Was heutzutage wissenschaftlich untragbar ist

Bild: open democracy/CC BY-2.0

Der Fall Guérot zeigt: Die Zeitenwende bringt eine Gesinnungswende mit sich, die den Raum des Sagbaren (auch als „Overton-Window“ bekannt) weiter einschränkt. Bloße Meinungsäußerungen sollen aber noch erlaubt sein!

Die Wissenschaftler Ulrike Guérot und Hauke Ritz, Autoren des im November erschienenen Buchs „Endspiel Europa“, „fordern die Europäische Union dazu auf, nicht als Stellvertreter der USA zu fungieren“, hieß es letztens bei Krass & Konkret. Das Autorenduo berief sich dazu in seinem Essay – unter Rückgriff auf die kulturelle Tradition des Abendlands – auf eine „EUtopie, die humanistisch, antifaschistisch, antimilitärisch, inter-nationalistisch und antikapitalistisch ist“, und schloss mit der Forderung: „Deswegen muss Europa alles tun, um diesen Krieg sofort zu beenden.“

Friedensidealismus: eine No-Go-Area

Solche Forderungen, die auf Ausgleich, Versöhnung und Verhandlung setzen, können sich in eine europäische Tradition einreihen, die das Ideal vom „Ewigen Frieden“ (Kant) zur ideellen Leitschnur erhebt. So gesehen waren sie bislang auch nichts Ungewöhnliches oder Unseriöses. Doch das gilt heute nicht mehr. In Deutschland (und ähnlich in den anderen NATO-Staaten) macht sich vielmehr eine neue Ausrichtung des öffentlichen Diskurses bemerkbar, die der von Kanzler Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“ folgt: Die Konstruktion von Modellen und Szenarien zu einer möglichen friedlichen Problemlösung geht in Ordnung, solange sie die antirussische Leitlinie respektiert. Aber wenn die Grüne Antje Vollmer im Blick auf eine Verhandlungslösung festhält „Jetzt hilft nur noch die Weisheit des westfälischen Friedens“, bewegt sich das schon am Rand des Zulässigen, und wenn eine Kritik an der NATO-Linie laut wird, führt das vollends in ein akademisches No-Go.

So sprach der Bonner Kollege Guérots, der Osteuropa-Experte Martin Aust, in einem Interview  (General-Anzeiger, 12./13.11.2022) kurz nach Erscheinen des Endspiel-Essays kategorisch von der „Unwissenschaftlichkeit des Buches“ und forderte Guérot auf, von ihrer Professur zurückzutreten. Das Buch sei „eine regelwidrige Streitschrift … vollkommen an wissenschaftlicher Kenntnis des östlichen Europa vorbeigeschrieben … provokant, schrill und anmaßend“. Das Autorenduo wolle die Ansicht „eines ausschließlich von Russland begonnenen Kriegs gegen den Strich bürsten“ – wie es im Vorwort heißt –, aber „ohne sich dabei mit dem Forschungsstand auseinanderzusetzen. So bleibt der Versuch haltlos.“

Der Historiker Aust sieht hier besonders die Wissenschaftlergemeinde gefordert, „weil Guérot in dem Buch als Professorin figuriert, womit in der breiten Öffentlichkeit der Anschein wissenschaftlicher Autorität und Legitimität erweckt wird. Es ist deshalb wichtig, in der Öffentlichkeit auf die Unwissenschaftlichkeit des Buchs aufmerksam zu machen.“ Deshalb kommt er am Schluss des Interviews auch zu der Forderung, „angesichts der unwissenschaftlichen Arbeitsweise des Buches wäre es nur folgerichtig, von der Professur zurückzutreten“. Aust hatte zuvor schon (siehe General-Anzeiger, 24.10.2022) „mit einer Kurznachricht im Netz auf die Fachexpertise“ verwiesen, die Guérot komplett „ignorieren“ und „niederreißen“ würde. Dazu teilte der Zeitungsbericht mit, dass Aust „nähere Angaben auf GA-Nachfrage für unnötig“ gehalten habe.

Sein Statement ist nämlich ein Aufruf zur Maßregelung, es ordnet sich unterstützend und bekräftigend in eine Kampagne ein, die seit einiger Zeit an der Bonner Universität läuft und die auf eine Kontrolle von Meinungsäußerungen der streitbaren Professorin oder gleich auf ihre Entfernung setzt. Die Bonner Universitätsleitung hat dazu mittlerweile eine Erklärung abgegeben (siehe General-Anzeiger, 7.11.2022), die sich gegen Guérot richtet, ohne sie beim Namen zu nennen, und die festhält, dass die Universität „den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf das Schärfste verurteilt“. Aus dem Rahmen fallende Äußerungen sind hier also schon ins Visier genommen. Das Studierendenparlament der Universität sowie die Juso-Hochschulgruppen fordern zudem, wie der Kollege Aust, weitergehende Maßnahmen. Fazit: Die Debatte über juristische Möglichkeiten, in die „Wissenschaftskommunikation“ einzugreifen, hat begonnen und die Öffentlichkeit ist alarmiert.

Man darf gespannt sein, wie sich das auf die Freiheit zur Meinungsäußerung in Bonn und bei anderen Hochschullehrern auswirkt, die in gewisser Weise auch zur neuen deutschen Dissidenz  gezählt werden können, so etwa

  • Klaus Moegling (u.a. Mitglied bei Scientists for Future), der jetzt einen „Appell für den Frieden“ mit der Forderung nach einer „Verhandlungsinitiative zur Beendigung des eskalierenden Kriegs in der Ukraine“ verbreitet, oder
  • Johannes Varwick, der vom ukrainischen „Zentrum für Desinformationsbekämpfung“ als russischer Propagandist geführt wird (und somit offiziell als „Informationsterrorist“ gilt), weil er sich ebenfalls für eine Verhandlungslösung einsetzt.

