Widerstand im Wedding gegen Rheinmetall

Bild: Gaby Weber

 

Am Sonntag gingen die dreitägigen Proteste gegen die neue Munitionsfabrik von Rheinmetall im Berliner Stadtteil Wedding zu Ende. Vor allem junge Leute diskutierten im Humboldthain über Wehrpflicht und Kriegstreiberei, von Schulstreik und phantasievollen Aktionen war die Rede und wie das Thema in die Öffentlichkeit getragen werden kann. Die IG Metall glänzte durch Abwesenheit, nur ihr Arbeitskreis Internationalismus (der sich so nicht mehr nennen darf) war vor Ort, ebenso wie die GEW und Verdi. An der Abschluss-Demonstration mit etwa 2000 Teilnehmern nahm auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg teil, der Zugang zur Fabrik wurde von der Polizei blockiert, mehrere Leute festgenommen, so ein Sprecher der Berliner Polizei.

Bild: Gaby Weber

Nach dem Niedergang der deutschen Autoindustrie wird nun der Profit mit Kriegsgerät aller Art gemacht. Während für Soziales und Umweltschutz kaum noch Geld vorhanden ist, darf das Verteidigungsministerium dank der Zeitenwende Geld mit vollen Händen ausgeben. „Kriegswirtschaft im Wedding“ – so die Veranstalter, ein breites Bündnis von Basisgruppen, linken Parteien und einigen Gewerkschaften.

Hier klicken, um den Inhalt von keinewaffenproduktionberlin.noblogs.org anzuzeigen.

“Statt das Geld in die Verbesserung unserer Lebensbedingungen zu investieren versucht die Bundesregierung, die schwächelnde deutsche Industrie durch Rüstungsproduktion zu retten. Kommt nach Berlin und beteiligt euch an Aktionen gegen die Profiteure von Krieg und Aufrüstung.”

Der Autoteile-Hersteller Pierburg wurde von Rheinmetall übernommen, sein größter Einzelaktionär ist BlackRock, der offensichtlich auf lukrative Aufträge aus dem Hause Pistorius zählen kann. Der Berliner Betriebsrat hat diese Umstellung ausdrücklich begrüßt, zur Rettung der Arbeitsplätze, versteht sich.

Bild: Gaby Weber

Nicht zufrieden ist die GEW, berichtete am Freitag die Lehrerin Vanessa vom Podium herab. Während die Berliner Schulen verfallen, für notwendige Reparaturen das Geld fehlt und wegen Pädagogenmangel oft der Unterricht ausfällt, kommen zunehmend Offiziere der Bundeswehr in die Klassenzimmer, um ein positives Bild der Streitkräfte zu malen. Noch ist die Wehrpflicht nicht obligatorisch, aber wenn sich zu wenige junge Leute zum Dienst an der Waffe freiwillig melden, kann sich dies im Handumdrehen ändern. Die GEW unterstützt die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, was juristisch umstritten ist und mit Druck von Seiten der Senatsverwaltung beantwortet wird.

In unmittelbarer Nähe der neuen Waffenfabrik liegt die  Humboldthain Grundschule, und Lehrer und Schüler fürchten, im Konfliktfall ein Angriffsziel zu werden.

“Deshalb ist es wichtig, dass wir uns hier entschieden einmischen. Es kann nicht sein, dass sich Schülerinnen und unsere Kolleg:innen gegen ihren Willen direkt neben einem potentiellen Kriegsziel wiederfinden. Einige Kolleg:innen waren geschockt, als sie davon erfuhren das zukünftig Panzermunition neben ihrer Schule produziert werden soll. Sie erzählten, dass erst vor einigen Monaten in der Nähe ihrer Schule eine Weltkriegsbombe entschärft werden musste. Sie wollen nicht in Nachbarschaft zu einer Waffenfabrik lehren-” (GEW)

Bild: Gaby Weber

Noch scheint das Thema Aufrüstung und Wehrpflicht im einstigen “Roten Wedding” nicht bei den Leuten angekommen zu sein; zur Kundgebung am Freitag vor dem Jobcenter am Leopoldplatz war nur eine Handvoll erschienen, aber die Veranstalter wollen jetzt von Haus zu Haus gehen, um Rheinmetall aus dem Kiez zu vertreiben.

