
In die von Schulen ausgegebenen Notebooks werden oft mit Filtern auch KI-Programme installiert, die das Verhalten analysieren. Ein Experiment zur Verhaltenskontrolle.
In Schulen in den USA werden mitunter Schulgeräte wie Notebooks oder Tablets mit KI-Programmen ausgestattet, um anhand der von den Schülern eingetippten Texte zu erraten, ob diese Selbstmordpläne ausbrüten. Betroffen sein sollen bereits Millionen Schüler. Jedes Wort und jede Aktivität wird ausspioniert, um ein mögliches Risiko zu entdecken. Womöglich steht dann die Polizei vor der Haustüre, auch mitten in der Nacht. Oder ein Kind wird aus der Klasse geholt, um es zu überprüfen. Natürlich gibt es Fehlalarme, die auf die Jugendlichen traumatisierend wirken.
Zum Hintergrund: Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei den 15-19-Jährigen in den USA und bei den 14-15-Jährigen die häufigste Todesursache. Auch bei den 10-24-Jährigen ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache, 2020 töteten sich in dieser Altersgruppe über 7000 Personen. Seit 2000 ist die Suizidrate kontinuierlich angestiegen, nur 2019 und 2020 ist sie vorübergehend gesunken, ab 2021 steigt sie wieder. Zwischen 2000 und 2021 stieg die Suizidrate um 63 Prozent, in der Gesamtbevölkerung nur um 37 Prozent. In dem Alter sind mehr Mädchen als Jungen betroffen.
„Nahezu alle Indikatoren für eine schlechte psychische Gesundheit sowie für Selbstmordgedanken und -verhalten haben sich von 2013 bis 2023 verschlechtert“, heißt es in einem Bericht der CDC von 2024. „Insbesondere stieg der Prozentsatz der Schüler, die anhaltende Gefühle von Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit empfanden, ernsthaft einen Selbstmordversuch in Erwägung zogen, einen Selbstmordplan schmiedeten und einen Selbstmordversuch unternahmen.“ 2023 sind allerdings die Selbstmordpläne und die versuchten Selbstmorde leicht zurückgegangen. 20 Prozent der Schüler an High Schools sollen 2023 ernsthaft überlegen, einen Suizid zu begehen, 16 Prozent planten einen Suizid, 9 Prozent haben einen versuchten Selbstmord begangen, 2 Prozent der Schüler mussten deswegen medizinisch behandelt werden. Zum Vergleich in Deutschland: „Bei den 10- bis unter 25-Jährigen war Suizid im Jahr 2023 die häufigste Todesursache, vor Verkehrsunfällen und Krebs. 18 % aller Todesfälle in diesem Alter waren Suizide.“
Es kann also verständlich sein, dass in Zeiten der Prävention auch versucht wird, Technik einzusetzen, die Selbstmorde verhindern soll. KI-Programme zur Entdeckung von Suizidabsichten hätten sich während der Covid-Zeit schnell verbreitet, da mehr Schulen die Schüler mit Notebooks für den Online-Unterricht ausstatteten, wie die New York Times berichtet. Die Geräte wurden mit Filtern ausgestattet, um eine sichere Internetnutzung durch Blockade von jugendgefährdenden und unerwünschten Webseiten zu gewährleisten. Sie werden also auf den Geräten in einer Blase abgeschottet. Um da noch mehr Schutz zu bieten, griffen die Firmen, die die Filter anbieten, eben auch vermehrt zu KI-Programmen, die das Online-Verhalten und die Online-Aktivitäten ausspähen, um Verdächtiges zu erkennen.
Ein Beispiel ist GoGuardian Beacon, womit nach der Firma angeblich seit 2020 18.623 Schüler abgehalten wurden, sich selbst körperlich zu schädigen. Das Programm soll aber auch erkennen, wenn ein Schüler andere gefährden könnte: „GoGuardian Beacon continuously monitors online activity across school-issued devices, search engines, web apps, Gmail, and more to proactively detect concerning behavior.“ Man kann einstellen, wer Warnmeldungen erhalten soll, Schulleiter, Mitarbeiter der Schulen und Eltern, und welche Verhaltensmuster wie aktive Planung, Suizidgedanken, Selbstschädigung, Bedrohungen, Gewalt entdeckt werden sollen. Eine andere Firma ist Lightspeed, die mit ihrem KI-Programm verspricht: „74 % der tragischen Schießereien an Schulen gehen auf Online-Indikatoren zurück, die von Lightspeed Alert und Sicherheitsspezialisten hätten erkannt werden können.“ Warnungen werden hier von „Sicherheitsspezialisten“ geprüft, bevor sie weitergeschickt werden.
