Warum kam es zum Verbot psychoaktiver Substanzen?

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Nach wissenschaftlichen Studien über Cannabis ist jetzt Geschichte und Funktion der Drogenpolitik Thema: Wie aus Medizin gefährliche Drogen wurden.

Diese Artikelserie hat sich bisher mit dem Stand der Wissenschaft befasst. Inzwischen sollte klar sein, dass die Entkriminalisierung von Cannabis nicht der Anfang vom Ende der Welt ist: Führende Fachleute vergleichen die Risiken mit denen von Nikotin (Teil 1), das Schizophrenierisiko wird oft übertrieben (Teil 2) und man wird von ein paar Joints auch nicht gleich dümmer (Teil 3).

Wie für alle anderen Substanzen gilt auch für Cannabis: Die Dosis macht das Gift. So weit war Paracelsus schon im 16. Jahrhundert. Dass man das immer wieder erwähnen muss, sagt etwas über den Zustand der Diskussion aus. Insbesondere bei starkem und häufigem Konsum drohen Gesundheitsschäden; das gilt vor allem für Personen mit einer genetischen Veranlagung.

Insofern ist die jetzt für den 1. April 2024 avisierte Entkriminalisierung kein großer Schritt nach vorne, sondern eher die Behebung eines drogenpolitischen Rückschritts. Dabei sind wir hier nicht wieder auf die großen individuellen und gesellschaftlichen Schäden der Prohibition eingegangen, beispielsweise wegen verunreinigter Substanzen mit stark schwankendem Wirkstoffgehalt.

20. Jahrhundert

In der Diskussion kam die berechtigte Frage auf: Warum das alles? Für die Antwort hilft ein kurzer historischer Abriss:

Im frühen 20. Jahrhundert entstand insbesondere auf Betreiben der USA – unter Leitung des protestantischen Bischofs Charles Henry Brent – die Opiumkommission. Nach dem gewonnenen Ersten Weltkrieg konnte die Siegermacht ihre drogenpolitischen Vorstellungen stärker international durchsetzen. Andere Länder verdienten teils gut am Handel mit psychoaktiven Substanzen und waren nicht erpicht auf Verbote.

Zur Veranschaulichung dieser Interessen sei hier an die Opiumkriege erinnert: 1839 bis 1842 führte die Kolonialmacht Großbritannien für die Öffnung des Drogenmarktes Krieg gegen das Kaiserreich China; 1856 bis 1860 folgte ein zweiter Krieg unter Beteiligung Frankreichs. Einige Jahrzehnte später lobbyierte dann eine andere Westmacht, die USA, international gegen dieselbe Substanz.

Wie der Name schon sagt, wurde vor allem Opium problematisiert. Dazu kam später auch sein stärkeres Derivat Heroin sowie Kokain. Doch dann setzte sich die ägyptische Delegation unter Leitung von Dr. Muhammad El Guindy mit dem Wunsch durch, auch Cannabisprodukte auf die Verbotsliste zu setzen. Historischen Studien zufolge war der dortigen intellektuellen Elite der Hanfrausch nicht geheuer – und wollte das nordafrikanische Land seine Emanzipation von den Kolonialmächten beweisen: Die Unabhängigkeit kam 1923, die zweite Opiumkonferenz 1925.

Holländisches Händlervolk

Der Drogenhistoriker Stephen Snelders von der Universität Utrecht hat die oft zwiespältige, doch für bestimmte Zwecke auch funktionale Umsetzung der Drogenverbote anhand mehrerer Beispiele aus dem Königreich Niederlande aufgezeigt. So habe der niederländische Handel im frühen 20. Jahrhundert stark von den Dampfschiffen abgehangen. Gemäß damals verbreiteter rassistischer Vorstellungen habe man die harte – und ungesunde und nicht ungefährliche – Arbeit mit der Kohle in den Maschinenräumen lieber chinesischen Gastarbeitern überlassen.

Unter diesen war Opium beliebt, das es damals als Tinktur für den häuslichen Gebrauch in der Apotheke gab. Die chinesischen Arbeiter rauchten es lieber in natürlicher Form. Wahrscheinlich konnten sie damit die harte Arbeit leichter ertragen. Bei strikter Durchsetzung des Verbots hätte man aber eine andere Lösung für die Dampfmaschine gebraucht.

