„Wie findest Du den Krieg?“

Erstürmung der Schanzen von Chatillon und Clamart am 19. September 1870. Bild: Musée Carnavalet – Histoire de Paris/public domain

Versuch einer Antwort auf die Frage eines Vierzehnjährigen.

Stell Dir vor, Du lebst in einem Land, das von einem Nachbarstaat angegriffen wird. Im Nachbarland herrschen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Die Menschen leiden unter einer schlechten Politik. In solch einer Situation erscheint es richtig, das eigene Land zu verteidigen – für Freiheit, Recht und Demokratie.

Jeder Mensch hat nur dieses eine Leben. Wer als Soldat in den Krieg zieht, riskiert es – mit hoher Wahrscheinlichkeit. Deshalb stellt sich eine schwierige Frage: Sind die Gründe, dein Land zu verteidigen, so stark, dass Du dafür sterben würdest? Sind die Gründe es wert, dass Du dabei umkommst?

Dein Leben steht auf dem Spiel

Ist es feige oder egoistisch zu sagen: „Nein, diese Gründe reichen nicht, um als Soldat gegen Unbekannte zu kämpfen?” Egoismus bedeutet normalerweise, alles für sich behalten zu wollen und nichts abzugeben – etwa den eigenen Geschwistern. Das setzt aber voraus, dass man überhaupt etwas besitzt, das man teilen kann. Bei der Frage „Behalte ich mein Leben oder riskiere ich es mit hohem Risiko als Soldat” ist das nicht der Fall. Wenn Du es verlierst, ist alles vorbei. Du kannst nichts mehr geben, nichts mehr erleben, nichts mehr sein. Oder erwartet man nur, „ein bisschen“ von seinem Leben zu opfern – einen Arm, ein Bein?

Der Wunsch zu leben, gesund zu bleiben und nicht zu sterben, ist kein Egoismus. Jeder Mensch hat ein Recht, sein Leben zu leben. Der Philosoph Immanuel Kant sagte: Der Mensch darf niemals nur als ein Werkzeug benutzt werden. Jeder Mensch hat seinen eigenen wertvollen Wert, der geachtet werden muss.

Vom Menschen zur Waffe

Ein Soldat muss eine militärische Ausbildung durchlaufen. Für einen Soldaten zählt: Er muss die Handgriffe und Bewegungen für den Kampf sowie für den Einsatz der Waffe erlernen. All das muss wie im Schlaf sitzen. Der Soldat muss das Erlernte fast automatisch abrufen können. Zeit zum Nachdenken hat er im Ernstfall nicht.

In der Schule lernen Kinder, Konflikte ohne Gewalt zu lösen – sie üben im Gespräch und Rollenspiel, einander zuzuhören, Rücksicht auf unterschiedliche Interessen zu nehmen und Streit fair beizulegen. Ein Soldat hingegen wird darauf vorbereitet, unbekannte Menschen auf der Gegenseite zu töten. Im zivilen Leben nennen wir das Mord.

Normalerweise fühlen wir mit, wenn wir Leid sehen. Wir erschrecken, wenn jemand verletzt ist. Der Soldat muss sich dagegen abstumpfen. Er muss wie eine gut funktionierende Killermaschine handeln. Er muss den anderen töten, bevor dieser ihn tötet. Einfühlung in andere sind dem Soldaten im Kampf hinderlich. Kurzes Zögern bringt ihn selbst in Gefahr. Wer lange im Krieg Soldat war, kann zwar am Ende des Krieges die Uniform für immer ablegen. Doch seine Erfahrungen wird er nie wieder los. Der Krieg hat ihn verändert. Er ist ein anderer Mensch geworden – das berichten nahezu alle, die einmal an einem Krieg teilgenommen haben.

