Umfrage in der Ukraine mit einer Antwortrate von 10 Prozent

Aus der Ausstellung „Ziel zerstört. Der Himmel der Region Kiew“. Bild: National Museum of the History of Ukraine in the Second World War / Facebook, Kyiv City Military Administration

 

Selten wird bei Umfragen die Antwortrate angegeben, also das Verhältnis der Zahl der Angefragten zu der von denjenigen, die sich befragen ließen. Je geringer die Antwortrate ist, desto weniger aussagekräftig ist die Umfrage. Bei einer Umfrage im März in der Ukraine über die wichtigsten Probleme des Landes und die Bewertung von Politikern gab das Institut Socis erfreulicherweise die Antwortrate auf die telefonische Umfrage an: 10,05%. Teilgenommen haben 1204 Personen, angefragt wurden demnach mehr als 12.000 Personen, von denen 90 % ihre Meinung nicht kundgeben wollten.

Umfragen in der Ukraine werden häufig zitiert, wenn es um die Beliebtheit von Selenskij und anderen Politikern oder öffentlichen Personen geht, vor allem aber dann, wenn nach der Haltung zum Krieg, der Kampfbereitschaft und dem Wunsch nach Frieden mit der Akzeptanz welcher Kompromisse gefragt wird. Man darf annehmen, dass die Antwortrate bei Umfragen anderer Institute nicht sehr viel anders aussehen wird (dazu siehe auch: Die Umfrageinstitute haben seit Jahrzehnten den Begriff Repräsentativität zu ihrem Goldstandard erklärt).

Dazu kommen in der Ukraine weitere Probleme mit der Repräsentativität. So können die Ukrainer in den von Russland besetzten Gebieten nicht befragt werden. Befragt wurden auch nicht die Bürger in umkämpften Gebieten, Socis sagt selbst: „ein Großteil der Gebiete Donezk, Cherson, Saporischschja und Charkiw“. Dazu kommen Binnenvertriebene  und die vielen  Ukrainer, die ins Ausland geflohen sind. Offenbar stellt Socis hier Schätzungen an, die auch nicht sehr zuverlässig sein müssen. Soldaten werden erst gar nicht erwähnt. Trotzdem wird versichert: „Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter (über 18 Jahre), Geschlecht, Siedlungstyp (Stadt/Dorf) und regionaler Aufteilung nahezu repräsentativ für die Gesamtbevölkerung des Landes. Soweit möglich, wurden die Anzahl und die Struktur der Binnenvertriebenen, der im Ausland lebenden Staatsbürger, der vorübergehend besetzten Gebiete und der Gebiete, in denen aufgrund aktiver Kampfhandlungen keine soziologische Befragung möglich ist, berücksichtigt.“

Bei all diesen Unwägbarkeiten wird das Konfidenzintervall mit stolzen  +/- 2,5% angegeben. Das ist grotesk. Aufgefallen ist das dem ukrainischen Politikwissenschaftler Wladimir Fesenko. Die geringe Antwortrate schwäche die Gültigkeit der Daten erheblich, sagt er,  und bestätige ein systemisches Problem aller Marktforschungsunternehmen: „Soziologen selbst bezeichnen dieses Phänomen als ‚Schweigespirale‘, was bedeutet, dass Menschen ihre Ansichten verbergen, wenn sie diese als unpopulär betrachten. In unserem Fall äußert sich diese Verschleierung schlicht in der Weigerung, an soziologischen Umfragen teilzunehmen.“ Für ihn sind die 90% die „schweigende Mehrheit“, eine „black box“, die etwa bei Wahlen für Überraschungen sorgen könne.

