Warum wird ADHS immer häufiger und auch bei Frauen diagnostiziert?

ADHS
Bild: Tara Winstead/pexels.com

Man liest es regelmäßig in den Medien: Psychologisch-psychiatrische Störungen werden immer häufiger diagnostiziert. Die Mengen der verschriebenen Medikamente steigen rasant. Die Wartelisten für eine Therapie sind lang. Man brauche mehr Therapeutinnen und Therapeuten.

Doch obwohl die sogenannten hoch entwickelten Länder schon sehr viel mehr Therapeutinnen und Therapeuten haben als andere, scheint es nie genug zu sein. (Ich bekenne: Ich habe selbst über 5.000 Psychologinnen und Psychologen akademisch ausgebildet.) Schlimmer noch: Trotz aller Bemühungen, der Aufklärung und der (angeblichen) Entstigmatisierung steigen nicht nur die Diagnosen, sondern auch die Krankheitstage und -Kosten, ja sogar die langfristige Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Belastungen.

Epidemiologen wundern sich: Laut ihren allgemeinen Bevölkerungsstudien ändert sich nichts oder allenfalls nur wenig. An den Türen der Arztpraxen und Therapiezentren sieht das aber ganz anders aus. Dort klopfen immer mehr Menschen mit Problemen an, die in den psychologisch-psychiatrischen Bereich eingeordnet werden. Sowohl die Diagnosen und Therapien als auch die Medikamentenverschreibungen und Arbeitsausfälle bilden einen zentralen Teil unseres Alltags ab.

Mit dieser Realität haben sich zum Beispiel Julia Thom vom Robert Koch-Institut und Kollegen beschäftigt. Für eine aktuelle Studie haben sie die Veränderung der Diagnosen im Zeitraum von 2012 bis 2022 untersucht, die sie aus den Daten der gesetzlichen Krankenkassen errechnet haben (Thom et al., 2024). Demnach stiegen die Diagnosen der vor allem bei Frauen diagnostizierten Angststörungen und Depressionen um 31 beziehungsweise 15 Prozent.

Bei den von Männern häufiger und intensiver konsumierten psychoaktiven Substanzen und damit einhergehenden psychischen Problemen betrug der Anstieg 35 Prozent. Am meisten veränderte sich aber bei der posttraumatischen Belastungsstörung, wenn auch in absoluten Zahlen auf einem niedrigeren Niveau: mit plus 116 Prozent mehr als eine Verdopplung.

Das alles nimmt sich aber bescheiden heraus, wenn man es mit dem Anstieg der ADHS-Diagnosen bei den 25- bis 34-jährigen Frauen vergleicht, über den ich im ersten Teil schrieb: gut 500 Prozent!

(Be-)Deutung von Erwachsenen-ADHS

Das sind Zahlen beziehungsweise Veränderungen, über die selbstverständlich die Medien berichten. Wie soll man sie deuten? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Maria Ivanova vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin, die die neuesten ADHS-Daten berichteten, diskutieren selbst verschiedene Möglichkeiten. Schauen wir zunächst auf ihre Erklärung eines kleinen Rückgangs der Diagnosen im Jahr 2020:

„Der kurzzeitige Inzidenzrückgang (2020) ist möglicherweise pandemiebedingt aufgrund geringerer Versorgungsinanspruchnahme, aber auch aufgrund von Einschränkungen in persönlichen Lebensbereichen und damit der Nichterfüllung der Erstdiagnostik-Kriterien zu erklären, die Funktionsbeeinträchtigungen in mindestens zwei Lebensbereichen erfordert.“ (Ivanova et al., 2025)

Das vermittelt uns das Wissen, dass die offiziellen diagnostischen Kriterien für ADHS seit 1994 das Vorliegen der Probleme – fehlende Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und/oder Impulsivität – in mindestens zwei Bereichen vorschreiben, zum Beispiel in der Schule oder zu Hause. Wenn die Leute nur in der Wohnung sind, fallen andere Lebensbereiche natürlich weg.

Übrigens wurde damals festgelegt, dass zumindest ein Teil der Probleme schon vor dem siebten Lebensjahr vorliegen muss. Es ist aber hinterher natürlich schwer zu sagen, wer als Kleinkind „oft“ Anzeichen solcher Verhaltensweisen zeigte und wer nicht, zumal das bei Erwachsenen Jahrzehnte zurückliegt. Die genannte Altersgrenze wurde 2013 übrigens vom siebten auf das zwölfte Lebensjahr angehoben. Das erweiterte die Möglichkeit, die Störung zu diagnostizieren.

Doch kommen wir jetzt zur wichtigeren Erklärung der Forscherinnen und Forscher:

„[1] Der jüngst starke Inzidenzanstieg resultiert möglicherweise aus einer stärkeren gesellschaftlichen Sensibilisierung für AD(H)S, [2] der Einführung des F98.80-Codes sowie [3] Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit. Dies erklärt möglicherweise auch die starke Zunahme bei jungen Frauen.“ (Ivanova et al., 2025)

Erstens – die Zahlen habe ich hilfsweise eingefügt – gibt es also vielleicht mehr Aufmerksamkeit für das Thema; zweitens wurde eine Diagnose-Möglichkeit eingeführt; und drittens ging die Pandemie mit besonderen Belastungen einher.

ADHS im Kontext

Mir gefällt, dass das Störungsbild hier kontextualisiert, also im Rahmen der gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen gesehen wird. Das in Deutschland immer noch hauptsächlich verwendete diagnostische Regelwerk, das aus den 1990er-Jahren stammende ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation, kannte eigentlich noch gar keine ADHS, wie sie seit 1980 in den amerikanischen Handbüchern steht. Stattdessen finden sich darin die „hyperkinetischen Störungen„.

Es gab für die Länder, die das ICD verwenden, im Laufe der Jahre aber immer sprachliche Anpassungen. Damit kam schließlich die „Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität mit Beginn in der Kindheit und Jugend„. Wie ich im ersten Teil beschrieb, kommt der Subtyp von ADHS ohne Hyperaktivität beziehungsweise Impulsivität, manchmal auch „ADS“ genannt, typischerweise häufiger bei den Mädchen vor.

Diese Erklärung würde also zum besonders starken Anstieg bei den Frauen passen. Allerdings gibt es dieses Phänomen auch in Ländern wie den Niederlanden, die die amerikanischen Kriterien des sogenannten DSM verwenden. Auch hier bekamen Frauen in den letzten Jahren immer mehr ADHS-Diagnosen, obwohl die Klassifikation den unaufmerksamen Typ seit 1994 vorsieht.

Dass immer mehr über ADHS – und andere psychologisch-psychiatrische Störungen – gesprochen wird und die Pandemie mit besonderen Belastungen einherging, sind im Kern soziale Erklärungen für den Anstieg. Mit dem Verweis auf „die starke Zunahme bei jungen Frauen“ dachten die Forscherinnen und Forscher vielleicht an die Mehrfachbelastung durch Beruf und Erziehungsaufgaben, die stärker von Frauen wahrgenommen werden.

In der Presse

Diese Deutungen konnte die Presse leicht diskutieren, als sie am 11. und 12. Dezember von der neuen Studie berichtete. Die öffentlich-rechtliche Tagesschau fiel aber negativ aus dem Rahmen: Obwohl die Daten der Originalveröffentlichung mit Link dargestellt wurden, ließen die Journalisten nur eine Reihe von Psychiatern zu Wort kommen. Und die meinen alle, ADHS wurde und werde zu selten diagnostiziert.

Kurzum, der Anstieg sei gar kein wirklicher Anstieg, sondern hole nur vorher übersehene Störungen ein. Warum das gerade in den Jahren 2021 bis 2024 passieren sollte und dann auch noch so schnell, erklärt keiner von ihnen.

Swantje Matthies vom Universitätsklinikum Freiburg meint zudem,

„die Symptome von ADHS und ADS [wurden] bei Frauen lange Zeit häufig übersehen. Die frühen Studien zu dem Thema basierten – wie so häufig im Gesundheitssystem – fast ausschließlich auf Daten von Jungen und Männern. Deshalb galten typisch männliche Symptome auch lange als allgemein typische AD(H)S-Symptome.“ (Swantje Matthies auf tagesschau.de)

Wie wir oben sahen, gibt es den bei den Mädchen häufiger Vorkommenden ADHS-Typ mit Unaufmerksamkeit als zentralem Kriterium aber schon seit 1994 in dem amerikanischen Diagnosewerk. Auch in den Ländern, die dieses verwenden, stiegen die Diagnosen in den letzten Jahren stark an.

Noch eine Bemerkung zu der Kritik, die Studien basierten vor allem auf den Daten von Jungen und Männern: Das liegt zum Beispiel bei Medikamententests auch an der Tatsache, dass Männer sich dafür häufiger freiwillig melden. Wie ich im ersten Teil beschrieb, sind – vor allem: junge – Männer allgemein risikofreudiger. Es wäre wohl kaum im Sinne von Matthies, Frauen zur Teilnahme an solchen Tests gesetzlich zu verpflichten, um hier bessere Daten zu erhalten. Es stimmt aber auch, dass in der Forschung aufgrund knapper Ressourcen öfter nur ein Geschlecht untersucht wird und das zumindest in der Vergangenheit häufiger Männer waren.

Und was fehlte

Trotzdem wunderte es mich, dass die Tagesschau die oben genannten sozialen Erklärungen aus der Originalarbeit verschwieg. Nach meinem Hinweis von 11:30 Uhr am 12. Dezember wurde der Artikel um ca. 13:30 Uhr ergänzt und räumte man mir gegenüber in einer E-Mail von 13:42 Uhr den Fehler ein. Dieser redaktionelle Eingriff wurde im Text aber nicht kenntlich gemacht. In der dazugehörigen Audiodatei hört man wahrscheinlich noch die alte Version.

Nach der Überarbeitung ist nun zwar von den möglichen Auswirkungen der Pandemie die Rede. Dass der Anstieg der Diagnosen aber auch an der gestiegenen Aufmerksamkeit in den Medien liegen könnte, wird dort immer noch nicht erwähnt. Dabei kann das jeder einmal selbst ausprobieren: Man liest die (oft schwammigen) Symptomlisten in so einem diagnostischen Werk und erkennt auf einmal an sich selbst ganz viele Störungsbilder oder Krankheiten. Manche Menschen sind hierfür anfälliger als andere.

Der Tagesschau-Artikel erlaubte sich noch einen zweiten Patzer, nämlich bei den Medikamenten, auf die ich gleich ausführlicher eingehe. Am Ende wurde unter der Zwischenüberschrift „Medikamente wirken zuverlässiger“ noch auf eine neuere Meta-Analyse (Ostinelli et al., 2025) zur Behandlung von Erwachsenen-ADHS verwiesen: „Danach helfen nur Medikamente, wie das vor allem unter Markennamen ‚Ritalin‘ bekannte Methylphenidat oder Amphetamine verlässlich und schnell gegen Kernsymptome von ADHS, also Unruhe, Unaufmerksamkeit oder Impulsivität.“

Eine sprachliche Feinheit vorweg: Wenn man im Deutschen nicht von Amphetamin (Straßenname „Speed“), sondern von „Amphetaminen“ spricht, bezieht man sich auf eine allgemeine Substanzklasse, zu der auch Ecstasy/MDMA gehört. Wofür steht hier wohl das letzte „A“? Amphetamin! Daran haben die Tagesschau-Leute wohl eher nicht gedacht.

Die genannte Studie belegt die Wirkung der Stimulanzien bei Erwachsenen mit einer ADHS-Diagnose aber nur für eine kurzzeitige Verwendungsdauer. Außerdem erfuhren die Konsumentinnen und Konsumenten dadurch keine Verbesserung ihrer Lebensqualität. Diese nicht ganz unwichtigen Einschränkungen hat die Redaktion nach meinem Hinweis ergänzt.

Stimulanzien

Damit komme ich zu meinem letzten Punkt: Mit der Verwendung von Stimulanzien wie Amphetamin oder Methylphenidat (z.B. in Ritalin) in der Gesellschaft beschäftige ich mich ja, ursprünglich in der Gehirndoping-Debatte, seit gut 20 Jahren. Wie man den Anstieg der Diagnosen auch deuten mag, bei den Zahlen der Medikamentenverschreibungen gibt es große Auffälligkeiten.