Mut, Feigheit, Zufall

Feigheit bedeutet, vor Gefahren zurückzuschrecken, obwohl man sie überwinden könnte. Das Gegenteil von Feigheit heißt: „Habe den Mut, Dich den Schwierigkeiten zu stellen. Renne nicht gleich weg.” Wenn Du sagst: „Ich bin einverstanden, dass die Armee mich als ihren Soldaten einsetzt“, dann hat das weder mit Mut noch mit Feigheit zu tun. Ob man als Soldat überlebt oder stirbt, hängt nämlich nur zu einem kleinen Teil vom eigenen Handeln ab. Nur in Filmen wird so getan, als könne Superman mit außergewöhnlichen Fähigkeiten alle Gegner ausschalten. Im Krieg herrscht der Zufall.

Nun könnte jemand einwenden: „Du willst dein eigenes Land nicht verteidigen, erwartest aber, dass es andere tun?“ Das klingt nach einem Vorwurf. Doch die eigentliche Frage ist eine andere: Haben wir das Recht, von Menschen zu verlangen, ihr Leben zu opfern? Und: Machen sich alle Menschen bewusst, was auf dem Spiel steht? Wenn Du tot bist, bist Du tot – Du hast nichts mehr vom möglichen Sieg. Ein Soldat trägt immer das Risiko, im Kampf zu sterben. Und in dem Inferno eines Atomkriegs gäbe es sowieso keine Kämpfe mehr – nur noch Tote, egal, ob Soldat oder Zivilist.

Gibt es Ausnahmen?

Seit der NS-Diktatur haben viele Länder Kriege damit begründet, dass sie einen neuen „Hitler“ verhindern wollen. Aber passiert so etwas wirklich so oft? Sind die kritisierten Machthaber wirklich vergleichbar – oder handelt es sich zwar um Verbrecher, aber nicht um Doppelgänger Adolf Hitlers? Und wer entscheidet das überhaupt? Deshalb ist die Frage schwer: Wann ist ein Krieg – trotz all des Leids – wirklich gerechtfertigt oder sogar notwendig?

Ein Blick in die neuere Geschichte zeigt immer wieder das Gleiche: Am Anfang heißt es, man kämpfe für das Richtige und Gute. Wer Krieg beginnt, macht alle glauben, dass das Recht auf der eigenen Seite und das Unrecht auf der Gegenseite steht. Das Problem ist: Die andere Seite denkt genau das Gleiche, nur umgekehrt. Am Ende richten Kriege viel mehr Schaden an, als man sich vorstellen konnte. Ein Krieg lässt sich kaum kontrollieren. Er wird schnell schlimmer und grausamer. Am Ende bleiben sehr viele Tote sowie Menschen zurück, die großen Schmerz und Verluste erleben, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Auch die Natur und Städte werden schwer beschädigt. Es bleibt die traurige Frage: Hätte es nicht auch einen anderen Weg gegeben?

Das übersehene Dazwischen

Zwischen „nichts tun“ und „Krieg führen“ gibt es einen Möglichkeitsraum. Dieses Zwischenfeld wird zu wenig beachtet. Sobald immer mehr Waffen angesammelt werden, verengt sich das Denken in einfache Gegensätze von Gut und Böse, Freund und Feind. Wie sehr man selbst dazu beiträgt, dass sich Konflikte verschärfen, wird nicht bemerkt. Nach Alternativen, die nicht einfach aus der Dose kommen, sondern gemeinsam aufzubauen sind, wird erst gar nicht gefragt. Kurz vor Ausbruch von Gewalt ist es zumeist zu spät für einen Gegenvorschlag. Friedensarbeit muss früh beginnen.

Frieden nach vorne stellen

Mit welchem Recht verlangen Politiker von ihren Bürgern, ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Es ist eine Forderung, die zu viel verlangt. Stattdessen sollte alles darangesetzt werden, Kriege von vornherein zu verhindern. Die wenigsten entscheiden sich durch einen militärischen Sieg; die meisten werden am Verhandlungstisch beendet. Der Weg zum Frieden ist dabei oft lang, denn Kriege entstehen nicht aus dem Nichts, sondern aus Konflikten, die sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte zuspitzen. Deshalb muss heute und dauerhaft viel stärker in Prävention und zivile Konfliktlösung investiert werden. Erst wenn Friedensarbeit mit ähnlich großem Aufwand betrieben wird wie die militärische Aufrüstung, lässt sich ernsthaft beurteilen, ob sie wirksam oder nur naive Träumerei ist.