 

Wissenschaftlichkeit = NATO-Narrativ

Bemerkenswert auch, wie die Unwissenschaftlichkeit der Positionen festgestellt wird, die nicht dem NATO-Narrativ folgen. Die Bonner Universität führt es vor: Das Rektorat verabschiedet eine Erklärung, die sich zur Parteinahme für den Westen und gegen Russland bekennt; damit ist der wissenschaftliche Diskurs noch nicht unbedingt festgelegt, aber ein Rahmen gesetzt, in dem weitergehende juristische Möglichkeiten geprüft werden. Es ist also schlicht und ergreifend institutioneller Druck, der gegen die Infragestellung geltender Kriegslegitimationen, wie sie in „Endspiel Europa“ vorkommt, geltend gemacht wird. Darauf hat ja wohl auch der Hochschullehrer Aust in seiner erwähnten Kurznachricht gesetzt, als ihm die Zitierung von Autoritäten, mit denen er übereinstimmt, als Begründung ausreichte.

Er hat sich dann aber doch noch in dem späteren Interview bereit gefunden, am Schluss auf die Frage „Was werfen Sie dem Buch inhaltlich vor?“ mit drei Sätzen zu antworten. Er hält zunächst als Kernthese des Buchs fest: „Die USA hätten den Ukrainekrieg von langer Hand vorbereitet, um Europa von Russland zu entfremden und so die amerikanische Vorherrschaft auf dem Kontinent  aufrechtzuerhalten. Statt das Nationalstaatsdenken zu überwinden, was doch wünschenswert wäre, unterstütze die EU jetzt im Gegenteil die Souveränität der Ukraine.“ Was der Geschichtsprofessor als Widerlegung dieser „unwissenschaftlichen“ Behauptung aufbietet, macht einen sprachlos: „Aber bitte, was wäre denn die Alternative: Das Land Putin und dem russischen Imperialismus zu überlassen?“

Mit dieser Frage ans Publikum, die gleich das wissenschaftliche Feld verlässt und ins Politikfach wechselt, ist für ihn die Sache erledigt. Und selbst bei dieser Problemverschiebung geht der Mann unsachlich vor, denn Alternativvorschläge – siehe Moegling, siehe Varwick, siehe aber auch Guérot und Ritz mit ihrem weit ausholenden kontinentalen Friedensideal – lagen und liegen ja vor. Und im Vorfeld gab es ja auch zahlreiche Vorschläge, den Konflikt zu entschärfen; selbst ein Henry Kissinger hatte davor gewarnt, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, und später sogar Gebietsabtretungen an Russland für möglich gehalten. Das ist das eine, wenn es um die Frage der Alternativen geht. Auf der anderen Seite müsste aber auch einem Aust klar sein, dass die ständige Eskalation – bis zum letzten Ukrainer, bis zum Atomkrieg… – keine Lösung ist.

Wenn man nun zur Frage der Wissenschaftlichkeit zurückkehrt, die ja den Stein des Anstoßes darstellt, dann muss man bei Austs Statement eine weitere Ausflucht festhalten: Bei ihm ist vom russischen „Imperialismus“ die Rede, was ja wohl als wissenschaftliche Einlassung des Fachmanns gemeint ist und was damit gleich die Frage aufwirft, welche theoretischen Implikationen dadurch gegeben sind. Es soll ja nicht ums Beschimpfen gehen (so wie Varwick vom ukrainischen Botschafter Melnyk als „Arschloch“ bezeichnet wurde), sondern um wissenschaftliche Klärung, bei der Guérot und Ritz angeblich versagt haben. Dazu wird vom Fachmann auf den Imperialismus als Erscheinung der modernen Welt angespielt – mehr aber auch nicht. Dass damit, der Sache nach, auf ein Expansionsbestreben gezielt wird, das seine Grundlage – auf die eine oder andere Weise – in der kapitalistischen Produktionsweise der betreffenden Staatsmacht hat, kann man sich dazudenken. Ausführungen schenkt sich der Experte Aust, das Wort soll genügen.

Wenn aber die Staatenwelt durch solche Konkurrenzverhältnisse bestimmt ist, müsste man sich den Mächten zuwenden, die wie die USA und ihre NATO- bzw. EU-Partner bestimmenden Einfluss auf Weltmarkt und Weltpolitik haben und die um die Reichweite imperialen Einflusses ringen. Das machen Guérot und Ritz übrigens ausgiebig, sie nehmen die „amerikanische Vorherrschaft“ ins Visier, stützen sich bei ihrer Analyse auf amerikanische Quellen und Experten (Brzeziński, Wolfowitz, Mearsheimer), belegen die Aufrüstungsmaßnahmen oder die Einflussmaßnahme auf Umsturzbewegungen zum Regime Change, dokumentieren die Feindbildproduktion, die Rüstungsanstrengungen etc. Das, was Aust in Kurzform als Aussage des Buchs bringt, wird dort ausführlich thematisiert.

Aber unabhängig von solchen Nachweisen müsste man es eigentlich als Trivialität bezeichnen. Dass solche imperialen Bestrebungen zu konstatieren sind, könnte man fast als Ergebnis der Zeitungslektüre festhalten. Dass „America first!“ weltweit gilt und alle Rivalen, unter Einschluss der EU, kleinzuhalten sind, war sogar einmal explizit ausgesprochenes Programm unter der Trump-Administration – ein Programm, das übrigens mit Bidens „Build Back Better“ nicht revidiert, sondern getoppt werden sollte. In der Forderung „Make America great again“ unterscheiden sich Republikaner und Demokraten nicht, sondern nur darin, wer es besser kann. Guérot und Ritz machen es sich übrigens nicht so einfach, die Trump-Ära groß zu betonen; diese hat bei ihnen eher den Stellenwert einer Randnotiz. Ihnen geht es darum, eine strukturelle Rivalität – die sie eher in der kulturellen Sphäre verorten – herauszustellen.