Die Verschreibungen der typischen ADHS-Medikamente in Deutschland (schwarze Linie), hier dargestellt als Millionen definierte Tagesdosen, stiegen zunächst in der ersten Dekade der 2000 stark an. Eine zweite Welle setzte 2019 an. Zum Vergleich sind hier die niederländischen Zahlen dargestellt (orange). Da diese in etwa gleichauf liegen, verschreibt man in dem kleineren Land in etwa 4,5-mal so viele Stimulanzien pro Kopf. Datenquellen: Arzneiverordnungs-Report; Zorginstituut Nederland

Ich könnte wahrheitsgetreu schreiben, dass man auf der Abbildung für Deutschland einen 270-fachen Anstieg sieht. Das liegt aber schlicht daran, dass Ritalinkonsum & Co. in den 1990ern, meiner Zeit auf dem Gymnasium, einfach noch kein Thema war.

Es gibt hier interessante Kulturunterschiede: In den USA, wo führende Psychiater schon 1980 das Störungsbild ADHS einführten, setzte der Trend früher ein – weswegen die Weltgesundheitsorganisation schon in den 1990ern warnte, zumal es um Medikamentenverschreibungen für Kinder ging. In Deutschland war man zögerlicher und legte man schließlich fest, dass die Stimulanzien, jedenfalls bei Minderjährigen, nicht mehr die erste Behandlungsmöglichkeit sein sollen. Die Leitlinie ist übrigens seit 2022 ausgelaufen und die neue Fassung wird mit Spannung erwartet.

In den Niederlanden sah man es pragmatisch und verteilten Ärzte, auch wegen der langen Wartelisten, pro Kopf sogar noch mehr von den Mitteln als in den USA. In Dänemark war man aber vorsichtiger als in Deutschland (Bachmann et al., 2017). Und im Vereinigten Königreich ließ man die Finger fast ganz von den Stimulanzien, weil diese als (angeblich) gefährliche Drogen verboten sind. Letzteres gilt freilich für alle genannten Länder, wo man das aber offenbar nicht so streng sieht wie auf der anderen Seite der Nordsee.

Wie es einem gefällt

Ich habe keine Glaskugel und kann den Leserinnen und Lesern auch nicht die eine wahre Antwort anbieten. Aber es ist schon auffällig, dass die Psychiaterinnen und Psychiater, die diese Substanzen vor allem verschreiben und damit Geld verdienen, die sozialen Deutungen ausklammern. Seit Jahrzehnten – ich habe es selbst miterlebt – reagieren sie auf jeden Anstieg immer nur mit der Behauptung, man diagnostiziere die Störungen nun besser.

Das führt mit Blick auf die (staatlich regulierte) Produktion der Stimulanzien in den USA zu einer interessanten Frage.

In den USA hatte man Amphetamin (graue Balken) ab den 1970ern im „Krieg gegen Drogen“ erst dämonisiert. Deshalb verschrieb man noch in den 1990ern bei ADHS vor allem Methylphenidat (z.B. Ritalin; schwarze Balken). Den vorläufigen Höhepunkt bei der staatlich regulierten Produktion beider Substanzen (hier in Tonnen dargestellt) gab es 2014. Datenquellen: US Drug Enforcement Agency; Federal Register

Ich habe diese Zahlen schon in den 2010er-Jahren in Artikel und Vorträgen gezeigt. Immer hieß es aus der Pro-ADHS-Ecke: „Ja, wir diagnostizieren eben besser.“ Ein Beweis wurde hierfür übrigens nie erbracht. Der dreizehnfache Anstieg von Mitte der 1990er- bis Mitte der 2010er-Jahre würde demnach bedeuten, dass man dann dreizehnmal besser diagnostizierte? Und die Abnahme von 2014 bis 2023, dass man dann 40 Prozent schlechter diagnostizierte? Man kann sich die Zahlen so zurechtlegen, wie es einem gefällt.

Überlappungen

Ich möchte hier noch einen alternativen Gedankengang vorschlagen: Wie ich im ersten Teil schrieb, gibt es weder für ADHS, noch für die anderen psychologisch-psychiatrischen Störungen einen Blut-, Gen- oder Gehirntest. Damit sind die Störungsbilder, über die Fachleute mit ihren eigenen Interessen alle Jahre wieder neu am Konferenztisch verhandeln, für finanzielle, Marketing- und Medieninteressen besonders anfällig. Hätte man die von den Psychiatern seit über 200 Jahren versprochenen objektiven Tests, könnte man die Diagnosen gar nicht so multiplizieren, wie wir es seit Jahrzehnten sehen.

ADHS ist laut den DSM-Kriterien eine so komplexe Kategorie, dass man aus den offiziellen Symptomen satte 116.220 gültige Varianten erzeugen kann (Schleim, 2022). Zu dieser Vielfalt kommen die schwammigen Grenzen zu anderen Störungsbildern. Fachleute nennen das „Komorbidität“ (co = Zusammen, morbus = Krankheit). Bei ADHS sind das insbesondere Autismusspektrum-, Entwicklungs-, Lern-, Substanzkonsum-, Zwangs-, Angst- und depressive Störungen (Drechsler et al., 2020). Allein mit den letzten beiden gibt es laut Studien in bis zu 45 Prozent der Fälle Überlappungen.

Daher wage ich hier einmal eine Alternativhypothese: Nach gut 30 Jahren Burn-out- und Depressions-Epidemie (Schleim, 2026) sind jetzt gerade ADHS-Diagnosen im Trend. Gemein sind diesen Störungsbildern die fehlende Konzentration und Motivation, die Antriebslosigkeit. Ja, wenn man sich langweilt oder die Energie verschwindet, reagieren manche abgelenkt und träumerisch, andere impulsiv und hyperaktiv.

Inzwischen leben wir in einer Welt, in der kontinuierlich nicht nur E-Mails, sondern auch Chatnachrichten auf uns einprasseln. Auf (a)sozialen Medien warten endlose Bildchen oder Videos, die sowohl von ihren Machern als auch den Algorithmen darauf optimiert wurden, unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Dazu kommen Online-Glücksspiel, -Games und -Pornografie. Das ist für unser Belohnungssystem alles so viel interessanter als eintönige Schul- oder Bildschirmarbeit und oft nur einen Klick oder Wisch weit entfernt.

Psycho-Aktiv

Und nun erinnern wir uns noch einmal an die Medikamentenverschreibungen: Was für ein Zufall, dass Amphetamin und Methylphenidat vor allem auf das Noradrenalin- und Dopamin-System im Gehirn wirken, was sich psychoaktiv in mehr erfahrener Energie, Motivation und Interesse sowie (bei Müdigkeit) mehr Wachheit äußert – auch und gerade bei langweiligen Aufgaben.

Was für ein Zufall, dass diese Mittel in den 1950ern und 1960ern beliebte „Antidepressiva“ waren und seit den 1930ern vom Militär für die Truppenmoral und das Durchhaltevermögen eingesetzt werden. Und was für ein Zufall, dass sie als Gehirndoping-Mittel vor allem von schlechteren Studierenden und in Situationen mit höherem Konkurrenzdruck eingesetzt werden (Schleim, 2023, Kap. 3).

Aber ja, unsere Psychiaterinnen und Psychiater diagnostizieren eben immer besser. Gott sei Dank! Oder verraten die Diagnosen und Wirkungen der psychoaktiven Substanzen vielleicht doch etwas über die Art von Gesellschaft, in der wir inzwischen leben?

Individuum und Gesellschaft

Aus Sicht der oben dargestellten biologischen Psychiatrie werden hier immer besser Gehirnstörungen identifiziert. Für diese gibt es aber komischerweise keine Gehirn-Tests. Stattdessen werden die vagen und sowohl mit anderen Störungsbildern als auch der Normalität überlappenden diagnostischen Kriterien im Gespräch und mit Fragebögen festgestellt. Zur Unterstützung verwendet man vielleicht noch ein Computerprogramm.

Ziel ist dann die richtige medikamentöse Einstellung, damit die Person ihren Alltag besser bewältigt. Dabei belegt die auch auf tagesschau.de zitierte neue Meta-Analyse dafür nur eine kurzfristige Linderung der ADHS-Symptome. Die Lebensqualität der Betroffenen stieg nicht messbar (Ostinelli et al., 2025).

Die von mir vertretene, eher gesellschaftliche Sicht redet die individuellen Probleme nicht klein, sondern bezieht sie auf die psychosoziale Realität vieler Menschen. Grundvoraussetzung für die Diagnose einer psychologisch-psychiatrischen Störung ist immer das individuelle Leiden und die Einschränkung im Alltagsleben. Diese hängen aber nicht nur vom Einzelnen ab, sondern auch von dessen Umgebung.

Dann verraten uns die Störungsbilder und auch der Konsum von Psychopharmaka – zumindest manchmal – etwas über den Zustand der Gesellschaft. Gerade bei großen Veränderungen in kurzer Zeit sollte man aufhorchen: Die Pandemie war für viele ein großes Stressereignis, dazu kamen die stark steigenden Lebenserhaltungskosten sowie Kriege und Krisen. Eine gemeinsame gesellschaftliche Auszeit zur Verarbeitung des Erlebten gab es nicht, sondern einen großen Druck aufs „Weiter so!“

Dass unter solchen Umständen mehr Menschen an die Grenzen ihrer Konzentration stoßen, ihnen Energie fehlt und die Motivation für die Arbeit oder andere Alltagsdinge nachlässt, überrascht mich als Kognitionswissenschaftler jedenfalls nicht. Aus gesellschaftlicher Sicht könnte man etwas an den strukturellen Ursachen in der Umgebung ändern, unter denen viele Menschen leiden.

Aus dem heute vorherrschenden medizinischen Blickwinkel werden die Probleme vor allem individualisiert. Davon profitieren erst einmal diejenigen, die diese individuellen Therapien anbieten – und behaupten, dass es individuelle biologische Probleme sind.

 

Literatur

 

  • Bachmann, C. J., Wijlaars, L. P., Kalverdijk, L. J., Burcu, M., Glaeske, G., Schuiling-Veninga, C. C., … & Zito, J. M. (2017). Trends in ADHD medication use in children and adolescents in five western countries, 2005–2012. European Neuropsychopharmacology, 27(5), 484-493.
  • Drechsler, R., Brem, S., Brandeis, D., Grünblatt, E., Berger, G., & Walitza, S. (2020). ADHD: Current concepts and treatments in children and adolescents. Neuropediatrics, 51(05), 315-335.
  • Ivanova, M, Holstiege, J, Akmatov, M. K., Müller, D., & Kohring, C. (2025). The incidence of AD(H)D spectrum disorders in adults: An analysis of nationwide claims data of the statutory health insurance system in Germany, 2015–2024. Dtsch Arztebl Int, 122, 697–8.
  • Ostinelli, E. G., Schulze, M., Zangani, C., Farhat, L. C., Tomlinson, A., Del Giovane, C., … & Cortese, S. (2025). Comparative efficacy and acceptability of pharmacological, psychological, and neurostimulatory interventions for ADHD in adults: a systematic review and component network meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 12(1), 32-43.
  • Schleim, S. (2022). Why mental disorders are brain disorders. And why they are not: ADHD and the challenges of heterogeneity and reification. Psychiatry 13:943049.
  • Schleim, S. (2023). Mental Health and Enhancement: Substance Use and Its Social Implications. Cham: Palgrave Macmillan.
  • Schleim, S. (2026). Perspektiven aus der Depressions-Epidemie. Was Depressionen sind und wie man sie behandelt. Hamburg: BoD.
  • Thom, J., Jonas, B., Reitzle, L., Mauz, E., Hölling, H., & Schulz, M. (2024). Trends in the diagnostic prevalence of mental disorders, 2012–2022—using nationwide outpatient claims data for mental health surveillance. Dtsch Arztebl Int, 121, 355–62
Stephan Schleim

Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Sein Schwerpunkt liegt in der Erforschung von Wissenschaftsproduktion und –kommunikation. Schleim ist Autor mehrerer Bücher zu Neurowissenschaften, Psychologie und Philosophie.
Bild: Elsbeth Hoekstra
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86 Kommentare

  1. Welche Droge wäre denn jetzt die richtige?
    Kann doch gar nicht sein, dass es da nichts gibt, was man sich da rein ziehen könnte? Vielleicht mal den Drogenberater des Vertrauens wechseln und dann weiter sehen.