Angstspirale und Sicherheitsdilemma

Wenn Land A mehr Waffen kauft, fühlt sich Land B bedroht und rüstet ebenfalls auf.  Um Land A zu überlisten, beginnt Land B heimlich, neue Waffen zu entwickeln, die besonders schnell fliegen können. Auch den Standort dieser Waffen versucht es zu verbergen. Land A wird nun immer misstrauischer und setzt alles daran, noch furchterregendere Raketen zu bauen. Sie sind besonders explosiv und können das Land B vollständig zerstören. Beide Seiten leben in Angst. Beide Seiten wollten ursprünglich nur ihre Sicherheit schützen.

Einige Politiker behaupten, das Gleichgewicht der Abschreckung sichere den Frieden. Aber je schneller und gefährlicher die Waffen werden, desto größer wird der Druck, als Erster anzugreifen – oft als präventive „Verteidigung“ gerechtfertigt. Dadurch wächst die Anspannung. Und unter Stress passieren schneller Fehler. Während des Kalten Krieges gab es über 100 Missverständnisse, die beinahe zu einem katastrophalen Weltkrieg geführt hätten: Computerfehlmeldungen, menschliche Bedienungsfehler, Übungsmanöver, die als real gedeutet wurden und unschuldige Vögel, die unter den Radar gerieten und für einen Angriff der Sowjetunion gehalten wurden.

Ein neuer Anfang

Wer ausschließlich auf Aufrüstung setzt, erhöht Angst und Unsicherheit. Nur gegenseitige Kontrollen und Zusammenarbeit können Sicherheit schaffen und am Ende gar Frieden bringen – wie das Beispiel Deutschlands und Frankreichs zeigt. Die beiden Nachbarstaaten waren früher erbitterte Gegner. Sie nannten sich sogar „Erbfeinde“, weil sie glaubten ihre Feindschaft würde für immer weitergehen. Sie führten mehrere schlimme Kriege gegeneinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren beide Länder völlig erschöpft. Erst dann begannen sie umzudenken. Frankreich und Deutschland schlossen einen wichtigen Vertrag. Ihre Regierungen trafen sich mindestens zweimal im Jahr, um miteinander zu reden und ihre Politik besser abzustimmen. So wuchs nach und nach Vertrauen. Auch Jugendliche und Studierende kamen sich durch Austauschprogramme und Stipendien näher. Heute arbeiten beide Länder in der EU ganz selbstverständlich eng zusammen. Das hätte sich vor 80 Jahren noch niemand vorstellen können. Die gemeinsame Geschichte zeigt, dass aus Hass und Krieg in einer für ewig gehaltenen Todfeindschaft schließlich Frieden und Zusammenarbeit entstehen kann.

Gabriele Heller

Gabriele Heller, Grundschullehrerin, Mitglied der AG Frieden in der GEW Berlin
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22 Kommentare

  1. schon im 1. Satz geht es los: der angrei-
    fende Staat ist schlecht/böse : ungerecht und repressiv. Nie ist der Angreifer ge –
    recht und gut. Was hat es da ?

  2. Die im ersten Absatz formulierten Prämissen sind grob irreführend, bzw. extrem lückenhaft. Auf dieser Grundlage lässt sich keine vernünftige Diskussion der Frage aufbauen.

  3. Zitat: “ … wie das Beispiel Deutschlands und Frankreichs zeigt. Die beiden Nachbarstaaten waren früher erbitterte Gegner. Sie nannten sich sogar „Erbfeinde“, weil sie glaubten ihre Feindschaft würde für immer weitergehen. Sie führten mehrere schlimme Kriege gegeneinander.“

    Die Absurdität im Ersten Weltkrieg ging soweit, dass es an der deutsch-französischen Grenze Hügel gab, die 50 Mal erorbert wurden, 25 Mal von den Deutschen und dann 25 Mal von den französischen Soldaten (aus dem „Blitzkrieg“ wurde bekanntlich ein Stellungskrieg) und dann hieß es am Ende des Jahres 1918 plötzlich: der Krieg ist aus. Geht nach Hause.

