
Es kommt mal wieder eine heiße Zeit auf uns zu. Wer noch keine Split-Klimaanlage hat und sie in sein Haus, seine Wohnung einbauen könnte, wird sie sich nicht auf die Schnelle beschaffen können. Die Handwerker sind ausgelastet. Gekühlte Räume, um sich in ihnen aufhalten und arbeiten zu können, sind das eine. Aber schon länger gibt es mit der Klimaerwärmung einen Trend zum Gegenteil einer Sauna: Eis- oder Schneeräume.
Das ist natürlich buchstäblich cool, wenn es draußen 35 Grad und mehr hat und sich die Räume auf 30 Grad aufheizen, sich in einen kalten Raum zurückziehen zu können. Man will das aber nicht gemäßigt, sondern parallel zum Hitze-Kälteschock einer Sauna soll der Kälte-Hitzeschock Gesundheit versprechen. Wenn man einen Eisraum nicht im Eigenheim oder in seiner Superyacht wie immer noch Kronprinz Mohammed bin Salman einbaut, dann sucht man das wenigstens in Wellnessangeboten. Es geht darum, alles zu jeder Zeit haben zu können. Früher gab es Winter und Sommer, dank Technik will man nicht warten, bis die Natur das bietet oder in entsprechende Länder reisen, Winter oder heißer Sommer soll es sein, wenn man dies wünscht. Das ist vorerst nur in Innenräumen möglich, Wetter- oder Klimasteuerung im Großen sind noch weit entfernt, wenn es den Wunsch auch schon in neuzeitlichen Utopien gab. Aber da käme man auch gleich in Konflikte, weil nicht jeder das gleichzeitig wünscht, was auch andere wollen. Daher sind die Schnee- und Saunahöhlen schon ein Ideal, um individuelle Vorlieben auszuleben.
Hip ist, zwischen Sauna und Kälteraum, vom Schwitzen zur Gänsehaut und Zittern zu pendeln. Das ist ganzheitlich. Man tut ja was fürs längere Leben, dazu muss schon viel Energie zum Heizen oder Kühlen aufgewendet werden. Fitness und Longevity ist schließlich auch erhöhter Energieverbrauch, mit Faulenzen und Muße ist Schluss, das ist was für die Underdogs, die sich beim Arbeiten bewegen müssen. Allerdings will man es doch gemütlicher und entspannter als in den Kryptoräumen oder im Eisbad.
Gefragt ist in Eisräumen offenbar, wenn es von oben schneit. Das ist so ähnlich, als wenn in einer Sauna der Guss kommt. Die Technik hat sich u.a. aus den Möglichkeiten entwickelt, Skipisten mit künstlichem Schnee durch Schneekanonen zu kreieren. Das ist natürlich für kleine, abgeschlossene Räume und vor allem für die Menschen in ihnen nicht wirklich geeinigt. Da ist eher der Kühlschrank das Vorbild. Klimaanlagen haben schon beides vereint: mit ihnen lassen sich Räume kühlen oder erwärmen.
Kühlen wurde durch Architektur und Materialien schon lange praktiziert, aber da ging es nicht um die Herstellung wirklicher Kälte. Natürlich, schon lange wurden früher Eiskeller gebaut, um Eisbarren möglichst lange nicht schmelzen zu lassen und Lebensmittel kühl zu halten. Aber das funktioniert nur in Gefilden, in denen es kalte Winter gibt, die immer rarer werden, nicht aber in den Tropen und Wüsten, wo man es ja auch schon geschafft hat, eine Riesenschneehalle mit 85 Metern Höhe, 22.000 Quadratmetern, Sessel- und Schleppliften, einer Bob- und Rodelbahn und einer Halfpipe Fläche so kalt zu halten, dass man bei 40 Grad Außentemperatur in wohltemperierten 2 Grad Skifahren kann. In der Almhütte wird man Heizpilzen zum Konsumieren warmgehalten.