Man könnte zu Austs Beschwerde auch festhalten, dass das Konstatieren der Sache selber, nämlich der US-Vorherrschaft, keine wissenschaftliche Leistung ist. Sie ist der theoretischen Klärung vorausgesetzt als Sachverhalt, der nach imperialismustheoretischer Aufarbeitung verlangt; seine Bestreitung dagegen gehört ins Feld der Fake News. Und einen sachlichen Einwand hat Aust auch nicht zu bieten. Was dann die zweite Hälfte seines Resümees betrifft – die Rückkehr der EU zum Nationalismus –, kann er noch nicht einmal das Faktum bestreiten, sondern behilft sich mit der Ausflucht, es hätte keine Alternative gegeben, stimmt der Feststellung selber also zu.

Aust legt jedoch auf Nachfrage des Interviewers noch einmal nach, indem er zwar keine weiteren Inhalte kritisiert, aber die Äußerung des Autorenduos im Vorwort aufspießt, dass es die Weltlage „ganz neu denken“ wolle. Das weist er entschieden zurück, z.B. mit der Feststellung, dass die „Ansicht, Amerika versuche gezielt Europa von Russland zu entfremden, eine hundertjährige Geschichte im rechtsextremistischen Denken“ habe. Das ist nun wirklich infam. Er gibt nicht den kleinsten Hinweis, wo das inkriminierte Buch solche Bezüge zum historischen Faschismus oder zum Neofaschismus aufweisen würde. Dass es solche staatlichen Rivalitäten und Bündniskalkulationen gibt, gehört zum Grundbestand imperialismustheoretischer Erkenntnisse, seit vor über hundert Jahren das Zeitalter des Imperialismus begann; das zur Kenntnis zu nehmen, hat mit Extremismus nichts zu tun. Und Neofaschisten, wie sie etwa in der neuen italienischen Regierung vertreten sind, stehen treu zu den USA und zur NATO.

Außerdem ist die Ansage des Essays, neu zu denken, erkennbar auf die gegenwärtige Lage bezogen. In der gibt es – Aust beruft sich ja gerade auf die Fachwelt als Autorität – einen breiten Konsens, der die Parteinahme für die NATO wissenschaftlich nachvollzieht. Auf den Dissens, der vom Autorenduo hierzu angemeldet wird und der somit in der Tat etwas ganz Neues bringt, bezieht sich die Schlussbemerkung im Vorwort.

Konsens unter behördlicher Aufsicht

Wenn man sich die Fachwelt ansieht, die angeblich geschlossen hinter Austs Aussagen steht, erlebt man ebenfalls Überraschungen. Dazu hier abschließend nur ein Hinweis. Die neue Lage kann man etwa an der Publikationsstrategie ablesen, die eine Bundesbehörde, die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), verfolgt. Deren Aufgabe besteht bekanntlich darin, dem öffentlichen Diskurs, der wissenschaftlichen Debatte und der pädagogischen Arbeit Leitlinien zu verpassen und damit in gewisser Weise den Rahmen des zulässigen Pluralismus zu definieren. Dazu erhält die bpb Geld von ihrer vorgesetzten Behörde, dem Bundesinnenministerium (BMI). Sie wird in ihrer Arbeit entsprechend kontrolliert und dirigiert, während das BMI gleichzeitig kritische Medien wie die „Junge Welt“ unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stellt, um sie, wie explizit mitgeteilt, in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen, also in der Öffentlichkeit auszuschalten. So ergänzen sich bpb und BMI bestens: Die eine kommt mit Geboten, das andere mit Verboten.

Diese Leistung, das Zulässige zu definieren, sei hier nur an einigen Highlights aus den Beiträgen von Andrii Portnov und Jan Claas Behrend in der von der bpb herausgegebenen Beilage zum Parlament (Aus Politik und Zeitgeschichte, APuZ 28-29/22) aufgespießt: Portnov weist in dem Themenheft „Krieg in Europa“ nach, dass Putin ein Nationalist ist (wie vor ihm auch schon Solschenizyn), der die „Anerkennung der historischen Selbstständigkeit Russlands“ haben will. Ja und – könnte man denken. Biden verkündet seit seiner Inaugurationsrede jeden zweiten Tag, dass die Amerikaner die exceptional nation und für den ganzen Globus als Führungsmacht zuständig sind, die keinen Einspruch auf Augenhöhe zulässt, vielmehr jeden Feind niedermacht (mit göttlichem Beistand übrigens). Vorher hieß das, wie gesagt, „America first!“, und möglicherweise kommt das demnächst wieder als Losung aus dem Weißen Haus.

Dieses Ringen um die Weltmachtrolle blendet Portnov völlig aus. Das ist die eine Technik, Putin als alleinigen Kriegsverantwortlichen ins Unrecht zu setzen; es geht aber auch bis in die einzelnen Details, die den Schuldvorwurf an die Adresse Russlands untermauern sollen. 2008 „marschierten russische Truppen in Georgien ein“, schreibt Portnov. Dass dem ein Angriff des georgischen Militärs vorausgegangen war, entfällt ganz. Einige Details dazu kann man dagegen bei Guérot und Ritz nachlesen. Oder es heißt: „1991 wurden alle in der Ukraine lebenden Menschen … Bürgerinnen und Bürger des jungen Staates.“ Dass dem eine Unabhängigkeitserklärung der Krim vorausgegangen war, die vom Kiewer Regime übergangen wurde, entfällt. Solche Fakten würden eben stören.

