
Aufklärerische Versuche über einige Gründe für das Mobilisierungsproblem der Friedensbewegung – und wie es überwunden werden kann.
„Krieg ist ein Spiegelbild unseres Versagens, Konflikte friedlich zu lösen, Gemeinsamkeiten zu finden und eine Welt aufzubauen, die auf Gerechtigkeit und Gleichheit beruht.“ – Erich Fromm
Einleitung: Ausgangssituation und kurzer Problemaufriss
In den letzten Monaten ist eine Reihe von Analysen publiziert worden, die sich mit der Schwäche und den Zukunftsaussichten der deutschen Friedensbewegung beschäftigen. (1)
Sie belegen die Dringlichkeit, über diese Fragen eine möglichst vorurteilsfreie und unvoreingenommene Debatte zu führen. Als jemand, der in den letzten Jahren an verschiedenen Friedensdemonstrationen teilgenommen hat, sich selber als undogmatisch links bezeichnen würde (2) und wegen der Friedenspolitik in das BSW eingetreten ist (genauer gesagt war die Friedenspolitik für mich das zweite wichtige Motiv, das erste war die Corona-Aufarbeitung, die ich für unabdingbar zur Wiedererlangung des gesellschaftlichen Friedens halte), möchte ich zu dieser Diskussion meinen Beitrag leisten. Da ich einerseits an friedenspolitischen Aktionen interessiert bin und mich dafür engagiere, andererseits an Planungen und an der Organisierung bislang nicht beteiligt war, glaube ich, über ein richtiges Maß an sympathisierender Nähe und kritischer Distanz zur Friedensbewegung zu verfügen, um mich dazu zu äußern.
Die Friedensbewegung hat meiner Ansicht nach nur dann eine Zukunft, wenn sie eine realistische politische und gesellschaftliche Diagnose geben kann. Nur auf der Grundlage einer nüchternen, klar und schonungslos offen erfolgenden Lagebeschreibung können erfolgversprechende Strategien entwickelt werden. Davon ist die Friedensbewegung momentan weit entfernt, sie ist kein entscheidender Faktor in der Politik.
Warum ist das so?
Im Folgenden werde ich hierfür sechs Gründe nennen. Sie scheinen mir zur Klärung der Frage: „Quo vadis deutsche Friedensbewegung?“ relevante, bislang zu wenig beachtete Aspekte anzusprechen. Ich bin mir ziemlich sicher: Würden diese derzeit (noch?) mit Tabus belegten Punkte in den Fokus der Diskussion gestellt werden, könnten sie der Friedensbewegung wichtige neue und lagerübergreifende Perspektiven eröffnen. Die öffentliche Wahrnehmung würde sich verändern, die Friedensbewegung würde nicht länger am Rand, sondern im Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzung stehen. Die Folge: Rückhalt und Überzeugungskraft der Friedensbewegung würden wachsen und sie könnte dadurch eine größere Handlungssouveränität, mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen gewinnen.
In der Bevölkerung durchaus vorhandene kritische Einstellungen zur Kriegstüchtigkeitspolitik erhielten so eine größere öffentliche Repräsentanz. Die kritischen Haltungen gegenüber einer Kriegs- und Rüstungspolitik haben in den vergangenen Jahren keineswegs abgenommen – und das trotz der notorisch einseitigen Darstellung des Ukraine- und Gaza-Konflikts in den Mainstream-Medien. So sieht in einer aktuellen Umfrage für das Magazin Stern nur die Hälfte der Befragten in Russland eine kriegerische Bedrohung oder die Gefahr eines bevorstehenden Angriffs durch Russland. Seit Kriegsbeginn sprechen sich konstant zwei Drittel in Umfragen für Friedensverhandlungen aus (3). Obwohl fortwährend aus allen Rohren mit Regierungspropaganda auf die Leute geschossen wird, verfängt diese also nicht wie erwünscht. Das übersetzt sich aber nicht in mehr Zulauf und wachsendes Engagement für die außerparlamentarische Friedensbewegung. Gerade das wäre jedoch wichtiger denn je, denn eine konsequente friedenspolitische Kraft fehlt im Bundestag.
Durch die geschlossene Weigerung der Altparteien, die offiziellen 4,981 Prozent des BSW trotz festgestellter Unregelmäßigkeiten nachzählen zu lassen, ist deutlich geworden, dass das Berliner Polit-Establishment mit aller Macht die Partei von Sahra Wagenknecht aus dem Parlament heraushalten will. Schließlich steht mit dem Ausschluss des BSW nicht weniger als die Mehrheit der Koalition für Kriegskredite und Kriegswirtschafts auf dem Spiel. Erwähnenswert ist unbedingt der Beitrag der Linkspartei zu dieser Entwicklung. Im Frühjahr 2025 hätte die Linkspartei die Politik der Selbstschädigung stoppen oder verlangsamen können. Im Bundestag setzte sie sich selbst schach-matt, in dem sie darauf bestand, keinesfalls mit der AfD stimmen zu wollen. Im Bundesrat votierten die Länder mit Linkspartei-Regierungsbeteiligung Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sogar für das 500 Milliarden-„Sondervermögen für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz“. Dieses regierungskonforme Verhalten setzte für eine Friedensmobilisierung die falschen Signale. Ein Versagen, das in seiner historischen Tragweite Erinnerungen an die Krise und Spaltung der Linken 1914 wachruft.
Sechs Thesen zur Schwäche der Friedensbewegung und wie sie überwunden werden kann
- Es gibt mehr als eine Friedensbewegung. In der Praxis ist der Exklusivitätsanspruch der „alten“ Friedensbewegung hoch problematisch. Sie schwächt das Anliegen, die Forderungen nach Frieden, Diplomatie und Völkerverständigung in einer politischen Massenbewegung mit Nachdruck auf die Straße zu bringen. Wie hinter einer Brandmauer, scheint sich die „alte“ Friedensbewegung vor „unsauberen“ Einflüssen von außen schützen zu wollen. Von dieser Position aus verkündet sie, wer dabei sein dürfe und wer nicht. Das zeugt von einer gewissen Überheblichkeit und vom Glauben an eine Art Monopolstellung in Fragen der politischen Korrektheit. Angesichts der realen Schwäche mutet das wie eine Unfähigkeit zu realistischer Lagebeurteilung an. Zu kurz kommen dabei situationsbezogene und pragmatische Klugheit.
Tatsächlich gibt es derzeit in Deutschland drei voneinander getrennt wahrzunehmende Gruppierungen der Friedensbewegung:
Erstens die klassisch westdeutsche, alte, inzwischen überalterte Friedensbewegung in der Tradition der Ostermärsche und der Anti-Atomtod-Bewegung, die ihre beste Zeit Anfang der 1980er Jahre mit höchstem Mobilisierungsgrad im Kampf gegen die Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen hatte (Drei Millionen Menschen waren 1983 dagegen in Deutschland auf der Straße). Zweitens die von der Querdenker-Bewegung kommende Friedensbewegung, die sich in Berlin 2024 hinter Michael Ballweg („Querdenken 711“) geschart hat. Zu ihr gehört z.B. auch das Münchener Bündnis „Macht Frieden“, das seit 2023 zu Protesten gegen die Münchener Sicherheitskonferenz aufruft. Vom links-dominierten Anti-Siko-Bündnis holte es sich für seinen Vorschlag für gemeinsame Demonstrationen wegen „Rechtsoffenheit“ eine Abfuhr (4). Drittens die AfD-nahen Montagsspaziergänge, insbesondere in Ostdeutschland. Es hat sich eine beharrlich über Jahre aktive Protestszene herausgebildet, die in zahlreichen Städten und auch kleineren Gemeinden für den Frieden, eine bessere Zukunft und die Corona-Aufarbeitung regelmäßig auf die Straße geht. Einschlägige Telegram-Kanäle dokumentieren z.B. für den 19. Januar 2026 Demos und Aktionen in Bautzen, Trostberg, Altenburg, Gifhorn, Ritterhude, Bad Salzungen, Schmölln, Zeulenroda, Hermsdorf, Grimma, Görlitz, Hennef, Oschersleben, Hildesheim, Ziegenrück, Ilmenau, Pforzheim, Berlin-Köpenick, Meinungen, Chemnitz, Aschersleben, Wandlitz, Halle/S., Amberg.
Warum können die, die Frieden wollen, sich nicht aufeinander beziehen?
Das gemeinsame Problem dieser drei Friedensbewegungen hat Gabriele Gysi in einem Gespräch mit NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg und Konfliktforscher Leo Ensel (5) gebracht, das als Video unter dem Titel „Friedensbewegung erstarrt in Ritualen“ im Netz abrufbar ist: Sie sei froh, dass die Friedensdemos stattfänden, aber was sie wirklich traurig mache, sei, „dass sich nicht aufeinander bezogen wird“. Gysi fährt fort:
„Ich habe zum Beispiel auch auf der Friedenskundgebung gesprochen, die Michael Ballweg organisiert hat. Da waren ungefähr fünfzig- bis sechzigtausend Menschen – und Jüngere, weil die aus einer anderen Ecke kamen. Die kamen aus einer Selbstfindung, aus einer Ecke des göttlichen Friedensverständnisses…, aber man äußert sich für den Frieden. Warum können diese Bewegungen sich nicht aufeinander beziehen, warum gibt es diese strengen Regeln, in denen man sich gar nicht zur Kenntnis nimmt? Mir ist doch völlig egal im Moment aus welchen Gründen jemand für Frieden ist, Hauptsache er ist es! Warum kann man sich nicht aufeinander beziehen?“
Ensels Reaktion – ich nehme ihn als einen aufgeschlossenen, geistig beweglichen Vertreter der alten Friedensbewegung wahr – ist trotz seiner Aufgeschlossenheit doch als symptomatisch für den Zustand und das Denken der alten Friedensbewegung zu bezeichnen. Nachdem Gysi die Teilnehmerzahl der Ballweg-Kundgebung genannt hat, die meiner Einschätzung nach zutreffend sein dürfte (6), wirft er „So viele?“ ein.
Herr Ensel kann sich also nicht vorstellen, dass Michael Ballweg so viele Leute auf die Straße gebracht hat. Er hat sich über die Kundgebung offensichtlich auch nicht informiert und er war „natürlich“ auch nicht da, und mit all dem bestätigt er Gysis These. Die Richtigkeit von Gysis These wird indirekt noch einmal bestätigt, denn auch Florian Warweg, der die Gesprächsführung hat, greift diesen Punkt von Gysi weiter nicht auf, er wird nicht vertieft, sondern bleibt als quasi monologisches Eingangsstatement Gysis stehen – fast wie ein Fremdkörper. Und so ist nach vier Minuten des Gesprächs leider auch schon ziemlich viel Luft aus dem Gespräch heraus und in den verbleibenden 35 Minuten müht man sich doch etwas ritualisiert mit Antworten auf die Frage ab, warum die Friedensbewegung in Ritualen erstarrt sei.
Die Antwort auf Gysis Frage lautet vorerst: Die, die Frieden wollen, können sich nicht aufeinander beziehen, weil sie sich gar nicht wahrnehmen!
Was also müsste geschehen, damit sich das ändert und sie sich überhaupt, wie Gysi sagt, erst einmal gegenseitig zur Kenntnis nehmen würden? Das nicht viel mehr über diese Abschottung nachgedacht wird, ist vielleicht das größte Hindernis auf dem Weg zu einer mobilisierungsfähigen und wirkungsvollen Friedensbewegung.
- „Die“ Friedensbewegung sollte sich selbst nicht als eine NGO verstehen und nicht so agieren. Vielmehr müsste sie sich beherzt gegen das NGO-Unwesen in der BRD stellen, für das der Philosoph und Publizist Michael Andrick das Akronym GONGO (Government-Operated Non-Governmental Organizations) erfunden hat. Mit dem würden sie als genau das markiert werden, was sie in Wahrheit, so Andrick, geworden seien: „Vorfeldorganisationen des Parteienkartells“ (7). Auch wenn man in Bezug auf „die“ Friedensbewegung nicht von einer NGO sprechen kann, tummeln in ihrem Umkreis sich doch genug solcher vom süßen Gift des Staates abhängigen GONGOs, die auf die Friedensbewegung Einfluss nehmen. Vielleicht zielt diese Einflussnahme weniger auf Einzelfragen, sicher aber auf die Aufrechterhaltung der Brandmauer und eine Intensivierung des Kampfes gegen rechts, da mehr oder weniger ihre Existenzberechtigung daran geknüpft ist.
Die NGO-Netzwerke, die finanziell von der Regierung abhängig sind und personell von Parteibuch-Funktionären eben jenes Kartells gemanagt werden, sind zur Gefahr für Meinungsfreiheit, Pluralismus und Demokratie geworden (8). Sie pervertieren den Begriff der „Zivilgesellschaft“. „Die“ Friedensbewegung darf sich davon nicht vereinnahmen lassen. Unabhängigkeit, Selbständigkeit und kämpferischen Eigensinn zu bewahren, zählt heutzutage doppelt und dreifach, will man einen klaren, an den Mainstream sich nicht-anbiedernden, unbestechlichen Kurs fahren. Viele Menschen sind skeptisch geworden gegenüber allen Funktionseliten unseres Staates – und nehmen auch die alte Friedensbewegung als eine solche Funktionärskaste wahr. Sie beteiligen sich deshalb an keinen politischen Aktionen mehr. Sie können nur durch solch eine Unbestechlichkeit und kritische Grundhaltung zurückgewonnen werden. Die Unabhängigkeit muss nicht mehr nur gegen Parteien und Regierungen, sondern insbesondere auch gegenüber NGOs, die die Friedensbewegung infiltrieren, behauptet werden. Daher sollte sich sich „die“ Friedensbewegung auf ihre (Gras-)Wurzeln besinnen!
- „Die“ Friedensbewegung ist selbst Opfer eines historisch verkürzten und verzerrten Antifaschismus-Begriffs geworden und zieht bewegungspolitisch die falschen Schlüsse daraus. Dieser deformierte Antifaschismus-Begriff wird heute als repressives Instrument inflationär im Meinungskampf missbraucht. Er dient der ideologischen und interessegeleiteten Ausgrenzung des politischen Gegners. Nahezu jede unbequem erscheinende Kritik kann und soll mittlerweile, losgelöst vom konkreten Inhalt, auf diese Weise diskreditiert werden. Der Begriff wird dadurch entleert, verharmlost, gewissermaßen seiner historischen Würde beraubt.