Das Cannabisverbot ist laut Snelders zuerst (um 1930) in den niederländischen Kolonien durchgesetzt worden. Die entspannende Substanz sei vor allem unter hindustanischen Gastarbeitern – das Indien im heutigen Sinne entstand erst mit der Unabhängigkeit 1947 – populär gewesen. Doch im Hanfrausch hätten diese weniger Lust auf die harte Arbeit auf den Plantagen der Kolonialherren gehabt. Da kam ein Verbot zur Produktivitätssteigerung gelegen.

Offener Rassismus

Aus heutiger Sicht kann man sich den offenen Rassismus jener Gesetze und ihrer Anwendung kaum noch vorstellen. Es gibt jedoch zahlreiche einschlägige Beispiele dafür, wie mit Drogenpolitik Sozial- und Migrationspolitik gemacht wird. Der Pharmakologie-Professor Carl Hart an der renommierten Columbia University in New York, nach eigenen Angaben der erste Schwarze in dieser hohen Position, zeigt das auch für die heutigen USA auf: Aufgrund vermuteten Cannabisgeruchs könnten Polizeibeamte Bürger*innen weitreichenden Maßnahmen unterziehen. Insbesondere für Latinos und Schwarze ende das mitunter tödlich. So erklärt Hart auch den starken Widerstand tendenziell rassistischer US-Bundesstaaten wie Texas gegen Liberalisierungsbestrebungen.

Auch hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte: Das Ende der Alkohol-Prohibition in Amerika (1920-1933), die ebenfalls von frommen Protestanten durchgesetzt worden war, fiel praktischerweise mit den neuen Drogenverboten der zweiten Opiumkonferenz zusammen. Damals kehrte der US-Beamte Harry J. Anslinger mit internationalen Erfahrungen im Kampf gegen Drogen – unter anderem in Deutschland, Japan und Venezuela – zurück. Er wurde zum Leiter des Federal Bureau of Narcotics und lancierte gleich Kampagnen gegen „Marihuana“.

Staatliche Kampagnen

Die Verwendung des Fremdworts aus Latino-Sprache war kein Zufall. Denn so ließen sich die Bürgerlichen leichter von der Gefährlichkeit der Hanfprodukte überzeugen. Während Cannabis in der (vor allem schwarzen) Jazzkultur als „Reefer“ (Slang für „Joint“) beliebt war, waren Anslingers Methoden so einfach wie wirksam:

Er sammelte systematisch Daten zu Unfällen und Verbrechen, die zusammen mit dem Konsum des psychoaktiven Mittels auftraten. Dass sich sogar die Mehrheit der Ärzteschaft in der American Medical Association gegen ein Verbot aussprach, ignorierte er geflissentlich. Schließlich kulminierten seine Bemühungen in dem Propagandafilm Reefer Madness von 1936; man bemerke wieder die auffällige Verwendung von Slang-Sprache.

Der Film suggeriert, dass Jugendliche im Cannabisrausch ihre Eltern umbringen. Schon der Trailer bringt die psychoaktive Substanz mit zügelloser Sexualität, Sucht, Schlägereien, Wahnsinn, Suizid und Mord in Zusammenhang. Für Anslinger garantierte der erfolgreiche Wechsel vom Feindbild Alkohol zum „Teufelskraut“ Marihuana das Fortbestehen seiner Behörde; für insgesamt 32 lange Jahr unter seiner Leitung.

Zehn Jahre vor Reefer Madness war bereits ein ähnliches Propagandawerk über Opium erschienen: Auch der Buchtitel Opium, the Demon Flower bediente sich der Dämonen- und Höllenbilder. Das 1926 veröffentlichte Buch von Sara Graham-Mulhall, ehemals in leitender Funktion bei der New Yorker Drogenbehörde, geht zwar nicht so weit wie Anslingers manipulatives Meisterstück. Doch wie ich in meinem Buch über Substanzkonsum (gratis) aufzeige, verbreitete auch sie offensichtliche Unwahrheiten etwa zur Suchtproblematik.