Gleichwohl könnte ein gewisser Trend erkennbar sein, wobei wahrscheinlich die regierungsfreundlichen und nationalistischen stärker als in der schweigenden Mehrheit sein könnten (Sind die Ukrainer bereit, die von Russland geforderten Gebiete im Donbass abzutreten?). Daher ist trotz aller Vorbehalte interessant, dass die Auswirkungen des Kriegs und die Mobilisierung erst an sechster und siebenter Stelle der dringenden Probleme rangieren. Die Korruption der Regierung steht an erster Stelle, gefolgt von Anstieg der Lebensmittelpreise, hohen Stromrechnungen, geringen Renten und Sozialleistungen und niedrigen Löhnen.

In der Beliebtheit kommen Saluschnyi und Budanov vor Selenskij, auch wenn es um deren Parteien geht. Gleich nach Selenskijs „Diener des Volkes“ findet man die Asow-Partei (Nationales Korps?) und die Partei der 3. Angriffsbrigade (ebenfalls Asow). Gefragt, welche Partei sie unter keinen Umständen wählen würde, nannten mit 24% die meisten „Diener des Volkes“, gefolgt von der Partei Jurij Bojkos, der Europäischen Solidarität“ von Poroschenko und der Vaterlandspartei von Timoschenko. Gleich sagen die meisten, sie würden, wenn jetzt Präsidentschaftswahlen wäre, Selenskij knapp vor Saluschnyi wählen. Bei der Frage, wen sie wählen würden, falls der von ihnen gewählte Kandidat nicht auf der Liste stand, gaben die meisten Budanov an. Den scheint Selenskij als Konkurenten zu fürchten, weswegen er ihn vielleicht zum Chef des Präsidialbüros gemacht hat. Während Budanovs Vorgänger Jermak immer um Selenskij und der mächtige Mann war, scheint Selenskij ihn zu schneiden. Es heißt, er habe angewiesen, den Anordnungen von Budanov nicht zu gehorchen. Budanov äußert hingegen inzwischen öfter Meinungen, die Selenskijs konterkarieren.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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28 Kommentare

  1. Meinungen zum Schweigen zu bringen schwächt nicht nur diese. Auch ihr Unterdrücker bekommt nach einer Weile das Problem, seine schweigenden Gegner immer weniger einschätzen zu können.
    Aber vielleicht lässt sich dieses Informationsdefizit ja noch durch konsequente Überwachung der privaten Kommunikation ausgleichen. Auch die Auswertung von KI-Chats wäre vielleicht ein vielversprechender Ansatz.

  2. Der Autor muss nur einen Artikel weiter unten einbauen, dann weiß auch er, dass Umfragen ein Teil der Manipulation sind und nicht Ausdruck der Bevölkerungsmeinung.
    Geschenkt.

    1. Ich würde noch einen Schritt weitergehen. Jetzt nicht gerade auf die Ukraine gesehen.
      Aber Umfrageergebnisse können auch die Manipulation von Wahlen rechtfertigen.
      Die erste Beeinflussung fördert die 2.

  3. Wer in einem Land wie der Ukraine, wo Menschen auf offener Straße von der Regierung gekidnappt werden, bei einer Telefonumfrage offen und ehrlich seine Meinung äußert, ist entweder akut suizidgefährdet oder hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Es bräuchte nur einen einzigen Mitarbeiter, der die Liste der Telefonnummern an einen Geheimdienst weiterleitet, damit die Gespräche abgehört werden können, oder ganze Umfrage könnte ein Fake der Regierung sein.
    Wer dann die falsche(n) Antwort(en) gibt, der bekommt Besuch von Elendskjs Asow-Kumpels und wird von denen auf den „rechten Weg“ gebracht – und der führt schnurstracks an die Front.

    Und apropos Asow: Erstaunlich, dass gleich 2 der 3 beliebtesten Parteien zum Asow-Sektor gehören, wo es in der Ukraine doch angeblich gar keine Nazis gibt. Das muss wohl so ähnlich sein wie bei uns im Bundestag, wo Regierung und weite Teile der Opposition für Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit sind, obwohl es da doch angeblich gar keine Kriegstreiber gibt.

