Wacht Deutschland nun in dem Krieg auf, den es seit Jahren maßgeblich unterstützt?

Eine Antonow im Landeanflug auf den Flughafen Leipzig/Halle im Dezember 2022. Bild: MarcelX42/CC BY-SA-4.0

Auf dem Flughafen Leipzig wurden am Dienstagabend eine mit Sprengstoff und Zünder ausgerüstete Drohne in der Nähe einer ukrainischen Antonov-Frachtmaschine mit Munition an Bord gefunden, die auf dem Weg von Frankreich zu ihrem Ziel in Leipzig zwischengelandet sei. Der Flughafen Leipzig ist ein militärisches Logistikzentrum auch für Nato-Flüge und spielt auch für die militärische Ukraine-Hilfe eine wichtige Rolle. Später hieß es vom Bundesinnenministerium jedoch, das Flugzeug sei doch leer gewesen. Es habe Waffen nach Osten transportiert und sei dann leer in Leipzig gelandet.

Will man da beruhigen und vermeiden, dass Deutschland in dem Krieg aufwacht, den es seit Jahren nachhaltig mit Geld und Waffenlieferungen an die ukrainische Regierung am Leben erhält, um Russland zu schwächen, die territoriale Integrität der Ukraine zu verteidigen und die EU durch die Bindung der russischen Truppen im Stellvertreterkrieg zu schützen? Die Arbeitsteilung ist, die Unterstützerländer liefern die Waffen und das Geld, um den Krieg zu führen und den Staat bzw. die derzeitige Regierung am Leben zu halten, die Ukraine stellt das Schlachtfeld und die Menschen.

Die Arbeitsteilung im Krieg wurde eigentlich bereits durch die Anschläge auf die Nord Stream-Pipelines zu Beginn des Krieges von ukrainischer Seite durchkreuzt. Deutschland wurde dadurch zum Kriegsgegner, der allerdings seinen Mund hielt und in einer Art Stockholm-Syndrom zur Aufrechterhaltung der Einheit der EU und der Nato und der Bindung an US-Interessen zum ergebensten Unterstützer der Ukraine wurde und das noch immer ist. Die Verteidigung der verdächtigen ukrainischen Pipeline-Attentäter bezeichnen den  Anschlag als Anschlag auf eine militärische Infrastruktur des Feindes. Wäre der Flugplatz Leipzig, der direkt militärisch genutzt wird, dann auch ein gerechtfertigtes Ziel? Die Bundesanwaltschaft geht bei den Pipeline-Anschlägen von einem Kriegsverbrechen gegen zivile Objekte aus. Das könnte man in diesem Fall jedoch nicht.

Mit der Arbeitsteilung versuchte man den verrückten Spagat, zwar den Krieg am Kochen zu halten, aber keine Kriegspartei zu sein. Das  war und ist jenseits aller Begründung Spiegelfechterei, denn tatsächlich ist Deutschland längst Kriegspartei, denn ohne die Unterstützung würde die Ukraine den Krieg nicht durchhalten können. Letztlich wurden die ukrainischen Truppen und Freiwilligenverbände durch die finanzielle Unterstützung und militärische Ausrüstung zu einer Art Legionärs-Armee. Deshalb ist es eigentlich nicht verwunderlich, wenn der Gegner, man darf vermuten Russland, versucht, den Krieg auf das Territorium des Hauptunterstützers zu tragen, aber dies nicht offen militärisch zu machen, sondern, wie man heute sagt, hybrid durch Sabotage und Anschläge.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen an sich gezogen und geht vom Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr aus. Sie spricht von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“.

Natürlich muss man immer damit rechnen, dass in einem Konflikt Propaganda, Strategische Kommunikation und Desinformation eine erhebliche Rolle spielen können. So könnten interessierte Parteien wie Kiew Drohnen nach Leipzig gebracht haben, um vorzutäuschen, es seien russische gewesen. Nach einem Bericht der SZ sollen Flughafenmitarbeiter die schwebende Drohne entdeckt haben: „Es kam zu einem Kontakt zwischen dem Mitarbeiter und dem Flugobjekt, daraufhin lag die Drohne am Boden. Die fliegende Bombe explodierte nach ersten Erkenntnissen nur deswegen nicht, weil der Zünder abgerissen war.“ Näheres zu dem „Kontakt“ ist nicht bekannt, also ob die Drohne auf den Mitarbeiter zuflog, er diese unvorsichtigerweise angegangen ist oder es zufällig zu einem Kontakt gekommen war.