Zwei amerikanische Propagandawerke gegen Drogen aus dem frühen 20. Jahrhundert: Der Buchumschlag von Graham-Mulhalls Werk über die „dämonische Blume“ Opium zeigte sich noch nüchtern. Es wurde für den Einsatz in Schulen empfohlen. Das Plakat für den offiziellen „Aufklärungsfilm“ gegen Cannabis war peppiger und assoziierte die Substanz mit Wahnsinn und Tod. Lizenz: gemeinfrei

 

Von Medizin zur verbotenen Droge

Um 1930 hatten sowohl Opium als auch Cannabis Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende der friedlichen medizinischen und zivilen Nutzung hinter sich. Auch die stärkeren Derivate von Opium, Heroin und Morphium, wurden vielfach als Arznei verwendet: Ersteres war ein Markenname der „Farbenfabriken, vorm. Friedr. Bayer & Co.“, heute Bayer AG, und wurde zur Beruhigung und gegen Husten verkauft. Letzteres bewährte sich im Ersten Weltkrieg als Schmerzmittel für Kriegsverletzte.

Opiumtinkturen („Laudanum“) wurden über Jahrhunderte in vielen Variationen medizinisch verwendet. Rechts sieht man ein Fläschchen Heroin „Made in Germany“ vom Vorgänger der heutigen Bayer AG. Lizenz: links: vaidosa/Pixabay; rechts: gemeinfrei

Die Beispiele Anslingers und Graham-Mulhalls, die freilich nur die Spitze des Eisbergs darstellen, veranschaulichen die Umdeutung dieser Substanzen von Medikamenten zu gefährlichen Drogen. Später konnte der amerikanische Anwalt und Politiker John Ehrlichman, der Präsident Richard Nixon beim „Krieg gegen Drogen“ beriet, in diese Fußstapfen treten. Im Jahr 1994 soll er darüber rückblickend gesagt haben:

„Die Präsidentschaftskampagne Nixons 1968 und das Weiße Haus unter ihm hatten zwei Feinde: die Antikriegslinke und die Schwarzen. Verstehen Sie, was ich sage? Wir wussten, dass wir nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein; aber indem wir die Öffentlichkeit dazu brachten, Hippies mit Marihuana und Schwarze mit Heroin zu verbinden und beides dann stark kriminalisierten, konnten wir diese Gemeinschaften zerschlagen. Wir konnten ihre Anführer verhaften, in ihren Häusern Razzien durchführen, ihre Versammlungen auflösen und sie Nacht für Nacht in den Abendnachrichten verunglimpfen. Ob wir wussten, dass wir über die Drogen lügen? Natürlich taten wir das.“

Von Kriegen und Kreuzzügen

Die Authentizität dieses Zitats ist zwar bis heute umstritten. Vertreter der Gegenposition klingen aber auch nicht gerade überzeugend: Nixons Rassismus war so offenkundig wie seine Ablehnung von Drogen; und dann musste er den Präsidentenposten wegen seiner Intrigen schon 1974 wieder räumen. Der Journalist German Lopez kommt zum Fazit, dass Nixons Initiative „nicht ausschließlich politisch oder rassistisch motiviert“ gewesen sei. Stattdessen sei es dem Republikaner hauptsächlich um einen „Kreuzzug für die öffentliche Gesundheit“ gegangen.

Dieses Zitat stammt zwar aus dem Jahr 2016. Doch schon damals ließen sich die vielen Toten des neuesten Kapitels dieses „Kreuzzugs“ nicht mehr ignorieren: die Opioid-Epidemie. Und auch zu diesem Drogenproblem leistete die Verbotspolitik ihren unrühmlichen Beitrag. Für unsere Diskussion ist nun aber das Stichwort „Gesundheit“ entscheidend.

Wie schon der französische Philosoph Michael Foucault argumentierte, regiert man in westlichen Demokratien nicht mehr von der Kanzel herab. Statt des Diktats einer höheren Macht (wie Kaiser, Führer, Gott) herrschen verschiedene Funktionsprinzipien, darunter die Gesundheit (Stichwort: Bio-Macht, Biopolitik). Will man heute ein bestimmtes Verhalten fördern, dann erzählt man den Bürger*innen, dass sie damit ihre Gesundheit optimieren.

 

Damit sind wir in der Gegenwart angekommen. Im nächsten und letzten Teil der Serie beschäftigen wir uns darum mit der Drogenpolitik in unserer heutigen Gesellschaft.

