US-Entwicklungshilfe: „Wir bestehen im Rahmen unserer ‚America First‘-Außenpolitik auf greifbaren Nutzen bestehen“

Das war einmal noch unter der ersten Präsidentschaft von Trump. Zumwanda Rural Health Centre in Sambia. Bild: Amy Fowler/USAID

 

Die Brutalität und Unmenschlichkeit des anti-woken Trump-Regimes ist mit den gewaltsamen Massenfestnahmen und -abschiebungen ebenso deutlich geworden wie mit dem teils mörderischen Vorgehen gegen Protestierende und natürlich der Unterstützung des israelischen Gazekrieges und zuletzt des Kriegs gegen den Iran.

Hinter diesem Krieg wird gerade Kuba zur Übernahme durch das Kappen von Öl und Gas vorbereitet, allerdings sollen zwei russische Schiffe die nächsten Tage mit Öl und Gas nach Kuba kommen, nachdem Venezuela ausfiel und Mexiko seit Januar nicht mehr geliefert hat. Washington will dies verhindern. Zeitweise ist es auf der ganzen Insel dunkel, weil es keinen Strom mehr gibt. Touristen, eine Haupteinnahmequelle bleiben aus, Lebensmittel werden knapp. Washington beeinträchtigt das Leben aller Kubaner, aber das interessiert dort nicht.

Noch deutlicher zeigt sich das Gesicht der Trump-Regierung oder des Trump-Regimes in einem anderen Fall, den die New York Times aufgedeckt hat. Bekanntlich wurde die Entwicklungsbehörde USAID von Trump abgewickelt. Millionen, die medizinische, Lebensmittel- oder Bildungshilfen erhalten hatten, wurden plötzlich mit der Parole America First alleine gelassen.

In Afrika wurde erneute, oft gegenüber vorher drastisch gekürzte Hilfe an Vereinbarungen unter Ausschaltung von Hilfsorganisationen mit den Ländern geknüpft, die eigenen Gesundheitsausgaben um ein Vielfaches zu erhöhen, wobei völlig unklar ist, wie die sowieso verschuldeten Länder dies leisten können. 24 afrikanische Länder gingen bislang diese Verpflichtungen ein, vielleicht auch weil sie auf ein Ende der Trump-Zeit spätestens zum Ende seiner Präsidentschaft warten, vor allem aber, weil sie auch die geringere Hilfe schlicht benötigen. Sambia war neben Simbabwe zu einem solchen Deal nicht bereit, in Kenia wird der geschlossene Deal vor Gericht verhandelt.

Der Fall Sambia macht klar, dass Hilfe vom Trump-Regime bedeutet, sie muss bezahlt werden, so dass die USA einen Profit aus Hilfeleistungen schlagen können. Bei Sambia, das von amerikanischer Entwicklungshilfe abhängig ist,  geht es im wesentlichen darum, US-Unternehmen einen größeren und privilegierten Zugang zu Bodenschätzen zu öffnen, vor allem zu Kupfervorkommen. Um das durchzusetzen, wird auch mit Menschenleben gespielt. Nach einem Memo von Außenminister Rubio soll die Hilfe für Sambia massiv reduziert werden, wenn die Regierung nicht amerikanischen Unternehmen den Zugang zu den Bodenschätzen öffnet. Dabei geht es in erster Linie um 1,3 Millionen Menschen, die an HIV erkrankt sind und bislang durch amerikanische Hilfe ihre lebenserhaltenden Medikamente erhielten.

2025 erhielt Sambia 164 Millionen US-Dollar für HIV-Programme von insgesamt 360 Millionen. 2024 betrug die Hilfe noch 580 Millionen. Jetzt bietet das US-Außenministerium drei Vereinbarungen an, die umgesetzt werden müssen, um überhaupt weiter Hilfe zu erhalten. In dem Memo heißt es: „Deutliche Kürzungen der amerikanischen Auslandshilfe würden den Empfängerländern deutlich vor Augen führen, wie ernst es uns mit der Zusammenarbeit ist und dass wir im Rahmen unserer ‚America First‘-Außenpolitik auf greifbaren Nutzen bestehen.“

Über die Verhandlungen mit der sambischen Regierung wird die Erpressung noch deutlicher: „Zu jedem Zeitpunkt der Verhandlungen haben wir deutlich gemacht, was die Regierung der Republik Sambia zu verlieren hätte, sollte sie nicht handeln. Immer wieder mussten wir damit drohen oder tatsächlich Hilfe zurückziehen, die für die Republik Sambia wichtig war, um Fortschritte bei unseren Prioritäten zu erzielen.“

Nach dem Memo, so die NYT, bietet die US-Regierung 1 Milliarde Dollar an medizinische Hilfe für 5 Jahre, wenn Sambia sich verpflichtet, selbst 340 Millionen zusätzlich aufzubringen. Dazu muss Sambia US-Unternehmen einen größeren Zugang zu den riesigen Bodenschätzen geben. Damit sollen nicht nur US-Unternehmen gestärkt und neue Ressourcen für die USA erschlossen werden, es geht auch geopolitisch darum, den Zugriff Chinas auf die sambischen Minen möglichst zu beenden. Zugriff will Washington vor allem auf die riesigen Kupferressourcen erhalten. 2023 bestanden die Exporte des Landes zu 64 Prozent aus Kupfer. Die meisten Exporte gingen in die Schweiz, gefolgt von China. Und als dritte Forderung soll der Vertrag mit der amerikanischen Millennium Challenge Corporation neu verhandelt werden. 2024 war vereinbart worden, dass Sambia 458 Millionen Dollar Landwirtschaftshilfe erhalten soll. Jetzt sollen damit Veränderungen in der Regulierung des Bergbaus und anderer Branchen verbunden werden.