Mit anderen Worten: Der Antifaschismus „der“ Friedensbewegung hätte sich nicht im Ausschluss friedenswilliger und auf einen Ausgleich mit Russland bedachter AfD-Wählern und Sympathisanten zu erweisen, sondern in der lauten und konzessionslosen Verurteilung des Bandera-Faschismus, den die Ukraine verherrlicht. Der Bandera-Faschismus ist spätestens seit dem Maidan-Putsch 2014 als legendenhafte Erzählung der nationalen ukrainischen Identität und Unabhängigkeit wiederauferstanden. Er stellt das schauerliche Legitimationsnarrativ eines Regimes dar, das sich seitdem immer weiter von demokratischen Standards und der Beachtung der Menschenrechte entfernt hat – ohne dass seine westlichen Verbündeten sich je groß daran gestört hätten. Das zeigt, dass es in dem Ukraine-Konflikt zuletzt und am allerwenigsten um die Interessen und Bedürfnisse der Ukrainer geht. Das Regime hat sich schließlich selbst in die Abhängigkeit bewaffneter nazistischen Banden begeben, von denen das Asow-Regiment das bekannteste ist. Trotzdem wird die faschistoide (und korrupte) Ukraine von der deutschen Regierung weiter vorbehaltlos unterstützt, und die unbeliebtesten Regierungschefs West-Europas, Starmer, Macron und Merz setzen coûte-que-coûte alles daran, den Sieg dieses failed state gegen Russland doch noch ermöglichen. Wohlgemerkt den Sieg im Krieg gegen Russland, das von Nazi-Deutschland überfallen, in einem „Vernichtungsfeldzug“ verwüstet wurde. Ein Land, das den weitaus größten Anteil an der Befreiung Deutschlands vom Hitler-Faschismus hatte und mit 27 Millionen Toten den höchsten Blutzoll des Zweiten Weltkrieges entrichten musste.
Die Friedensbewegung geht in ihrem „Kampf gegen rechts“ noch immer vom althergebrachten Rechts-Links-Schema aus, obwohl die politische Realität das Schema längst ad absurdum geführt hat. Das zeigt die folgenreiche Transformation der Altparteien zu Exponenten der „extremisierten Mitte“, deren Extremismus sich nicht nur in dem verhängnisvollen Aufrüstungs- und Kriegskurs nach außen, sondern als Deindustrialisierung, sozialer Kahlschlag und Verlust an Liberalität und offener Debattenkultur auch im Inneren zunehmend besorgniserregend manifestiert. Die grassierende Cancel Culture schwingt öffentlich immer unverhohlener die Zensurkeule (9) und trifft damit auch immer mehr Kritiker. Was heute an Aufrüstung, Kriegsvorbereitung, Sozialabbau stattfindet und was wir als Bekämpfung der Meinungsfreiheit und als zunehmende Illiberalität unseres Staates erleben, hätten wir doch wohl noch vor wenigen Jahren als „rechts“ oder „rechtsextrem“ bezeichnet?
Das müsste jedem Freiheits- und Friedensfreund und selbstredend auch der Friedensbewegung größte Sorge bereiten. Gerade bei den evidenzlosen und z.T. völlig unverhältnismäßigen Maßnahmen in der sogenannten Corona-Pandemie, die den Grundrechteschutz aushebelten, den Gleichheitsgrundsatz sträflich missachteten und die Menschenwürde in eklatanter Weise verletzten, steht mehr als nur der Anfangsverdacht im Raum, dass die wahren Verfassungsfeinde in den Regierungen sitzen. Denn die Politik (im Schulterschluss mit Medien und der Justiz) hat die Grundrechte, die als Abwehrrechte des Bürgers vor einem übergriffig werdenden Staat entstanden sind und nur als Abwehrrechte ihre zivilisierende, befriedende und die Freiheit schützende Kraft entfalten können, zur Disposition gestellt.
Zur Gretchenfrage der alten Friedensbewegung: Ist die AfD „gesichert rechtsextrem“?
Man möchte meinen, dass die oben genannten Punkte stärker beunruhigen müssten als die aus dem stümperhaft zusammengeschusterten geheimen (!) 1100-Seiten-Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) vom Mai 2025 falsch extrahierte Schlussfolgerung, dass die AfD verfassungswidrig sei, weil in ihr „ein ethnisch-abstammungsmäßiges Volksverständnis vorherrsche“. Allein auf diesen Vorwurf schnurrt die monströse Materialsammlung in puncto „Verfassungsfeindlichkeit“ letztlich zusammen, alles andere einseitig belastend Zusammengetragene (10) wird mit lediglich dem Stempel „verfassungsschutzrelevant“ gekennzeichnet, d.h. ist verfassungsrechtlich nicht justiziabel. Doch dieses angeblich verfassungsfeindliche Volksverständnis galt bis zum Jahr 2000 (Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsgesetzes) als „Jus Sanguinis“ (Recht des Blutes / Abstammungsprinzip) in der Bundesrepublik. Es war die damalige, Jahrzehnte Bestand habende Rechtsgrundlage „für die Unterscheidung zwischen Staatsbürgern und Nichtbürgern“, bevor es 2000 um Elemente des „Jus Solis“ (Recht des Bodens / Geburtsortprinzip) ergänzt wurde. Eine Forderung der AfD, zurück zum Staatsbürgerschaftsrecht zu gehen, das vor 2000 Gesetzeslage war, ist politisch legitim und bewegt sich im rechtsstaatlichen Rahmen, da die früher geltenden Regelungen selbstverständlich verfassungskonform waren.
Der Jurist und Publizist Wolfgang Bittner hat im Overton Magazin dazu bemerkt, dass die Einschätzung des BfV eine „erstaunliche Fehlleistung“ darstelle und hinzugefügt:
„Eine Unterscheidung zwischen Staatsbürgern und Nichtbürgern ist demnach rechtens, und es ist legal, wenn Staatsbürgern besondere Rechte wie zum Beispiel das Wahlrecht vorbehalten sind. Das gibt es auch in den meisten anderen Ländern, und es ist völkerrechtlich nicht zu beanstanden.“ (11)
Ungeachtet dessen kaut das Juste Milieu der Bundesrepublik auf konstant hohem (bzw. künstlich hoch gehaltenem) Erregungsniveau unablässig die Phrase wieder, die AfD sei „gesichert rechtsextrem“ und eine „Gefahr für unsere Demokratie“. Dass die Mahner und Warner vor der AfD mit ihren Verbotsrufen Hochkonjunktur just zur selben Zeit haben, in welcher geschlossene rechtsextreme Einstellungen in der bundesdeutschen Bevölkerung auf einen neuen Tiefstand gefallen sind (ca. 3,3 Prozent der repräsentativ Befragten, 12), scheint niemanden zu irritieren. Das kann nicht verhindern, dass eine so erhebliche kognitive Dissonanz sich trotzdem objektiv bemerkbar macht. In Ermangelung der Beweise für die tatsächliche Verfassungsfeindlichkeit der AfD bauen alle, die ein handfestes Interesse daran haben (oder einen moralischen Mehrwert daraus generieren können) an einem Popanz namens AfD. Es darf partout kein realistisches, allein auf Fakten gestütztes Bild der AfD entstehen. Um das auszuschließen, werden seitens der etablierten Parteien sowohl machtpolitische Winkelzüge benutzt als auch inhaltlich konkurrierende Konzepte der AfD, die für eine Demokratie im Meinungskampf selbstverständlich und auf Politikfeldern wie z.B. der Migrationspolitik aus nachvollziehbaren Gründen stark umstritten sind und daher naturgemäß hart aufeinanderprallen, auf eine bestimmte Weise skandalisiert. Nämlich so, dass sie legalistisch und moralistisch in klarer Sanktionierungsabsicht umgedeutet werden. Legalistisch erfolgt die Umdeutung zur Zementierung der eigenen Herrschaft, zur Sicherung und zum Schutz der Pfründe, Privilegien und Erbhöfe in der Alt-Parteien-Oligarchie. Moralistisch wird dies unterstützt durch klare Freund-Feind-Markierungen nach dem Motto: „Wir sind die Guten – ihr seid die Bösen.“ (13)
Dadurch wird das Spektrum des Sagbaren, der politisch (noch) erlaubten Rede immer weiter eingeengt. Um wenigstens zwei aktuelle Beispiele hierfür zu nennen: Als AfD-Abgeordneter bekommt man inzwischen vom Bundestagspräsidium schon einen Ordnungsruf erteilt, wenn man der Regierung „Inkompetenz“ vorwirft (14). Und der Gründer der Initiative „Bargelderhalt“, Hansjörg Stützle, dessen Bargeldpetition schon über 300.000 Unterschriften bekommen hat , wird trotz des auf seiner Webseite veröffentlichten, gegenteiligen Selbstverständnisses und Menschenbildes, in die rechte Ecke geschoben (15), weil er Bargeld mit Freiheit in Verbindung bringt.
Man muss die AfD nicht mögen (ich mag sie nicht, Sympathien hege ich politisch und persönlich nur für Tino Chrupalla. Den AfD-nahen Max Otte schätze ich und wünschte ihn mir als Bundespräsidenten, allerdings unter einer Bundeskanzlerin Wagenknecht!), um sich gegen diese Kampagnen zu wenden. Deren besonders heikle Seite spricht der Sozialwissenschaftler Günther Roth an, wenn er auf den „zentralen Fehlschluss“ beim Verfassungsschutz-Gutachten, das auf ein Canceln national-konservativer Positionen durch eine implizite Gleichsetzung von „verfassungsfeindlich“ und „rechts“ bzw. „rechtsextrem“ hinweist, hinausläuft (16). Roths Resümee: Offensichtlich hätten sich neben den Mainstream-Medien auch „Verwaltung und Justiz in diesem politischen Kampf vereinnahmen lassen.“ Solche Aktivitäten, die die Opposition an die Kandare nehmen, wird, wenn sie anderswo auf der Welt, in von uns ohnehin kritisch beäugten Ländern stattfinden, gerne schon mal mit Worten wie „heimlicher Putsch“ oder „staatsstreichartig“ charakterisiert. (17)
Meiner Meinung nach wäre es an der Zeit, dass die Friedensbewegung die Praktiken und Mechanismen erkennt, die mit dem „Kampf gegen rechts“ ausgerechnet im Namen des Schutzes der Demokratie dazu führen, dass „Meinungsfreiheit, Pluralismus und demokratischer Wettbewerb (…) untergraben werden“ (G. Roth, 18)
Genauso wenig, wie man Wähler und Mitglieder der Parteien, die gerade dafür verantwortlich sind, dass, so der Publizist Markus Langemann, der „Geist der Verfassung unter Druck“ gerate und mit dem „Versuch politische Konkurrenz mit staatlichen Mitteln zu (…) sanktionieren, zu disziplinieren und (…) zu marginalisieren (…) die Demokratie in ihrem Kern beschädigt“ werde (19), zu unerwünschten Personen auf Friedensdemonstrationen erklären sollte, sollte man mit Wählern und Mitgliedern der AfD, weil es sich um eine rechte Partei handele, umgehen. Jedenfalls so lange nicht, so lange sie wie alle anderen auch, bereit sind, sich von Rassismus, Extremismus und allen Formen der Menschenfeindlichkeit zu distanzieren (diese gibt es in jeder Partei). Wenn man sich für Veränderung engagiert, sollte man natürlich auch jede positive, biophile Veränderungsbereitschaft (im Sinne Erich Fromms, 20) unterstützen und diese Kräfte, die möglicherweise im Dissens zu Teilen oder der offiziellen Linie ihrer Partei stehen, willkommen heißen. Bei der AfD verhält es sich nun aber noch anders als bei den alten Blockparteien. Die AfD wird ja im Unterschied zu CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke gewählt, weil sie den Ukraine-Russland-Konflikt mit diplomatischen Mitteln schnellstmöglich beenden will, weil sie sich für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die Instandsetzung der Nordstream-Pipelines ausspricht, damit wieder russisches Gas nach Deutschland geliefert werden kann (21). Das stimmt mit Kernforderungen der Friedensbewegung überein.
Hinzu kommt: „Die Stärke der AfD ist die Schwäche der anderen Parteien“ (22).
Es sollte nicht übersehen werden, dass viele Menschen trotz innerer Widersprüche die „Alternative für Deutschland“ wählen, weil sie sich in den oben genannten, für sie besonders wichtigen Punkten klar und – als einzige parlamentarisch vertretene Partei – tatsächlich alternativ positioniert. D.h. Forderungen der Partei, die Wähler möglicherweise kritisch sehen und vielleicht sogar Bauchschmerzen bereiten, werden pragmatisch zurückgestellt. Warum sollte das nicht auch für die Friedensbewegung als ein vernünftiger Vorschlag für den Umgang mit dieser Partei gelten und couragiert aufgegriffen werden können?