Stephan Schleim

Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Sein Schwerpunkt liegt in der Erforschung von Wissenschaftsproduktion und –kommunikation. Schleim ist Autor mehrerer Bücher zu Neurowissenschaften, Psychologie und Philosophie.
Bild: Elsbeth Hoekstra
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21 Kommentare

  1. Einfach alle Drogen legalisieren und die Kriminalität sinkt um etwa 30% auf der Welt.
    Wenn man den Kapitalismus abschafft, wohl noch mal um die 40%.
    Und wenn man die Religionen beseitigt, etwa so um die 20%.
    Natürlich, wird sich das Ganze etwas zeitverzögert auswirken, insbesondere bei den Religionen wird das wohl 1-2 Generationen brauchen…

  2. Also will man heute die Produktivität der Werktätigen verringern?
    Das Gesetz soll nach dem Beschluss nun weniger streng ausfallen als bisher geplant. So soll die erlaubte Menge im Eigenanbau von 25 auf 50 Gramm getrocknetes Cannabis verdoppelt werden, wie die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kappert-Gonther erklärte.
    Die Tabuzone für den Cannabis-Konsum rund um Kitas, Spielplätze oder Schulen wird von 200 auf 100 Meter verkleinert.

  3. Warum kam es zum Verbot psychoaktiver Substanzen?
    Guck Dir mal die ganzen Kaputtniks an, die da rumstolpern. Dann weißte auch wie es zu dem Verbot kam.

    1. Ich teile ja eher nicht die Position des Autors zum Thema, aber ist das denn wirklich sicher, daß da Ursache und Wirkung richtig zugeordnet sind? Ein Studienkollege (andere Fachrichtung; ich bin kein Mediziner) erklärte mir mal aus seinem Berufsleben, sehr viele seiner Patienten seien seiner Ansicht nach psychisch krank und versuchten, ihr Leiden mit illegalen Drogen zu lindern. Das hab ich erstmal als damals für mich neue Sicht der Dinge mitgenommen, denn der wollte mir ja nichts verkaufen und hatte im Ggs zu mir beruflichen Kontakt zu einer größeren Anzahl solcher Leute.

  4. Das Subjekt der Begierde Mensch, soll oder muss sich jetzt zur progressiven Politik hin entscheiden.
    Für meinen Lebensabschnitt schreibe ich, lmaA.
    Das ist keine Diskreditierung an Herr Schleim, sondern eine persönliche Erkenntnis zur ‚politischen Haltung‘.
    Diese Politik, früher und heute kann ich nichts mehr abgewinnen, sie ist einseitig /dumm /naiv mit all ihren auf der Gehaltsliste stehenden Experten.
    Ich habe nicht das Zeug zum Experten, aber nehme meine Erfahrungen, um mich daran zu bereichern.

    Als Beispiel führe ich an. Da gab es mal einen Bürgermeiste, dort lebten viele GIs aus den Umfeld der militärischen Base. Der Sohnemann war ein ‚Rockeranführer’und vertrieb das Material physisch wie psychisch!
    Und alle lebten froh?

    1. Danke für den Hinweis auf Losurdo. Nicht nur bezüglich Fucault. Kann man nicht oft genug machen. Ich habe gerade erst sein Stalin. Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende gelesen (Eva Schweitzer würde bedrohliche Schnappatmung kriegen).

      Ist etwas OT hier.

      1. Aquadraht, kannst du dir nicht eine Freundin zulegen, an der du dich abarbeitest? Dann würden sich auch deine Testosteronwerte normalisieren.

    2. „Das zeigt wirklich bloß, dass es bei diesem Thema stets wenig um den ominösen „Gesundheits- und Bevölkerungsschutz“, aber sehr viel um nationalstaatliche, kapitalistische und sonstige Interessen ging.“

      Richtig. Eigentlich ist doch die Kritik der Interessen, die zum Cannabisverbot führten, ein viel stärkeres Argument für die Legalisierung, als der Stand der Wissenschaft. So wie sich mir das darstellt, war das Verbot eben nicht durch Gesundheitsschutz motiviert. Daher muss man auch gar hauptsächlich darauf herumreiten, dass Hanf auf gesundheitlicher Sicht nicht so gefährlich ist, wie allgemein verbreitet. Denn das fusst ja auf der Annahme, Cannabis sei aus gutem Grund zum Schutz der Bevölkerung verboten worden. Das war aber nicht so. Also kann das Verbot revidiert werden. Das Wissenschaftsargument stützt nur, dass Cannabis keine gefährliche Droge ist.