Überdies soll aus Sambia Gesundheitsdaten abgeschöpft werden. Obgleich der Dealentwurf nur die Finanzierung von Gesundheitshilfen über 5 Jahre vorsieht, soll Sambia die Gesundheitsdaten der Bürger für 10 Jahre den USA übergeben. Und biologische Proben, die im Rahmen der Krankheitsüberwachung gesammelt wurden, soll 25 Jahre lang an die USA gehen. Dabei gibt es keine Garantie, dass Sambia Zugriff auf Forschungsergebnisse, die mit diesen Proben gemacht werden, beispielsweise für die Entwicklung von Impfstoffen.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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7 Kommentare

  1. Das passierte in der West-Bank (Donnerstag den 19.03.2026):
    Es sterben vier Frauen in Beit Awwa, westlich von Hebron als Reste einer Abwehrrakete auf einen Frauen-Salon fallen. Es gibt eine Schwerverlezte.
    Das Militär begibt Silat Al-Harithiya, westlich von Jenin.
    Das Militär begibt sich nach Al-Yamun, in Jenin.
    Das Militär entwurzelt Olivenbäume in Ein Yabrud, östlich von Ramallah.
    Das Militär begibt sich in die Al-Masyaf und Al-Irsal Viertel in Ramallah.
    Das Militär errichtet in Beit Furik, östlich von of Nablus einen Checkpoint und verursacht einen Stau. Die Siedler zünden in Abu Falah, nordöstlich von Ramallah ein Kraftfahrzeug an. Es gibt mehrere Verletzte vom Beschuss mit Metallkugeln mit Gummibeschichtung (Militär-Munition) und Tränengas.

    Ein Siedler erschiesst Ayed Ezzat Arar,60 in Qarawat Bani Zeid, nördlich von Ramallah auf einem Parkplatz (Parkplatzwächters stirbt am Arbeitsplatz) [1].
    Das Militär hat in Beit Ummar, nördlich von Hebron einen Vater und seinen Sohn festgenommen. Es wurden über dreissig Kraftfahrzeuge ‚konfisziert“ die „nicht registriert“ waren (Hausdurchsuchungen in nahezu allen Vierteln der Stadt).
    Die Siedler haben in Beit Furik, östlich von Nablus die Einwohner angegriffen (z.B. Khirbet al-Tawil). Das Militär hat in Ein Yabru, östlich von Ramallah zwanzigtausend Quadrameter (20 Dunam) mit einem Militär-Bulldozer bearbeitet (Olivenbäume entwurzelt).

    In Beit Ummar, nordwestlich von Ummar, haben dutzende von Siedlern die Einwohner angegriffen und sie mit Pfeffer-Spray besprüht. Das Militär schiesst mit scharfer Munition auf die Zuhause. Es gab im Februar 1.965 Angriffe von Siedlern auf die Palästinenser (Personen, Felder, Eigentum). Es wurden 1.054 Olivenbäume zerstört [2].

    Das passierte u.a. in Gaza:
    Bei zwei Angriffen auf Gaza-Stadt werden vier Menschen getötet. Es gibt mehrere Verletzte. Einer der Toten hatte Vorbereitungen für Eid al-Fitr (Feiertag am Ende vom Ramadan) getroffen (Daif Allah al-Fayoumi, 25, Ali Abdul Razzaq al-Mamlouk, 22 , Hamza Kamal Siyam, 24, Mohammed Hussam Farhat, 20).

    Tun Sie von den Amerikanern keine Waren kaufen. Auch nicht im Fast-Food Restaurant.
    Tun Sie auch nicht für amerikanische Unternehmen arbeiten. Auch nicht für Unternehmen die für amerikanische Unternehmen arbeiten.

    Mitmachen bei einer Aktion gegen den Völkermord.
    Eine Unterschriftenaktion auf EU-Ebene bei der jede Stimme zählt.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    [1] Es stirbt Ayed Ezzat Arar, 60 in Qarawat Bani Zeid, nördlich von Ramallah an einem Herzinfarkt bei einer Provokation von einem Siedler auf einem Parkplatz.
    [2] Wall and Settlement Resistance Commission.

    1. @Termolo: Haben Sie eigentlich auch einmal etwas zum jeweiligen Artikel zu sagen und dieser hier behandelt wahrlich ebenfalls ein bitterernstes Thema!
      Meine Fresse…

    2. @jemp1965
      Finden Sie nicht es langt, wenn über siebzigtausend Menschen ermordet werden? Und bei einer Hungersnot über vierhundert Menschen verhungern? In diesen Wochen mehrere Länder in Europa von sich geben dass Schiffe geschickt werden um irgendwie eine Position im Iran-Konflikt zu beziehen aber ausser Statements abgeben nichts getan haben gegen die Ermordung von Frauen und Kindern? Diese Länder bekommen von den Juden eine erfolgreiche Aussenpolitik. Die Innenpolitik war in den Nachrichten über den Völkermord nicht berichten.

  2. Liest hier eigentlich hin und wieder mal jemand Korrektur? Das wäre wünschenswert, weil so doch ziemlich viel in die Binsen geht. Hier zum Beispiel gleich die Überschrift.

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