    1. Bei ADHS sind es neben einer Therapie: Ritalin, Amphetamine, Koks.

      Das auch eher intelligente Süchtige das für sich nutzen finde ich völlig in Ordnung. Besser so, als wenn sie Oma und Opa killen um an die Kohle für das Zeug zu kommen. Entzugstherapien sind selten erfolgreich. Kunststück: Die Droge vermittelt das Glück, was ihnen enteilt ist. Wenn sich der Rest des Lebens nicht mit zum Positiven ändert, bleibt nur die Droge übrig.

  2. Bei den Ursachen muss man auch auf die Ernährung schauen, massenhafter „Genuss“ von Süßgetränken, Süßigkeiten und hochprozessierten „Lebens“mitteln, womit die Kinder praktisch schon im Mutterleib gefüttert werden, haben eben auch Auswirkungen auf das Mikrobiom, das, wie wir wissen engstens mit unserem Hirn verbunden ist und natürlich so auch die Psyche beeinflusst.
    https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-ADHS-Besserung-durch-oligoantigene-Diaet-,adhs158.html

    1. „Genuss von Süßgetränken, Süßigkeiten etc. schon im Mutterleib“. Also die grüne Klientel scheidet da schon mal aus, weil in diesen Kreisen ja eine „gesunde Ernährung“ mittels Müsli, Grünfutter, laktosefreier Milch, wenig Fleisch, eine wichtige Rolle spielt. Mir ist allerdings nicht bekannt, dass die Nachzucht dieser Leute weniger ADHS- anfällig wäre. Der Grund dürfte wohl woanders liegen. Vermutlich hat es schlicht und einfach auch mit Erziehung zu tun.

    2. Wenn man dauernd zuckerhaltige koffeinhaltige Energsdrinks trinkt und zuckerige leicht verfügbare Energie isst, muss die Energie irgendwohin und man ist aufgekratzt. Das ist auf jeden Fall ein Faktor.

  3. ADHS ist eine Modediagnose.
    Die Zeiten sind hektisch, die Einflüsse vielfältig und schnell sowie parallel.
    Smartphones, soziale Netze und auch die ständigen Unterbrechungen im beruflichen Alltag verlangen ein gewisses Multitasking.
    Es ist super leicht, sich darin zu verzetteln. Den allermeisten ist sicher mit ein paar Achtsamkeit und Konzentrationsübungen, um den eigenen Fokus wieder herzustellen mehr geholfen, als wenn man sie pathologisiert.

    1. Außerdem sollten wir berücksichtigen, daß jede Abweichung von einem immer exklusiveren „Normal“ als Krankheit eingestuft wird. Und anstelle froh darüber zu sein, als „nicht normal“ zu gelten, lassen sich viele tatsächlich einreden, krank zu sein.

    2. Ein Arzt oder Psychotherapeut kann ja auch Meditation verordnen und andere Maßnahmen sich zu fnden. Es müssen nicht die bunten Pillen sein. Aber diese will eine Milliardenindustrie verkaufen für ihren Profit, und bewirbt diese natürlich auf alle möglichen Arten bis in die Praxen hinein.

  4. Solange die „Medizin“ zusammen mit der Militärtechnik die größte Cash-Cow und somit das effizienteste Machtinstrument ist, wird sich die „Verkrankung“ der Gesellschaft weiterhin beschleunigen.
    „SMART new world meets capitalism“ eben.
    SMART hier als Akronym für „Self Monitoring Analysis Reporting Technology“.

      1. Klar, im Prinzip ein alter Hut.
        Allerdings ist die aktuelle Dynamik aufgrund des technischen „Fortschrittes“ etwas noch nie dagewesenes.
        Es war noch nie so leicht, die Massen in Panik zu versetzen wie heute, und sie somit dazu zu bringen, auch die totalitärsten „Schutzmaßnahmen“ dankbar anzunehmen.
        „Full spectrum dominance“ eben, siehe hierzu zB die „Joint Vision 2020“ des Pentagon aus dem Jahr 2000.
        Der dbzgl Wikipedia- Eintrag ist erhellend nichtssagend.
        Denn wenn man sich dieses Dokument durchliest, geht es hier mitnichten nur um das klassische militärische Schlachtfeld, sondern um ALLES was uns umgibt, beinhaltet und innewohnt.
        High-Tech, Pharma-/ Lebensmittelindustrie und Biotechnologie sind hierbei willfährige Erfüllungsgehilfen.
        Totale Sicherheit durch totale Abhängigkeit = totale Kontrolle = totaler Frieden
        Hallelujah……

    1. Thumb up für die Nennung eines phänomenologischen Bestandteils (Assimilation mittels Selbstoptimierung), den Stephan Schleim merkwürdigerweise „vergessen“ hat – vergessen deshalb, weil nicht nur die Kriterien seiner Zunft, auch seine hier vorgestellte Betrachtungsweise geboten hätte, ihn anders zu berücksichtigen, als er es getan hat.

      Denn getan hat er es: Drogensüchtig sei das Volk, paraphrasiere ich mal polemisch.

      … verraten die Diagnosen und Wirkungen der psychoaktiven Substanzen vielleicht doch etwas über die Art von Gesellschaft, in der wir inzwischen leben?

      Und zu den Drogen zählt er definitiv:

      Auf (a)sozialen Medien warten endlose Bildchen oder Videos, … darauf optimiert…, unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Dazu kommen Online-Glücksspiel, -Games und -Pornografie.

      Was einen Übergang für professionelle Deklinationen einer Schuldfrage liefert, beispielsweise so:

      Was für ein Zufall, dass diese Mittel in den 1950ern und 1960ern beliebte „Antidepressiva“ waren und seit den 1930ern vom Militär für die Truppenmoral und das Durchhaltevermögen eingesetzt werden.

      .
      Das ist gewisslich lieb gemeint, „nature vs. nurture“ – Debatten sind von der Mehrheit der Teilnehmer lieb gemeint, aber ihr Gegenstand ist, und bleibt, der verwaltete Bürger, dies eigentümlich professionelle Trumm, das Staat und Volk begrifflich amalgamiert, weil Staatsdienst darin als „Dienst am Volk“, und „Dienst am Volk“ ALS Staatsdienst gefasst ist und bleibt.
      Allerdings verengt Stephan diese Betrachtungsweise in seinem Überblicksartikel, geleitet vom benutzten Datenmaterial, auf die eines Beamten, und deshalb wohl hat er Deinen Punkt, Ragnar, hier „vergessen“.
      Obwohl seine Übergänge zur Kulturkritik nahe gelegt hätten, ihn zu berücksichtigen.

      1. @Qana
        Die Phänomenologie des „Staates“ betrachte ich genauso wie Nietzsche schon in seinem „Vom neuen Götzen“.
        Und dass ein Profiteur des Geld- und Staatsystems, was letztendlich nur zwei Seiten ein- und derselben Medaille darstellt, dasselbe niemals radikal kritisiert kann, erklärt wohl der Begriff der Kognitven Dissinanz am besten.
        „Pecunia non olet“ und „Pecunia imperat mundum“ eben

  5. Herr Schleim kann das aufgrund seiner Erfahrung sicher gut einschätzen und
    ich neige auch dazu die Quelle der Probleme eher in der heutigen (und auch
    früheren) Gesellschaft zu sehen.

    Wie Herr Schleim aber auch feststellt ist der individuelle Leidensdruck bei vielen
    Menschen aber sehr hoch. Um eine Entlastung bekommen zu können sind diese
    aktuelle leider darauf angewiesen eine der genannten Diagnosen zu bekommen.
    Anderenfalls gelten sie einfach als arbeitsscheu, faul oder Schmarotzer.

    Solange wir also keine ernsthafte gesellschaftliche Veränderung bei dem Umgang
    mit Menschen die einfach so nicht mehr weiter können finden muß ich leider
    feststellen das diese Diagnosen als letzter Notnagel für diese Menschen unerläßlich
    sind.

    Wie gesagt leiden viele dieser Menschen schon sehr unter ihrer Unfähigkeit
    den an Sie herangetragenen Anforderungen gerecht zu werden. Man sollte vielleicht
    mal darüber nachdenken was es über eine Gesellschaft aussagt, wenn das schlucken
    einer potentiell mittelfristig nicht unbedenklichen Substanz um zu funktionieren eher
    anerkannt wird als der Zustand eines Menschen der an die Grenze seiner Belastbarkeit
    gekommen ist.

    Schöne neue Welt.

    1. „Herr Schleim kann das aufgrund seiner Erfahrung ..“
      Sollte er nicht an AD(H)S leiden, sind’s keine Erfahrungen, sondern mehr oder weniger (Rück)Schlüsse.

      „…ist der individuelle Leidensdruck bei vielen Menschen aber sehr hoch..“
      Es gab und gibt Menschen, die Symptome von „ADHS“ aufweisen. Denen sollte/kann geholfen werden.
      ABER die heutige „Überforderung“ Vieler basiert gewiss nicht auf einem originären Krankheitsbild, sondern der falschen, aber FREI gewählten Priorisierung für 24/7-Beschallung/Hirnverflüssigung durch permanente Onlineexzesse bzw. die Vermittlung derselben an den Nachwuchs – nach dem Motto: wir sind gute Vorbilder, was uns „nicht“ schadet, kann also nur gut für kleine Köpfe sein.

      Ganz zu schweigen von der mangelnden Förderung des eigenen Nachwuchses ab Kleinkindalter in so unendlich wichtigen Dingen wie Denken, Sprache, Motorik, Kreativität, Wertesystemen, Ernährung, sozialer Kompetenz usw., weil kostet halt Zeit – Tendenz steigend/sinkend.
      Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel!

      „Solange wir also keine ernsthafte gesellschaftliche Veränderung…“
      Genau dies ist die Quadratur-des-Kreises-Krux.
      Gesellschaft, deren innere Wertigkeit, und der Umgang innerhalb derselben wird durch deren INDIVIDUEN bestimmt und beginnt bei JEDEM Einzelnen; Tag für Tag. Und da sieht’s bereits seit langem (weit vor Erscheinen ‚Coronas‘) zappenduster aus!

      1. „Sollte er nicht an AD(H)S leiden, sind’s keine Erfahrungen, sondern mehr oder weniger (Rück)Schlüsse.“

        Sie setzen voraus, es gebe so etwas wie eine spezifische ADHS-Erfahrung. (Bei übrigens 116.220 ADHS-Varianten laut DSM-5-Kriterien.) Das bezweifle ich.

        Aber wäre ich zehn Jahre später geboren, dann hätte ich die Diagnose vielleicht bekommen. Das fing in Deutschland in den 1990ern ja erst langsam so an.

    2. „Um eine Entlastung bekommen zu können sind diese aktuelle leider darauf angewiesen eine der genannten Diagnosen zu bekommen.“

      Ja, oder besser: Schöne neue individualisierte und neoliberalisierte Welt.

      Wenn die individuelle Verantwortlichkeit bzw. der Leistungsdruck zu viel wird und man geht deswegen zum Arzt, dann individualisiert der das Problem in der Regel zwar auch – aber so einer medizinisch daherkommenden Diagnose haftet diese Aura der Entschuldigung an.

      Wobei die Rechnung nicht ganz aufgeht und man dann über Stigmatisierung klagt.

  6. Eine der Ursachen sind die LEBENSMITTEL-PHOSPHATE.

    Sie kommen hauptsächlich in Verarbeiteten Lebensmitteln vor – Als Emulgator, Konservierungsstoff et. al. …

    iIm Gegensatz zu natürlichen bzw. gebundenen Phosphaten, mit denen der Körper klarkommt – handelt es sich um FREIE PHOSPHATE.

    Enthalten in Limos wie RedBull, Monster, Bacardi-Cola – aber auch Beefy und Marmeladen.

    Nachgewiesen sind erst mal die Erhöhung des Pulses, was darauf folgend erst zu Gereitztheit und anschließend Mattigkeit führt.

    Wenn man also nicht ausgewachsenen Körpern solche Energiebomben zuführt, darf man sich nicht wundern, wenn deren Antrieb erst abnormal hoch – und dann abweisend wird.