    Das „Unschöne“ an der Geschichte ist, dass von 500 Soldaten auf der französischen Seite des Hügels nur noch 100 Soldaten und von den 500 Soldaten auf der deutschen Seite auch nur noch 100 übrig geblieben sind. Die anderen 800 haben im Namen des Vaterlandes und der „Ehre“ ihr Leben auf dem Schlachtfeld gelassen, verloren Hände, Arme und/oder Beine usw. und konnten nicht mehr kämpfen. Es gab auch Soldaten, die zwar körperlich vollkommen unversehrt waren, aber einen „Dachschaden“ davontrugen (sogenannte „Kriegszitterer“). Heute nennen Mediziner bzw. Psychologen/Psychiater das „Posttraumatische Belastungsstörung“. Diesen Begriff gab es damals allerdings noch nicht. Ich finde „Dachschaden“ zwar etwas abwertend, aber man weiß sofort, was damit gemeint. Die Bezeichnung „Posttraumatische Belastungsstörung“ klingt so abstrakt.

    Eines wird dabei allerdings fast immer unter den Teppich gekehrt. Im Krieg sterben nicht nur viele Menschen und zwar auf beiden Seiten der Front. Es gibt auch Kriegsgewinnler, die von jedem Krieg profitieren und je länger ein Krieg dauert, umso länger profitieren sie davon. Man darf dabei nicht nur an die Waffen und die Munition der Rüstungsindustrie denken (Panzer, Handgranaten, Tellerminen, Maschinengewehre, Gewehrkugeln usw.). Im Ersten Weltkrieg wurden Tonnen von Stacheldraht verbaut, dieser Stacheldraht muss auch von einer Firma oder mehreren Firmen produziert worden sein.

    Niemand wird nüchtern und bei Lichte betrachtet bestreiten, dass man eine Armee braucht, die das eigene Land verteidigen kann. Das, was gerade in Europa und vor allem Deutschland (mit rund 83,5 Mio. Einwohnern) geschieht, hat aber überhaupt nichts mehr mit Verteidigung zu tun. Wenn es nach Friedrich Merz (von der CDU) und Boris Pistorius (von der SPD) geht, dann soll die Bundeswehr, was die Bewaffnung mit konventionellen Waffen angeht, zur viertgrößten Armee der Welt hochgerüstet werden. Das hat nichts mehr mit Verstand, Vernunft und Verteidigungsbereitschaft zu tun. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum der amtierende „Verteidigungsminister“ und die Mainstream-Propanganda-Medien nicht von Verteidigungsbereitschaft, sondern immer wieder von „Kriegstüchtigkeit“ sprechen.

  4. O Gott, was ist das denn hier nun wieder? Ein Plädoyer für Kriegstüchtigkeit in einfacher Sprache?

    Verliert Overton jegliches Maß?

  5. Motivierende Aufklährung für 14. jährige geht heute so:

    Natürlich ist es das wert, wenn ihr euer Leben für BlackRock gebt. Als arbeitslose Bürgergeldempfänger werdet ihr ohnehin dankbar sein für 3. Mahlzeiten bei der Bundeswehr.