Bei Behrends fängt die anklagende Liste über die „postsowjetischen Kriege“ mit Afghanistan an. Dazu heißt es, Ziel der russischen Invasion sei „ursprünglich die Unterstützung des pro-sowjetischen Regimes gegen eine islamisch inspirierte Rebellion gewesen“. Damit ist das abgehakt und es wird das russische Sündenregister aufgeblättert. Das bewegt sich in seiner Einseitigkeit schon am Rande der Geschichtsklitterung! Und das nach 20-jährigem NATO-Desaster bei der westlichen Invasion in Afghanistan, wo jetzt langsam die Fakten auf den Tisch kommen (wenn sie nicht wegen des neuen Kriegs ganz in den Hintergrund rücken). Man hätte hier zumindest daran erinnern können, dass der versammelte Westen den islamistischen Terror wenig später zur weltweit größten Bedrohung ausrief …

Was aber hier vor allem fehlt, ist die ganze Vorgeschichte: dass dieser Terrorismus in seiner Schlagkraft ein Werk des Westens war – ausgerüstet, politisch-diplomatisch abgesichert, unter Geheimdienst-Ägide von CIA etc. ausgebildet und zielstrebig zum Einsatz gebracht. Und es fehlt damit der wahre Gegner der Russen und die Zwecksetzung der NATO: Afghanistan war eine Front des Westens zur Niederringung der Sowjetunion – eine Front, die nach der Wende nicht aufgegeben, sondern ausgebaut wurde. Das kann man z.B. alles in Brzezińskis Ausführungen zu „Americas Primacy“ (vulgo: Weltherrschaft) von 1997 nachlesen, die er als Professor für Politikwissenschaft verfasste; es geht bis zu seiner Feststellung, dass die Ukraine von entscheidender strategischer Bedeutung sei und dass sie Russland auf jeden Fall entzogen werden müsse, um ein Wiedererstarken des östlichen Imperiums zu verhindern.

Diese ganze westliche Frontbildung unterschlagen die Beiträge von Portnov und Behrend – im Einklang mit Austs Votum, dass ein Verstoß gegen diese Unterschlagung, wie von Guérot/Ritz praktiziert, tendenziell ein Fall von (Rechts-)Extremismus sei. Insofern wieder ein Musterbeispiel für die deutsche Öffentlichkeit nach der Gesinnungswende: Der Russe führt Kriege, das muss immer wieder gesagt und parteilich bebildert werden. Dass es um Weltmachtkonkurrenz geht, dass dazu der Westen schon massenhaft völkerrechtswidrige Kriege geführt hat und dass jetzt dafür mit der Ukraine ein (autoritär regierter, grundkorrupter) Frontstaat systematisch aufgerüstet und scharf gemacht wurde, darf man dagegen nicht mehr sagen. Höchstens privat oder (noch) in der Gegenöffentlichkeit…

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22 Kommentare

  1. „wenn eine Kritik an der NATO-Linie laut wird, führt das vollends in ein akademisches No-Go.“

    Sollte dies so stimmen, bewegte sich die akademische Welt zurück in religiöse Glaubensbekenntnisse und das tut sie tatsächlich, vor allem in den USA. Dort darf über bestimmte Theorien nicht mehr gestritten werden, sonst droht die Cancel Culture.

    Aber für uns sollte gelten: Zweifel und Argument gehören zur Wissenschaftlichkeit und nicht Bekenntnis und Verweigerung. Das ist das wahre No-Go. Herr Aust agiert wie ein Wissenschaftler, der wissenschaftliche Methoden unterdrücken und durch Existenzvernichtung ersetzen will. Dies führt zur Lufthoheit über den Stammtischen und in den Talk Shows, bringt aber keine bessere Erkenntnis über die Welt und unsere Probleme mit ihr.

  2. Wissenschaft sowie deren Ausrichtung ergibt sich immer aus der Gesellschaft heraus; ist ihr immanent.
    DIE Wissenschaft als neutrale – außerhalb der Gesellschaft stehenden – Disziplin gibt es nicht.
    Unser neoliberales Gesellschaftsverständnis prägt daher jenen Konformitätszwang gerade im Wissenschsftsbetrieb, den wir seit drei Jahren verstärkt erleben dürfen:
    Mit der Umkehrung wissenschaftlichen Diskurses in eine dogmatisch-Ideologische Glaubens-und Gesinnunglehre glauben wir (wieder einmal) politische/gesellschaftliche Ziele erreichen zu können.
    Unserem technisch rationalen Gesellschaftsverständnis zufolge ist Krieg nach wie vor ultimatives, legitimes und alternativloses Mittel zum Zweck.

    Eine vernünftbegabte Gesellschaft hätte seine Geschichte längst derart reflektiert, als das man andere Wege beschreitet.

    1. Die Überschrift im Artikel „Wissenschaftlichkeit = NATO-Narrativ“ trifft es provokativ ganz hervorragend. Nichts weiter als eine weitere Begriffsumkehr im imperialen Neusprech. Der gute Ruf eines Begriffes wird benutzt, um eine völlig gegensätzliche Sache propagandistisch umzufärben und umzudrehen.

  3. Worin besteht die Weisheit des Westfälischen Friedens eigentlich? Was die meisten Menschen nicht wissen ist, dass die deutschen Länder, inklusive der protestantischen, nach 15 Jahren Krieg den Prager Frieden schlossen, dem Kaiser ein stehendes Heer zugestanden, und die Schweden aus dem Reich vertreiben wollten. Darauf griffen die Franzosen in den Krieg ein, es bildeten sich wieder neue Fronten, und es wurde 15 Jahre weiter Krieg geführt, bis zur totalen Erschöpfung, wobei es die meisten Opfer in den letzten Jahren gab, als die Friedensverhandlungen schon begonnen hatten. Es war tatsächlich so, dass eine gewonnenen Schlacht nichts nützte, weil man u. a. wegen Nahrungsmangel gar nicht mehr in der Lage war, Städte zu belagern und zu erobern. Die Verluste waren ganz ungeheuer, über 30% der Bevölkerung im Deutschen Reich, was im zweiten Weltkrieg einem Verlust von 24 Millionen in Deutschland entsprochen hätte. Frieden schließen wenn gar nichts mehr geht. Das ist die Weisheit der Westfälischen Friedens. Auf den Ukrainekrieg übertragen würde das bedeuten, Friedensschluss erst nach einem verheerenden Atomkrieg, wenn niemand mehr etwas gewinnen kann. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass es soweit kommt. Auch im dreißigjährigen Krieg bestand das Problem in der Einmischung zahlreiche Staaten in den Krieg, um irgendwelche Vorteile herauszuschlagen.