    Ritalin und Lebensmittelphosphate sind also komplimentäre Güter – und wollen ein gesundes Wachstum.

    Zur Freude der Anleger…

    Muß man mal darüber nachdenken, wenn wieder ETFs beworben werden… 😉

    Entsprechende Diäten haben die Symptome meist gemildert oder beendet.

    Einfach googln – die Ärtzte haben sich reichlich dazu geäußert…

    “ ADHS LEBENSMITTELPHOSPHATE “

    Ich selber habe es vor 30 Jahren aus den Diskussionen zwischen Ärzten und Kriminalisten erfahren. Damals war das noch strittig. In jüngerer Zeit wurden aber signifikante Zusammenhänge nachgewiesen – und weitere Untersuchungen gefordert…

    Die billigsten Lebensmittel sind nicht unbedingt die besten.

    Wir haben ein 2-Klassen-Futter, um es mal ökonomisch auszudrücken… 😉

    Daher der Versuch es genetisch oder soziologisch (wie im vorausgegangenen Artikel…) zu interpretieren…

    Letztlich Marketing, da wir hier den Ankereffekt bzw. das Framing sehen…

    1. In Red Bull ist keine Phosphorsäure. Vorher mal kurz recherchieren statt eigenes Unwissen zu blubbern.

      Die Phosphorsäure wird in Colas zugegeben um das Zuckerwasser überhaupt genießbar zu machen. So eine gesättigte Zuckerlösung ist eigentlich ganz schön ekelig. . Der ganze Zucker und das Koffein regt den Körper an mit den entsprechenden Folgen. Phosphorsalze gibt man in vielen Würsten und ähnlichem zum Wasser binden zu (Bi-Fi zum Beispiel).

      Ansonsten komplexiert Phosphat ganz wunderbar Calcium und Magnesium und baut so die Knochen ab und verhindert auch die Aufnahme im Darm weil man es einfach wieder ausscheidet.

  7. Abgesehen von „Studierenden“ Studenten, die in der Mensa zu Essende, bei Vorlesungen zu Hörende und später zu Psychologierende werden, ein sehr guter Artikel.

    Ein im Zusammenhang mit ADHS wichtiger Punkt könnte eine stärkere Betrachtung verdienen: Der Hauptinhaltsstoff des verschreibungspflichtigen Ritalins ist der amphetaminartige Wirkstoff Methylphenidat. Die synthetische Droge Amphetamin gehört zur Gruppe der Stimulanzien, zu denen unter anderem auch Methamphetamin oder Kokain zu zählen sind (Speed, Pep).

    Besteht also die Gefahr, dass die Arznei die Kinder später drogenabhängig macht?

    Nicht unwesentlich ist es darauf hinzuweisen, dass die verschreibungspflichtigen Medikamente nur die Symptome mindern, nicht die Ursache(n) von ADHS.

    Zudem hat sich mein verschwörungstheoretisches Nebenhirn gemeldet und verweist auf die Opioidkrise in den USA. Panzerschokolade für alle sozusagen.

    /

    Opiate – sind Substanzen aus dem Milchsaft des Schlafmohns, insbesondere Morphin und Codein.

    Opioide – fassen alle morphinartig wirkenden Substanzen zusammen, darunter fallen auch die Opiate.

    https://www.betanet.de/opiate-und-opioide.html

    /

    Ritalin (Drogenkexikon drugcom/de

    /

    @Drogenexperten, -enthusiasten und -berauschten: bitte keine Drogendiskussion, der Unterschied liegt hier zwischen Freiwilligkeit und verschreibungspflichtigen ‚Medikament‘.

    1. „Besteht also die Gefahr, dass die Arznei die Kinder später drogenabhängig macht?“

      Das dürfte auf eine Art Henne-Ei-Problem hinauslaufen:

      Wie Sie richtig anmerken, wirken Methylphenidat und Amphetamin ähnlich, Letzteres wohl etwas stärker, weswegen es ja „auf der Straße“ mehr genutzt wird. Wird das Amphetamin gegen ADHS verschrieben, dann nennen wir es „Medikament“, sonst eine „Droge“ – oder, wenn wir einer intellektuellen Elite glauben wollen, „Gehirndoping“.

      Die wichtige Frage wäre aber, was diese Leute machen, wenn sie kein MPH/AMPH verschrieben bekommen. Sich mit weniger zufrieden geben? Oder andere Mittel suchen? In diesem Sinne könnte man die MPH/AMPH-Verschreibung vom Psychiater auch als Substitutionstherapie ansehen. Und dann kriegen die Betroffenen immerhin Stimulanzien in Apothekenqualität und ohne Bonus für den Schwarzmarkt.

      1. In Anbetracht der „vielfältigen“ und „schwammigen“ ADHS-Diagnosen ist meines Erachtens die wichtige Frage die nach der Medikation aufgrund falscher Diagnose. Alle möglichen Symptome können oder werden unter ADHS zusammengefasst und bekommen dann kein (nebenwirkungsfreien) Hustensaft, sondern amphetaminartige Wirkstoffe.

        1. Bei mehr oder weniger allen psychologisch-psychiatrischen Störungen ist die Grenze zwischen „normal“ und „abnormal“ fließend, ja.

          Es sagt etwas über den Zustand unserer Gesellschaft aus, den Bereich von „normal“ immer enger zu definieren. Aber wir sind ja alle angeblich so „inklusiv“.

          Zu Ihrem Vergleich: Es gibt auch Hustensaft mit Codein, einem Opiat. Meines Wissens Apotheken-, aber nicht Rezeptpflichtig. Ich persönlich würde eher Amphetamin oder Methylphenidat nehmen als z.B. einen SSRI (sogenanntes Antidepressivum). Bisher kenne ich beides noch nicht aus eigener Erfahrung. Aber das soll jeder für sich selbst entscheiden.

  8. Es ist zutiefst bösartig, dass ausgerechnet diejenigen, die in der abartigen kranken kapitalistischen westlichen Welt nicht „funktionieren“ als krank und behandlungswürdig betrachtet werden.
    Ich denke es ist inzwischen bekannt, dass ich praktizierende Katholikin bin (wenn auch aus der woken und in den höheren Rängen nur noch materialistischen deutschen Amtskirche ausgetreten): Ich halte den Kapitalismus für ein Werk des Teufels. Der Kapitalismus ist das Gegenteil der Bergpredigt.
    Vom heiligen Augustinus stammt das Zitat: „Liebe und tu´was Du willst!“. Das ist für mich die Essenz des Christentums. Wer liebt, der beutet nicht aus, der diskriminiert nicht, der beleidigt nichtmal, der sorgt, der kümmert sich, der ist nicht egoistisch, sondern teilt.
    Der Kapitalismus ist das glatte Gegenteil. Damit will ich übrigens gar nicht den Sozialismus schönreden, der genauso auf reinem Materialismus aufbaut.
    Reiner Materialismus, der jede Spiritualität leugnet, der behauptet, der Mensch wäre das Maß aller Dinge und es gäbe nichts Größeres, ist schädlich. Die Verbrechen des Sozialismus stehen denen im Kapitalismus in nichts nach und wer glaubt, Hungersnöte unter Stalin und Mao wären verbrecherisch, aber Lebensmittelspekulation nicht, der will ja gar nicht objektiv sein.
    Ich bin überzeugt davon, dass sehr viele Menschen mit psychischer Erkrankung sich im Grunde nach Spiritualität sehnen, aber stattdessen von einem Psychiater und Psychologen zum Nächsten rennen, anstatt zu akzeptieren, dass wir kleinen Menschlein nichts sind ohne Gott und dass wir ihn nicht fürchten müssen, weil er ein liebender verzeihender großmütiger wunderbarer Gott ist, der uns übrigens auch die Freiheit lässt, ihn abzulehnen, was in meinen Augen der Beweis dafür ist, dass er eben ein „lieber Gott“ ist: Furcht könnte man erzwingen, Liebe nicht, die immer freiwillig.
    Ich kann nur jedem hier raten, in sich hineinzuhören und sich zu fragen, ob man in seinem Leben bisher nie das Gefühl hatte, dass das noch etwas ist, was viel größer ist als man selbst und ob man noch nie diese göttliche Liebe im Herzen gespürt hat. Kein Mensch und das ist wörtlich gemeint, obwohl ich meinen Mann und Sohn weitaus mehr liebe als mich selbst, kann mir diesen tiefen Frieden im Herzen verschaffen wie ein Gebet, dass ich an den lieben Gott richte und auf das ich eine Antwort in Form eines Gefühls von Liebe bekomme, das mich vollkommen ausfüllt und mir für einen Moment jegliche Angst nimmt, weil ich in dem Moment WEISS und nicht mehr nur glaube!

        1. Nein, ich habe die Theodizee nicht entdeckt, sondern veranschaulicht.

          Nein, solange Leute ein barbarisches Monster als Liebe ausgeben, ist immer jemand zur Stelle.

      1. Seit Jahrtausenden wurden/werden Menschen auf „Glauben“ an dies oder jenes konditioniert.
        Besonders im ausgehenden 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts nahm/nimmt deren Zahl rapide zu, ohne in religiösem Kontext zu stehen.

        Aber eine Frage gäbe es schon:
        „Jede Kinderkrebsstation gibt beredt darüber Auskunft..“
        Wäre das Leben (bzw. ein vermeintlicher Gott) gerechter, wenn statt Kindern alle anderen leiden dürften, weil es ihnen aufgrund des Alters zusteht?
        Also: alles was älter als z.B. 27? ist (eigene Angehörige selbstverständlich ausgeschlossen), kann schon sterben; Hauptsache kein Kind!?

        Krankheiten treffen Kleine wie Große, Junge – Alte, Arme- Reiche, Intelligente – Dumme, Dünne – Dicke, Angenehme – Widerwärtige.
        Daraus (stellvertretend für MEHR) jedoch eine(n) Wert(igkeit) zu kreieren, ist zwar seit Langem üblich, aber bezüglich des Miteinanders und einer lebenswerten Zukunft schwerst bedenklich!

      2. Auch für Sie wieder, auch wenn ich mich wiederhole: Wie kommen Sie darauf, dass der Tod etwas Schlimmes ist, wenn man das ganze Bild – also auch über den Tod hinaus – betrachtet? Vielleicht ist ja das Leben die Hölle, aus der man durch den Glauben herausfinden muss? Weil manche Menschen irgendwann akzeptieren, dass alles, was wirklich wichtig ist, nicht in unserer Hand liegt und das AUCH GUT SO IST?
        Für einen gläubigen Christen ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang!
        Jesus ist am Kreuz für uns gestorben und er ist wiederauferstanden! Der Tod ist nicht das Ende und demzufolge auch nicht für die Kinder einer Kinderkrebsstation. Demzufolge ist Gott auch kein „barbarisches Monster“. Sie denken viel zu eng, aber das ist man von Atheisten ja leider gewöhnt, die lieber daran glauben, dass ein unendlich dichtes Irgendwas irgendwann explodiert ist (Frage: Woher kam die Materie des Urknalls? Die war einfach so da? Und wohin dehnt sich das Universum seither aus? Das sind alles Fragen, die IHR NICHT BEANTWORTEN KÖNNT! Mit einem Schöpfergott kann man das aber eben schon!)

        1. Danke für Ihre hier wiederholt ausgebreitete Ignoranz, aber es geht nicht um das ewige Leben, sondern um das Leiden der Menschen.

          Auch das gehört bei einem Katholiken dazu, aber das werden sie weiterhin in der Öffentlichkeit verschweigen. Auch Schmerz und Leid sind für einen Katholiken „gottgegeben“.

          Bettina-di-Monaco

          Vielleicht ist ja das Leben die Hölle, aus der man durch den Glauben herausfinden muss?

          Der Wesenskern des Katholizismus ist die Verachtung des Lebens.