  6. Menschen zu zwingen, Krieg zu führen, ist eines der übelsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann. Ich meine die Allgemeine Wehrpflicht damit. In der Ukraine besteht Wehrpflicht. Die darunter fallen, versuchen zu fliehen. Man sollte den Menschen selbst überlassen, ob sie Krieg führen wollen. Russland führt den Ukrainekrieg mit Söldnern, obwohl eine allgemeine Wehrpflicht besteht. Das sind Leute, die es für Geld tun. Egal was man davon hält, das ist dort jedermanns eigene Sache, sein Leben im Krieg zu riskieren. Die USA führen seit 1973 ebenfalls mit Söldnerheeren Krieg. Es besteht aber eine allgemeine Registrierpflicht für den „Notfall“. Ich fragte mal einen Söldner, der in Afghanistan war, ob er ein schlechtes Gewissen habe. Er meinte, weshalb solle er, der Gegner wolle ihn ja auch umbringen. Söldner betrachten Krieg als eine Art Spiel. Aber durch den Krieg werden überwiegend Zivilisten getötet. Ein Verbrechen ist das so oder so.
    Die Haussa-Staaten im Sudangürtel Westafrikas, die zwischen dem Nigerfluss und dem Tschadsee lagen, führten ständig Krieg gegeneinander um Sklaven zu erbeuten, die sie an Sklavenhändler verkauften, die die Sklaven in die islamischen Länder oder nach Amerika verkauften. Das ist die Extremform von Krieg. Wer nicht mitmachte wurde verkauft.
    Heutzutage gibt es drei Möglichkeiten, sich dem Soldatendienst zu entziehen, je nach System,
    keinen Söldnerdienst antreten, den Kriegsdienst zu verweigern, wenn Wehrpflicht besteht, wo das nicht geht, zu fliehen oder Gefängnis auf sich zu nehmen. Ich meine, das ist alles besser, als in den Krieg zu ziehen.

    1. Der deutsche Generalstab verwendete traditionell bei seinen taktischen Zeichen immer blau für die eigenen und rot für die feindlichen Truppen und Stellungen, manchmal noch grün für Verbündete!
      Deswegen waren die Russen in beiden Weltkriegen immer die „Roten“…..
      nur so als kleine Anmerkung…

  7. Staaten sind letztlich historische Konstrukte und nichts, was natugegebenermassen über dem eigenen Ich steht. Solange letzteres oder das von Angehörigen also nicht gefährdet ist, was – in der Regel und insbesondere angesichts von Auswanderungsmöglichkeiten – praktisch nie der Fall ist, ist es nicht rational es zu gefährden.

  8. Das Nutzererlebnis ist ja eher nicht so bei Krieg.
    Ich würd mal sagen auf einer Skala von Null bis fünf, minus 1,5.
    Ist ja auch schlecht für den Frieden.
    Damit einher geht, das man sich auch nicht so Sorgen um Rente und so was machen muss. Ein bisschen Verarmung zu der so schon vorhandenen Entreicherung ist da ja nur konsequent.
    Es ist dabei ja auch recht egal ob man nun Zivilist oder Militär ist.
    Anders scheinen das mehrheitlich nur ein kleiner Teil der Gesellschaft zu sehen. Exemplarisch wären da Leser der Seite augengeradeaus.net. Die lieben so was. Die mangelnde Begeisterung unserer Jugend für Selbstaufopferung, Langeweile, Ausplünderung der Zivilgesellschaft, Matsch und Blut, sowie das Entstehen einer neuen Verweigerungskultur stößt da auf extremes Unverständnis. Dafür können die sich dort sehr für Zwangsmaßnahmen zur Durchsetzung des neuen Patriotismus und von Sondervermögen begeistern.
    Die Willi Brandt Partei kann es irgendwie auch nicht fassen, das das nicht die Begeisterung auslöst und sich in fulminante Wahlsiege umwandeln läßt.

    1. @Schnurpsel
      Der Slogan des 1992 verstorbenen SPD-Politikers Willy Brandt, der 1933 nach der „Machtergreifung“ der kriegsgeilen braunen Nationalsozialisten rechtzeitig fliehen konnte, war einmal: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“. Das Motto der SPD 2026 lautet „Wir wollen mehr Krieg wagen.“

      Vielleicht sollte die SPD wieder mehr Demokratie und weniger Krieg wagen, dann klappt es auch wieder bei den Wahlen. Aber mit dem aktuellen Personal der SPD sehe ich dafür keine Chance. Die SPD-Führer von heute tragen zwar keine braunen Oberhemden, aber die Farbe der Hemden darunter, also die Unterhemden, das ist eine Mischung aus nato-oliv und braun. Das sehen die meisten Bürger aber nicht, weil diese Herrschaften in den Talkshows immer strahlend weiße Oberhemden und schwarze oder blaue Jacketts und Sakkos tragen.