Gaby Weber

Gaby Weber
Weber studierte Romanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1982 am Lateinamerika-Institut. Seit 1978 ist die Mitgründerin der taz als Journalistin und seit 1986 als freie Korrespondentin tätig, zuerst aus Montevideo und ab 2002 aus Buenos Aires. Außerdem hat sie mehrere Reportagen und umfangreiche Recherchen zur Geschichte nachrichtendienstlicher Aktivitäten veröffentlicht. 2012 erschien ihr Buch „Eichmann wurde noch gebraucht“.
Mehr Beiträge von Gaby Weber →

Ähnliche Beiträge:

4 Kommentare

  1. Just wurden in Kiev und dem Vorort Wischnjowoje Rüstungsindustrie erfolgreich mit Raketen angegriffen und die Eplosionen der dort gelagerten Munition waren noch 10Stunden lang in Kiev zu hören.
    ( s. Kiev Independent – https://kyivindependent.com/expressly-prohibited-ukraines-largest-defense-firm-illegally-stored-weapons-near-civilian-targets-in-vyshneve-zelensky-says/)

    Gemäss Humanitärem Völkerrecht ist die Nähe solcher militärischen Produktionsstätten zu zivilen Siedlungen und somit der Missbrauch der Menschen als Art Schutzschild strikt verboten! Wie aber sieht es dann erst mit dieser geplanten Produktionsstätte Mitten in Berlin aus?????

    Aus Moskau selbst wurden bereits 120 Ziele auf militärisch-industrielle Anlagen samt Adressen in Europa herausgegeben inkl. eine eindringlicher Warnung an die umliegende Bevölkerung. Insbesondere Deutschland wird als Kriegspartei wahrgenommen und dürfte die ersten Raketenschläge für Merzen’s verantwortungslose da provokante Eskalationspolitik, die bisher noch jede Friedensinitiative torpediert hat, kassieren.

    Im Ballungsraum München sind dieses z.B. DaVinci Avia und sowie das ukrainische Startup Airlogistics Germany, die dort zusammen mit der Ukraine Drohnen herstellen.
    (s. heise 17.4.26 „Moskau erklärt München zu „ukrainischem Hinterland” – https://www.heise.de/news/Moskau-erklaert-Muenchen-zu-ukrainischem-Hinterland-11261535.html?view=print )

  2. Was auch immer erscheint, wurde damals von fr. merkel so besagt :Es existiert keine Alternative.

    Wenn die diese Protestaktion schon so schwach ist und die Interressenvertretungen für die Arbeitnehmer so einen total Ausfall hingelegt hat, komme ich zu Entschluss : Diese Bürger in der brdgmbh haben tatsächlich fertig.
    Herr Rötzer hatte damals bei Telepolis einen Artikel veröffentlicht, wo ein Gewerkschaftfunktionär, seine zukünftige Wahrnehmung zur Gewerkschaften äusserte. Das Resümee daraus, damals, war, das diese Gewerkschaften alle mitschwimmen werden, ‚weil die Bezüge zu dieser Arbeit‘ ausreichen, um sich zu ernähren.
    Damit ist neben der Politik, auch die Gewerkschaften tot, weil diese von Kapital übernommen wurden.
    Was diese Welt täglich gebiert, ist eine ‚Bankrotterkältung‘ an denen alle infiziert sind.

  3. Ich würde da noch einen offenbar vorhandenen Denkfehler korrigieren wollen. „Die im Niedergang befindliche deutsche Autoindustrie“ wurde gerade von jenen in den Niedergang gebracht, die nun Deutschland aufrüsten wollen und gegen Russland hetzen.
    Das sind zum einen interessierte Kreise in den USA, die den Angriff gegen deutsche Hersteller mit ihrem manipulierten „Dieselskandal“ initiierten. Die Kampagne gegen die wichtigsten deutschen Autohersteller wurde dann natürlich von der EU/Berliner Sockenpuppentruppe mit Feuereifer fortgesetzt und noch bis zur Lächerlichkeit getrieben. Allen voran die sogenannte „Deutsche Umwelthilfe“ (vermutlich durch US-Sponsoren finanziert) und die sogenannten „Grünen“ (hier ist die US-Finanzierung unumstritten) taten alles, was in ihrer Macht stand, die deutsche Autoindustrie zu schädigen und den Verkauf deutscher Automarken zu erschweren.
    Das Ziel ist – und wird ja bereits umgesetzt – die Autoindustrie in eine Rüstungsindustrie zu konvertieren. Sieht man die aktuellen Entwicklungen ist zu sagen – q.e.d.
    Die Milliarden fließen dabei prächtig über den Atlantik, den deutschen ehemaligen Industrieangestellten der Autoindustrie bleibt nichts anderes übrig, als nun für die Interessen der „Neocons“ und des MIK zu arbeiten, wollen sie nicht arbeitslos werden und dass die Werbetrommel von allen transatlantischen Maulwürfen in Brüssel, Berlin und flächendeckend im deutschen Journalismus (mit wenigen, lobenswerten Ausnahmen, wie hier bei Overton, NDS usw. noch zu sehen) für einen Angriff gegen Russland gerührt wird, der dann wieder mal als „seit 5.45 Uhr wird zurrrückgeschossen“ deklariert wird, ist tagtäglich nicht zu übersehen, wenn man mal kurz TV einschaltet oder eines der Schundblättchen a’la „Spiegel“, „B*LD“, „Zeit“, „SD“, „Focus“, „TAZ“, „Merkur“ usw. liest.

