat, in Verbindung zu bringen sind.
Jahrelange Proteste nützten nichts, der Autobahntunnel wird gebaut, obwohl er für viele Expertinnen weder wirtschaftlich noch verkehrstechnisch viel Sinn ergibt. Die Bereitschaft der Stadt, tiefgreifende Änderungen im Kampf gegen die Klimakatastrophe zu wagen, wäre damit allerdings ausreichend illustriert. Im Sommer 2026 steht nun das Naturschutzgebiet also in Flammen. Vielleicht kann man es danach einfach betonieren und spart man sich das Tummelgraben.
Wassersorgen
Wien hat anders als viele Gemeinden in Österreich eine gute Wasserversorgung, aber auch in Wien wird das Wasser knapp. Die Wasserkraftwerke Österreichs, die dem Land jahrzehntelang eine europaweit gute Ökobilanz mit hohem Anteil erneuerbarer Energie beschert haben, müssen abgeschaltet werden oder fahren nur mir mit verminderter Leistung.
Auch dies wieder eine unschöne Krisenmetapher. Auf Österreichs Wasserkraft hatte man sich verlassen und deswegen gedacht, man könne sich den Ausbau anderer erneuerbarer Energiequellen sparen. Sehen doch auch hässlich aus, diese Windräder.
Jetzt hat man den Scherbenhaufen, weil sich – konnte das irgendwer vorhersehen? – in den prognostizierten immer heißeren Sommern Stauseen und Flüsse leeren. In Wien haben Hydrologen Grundwassertemperaturen von 25 Grad Celsius gemessen. In Österreich wären zehn Grad normal. Inwieweit dies die Mikroorganismen belastet, die Österreich Grundwasser – übrigens unentgeltlich – reinigen, wird sich zeigen.
Tatsache ist, der Katastrophensommer 2026 müsste auch dem letzten Menschen in Austria vor Augen führen, dass das angebliche wasserreiche Land in großen Schwierigkeiten ist und es jetzt dann wirklich einmal an der Zeit wäre, etwas zu ändern. Aber danach sieht es nicht aus.
Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig von der ÖVP strahlt die Selbstsicherheit des Kapellmeisters auf der Titanic aus und ist sich gewiss, der nächste Regen kommt bestimmt und dann haben die Leute den Spuk auch wieder vergessen. Die enormen Ernteausfälle und die damit verbundenen steigenden Verbraucherpreise und die steigende Energiekosten durch die Kraftwerksausfälle könnten im Herbst allerdings ärgerlich werden. Aber alles nichts, dass ein festes Gewächs aus dem Bauernbund groß zum Umdenken bewegen würde.
Weitere Notmaßnahmen
Derweil sieht es in der Stadt Wien schlecht aus. Als Info für die geneigten Leserinnen und Leser, die den Wien-Touristikern nicht schmecken wird: Kommen Sie jetzt nicht nach Wien! Es ist wirklich schrecklich hier.
Die dichtbebaute, historische Stadt speichert die Hitze zwischen Mauern und Asphalt. Die Wiesen sind braunverbrannt auf die Straße begeben sich tagsüber nur mehr die, die müssen. Gesundheitsorganisationen warnen auch junge und gesunde Menschen vor dem Aufenthalt im Sonnenlicht. Nicht dass es anderenorts in Europa viel besser aussähe, aber Wien ist aufgrund seiner Baustruktur einfach besonders schlimm.
Die Stadt wurde eben in die falsche Klimazone gebaut. Heutige Versuche, dies zu korrigieren, schlagen nur langsam an. Ja, man hat mehr Bäume gepflanzt. Aber dies in einer possierlichen Weise. In den elendslangen Parkspuren der Autos (den wahren Herrschern der Stadt) wurde so in einigen ausgewählten Straßen jeder vierte Parkplatz aufgegeben und mit einem Baum versehen.
Den kleinen unversiegelten Umraum, den der Baum zum Überleben braucht, dürfen Anwohner mit Blumen begrünen – herzig. Unterm Strich scheint es, dass jeder Parkplatzverlust ein harter Kampf war. Heute rufen Pensionisten dazu auf, mit der Gießkanne insbesondere die Jungbäume zu wässern, damit die in der Sommerhitze 2026 jetzt nicht krepieren.