    1. Die Ahnung, dass etwas Falsches zu sagen, lebensgefährlich sein könnte, wird professionell in diesem Zitat ausgedrückt. „„Soziologen selbst bezeichnen dieses Phänomen als ‚Schweigespirale‘, was bedeutet, dass Menschen ihre Ansichten verbergen, wenn sie diese als unpopulär betrachten.“ Wobei hier „unpopulär“ durch „unerwünscht“ ersetzt werden müsste.
      Wenn man weiß, was die Regierung und der Wertewesten hören will, es aber nicht nachplappern will, sagt man besser gar nichts.

  4. Da fällt mir der Kabarettist Volker Pispers ein, den ich sehr vermisse. Volker Pispers hat in einer Kabarettveranstaltung auch einmal eine Umfrage zitiert. In dieser Umfrage ging es um die Zufriedenheit der Bürger mit der Politik der deutschen Bundesregierung. Laut Umfrage waren 75 Prozent der Befragten mit der Politik der Bundesregierung unzufrieden und 75 Prozent mit Angela Merkel zufrieden oder sogar sehr zufrieden. (In derselben Umfrage mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin!)

    Die mögliche Erklärung von Volker Pispers war: Es sind bzw. waren dieselben 75 Prozent und die würden die Bundeskanzlern Merkel mit der Politik der Bundesregierung überhaupt nicht in Verbindung bringen und das obwohl es in Artikel 65 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland von 1949 explizit heißt: „Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung.“

    Ein Komiker könnte an dieser Stelle einwenden, dass da auch nix von Bundeskanzler“IN“ bzw. Bundeskanzler (m/w/d) steht. Das ist richtig, das mit diesem „Gegendere“ hat aber zum Zeitpunkt der Umfrage kein Schwein interessiert, weder die Sau noch den Eber und auch die Ferkel und die Schweine nicht, die nicht wissen, welches Geschlecht sie haben.

    Und noch eine schöner Satz von Pispers: Was hier los wäre, wenn viel mehr Leute wüssten, was hier los ist.

    Ich bin mir allerdings heute ziemlich sicher: Auch dann, wenn alle Bürger(+INNEN bzw. m/w/d) in diesem Land wüssten, was hier los ist, würde es nicht wenige Leute geben, die „so tief sinken und den Kakao, durch den man sie zieht, auch noch trinken“ (frei nach Erich Kästner).

    1. Der Pispers, wir haben ihn erst heuer (!)
      entdeckt, ist ein Hammer. Auszüge aus seinen Programmen sollten jeden Tag zur besten Sendezeit auf allen „Kanälen“ laufen.

      1. Ja, zum Beispiel auch seine Bemerkungen zum Thema Corona, die er auf seiner Website https://pispers.com zum Besten gibt. Er hat seinerzeit (Frühjahr 2020) wohl noch nichts gehört vom Strategiepapier des BMI „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“. Auch die folgenden staatlichen Maßnahmen und Planungen haben ihn sichtlich nicht interessiert.
        Ich fand seine Bonmots früher ganz treffend, aber die Anwürfe und Ausreden auf seiner Website sind unter aller S.u.

  5. Nun ist die Ukraine im Krieg, ein schlimmer Zustand, in dem der Mensch das Bedürfnis hat, sich zu äußern. Hier aber äußern sich 90 Prozent nicht. Die haben Angst. Richtig Angst. Was darauf hindeutet, dass das inzwischen ein knallharte Diktatur ist und die Ukrainer wissen das.
    In den russisch besetzten Gebieten durften die Bewohner ja durchaus abstimmen. Sie haben sich miz überwältigende Mehrheit für einen Verbleib bei Russland geäußert. Wurde vom Westen nicht einmsal angezeweifelt. Von mir auch nicht.

  6. Erst überfällt Russland die Ukraine und dann macht sich der Autor darüber lustig, dass die Umfrage nicht auch in den besetzen Gebieten durchgeführt wird.

    Immerhin stimmt er zu, dass Russland ukrainisches Gebiet besetzt und damit der Angreifer und Aggressor ist.