  4. Jetzt jaulen sie, die Schillos dieses Landes. Seit 9/11, 20 Jahre lang, haben sie, jede nur denkbare Methode und Berufungsinstanz der Verleumdung, Diffamierung, Diskreditierung, bestenfalls des Apeasements nutzend, die TomGards einer Behandlung zugeführt, die heute euphemistisch „CancelCulture“ heißt, von „links“ namentlich mit dem Dogma, man dürfe sich nicht mit „den falschen Leuten / Stimmen gemein“ machen. Stattdessen haben sie sich in den bezahlten oder unbezahlten Dienst sämtlicher geheimdienstlicher Institute des Meinungsmanagements, der Hasbara voran, gestellt, als im Laufe des höllischen Massakers in Libyen in der „Linken“ Stimmen laut wurden, mit den NATO-Feinden auf der rechten Seite des „Spektrums“ ein Zweckbündnis zuzulassen. Wohl wahr, daß die damalige „Querfront“ Idee, die während des dantesken Massakers in Syrien weiter an Fahrt aufgenomme hat, höchst wahrscheinlich ein tot geborenes Kind war, aber die Zurichtung der Demokratischen Öffentlichkeit, die, wie ich damals schon jede Woche jedem erzählt hab, der es nicht hören wollte, in erster Linie eine STRATEGISCHE Neuformierung der Eliten zum Ziel hatte, und zwar ALLER ihrer Bestandteile, wäre jedenfalls weniger glatt verlaufen, hätten die „Schillos“ dieses Landes nicht mitgemacht.
    Mitgemacht über alle Stationen dessen, was ich 2011 ein „neues Zeitalter der Inquisition“ getauft habe, weil der Grund dieses Phänomens in grotesker Weise dieselbe Bewegung ist, die seinerzeit den Vatikan und die Radikalen seiner Gefolgschaft bewogen haben, den Machtverlust an die bürgerlichen Stände und darob bis hinab in die Bauernschaft mit jedem nur denkbaren Blutvergießen, mit jeder nur zu ersinnenden Grausamkeit aufzuhalten zu suchen.

    Jetzt „erledigt“ Schillo weniger als ein Zwanzigstel davon mit ein paar unzeitgemäßen historischen Verweisen in Nebensätzen, um SEINEN Wechsel in’s GENUIN nationalrechte Lager zu rechtfertigen:

    (D)as Konstatieren der Sache selber, nämlich der US-Vorherrschaft, (ist) keine wissenschaftliche Leistung. Sie ist der theoretischen Klärung vorausgesetzt als Sachverhalt, der nach imperialismustheoretischer Aufarbeitung verlangt; seine Bestreitung dagegen gehört ins Feld der Fake News.

    Und das, nachdem er ausgerechnet Brzeziński, Wolfowitz, Mearsheimer global zitiert, von denen JEDER ihm auf seine Weise vorbuchstabieren tut, daß dies ein Ideologem ist, nämlich ein politisches und strategisches IDEAL und zugleich ein Trumm, von dem man in der „Linken“ vor 20 Jahre noch wußte, was das ist, eine REALABSTRAKTION. Ein FAKT, auf gutdeutsch eine TAT-Sache, ist die „US-Vorherrschaft“ GENAU in Phänomenen, die darüber Auskunft geben, daß es die nicht gibt! Entsprechend bestehen diese Tatsachen überwiegend aus Blutströmen und Agonie.
    An dieser Realabstraktion zerren die EU einerseits, die USA andererseits, und ziemlich genau in der Mitte das UK, seit 31 Jahren herum, beginnend mit Kohls Unterstützung für die kroatischen Nationalisten, vorzüglich den Ustascha-Faschisten, und das Resultat haben wir jetzt: NATO. Eine NEUE NATO, eine die NS1 sprengt, obwohl und WEIL die Sprengung zum gegebenen Zeitpunkt nicht länger in die US-Agenda fiel, von der sie mal ein Teil und eine beständig aktualisierte Drohung gewesen war. Einen neues „vatikanisches Konzil“, wenn man so will, das in der Ukraine endgültig die Macht über „den Westen“ übernommen hat, egal, was die amerikanische Föderation will, oder lieber nicht, noch nicht, oder nicht mehr will.
    Und das wäre zumindest nicht in der geschehenen Form so einfach gewesen, hätte es nicht die Inquisition gegeben, von der die Schillos dieses Landes ein Teil gewesen sind.

    Jetzt ist eine Lage da, in der buchstäblich nichts, außer horrendem, sinnfreien Blutvergießens mehr geht. In der EU müßten 10, vielleicht 100 Tausende niedergemetzelt werden, müßten Behörden, Fabriken, Kaufhallen, Schulen brennen, bevor der Konvoi nationaler Schiffe auch nur 3° aus dem Kurs gebracht und vielleicht auf halbe Kraft verlangsamt wäre. Und Schillo jault über eine Lage, in der er vielleicht demnäxt nix mehr kritzeln darf.

    1. Zu „Jetzt ist eine Lage da, in der buchstäblich nichts, außer horrendem, sinnfreien Blutvergießens mehr geht.“:
      https://www.indianpunchline.com/endgame-in-ukraine-struggling-to-be-born/

      @TomGard
      SORRY, dass ich kürzlich über-reagiert habe – war innerlich voll im Thema drin, weil mich gerade zuvor eine Gruppe junger Kommunisten um Mithilfe bei ihrer Vorbereitung zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ gebeten hatte.
      Habe inzwischen begonnen, zu lesen, was Sie in Ihrem Blog zu diesem Thema geschrieben haben.

  5. Der Begriff ‚Overton-Fenster‘ war mir nicht bekannt, was ich allerdings als eher kleinere Bildungslücke ansehe, da sein analytischer Gehalt doch eher bescheiden ist, es sich wohl eher um eine phänomenologische Beschreibung, geradezu eine Binse handelt.

    Nachgerade tragisch ist die Fetischisierung des Begriffs ‚Wissenschaft‘ oder Wissenschaftlichkeit. Infolgedessen wird seine Pragmatik immer plumper, teilt man doch mit seiner Verwendung kaum mehr mehr mit als ‚Ich bin im Recht‘. Die Invokation von ‚Wissenschaft‘ ist an die Stelle Gottes getreten, der bekanntlich tot ist und daher als argumentative Grundlage untauglich geworden.