Das Problem ist, dass nur die Firmen wissen, wie die Programme arbeiten und dass es auch keine Daten über ihre Effizienz gibt, wie NYT schreibt. Wissenschaftler des Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit der Technischen Universität (TU) Dresden haben ein KI-Programm getestet, ob aus Anamnese-Texten suizidgefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig erkannt werden können: “Wir konnten zeigen, dass Hinweise auf Suizidalität bei Patientinnen und Patienten automatisiert aus elektronischen Gesundheitsakten extrahiert werden können – mithilfe von großen Sprachmodellen. … Mögliche Anwendungen in der Klinik umfassen Frühwarn- und Überwachungssysteme für psychiatrische Notfälle, eine verbesserte Qualitätssicherung sowie die Analyse von psychiatrischen Symptomen innerhalb großer Datenmengen.”
Ganz davon abgesehen, dass Millionen von Schülern zu Versuchspersonen in einem Experiment werden, um Verhaltensvorhersagen zu entwickeln, die auch ganz andere Ziele haben könnten als Suizidprävention. So ließe sich auch die Online-Aktivität von Menschen überwachen, um Gewalt- und Kriminalitätsprävention zu betreiben oder politisch Verdächtige aufzuspüren.
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ich habe den Eindruck das es nicht um Prävention geht, sondern um Förderung dieses Verhaltens.
Ähnlich wie bei dem heutigen Vorschlag die ‘asozialen Medien’ betreffend soll und wird auch hier Fürsorge aus dem persönlichen sozialen Umfeld herausgelöst und institutionalisiert werden – was natürlich zu einer weiteren Schädigung eben dieses Umfelds führen wird. Was auf den ersten Blick wie eine ‘fürsorgliche’ Reaktion wirkt, wird das Problem also nur weiter verschärfen. Just another slippery slope…
Vollkommen richtig. Und auch vom Ansatz her ist es wieder nur Symptombekämpfung.
Eine kaputte Gesellschaft kriegt man nicht gesund, wenn man nicht an den Ursachen ansetzt: Eine wichtige ist die Konkurrenz aller gegen alle. Davon wird man einsam, und Einsamkeit macht krank. Menschen brauchen Gemeinschaft, Geborgenheit, sinnstiftende, erfüllende Aufgaben und Liebe. Liebe gibt es im Kapitalismus nicht mal gegen Geld.
Das weiß man eigentlich alles schon längst…
Ganz genau. Das ging so lange gut, wie noch kleinere Subgemeinschaften existiert haben. Inzwischen bleibt nur die Einsicht in die Tatsache, dass die Menschheit an sich eine einzige Gemeinschaft ist…. ja, dass alles Existierende miteinander verwandt ist.
Die Welt bin wechselnde “wir” und “die” einzuteilen wird offenkundig immer schwieriger.
Alles hat seine Zeit. Auch die Überwindung des Konkurrenz-Prinzips.
Diese Subgemeinschaften existieren immer noch, man müsste sie nur wieder entdecken und befähigen. Und größere Strukturen, die von Subgemeinschaften gesteuert (nicht: beherrscht) wurden, haben – und hier verweise ich wieder auf Graeber/Wengrow ‘Anfänge’ – nachweislich existiert und existieren auch heute noch.
Somit bliebe dieser Gedanke möglich, abgesehen von seiner Notwendigkeit.
Es geht um Überwachung.
Alles andere ist vorgeschoben.
Nein, sicher nicht…
Jemand hatte eine gute Idee FÜR die Schüler. Durchgesetzt hat sie sich aber, weil sich das zur Überwachung eignet.