    Ein kleiner Lichtblick bei der ansonsten tendenziösen Berichterstattung des Autors.

    1. „die Umfrage“

      Putin hat in den Umfragen fast 12%-Punkte verloren. Die Zeiten der grossen Kriegseuphorie der Russen von 2022 als nach dem Einmarsch in die Ukraine die Beliebtheit des Friedenszaren auf 77% gestiegen war, scheinen vorerst zu Ende zu sein. Interessant in der aktuellen Umfrage, in welchen sozialen Gruppen der Friedenszar seine grösste Zustimmung geniesst bzw nicht mehr hat:

      >Die Zustimmung fällt besonders hoch aus bei Befragten unter 40 Jahren (68 Prozent), bei wohlhabenderen Haushalten (74 Prozent), bei Studierenden (76 Prozent) sowie bei jenen, die russische Videoplattformen wie VK-Video oder Rutube als Informationsquelle nutzen (76 Prozent).

      Deutlich skeptischer zeigen sich Befragte zwischen 40 und 54 Jahren (34 Prozent Ablehnung), einkommensschwache Haushalte (37 Prozent) sowie Unternehmer (37 Prozent). Besonders hoch ist die Ablehnung unter jenen, die Putin als Präsidenten nicht gutheißen (89 Prozent) und YT als Informationsquelle nutzen (48 Prozent).<

      1. Zum Vergleich sollte man doch mal den Zustimmungverlust im demokratischen Westen, z.B. Deutschland (F. Merz) oder USA ( D. Trump) heranziehen. Das wären solche Abstürze doch nie (!!!) zu verzeichnen, oder?

      2. Ach du Schande, 12 Prozent verloren! Man stelle sich das mal bei Merz vor, der liefe damit bereits akut Gefahr, ins Minus zu rutschen.

    2. Im Westjordanland und in Gaza scheinen Wahlen trotz Besetzung, totaler Zerstörung des Lebensraums, mangelnder Ernährung sowie täglichen Angriffen und Enteignungen kein Problem zu sein – jedenfalls nicht für Westen und Co.

      Mich würde in der Ukraine folgende Befragung interessieren (nicht zum ankreuzen, sondern zum selbst ausfüllen):

      Welche Freiheiten hatten Sie unter Janukowitsch nicht, die Sie jetzt haben?

  7. Derweil hat es der deutsche Leopard-Panzer nicht nur bis nach Moskau, sondern sage und schreibe bis nach Pjöngjang geschafft. In Kursk erobert und von Russland an Nordkorea als Geschenk überreicht, löst er nun im dortigen Museum fernöstliche Wellen der Begeisterung aus.

  8. Mit einer etwas anderen Perspektive und dem eventuellen Einbau einer weiteren Antwortmöglichkeit,zu jeder Frage der Umfrage, wobei die Antwortmöglichkeit nun „Kein Kommentar“ oder so ähnlich lauten würde, könnte man dann auch ein vielleicht „repräsentativeres Umfrageergebnis“ bekommen, wobei eben alle Ergebnisse der Umfrage durch 10 geteilt wird und nun zu jeder Frage mit knapp 90% die Antwortmöglichkeit „Kein Kommentar“ abgegegeben wurde.
    Klar man müsste dann eigentlich noch etwas gewichten, da vermutlich eben nicht aus jeder angefragten „Bevölkerungsgruppe“ nun entsprechend ihres prozentualen Anteils an der Grundgesamtheit angefragt wurde, aber das sollte dann doch eher nur einen sehr geringen Einfluss auf das Umfrageergebnis haben ;-). In jedem Falle wären dann die „Beliebtheitswerte“ für alle Politierchen und Gruppierungen dann doch eher maximal im einstelligen Prozentbereich – die negativen Bewertungen allerdings auch ;-).

  9. Die Wahlmöglichkeiten, die in der Umfrage
    angeboten wurden, entsprechen so in
    etwa den Alternativen, die es auch in
    unserem Land so gibt: Pest, Cholera,
    Malaria oder Tuberkulose..