      3. Ich interpretiere Ihre Wort aber ganz anders…
        Sie hat doch klar dahingehend sich geäußert , dass Liebe und Leben für eine Einheit stehen sollten..
        Da nun mit Darwin zu kommen als Argument , schon ein wenig schräg..
        Wenn bei Dir Gott ein Monster ist, was bitte muss dann die Evolution für Dich erst sein ? Denn Sie führt Gottes Pläne aus ..
        Und das schreibe ich als bekennender Atheist ..o)
        Übrigens Spiritualität muss nicht unbedingt für Gott stehen, aber schon für kleine Wunder die den Alltag der Menschen lebenswerter machen.
        Wenn Ich Religionen kritisiere, dann kritisiere ich damit nicht automatisch auch den Glaube der Menschen o(

        1. @Kd
          „Wenn bei Dir Gott ein Monster ist, was bitte muss dann die Evolution für Dich erst sein ? Denn Sie führt Gottes Pläne aus ..“

          Da hat sich aber ein gravierender Fehler eingeschlichen, denn es gibt nur ENTWEDER (Gott) ODER (Evolution/Darwinismus).

          In intellektuellen Zeiten(wenden) wie diesen liegt es zwar theoretisch im Bereich des Möglichen, dass die/der/das Evolution Gottes Erfüllungsgehilfe war – ist aber doch eher eine arg krude Annahme!

          Seit Jahrmillionen reguliert sich (dank Evolution) dieses Ökosystem selbst und perfekt. Erst seit einem tragischen „Laborunfall“ unterjocht, schädigt, terrorisiert das Experiment ‚Mensch‘ seine geliehene Lebensgrundlage und Angehörige der eigene Spezies. Das Ergebnis wird über kurz oder lang jedoch (r)evolutionär mit dem sang- und klanglosen Verschwinden der eigenen Existenz enden.

          Und zur anderen „Instanz“ möge hier van Gogh zitiert sein:
          „Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass man den lieben Gott nicht nach unserer Welt beurteilen darf, denn das ist eine Studie, die ihm misslungen ist. […]
          unsere Welt ist offenbar in Eile hingesudelt in einer jener schlechten Stunden, wo der Schaffende nicht mehr wusste, was er machte, oder den Kopf verloren hat. […]
          Nur Meister können sich derart täuschen, das ist vielleicht der beste Trost, denn man darf ja hoffen zu sehen, wie er mit derselben schöpferischen Hand die Scharte auswetzt.“

          Einen guten Start ins kommende Jahr.

        2. Kd

          Wenn bei Dir Gott ein Monster ist, was bitte muss dann die Evolution für Dich erst sein ?

          Ich habe keinen Begriff von ‚Gott‘, da er logisch unmöglich ist. Deshalb schrieb ich auch „was dein ‚Gott‘ ist: ein barbarisches Monster.“. Für mich ist ‚Gott‘ nichtexistent, es ‚existiert‘ nur unter philosophischen Aspekten.

          Die Evolution ist für mich ein Mechanismus, ähnlich dem, was ein Wasserfall dazu bringt, Wasser fallen zu lassen.

          1. @Dan
            Unsere Göttzen heißen v.d.L., Merz, Kiesewetter, Strack-Zimmermann, AFD, Profit, Krieg und Elend, uvm.!

            Es gibt keinen Gott der die „Menschheit“ erlösen wird,! Das können wir nur selbst mit einem Atomkrieg tun damit endlich Schuß mit der „Menschheit“ ist und der Planet sich vielleicht erholen kann.
            Der Planet wird dann von der „Menschheit“ befreit sein.

    1. „Ich denke es ist inzwischen bekannt, dass ich praktizierende Katholikin bin“
      Ja, ist es das? Mir war es nicht bekannt. Und jetzt, da ich es weiß, kann ich nur sagen, dass es mir schnuppe ist. Ich weiß nicht, woher SIE, die sich so gerne als demütige Katholikin ausgibt, diese Überheblichkeit nehmen zu glauben, dass Ihr Bekenntnis so bedeutend ist, dass es „inzwischen bekannt“ ist. Kam das in der Tagesschau? Stands in der Zeitung. Oder stands, wie Ina Deter sang, an jeder Wand: Bettina de Monaco ist praktizierende Katholikin? Und selbst wenns bekannt wäre, was dann? Was hätte das für eine Bedeutung für die Welt oder auch nur dieses Forum hier? Ihre Erkenntnisse, die SIE her zum besten geben, sind auf dem Niveau jener Kleinkinder, die beten: Ich bin klein, mein Herzchen ist rein. Darf niemand drin wohnen als Jesus allein. Grundgütiger: Man kann ja verwirrt und verblendet sein, aber muss man es so zur SChau stellen und dann noch als höhere Gabe oder gar Bewusstsein ausrufen. Bescheidenheit hat IHR Gott gefordert, also handeln SIE danach und hören Sie auf mit Ihren Bergpredigten.
      IHR Gott hat mir keine FReiheit gegeben, nicht einmal die, „ihn abzulehnen“. Die haben ich und Meinesgleichen uns selbst genommen und er konnte nichts dagegen machen.

      1. Regen Sie sich ab. Ich habe hier schon häufiger geschrieben und wollte mich nicht ständig wiederholen.
        Bei dem Benehmen und der Projektion, die Sie hier an den Tag legen, möchte ich übrigens nicht in Ihrer Haut stecken, denn viel(e) Freu(n)de in diesem Leben dürften Sie nicht haben (das danach ist für Sie vermutlich ohnehin nicht möglich, wenn kein Wunder geschieht): Aber selbst das wird ja in der Bergpredigt gesagt: Bei manchen Leuten ist Hopfen und Malz verloren, die sind wie Körner, die nicht wachsen, weil sie nicht in fruchtbaren Boden fallen, sondern verdorren und/oder von den Vögeln aufgepickt werden.
        Sie tun mir wirklich leid in Ihrer ganzen Verbitterung, aber ich kann Sie nicht daran hindern, Ihre Seele wegzuwerfen, aber ich kann nachvollziehen, dass auch ein barmherziger Gott keinen im Paradies dulden kann, der so destruktiv negativ und hedonistisch ist und der einfach nicht verstehen WILL.

        1. Springe doch nicht über jedes Stückchen das man Dir hinhält , passt nicht zu deiner Persönlichkeit ..o)
          Ich mag deine Art zu schreiben … und es tut Menschen gut wenn Sie Dinge lesen können in denen Ansichten sich mit Ihren decken. Solche Dinge geben kraft..
          Das ist das wirklich schöne an diesem Forum ..

        2. Auch wenn ich so einige Dinge so ganz anders sehe wie Sie, so kann ich Ihnen in Bezug auf Herrn R. dennoch nur den Rat geben (aber vielleicht wissen Sie das selber auch gut genug), dessen ‚Äußerungen‘ weitestgehend zu ignorieren.
          Es ist schon witzig, wenn besagter Herr von Überheblichkeit in Bezug auf Ihren Kommentar schwadroniert; seine Artikel und Kommentare aber selbst nur vor solcher so strotzen.
          Er gehört zu einer – leider mittlerweile recht häufig vorkommenden – Gruppe von selbstverliebten, -gefälligen und -bezogenen ‚Autoren‘, die offenbar meinen, jeglichen Respekt und jede Höflichkeit vermissen lassen zu können, weil sie ja vermeintlich ‚klare Kante‘ zeigen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr mich solche Schaumschläger anwidern.
          Und nein, Herr R., mich interessiert eine ‚Antwort‘ Ihrerseits nicht. Mal abgesehen davon, daß diese sowieso völlig vorhersehbar ist : wer nicht mal in der Lage ist, gegenüber Menschen, die er nicht kennt, auch nur einen Hauch von Respekt walten zu lassen und meint, diesen irgendeinen Blödsinn unterstellen oder anderweitig anranzen zu müssen, der interessiert mich einen…na, Sie wissen schon. Daß Selbstdarsteller schon etwas reichlich Erbärmliches haben, wissen Sie schon, oder ? Und was eine rhetorische Frage ist, auch ?

      2. Religion ist Opium für´s Volk! Punkt! …und Opium bringt im Greisenheim auch Omi und Opi um!
        Ich glaube nur, dass die Weihnachtsmänner uns in den Krieg schicken wollen.

    2. „Der Kapitalismus ist das Gegenteil der Bergpredigt.“
      Sagt die (kath.) Kirche in Sonntagsreden auch immer. Wirklich entschlossen gekämpft hat sie aber und tut sie heute noch gegen alles was nach Überwindung oder Abschaffung dieses Systems riecht. Wie z.B sozialistische Ideen usw.
      Und wieder, nie darauf achten was sie sagen, verkünden, nur darauf was sie tun, worauf sie ihre Energien ihre Leidenschaften richten.
      Und da ist für die kath. Kirch die Idee des Kommunismus, also die Überwindung von Knechtung, Ausbeutung und Armut ein Werk des Teufels das mit aller macht bekämpft werden muss. Nun, wenn das so ist, dann ist man als Humanist doch lieber Satanist…

    3. @Bettina-di-Monaco
      Vielem, von dem, was Sie schreiben, kann ich durchaus zustimmen. Der fehlenden Spiritualität in unserer jetzigen Zeit; daß es – gemäß Erich Fromm – kein Zeichen von Gesundheit ist, sich an eine kranke Gesellschaft anzupassen, uvm.
      Auch bin ich der Überzeugung, daß der Tod (interessanterweise liest man nur selten etwas über die eigene Geburt bzw. über das, was vielleicht davor gewesen sein mag oder überhaupt über Inkarnation) nicht das Ende ist und es sehr viel mehr in dieser Welt gibt als das, was uns so gerne von sogenannten ‚Rationalisten‘ (in vielerlei Hinsicht wohl eher Reduktionisten) vorgegeben wird.
      Womit ich allerdings nicht mal im Ansatz etwas anfangen kann, sind Aussagen wie „weil er ein liebender verzeihender großmütiger wunderbarer Gott ist“. Woran machen Sie das, bitteschön, fest ? Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie Ihr Leben aussieht. Aber zur Genüge, wie meins aussieht und auch noch das von einigen anderen. Und das spricht Ihrer Behauptung ausgesprochen Hohn.
      Was ist mit den Menschen, die aus purer Willkür und Bösartigkeit im KZ gelandet sind, jahrelang gedemütigt und z.T. gefoltert und schlußendlich ermordet worden sind ? Was ist mit Kindern, die mißbraucht worden sind und – wenn sie denn überlebt haben – ein Leben lang darunter leiden ? Was ist mit den zahllosen Menschen, die Zeit ihres Lebens weder wirklich ernst-, noch überhaupt wahrgenommen werden ? Mit denen viele meinen, umgehen zu können, wie sie gerade wollen ?
      Und was hat mir denn ein wie auch immer gearteter Gott zu ‚verzeihen‘ ? Sollte es nicht vielmehr häufig umgekehrt sein ? Warum muss dieses Leben und diese Welt so dermaßen häufig mit Leiden verbunden sein ? Welchen verfickten Sinn soll das machen ? Ich habe diese Welt nicht erschaffen und ich sehe auch nicht die pure Notwendigkeit, daß sie so ist, wie sie ist. Und merke immer wieder, daß – egal, was ich tue oder wie sehr ich mich bemühe – sich nichts, aber auch wirklich gar nichts ändert, geschweige denn verbessert. Also wer sollte hier wem ‚verzeihen‘ ?
      Und warum hält sich der Begriff vom „lieben Gott“ so hartnäckig ? Könnte es nicht auch einfach sein, daß dieser Gott – sofern man an ihn glaubt – schlicht alles beinhaltet, d.h. dann eben auch die zutiefst negativen und ‚bösen‘ Aspekte oder daß er in vielerlei Hinsicht auch einfach nur völlig gleichgültig ist ? Und er in allem zwar seine ausgesprochen kreative Ader auslebt, ihm die Konsequenzen aber letztlich scheißegal sind ?
      Egal, was hinter dieser Welt noch alles steckt, einem Gott unhinterfragt und v.a. nach den Erfahrungen der Geschichte grundsätzlich etwas Positives anzudichten, halte ich für ausgesprochen fragwürdig.

      1. Religioten kann man nicht verstehen, sie machen die Welt seit über 2000 Jahren kaputt!
        So lange es Religionen gibt. wird kein Frieden einkehren auf dieser Welt!