Diese Staatsdiener, im englischen heissen die übrigens genau das Gegenteil: Public Servants!, von denen es in DE seit immer schon jede Menge gibt, sind das Problem. Heute sind diese Grün gefärbt und wird mindestens eine ganze Generation dauerm bis man dieses wiederliche Pack endlich wieder los ist.
das sollten sich all die gut-Menschn hinzter die Ohren schreiben, die meinen mit ihren Welt-Rettungs-Ideen etwas ändern zu können
Big Brother is watching you – nun aber wirklich. Die pseudo-menschenfreundliche Motivation derjenigen, die solche Manipulation zulassen, bezahlen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein Scheunentor in die 1984er-Welt handelt, in der jede menschliche Regung minutiös überwacht und ausgewertet wird. Das Thema Suizidprävention bei Jugendlichen eignet sich dafür vorzüglich, wer könnte etwas dagegen haben? Aber ist dieser Schritt einmal getan, kann man dann leicht weitermachen und alles Mögliche ausspionieren, noch viel gründlicher als ohnehin bereits der Fall in der schönen, nicht mehr ganz neuen Internet-Welt.
Aber nicht nur die hohe Missbrauchswahrscheinlichkeit ist problematisch. Es handelt sich um eine typische End of Pipe-‘Lösung’, nachdem die Teens in suizidale Gemütsverfassung gebracht worden sind, versucht man, sie von der Ausführung ihres Wunsches abzuhalten, statt angesichts der im Artikel genannten Zahlen sich zu fragen, was in dieser Gesellschaft dermassen schief läuft, dass der Wunsch nach Selbstauslöschung bei so Vielen so stark wird. Das kommt ja nicht aus heiterem Himmel, das baut sich über lange Zeit auf. Und es hat ganz gewiss mit den spätkapitalistischen Zuständen zu tun, denen diese jungen Menschen ausgesetzt sind. Ein hypermaterialistischer Wahnsinn, Vereinzelung, Bildschirme als Surrogate sozialer Kontakte, Dazu ein stures Weitermachen, Festhalten an weiterer Naturzerstörung, Erwachsene, die weitgehend autistisch ihren vermeintlichen Interessen nachhetzen, dabei alles zertreten, was ihnen unter die Füsse kommt.
Jugendliche neigen noch stärker als Erwachsene zu Schwarzweissdenken, was wirklich schwarz ist, oder vielleicht ‘nur’ grau, wird tiefschwarz wahrgenommen. Das war aber schon immer so. Neu ist, dass die reale Welt sich eingedunkelt hat. Aber bloss nicht sich damit befassen, stattdessen Umsatz machen mit Software mit dem modischen Label KI versehen. Weitermachen, weitermachen, weitermachen…
Was glauben Sie wie besonders Jugendliche(gerade in der Pubertät) agieren und reagieren wenn sie permanenter Überwachung ausgesetzt sind?
Die Frage ist natürlich eher Rethorisch.
Das weiß ich natürlich nicht, aber die 1.Frage ist doch, ob sie es überhaupt merken. In gewisser Hinsicht werden sie doch schon überwacht, wie die Älteren natürlich auch.
Grüße aus dem Paralleluniversum.
“I think he is crazy”
https://t.me/DDGeopolitics/133749
Während der Typ voll zugedröhnt uns seine Scheiße hier ausschüttet. Ach ja BTW, nach seinen Aussagen hat die Ukraine überschaubare 40.000 Soldaten verloren, während Russland 700.000 Opfer zu beklagen hat.
Völlig Balla-Balla. Der Wertewesten hat sich komplett demaskiert. Das kann nicht mehr repariert werden.
Statt die Wurzel des Übels anzugehen, doktert man an den Symptomen herum. Die Forschung, Ärzte, Lehrer, Universitäten sollten sich fragen, was die jungen Menschen in den Selbstmord treibt.
Hier gilt es anzusetzen. Irgendeine KI löst überhaupt kein einziges Problem. Was bringt einen Menschen dazu, sich selbst zu töten?
Da kann man aufzählen; kein Vater, keine Mutter oder beide waren nicht präsent und haben ihrem Kind nicht die Zuwendung gegeben, die es gebraucht hätte.
Verlorene Werte. Was gibt Menschen einen Halt? Gute Traditionen sind zugunsten einer scheinbar grenzenlosen Freiheit entsorgt worden.