  10. Das halte ich für einen „Glaskugelartikel“.
    Erst lässt sich der Autor über die Schwächen der Umfrage und die Zweifel an der Repräsentativität aus, um dann zu versuchen, daraus Erkenntnisse zu ziehen.
    Mal wieder Spekulationen…..
    Gesichert ist doch eigentlich nur weniges:
    -Die 90 Mrd. reichen nicht, die EU kann weitere Gelder, wenn überhaupt, nur unter größten Schwierigkeiten generieren
    -Die Ukrainer veranstalten Menschenjagden, um ihre Verluste auszugleichen, was den Schluss zulässt, das die Verluste die Ersatzgestellung übersteigen.
    -Die ukrainische Führungsriege ist nachgewiesen korrupt
    -Russland hat ungefähr doppelt so viel Einwohner wie die Ukraine
    -Russland ist das größte und eines der rohstoffreichsten Länder der Erde
    -Russland ist bis zum Eintreten der Schlammperiode konstant vorgerückt. Die Schlammperiode endet jetzt
    -Russland hat die Luftherrschaft
    -Russland ist neben den USA die größte Nuklearmacht der Erde
    Dies alles ist sicher, aber nicht viel mehr. Alles weitere ist spekulativ!
    Eine Frage bliebe vielleicht noch:
    Hat Friedrich Merz eigentlich einen Globus?

  11. Thread Reader

    Die Russen können aufatmen. Zumindest Igor Strelkov hält einen Generalmobilmachung für nicht mehr notwendig.

    1/ After spending years demanding a full mobilisation, Igor ‚Strelkov‘ Girkin has come to the realisation that it would now be pointless: Ukraine’s swarms of drones are capable of destroying „any number of infantry“, and Russia doesn’t even have enough weapons to arm them. ⬇️
    2/ A reader of his Telegram channel asks:

    „Question: there’s increasing talk of possible mobilisation—do you think the government will take such a step? And is mobilisation necessary under the current circumstances?“

    To which Girkin replies:
    3/ „Mobilisation was needed in the spring of 2022, the spring of 2023, the spring of 2024, and perhaps even the spring of 2025. Now, mobilisation is catastrophically late. Currently, mobilisation, as perceived by the majority of the population, will yield no results.
    4/ „What we need now is to mobilise the military economy. The time when we could defeat, trample, and drive the enemy into the ground with masses of infantry is, unfortunately, over. It existed in ’22, ’23, and ’24. It’s doubtful in ’25, and it simply doesn’t exist in ’26.
    5/ „We are currently waging a war of drones, capable of destroying any number of infantry deployed to battle on any front, no matter how broad.
    6/ „The enemy has established such a production of drones and missiles in Europe and in so-called Ukraine itself that it is now capable of holding the front almost entirely with them, which is precisely what is happening.
    7/ „This means that large masses of people and equipment will be destroyed without achieving any success. Time has been lost.
    8/ „Therefore, mobilisation is, of course, necessary if we are to win at all, but not so much and not only mobilising people for the army, but mobilising people for the military industry, science, and production.
    9/ „And only then, over time (not now, not tomorrow, and not the day after), will we achieve a military economy capable of competing with and winning the confrontation with the military economies of Europe and so-called Ukraine.
    10/ „This kind of mobilisation is necessary if, I emphasise again, we want to win, and this desire has been absent since the very beginning of the Special Military Operation Although what the Kremlin actually wants is completely unclear.
    11/ „[Presidential spokesman] Peskov’s statement that Russia is only a few kilometers away from achieving a peaceful settlement in Donbas is, forgive me, a lie and a bluff. Well, which, strictly speaking, is nothing new for this person and the department he represents.
    12/ „Even if we manage to overcome those few kilometers separating Russian forward positions from Sloviansk, Kramatorsk, and other cities of the Donetsk People’s Republic, the war will not end at all, not even in the slightest.
    13/ „Moreover, the enemy intends to wage it and has sufficient forces to do so. Therefore, whether it’s a few kilometers, or even a few dozen kilometers, the war must be waged to win, and not to advance a few kilometers, strewing them with the corpses of our soldiers.
    14/ „Right now, you can mobilise as many people as you want to the front, but they won’t be able to turn the tide of the war. That moment has passed. I’ve been calling for mobilisation for four years.
    15/ „Now I no longer call for the kind of mobilisation I spoke of earlier, because it’s pointless. We, our economy, don’t even have enough weapons to arm them.“ /end