  4. @Frank Herbert
    Richtig ist, dass man den Krieg und die potentielle Bedrohung schnell beenden könnte und zwar durch einen Friedensvertrag mit Russland, der die Interessen der Ukraine (inkl. „Wertewesten“) und Russlands berücksichtigt. Wer behauptet, Putin wolle nicht verhandeln, der behauptet auch, dass es Propaganda nur in Russland, China und Nordvietnam geben würde und die Moderatoren/Journalisten der Tagesschau und der Mainstreammedien „nur die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit“ verkünden, vor allem dann, wenn sie so tun, als ob der Krieg in der Ukraine vom Himmel gefallen wäre und keine Vorgeschichte hätte.

    Auch Doppelmoral ist eine Moral, aber es ist die Moral des Teufels. Warum reden die „Journalisten“ der Mainstream-Medien beim Krieg in der Ukraine immer vom „unprovozierten Angriffskrieg“, aber beim Krieg im Gaza und dem Massaker an den Palästinensern tun sie so, als ob dieser Krieg ein Verteidigungskrieg wäre, damit Israel nicht von palästinensischen Kampfpanzern überrollt wird.

    In der Uḱraine betonen die „Journalisten“ der Mainstream-Medien immer, dass auch kleine unschuldige ukrainische Kinder getötet wurden und werden. Das war bislang in jedem Krieg der letzten 10.000 Jahre so, das war bei den Kriegen der Römer so, das war im Ersten Weltkrieg so, das war im Zweiten Weltkrieg so, das war im Vietnamkrieg so, das war im Jugoslawienkrieg so, beim Krieg in Afghanistan und ist auch beim Krieg in der Ukraine so.

    Beim Krieg im Gaza werden aber fast nie kleine palästinensische Kinder getötet. Die Betonung ist wichtig, das haben die Journalisten“ der Mainstream-Medien an der „Hochschule für Agitation und Propaganda“ im 2. Semester bei Prof. Dr. Göbelmanns gelernt. Töne machen Musik, das ist nicht nur an „Hochschule für Musik“ so. Es gibt hohe und tiefe Töne. Man kann den Bass betonen oder nicht betonen. Man kann auch ganz bestimmte Töne weglassen.

    Warum lassen sich deutsche Kriegstreiber keine qualitativ besseren Argumente für eine Verlängerung des Krieges in der Ukraine einfallen? Liegt das an den intellektuellen Fähigkeiten oder einem Mangel an musikalischer Phantasie oder beidem? Woran liegt das?

    Was diese Liste mit den 120 „Zielen auf militärisch-industrielle Anlagen samt Adressen in Europa“ angeht, dann kann man so oder so sehen.

    Zum einen wird die abstrakte Bedrohung durch einen Krieg für die kleinen Leute in Deutschland/Europa etwas persönlicher und konkreter. Auf der anderen Seite könnte es auch so sein, dass diese Liste ein Fake ist, um die wertewestlichen Politiker und Generäle dazu zu bringen, diese Ziele besonders zu schützen und andere zu vernachlässigen. Es gibt sicherlich noch viel mehr Ziele in Deutschland/Europa. Ein paar hyperschnelle Raketen mit kleinen (atomaren) Sprengköpfen auf Verkehrsknotenpunkte wie das Frankfurter, das Nürnberger Kreuz und den Flughafen München reichen aus und Bumm! Dann bricht nicht nur dort das Chaos aus. In welchem größeren Krieg wurden bislang nur „militärische“ Ziele angegriffen?

    Nur so am Rande: Welche „militärischen“ Ziele gibt es im Gaza? Gibt es dort Panzerfabriken oder Fabriken, die Kampfjets, Kampfhubschrauber, Kampfdrohnen, Raketen und Torpedos für U-Boote produzieren?

    Es könnte aber sein, dass die deutschen/europäischen Politiker und Generäle glauben sollen, das auch das eine Finte ist und die 120 Ziele auf der Liste ungeschützt lassen. Alle potentiellen Ziele in Deutschland und Europa kann man nicht schützen. Das geht organisatorisch, logistisch, baulich und finanziell gar nicht.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen