
Die Regierung von Delcy Rodríguez sucht wieder den Anschluss an Lateinamerika und hat in den letzten Tagen neue Repräsentanten für verschiedene Institutionen ernannt, für das Parlatino (das Lateinamerikanische Parlament mit Sitz in Panama), das Parlamaz (die Vertretung zum Schutz Amazoniens, gegründet in Peru) und das Parlasur (das Parlament des Mercosur mit Sitz in Montevideo). Sie will, zum Unmut des ultrarechten argentinischen Staatschefs Javier Milei, in den Mercosur zurückkehren, in den „Markt des Südens“. Er ist alles andere als begeistert. Zwar befindet sich die Regierung in Caracas unter der Fuchtel von Donald Trump, aber irgendwie hängt ihr immer noch der Ruf der „Chavistas“ an. Und von einer lateinamerikanischen Integration hält Milei sowieso nichts.
Trotzdem wurde auf der letzten Sitzung des Mercosur in Córdoba eine Kommission ins Leben gerufen, die die Aufnahme der Venezolaner prüfen wird. „Da Venezuela seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wiederherstellt, ist auch eine Annäherung an den Mercosur vernünftig“, so der peronistische Abgeordnete Gabriel Fuks, der eine Aufnahme befürwortet. Auch der brasilianische Senator Chico Rodrigues von der Sozialistischen Partei will die Suspendierung aufheben, viele politische Gefangene seien inzwischen auf freien Fuß gesetzt und ein nationaler Dialog begonnen worden.
Der Mercosur wurde 1991 von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gegründet, später kam Bolivien hinzu. Chile, Kolumbien, Ecuador, Peru, Panama, Guayana und Surinam sind assoziierte Mitglieder. 2012 wurde Venezuela aufgenommen, aber schon vier Jahre später suspendiert, nachdem Hugo Chávez das Parlament, wo die Opposition in der Mehrheit waren, aufgelöst hatte; von Wahlbetrug war schon damals die Rede. Das war auch der Grund gewesen, warum Venezuela nicht in das Staatenbündnis BRICS aufgenommen wurde, weil Brasilien dagegen ein Veto einlegte, da Nicolás Maduro nicht die Protokolle der Wahlen vorlegen wollte. Anfang des Jahres kidnappten ihn US-Streitkräfte, und seitdem schreibt Donald Trump der verbliebenen Regierung von Vizepräsidentin vor, was sie zu tun und zu lassen habe. Dagegen sucht Delcy Rodríguez offensichtlich Rückhalt bei den südamerikanischen Nachbarn.
Die Regierung von Javier Milei will dies verhindern, denn eine Einbindung in den Subkontinent würde die Kontrolle durch die US-Regierung erschweren, und Milei ist ein bedingungsloser Trump-Anhänger. Seine rechte Koalition will die Suspendierung Venezuelas von Neuwahlen abhängig machen. Aber er befindet sich in der Zwickmühle: „Das ist eine schwierige Situation, sie sind zwar suspendiert, werden aber von Trump unterstützt“, so der argentinische Abgeordnete bei der Mercosur-Sitzung in Córdoba, Nicolás Simone.
Milei steht fest an der Seite der Anführerin der Opposition, Corina Machado, die ihren „Friedens“-Nobelpreis dem US-Präsidenten angedient hat. Während die US-Administration glaubt, dass Delcy Rodríguez die innenpolitische Situation besser kontrollieren kann, unterstützen die lateinamerikanischen rechten und ultrarechten Politiker Regierungen die umstrittene Machado. Sie war Ehrengast bei der Amtseinführung des chilenischen Präsidenten Antonio Kast und fordert sofortige Neuwahlen.
Die Beziehungen Mileis zu Caracas sind schlecht. Seit Wochen fordert seine Regierung die Freilassung des in Venezuela inhaftierten argentinischen Polizisten Nahuel Gallo. In Caracas wurden zahlreiche politische Gefangene freigelassen, offensichtlich aufgrund des Drucks aus Washington. Doch den Propaganda-Erfolg sollte sich Milei nicht auf seine Fahnen schreiben können, entschied Delcy Rodríguez und ließ den Gefangenen in ein AFA-Flugzeug setzen, also vom argentinischen Fußballverband ausfliegen, dem beste Verbindungen zu den Peronisten nachgesagt werden und gegen den die argentinischen Justizbehörden gerade wegen Korruption ermitteln. Gallo wurde bei seiner Ankunft in Buenos Aires gefeiert, und die Helden waren die AFA-Funktionäre, nicht Mileis Minister.
Offiziell hat sich der Mercosur noch nicht zu der erneuten Aufnahme Venezuelas geäußert, man scheint keine Eile zu haben. Die Brasilianer scheinen eine rasche Wiederaufnahme zu befürworten, um den Einfluss Trumps zurückzudrängen. Aber dafür muss zunächst geklärt werden, ob und inwieweit die Regierung in Caracas überhaupt souverän ist.
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Schon überholt. Donald erlaubt seinen neuen besten Freunden in Caracas Ölgeschäfte. Zwar nur über kontrollierte US Konten, aber das ist Nebensache. Die grössten Ölreserven der Welt ! Vor der Haustür ! Seit weit weg von der kulturellen Bereicherung des Islam ! Alt: Goldspeicher. Neu: Ölspeicher.
Und die Deutschen ? Leeren im Winter bei Gaspreis 25 €/Mwh die Speicher auf 20%. Klein Katharina vertraut auf den Markt und Katar. Immerhin hat der Onkel Robert einen perfekten Bückling in Katar gemacht. Nein ! Doch ! Oh Weia ! Hormuz zu ! Katar brennt ! Aktuell rund 65 €/Mwh. Der Markt wird es regeln, das Aussterben der Deppen.
Das Dumme: Die Ölvorkommen von Venezuela sind nicht nur die größten, sondern was ihre Qualität angeht auch mit die schlechtesten der Welt. Während z.B. iranisches Öl bereits unverarbeitet fast schon wie Diesel aussieht, ist venezolanisches Öl eher eine Art Teer. Die schwer erreichbare Lage der Vorkommen (Berge, Sümpfe, Guerillas) kommt noch hinzu. Der Gewinn für die USA ist also bei weitem nicht so wie offenbar gedacht und wohl der Hauptgrund, warum sich US-Konzerne sehr zum Missfallen Trumps zurückhalten.
Eine andere, viel schädlichere Nebenwirkung hatte die Venezuela-Posse dann aber doch: Möglicherweise war das die Ermutigung für die USA, den Iran-Krieg anzufangen, in der irrigen Vermutung, dieser würde ähnlich ablaufen.