    Hat der Hinweis auf wissenschaftlich gesicherte Fakten – ja, das gibt es, auch wenn deren Interpretation im Lichte neu entdeckter sich zuweilen wesentlich ändern kann – bei den Themen Klimaveränderung oder Pandemie noch ein gewisses Gewicht, das allerdings auch nur Sein und nicht Sollen bestimmt, ist dieses beim Thema geostrategische Auseinandersetzungen minimal, insignifikant. Nicht Wissenschaftlichkeit entscheidet im einschlägigen Diskurs, sondern der leider allzu oft zu schwache Zwang des besseren Arguments. (Besser im Sinne der nachprüfbaren Übereinstimmung erwähnter Fakten mit der Realität und logischer Stringenz, was noch nicht Wissenschaftlichkeit konstituiert, zu der es einbettender Theorien mit streng definiert verwendenten Begriffen bedürfte.)

    Das Wichtigste aber – es geht in all den Diskussionen um konkretes Handeln. Und dieses wiederum ist nicht gebunden. So banal es ist, man muss stets wieder auf den unüberbrückbaren Hiatus zwischen Sein und Sollen hinweisen. Konkretes Handeln, soweit nicht durch involvierte Mächte erzwungen, ist arbiträr, Wissenschaftlichkeit spielt höchstens im Rahmen eines – nicht zwingenden, ja fakultativen – legitimierenden Diskurses einen Rolle.

    Wer Verfeindung propagiert, will den Konflikt, den Zusammenstoss, glaubt sich durchsetzen zu können. Liegt damit, historisch-empirisch gesehen, gelegentlich richtig, in der Mehrzahl der Fälle aber falsch. Setzt also viel aufs Spiel. Es ist normal, nicht darauf hingewiesen werden zu wollen, ja solche Hinweise als Defaitismus zu diffamieren, zu moralisieren – Gott zuckt noch -, wer will schon hören, dass er krachend scheitern könnte. Denn darum gehts schliesslich, der Erfolgreiche bekommt immer recht.

    1. Wer durch dies Posting nicht durchblickt, sei beruhigt: Das ist nicht möglich.
      Es reicht aber hin, Pnyx Unterstellung zurück zu weisen, Schillo berufe sich auf „fetischisierende“ Weise – was immer das für Pnyx heißt – auf „Wissenschaft“. Das tut Schillo nicht, er kommentiert den Wissenschaftsbetrieb, in dem Diskurse, Urteile, Phänomene, die Pnyx „fetischisierend“ nennen mag, eine Rolle spielen.

      1. Die Verallgemeinerung Ihres persönlichen Nicht-Durchblickens ist ein wenig gewagt. Zumal Sie auch gleich noch ein Beispiel für ‚fantasievolle‘ Textrezeption liefern. An keiner Stelle habe ich Schillo irgend etwas unterstellt. Die besagte Begriffsfetischisierung – die Verwendung des Begriffs Fetisch in einem figurativen Sinn findet sich z. B. bei Marx – werfe ich selbstverständlich nicht ihm vor, sondern jenen, die, wie ausgeführt, wissenschaftlich sagen und im Grunde damit nur ‚Ich hab recht‘ meinen.

  6. Bei “Historikern“ von “Wissenschaftlern“ zu sprechen, die die Vorgeschichte des Krieges völlig ausblenden, also ahistorisch “argumentieren“, und den offenen wissenschaftlichen Diskurs verweigern, verbietet sich eigentlich von selbst. Sie stellen sich selbst ein Armutszeugnis aus, denn sie sind nichts weiter als Geschichtenschreiber im Auftrag eines modernen Hofes, Wissenschaftler, die “Wissen schaffen“ im Sinne der Aufklärung jedenfalls nicht.

  7. „eine regelwidrige Streitschrift … vollkommen an wissenschaftlicher Kenntnis des östlichen Europa vorbeigeschrieben … provokant, schrill und anmaßend“

    Streitschriften haben idR die Eigenschaft „provokant, schrill“ oder auch mal „anmaßend“ zu sein.
    Sonst wären sie keine Streit-schriften.

    Zudem, was versteht Aust unter „regelwidrig“?

    Regelwidrig ist keine Größe im wissenschaftlichen Diskurs.
    Entweder etwas ist belegt oder nicht.

    Und wessen Regeln? Seine vielleicht?
    Er suggeriert hier eine Illegalität die nicht vorliegt, weil es dafür gar keinen rechtlichen Rahmen gibt.

    Er beruft sich auf in verfluchtes Phantom.

    Die einzige Regel in diesem Zusammenhang könnte Verfassungswidrigkeit darstellen, was aber ich nehme an, auch im augenblicklichen Wahnsinn nicht zuträfe, und ebenso wenig eine Regel darstellt.

    Und auch die Universität kann keine Autorität beanspruchen, wenn die Arbeit inhaltlich korrekt ist.

    Lediglich Vertrauensverlust unter Studenten als Abberufungsgrund usw. aber das ist dann eine Ausrede um jemanden los zu werden.

    Wenn jemand regelwidrig ist, dann Aust, der ihm unpassende Meinungen unterdrücken will.
    Denn nur das würde im informellen, sprich nicht-normativen, Diskursrahmen der sich politisch zwischen den Stühlen bewegt, mit „regelwidrig“ korrelieren.

    Meinungen sind immer grauwertig und in Relation zu sehen.
    Aber er kann nicht einfordern die Bezugsgröße zu dieser Relation zu verkörpern.

    Dann ist er schlicht größenwahnsinnig oder eingebildet.

    Diese Leute gehen mir auf die Nerven.

    1. Schön vom Deutschlandfunk! Er hört halt auch da auf, wo es mit den aufeinander folgenden geschichtlichen Eigenschaften kritisch wird.
      Leo Ensel weiß da zu dem 8. Dezember 1991, an dem sich die Chefs der Sowjetrepubliken in einer Regierungsdatscha in Viskuli trafen und putschartig ein Dokument zur Auflösung der Sowjetunion unterzeichneten.
      Und gegenüber dem (Schein)-Referendum in der SSR Ukraine am 1. Dezember 1991 hatte man auch keine Vorbehalte.
      Der erste und letzte Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow hatte am 25. Dezember 1991 nur noch die Alternative, die SU aufzulösen.

  8. Mein Wissen über Herrn Aust entnehme ich dem entsprechenden Wikipedia-Artikel, in dem dazu, wie er, nachdem er so ziemlich in jeder Himmelsrichtung Deutschlands seine akademischen Titel gesammelt hatte, an die Universität Bonn kam:
    „Zum Wintersemester 2015/16 hat Aust, in Nachfolge von Dittmar Dahlmann, die Professur für die Geschichte und Kultur Osteuropas an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn angetreten.
    Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Themengebiete Geschichte Polens, der Ukraine und Russlands in der Neuzeit, historischer Vergleich, Gedächtnisgeschichte, Geschichte der Historiographie, Imperialgeschichte sowie Globalgeschichte.“

    Also bis jetzt erkenne ich nicht, wie Herr Aust dazu kommt, ein besonderer Experte sein zu wollen. Nimmt man noch aus dem deutschsprachigen Raum die Schweiz und Oesterreich (Wien) hinzu, gibt es mehr als ein Dutzend Geschichtler, die sich besonders mit Osteuropa und darüber hinaus befassen. Und alle diese Personen müssen sich ja in einem „geisteswissenschaftlichen Fach“ mit Wissenschaftstheorie befasst haben.

    Zum Autor des Artikels Johannes Schillo kann ich nichts sagen, da ich über ihn nichts weiß.

    Ohne hier zu der Sache weiter Stellung zu nehmen finde ich besonders problematisch, wie sich die Universität Bonn von ihrer institutionellen Seite her äußert. Es geht doch erkennbar um eine rein FACHwissenschaftliche Auseinandersetzung.

  9. hinzuzufügen wäre noch: die Tatsache, dass einige derjenigen Historiker (Aust so weit ich weiß nicht), die seit einem Jahr Krieg gegen Russland fordern, im Rahmen der akademischen NATO-Fellowships geforscht haben.

    Es scheint in der Journaille keinem aufzufallen, dass diese fachliche Vereinnahmung insbesondere auf dem Feld der histor. Osteuropaforschung jede Publikation der betreffenden NATO-Fellows grundsätzlich in ihrer der Funktion nach rein auf Erkenntnisgewinn ausgelegten Tätigkeit als Quellenforscher-und Interpreten, massiv in Frage stellen müsste.

    Schließlich erhalten sie Geld/Privilegien/Karriereunterstützung von einer der Kriegsparteien, deren ausschließliche Aufgabe darin besteht, ggf. das Land, das Gegenstand dieser histor. Forschung ist, zu vernichten.

    Wie bitte wird die Integrität der Wissenschaft gewahrt, die Aust offiziell einfordert, wenn das Resultat der histor. Arbeit von Beginn an im Kern feststeht. Sonst hätte die NATO ja kein Interesse an der Forschungsarbeit.

    Oder andersrum: NATO wird gewiss keine Studie fördern, die die Abschaffung der NATO fordert oder deren Arbeit für politisch schädlich einschätzt.

  10. @xyz
    Wenn so wäre: Leute wie dieser Herr Prof. Aust (Uni Bonn) erhalten „Geld/Privilegien/Karriereunterstützung von einer der Kriegsparteien, deren ausschließliche Aufgabe darin besteht, ggf. das Land, das Gegenstand dieser histor. Forschung ist, zu vernichten“ – dann können diese Masochisten wegen erwiesener Dummheit in Form von Selbstschädigung nicht als Staatsbeamte entlassen werden. Aber etwas können auch Studies, besser ohne als mit Maske, auch in der Uni Bonn tun: diesen Herr Professor, wo und wann er sich immer blicken läßt, bevor er ´n Wort rausbringt, nachhaltig auslachen, weil er selbst ohne es zu merken seine eigene Existenzgrundlage zerstört.

  11. Dieser Herr Aust ist im Vergleich zu Frau Guerot ein misogynes Gammamännlein, das keine Eier hat.
    Sonst würde er sich z.B. gleichberechtigt einer Diskussion stellen. Aber dazu ist der nicht Manns genug.

  12. hier eine Zusammenfassung zum Thema NATO-RU von Branko Marcetic bei Responsible Statecraft:

    „NATO expansion and the origins of Russia’s invasion of Ukraine – Despite available evidence, many in Washington try to downplay the Atlantic Alliance’s push eastward as a driving force for Putin’s war.“
    18.11.22

    https://responsiblestatecraft.org/2022/11/18/nato-expansion-and-the-origins-of-russias-invasion-of-ukraine/

    natürlich mit den, der Plattform RS entsprechenden ideologischen SCheuklappen, aber inhaltlich umfassend, weil viele hyperlinks mit zahlreichen weiterführenden Texten auch von Falken, die z.B. Martin Austs Lager angehören könnten (allerdings keinem das Wort verbieten würden wie ihr dt. Pendant) und Marcetic widersprechen.

    Nützlich aber, um ggf. die Argumentation zu studieren die den theoretischen Unterbau auch für das Auswärtige Amt liefert (beginnnend mit Timothy Snyder der es auf die Formel 3Ns gebracht hat – NATO / Nukes / Nazis – „it´s not the 3 Ns“, bis zum US-Botschafter in Kiew „One more time: It´s. Not. NATO.“)

    Enthält aber auch folgendes schöne Zitat aus einer US Zeitung vom 16. Oktober 1962 zur Kuba-Krise:

    „Let those who are leaning over backwards to find justification for Cuba ask themselves what would happen if the United States suddenly began sending great quantities of arms and “technicians” to a country like Finland right up against Russia itself and hitherto acknowledged as being within the sphere of Soviet influence as Cuba once was within the American. There would be a real parallel to Cuba. Even our most fanatic rightists … would have to admit that such a thing would be an unwarranted provocation of the Russians and a serious tampering with the precarious balance on which world peace rests.“

    Siehe auch ein link zu einer Site, die erhebt Daten zu militärischen „Zwischenfällen“ zwischen Einheiten der NATO und Russland. Zwischen 2013 und 2020 z.B. 2900 „Incidents“.