 

Die schwebende Drohne würde nahelegen, dass ein Angriff auf eines der Flugzeuge unmittelbar bevorstand, wovon die Bundesanwaltschaft ausgeht. Es sollen mehrere ukrainische Maschinen auf dem Flugplatz gewesen sein, von deren Ladung aber nicht gesprochen wird. Eine Frage wäre, wenn die Geschichte mit dem Flughafenmitarbeiter  zutrifft, ob der Zünder tatsächlich abgerissen (wie?) oder nicht verbunden war. Dann könnte man das als möglichen Hinweis auf eine False-Flag-Aktion sehen, die den Verdacht auf Russland lenken und den Kampf gegen das Land in der Ukraine und der EU verstärken sollte, ohne es zu einer Explosion kommen zu lasen. Es könnte aber auch als Warnung gedacht sein, dass in Zukunft mit Angriffen zu rechnen wäre, zumal die Sicherheitsvorkehrungen den Einflug der Drohne nicht entdeckt und verhindert hatten. Nebulös bleibt, ob die ukrainische Antonow nun leer oder mit Munition beladen war – und wohin sie „im Osten“ fliegen sollte bzw. woher sie gekommen war. Wenn Russland hinter dem Angriff stand, sollte dort bekannt gewesen sein, woher das Flugzeug kam und ob es schon „im Osten“ entladen wurde.

Unsicher ist auch, ob nur eine Drohne unterwegs war. Es scheint jedenfalls eine weitere, aber unbewaffnete Drohne unterwegs gewesen zu sein, die mit einem Flugzeug kollidiert ist, das in Leipzig nicht landen durfte, aber sicher nach Hannover weiterflog. Ob es sich wirklich um eine Drohne handelte, ist noch nicht bekannt.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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3 Kommentare

  1. „Nach einem Bericht der SZ sollen Flughafenmitarbeiter die schwebende Drohne entdeckt haben: „Es kam zu einem Kontakt zwischen dem Mitarbeiter und dem Flugobjekt, daraufhin lag die Drohne am Boden.“, schreibt der Autor, mhm, scheint mir irgendwie eine ziemlich doofe Drohne zu sein, wenn da die Antonovs herum stehen und die Drohne den Mitarbeiter trifft..
    Besonders schön und erhellend finde ich den letzten Absatz des Artikels:
    „Unsicher ist auch, ob nur eine Drohne unterwegs war. Es scheint jedenfalls eine weitere, aber unbewaffnete Drohne unterwegs gewesen zu sein, die mit einem Flugzeug kollidiert ist, das in Leipzig nicht landen durfte, aber sicher nach Hannover weiterflog. Ob es sich wirklich um eine Drohne handelte, ist noch nicht bekannt.“
    Ob die Drohne eine Drohne ist, unbekannt, aber Flugzeug hat ne Delle!
    Dann wurde Gedobrindt, kryptische Formulierungen, viele inhaltsleere Worthülsen, auch der Grüne von Notz hat rumgenotzt, das Dobrindt das Kind beim Namen nennen soll, Koderich Riesewetter, oder so ähnlich, weiß ich nicht sicher, will mal wieder irgendeinen NATO-Artikel in Kraft setzen.
    Ich gehe mal davon aus, das die Bundesanwaltschaft ein etwas anderes Tempo vorlegen wird als bei Nordstream. das Ergebnis erahne ich schon: Könnte Russland gewesen sein, noch nicht hundertprozentig, aber erste Ermittlungsergebnisse könnten darauf hindeuten, so in der Art erwarte ich das.
    Dann gehts los mit dem Spannungsfall!

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