        1. Respekt, Differenzierung und Kreativität (v.a. im sprachlichen Bereich) sind nicht so Ihr Ding, oder ?
          Meine Güte, Beleidigungen und das ewig gleiche Blabla…entweder hat Ihr Algorithmus einen Sprung oder Sie sollten sich mal einem MRT des Schädels unterziehen. Mit dieser Form der Echolalie ist nicht zu spaßen…
          Oder haben Sie etwa wieder fahrlässig mit Sprengstoff und Eisenstangen hantiert ?

  9. Vollkommen klar: die diversen Impfungen sind schuld.
    Oder so.
    Die Phosphate habe ich auch eben gelesen…….

    Nun, den Hinweis des Autoren, dass sich aus Diagnose, Therapie und Medikation reichlich Gewinn erzielen lässt, zumal wenn es noch immer keine Verfahren gibt, die Störungen mit traditionellen naturwissenschaftlichen Mathoden nachzuweisen, erscheint mir bedenkenswerter.
    Auch, dass sich grundlegende Bedingungen, unter denen die Menschen in unseren Breiten existieren, rasant veränderten, scheint mir unbestreitbar. Die Wenigsten werden die als positiv erleben. Aber ich kann mir so eine lineare, monokausale Beschreibung irgendwie nicht zu eigen machen.
    Eine erfahrene Psychotherapeutin aus meinem Umfeld beschrieb mir das mal sehr einfach: Glück und Unglück verteilen sich im Leben der meisten Menschen ziemlich gleich – mit Ausschlägen nach oben und unten. Der Unterschied zwischen uns besteht im psychischen Handwerkszeug, das wir besitzen, um damit umzugehen und da ist etliches angebohren, in der Kindheit erworben, anerzogen und und im weiteren Leben in der Gesellschaft konditioniert worden. Ich möchte daraus jetzt keine eigenständige Theorie zu den Ursachen psychischer Erkrankungen ableiten. Dazu fehlen mir jegliche Voraussetzungen. Ich hatte bei einem früheren Text des Autoren schon mal berichtet, dass es da schon in den 70ern in DDR eine fachliche Kontroverse von Leuten gab, die wussten, worüber sie diskutierten. Aber man hat eben, wenn man sich diesen Gedanken zu eigen macht, nicht nur ein oder zwei Stellschrauben, an denen man einfach drehen muss und die Maschine läuft wieder wie geschmiert. Hier ein wenig Ritalin, 2O Stunden Gesprächstherapie mit Möglichkeit der einmaligen Verlängerung……….
    Die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft ist nicht aufzuheben, nicht wachsender Konkurrenzdruck auf der einen Seite, auf der anderen Seite eine Erziehung und Ausbildung fernab dessen, was im Leben auf die Kinder zukommen wird. Allgegenwärtiger Narzissmus und Entsolidarisierung und weiß der Teufel was noch alles.

    Vielleicht sind Drogen und Medikamente noch die realistische Möglichkeit, damit umzugehen und die Ärzte, die das massenweise verschreiben, sind sich dessen bewusst oder ahnen es zumindest.

  10. Gerade, die westlich orientierte Gesellschaft hat sich derart entfremdet, das mich überhaupt nicht wundert, das sich Verhaltensstörungen jedweder Art häufen.
    Und seit der Spritzung, hat sich das m.E. nochmal extrem gesteigert.
    Der Mensch lebt einfach nicht mehr Artgerecht.
    Die kognitive Dissonanz muss sich ja auch irgendwie im Verhalten des Erdlings Luft machen.
    Die Meisten merken schon, das nichts mehr stimmt, nur ist es ihnen nicht oft gar nicht bewußt und wenn, dann werden falsche Schlüsse daraus gezogen.
    Es geht hier natürlich auch um das Geschäftsmodell der Pharmafirmen um die Menschen dann wieder ruhig zu stellen…nichts weiter…
    Wie ich schon immer sage, krank machen und krank halten…und am Ende kriegen sie uns alle.

    Im Übrigen, so lange die Bedrohung anhält, wird es auch keine Heilung geben.

    1. „Gerade, die westlich orientierte Gesellschaft hat sich derart entfremdet, das mich überhaupt nicht wundert, das sich Verhaltensstörungen jedweder Art häufen.“

      ++

  11. Was im Artikel fehlt:
    ADHS ist eine durch US-Medien erfolgreich transportierte Störung und daher gut in der Bevölkerung angekommen,
    Es gibt mindestens ein Dutzend andere Krankheiten, die eben ähnliche Symptome aufweisen. Narzissmus, Hypersensibilität (HTS) und, und, und.
    Nun muss aber die ärztliche Leistung mit den Kankenkassen abgerechnet werden. Dafür braucht es eine schnele Diagnose und eine entsprechende Therapie und das Ganze muss auch noch dem Patienten schmecken.
    Ob es dann immer die Richtige ist?

    In der Psychologie war Deutschland mal führend. Das hat sich schnell geändert. Alles, was wir heute darüber zu wissen glauben, kommt von den Amis. Entsprechend schlecht sind andere Länder dabei aufgestellt. Für das Gros der Bevölkerung reicht allein das Wort psychologische Diagnose schon aus, um als Gummizelleninsasse abstempelt zu werden. Da alle modernen Gesellschaften auf absoluten Feindbildern basieren, eignet sich das natürlich auch hervorragend als Mittel zum Zweck. Es gibt nicht wenige, entsprechende Beschwerden über „unliebsame“ Kollegen („Hilfe, ein Konkurrent!“) beim Chef.

    Die Frage, die sich da weitaus eher stellt, bleibt doch: „Behandeln wir die Richtigen?“

    1. „Narzissmus,“

      Also da gehe ich nicht mehr mit.. Lieber 1000 ADHSler als einen echten Narzisten ..
      SIe sind die einzigen , die jeglichen Altruismus wertlos machen können ..

  12. Ja, ja, die Wissenschaft! Sie schafft zwar immer mehr Wissen, wie der Name schon sagt. Aber es gelingt ihr immer weniger, aus diesem Wissen Zusammenhänge zu schaffen. Sie ersäuft sozusagen in ihren Daten, Statistiken, Studien und Theorien. Doch auf welchen Grundlagen ruhen diese Theorien? Welche Erkenntnisse gelingt es zu vermitteln, mit denen Leser und Betroffene was anfangen können? An der Quellenliste des vorliegenden Artikels ist zu erkennen, dass sie sich weitgehend auf die Studien und Daten anderer Wissensschaffender stützen. Aber schaffen sie auch Erkenntnisse? Was sind die Rückschlüsse aus diesen Studien? Und wie verhalten sich diese zur Wirklichkeit?

    Als ich 1991 mein erstes Nachhilfe-Institut eröffnete, war ADHS noch kein Thema. Irgendwann kam die erste Mittelstandsmutter (alleinerziehend, wie es damals schon hieß, nicht mehr alleinstehend, wie man es früher nannte) und wollte Nachhilfe. Ihr Kind sei hochbegabt und könne deshalb dem Unterricht nicht folgen, weil es unterfordert sei. Sie hatte da etwas in der einschlägigen Literatur zum Thema Hochbegabung gelesen, kam selbst aus dem Fach. Trotz ihres Genpools, der ihr eine akademische Ausbildung ermöglicht hatte, brachte der Sprössling nicht die schulischen Ergebnisse, die sie angesichts der Voraussetzungen für erwartbar gehalten hatte. Es konnte also nicht an ihr selbst und den vererbten Genen liegen. In den folgenden Jahren kamen immer öfter Mütter, meist mit höherer Bildung, keine aus sogenannten bildungsfernen Kreisen, die ihre Kinder für hochbegabt hielten. Zunehmend änderte sich aber die Begründung: Dass sie dem Unterricht nicht mehr folgen konnten, war nicht mehr Ausdruck von Unterforderung, sondern ihre Unkonzentriertheit war vielmehr der Beweis für ihre außergewöhnliche Begabung.
    Damals nannte man dieses Phänomen noch ADS(Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom). Man erhob mit diesem Begriff eine Wahrnehmung zu einer Diagnose. Jeder nicht-medizinische Depp konnte feststellen, dass der besagte Sprössling nicht im Unterricht aufpasste. Aber erst der Begriff ADS machte aus dem früheren Zappelphilipp ein ernsthaftes Phänomen. Eine Erklärung für dieses Phänomen konnte man zwar nicht anbieten, aber man hatte einen Begriff. Dieser schuf nun für viele Eltern, aber zunehmend auch für die Kinder eine Entlastung: Die Eltern konnten sich trösten, dass es nicht an ihnen lag, dass der Sprössling ihre Erwartungen nicht erfüllte. ADS war so etwas wie eine Krankheit, ein Schicksal und unverschuldeter Fluch. Aber auch die Schüler waren schlauer geworden. Sie liebten den Begriff. ER galt als Entschuldigung für jede schlechte Klassenarbeit mit entsprechender Benotung. „Ich kann nichts dafür, ich habe ADS“. Auch jedes Fehlverhalten konnte damit wunderbar entschuldigt werden. Der Sprössling hatte halt ADS, war aber ansonsten hochbegabt, womit man sich bestens über die Defizite hinwegtäuschen konnte. Es war halt ein Gottesurteil. Was will man da machen. Später, mehr oder weniger schleichend und mit eher weniger als mehr Nachweisen wurde aus ADS dann der Begriff ADHS.
    Anfangs galten ADS-Kinder nicht nur als weniger aufmerksam sondern auch unterschiedlich unaufmerksam. Die einen wirbelten den Unterricht durcheinander, die anderen saßen ruhig und verträumt herum. Auch letzteres durfte natürlich nach dem Geschmack der Mittelstandseltern nicht sein. Die wollten Kinder mit überragender Intelligenz, die sich in entsprechenden Noten ausdrückten und womit sie sich vom (verachteten) Durchschnitt abhoben. Die sollten studieren, mit Examen und Titeln glänzen als Nachweis des eigenen (elterlichen) hervorragenden Genpools oder aber der eigenen außerordentlichen pädagogischen (elterlichen) Förderarbeit. Das Mittelstands-Kind war nicht mehr Kind. Es war ein Projekt, Nachweis eigener (elterlicher) pädagogischer Höchtsleistung und umsichtiger Förderung.
    Mit dieser Wahrnehmung unterschiedlicher Aufmerksamkeits-Defizite, der überaktiven und der eher depressiv-verträumten, kam auch eine neue „wissenschaftliche“ Begriffswelt daher. Es entstand der Begriff ADHS. Dieser stand für eine ganz kurze Zeit für die Verträumten, die mit dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hypo-Syndrom. Kinder mit diesem Syndrom waren aber eher unauffällig, weil weniger störend. Sie saßen ruhig in der Ecke und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Zunehmend störend, weil immer mehr, waren diejenigen, die mit ihrer Hyperaktivität ganze Klassenverbände durcheinander wirbelten. Ihnen wurde nun ADHS attestiert als Aufmerksamkeits-Defizit-Hyper-Syndrom. Das „H“ hatte ganz einfach die Bedeutung geändert, aus „hypo“ wurde „hyper“ und kaum jemand hatte es gemerkt. All das geht in manchen Wissenschaften. Zumal wenn sich solche Wissenschaften mehr auf Befindlichkeiten stützen als auf solide Grundlagen, eingeschlossen der entsprechenden Studien und Theorien. Aber erklären können sie trotz Umetikettierung immer noch nicht viel.