  5. @Altlandrebell: In dem Zusammenhang noch zu empfehlen ist Merleau-Pontys „Humanismus und Terror“ (wobei ich noch die zweibändige Suhrkamp-Ausgabe habe, keine Ahnung, ob Athenäum da identisch ist. Merleau-Ponty hat später eine fragwürdige Entwicklung genommen).
    Kronstadt gehört zu den Tragödien, die Losurdo eben weder verdammend noch, wie etwa Enzensberger und zu einem gewissen Teil Agnoli, hagiographisch überhöht.
    Ähnlich werden auch die spanischen Anarchisten oder Machno zu Ikonen, wo es darauf ankäme, die wirklichen Bewegungen, ihre Potentiale, Errungenschaften und Widersprüche, zu studieren. Im russischen Fernsehen gab es übrigens eine siebenteilige Serie über Nestor Machno, ich hab sie leider nicht gesehen (mein Russisch würde eh nicht reichen).
    Gegenüber diesem Hang zu Ikonen, wozu auch die Teufelsbilder wie die von Stalin gehören, empfinde ich Losurdo als angenehm ernüchternd. Revolutionen bringen Tragödien mit sich, wie Merleau-Ponty schreibt: „Welcher akademische Bewunderer Richelieus würde mit eigener Hand Urbain Grandier töten“, und welcher Bewunderer Machnos einen Popen lebendig in einen Lokomotivkessel stossen?
    Es spricht (fast) für Stalin, dass er als Ikone nicht taugt, wohl aber als Denkanstoss, ausser für die Schnappatmer.
    Boris Roshin hat in einem Artikel auf Colonel Cassad erläutert, warum er zwar kein Stalinist im engeren Sinne, aber eben auch kein Stalinverteufler ist. Er stammt aus einer Familie karelischer Bauern, die im 19 Jahrhundert regelmässig 12-15 Kinder geboren hat, von denen 3-4 das Erwachsenenalter einigermassen erlebten. Nach der Oktoberrevolution, besonders in der Stalinära, wurden daraus Lehrer/innen, Ingenieur/innen, Offiziere. Er stellt das der Repression gegenüber, die er nicht leugnet.

  6. Da Drogen praktisch weltweit verbreitet sind, wäre es weltfremd und unrealistisch, Drogen prinzipiell verbieten zu wollen. Sie entsprechen also offenbar einem menschlichen Bedürfnis – sei es nach schlichter Entspannung (Nikotin, Alkohol) oder Enthemmung (Alkohol), sei es nach Zuständen der Euphorie oder Selbstsicherheit (Heroin, Kokain), sei es nach der kreativitätsfördernden Annäherung an eine schwer zu beschreibende andere Art der Wahrnehmung/des Denkens (Haschisch, LSD, Kokain) oder gar des Seins (Meskalin, LSD). Ich weiß, viele neuere Drogen fehlen.

    Nun besteht allerdings ein recht großer Unterschied zwischen eher seltenen sakralen Rauschererlebnissen, wie man sie z.B. von manchen Indianerstämmen kennt (ritueller Genuss des Peyote-Kaktus, der Meskalin enthält) und einem gedankenlosen und regelmäßigen Sich-zu-dröhnen – egal womit.

    Natürlich hat Herr Schleim auch recht, wenn er auf die Bedeutung der Dosis verweist.

    Was mir in der gesamten Debatte um Haschisch / Marihuana (die neumodische Bezeichnung „Cannabis“ ist mir zu gekünstelt) aber zu kurz kommt, das ist die Beschäftigung mit dem anscheinend zunehmenden Bedürfnis einiger Menschen – nicht aller – nach Rauscherlebnissen.

    Was wird mit dem Rauscherlebnis angestrebt? Brauchen sie alle mehr Entspannung?
    Wenn ja: Dann würde die Droge ja nur helfen, einen zunehmend stressigen Alltag erträglicher zu machen, sodass man nicht mehr bemüht ist, die Verhältnisse weniger stressig zu machen.
    So gesehen wäre Lethargie bzw. Passivität die Folge häufigerer Rauscherlebnisse.

      1. Hallo Altlandrebell,

        ein schönes Zitat!
        Ich denke, Nietzsche hat da in der Tat einiges erfasst, obwohl er mir ansonsten eher fremd ist.

        Allerdings geht aus dem Zitat nicht hervor, dass das nur den „Übermenschen“ vorbehalten sein soll:
        „Jetzt ist der Sclave freier Mann, jetzt zerbrechen alle die starren, feindseligen Abgrenzungen, die Noth, Willkür oder ›freche Mode‹ zwischen den Menschen festgesetzt haben. “

        P.S.
        Wasser mit Zitronensaft am Morgen soll ja wirklich gut sein.

        Gruß

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