Auf Wiens Hydranten setzt die Stadtverwaltung kleine Wasserduschen. Ganze hundert Stück gibt es davon für zwei Millionen Einwohner. Man darf bei der Stadt anrufen und sich die Installation wünschen. Dann emittiert das Stangerl zwischen 12 und 18 Uhr einen leichten Sprühnebel, der das „Mikroklima verbessert“. Muss man der Stadt lassen, sie findet immer neue Bilder für die Verzweiflung.
Selbstverständlich ändert der Sprühnebel nichts. Hartgesottene Kinder, die es in der Hitze noch aushalten, freuen sich 93 Sekunden lang über den „Wasserspaß“. Ansonsten wurde die Frage laut, ob das nicht Wasservergeudung sei. Nein, ist es nicht, denn der Sprühnebel verbraucht nicht viel – gut zu wissen.
Die erste schlimme Hitzewelle ereilte die Stadt bereits im Juni. Zu einem Zeitpunkt also, als noch die Schulen in Betrieb waren. Die Kinder hatten ungefähr 33 Grad im Klassenzimmer, was vermutlich mit einem gewissen Leistungsrückgang einherging. Jetzt verspricht die Stadt im Einklang mit der Bundesgesetzgebung Maßnahmen zu ergreifen.
Man will bürokratische Hürden für den Einbau von Klimaanlagen in Gemeindebauten (die im „roten Wien“ von großer Bedeutung sind) und in öffentlichen Gebäuden erleichtern. Das hat ein bisschen was von Endzeitwitzfilm.
Wiens „Plan“
Also hier die Kurzzusammenfassung: Die politischen Entscheider in Stadt und Land wissen jahrzehntelang von der aufkommenden Bedrohung durch die Klimakatastrophe. Die Energie- und Verkehrswende wird propagiert, aber mehr oder weniger nicht umgesetzt, weil man den politischen Gegendruck fürchtet.
In Wien werden ein paar Parkplätze durch Bäume ersetzt und man schraubt einige PV-Anlagen auf Kindergärten (wofür man sich dann übrigens jedes Mal ausgiebig feiern lässt). Es gibt durchaus zusätzliche Radwege und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, allerdings schafft man auch hier keinen strukturellen Umschwung.
Bis heute haben Straßenbahnen keine Vorfahrt und stehen mit den Autos im Stau. Und ja, man will eine neue Stadtautobahn samt Tunnel unter dem Naturschutzgebiet bauen, als wollte man sicher gehen, dass alle Ökomaßnahmen in ihrer Gesamtwirkung wieder negiert werden.
So und jetzt will man die Gebäude der Stadt schnell mit Klimaanlagen vollpflastern und das nur ja nicht bürokratisch. Heißt übersetzt, es wird sich niemand mit Nachhaltigkeitskriterien aufhalten. Die Energiebilanz, namentlich von nachträglich eingebauten Klimaanlagen ist verheerend. Und wie soll der zusätzliche Strombedarf gedeckt werden? Mit Wasserkraft?
Der Wildwuchs an Klimageräten ist jetzt in Wien bereits zu sehen, die Schnorchel der Klimageräte hängen überall aus den Fenstern. Wer die vollkommen überhitzten Straßen in Wien entlang geht, kommt zuweilen in den Strahl eines solchen Apparates und darf das Erlebnis genießen, in schweißtreibender Hitze nochmals angeföhnt zu werden.
Die Klimageräte können schließlich nichts anderes tun, als die Hitze aus Innenräumen in den Stadtraum zu verlagern. Chinesische Forschungen haben ergeben, dass der Straßenraum durch die Abwärme von Klimageräten um bis zu 18 Grad erhitzt werden kann. Das wären dann also knapp sechzig Grad über dem Asphalt von Wien. Da bleibt einem dann nichts anderes mehr übrig, als in den klimatisierten SUV zu steigen und die Flucht in den nächsten Autobahntunnel anzutreten.
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Nur Physikleugner und Klimaleugner behaupten so was:
“
Lösungen sind nicht in Sicht.
“
Oder wartet der Autor immer noch auf das Eintreten der Vorhersagen eines Fritz Vahrenholt von vor 15 Jahren das es kälter werden wird?
„Lösungen sind nicht in Sicht … “
… aber es gibt doch soviele Windräder! Würde man die alle auf V-max laufen lassen, hätten wir zumindestens Wind. Dann wäre es etwas erträglicher als bei stehender Luft! 😜
Oder Klimaanlagen draußen installieren … auch ’ne Möglichkeit?! ☺️
Das mit den Energieerhaltungssatz ist nicht jedermanns Sache.
“
Oder Klimaanlagen draußen installieren
„