    Was aber sind die Grundlagen dieser Phänomene? Rückblickend betrachtet und auf Erfahrung gestützt konnte in den vergangenen 30 – 40 Jahren aus der eigenen Praxis folgendes beobachtet werden.
    Erstens war durch das Aufkommen des Internets Erfahrung (besonders die der alten weißen Männer) immer weniger wert. Ganz oben stand sogenannte Wissenschaft. Man nahm sich aus dem Netz die Erkenntnisse und Studien, die man selbst oder andere als wissenschaftlich akzeptierten oder das eigene Weltbild stützten bzw die eigenen Zweifel beseitigten. Hier soll keineswegs der Wert der Wissenschaft und wissenschaftlicher Erhebungen in Misskredit gezogen werden. Beide sind unabdingbar als statistische Grundlagen für Erkenntnisse, als Bewahrheitung von Annahmen. Aber man muss auch ein Werkzeug haben, mit dem diese Erhebungen zu sinnvollen Erkenntnissen verarbeitet werden, d.h man muss letztlich über ein Weltbild verfügen, das der Welt entspricht und nicht den eigenen Wünschen und Vorstellungen. Der beste Nagel taugt nichts, wenn man nicht weiß, was man mit ihm anstellen kann und wie man ihn in die Wand bekommt, d.h. wie er seine Aufgabe und seiner Bestimmung gerecht werden kann.
    Zweitens hatten sich die Ansichten und Umsetzung von Erziehung geändert. Der autoritäre Erziehungsstil der ersten Nachkriegsjahrzehnte war abgelegt worden. Das war gut so! Gleichzeitig aber war auch die elterliche Autorität und Verantwortung mit über Bord geworfen worden. Besonders sich für modern haltenden Familie, vornehmlich aus den NICHT bildungsfernen Kreisen, wollten die Freunde ihrer Kinder sein. Kinder aber wollen Eltern, die Eltern sind und Sicherheit geben. Freunde suchen sie sich selbst unter Gleichaltrigen und als Akt der Ablösung von den Eltern. Die eigene Freundeswahl ist einer der ersten Schritte der Loslösung von den Eltern. Eltern, die Freunde ihrer Kinder sein wollen, wollen gleichberechtigte Kinder haben. Das ist lobenswert, überfordert aber die Kinder. Denn viele Entscheidungen können Kinder in ihrer Tragweite noch nicht erfassen. Das ist Aufgabe der Eltern, auch auf die Gefahr hin, hefitge Konflikte mit den Kindern besonders in der Pubertät austragen zu müssen. Dieses Kollegiale Verhältnis von Eltern zu Kindern entspricht nicht den Gegebenheiten. Kinder haben andere Interessen als Eltern, auch wenn letztere es nicht wahrhaben wollen. Der Versuch der Kollegialität ist nichts anderes als die Angst vor dem Risiko, mit den eigenen Kindern in Konflikt zu geraten und am Ende Entscheidungen treffen zu müssen – gegen den Widerstand der Kinder, aber im Interesse der Kinder. Kein Kind wollte zu uns in die Nachhilfe kommen. Aber die meisten Eltern wussten, dass es nötig war, um das Schuljahr zu bestehen oder die Defizite zu beseitigen. Besonders die modernen Eltern wickelten dann oftmals ihre Kinder um den Finger, indem sie dann behaupteten, dass man das gemeinsam so besprochen habe. Letztlich hatten sie aber ihre Kinder nur so lange überredet und manipuliert, bis denen nichts mehr einfiel, was sie entgegnen konnten. Die Eltern hatten ein gutes Gewissen, denn sie hatten ja vorbildlich die Kinder mit in die Entscheidung einbezogen. Auch wenn diese letztlich gar nicht entschieden, denn die Eltern unterschrieben den vertrag und bezahlten die Leistung. Und die Kinder: Die hatten eine Stinkwut, die sich aber nicht nur gegen die Eltern richtete, sondern auch zum Teil gegen sich selbst, denn sie hatten ja mitentschieden – angeblich.
    Mit manchen Entscheidungen sind Kinder überfordert. Die Entscheidung Kindern zu überlassen, entlastet zwar das eigene Gewissen, pariert Schuldzuweisungen, lässt aber Kinder in einer Ungewissheit und Hilflosigkeit, der sie nicht gewachsen sind. Die Hyperaktivität ist Ausdruck dieser Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit. Die Kinder irren halt- und planlos umher. Sie suchen Grenzen, in deren Rahmen sie sich sicher bewegen können. Denn Grenzen geben auch einen geschützten Raum. Sie finden aber diese schützenden Grenzen nicht und stoßen immer wieder in die Watte moderner Erziehungsvorstellungen, die nichts Festes für sie haben. Aber gerade dieses elterliche Festigkeit brauchen sie, um eigene Identität zu entwickeln besonders und gerade im Konflikt mit den Eltern, in der Auseinandersetzung und Abarbeitung an den elterlichen Standpunkten.
    Da kommt man aber mit Statistiken und Schaubildern nicht weiter. Da muss man schon versuchen, das Problem analytisch anzugehen: Auf der Basis von materialistischem Denken, beruhend auf der Kenntnis der Gegebenheiten und den Bedingungen von Entwicklung, nicht auf der Basis von Studien und Theorien anderer, deren Grundlagen nicht erkennbar sind.
    Damit ich nicht missverstanden werde: Wissenschaft ist unabdingbar. Das SChaffen von Wissen ist Voraussetzung zum Verständnis der welt. Aber die Tausenden von bunten Mosaiksteinen des Wissens sind wenig wert, wenn man nicht in der Lage ist, aus diesen Tausenden von bunten Steinchen ein Bild zu schaffen, aus dem Erkenntnis entspringt, Will sagen: Der Betrachter des Mosaiks muss erkennen können, was damit dargestellt werden soll. Sonst nützt es niemandem. WEr aber ein Abbild erstellen will, der muss wissen, was er darstellen will. Es muss wissen, welche Wirklichkeit es darzustellen gilt. Es muss in der Lage und so ehrlich zu sich selbst sein, wie der Maler Korrekturen an seinem Bild vorzunehmen, wenn er sieht, dass es nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Vor allem aber muss er wissen, WIE man aus tausenden von Steinchen ein Bild herstellt. Welche Werkzeuge und Materialien, also welche Mittel braucht es, um etwas Brauchbares auf die Beine zu stellen, mit dem die anderen etwas anfangen können.

    1. Sehr schöner Beitrag.
      Kleine Ergänzung , tatsächlich aus einem Elternratgeber der DDR der früher 80er: Sie sind nicht die besten Freunde ihres Kindes, sie sind die Eltern und das ist etwas ganz anderes und viel mehr.

        1. Was war deiner Meinung nach falsch? Dass Eltern nicht mehr als erwachsene Erzieher agieren wollten und so ein Kumpelverhältnis anstrebten oder dass sie sich als Eltern verstehen?

      1. „Zunehmend störend, weil immer mehr, waren diejenigen, die mit ihrer Hyperaktivität ganze Klassenverbände durcheinander wirbelten. “

        O))))

        Und verfügten oft über eine Empathie auch, über den Durchschnitt ….
        Genau das aber wird nie erwähnt…
        Und damit ist nicht alles was Sie tun Ergebiss offener Impulsität ..

        1. Dass Kinder, die durch ihr Verhalten sowas wie Unterricht unmöglich machen, also ihr eigenes Ding auf Kosten aller anderen durchziehen, sich durch besondere Empathie auszeichnen, erscheint mir fraglich. Aber da mag ich nicht spekulieren, da ich nur mit eigenem Erleben und solchem aus meinem Umfeld argumentieren könnte, was von nur geringen Wert ist. Außerdem sind wir wieder an der Stelle, entscheiden zu müssen, wo eine Krankheit beginnt und simple schlechte Erziehung endet. Und auch, was in den beiden Artikeln ja diskutiert wird, wo die Ursachen der Krankheit oder auch nur der explodierenden Anzahl der Diagnosen liegen.
          Ich selber neige da zur „Kulturkritik“ und dazu, den „gesunden Menschenverstand“, der natürlich immer mein eigner ist, anzuwenden und bin mir der Schwäche dessen sehr bewusst, Ist ein Widerspruch, ich weiß.

        2. =reizüberflutung
          -schule-frontalunterricht hinterbänkler kannste zeichnen, wenn dich allzu arg thema+vortrag ggf auch diskussion interessiert….zeichnen garantiert 100% höraufmerksamkeit und „merksamkeit“ 😉

          -ausm bernhard-seminar fliegen, weil so arg begeistert, eingenommen , daß nur mit gespitztem bleistift+weißem, unbeschriebenen papier, zeichnen 100% aufsaugen drin……ob ich mich langweilen tät….ob ich dem bernhard nichts abgewinnen könnt….ob des dozenten nase mir nicht paßte….ob….?

          -dissoziieren als fähigkeit, als taugliche praxis in „all dem lärm“ (alle sinne) auf das, was zu tun ist (freiwillig oder unfreiwillig) fokussieren zu können….

          eben der nicht hyperaktive part , ads … 😉

          (+ ja, die medikamentenparadoxien…..isn absolut unterbelichtetes hauptproblem! ….)

        3. Wie oft? „Oft“ ist ein sehr dehnbarer Begriff, den jeder anders auslegen kann, so wie es gerade der eigenen Sichtweise passt.
          Wie misst man denn den Durchschnitt von Empathie? Gibt es dafür einen Messwert? Wie misst man generell Empathie, damit man dann die noch schwieriger Aussage über einen sogenannten Durchschnitt messen kann? Ist das private und persönliche Empfinden und Dafürhalten der Messwert?
          „Genau das aber wird nie erwähnt…“
          Vllt wird es nicht erwähnt, weil es nicht vorhanden ist. SChon mal versucht, der Sache so auf den Grund zu gehen. Ich kann Ihnen nur aus meiner langjähren ERfahrung sagen, dass diese Hyperaktiven gerade sehr wenig Empathie gegenüber ihren Mitschülern zeigten, die etwas lernen wollten. Für die standen nur sie selbst im Mittelpunkt. Das ist ihnen nicht unbedingt anzulasten. SChließlich hatten sie meistens mit sich selbst Probleme genug. Denn auch sie litten unter dieser inneren Unruhe. Aber als ERwachsener sollte man nicht noch zusätzlich – wie heute üblich – aus den Leiden und Nachteilen dieser Schüler eine Tugend machen. Man hilft ihnen nicht damit. Aber man selbst kann sich als verständnisvoll,, großmütig und vor allem denen überlegen fühlen, die diesen Missstand aufzeigen. Darum geht es ja im Grunde den Inklusionspredigern: Sich selbst als tolerant darstellen im Gegensatz zu den anderen, die die Nachteile der Inklusion für andere thematisieren.

          1. Ich war eine zeitlang mit einer Lehrerin verbunden, die mir von den Ergebnissen der Inklusion in Berlin täglich berichtete. Es ging nie darum, die Gesellschaft schöner und solidarischer zu machen, sondern darum Geld durch die Reduktion der Sonderschulpädagogik einzusparen und das mit Phrasen, Lügen und moralischem, eher moralisierendem Druck auf Kritiker zu begleiten. Was diese uneinsichtigen Ideologen den Kindern antun, ist nur schwer zu ertragen.
            Wie es generell früher um die Sonderschulpädagogik in beiden deutschen Staaten bestellt war, kann ich nicht sagen. Ich hatte nur Einblick in eine Berliner Schule, wo eine Verwandte Schuldirektorin war. Teilweise Klassenstärken von 8 Schülern, alle Kollegen hatten eine zusätzliche Ausbildung und die, die ich kennenlernte, waren außerordentlich engagiert und nein, messbar mehr Geld verdienten die nicht. Sie kannten die Krankheitsbilder ihrer Schüler und hatten Vorstellungen von deren Möglichkeiten. Ziel war es, allen geeigneten Kindern, eine Lehrstelle zu vermitteln, wenn sie die Schule verließen. Die materielle Ausstattung war bei uns eher mäßig. Die Eltern renovierten die Klassenräume. Wie es halt so war und bestimmt konnte man mit den Möglichkeiten der einstmals „reichen“ Bundesrepublik sehr viel mehr machen. Nur was sie gemacht haben, war die Kinder einfach zu verteilen und zu trompeten, wie sehr viel besser das sei.

    2. Die Diagnose stimmt sicherlich für einen bestimmten Teil der ADHsler. Tatsache ist: Eltern wollen heute eher Freunde ihrer Kinder sein. Ob Kinder Grenzen brauchen (irgendeiner veröffentlichte sogar ein Buch mit diesem Titel), steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht ist auch nur das Aufzuchtmodell Familie an seine Grenzen gekommen?
      Da können die Resultate dieses Konzeptes noch so schlecht sein, man hält trotzdem eisern daran fest. Was wird nicht alles erfunden, um dem Familienkonzept seine unbefleckte Aura zu verteidigen. Die Familie, die heilige, ist unantastbar!
      Das war auch einer der größten Fehler der DDR – da konnten Makarenko, Neill, so viel schreiben, wie sie wollten: Die Familie, die Familie, macht’s immer recht!

  13. Anzeige:

    ADHS?