  9. Freiheit, Recht und Demokratie sind nichts als dumme Slogans, erfunden von denen die dich auszubeuten suchen. Wenn du diese Slogans so oder so ähnlich hörst, weißt du, dass sie bald auch deine Knochen fordern. Geh ihnen aus dem Weg, renne so schnell du kannst.
    Solltest du in einem Land ankommen, das dir deinen Raum gibt und du mit den Menschen dort eine große Verbundenheit verspürst und du denkst, dieses zu erhalten wäre mir ein Opfer wert, vielleicht weil du dort deine Familie hast und alle glücklich sind, so wie sie leben. Ein Leben ohne Ausbeutung wahrscheinlich. Dann entscheide dich, ob du eine Waffe in die Hand nehmen würdest. Leichte Waffen, Manpads. Sprengstoff und Zünder für Angriffe aus dem Hinterhalt.
    Ein solidarischer Kampf, aussichtsreich auch gegen den stärksten Aggressor. Und vielleicht würde er überhaupt nicht angreifen, auch wenn das Leben an deinem Ort massiv gegen das verstößt, was er diktieren möchte, weil er gelernt hat, dass diese Form der Solidarität nicht zu besiegen ist.

  10. „In der Schule lernen Kinder, Konflikte ohne Gewalt zu lösen – sie üben im Gespräch und Rollenspiel, einander zuzuhören, Rücksicht auf unterschiedliche Interessen zu nehmen und Streit fair beizulegen.“
    das nennt man in der Politik üblicherweise DIPLOMATIE
    das katastrofahlste Beispiel für die Diplomatie kann man die Abkommen Minsk 1-2 nennen…
    „Ein Soldat hingegen wird darauf vorbereitet, unbekannte Menschen auf der Gegenseite zu töten. Im zivilen Leben nennen wir das Mord.“
    und das nennt man in der politischen Sprache KRIEGSTÜCHTIGKEIT und wird nicht als die Anstiftung zum Mord geahndet, da gibt es eine Lücke in der Rechtsprechung…

    Ein Soldat hingegen wird darauf vorbereitet, unbekannte Menschen auf der Gegenseite zu töten. Im zivilen Leben nennen wir das Mord.“

    1. @Gottfried „Im zivilen Leben nennen wir das Mord.“ Ganz so einfach ist es nicht.

      Dazu fällt mir ein herrliches Zitat ein. Es stammt aus der schwarzen Komödie „Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris“ aus dem Jahr 1947 mit Charlie Chaplin in der Hauptrolle als Monsieur Verdoux. Monsieur Verdoux verteidigt sich vor Gericht damit:

      Wer einen Menschen ermordet, ist ein Mörder. Wer 10 Menschen ermordet, ist ein Serienmörder. Wer 100 Menschen ermordet, ist ein Kriegsheld [und bekommt von Politikern wie Boris Pistorius vermutlich dafür einen Orden]. Das in Klammern habe selbstverständlich ich hinzugefügt, aber es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich.

  11. Was wißt Ihr von der Welt? Gar nichts wißt ihr!

    Von Menschen wißt ihr, die sich Regierungen wählen, um Haus und Hof zu schützen. Und dann haben sie Haus und Hof zu verlassen, um diese Regierungen zu schützen. Millionen junge Menschen, die nicht kämpfen wollen, kämpfen gegen Millionen anderer junger Mennschen, die ebenfalls nicht kämpfen wollen. Und all die Errungenschaften der Wissenschaft scheinen wir nur errungen zu haben, um alles Errungene zu zerstören. DAS ist die Welt von heute!