    Oder ein Vergleich zwischen den Reden von Bush Jr. und Osama Bin Laden, beide vom 7. Okt. 2001.

  13. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren gab es eine breite Bewegung, die für Aufklärung und Entnazifizierung, für mehr Demokratie und für Frieden eintrat, die alternative Konzepte gesellschaftlichen Zusammenlebens entwickelte, selbstverständlich die desaströsen Auswirkungen des Kapitalismus kritisierte und der macht- und geldgiermotivierten Handlungen der herrschenden Seilschaften opponierte. Menschen, die dieser Bewegung angehörten und die nach wie vor die selben „Ideale“ vertreten, werden heute von Regierung und Propagandamedien als „rechtsextrem“ diffamiert. Von Leuten, die nachweislich einem faschistoiden Herrschaftsleitfaden folgen.

    Nur Faschisten bezeichnen Kritiker der sich selbst als „Elite“ und „wertebasiert“ nennenden Clique von Marodeuren und deren Hofschranzen als „rechtsextrem“. Kurz gesagt: Faschisten, die ihre Kritiker als „rechtsextrem“ bezeichnen. Was ein Hohn.
    Kein Wunder, dass sämtliche herkömmlichen Hetzmedien, öffentlich-rechtlich oder privat, ihre absonderlichen Erzeugnisse nicht mehr verkaufen können. Diese Hassverbreitungsmedien sind darauf angewiesen, dass ihre Gönner in der Regierung Zwangsgebühren für sie etablieren (ÖrR) und/oder sie mit Aufträgen und Fördermittel bedenken. Muss man sich mal vorstellen: Ein Staat, der sämtliche Medien finanziert/finanzieren lässt, um seine Propaganda durchzudrücken. Wie nennt man eine solche Staatsform? Ein Staat, der Werbekampagnen für Pharma-, Rüstungs- und Energiekonzerne fährt?
    Kasperle-Beispiel: Ein „Gesundheitsminister“, der unverhohlen für ein Medikament wirbt, ohne – wie jede anständige Ärztin und jeder anständige Apotheker – auf Risiken hinzuweisen?
    Was ist das für ein Land hier?

    Bezogen auf den Artikel: Ein einfacher Blick in die Lebensläufe reicht, um darüber klar zu sein, dass ein Aust einer Guerot nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Dennoch aber meint, im Stil eines kleinbürgerlichen Faschisten der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, sie öffentlich straffrei diffamieren zu können, ihre Absetzung und Ausgrenzung, mithin die Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz fordern zu dürfen. Was ist das für ein Typ? Aus welchem Sumpfloch ist er hervorgekrochen – und wer gibt diesen Typen Auftrieb, damit sie glauben, ihren Hass auf jede menschliche Existenz so unverhohlen durch sämtliche Pressekanäle krakeelen zu müssen?

    Im Zusammenhang mit dem Versuch, dem Förderverein der NDS die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, habe ich mir einen Artikel eines „M. Meisner“ durchgelesen. Ich dachte erst, dass da einem Schülerpraktikanten gestattet wurde, sein Geschreibsel zu veröffentlichen, das hätte man ja vielleicht noch durchgehen lassen können. Ein Blick in dessen Lebenslauf: Der ist über 60 Jahre alt! Und beherrscht weder Sprache, noch hat er anscheinend irgendeinen Funken Erkenntnis gewinnen können in diesen 6 Jahrzehnten. Und sowas geistert durch die Presse.
    Von Wilhelm Reich soll jede/r halten, was sie oder er will, aber: eine Schrift von ihm muss man wohl wieder neu auflegen: „Hör zu, kleiner Mann“. Denn diese Schrift ist wieder aktuell. Wie auch sein Werk „Massenpsychologie des Faschismus“, denn nichts anderes herrscht gerade vor als die Re-Etablierung des Faschismus (resp. die Fortsetzung des „Dritten Reiches“).

    Was soll man auch sonst von einem Land erwarten, dessen Obervorsteher seine Infamien gerne in salbungsvolle Worte kleidet? Eine seiner letzten Reden lässt sich sinngemäß mit dem Nazispruch „flink, zäh, hart …“ zusammenfassen. Unvergessen seine Hetze gegen arme indonesische Künstler/innen, nur um von ihm selbst abzulenken.

    Sich mit heimtückischen, dummschwafelnden Denunzianten, Diffamierern und Faschisten argumentativ auseinandersetzen zu wollen, ist mehr als nur „Perlen vor die Säue“. Sie und ihre Aussagen für spätere Zeiten listen, ok.
    Ansonsten: Argumente vorbringen, z. B. in Foren wie diesen, für denkende Menschen, ein Austausch untereinander, das hilft. Aber doch keine weitere Beschäftigung mit den Kriechern der Herrschaft.

    Eine Anmerkung noch zum Thema „Wissenschaft“: Seit dem Offenbarungseid der „Leopoldina“ (deren 4-seitiges Pamphlet) hat sich das mit Wissenschaft in Deutschland. Universitäten sind mittlerweile Witzanstalten. Erinnert sei an Jacob Paul Gundling, ehemaliger Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften, das Vorbild aller heutigen Universitätspräsident/inn/en und „Studierenden“-Vereinigungen sowie an seinen Gegenspieler Faßmann: So wie die Schnittmenge dieser beiden möchten alle „Wissenschaftler/inn/en“ gerne sein. Stets bereit, der Obrigkeit zu dienen.

    Wer an wissenschaftlicher Arbeit interessiert ist, sollte sie selbst betreiben. Und nicht höhnischen Herrschaftseinrichtungen überlassen, die für Geld jedem Irgendwas irgendwo hineinkriechen.

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