    Der Verteidigungsminister empfiehlt: »FRONT!«™

    Mit »FRONT!«™ wird jede diffuse Aufmerksamkeitsstörung sofort zu echter Todesangst. Schluss mit »Online-Glücksspiel, -Games und -Pornografie«, das berauschende Gefühl existenzieller Lebendigkeit nach einem Artillerieangriff wischt alles fort.
    Mit »FRONT FORTE!«™ werden sogar Sie selbst weggewischt.

    »FRONT!«™ für die junge Frau: Als Blut wischende und eintütende Lazarett-Assistentin werden sie sich zwischen vollendeten Helden nie wieder fragen „bin ich sexy genug?“

    Und alles ohne Nebenwirkung, denn alles ist Vollwirkung.

    »FRONT!«™ entledigt Sie nicht nur vom Lebenssinn, es entledigt Sie vom Leben selbst!

    (Aus den Zwischenzeilen des Beipackzettels)

    Oder auch:

    „»FRONT!«™ – Der Krieg heilt* alle Neurosen!“
    * Vorausgesetzt Heilung und Beendigung werden synonym verwendet.

    scnr

      1. Das habe ich natürlich gelesen.
        Die Frage ist aber, ist das zulässig und ist das sinnvoll?

        Es gibt keine direkte Messung
        für Unaufmerksamkeit. Man ermittelt Unaufmerksamkeit über Eigenschaften, die bei Vorliegen als Nachweis dienen. Sie nennen da auch einige, z. B. „vergißt Sachen“, „hört nicht zu“. Beide Items stehen, wenn Sie bejaht werden für Unaufmerksamkeit der Testperson. Wenn Sie sie kombinieren, kommt auch nur Unaufmerksamkeit raus und nicht der x-te Subtyp.
        Deshalb auch mein Verweis auf die Testtheorie, da wird das erklärt.
        Prost Neujahr!

          1. Was haben Fremd- und Selbstgefährdung und die verlinkte Studie mit der Rechnung Herrn Schleims zu tun, die ich hier diskutiere?

      2. Aber nicht doch, Herr Schleim!
        Jeder ist schlauer als ein Gesetz und auch schlauer als die Mathematik.
        Denn die können nicht denken. 😉

  14. Medienzeitalter … Test am Computer, 800 Fragen zu beantworten..

    Früher konnte schon ein Gespräch mit einem echten Doc heilsam sein o(

    Nach der 3 Therapie musste ich erkennen , das wenn 2 nicht helfen, eine weiter eher für das Gegenteil von Heilung stehen kann ..
    ADS. ADHS, morgen dann noch ADHSC ….
    Wir wissen doch heute das Bakterien im Darm direkt mit den Hirn kommunizieren , das für Sex keine Liebe notwendig ist, und stetiger Bewegungsmangel den Menschlichen Körper verkümmern lässt ..
    Aber das ein Leben das subjektiv immer weniger noch planbar ist zu instabilen Persönlichkeit führen kann, Wissen dieser Art ist der Wissenschaft fremd … Schräg ..
    Meine Oma erklärte mir ADHS “ Das sind Eigenschaften die Früher bei den Menschen geschätzt waren, zb Kundschafter “ o))))

  15. Es ist ja nicht nur Ritalin, es sind Tonnen von Psychopharmaka, über Antidepressiva bis hin zu Schlafmitteln und versteckten psychoaktiv wirkenden Stoffen schon in Schnupfen- und Grippemitteln. Ganz abgesehen von Hirndoping für Studium und Beruf, kurz: zum besseren Erfolg und als Konkurrenzvorteil.

    Wir leben in einer chemisch programierten Gesellschaft die nicht mehr weit weg ist von einer Philip-K-Dick-Dystopie. oder Huxleys „brave new world“.

    Menschen, die an den kranken gesellschaftlichen Verhältnissen leiden, Erfolgsdruck, Konkurrenzdruck, Dauerstress, Schuldsyndrome, Existenzangst, Viren- und Kriegsangst, kognitive Dissonanzen, Widerspruch zwischen PR-Welt und Realität, Anspruch und Wirklichkeit, gesellschaftliche Spaltungen und gezielt eingeführte mentale Frontlinien sogar zwischen Familienmitgliedern, Eltern, Generationen, Geschlechter, müssen ruhig gestellt werden. Darum geht es.

    Nur mal so als Beispiel. Habe gestern dummerweise ein Weile den Münchner Tatort gesehen, Thema: Kindesmissbrauch „Wir kriegen euch alle“ oder so.

    Man mache sich das mal klar: ein Krimi ist eigentlich Unterhaltung, was sonst? Weder hat sich ein Krimi an eine Wahrheitspflicht zu halten, noch muss seine Geschichte, oder auch die Hintergründe der Geschichte irgend eine Realität abbilden. Das heißt, dort kann beliebig gelogen und herumphantasiert werden. Ganz perfide wird es, wenn ein reales Problem, zB Kindesmissbrauch, zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem aufgebauscht wird. Also aus dem kriminellen in den allgemeingesellschaftlichen Bereich verlagert wird. Als eine Art Normalität verkauft wird. Natürlich nur mit den besten Absichten der „Aufklärung“ und „Sensibilisierung“.

    Was solche weltverbessern-wollenden Gutmenschen-Regisseure wohl nicht wissen:

    es gibt auch Kindesmissbrauch-Verdächtigungs-Opfer!

    Ich habe es selbst an mir als Jugendlicher erlebt, wie eine besondere Situation als Kind mit meinem Vater mir irgendwann plötzlich, rückschauend, verdächtig vorkam. Dabei war da nichts als ein Vater, der sein durch Alptraum verängstigtes Kind beruhigt hat.

    Also, was will ich sagen: solche Sachen, als Unterhaltung, als Krimi daherkommende „Aufklärung“, „Hinweis auf gesellschaftlichen Missstand“, etc., die ohne jede Übersicht, ohne jede Verantwortung, ohne jede Rücksicht auf die Folgen daherkommt, können, ja müssen verunsichern. Und zwar nicht nur eventuelle Kindesmissbraucher!

    Und das ist heute überall der Fall. Wir werden Tatsächlich in die völlig Verunsicherung getrieben durch unverantwortliche Gut- oder Bessermenschen, die uns ständig unter die Nase reiben, dass wir in allem unter Beobachtung stehen, dass alles, was wir tun an der Grenze zum Verwerflichen liegt (heute ganz aktuell: Böllern!) – alles ist böse, am Rand des legalen und erlaubten, außer die Fresse zu halten, die Hände in den Schoß zu legen, sich zu schämen, dafür, dass wir überhaupt leben, und sich mit Medien und Medikamente zu sedieren.

    Das ist der Zustand unserer Gesellschaft heute. Es ist eine „Gesellschaft“ aus ständig unter Generalverdacht stehenden Menschen – und daher eine Ungesellschaft. Eine Gesellschaft die nicht aus Zusammenhalt sondern aus Einzelisolation besteht. Das ist die eigentliche Krankheit, gegen die keine Pillen helfen (um etwas zu verbessern, zu heilen).

    1. Treffend beschrieben.
      Nur leider sehe ich kein Herauskommen aus dieser Misere. Denn diese Entwicklung besteht ja nicht nur schon seit vielen Jahrzehnten, ein Großteil unserer sogenannten Gesellschaft lässt sich ja auch bereitwillig abstumpfen und jegliche Empathie abtrainieren. Zuhören, Nachfragen, Verständnis zeigen oder überhaupt reden ? Nö, lieber abblocken, was das Zeug hält. Und für eine ‚Gesellschaft‘, die sich so penetrant und unnachgiebig unachtsam, seelen- und gefühllos verhält, habe ich mittlerweile kein Verständnis mehr. Auf mich wirkt ein nicht unerheblicher Teil der Menschen nur noch wie leere Hüllen.

      1. „leider sehe ich kein Herauskommen aus dieser Misere. “

        An dem Punkt taucht dann die Frage auf: ist das irgendwie „gottgegeben“, natürlich, einer Hegelschen Dialektik zwangsweise folgend, der Entwicklungsdynamik menschlicher Gesellschaft geschuldet –

        – oder ist das geplant, gesteuert, menschlich produziert und inszeniert.

        Für Letzteres spricht zum Beispiel der lautstark-unüberhörbare Versuch, Verschwörungen als unmöglich oder einfach nicht stattfindend uns Menschen einzuprägen. Und die Tatsache, dass mit sehr viel Geld, und noch viel mehr durch Steuerung von Geldströmen riesiger Einfluss auf die Menschen und deren Bewusstsein genommen werden kann.

  16. Wir gehören zu den weltweit am stärksten überalterten Gesellschaften und sedieren unsere eigenen Kinder. Bereits während Corona war das Ausmaß der marodierenden Kinderfeindlichkeit erschreckend: Immer auf die kleinsten!

    Ich selber bin ich noch in einer glücklicheren Schulzeit ganz ohne ADdingbums großgeworden: Die Menschheit war ohne diese Diagnose ausgekommen. Kein Kind wurde durch Dauermedikation sediert. Das war unvorstellbar. Die medizinische Ethik war noch rudimentär intakt.

    Als ich dann selber ein Schulkind hatte, erlebte ich, wie die nicht ganz stromlinienförmigen Kinder ständig getestet, geframed und aussortiert werden. Das geht bereits in der Grundschule los und eskaliert in der Sekundarstufe I. Extra Sozialarbeiter sind nur dazu da, diese Kinder zu jagen. Wehe, es befindet sich ein Kind darunter, das nicht den vollständigen Rückhalt seiner Mutter hat (Väter gelten eher als Risikofaktoren) und/oder eine winzige Störung aufweist: Sofort wird aussortiert, um die anderen Kinder, die „leistungsfähigen“, zu fördern – und zwar an scheinbar reformorientierten Schulen eher noch schlimmer als an den tiefschwarzen, wie ich feststellen musste.

    Wir leben in einer postindustriellen und postdemokratischen Gesellschaft, in der sich die „besseren“ Mittelschichten immer mehr nach unten abschotten. Die Erfahrung, dass GEMISCHTE Gruppen die sind, die im Berufsleben wie in der Schule die tragfähigen Ergebnisse bringen, ging leider verloren. Heute locken die leistungslosen Einkommen, und die Arbeiter sollen dumm und zugedröhnt sein.

    Es sind nach meiner Erfahrung weniger die Lehrer, die diese Sedierungsphantasien exekutieren, sondern mehr das ganze teuere Umfeld, das rund um die Schulen aufgebaut ist: Pillendreher, Tester, Überwacher, Pharma- und Disziplinar-Fanatiker, pädagogisch unfähige oder sogar gescheiterte Existenzen, die als sonderbeauftragte Sozialarbeiter ihr Auskommen finden. – Für sie wird viel Geld rausgeschmissen, von dem mehr Lehrer eingestellt werden sollten!

    1. „weltweit am stärksten überalterten Gesellschaften “

      Es ist auch eine Einbildung, bzw. wird uns eingeredet, dass das irgendwie was schlimmes sein müsste. Überalterte Gesellschaft? Ja und? Dann schrumpft eben das Bruttpsozialprodukt. Wir machen es uns mit weniger gemütlich. Was spricht denn dagegen?

      Ach ja: die Profite hängen natürlich direkt proportional mit dem Bruttosozialprodukt zusammen. Arbeitslosenheere drücken die Lohn- und Gehaltskosten. „Wir“ brauchen ja auch möglichst viele Konsumenten, möglichst welche, die von Null anfangen und ganz viel Konsumnachholbedarf haben.

      Klar: eine überalterte Gesellschaft ist natürlich nicht im Sinne derer, die uns Ausbeuten und Bedrücken. Stimmt genau. Also tun wir was dagegen! Anstatt uns darin sinnvoll, komfortabel und förderlich einzurichten.

  17. Haben wir nicht kürzlich gelernt, daß „Geschlecht“ nur ein soziales Konstrukt ist?
    Wieso sollte bezüglich ADHS bei sich als Frauen Lesenden irgend etwas anders sein als bei sich als Männer Lesenden?
    Endlich ist das auch bei den Ärzten angekommen!

    1. Aber bitte doch auch bei den ÄrztInnen*queerxyetc und noch wichtiger: auch bei den sich als Arzt oder Ärztin oder Arzt*irgendwas Lesenden.

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