Gänzlich über das Ziel einer kritisch-inklusiven Friedensbewegung wird hinaus geschossen, wenn Reiner Braun die AfD einfach ohne weiteres als „Kriegspartei“ in die Phalanx ihrer etablierten Konkurrenten eingemeindet. Unfreiwillig komisch mutet es schon fast an, wenn er – nachdem er den Friedenswunsch vieler AfD-Wähler zum Verschwinden gebracht hat – als „neue“ Bündnispartner stattdessen „andere Religionsgemeinschaften wie islamische Gemeinden“ und einen „Zugang zu den ‚Russlanddeutschen’“ vorschlägt; jetzt, vier Jahre nach Beginn des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, kommt er auf diese Idee! (23)
- Die Friedensbewegung hat den inneren Frieden, als es darauf ankam, nicht verteidigt. Eine Gruppe, die selbst die Zerstörung des inneren Friedens durch Grundrechteentzug und Ausgrenzung und Diffamierung einer kritischen Minderheit hingenommen, sich nicht bewusst und offensiv gegen ihn gewandt hat – wie der überwiegende Teil „der“ Friedensbewegung in der Corona-Zeit – kann gesellschaftlich glaubhaft keine Autorität und schon gar keinen Alleinvertretungsanspruch in Friedensfragen für sich beanspruchen. Dies jedenfalls so lange nicht, so lange sie wie der Mainstream aus Politik, Medien und Gesellschaft, nicht bereit ist, sich sein Versagen in der Corona-Krise selbstkritisch einzugestehen und es aufzuarbeiten. Gegen die Spalter, die es auch in „der“ Friedensbewegung gab und weitergibt, ist daran zu erinnern, dass der Frieden unteilbar ist. Wenn die Granden der westdeutschen Friedensbewegung jetzt also hingehen und in ihrem Memorandum schreiben
„Schwieriger ist die Kontroverse um sog. ‚Rechtsoffenheit’. Weniger wenn es um die AfD geht, wo es weitgehend Konsens ist, sich abzugrenzen. Es geht um die aus der Corona-Zeit stammenden Proteste. Aus dieser Bewegung sind heute viele Vertreter friedenspolitisch engagiert. Ihre Positionen sind weitgehend identisch mit denen der traditionellen Friedensbewegung, ihre strategischen und taktischen Überlegungen durchaus unterschiedlich. Hier plädieren wir für Offenheit und Akzeptanz, solange ihre Positionen auf humanistischer Grundlage beruhen, sowie für Pragmatismus unter Berücksichtigung der Bedeutung dieser Kräfte, bei zugleich faktenbasiertem und differenzierenden Umgang.“ (24)
klingt das sehr von oben herab, und zeigt unfreiwillig, dass sie bezüglich der Corona-Zeit leider noch nicht zu besseren Einsichten gelangt sind. Die Einschränkung, wonach ihre Offenheit und Akzeptanz daran gebunden bleibe, dass die aus der Corona-Zeit stammende Bewegung Positionen bezöge, „die auf humanistischer Grundlage beruhen“, empfinde ich persönlich als einen Affront. An mich, den Empfänger der Botschaft, transportiert sie die Unterstellung, dass die Corona-Proteste vielleicht doch extremistisch (und nicht faktenbasiert) gewesen seien bzw. es noch immer sind. Damit halten sich die Bündnissprecher alle Optionen in Bezug auf die Corona-Maßnahmenkritiker offen (so müssten sie zumindest hier genannt werden, denn es wurde ja nicht gegen Corona protestiert – nach dieser Logik sind wir dann ganz schnell wieder bei den „Corona-Leugnern“ angelangt.) Eine solche Haltung kann nicht als freundliche Einladung interpretiert werden. Zumal dann nicht, wenn dies mit Verweis auf die Empfehlung eines „faktenbasierten“ (kein Geschwurbel!) und „differenzierenden Umgangs“ mit uns – also einer Sonderbehandlung (?) für die dann doch irgendwie unsicheren Kantonisten geschieht. Das kann nicht vertrauensbildend sein. Die Herren sollten erst einmal vom hohen Ross absteigen und sich fragen, wo denn ihre humanistische Grundlage in der Zeit des schlimmsten Institutionenversagens und der gesellschaftlich am stärksten belastenden sowie folgenreichsten Demokratiekrise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war? Wo war ihr Humanismus, als die Politik gleich drei Zivilisationsbrüche zuließ: Den Zivilisationsbruch gegenüber den alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen, den Zivilisationsbruch gegenüber den Kindern und Jugendlichen und den Zivilisationsbruch gegenüber den Nicht-Geimpften einschließlich der noch weiterreichenden Verletzung des Nürnberger Kodex (25).
Von „der“ Friedensbewegung war da nichts zu hören – oder täusche ich mich? Abgesehen davon findet sich in dem Strategiepapier kein Wort der Reflexion oder gar Selbstkritik der eigenen Handlungsweise in Bezug auf die Corona-Zeit. Das stellt eine große Hypothek für jedwede Zusammenarbeit dar, besonders so lange, solange darüber miteinander nicht gesprochen werden kann!
- Der Eskalation und dem neuerlichen Feindbildaufbau gegen Russland müsste die Friedensbewegung ohne Wenn und Aber entgegentreten, sie verhält sich an dieser Stelle aber teilweise merkwürdig indifferent, teilweise opportunistisch. Die Russophobie soll irreführenderweise dazu dienen, den Zweck und die Mittel der Militarisierung von Staat und Gesellschaft, zu legitimieren und in seiner Unverfrorenheit zu verschleiern. Mit dem Mehrheitsvotum des alten, abgewählten Bundestages wurde immerhin sichtbar, wie das krisenverschärfende, kapitalistische Akkumulationsmodell funktioniert. Hinter der Propaganda, Russland wolle „uns“ überfallen, wurde die Ausbeutung und Enteignung der Bürger augenscheinlich. Es bleibt dabei: „Die Waffen liefern die Reichen, die Armen liefern die Leichen.“
Wobei heute mehr als 90 Prozent der Bevölkerung die Leidtragenden sind, denn sie sind gemeint und betroffen, wenn die Politik frech wahrheitswidrig fordert: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“.
Ein gutes und kooperatives Verhältnis zu Russland ist hingegen die conditio sine qua non für ein gedeihliches, wohlhabendes und friedliches und weltweit anerkanntes Deutschland. Glaubwürdig kann die Friedensbewegung daher nur sein bzw. wieder werden, wenn sie offensiv für Deutschlands Austritt aus dem NATO-Kriegsbündnis und ein neutrales und blockfreies Deutschland in einer multipolaren Welt eintritt. Dafür muss das gescheiterte alte Denken, das auch und gerade „die“ Friedensbewegung lähmt, überwunden und müssen mit Mut neue Allianzen geschmiedet werden.
- „Die“ Friedensbewegung verharrt in ihrer Analyse in Deutungsmustern des 20. Jahrhunderts und idealisiert z.B. weiterhin die Vereinten Nationen, die längst zu einem Spielball demokratisch nicht legitimierter Global Player geworden sind. Diese haben sich supranationale Institutionen, wie z.B. auch die WHO, in ihrem Streben nach Weltherrschaft untertan gemacht. Die Folge: Immer mehr Machtkompetenzen wandern vom national- und zwischenstaatlichen in den supranationalen Bereich. Der Kampf „der“ Friedensbewegung bleibt unzureichend, solange sie nicht erkennt, dass die „Zeitenwende“-Politik mehr ist als die Mobilisierung der Gesellschaft zu einer „bastardkeynesianischen“ (26) Hochrüstungspolitik, die – schlimm genug! – vor allen Dingen der weiteren Umverteilung von unten nach oben dient. Der massive Feindbildaufbau muss, wie schon bei Corona, vielmehr im Rahmen des cognitive warfare (der kognitiven Kriegsführung, 27) als ein strategischer Teil der von den mächtigsten Global Governance-Akteuren verfolgten Agenda zur Errichtung einer Neuen Weltordnung (NWO) verstanden, entsprechend kommuniziert und bekämpft werden.
In Wahrheit bedeutet die Zeitenwende, dass wir in die Phase der forcierten, finalen Umsetzung der NWO eingetreten sind, da sich das Momentum, das Zeitfenster, gegen dieses totalitäre Ansinnen Widerstand zu leisten, aufgrund der großen Unruhe in der Welt, insbesondere angesichts der explosiven Unzufriedenheit der Völker in den Staaten des Westens mit ihren politischen Führern, bald schließen könnte. Zunehmend disruptiv (wie davor des längeren bereits auf schleichendem Wege) soll der „Great Reset“ in den einzelnen Staaten nach Drehbuch der Globalisten implementiert werden, denn die Bürger werden aus verständlichen Gründen nicht gefragt, ob ihnen diese Agenda gefällt: Sie stand und steht als solche nirgendwo zur Wahl. (28)
Die Crux dabei ist, dass die Friedensbewegung als Teil der westdeutsch geprägten Linken weitgehend der kritischen Kategorien und analytischen Zugriffsmöglichkeiten entbehrt, um diese Phänomene eines totalitären Globalismus, der im Gewand eines weichgespülten, philanthropischen Weltrettungskapitalismus daherkommt, richtig zu erkennen und einzuordnen (29). Die Linke hat mehrheitlich die radikale Infragestellung der Freiheit durch das New Normal der Globalisten in der Corona-Zeit nicht erkannt – im Gegenteil. Sie zeigt sich, u.a. in dem sie dem WHO-Pandemievertrag zugestimmt hat, weiterhin lernresistent. Stattdessen sind große Teile der dem Wokeismus folgenden Linken in die von den Eliten als Köder ausgelegten diversitäts- und identitätspolitischen Honigfallen getappt und ins gegnerische Lager übergelaufen (30) Jetzt sollen im Windschatten militärischer Interventionen und Kriege möglichst geräuscharm die Schlusssteine des bereits existierenden Überwachungskapitalismus (31) in die immer hermetischer werdende Global-Governance-Architektur eingesetzt werden, einer Architektur, mit der die Milliardärs-Eliten ihre Macht und ihren Einfluss dauerhaft krisenbeständig global zementieren wollen:
Die Etablierung einer aus digitaler ID und programmierbaren digitalen Zentralbankgeld (CBDC) bestehenden, absolut effizient funktionierenden, da unhintergehbar wirkenden Kontrolle, mit der das Verhalten aller Individuen reglementiert und gesteuert werden kann. Der politische Preis digitaler, vermeintlich schneller, kostengünstiger und komfortabler Dienstleistungen besteht, wie wir spätestens seit Edward Snowden wissen können, im hilflosen Ausgeliefertsein der Datenproduzenten an die Besitzer dieser persönlichen Daten (32). Was es bedeutet, wenn alle persönlichen Daten zusammengeführt werden, muss nicht eigens erläutert werden.
Eine Friedensbewegung müsste also auch eine digitalisierungskritisch argumentierende (man denke nur an die Rolle von Palantir oder die Aktivitäten von Elon Musk), die Bürgerrechte vehement verteidigende Bewegung sein. Dafür müsste sie aber zunächst einmal die Bedrohungen unserer Freiheit, die von der Global Governance ausgehen, in den Blick nehmen. Wenn sie die Zusammenhänge mit Krieg und Frieden nicht erkennt oder nicht wahrhaben will, heißt das, dass sie ohne Orientierung und letztlich blind handeln muss. Sie weiß dann weder, wogegen sie in Wirklichkeit kämpfen muss, noch wer unsere wahren Gegner sind. Sie stünde schon deshalb auf verlorenem Posten.
Abschließender Vorschlag zur Güte
Meinen abschließenden Vorschlag möchte ich leicht satirisch als „Abrüstungsbeitrag für die Friedensbewegung“ annoncieren. Die darin enthaltenen Anregungen und Überlegungen sind trotz ihres utopischen Überschusses aber durchaus ernst gemeint!
Wie wäre es, wenn in der Friedensbewegung
- nachdem sich die unterschiedlichen Initiatoren/Organisatoren auf einen Forderungskatalog geeinigt hätten, der den friedens- und freiheitspolitischen Mindestkonsens aller Teilnehmer zum Ausdruck bringt – alle Partei- und Organisationsfahnen, – Banner und – Abzeichen, kurz: „die gesamte Palette trennender Symbolik“ (Melchior Ibing), einfach zu Hause gelassen würde?
- die Demonstrierenden sich nur hinter wehenden Flaggen mit Friedenstauben, dem Peace-Zeichen oder dem Pace-Regenbogen versammeln würden?
- sie nicht vorgegebene Schilder mit Parteiparolen und Gewerkschaftslosungen trügen und blockweise damit in Erscheinung träten, sondern bunt gemischt selbst gestaltete Transparente mit eigensinnigen, individuellen Gedanken und Forderungen und selbst ausgedachten Weckrufen zu Krieg und Frieden, die an ihre Mitmenschen appellieren sollen, in die Höhe hielten? Darauf stünde zu lesen, was ihnen wichtig ist, weshalb sie auf die Straße gehen und warum sie gemeinsam für eine bessere, dem Friedensgebot unseres Grundgesetzes folgenden, Politik streiten wollen.
- dann noch die Redner nicht als Redner von Parteien und Organisationen zu uns sprächen, sondern als Bürger zu Bürgern oder besser noch: als Republikaner zu Republikanern? Man würde sie möglichst plural so auswählen, dass das ganze Spektrum an Meinungen, das bei ehrlich und aufrichtig von Herzen friedenswilligen Menschen zu diesem Thema vorkommen kann, also die die ganze Bandbreite möglicher Aspekte, gut abgedeckt wäre, so trefflich repräsentativ wie es eben geht. Die Friedensbewegung würde das Bewusstsein zu vermitteln, das es bei ihren Manifestationen um nichts weniger als die Verhandlung der res publica, der gemeinsamen Sache als öffentlichem Wohl ginge. Damit könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der gegenwärtigen partikularistischen, in Destruktion und Anomie umschlagenden Ordnung leisten.
Meiner Ansicht nach entspräche das dem berechtigterweise oft dieser Tage zitierten Satz „Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“ von Willy Brandt viel mehr als Parteientaktik, NGO-Lobbyismus, Ausschlusseritis in Folge der Brandmauer-Doktrin oder ähnlich spaltenden Doktrinen (wie z.B. „Antisemitismus“) und allen gesinnungsethisch dekretierten Reinheitsgeboten. Diese können bestenfalls zur Wahrung des Gefühls dienen, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Womit sie das Bedürfnis nach risikolos-kommoder Selbstbestätigung in der eigenen Gruppe bzw. ideologischen Blase vermutlich perfekt befriedigen können. Produktiv im Sinne eines Empowerments der Friedensbewegung sind diese Prozesse, Strategien und Tabus jedoch nicht. Eine Massenbewegung kann dadurch nicht entstehen. Setzt man Fragen des Empowerments an die erste Stelle, müsste das Finden von Gemeinsamkeiten, handlungslogisch und natürlich ganz praktisch, vor allem anderen stehen!
Freilich: Wenn die Linken der Linkspartei mit den Linken bzw. den (aus deren Sicht) Rechten des BSW bzw. mit den Rechten, nein, den Rechtsextremen oder Nazis der AfD (je nachdem, aus beider Sicht) zusammen protestierten, würde das allen – machen wir uns nichts vor – sehr viel zähneknirschende Überwindung abverlangen! Aber sie müssten dann ja raten: Who is Who? – in der von Parteiabzeichen und ähnlichen Gruppen-Identitätsnachweisen bzw. von allen spalterischen Elementen befreiten Version der Friedensdemo 2.0., die ich gerade an die Wand gemalt habe. Und schauen wir uns daraufhin, wenn die Bürger auf dem Podium dann noch wie Bürger reden – und nicht wie Partei- oder Friedensfunktionäre, die nur vorgefertigte Skripte verlesen – in der Menge um. Versuchen wir festzustellen, welche Bürger welche Redner mit besonders viel Beifall bedacht haben werden, in der Hoffnung, uns am Ende dann doch wieder unseres festen Weltbildes mit seiner manichäischen Einfalt vergewissern zu können. Erlauben wir uns aber einmal diese Abweichung und hören den anderen als Menschen zu, statt sie gleich wieder als Differenz, Gegner oder Feind zu markieren. Hören wir genau hin…Und lassen wir das Bild einer Einheit durch lauter Individuen und nichts als Individuen auf uns wirken… (Individuum = das einzelne, in seiner Gesamtheit unteilbare Wesen).
Wie das gemeinsame Handeln den Raum politischer Freiheit schafft
Am Schluss möchte ich mit einem Gedanken aus der politischen Philosophie auf Gabriele Gysis Frage: „Warum beziehen sich die Friedensbewegten aus den verschiedenen Gruppen nicht aufeinander?“ zurückkommen.