    (Curt Goetz)

  12. Beim nächsten Versuch bitte mal konkret werden. Und genau die benennen, die für Macht und Geld über Leichen gehen. Die gibt es überall. Es gibt nicht die bösen und die guten Länder, das ist Kindergartenniveau. Auch die Mullhas im Iran sind nicht böse, nur sehr verpeilt, aber das muss die Kultur da selber lösen. Schon dass die Mullhas so böse sein sollen aber die anderen arabischen Potentaten unsere Verbündeten sind, sollte jedem klar machen was da gespielt wird.

  13. Nehmen wir mal an, es habe diese Frage wirklich gegeben: „Wie findest du den Krieg?“. Als ob man Krieg irgendwie „finden“ könnte, wie einen Film, einen Haarschnitt , Kleidung, ein Spiel: scheint die Frage doch vor allem auf bewertendes Reagieren abzuzielen
    Da ist dann schon verwunderlich, dass jemand, der in einer Friedensgruppe ist, nicht ganz grundsätzlich mit einem „Gesamteindruck“ antworten kann: „Furchtbar. Grauenhaft. Entsetzlich“, „Ein Versagen der Politik“, fast immer vermeidbar,
    zu rechtfertigen allenfalls dann, wenn es um Selbstverteidigung geht nach einem Angriff (also nicht ins Blaue hinein),
    und selbst dann gibt es noch zahlreiche Alternativen zivilen Widerstands, die sich nachgewiesener Maßen als durchaus wirkungsvoll erwiesen haben.
    Ich hätte schlicht erwartet: wer in einer Friedensgruppe ist, lehnt Krieg ab. Klärt einen fragenden Jugendlichen vor allem darüber auf, wie Krieg vermieden werden könnte, und als Lehrer/in: kann man ja feststellen, dass die Konfliktregelungsmechanismen, die Schüler lernen, durchaus auch auf die Politik übertragen werden können und müssen. Klärt auch auf über Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung.
    Davon ist wenig zu sehen in dem Text. Weit mehr: Rechtfertigungsakrobatik im Sinne aktuell erwünschter Friedenstüchtigkeit. In der Form sicher optimal vereinbar mit Beamtenstatus.
    Schade. Schade für den fragenden Jugendlichen. Der vielleicht nur gelernt hat: einen Lehrer darfst du da nicht fragen.

  14. Also so schlecht ist der Artikel jetzt auch nicht, einige Zusammenhänge sind – wenn auch nicht unbedingt neu – doch gut dargestellt in ihrer (schlimmen) Einfachheit. Und das ist auch gut so, manche Dinge kann man nicht oft genug sagen, zumal im permanent-penetranten Chor der bellizistischen Gebetsmühlen. Den Kommentar von Trilex finde ich interessant; schön auch Heinz mit dem Zitat von Curt Goetz, welchselbiges ich jetz‘ gleich mal nachlesen muss…

  15. Die Frage stellt sich nicht, wenn man in einer Gesellschaft lebt, die zu verteidigen es wert ist.
    Daß die Autorin in dieser Ausführlichkeit um den heißen Brei reden muß, offenbart den Zustand der hiesigen politeia.

  16. „In solch einer Situation erscheint es richtig, das eigene Land zu verteidigen – für Freiheit, Recht und Demokratie.“

    Das eigene LAND muß man immer verteidigen. Aber ob man den Staat (der sich Land und Volk zur Beute gemacht hat) verteidigungswürdig findet, ist eine ganz andere Sache. Der Autor schreibt immer von Land, das nervt. Das muß man strikt auseinander halten. Leider ist die Vereidigungsformel der Bundeswehr auch so schachsinnig. Der NATO-Soldat mit deutscher Amtssprache wird auf das deutsche Volk (richtig so) und gleichzeitig auf die BRD vereidigt, das widerspricht sich. Dann gleichzeitig noch 100% in die NATO eingeflochten zu sein, macht den Widerspruch perfekt, denn für das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes ist die NATO nicht gegründet worden.

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