Einer der Anbieter ist das italienische Unternehmen TechnoAlpin, das ursprünglich Schneekanonen herstellte und inzwischen auch Indoor-Eisräume mit Schneefall baut. Slogan: „Wir schaffen immersive Schneekonzepte für Erlebnisse im Innenraum.“ Wellness-Architektur mit Schnee „steigert das Wohlbefinden, fördert die Entspannung und schafft unvergessliche Erlebnisse in Hotellerie, Wellness, Freizeit, Einzelhandel, Ausstellungen und luxuriösen Wohnräumen“. Naja, unvergessliche Erlebnisse dürfte etwas übertrieben sein. Es wird psychische und physische Regeneration versprochen, auch für Spitzensportler. Viel verbales Getöse muss schon sein. TechnoAlpin lässt einen Dr. Stephen Lewis sprechen: „Schnee verbessert den Schlaf, unterstützt die Regeneration und stärkt den Teamgeist.“
Meist werden Grotten mit schnee- und eisbedeckten Steinen gebaut. Man will ja Natur, wenn auch simuliert und völlig kontrolliert. Und selbstverständlich sollen die energiefressenden Räume nachhaltig sein. Das macht sich besser, ist aber mit Saunas, Thermen und Wasserparks oder Spaßbädern auch nichts Besonderes, wenn versucht wird, die Kosten zu senken. Wenn etwas billiger als früher ist, ist es noch lange nicht nachhaltig.
Jürgen Klingenschmid, Geschäftsführer von Klafs Österreich, allerdings auf Saunen spezialisiert, aber mit einem Eisnebelbad schon mit im Spiel , sieht in einem geschäftsfreundlichen Interview einen Trend zu Wärme- und Kälteumgebungen: „Wir sehen ganz klar eine Entwicklung hin zu ganzheitlichen Hitze-Kälte-Ritualen. Gäste wollen nicht mehr einfach nur schwitzen, sondern gezielt regenerieren. Neben klassischen Saunen gewinnen Kältekammern, Schnee- und Eisräume sowie multisensorische Abkühlungsformen stark an Bedeutung. Der Fokus liegt auf bewusster Thermoregulation, der Stärkung des Immunsystems und mentaler Resilienz.“ Der Wechsel zwischen kalt und warm würde „nachhaltig Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Stressresistenz“ fördern.
Es muss schon was geboten und versprochen werden. Woke ist man da noch immer. Ohne ganzheitlich und nachhaltig scheint es nicht zu gehen. Und der Gang in die unabhängig vom Wetter und Klima gebotenen Kälte- und Wärmeräume sollen auch eine Flucht aus dem Alltag in eine abgeschottete Insel ermöglichen, in der man zusammen mit anderen schwitzt oder friert – oder auch allein der Fitness frönt. Den Alltag soll man ja nicht verändern, also braucht man einen Wellness-Urlaub oder einen Ausgleich, um den Alltag wieder bis zur nächsten Pause aushalten zu können: „In einem Alltag voller Geschwindigkeit, permanenter Erreichbarkeit und mentaler Belastung wächst der Wunsch nach spürbaren Regenerationsimpulsen“, sagt Klingenschmid, der selbstverständlich dem Profit nachjagt und Nachfrage stimulieren will. „Der Hitze-Kälte-Wechsel intensiviert die Körperwahrnehmung, schafft einen klaren Kontrast zum gewohnten Umfeld und vermittelt ein unmittelbares Gefühl von Aktivierung und Erneuerung. Diese thermische Dynamik wird zunehmend als effektiver Ausgleich verstanden.“



Eine großes Eisfach haben wir schon, die Idee mit der Schneekanone ist gar nicht schlecht…meine Fresse…
Aha, aus der Artikel-Serie: „Rette sich, wer kann“ nach den „Wohngemeinschaften in Apokalypse-Bunkern“ vom 29.06.2026 nun die „Wellness mit Schnee und Eis im Sommer (-Loch)“. Schreibt da etwa der Autor an einer zeitgemässen Fortsetzung seines Kult-Buches „Sein und Wohnen. Philosophische Streifzüge zur Geschichte und Bedeutung des Wohnens „…?