Hannah Arendt zufolge wird durch das Aufeinander-Beziehen im Sinne eines spontanen Handelns der Raum der politischen Freiheit erst geschaffen. Er „verschwindet“, wie Arendt in „Freiheit und Politik“ schreibt, „sofort, wenn das Handeln aufhört, das Sichverhalten und Verwalten anfängt oder auch die Initiative erlahmt, neue Anfänge in die Prozesse zu werfen, die durch das Handeln entstanden sind.“ (33)
Eine Menge, die sich von Brandmauern und anderen Ideologieverboten und deren Urhebern nicht länger trennen und spalten lässt, sondern durch den Friedensgedanken im Handeln und durch die Überzeugung verbunden wird, dass Konflikte friedlich gelöst und wir trotz unterschiedlicher Interessen und Sichtweisen Gemeinsamkeiten finden können, könnte an der Stelle, an der wir uns befinden – wo Frieden und Freisein zurückgedrängt werden und wir uns in einer Epoche wiederfinden, „in der alles im spezifischen Sinne Politische erstarrt oder in einen ausweglosen Automatismus geraten ist“ (34) – der Anfang von etwas Neuem sein. Denn „in dem Zusammenhandeln realisiert sich“, so Arendt, „die Freiheit des Anfangenkönnens als ein Freisein“ (35). Und die Möglichkeit eines solchen Ereignisses, das für Arendt gleichbedeutend damit ist „in der Politik mit dem Unvorhersehbaren zu rechnen“ (36), wäre seiner Potenz nach kraft- und verheißungsvoll genug, dass die Gemeinsamkeiten sich als so tragfähig erweisen würden, eine bessere Welt darauf aufbauen zu können.
Eine Welt, die, wie Erich Fromm in dem diesem Aufsatz vorangestellten Zitat schreibt, „auf Gerechtigkeit und Gleichheit beruht“.
Könnte das nicht eine mitreißende Vision sein, daran mitzutun?
Anmerkungen
- Doris Pumphrey, Die Friedensbewegung im Spannungsfeld, 16.04.2025
https://www.freidenker.org/?p=21493
Rudolph Bauer, „Wer aber den Frieden will, der rede vom Krieg“,
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29464, 17.04.2025.
Ders., Tigerfell als Bettvorleger, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29681,
31.12.2025.
Jürgen Mietz, Warum ist die Friedensbewegung keine Massenbewegung?
https://free21.org/wp-content/uploads/2025/10/03_Mietz-Frieden-ohne-Massenbewegung_.pdf, 02.10.2025.
Ders., Friedensbewegung: frei, offen, selbstkritisch?
https://free21-magazin.de/wp-content/uploads/2025/12/03_Mietz-Friedensbewegung-frei-aufgeschlossen-selbstkritisch.pdf, 17.12.2025.
Karim Akerma, „Lieber Rekrutin als Putin!“? – Warum fehlt es der Friedensbewegung an
Kritischer Masse?
Reiner Braun, Michael Müller, Willi van Oyen, Christof Ostheimer, Karl-Heinz Peil, Peter Wahl, Strategie in Zeiten der Eskalation: Ein Diskussionsbeitrag zur Zukunft der Friedensbewegung, https://www.pressenza.com/de/2025/12/strategie-in-zeiten-der-eskalation-ein-diskussionsbeitrag-zur-zukunft-der-friedensbewegung/, 14.12.2025.
- Um es noch etwas genauer zu fassen, weil „undogmatisch“ ohne Angabe eines näheren Kontextes nicht viel besagt: Ich stehe linken Überzeugungen und Konzepten wie Autonomie, Selbstorganisation, Dezentralisierung von Macht, Demokratisierung aller öffentlichen Lebensbereiche, Rätedemokratie auf emergenztheoretischer Grundlage – Gedanken, wie sie z.B. von Hannah Arendt oder Cornelius Castoriadis entwickelt wurden – nahe. Staatssozialismus, – Bürokratismus und einen von oben verordneten, durchgesetzten und verwalteten Kollektivismus lehne ich ab, geschichtsmechanistisch-deterministisches Denken liegt mir fern.
3.https://www.stern.de/news/umfrage–viele-europaeer-sehen-erhoehtes-risiko-fuer-krieg-mit-russland-36927880.html, 05.12.2025, https://presse.wdr.de/plounge/tv/das_erste/2025/12/20251204_deutschlandtrend_ukraine_krieg.html, 04.12.2025.
- Dazu schrieb Melchior Ibing, Koordinator der Macht-Frieden-Demonstration von „München-steht-auf“, schon 2022:
„Wer in den letzten Jahren die Coronaprotestler als rechtsoffene Spinner sah, wird sich schnellst möglich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass es ohne diese ‚Spinner’ nicht geht. Sie sind viele und zu geschätzten 90 Prozent für den Frieden. So genannte ‚Querdenker’ andererseits werden ertragen müssen, mit Leuten zu laufen, von denen sie zum Teil vielleicht gar diskriminiert wurden. Das alles ist schwierig und geht für viele an die sprichwörtliche Schmerzgrenze. Nun, wie Volker Pispers einmal sagte, hat Toleranz nichts mit toll finden zu tun.“ https://muenchen-steht-auf.de/die-friedensbewegung-braucht-mut-und-toleranz/
5 https://www.youtube.com/watch?v=6l3d0F1pegY, 08.12.2024.
- Ich habe an allen drei großen Friedensdemonstrationen 2023/2024 teilgenommen und hatte den Eindruck, dass die Ballweg-Demo am 3. August 2023 mit deutlichem Abstand die größte dieser Veranstaltungen war. Die Teilnehmerzahl der Wagenknecht/Schwarzer Demo am 25. Februar 2023 lag bei etwa 40.000, die Veranstaltung mit Wagenknecht, Ralf Stegener, Peter Gauweiler am 3.Oktober 2024 bei etwa 30.000.
- https://www.nzz.ch/international/deutschland-hatte-grosse-fortschritte-bei-demokratie-und-meinungsfreiheit-gemacht-nun-scheint-es-in-eine-andere-richtung-zu-gehen-ld.1919496, 12.01.2025. Siehe dazu auch: Das deutsche Zensur-Netzwerk, Pressekonferenz in Berlin, https://www.velazquez.press/p/das-deutsche-zensurnetzwerk-pressekonferenz, 29.11.2025.
- Zuletzt die des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Günther bei Markus Lanz gegen die Alternativmedien am Beispiel Nius.
- https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/das-bfv-gegen-die-afd/, 29.08.2025.
- https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/die-afd-im-fokus-des-verfassungsschutzes/, 07.05.2025.
- https://www.deutschlandfunk.de/mitte-studie-2025-rechtsextremismus-demokratie-100.html, 06.11.2025.
- Die moralistische Aufladung der öffentlichen Diskurse nach diesem Schema und ihre toxischen Folgen für die demokratische Debatte werden in dem Buch „Im Moralgefängnis“ von Michael Andrick ebenso anschaulich wie gründlich behandelt. Michael Andrick, Im Moralgefängnis. Spaltung verstehen und überwinden, Frankfurt/M. 2024.
- https://www.tichyseinblick.de/meinungen/inkompetenz-der-regierung-wird-strafbar-fuer-den-der-sie-benennt/, 20.01.2026.
- https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-01/digitaler-euro-bargeld-freiheit-widerstand-debatte,07.01. (Bezahlschranke). Siehe dazu auch Norbert Häring, Der Erfolg der Bargeld-Petition reizt die „Zeit“ zu einem unausgegorenen Stück Gegenpropaganda, https://norberthaering.de/bargeld-widerstand/suetzle-zeit/, 14.01.2026.
- G. Roth, Das BfV gegen die AfD, a.a.O.
- Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Hysterie gegen die AfD Produkt einer Abspaltung der von einer Art Schwindsucht befallenen Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sind. Die müssen ihre ganze Angst und all ihre im neoliberalen Hamsterrad leerlaufende Destruktivität, weil sie sie weder in kämpferische Energie umwandeln noch sonst irgendwie halbwegs adäquat ausagieren können, auf die AfD projizieren, die dann als das schlichtweg Böse und Verachtenswerte erscheint und zur fixen Idee bzw. zum Popanz gemacht wird.
- G. Roth, ebd.
- https://www.epochtimes.de/meinung/kolumne/die-freiheit-des-wortes-eine-deutsche-bewaehrungsprobe-a5361794.html, 16.01.2026.
- „Die Biophilie ist eine leidenschaftliche Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen; sie ist der Wunsch das Wachstum zu fördern, ob es sich nun um einen Menschen, eine Pflanze, eine Idee oder eine soziale Gruppe handelt.“ Erich Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, Hamburg 2015, S. 411 f.
- AfD Bundestagswahlprogramm, https://www.afd.de/wp-content/uploads/2025/02/AfD_Bundestagswahlprogramm2025_web.pdf, S.92.
- https://www.mz.de/wahl/kommunalwahl-sachsen-anhalt/podcast-wahl-lokal-video-kommunalwahl-afd-ergebnis-die-schwaeche-der-anderen-parteien-3863075, 14.06.2024. https://www.welt.de/debatte/plus68b954f672019652f12898f7/Sachsen-Anhalt-Die-Staerke-der-AfD-ist-die-Schwaeche-der-anderen-Parteien.html, 04.09.2025.
- Reiner Braun, Friedensbewegung zwischen Business as usual und gesellschaftlicher Relevanz, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/friedensbewegung-zwischen-business-as-usual-und-gesellschaftlicher-relevanz/, 16.01.2026.
- Siehe dazu Bernd Schoepe, Die Aufarbeitung der Corona-Vergangenheit und ihre Tabus, https://www.gew-ansbach.de/data/2022/06/Schoepe_Die_Aufarbeitung_der_Corona-Vergangenheit.pdf, 15.06.2022.
- Michael Roberts, https://makroskop.eu/13-2025/aufrustung-ein-militarischer-bastard-keynesianismus/, 04.04.2025.
- Dazu Jonas Tögel, Kognitive Kriegsführung, Frankfurt/M. 2023.
- Die gigantische Dimension und Reichweite der Macht und der politischen Einflussnahme der Milliardärsklasse wird untermauert durch den neuen Bericht zur sozialen Ungleichheit von Oxfam, der gerade erschienen ist und u.a. mit folgenden Zahlen aufwartet: Das inflationsbereinigte Vermögen ist bei den rund 3000 Milliardären (allein in Deutschland hat sich ihre Zahl im letzten Jahr um ein Drittel erhöht) mehr als um 80 Prozent gestiegen auf insgesamt 840 Milliarden US-Dollar. Dreimal schneller als in den Vorjahren ist ihr Reichtum im Jahr 2025 gestiegen. Dagegen lebt fast die Hälfte der Menschheit, 3,77 Milliarden in Armut, d.h. von weniger als 8,30 Dollar pro Tag. Die zwölf reichsten Menschen der Erde besitzen mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. „Die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlägt sich immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhlt die Demokratie immer weiter aus“, so Vorstandsmitglied Charlotte Becker. Weltweit hatte schon jeder zehnte Milliardär ein politisches Amt inne oder hat dieses angestrebt. https://www.oxfam.de/publikationen/bericht-soziale-ungleichheit-2026, 19.01.2026. Laut Aussage Robert F. Kennedys jr. beim Davoser Weltwirtschaftsforum habe in der Corona-Zeit eine Umverteilung an Gewinnen und Verlusten von den kleineren und mittleren Unternehmen zu den Großkonzernen und Global Player in Höhe von vier Billionen US-Dollar stattgefunden.
- Für Hannah Arendt ist es ein Merkmal totaler Herrschaft, sich nicht nur damit zu begnügen „Ohnmacht zu erzeugen wie die Tyrannis, die nur’ die politische Sphäre und damit den Ort des Handelns zerstört. Vielmehr dringt sie in alle gesellschaftlichen wie privaten Lebensbereiche der ihr Unterworfenen ein. (…) Das Ziel der totalen Herrschaft ‚alle Menschen in ihrer unendlichen Pluralität und Verschiedenheit so zu organisieren, als ob sie alle zusammen nur einen einzigen Menschen darstellten“(etwa den optimierten Menschen transhumanistischen Designs, Anm. B.S.) „ist nur möglich, wenn es gelingt, ‘jeden Menschen auf eine sich immer gleichbleibende Identität von Reaktionen zu reduzieren’.“ Mittels der Digitalisierung kann heute diese Identitätskonstanz, die Reduktion des Menschen auf ein konditioniertes Reaktionsbündel qua elektronischer Stimuli, hergestellt werden, „so daß jedes dieser Reaktionsbündel mit jedem anderen vertauschbar ist“. Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft, München 1991, S.676, zitiert nach Grit Straßenberger, Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert, München 2025, S. 189 f.
- Siehe auch Bernd Schoepe, Wie die Mainstream-Linke zum Problemfall wurde, https://overton-magazin.de/top-story/wie-die-linke-zum-mainstream-problemfall-wurde/, 14.09.2025.
- Shoshana Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, Frankfurt/M. 2018.
- Das konstatiert auch eine neu gegründete, religiös inspirierte „panhellenisches Bewegung gegen den digitalen Totalitarismus“, über die bei Norbert Häring und tkp.at kürzlich berichtet wurde. Sie verwahrt sich gegen den Versuch, das Individuum auf eine Nummer zwecks seiner Identifizierung zu reduzieren und sieht darin einen Anschlag von epochaler Bedeutung auf die Menschenwürde.
https://norberthaering.de/news/exodus/, 09.01.2026.
https://tkp.at/2026/01/12/panhellenische-bewegung-gegen-den-digitalen-totalitarismus/, 12.01.2026.
- Hannah Arendt, Freiheit und Politik, in: Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Übungen im politischen Denken I, München 2012, S.224.
- Ebd., S.225.
- Ebd.. Hervorhebung im Original.
- Ebd., S.223. Vollständig lautet der Satz: „Gar nicht abergläubisch, sondern nur realistisch ist es, in der Politik mit dem Unvorhersehbaren zu rechnen, auf es gefaßt zu sein und Wunder dort zu erwarten, wo sie tatsächlich dauernd möglich sind.“





Mein erster Tipp für die Friedensbewegung ist:
Gegen Krieg demonstrieren, nicht für den Frieden.
Das Wort Frieden ist von Kriegstreibern okkupiert.
Rob Kenius
https://kritlit.de
Ohne Krieg, kein Frieden.
Und umgekehrt.
Das uralte Elend des kindlichen Dualismus.
Und was ist dann ihr erwachsenes Konzept um von diesem kindlichen Dualismus loszukommen?
Konzept?
Konzept kommt von concipere und bedeutet ursprünglich soviel wie „Empfangen“, “ schwanger werden“.
Es muss sich also noch einiges an Verständnis empfangen werden.