Es gibt keine Zukunfts- und Berufschancen mehr. Man verdient mit ehrlicher, harter Arbeit nicht genug Geld, um die Familie zu versorgen. Der Lohn reicht nicht mehr, man verarmt, wird womöglich arbeitslos und hat kaum noch Perspektiven für die Zukunft.
Jungen und Mädchen werden in der Highschool gemobbt und ausgegrenzt. Das führt zu Isolation und zu Selbstmordgedanken.
Die Menschen haben keine sozialen Kompetenzen mehr. Sie igeln sich ein und vereinsamen vor dem Smartphone oder dem Computer. Warum gibt es überhaupt Social Media? Weil man im echten Leben keine Freunde mehr hat.
Menschen finden keine Partner mehr. Frauen entziehen sich Männern, die Trump gewählt haben und lehnen Sex mit ihren Partnern strikt ab. Es herrscht Gefühlskälte und Eigenintrospetion ist für viele ein Fremdwort.
Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Poltik gibt riesige Summen für das Militär aus, während für die Bedürftigen nichts übrig bleibt.
Fixierung auf sich selbst und seine eigenen Probleme. Kein Interesse mehr an anderen Menschen.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen, aber ich belasse es dabei.
Schülerüberwachung ist in der heutigen Zeit scheinbar problemlos mit KI zu machen. Aber wie schon gesagt. KI löst kein einziges Problem.
apropos Suizid
.
Das ist Kodokushi-Vermeidung! In Japan sterben fast 5% (gemessen an der Gesamtzahl der Toten p.a.) der Menschen vereinsamt, liegen dann wochen- oder sogar monatelang in der Wohnung.
Wenn das jetzt in Schulen kommt, wie lange laufen diesen Programme dann bei allen Silicon Valley Tec Konzernen und im Internet und auf Spiegel und auf Telepolis? ?
Ich meine die meisten von uns wurden doch aus Telepolis “rausgefiltert”, ist das noch niemandem aufgefallen?
Frage für einen Freund.
Kennt ihr euch denn alle?
🐟
Alles Kinderkram. Bald wird man Hirnaktivitäten mittels KI in Sprache übersetzen können. Die Gehirn-Computer-Schnittstelle ist ein wichtiger Schwerpunkt bei Meta & Co. Wenn ich das richtig verstanden habe gibt es in den USA eine an Depressionen leidende Frau, die sich nach der Implantation eines Chips, der ihre Gehirnaktivitäten beeinflusst, viel besser fühlt. Ist ja alles nur zum Guten. Ich bin erleichtert.
Bei dir sind sowieso Hopfen und Malz verloren. Schade um den schönen Chip.
Hätte man besser für ne coole Playstation verwenden sollen als deinen IQ von 27 auf auf 28 hoch zu Boostern.
Ätschi Bätschi
Wundert mich gar nicht dass ein Depp wie du solche Scheiss glaubt… wir sind Welten von sowas entfernt, aber die aktien der Investoren müssen halt steigen….
Nazi träumt mal wieder vom totalen Terror.
Gerade habe ich diesen ARD-Bach-Weihnachtsfilm zuende gekuckt.
Mußte mehrfach pausieren, weil derart viele neoliberale Muster in dem Streifen verpackt sind,
dass ich es kaum aushielt. Nicht mitgezählt, wie oft der Satz: ‘An die Arbeit!’ gerufen wurde.
Man sieht: eine gebeutelte Familie, Stress pur, böswillige Beamte (Vorgesetzte),
Vater-Sohn-Konflikte, Konkurrenzdramen, Hektik, Erschöpfung, und den Beginn eines im letzten Augenblick
doch noch auf die Beine gestellten Weihnachtsoratoriums.
Ich frage mich die ganze Zeit: war das damals ebenso anstrengend wie heute?
Jedenfalls hat der Film mich wütend gemacht, denn er soll wohl zeigen:
Seht her, da habt ihr’s heute doch ganz gut!
Ausbeutung /Selbstausbeutung gibts schon immer, also: so muss das dann auch weitergehn!
Was das mit dem Thema Suizidalität zu tun hat? Alles.
Manche haben einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Mist.
Auch Kinder schon, btw. die vor allem nicht.
In den News: ‘Letzte Generation’ heißen jetzt nicht mehr so.
Haben neue Pläne. Welche? K.A.