Und Prozesse benötigen nunmal ihre Zeit.
Wir befinden uns schon längst im Krieg. Ausgrenzung, Abgrenzung und Angst bestimmen das Geschehen.
Ich vermute, daß die Obrigkeit die Friedensbewegung z.B. in den 1980er Jahren hat „gewähren lassen“, da man keine wirklichen Angriffspläne gegen den Warschauer Pakt hatte. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert …
Der Artikel enthält viele zutreffende Beobachtungen – aber er ist sehr verkopft. Genau das ist das Problem dieser ganzen Diskussionen, egal von welcher Seite. Das Foto mit dem nackten Mäddchen, das vor einem US-Napalm-Angriff weggerannt ist, hat die Menschen zu Zeiten des Vietnam-Krieges aufgerüttelt – und war der Anfang vom Ende des Krieges. Heute wird diskutiert, moralisiert, theoretisiert, ideologisiert, aber dass in der Zwischenzeit jeden Tag Menschen sterben, gerät bei diesen ganzen Diskussionen in den Hintergrund. Das Leiden und Sterben muss in den Fokus nicht dieser ganze Polit-Scheiß wer mit wem und wer nicht.
Die Kriegstreiber haben eine Mauer des Schweigens um das Grauen des Krieges gebaut, ob in der Ukraine, in Gaza oder im Sudan. Diese tödliche Mauer muss die Friedensbewegung durchbrechen.
Das Bild vom ermordeten palästinensischen Kind in den Armen seiner Mutter wurde von WorldPress prämiert, ging um die Welt, hat aber niemand emotional so aufgerüttelt wie das oben genannte Bild aus Vietnam.
Ja, stimmt. Das macht einen fertig.
Kim Phuc Phan Thi, das „Napalm-Mädchen“ hat überlebt und sagt heute:
„Dieses Foto wird uns für immer an das unaussprechliche Böse erinnern, zu dem der Mensch in der Lage ist. Dennoch glaube ich, dass Frieden, Liebe, Hoffnung und Vergebung immer stärker sein werden als jede Art von Waffe.“ *) Wenn so jemand so etwas sagt, dann ist noch Hoffnung.
*) Zitat 16 in https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2025/reden/stefan-nold-fulda
(Das Originalzitat ist leider nach einer Zeit hinter einer Paywall verschwunden, ebenso wie das für dich sicher interesante Zitat 13.
Mein Punkt war aber der, Kim erregt die Gemüter noch heute, aber um die palästinensischen Kindern kümmert sich niemand, die sind der westlichen Moral, Doppelmoral, egal?
Welch einseitige Wahrnehmung der Realität!
Sie lebt seit den 90er in Canada. Kim Phuk heißt sie und ist verheiratet.
Der Commandeur, der den Luftangŕiff vor Ort befahl, hat sich innerhalb 20 Jahren halb tot gesoffen, als er das Bild in der Zeitung sah. Er hat alles verloren, inkl. Frau und Kindern, die abhauten. Er hat sie dann zu ihrer Hochzeit in Canada besucht und Vergebung gebeten, die sie ihm gab. Es sei Krieg gewesen.
Heute ist er Priester in Boston, meine ich.
Krieg ist ein Monster, aber Menschen gemacht.
Kim wurde in Vietnam und weltweit berühmt, traf sich öfters mit den vietnamesischen Präsidenten. Ursprünglich war sie Caodaiistin, konvertierte dann aber infolge einer Liebesgeschichte zum Christentum. Sie blieb dann während einer Auslandsreise spontan in Canada, wo sie heute noch lebt. Sie besucht regelmäßig ihre alte Heimat. 2024 besuchte sie die Tunnel von Cu Chi in der Nähe von Saigon.
Wie einst Vietnam, so kämpft heute Palästina um seine Unabhängigkeit. Aber die ermordeten Kinder Palästinas finden in der westlichen westlichen Welt viel weniger Beachtung als das berühmte Foto von Kim.
https://www-bbc-com.translate.goog/news/articles/crm347kpljko?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq&_x_tr_hist=true
Diese typisch,westliche Doppelmoral regt mich auf!
@Naomi, Peter Goldstein: Danke für die Infos. Manches war mir neu.
Natürlich wird die Moral manipuliert. Es wird geheuchelt ohne Ende. Doppelmoral? Und wie! Die USA haben Hiroshima und Nagasaki ausradiert und zeitgleich die Münchener Kriegsverbrecherprozesse organisiert.
Aber Bilder haben Kraft. Das haben die USA aus dem Vietnam-Krieg gelernt. Es gibt zwar noch solche Bilder, die aufrütteln, aber die USA tun alles dafür, dass sie nicht zum Thema werden. Genau das muss die Friedensbewegung ansetzen, anstatt ihre Befindlichkeiten zu pflegen.
Guter Artikel!
Unser Land braucht eine Friedensbewegung ohne Brandmauern.
Denn die größte sich abzeichnende Gefahr wäre ein Krieg mit Russland, den unsere Regierungsparteien sich anschicken zu provozieren und nicht eine Beteiligung der AfD an der Macht.
Wenn wir uns erstmal in diesem Krieg befinden, dann ist es zu spät.
gem. wikipedia (:https://en.wikipedia.org/wiki/Government-organized_non-governmental_organization)
Hier wird gefährliche Desinformation verbreitet, 🙂
Dazu Bundesvertriebenengesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/bvfg/__6.html
Von Geburtsort steht da nichts.
Nur als Beispiel.
Gilt also immer noch.
Mein Vorschlag: Schlagt euch gegenseitig die Birnen ein. Auch Schusswaffengebrauch wäre von Vorteil:
Beschäftigt die Staatsorgane!
Kommt noch. Wenn aber, dann vermutlich durch eingeschleuste „Provokateure“
Wir brauchen subversive autonome Gruppen, die in konzertierten Aktionen diesen Staat zersetzen.
Alles andere ist mittlerweile obsolet geworden.
Wir müssen den Krieg zu den Reichen tragen.
Die werden uns töten, wenn wir sie nicht beseitigen!
P.S.
Der Autor erzählt, das er das BSW wählt, wegen der Corona Aufarbeitung, deren Spitzenfunktionäre es gar nicht schnell genug mit der Impfung gehen konnte.
Was für ein Hohn…sowas von unglaubwürdig.
Wie sollen autonome Gruppen konzertiert agieren? Das widerspricht sich. Sie sind ja autonom.
Das soll heißen das es gut geplante Aktionen sein sollen.
Nicht ein paar Autos anzünden oder gegen eine Infrastruktur die sich dann eh nur auf die Einwohner auswirkt,
gibt es den überhaupt noch die autonomen?? Dachte, die sind seit Mitte der 90er Jahre vorbei…
Aus der Entfernung betrachtet, waren dies doch eher Bürgerkinder in einer Jugendbewegung, so von 16-35jährig?
Du bist nichts als ein billiger Provokateur.
Teile und herrsche.
Das Rezept funktioniert immer.
Es gibt die Kriegsparteien in Deutschland, also die Parteien, die der Ukraine durch Kriegsfinanzierung und Waffenlieferungen das Kriegführen ermöglichen, und ihre Anhänger und Helfer, und die Opposition gegen den Krieg. Das BSW hat Kriegsparteien unterstützt, und regiert mit ihnen, und kann nicht zur Friedensbewegung gehören. Dadurch, dass dieser Kaderverein deshalb massiv an Stimmen verlor und deshalb nicht in den Bundestag kam, hat er uns oberflächlich betrachtet die Merzregierung beschert, aber auch wenn das BSW es geschafft hätte, wäre eine Mehrheit ohne AfD nicht möglich gewesen.
Es gibt ein Stichwort, „wer anderen in der Nase bohrt, ist selbst ein Schwein.“ Wer die AfD als faschistisch beschimpft, ist demnach ein (neo)faschistisches Schwein oder ein Idiot. Also AfD Mitglieder müssen sich vor Rechts- und Links-Neofaschisten in Acht nehmen. Dies betrifft berufliche Sanktionen bis zur Entlassung und soziale Ausgrenzung. Deshalb können sie nicht massenhaft zu Demonstrationen gehen.
Die Blockparteien in Deutschland wollen einen Siegfrieden und sind Bundesgenossen von Rechtem Sektor, Asow und den übrigen zwanzig faschistischen Kampfverbänden der Ukraine.
Die Mehrheit der Deutschen möchte weiter Krieg. Das zeigt sich nicht in heuchlerischen Aussagen, viele trauen sich nicht zu sagen, dass sie weiter für Unterstützung der Ukraine sind, sondern in den Parteienpräferenzen. 63 % wollen laut jüngster Umfrage von INSA Parteien wählen, die den Krieg mit Russland mehr oder weniger unterstützen wollen. Diejenigen 11 %, die nicht in den Bundestag kämen, habe ich nicht mitgezählt.
Wenn die Russen gewonnen haben, werden 90 % sagen, dass sie schon immer gegen diesen Krieg waren, der Deutschland eigentlich nichts anging, und gleichzeitig behaupten, dass Trump an der Niederlage schuld war.
Den Artikel kann ich zu ca. 70% zustimmen, was sehr viel ist. Flg Abschnitt entspricht auch meiner Sicht:
„ Man muss die AfD nicht mögen (ich mag sie nicht, Sympathien hege ich politisch und persönlich nur für Tino Chrupalla. Den AfD-nahen Max Otte schätze ich und wünschte ihn mir als Bundespräsidenten, allerdings unter einer Bundeskanzlerin Wagenknecht!), um sich gegen diese Kampagnen zu wenden. Deren besonders heikle Seite spricht der Sozialwissenschaftler Günther Roth an, wenn er auf den „zentralen Fehlschluss“ beim Verfassungsschutz-Gutachten, das auf ein Canceln national-konservativer Positionen durch eine implizite Gleichsetzung von „verfassungsfeindlich“ und „rechts“ bzw. „rechtsextrem“ hinweist, hinausläuft (16). Roths Resümee: Offensichtlich hätten sich neben den Mainstream-Medien auch „Verwaltung und Justiz in diesem politischen Kampf vereinnahmen lassen.“ Solche Aktivitäten, die die Opposition an die Kandare nehmen, wird, wenn sie anderswo auf der Welt, in von uns ohnehin kritisch beäugten Ländern stattfinden, gerne schon mal mit Worten wie „heimlicher Putsch“ oder „staatsstreichartig“ charakterisiert. (17)“
Ob ich die beiden genannten Personen in politischen Ämtern wünsche, lasse ich mal außen vor.
Ich gehöre zu denjenigen, die von der Politik angewidert sind und nur noch zu bestimmenden Demos gehen. Das wären die Palästina-Solidemos, weil das palästinensische Volk das an meisten unterdrückte und in seiner Existenz bedrohte Volk der Welt ist. Frieden für Palästina gehört deshalb auf jede Friedensdemonstration.
Ansonsten muß die Russophobie aufhören.
Forderungen für die Friedensbewegung wären:
Wir zahlen nicht für eure Krise.
Schluß mit der Unterstützung der Ukraine.
Keine Waffenlieferungen an Israel.
Wahrscheinlich sind diese an sich richtigen Forderungen nicht mal hier im Forum konsensfähig, weil hier Israel für eine Heilige Kuh halten. Solange das so ist, beteilige ich mich nicht an Friedensdemos. So oder so,,dieses Land ist im Abstiegskampf und jedefrau muß ans eigene Überleben in dieser rauhen Konkurrenzgesellschaft der moralisch überlegenen Gutmenschen denken.
Ansonsten glaube ich zu einen großen Weltkrieg, zu einen nuklearen Schlagabtausch wird es nicht kommen. Das wollen weder Putin noch Trump, die Chinesen schon gar nicht. Die Zeiten der großen Ideologien/Weltreligionen ist vor bei. Es geht der Welt vorwiegend ums kapitalistische Geschäft und für eine bessere Gesellschaft, die man früher Sozialismus nannte, sind die Menschen, vor allen die Menschen der saturierten westlichen Welt, nicht geeignet, vielleicht noch nicht.
Man muß die sozialen Fragen in den Vordergrund stellen, den Abstieg so sozialverträglich wie möglich gestalten.
Einfach den Kapitalismus abschaffen und schon hätte sich das alles erledigt.
Wir müssen die westliche Welt zu Fall bringen, aber bestimmt nicht mit Leuten wie Chrupalla oder der Wagenknecht, sondern nur ohne den Staat.
Du bist wie immer lustig. Ohne Staat, ohne eine gewisse, auch erzwungene Ordnung, würden sich die Menschen gegenseitig umbringen. Als der Westen durchaus starke Staaten wie Irak und Libyen in Kriege stürzten, regierte danach das Chaos, den Leuten ging es schlechter. Willst du das? Vielleicht ist die Menschheit in 1000 Jahren, wenn es sie dann noch gibt, frei und ohne Staat zu leben. Aber träumen darfst du….
Wenn kein Staat mehr da ist und der Kapitalismus abgeschafft und die herrschende Klasse beseitigt ist, gibt es keinen Grund mehr sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen.
Allein der Staat bringt die Gewalt ins Spiel.
In der Not halten die Menschen immer zusammen.
Du gehst von falschen Voraussetzungen aus.
Du hast ’ne Menschenkenntnis, wie eine Hyäne Wissen der Quantentheorie hat.
Meine Fresse,…dann gibt’s keinen Grund mehr….
Wenn ich keine guten Menschenkenntnis hätte, wäre ich schon lange tot.
Der Staat hat erst die Gewalt über die Völker gebracht.
Haiti, so viel auch Libyen und große Teile von Afrika sind nur so geworden weil sich Staaten eingemischt haben.
Sicher ist. bei fortschreitender falscher Konditionierung, auch, oder gerade in der westlichen Welt, wird es hier genauso werden.
Vielleicht sollten sich ein paar mehr Leute dieses Interview anschauen? Vor allem die politisch Verantwortlichen.
https://m.youtube.com/watch?v=2sQXgecCJB0
Da bekommt man es sehr deutlich gesagt, was passieren wird wenn unsere Kriegsgeile Mischpoke aus Kleptokraten aus der Politik und ihren Speichelleckern der Medien nicht so langsam Vernunft Eingeblasen wird.
Dann werden nicht nur die ihre Erleuchtung in einem Gammablitz finden.
Wer den herrschenden „Frieden“ und einer diesen Frieden erhaltenden Bewegung das Wort redet, statt einer Bewegung gegen den in diesem Frieden vorbereiteten Krieg, hat einen theoretischen wie praktischen Einspruch gegen den nächsten, längst eingepreisten oder gar schon beschlossenen Krieg, überhaupt nicht vor.
So einen Vorhaben kann ich so rein gar nichts abgewinnen.
Soweit ich diesen wieder mal viel zu lang geratenen Text, der seinen angeblichen Gegenstand thematisch zum politischen Bekenntnis erweitert, gelesen habe, ist mein Eindruck ein zwiespältiger. Wichtig und positiv ist der Hinweis auf die GONGO-Problematik. Längst ist das Konzept NGO ausgehöhlt worden, haben es Staaten geschafft, bekannte NGOs für die eignen Zwecke einzuspannen. Hauptsächlich durch Finanzierung – wes Brot ich ess… -, aber auch durch das Drehtürenphänomen im Kaderbereich, Leute, die mal bei einer staatlichen Entität, mal bei einer NGO arbeiten, die sich dadurch eben in eine GONGO verwandelt.
Bezüglich AFD kann man eine Verharmlosung feststellen. Da tummeln sich Leute, die einmal an die Macht gelassen, nicht nur die bürgerliche Demokratie demontieren, sondern diese durch ein äusserst autoritäres, national-rassistisch ausgerichtetes System ersetzen würden. Ökonomisch gibts in der AFD zwei Strömungen, eine ist traditionell faschistisch, strebt also eine enge Anbindung und Unterstellung kapitalistischer Entitäten an die Bedürfnisse der Partei an (Höcke-Flügel), die andere ist hyperliberal, will den Kapitalisten noch weit mehr überlassen, als im real existierenden Neoliberalismus schon der Fall. Beide Varianten sind inhärent autoritär, allgemein menschenfeindlich. Wie man übersehen kann, dass die AFD ein Kriegsgurgelverein par exellence ist, der den Friedenswunsch weiter Bevölkerungsteile bloss instrumentell zu eignen Zwecken nutzt, den Militarismus aber geradezu ideal verkörpert und daher mit einer Friedensbewegung, die diesen Namen verdient, nicht das Geringste gemein hat, bleibt schleierhaft.
Rischtisch.. 👍
Wer für den Frieden eintritt, der sollte zunächst sagen, was er unter Frieden versteht. Selbst eine Regierung Merz redet mit Bezug auf die Ukraine von einem Frieden, allerdings mit der Einschränkung eines gerechten Friedens, was nichts anderes als ein moderner Euphemismus für einen Siegfrieden ist, also für die Fortsetzung des Krieges ist.
Wenn ich vom Frieden reden will, dann muss ich auch über Abrüstung reden, sonst ist Frieden nie mehr als nur die Vorbereitung auf den nächsten Krieg, nur eine vorübergehende Abwesenheit von Krieg.
Damit würde sich auch die Frage der Rechtsoffenheit nicht mehr stellen. Deswegen vermeidet der nach rechtsoffene Autor auch tunlichst von Abrüstung zu reden.
Vom Frieden zu reden, heisst auch, von Waffen zu reden, von der Eskalationsgefahr zum Weltkrieg bis hin zum Atomkrieg. Denn genau auf einen Atomkrieg führt die Forderung nach einem Siegfrieden, inkl. der Eroberung der Krim, hinaus.
Vom Frieden reden, heisst auch, von der Plünderung der Staatsfinanzen für die Kriegsvorbereitung zu reden. Von der enormen Verschwendung an Ressourcen für die Hochrüstung, dem gigantischen zusätzlichen CO2 Ausstoß.
Ressourccen, die fehlen bei der Sanierumg und Ausbau der maroden Infrastruktur, in der Wissenschaft. Ressourcen die man braucht, um die verlorengegangene technologische Vorreiterrolle zurück zu erlangen, Ressourcen, die fehlen beim CO2-neutralen Umbau der Wirtschaft. Waggonbauwerke zu Panzerschmieden (a la Görlitz) ist ganz sicher keine nachhaltige wirtschaftspolitische Zukunftsstrategie und angesicht der Zustände im Bahnverkehr eine katastrophale Fehlentscheidung.
Wenn man vom Frieden redet, dann muss man auch vom Zusammenleben der Staaten reden.
Für die Bundesrepubluk heisst das: Reden von den militärisch verfolgten Zielen der deutschen Aussenpolitik. Vom Zündeln und Entfachen des Jugoslawischen Bürgerkrieg und der Ernennung des dafür verantwortlichen verantwortlichen Geheimdienstchefs zum Aussenminister bis hin zu den im Weissbuch beschriebenen wirtschaftlichen und politischen Zielen des deutschen Militarismus.
Wer vom Zusamnenleben der Staaten redet, der darf nicht der Zerstörung der internationalen Ordnung das Wort reden, wie der Autor mit Bezug zur UNO. Das ist das Geschäft der Kriegstreiber, nicht das einer Friedensbewegung. Wir brauchen Wege zu einer internationalen Ordnung des Friedens, zur Kooperation über politische Blöcke hinaus.
Der Beitrag ist eine intellektuelle Kapitulation vor den Aufgaben einer Friedensbewegung. In Ermangelung von eigenem Geist wird auf den wieder auferstandenen Rechten Ungeist in der Bundesrepublik gesetzt und dabei von einer nach rechts offenen Friedensbewegung munter drauf los phantasiert. Das eine nach rechts offene Friedensbewegung nur existieren kann, wenn das Ziel „Frieden“ aufgegeben wird, stört den Autor nicht. Dafür ist er schon zu fleissig an der Zerstörung dessen, was als Überreste einer früheren Friedensbewegung noch übrig ist.
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Sie wollen doch nicht im Ernst die WHO verteidigen – von Bill Gates u. ä. gekauft und in der Corona-Krise hat sie komplett versagt.
Dagegen ist die UNO-Charta mit Michael v. d. Schulenburg unbedingt zu verteidigen: https://youtu.be/LV6SIT17gXk?t=585 – Da liegt der Autor falsch.
Darüber soll in der Friedensbewegung geredet werden.
Aber Ihr „rechtsoffen“-Geschwafel kommt von den Antideutschen und predigt die „Staatsräson“. So kommen wir gar nicht weiter. Die Friedensbewegung kann nicht so einseitig sein, wie Sie das hier predigen.
ich glaube Sie reden über einen anderen Text als meinen.
Unsachliches und denunziatorisches Getrolle!
„Wenn ich vom Frieden reden will, dann muss ich auch über Abrüstung reden, sonst ist Frieden nie mehr als nur die Vorbereitung auf den nächsten Krieg, nur eine vorübergehende Abwesenheit von Krieg.“
Dafür bieten sich ja die neuen Raketen, nuklear angetriebenen Marschflugkörper und Supertorpedos die ganz UK auf einen Schlag vernichten kann von Putin ja an.
na das ist ja wirklich echt ein Grund es jetzt mal so richtig krachen zu lassen. Wir haben hierbschliesslich auch genug davon rumstehen.
Wär ja blöd wenn das ganze Teufelszeug nur so rumsteht.
Welches Weichei würde da noch abrüsten wollen?
Beim Thema Frieden mit der CO2-Lüge zu kommen ist auch so ein heimtückisches Ding. Schon bei den letztenOStermärschen war ständig CO2-Gequatsche zu hören.
Es geht bei Frieden NICHT UM CO2!
Es geht um in-Frieden-lassen, es geht um Nicht-Einmischung, es geht um Nicht-Bedrohung.
CO2-Wahnsinnige sind ja sogar dazu bereit, dafür in den Krieg zu ziehen, so verblendet und verstrahlt sind die, man denke an die Rhetorik gegen China weil es so böse viel CO2 ausstösst – übrigens hauptsächlich für UNSEREN KONSUM.
Beim Thema Frieden geht es nicht um Deinen privaten Beziehungskram. Da geht es um unser aller Zukunft auf diesem Planeten, um unser Überleben. Und ja, da gehört eine CO2-emmissionsneutrale Lebensgrundlage zwingend mit dazu.
Ja, geh und binde den Kühen Masken um und rette die Welt.
Meine Fresse, ich hab diese Leute so satt! ▬|██████| ▬
Das wird die Welt nicht helfen.
Es bedarf da eher einen CO2-Furzabsorber für Veganer und andere Rindviecher.
Ja, ich würde mich nicht wundern, wenn genau diese Leute das Ende der Menschheit initiieren, ob gewollt oder aber auch ganz unfreiwillig, einfach weil sie total verblödet sind.
Danke, Herr Schoepe, für diesen Beitrag, dem ich nur zustimmen kann! Und wenn sich nicht mal die Friedensbewegung darauf einigen kann, mit allen Menschen zu demonstrieren, die sich für ein friedliches Zusammenleben ohne Krieg einsetzen wollen, egal woher sie kommen, dann wird es mit dem Frieden eben nichts, weder im Großen noch im Kleinen. Dann ist immer noch Abgrenzung und Ausgrenzung wichtiger als der Frieden, selbst im Schatten eines drohenden Atomkriegs. – Übrigens ist der Zeiger der Doomsday Clock mal wieder vorgerückt, es ist nun 85 Sekunden vor Mitternacht.
Sehr gut, liebe bisherige Diskussionstelnehmer. Eure Beitraege zeigen mir, dass es gelingt, euch so zu ‚manipulieren‘, dass ihr langsam immer mehr Hass aufbaut. Aber vielleicht braucht es noch ein Weilchen, bis er ausreichend ist, um euch zum Buergerkrieg zu verfuehren. Tja, Schueren von Hass, Angst und Unsicherheit ist eine hervorragende alte Manipulationstechnik, die sich immer wieder aufs neue bewaehrt.
Und wieder ein Versuch die Unterscheidung zwischen rechts und links aufzugeben. Ich würde mir eher ein „ich weiß, dass wir uns in einigen Themen nicht einig werden, aber lasst uns dennoch gemeinsam für den Frieden eintreten“ wünschen. Ich glaube nämlich dass das das größte Problem der Berührungsängste ist. Die Linken haben Sorge, wenn sie gemeinsam mit Rechten für eine Sache eintreten sie insgesamt ihre Ideale verlieren würden. Das sollten sie aber nicht. Sie sollen ihre Ideale beibehalten. Sie dürfen links sein und sollen es auch. Ihnen zu sagen „das spielt eh keine Rolle mehr“ ist mMn nicht nur falsch, es hat in gewisser Weise selber ausgrenzenden Charakter. Damit – indem sie das links sein zu marginalisieren versucht – beweist die Rechte, dass sie eine Linke nichz akzeptieren kann.
Das einzige, wofûr ich Verständnis hätte, ist vielleicht, daas man ein paar Regeln aufstellt, um Themen auszuklammern, wo man sich nicht grün ist…
👍🏻
Warum ich diesen Satz bedingt falsch finde:
„Krieg ist ein Spiegelbild unseres Versagens, Konflikte friedlich zu lösen, Gemeinsamkeiten zu finden und eine Welt aufzubauen, die auf Gerechtigkeit und Gleichheit beruht.“ – Erich Fromm
An und für sich ist dieser Satz natürlich richtig, wenn es sich um in gewisser Weise „natürliche Konflikte“ handelt. Der Eine will einen grünen, der Andere einen blauen Pullover tragen. Das ist für mich ein „natürlicher“ Konflikt. Was wir jedoch erleben, ist, dass die eine Fraktion zum Hass auf die andere Fraktion aufruft, um einerseits die Gewalt zu entfachen und andererseits den eigenen Willen durchzusetzen, den Anderen zu unterwerfen.
Das heißt die Eliten WOLLEN den Konflikt. Ihr Verhalten ist grundsätzlich nicht darauf ausgelegt Konflikte zu lösen sondern sie anzuheizen. Deswegen scheitert Putin auch beim Westen mit seiner Strategie, die gegenüber normalen Ländern bzw Machtblöcken funktioniert, wo es sich mehr um natürliche Konflikte handelt (das kann man bei der Verbindung China Russland zB sehen; zwischen beiden Ländern gibt es alte und lang anhaltende Konflikte, doch Russland bzw beiden ist gelungen das Verbindende zu sehen).
Man muss also unterscheiden ob es sich um Kriege des Kriegswillens und Dominanzstrebens handelt oder um besagte natürliche Konflikte.
Ein Beispiel ist: ich hab deutschen Politikern immer wieder vorgeschlagen „wenn Ihr der Meinung seid beim Referendum der Krim sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, dann führt doch einfach ein neues Referendum durch“. Mich stört dabei vor allem, dass der Westen bei seiner Einstellung einfach über die Köpfe derer hinweg entscheiden möchte, von denen er behauptet sich als deren Anwalt aufzuspielen (genauso könnte man ja mal die Ukrainer fragen, ob sie diesen Krieg noch wollen oder die Menschen im Donbass zu wem sie gehören oder ob sie gar unabhängig oder wenigstens teilautonom sein wollen; macht der ach so „demokratische“ Westen aber nicht). Das wurde aber abgelehnt, weil das hieße ja eine Lösung für den Konflikt zu finden und das widerspricht den westlichen Eliten, die den Konflikt brauchen, um einerseits ihre Kriegsindustrie reich zu machen und andererseits Russland zu unterwerfen.
Kurz: von einem Versagen kann man nur bei einem natürlichen Konflikt sprechen, alles Andere ist Vorsatz, also Absicht.
Was ich an dem Satz falsch finde, ist, dass eine falsche Analyse die Lösung des Problems verhindert..Es ist keine Frage, ob WIR zu einer friedlichen Lösung in der Lage sind. Die meisten Menschen wären es wohl, wenn sie nicht mit Lügen und Hass in die falsche Richtung gedrängt würden. Nach Dominanz strebende Kriege sind also keine Folge eines quasi kollektiven Versagens, sondern Absicht der Eliten.
Anders formuliert: die Menschen können – wenn man mal weglässt, dass ihr Aufwiegeln mit Hilfe von Lügen und Halbwahrheiten elementarer Bestandteil für jeden Krieg ist – noch so friedlich sein wollen…. wenn die Eliten Krieg wollen, dann bekommen sie ihn, weil sie die Mittel haben die Massen zu manipulieren und zu lenken.
Dennoch muss man natürlich die Frage stellen, warum die Menschen so leichtgläubig und dumm sind, dass sie immer wieder auf ihre Eliten hereinfallen.
Sehr guter Kommentar.
Mit Ihrer letzten Frage haben sie natürlich ein ganz heißes Eisen angefasst. Warum Menschen so leichtgläubig und dumm sind , die Beantwortung ist ans sich gar nicht so schwierig, führt aber tief in die Abgründe der Psychologie und Verhaltensbiologie des Menschen. Mithin in sehr tiefe Ebenen der Matrix. Da hinzusehen, das scheuen selbst die sogenannten Alternativen Medien wie der Teufel das Weihwasser, das tun gewöhnlich nur wirkliche Außenseiter , das WILL keiner wissen.
Ich fürchte, dass die psychologische Thematik so schwerwiegend ist, dass man die Menschen quasi nur mit „Gegenmanipulation“ dazu bringen kann den Pfad zu verlassen.
Ein Beispiel: mein älterer Bruder. Wir – mein anderer Bruder und er – sind eines Abends in Streit geraten. Es gab immer wieder schon Spannungen, wegen sehr abweichender Positionen. Egal. Mein anderer Bruder und ich sind nicht 100 % einer Meinung, sehen das System aber kritisch und verurteilen auch die Gewalt im System. Nun… Egal. Die Details interessieren nicht. Ich wollte nur sagen, dass es mehr oder minder schon – sagen wir mal – zwei gegen eins war, wobei mein anderer Bruder sich eher zurück gehalten hat. Egal… Nun… irgendwann war es soweit, dass er – der ältere Bruder – erkannt hat, dass die westliche Position zumindest nicht fehlerfrei ist. Man hat schon vermutet, dass es der Anfang der Erkenntnis war. Es ist ja nicht so, dass er meine bzw. unsere Position übernehmen muss. Es reicht ja zu erkennen „es stimmt nicht alles, was uns unsere Eliten Medien etc. erzählen wollen“. Kleines Beispiel: 9/11. Man muss nicht damit übereinstimmen, dass es ein inside job war – wie ich es vermute. Aber man sollte doch zumindest anerkennen, dass die Geschichte starke Lücken aufweist. Da wäre z.B. dass ZWEI Flugzeuge in ZWEI Türme krachen – was schon ein schwieriges Flugmanöver für absolute Anfänger mit wenig Flugerfahrung ist – aber DREI Türme (merkwürdig gerade und schnell) insich zusammenfallen und der eine Turm in einem offiziellen nine-eleven report erst auch gar nicht erwähnt wird. Man muss nicht meine Einschätzung übernehmen, aber man sollte doch zumindest stutzig werden, auch (und gerade) wenn einem die Regierung verbieten will eine andere Position als sie, eine kritische Position einzunehmen.
Nun… ein paar Tage später hat er eine Rolle rückwärts gemacht – unser älterer Bruder. Aus ERkenntnis wurde ein neuerliches BEkenntnis zum Führerglauben: die Regierung gibt vor, was wir zu denken haben und alles andere ist des Teufels, Blasphemie.
Was schlussfolgere ich daraus: die Fähigkeit, die Intelligenz die Dinge zu verstehen und wenn nicht zu durchschauen, dann doch zumindest kritisch zu hinterfragen und in Zweifel zu ziehen, ist durchaus vorhanden. Aber aus irgendeinem Grund will man sich seines eigenen Verstandes nicht bedienen. Es geht also vielmehr um starke psychologische Faktoren als um logisches Denken und Verständnis. Bei solchen Leuten kommst Du auch mit Aufklärung nicht weit. Da kannst Du noch soviel aufklären… Die wehren sich mit Händen und Füßen dagegen. Sie WOLLEN es nicht verstehen.
Soviel auch zur Thematik 3. Reich und am Ende „wir haben von all dem nichts gewusst“. Natürlich haben sie es gewusst. Sie waren dazu in der Lage es zu verstehen, die Informationen waren auch – damals wie heute – vorhanden, um zumindest zu verstehen „hier stimmt was nicht“, sie WOLLTEN es aber nicht oder haben einfach mitgemacht oder beides, zum Teil auch, weil es ihnen ein Überlegenheitsgefühl gegeben hat (oder heute gibt).
Ich vermute es ist eine Art Stockholmsyndrom. Wer permanent geschlagen wird, erkennt seinen Peiniger irgendwann als seine Bezugsperson an. Das beinhaltet jedoch auf der anderen Seite, dass sich da innere Defizite aufstauen. Wenn einem dieser Peinige dann eine Projektionsfläche bietet, dann wird das dankend angenommen, da den Peiniger selber zu kritisieren ja bedeuten würde das eigene (sich mehr und mehr mit dem Peiniger identifizierende) Ich zu kritisieren und das geht nicht, weil es einem den Boden unter den Füßen wegziehen würde. Wenn das Kollektiv zudem so gelenkt ist, erschwert sich die Situation natürlich noch einmal, da man sein (ebenfalls manipuliertes) Umfeld nicht verlieren will. Es fehlt auch an Alternativen, die einem aufzeigen, dass es anders geht. Umgekehrt würde bedeuten sich mit dem Opfer – der Projektionsfläche, Rassismus- zu identifizieren sich selbst – das ebenfalls gepeinigte Opfer – darin zu erkennen. Also lieber über andere Menschen erheben, die eigenen Wunden verleugnen, sich als was Besseres fühlen.
Dennoch… mir stellen sich bei solchen Verhaltensweisen die Nackenhaare auf. Erstens, weil es moralisch falsch ist. Zweitens, weil nichts die Eigenverantwortlichkeit auflösen kann, auch keine Traumata (mag sein, dass jemand als Kind vergewaltigt oder geschlagen wurde, das gibt ihm oder ihr aber nicht das Recht Andere zu vergewaltigen oder zu schlagen; ab irgendeinem Punkt ist man trotzdem verantwortlich für sein Handeln). Drittens ist es keine nachhaltige, langfristige Lösung. Man geht den Problemen ja nur aus dem Weg, man löst sie nicht. Im Gegenteil… sie sammeln sich an und werden immer größer.
Die deutsche Kultur ist in meinen Augen in weiten Teilen eine Kultur des Faschismus, der Gleichschaltung, der Gewalt, Obrigkeitshörigkeit und diverse andere negative Charaktereigenschaften, wie z.B. Neid, Missgunst etc. ist Teil des Ganzen. Neid bedeutet ja im Wesentlichen, dass man (auf eine sehr oberflächliche Art und Weise) fürchtet, dass jemand Anderes etwas bekommt, was man selber nie bekommen hat: Anerkennung und Liebe.
Ich denke die Schäden in der deutschen Gesellschaft gehen in erheblichem Maße auf das Preußentum – Zucht und Ordnung, Unterwerfung etc. – zurück.
Sehr gute Analyse, meine volle Zustimmung! Die Frage nach den psychologischen Gründen für Gehorsamsbereitschaft und Verleugnung der eigenen (guten) Bedürfnisse, hatte sich auch Fromm in seinen Studien zum „Autoritären Charakter“ gestellt. In den Milgram-Versuchen ca. 20 Jahre später, wurde dann festgestellt, dass Autoritätsgläubigkeit und Unterordnungsbereitschaft gepaart mit Sadismus nicht reichen, um in modernen Zeiten Gefolgschaft für Brutalität zu erreichen: Es muß ein höheres, wissenschaftlich oder relitiös oder auf andere Weise besonders wertvolles Ziel geben, das eine bessere Zukunft für alle bedeutet, für das es sich lohnt, jegliche Brutalität zu begehen. Hitler hatte dieses Ziel der „Eroberung von Raum für eine wachsendes Volk mit zu wenig Raum“ und der Entwicklung einer weltweit dominierenden Herrenrasse klar formuliert und damit für alle Hoffnungen auf ein besseres Leben als Herrenmenschen geweckt. Den wissenschaftlichen Hintergrund dafür bildete Darwins Theorie der Entwicklung durch Selektion im Überlebenskampf der Völker, neben den Rassismusbüchern des Franzosen Gobineau, sein, von Hitler selbst so bezeichnetes wichtigstes Buch. Diese Bücher erschienen etwa zeitgleich Mitte des 19. Jh., in einer Zeit, da die Kolonialstaaten England, Frankreich u.a. eine neue wissenschaftliche Legitimation für die Unterwerfung und Ausbeutung anderer Länder brauchten, also in einer Zeit, da Deutschland noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, als dass es die Weltbühne auf Augenhöhe betreten konnte. Deutschlands Kolonialismus begann später, mit unvergleichlicher Brutalität und er war von kürzerer Dauer, da die Alliierten im 1. Weltkrieg siegten und den Versailler Friedesvertrag diktierten.
Und hier sind wir bei der tieferen psychologischen Ursache für die Bereitschaft der Deutschen es noch mal in einem 2. Krieg wissen zu lassen, da es Hitler gelang, den Versailler Frieden als ungerecht und als Schande für die Völker hinzustellen. Das Gefühl, im Kreis der aufstrebenden Völker ungerecht – wie eine Kolonie – behandelt zu werden, gepaart mit dem Gefühl, als aufstrebende Wissenschafts- und industriemacht leistungsfähiger zu sein als die anderen, führten zu jenem kollektiven Komplex aus falschem Selbstbewußtsein, Minderwertigkeitsgefühl und Selbstüberschätzung , der zunächst die Elite, dann aber auch die meisten Deutschen empfänglich machte für das höhere Ziel, sich im Überlebenskampf der Völker als überlegene und die Welt dominierende Rasse durchzusetzen. Der Fehler in Fromms Zitat ist die Idealisierung von Konflikt- und Kriegsursachen und die damit verbundene Entkopplung von den wirklichen materiellen Ursachen für Kriege – seien dies Mängel an Rohstoffen und wirtschaftlichen Entfaltungschanen, die Verteidigung einer bereits erlangten überlegenen Position oder der Versuch, eine solche überlegene Position gegenüber den zu Feinden erklärten Völkern zu erlangen.
Ein Problem. Die ehrlichen gutmeinenden Menschen (NICHT Gutmenschen !) sind meist sehr ausgeprägte Individuen und Charaktere, das sieht man auch am BSW. Solche starken eigenwilligen Einzelindividuen sind selbst für eine Sache wo sie an sich im Konsens sind viel schwerer zu einer einheitlichen Kraft zusammenzuführen, als die bekloppten Lemminge auf der Gegenseite.
Ein weiteres Problem. im Gegensatz zu den großen Zeiten der Friedensbewegung in den achtzigern scheint das durchschnittliche geistige, intellektuelle, kulturelle Niveau der Bevölkerung deutlich gesunken.
Das denke ich auch. Rechte wollen unterdrücken. Da ist man sich relativ schnell einig, zumindest in der Grundrichtung. Echte Linke wollen m.M.n. die Freiheit. Wenn ein Rechter von „Freiheit“ redet, dann meint er in der Regel die „Freiheit“ andere zu unterdrücken; sie fühlen sich in ihrer „Freiheit“ „unterdrückt“, wenn sie daran gehindert werden Andere zu unterdrücken. Dieses andere unterdrücken ist ein Grundkonsens, der alle Rechten vereint. Echte Freiheit ist hingegen sehr individuell. Dazu gehört z.B. AUCH nicht den Regeln einer Gruppe unterworfen zu werden bzw. deswegen kann es theoretisch auch keine linken Anführer geben, weil das ja wiederum hieße sich unterzuordnen. Theoretisch. Man muss eben auch mal lernen zu unterscheiden…. Warum soll es nicht Menschen geben, die besonders gute Ideen haben oder die die Menschen besonders gut in ihren Bann ziehen können, das mal im Positiven Sinne. Ich glaube – damit man gegen die Rechten bestehen kann – muss man lernen, dass nicht jeder gemeinsame Einsatz bedeutet etwas von der eigenen Persönlichkeit oder Identität preiszugeben. Anders gesagt: die Linke braucht (auch) einen gemeinsamen Nenner, zumindest einen, etwas, was in gewisser Weise tatsächlich alle verbindet. Natürlich gibt es da gleich auch schon ein weiteres Problem, weil die Rechten immer wieder verstanden haben solche Strömungen zu okkupieren. Sie haben das Christentum für sich okkupiert und defacto in sein Gegenteil verkehrt („Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ oder „Du sollst nicht töten“ heißt eben NICHT, dass man sich in z.B. Kreuzzügen, also Kriegen, die Köpfe einschlagen soll; da gibt es auch keine Ausnahme von). Heute führt man Kreuzzüge und Kriege, um den „Ungläubigen“ dieser Erde „Frieden, Freiheit, Demokratie, westliche Werte“ zu bringen. Das Motto der Kreuzzüge ist geblieben, lediglich die Inhalte haben sich an den Zeitgeist angepasst. Also… schwieriges Unterfangen… die Rechten haben es deutlich einfacher Einheiten zu bilden, indem es ihnen immer wieder gelingt zu manipulieren, auf die niedersten Instinkte anzusprechen etc.
Rischtisch 👍
Die Friedensbewegung wurde aktiv on innnen heraus zersetzt. Es waren die Vorgänge um den so genannten Friedenswinter – und wie üblich, das spalte und herrsche, indem der Vorwurf ausgesprochen wurde, es wären „Rechte“ die in den neuen Friedensbewegungen das Sagen hätten.
Dann kam noch eine Anti-Russlandhetze aus der „alten“ Friedensbewegung hinzu, die in keinem Verhältnis stand zu dem militärischen Engagenent Russlands auf der einen Seite, und den militärischen Aktivitäten von den USA weltweit und am laufenden Band.
Auf Ostermarsch-Reden wurde ein oder zweimal „USA“ gesagt, und dafür hundert Mal „Russland“.
Die alte Friedensbewegung ist ein Beute der Eliten und deren Büttel, wie so viele zivile Organisationen. Der starke „linksmarxistische“ Einfluss in der alten Friedensbewegung ist auch nicht förderlich für Bündnisse und offene Diskussionen. „Linksmarxismus“ trägt die Spalteritis in sich. Denn es darf nichts daneben geben.
Warum gelingt es denn den einzelnen Friedensbewegungsgruppen nicht, Egomanen, Geltungssuchtige und „Moechtegernfuehrer“ aus ihren Organisationsstrukturen zu entfernen? Ich denke, jeder, der durch irrationale Massnahmen auffaellt (und auch durch Unfaehigkeit, vernuenftig mit Kritik umzugehen), hat in so einer Organisationsspitze nichts verloren.
Ua wegen den „Links“-Marxisten.
Spalte in „rechts“ und „links“ und herrsche.
Die „Links“-Marxisten sind – wahrscheinlich größtenteils ungewollt – heute die effektivsten Büttel der herrschenden Elite.
Der Autor spricht von verschiedenen Friedensbewegungen, ignoriert aber eine wichtige: Muslimisch und migrantisch geprägte Gruppen, die besonders gegen das Gaza-Gemetzel mobilisieren konnten. Perspektivisch werden diese Gruppen eher noch wichtiger werden, gerade wenn es gelingt, diese mehr gegen eine Militarisierung der Gesellschaft in Stellung zu bringen. Ein erheblicher Teil der jungen Bevölkerung in Deutschland ist migrantisch geprägt. Also genau die Bevölkerung, die am liebsten in Kriegen verheizt wird.
Und ja, Frieden ist wichtiger als irgendwelche kleinlichen Abgrenzungen. Wer sich zu fein ist, mit Islamisten gegen Krieg zu mobilisieren ist genauso lost, wie diejenigen, die wegen „Rechtsoffenheit“ zu Hause bleiben.
Völlig Gaga.
Gemeinsam mit den Islamisten? Häh?
Und Migranten sind allermeist nicht gegen Kriege allgemein, sondern nur gegen ganz bestimmte. Für ihr eigenes Land oder ihren eigenen Glauben sind sie oft genug pro Gewalt eingestellt.
Wenn Deutsch keine deutsche Friedensbewegung hinbekommen – mit (maßgeblich viel) Migranten und „Islamisten“ dann schon gar nicht.
Der eigentliche Elefant im Raum ist doch die Verzwergung Deutschlands.
Wie meinen Sie das denn?
Ich selbt bin der Auffassung, dass es egal ist, ob das Land, in dem ich lebe, verzwergt oder „gross und maechtigt“ ist. Mir persoenlich waere eher daran gelegen, dass ich selbst – und alle Mitmenschen – ein ertraegliches Leben fuerhren koennen.
Meiner Meinung nach ist die mangelnde (bzw nicht gewollte) Koopereation wohl darauf zuruekzufuehren, dass sich oft Leute an die Spitzen von Bewegungen draengen, denen es weniger um die Sache an sich geht sondern eher um das Beduerfnis „fuehren zu wollen“. Bewegungen (und jegliche Organisationen) sind wohl ein natuerlicher Magnet fuer Menschen, die Freude an Machtausuebung empfinden. Solche Menschen wollen nicht (koennen nicht) miteinander kooperieren. Sie ticken einfach anders. Sie betrachten (unbewusst) jegliches Vorgehen unter dem Gesichtspunkt ihrer Machterhaltung. Es ist schwierig, mit solchen Menschen rational zu diskutieren.
Immer schön weiter diskutieren, bis wir nicht mehr zu diskutieren brauchen, weil es nichts mehr zu diskutieren gibt. Wenn die Friedenskräfte aller Couleur ihre ideologischen Scheuklappen nicht bald ablegen, ist es bald soweit – schon mal was vom „atomaren Winter“ gehört?
Guter und wichtiger Artikel. Eine Anmerkung aber gerade auf Grund der aktuellen Entwicklungen. Es hätte dem Autor des sonst durchaus hilfreichen und gelungenen Artikels helfen können, gleich zu Beginn die Analyse der Friedensbewegung(en) differenzierter und näher an der Realität zu beschreiben. Wie der Autor darauf kommt, „Macht Frieden!“ hätte irgendetwas mit Querdenken und Michael Ballweg zu tun, kann ich nicht nachvollziehen. Es trifft nicht zu. Am wenigsten, dass man sich 2024 um Ballweg in Berlin „geschart“ hätte. Vielmehr verhält es sich so, dass „Macht Frieden!“ im Februar 2023 mit 25.000 Teilnehmern die erste wirklich große Friedensdemo seit sehr vielen Jahren organisiert hatte und seither nicht nur für den Frieden arbeiten muss, sondern vor allem gegen Zuschreibungen, Boykott und neuerdings auch Angriffe aus der Friedensbewegung heraus, während „Macht Frieden!“ die anderen Demos von Wagenknecht, Ballweg oder auch der traditionellen Friedensbewegung stets mit beworben hat – weil es um den Frieden geht. Die aktuelle Situation habe ich hier beschrieben:
https://macht-frieden.org/eine-brandmauer-mitten-durch-den-frieden/
Gleichwohl ist der Artikel insofern gut, weil wir dringend eine Diskussion brauchen und die Spaltung überwunden werden muss, wenn der Friedensbewegung irgendeine Bedeutung zukommen soll. Neben den im Text genannten Initiativen gibt es noch eine Vielzahl weitere Gruppierungen und Aktionen. Sehr viele sind aus der Bürgerrechtsbewegung entstanden, die sich in der Coronakrise gebildet hat – ohne dass diese „Querdenken“, dem traditionellen Lager, „Macht Frieden!“ oder irgendeiner Partei oder nGO zuzuordnen sind. Potential wäre also durchaus vorhanden. Die Kritik am traditionellen Lager, teile ich dabei und sehe es als einen gewichtigen Faktor, warum das Potential nicht gehoben werden kann.
Lieber Jürgen Müller!
Vielen Dank für Deine / Eure kritisch-positive Resonanz auf meinen Artikel von „Macht Frieden“.
Ich war selbst 2023, 24 und 25 Teilnehmer Eurer Demo, nur dieses Jahr kann ich leider nicht dabei sein.
Bei der Zuordnung „Querdenker“ habe ich mir nichts böses gedacht, es tut mir leid, wenn ich euch damit irgendwohin
gesteckt habe, wo ihr nicht hingehören wollt. Für mich ist Querdenker positiv konnotiert und man sollte meiner Ansicht nach selbstbewusst damit umgehen, gerade dann, wenn man vom Mainstream so beschimpft wird (siehe die Geschichte des Wörtchens „schwul“). Es ging mir dabei auch nur um eine (abkürzend gebrauchte) Typologie, genauso wie bei den „AfD-nahen“ Montagsspaziergängen und Protestaktionen insbesondere in Ostdeutschland, auch das werde ich jetzt etwas mehr differenzieren.
Für weitere Veröffentlichungen meines Textes habe ich das entsprechend umgeändert. Würde man im Übrigen die „Message“ meines Textes ernst nehmen, könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass diese Fragen, wer zu wem gehört und wer was mit wem zu tun hat oder nicht, eben nicht entscheidend sind oder sein sollten, sondern vielmehr die Frage, wer was gemeinsam will und wie wir zu diesem gemeinsamen politischen Willen kommen.
Jedenfalls schätze ich ihre Arbeit sehr und bin auch Leser ihrer Seite „Indikativ Jetzt“, die ich gerne weiter empfehlen möchte.
Obwohl ich eigentlich die eiserne Regel habe, nicht in einer Umgebung, in der einige schon so einen starken Kommentierungsdrang, um nicht zu sagen, eine Kommentierungswut ausleben, mich auch noch selbst zu kommentieren, mache ich hier zur Richtigstellung eine Ausnahme davon.
Abschließend teile ihre Einschätzung, dass Potential für eine kritische, lagerübergreifende durchaus vorhanden ist und es an der Überwindung der Spaltung der Friedenswilligen im Lande zu arbeiten gilt, woran ich mich gerne beteiligen will, Das sage ich auch ausdrücklich als (einfaches) BSW-Mitglied, der die Entscheidung meiner Partei, auf der „Macht-Frieden“-Demo doch nicht zu sprechen, intern scharf kritisiert habe. Und ich hoffe immer noch, dass das nicht das letzte Wort dazu aus dem BSW war!
Lieber Bernd Schoepe,
zunächst einmal bedanke ich mich noch einmal für den wichtigen Artikel – nicht das das Lob für den überwiegenden Teil angesichts der Kritik an 2 Sätzen zu kurz kommt.
Ich sehe das inhaltlich weitestgehend wie Sie – auch was die Verknüpfung zur Coronakrise anbelangt. Auch ich sehe da eine Aufgabe bei den „anderen“, aufarbeiten und versöhnen zu wollen. Das reicht noch weiter zurück und steckt tiefer als die aktuelle Brandmauer, die zum Teil nur vorgeschoben ist.
Sie sprechen meine Seite http://www.indikativ.jetzt an, auf der ich sehr bewusst eine Vorstellung vor meine Texte gestellt habe, damit die Leute wissen, wer da schreibt. Ganz zentral steht da „Demokratie kennt keine Kontaktschuld“ und das meine ich auch so. Der Spruch prangt auch an meinen Profilen in den sozialen Medien ganz oben. Deshalb beteilige ich mich (hoffentlich) nicht an der Spaltung.
Gleichwohl halte ich es bei den von mir kritisierten Punkten für wichtig, dass man da genau bleibt, denn genau diese Zuschreibungen führen zu Ablehnung bei sehr vielen und ich habe genug an der AfD und Querdenken zu kritisieren, als dass ich mich damit gemein machen möchte, ohne sie jedoch in Bausch und Bogen zu verurteilen und von allem auszuschließen. Beide Genannten haben auch Verdienste, wo andere versagt haben, die jedoch gegen sie (faktisch gegen sich selbst brandmauern.
Hier geht es um Frieden und da sollte es dann eben auch nicht darum gehen, wer etwas sagt – aber in beide Richtungen, auch nicht durch Zuschreibungen, die nicht stimmen, aber zu Ablehnung bei vielen führen. Das hält viele noch von einer konsequenten Adressierung von Machtstrukturen ab und in einem Lagerdenken gefangen, aber es ist nun einmal leider aktuell noch so.
Ich nehme die Friedensbewegung als unglaublich divers wahr. Es gibt sehr viele Aktionen und Gruppierungen, die jedoch für sich alle zu wenig Sichtbarkeit erzeugen, wenn sie nicht bedauerlicherweise sogar noch gegeneinander und damit gegen den Frieden arbeiten. Kooperation wäre dringend nötig und vielleicht das Heilmittel für viele Probleme unserer Zeit. Möge Ihr Text und auch unser Wirken dazu beitragen, dass wir mehr über das Gemeinsame und den Frieden reden und nicht über das Trennende, das zu mehr Krieg im Innen und Außen führt.
Lieber Jürgen Müller,
vielen Dank für Ihre Antwort und das Lob über meinen Artikel.
Dass eine Demokratie keine Kontaktschuld kennt, ist ein Satz, den ich voll und ganz unterschreiben kann.
Auch sollte man sich immer um eine genaue, d.h. differenzierte Darstellung der Verhältnisse bemühen,
was mir im vorderen Teil meines Artikels selbst nicht gut genug gelungen ist.
Dazu gehört auch, dass die Gruppen, wie die sog. Querdenker, bei genauerem Hinsehen selbst schon viel heterogener sind als das Label es öffentlich suggeriert. Die Diversität der Friedensbewegung, von der Sie zu Recht sprechen, ist also meinen Erfahrungen nach schon da, intern in dieser und in anderen Gruppen, aufzufinden.
m Übrigen sollten wir uns in dem Zusammenhang auch daran erinnern, dass die Friedensbewegung der achtziger Jahre in der alten Bundesrepublik ebenfalls von einer großen Heterogenität geprägt war. Doris Pumphrey schreibt dazu, dass die Großdemonstrationen jener Zeit vor allem auch das Ergebnis „eines zähen politischen Kampfes“ waren, „in dem Kommunisten, Anti-Imperialisten, Grüne, linke Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Christen zusammenwirkten“ und diese Friedensbewegung es schaffte, „inklusiv und nicht exklusiv“ zu sein (Doris Pumphrey, Die Friedensbewegung im Spannungsfeld). Auch damals hat man sich auf ein paar Kernforderungen geeinigt, die dazu angetan waren, der Friedensbewegung eine kritische Massenbasis zu geben.
Heute ist durch die Corona-Zeit und den „Kampf gegen rechts“ die konsequente kritische Adressierung von Macht- und Herrschaftsstrukturen, wie Sie schreiben, sehr stark erschwert worden. Die Elite reibt sich dabei die Hände und lacht sich ins Fäustchen, dass ihr altes „Teile und herrsche!“ – Spiel immer noch so gut funktioniert.
Die Linke, die sich doch eigentlich vom Universalismus, Egalitarismus und einem stark partizipativen Republikanismus leiten lassen müsste, hat das in ihrer überwiegenden Mehrzahl aufgegeben bzw. verraten. Bis zum heutigen Tag vermag sie nicht zu erkennen, dass die sog. Corona-Pandemie die erste nahezu globale Psy-Op im Kontext einer hybriden Kriegsführung gegen die Bevölkerungen gewesen ist, obwohl sämtliche Indizien mittlerweile für diese Lesart sprechen. Corona war in mehrerlei Beziehung die Blaupause und der Schlüssel zum Verständnis für das, was wir jetzt unter den Schlagzeilen „Ukraine-Krieg“ und „Militarisierung“ erleben.
Und leider, so stelle ich fest, ist auch das BSW in dieser Frage gespalten. Dem radikal aufklärerischen Kurs ihrer (früheren) Parteivorsitzenden und einiger anderer integrer Persönlichkeiten in puncto Aufarbeitung des Corona-Unrechts können leider zu viele (wie ich inzwischen gemerkt habe), in Wahrheit wenig bis nichts abgewinnen – das Beispiel München zeigt es ja!
Wieso sollte eine „Linke“, die das nicht begriffen hat, in der Lage sein, die echten politischen Gefahren und Heilmittel realistisch einzuschätzen? Daran krankt natürlich auch die traditionelle Friedensbewegung und deshalb täte ihr die Kooperation mit der Bürgerrechts-und Freiheitsbewegung, die sich seit 2020 entwickelt hat, so gut.
Denn wer den Frieden nach außen will, der muss erst einmal dafür sorgen, die Feinbilder im Inneren abzubauen. Friedensaktivisten, die gleichzeitig für bi- und multilaterale Verständigung, Kooperation und Frieden eintreten, aber die Brandmauer im Inneren fordern oder gar noch höher bauen wollen, und objektiv damit den Bürgerkrieg mitvorbereiten, muss die Absurdität ihres Tuns gespiegelt werden.
Wir sollten dabei aber bei einer Politik der ausgestreckten Hand bleiben und jeden einladen, der guten Willens und bereit ist, seine Vorurteile zu überprüfen und das Wesentliche, um was es geht, die Menschheitsaufgabe Frieden nämlich, fest im Blick zu halten und als seinen politischen Kompass zu nutzen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihre „Macht Frieden“-Demo in München am 14. Februar viel Erfolg!
Es wird viel zu viel geredet, geschrieben, diskutiert … Wir müssen auf die Straße, mehrmals im Jahr, in allen großen Städten! Dabei müssen die unterschiedlichen politischen Positionen der Teilnehmer von vornherein zurückgestellt werden, in den Hintergrund treten! Nur die gemeinsamen Forderungen sollen im Vordergrund stehen: Für Abrüstung, Friedenspolitik und Diplomatie, für freie Meinungsäußerung, gegen die Sanktionierung von Kritikern der aktuellen Militärpolitik. – Ist das denn so schwierig? Ich war vor einigen Monaten – trotz dauerhaft strömenden Regens – selbst Teilnehmer einer Friedensdemonstration in Dresden mit einigen tausend Teilnehmern, die – abseits des gemeinsamen Anliegens aller Demonstranten – ganz offensichtlich sehr unterschiedliche politische Positionen vertraten. Seitdem habe ich in Dresden keine größere Aktion für Frieden und Abrüstung mehr wahrgenommen. Wenn es nicht gelingt, eine solche heterogene Friedensbewegung auf die Beine zu stellen, werden wir die Folgen erleiden …