    Source:
    t.me/i_strelkov_202…

    1. Was Du und alle anderen NATO Propagandisten nicht verstanden haben
      oder vorgeben nicht zu verstehen:
      Das ist in der Ukraine kein Krieg wie ihn Westen führt, mit Massen an kaputter
      Infrastruktur und brutal gegen Zivilisten.
      Zu sehen im Irak oder Palästina zuletzt.
      Die Zahlen belegen das auch.
      Das Verhältnis tote Soldaten zu Zivilisten
      ist exorbiatant hoch, nach wie vor können
      sich Politiker aller Couleur problemlos
      in Kiew bewegen, und, und und..

      Also sind solche Statements wie von Dir
      ausführlich zitiert, recht wertlos,
      weil schon die Grundannahme, Russland
      würde einen massiven Eroberungsfeldzug
      in der Ukraine führen, falsch ist…

  12. Grotesk ist es nämlich, wenn Autoren des Overton-Magazins (wieder!) versuchen, eine völlig alltägliche statistische Kennzahl als ukrainischen Skandal zu verkaufen.

    Darf ich eine einfache Frage stellen: Hat Herr Rötzer selbst jemals an einer Telefonumfrage mitgewirkt – auch an einer völlig apolitischen, etwa einer Kundenzufriedenheitsumfrage? Die „Antwortrate“ misst nämlich nicht, wie viele Menschen aus Angst schweigen. Sie misst, wie viele Angerufene sich tatsächlich die Zeit nehmen, eine Viertelstunde mit einem Interviewer zu sprechen – statt einfach aufzulegen.

    Das ist heute absolut verständlich. Spam-Anrufe und Telefonbetrug leider sind Alltag. Genau so wie Fakt, dass die Leute nicht immer Viertel Stunde spontan frei haben.

    Ein kurzer Blick in die Realität hätte geholfen: Das Pew Research Center dokumentiert für US-Telefonumfragen einen Rückgang der Response Rate auf heute rund 6%. Deutsche Institute wie Forsa bewegen sich schätzungsweise bei 10–20%, kommerzielle Kundenumfragen oft noch darunter. Die Socis-Rate von 10% ist damit vollkommen unauffällig – international gesehen sogar eher gut.

    P.S. Was mich auf einen interessanten Gedanken bringt. Der 8. und 9. Mai stehen ja bevor. Vielleicht plant Herr Rötzer für diesen Anlass einen ähnlich kritischen Artikel – diesmal über die methodischen Schwächen sowjetischer Meinungsforschung in den Jahren 1941 bis 1945?

    Mit dem freundlichen Hinweis, dass die UdSSR damals leider keine repräsentativen Umfragen zur Kampfmoral veröffentlicht hat – und dass die Bevölkerung in deutsch besetzten Gebieten dabei ebenso wenig befragt wurde wie sowjetische Kriegsgefangene oder Soldaten der Russischen Befreiungsarmee. Ganz zu schweigen von den methodischen Komplikationen durch Zwangsmobilisierung, Massenerschießungen zur „Steigerung der Kampfmoral“, Befehl Nr. 270 / „Keinen Schritt zurück“ – Maßnahmen, die die Freiwilligkeit der Teilnahme an etwaigen Befragungen doch erheblich beeinträchtigt haben dürften. Hinzu kämen natürlich die Unterernährung sowohl an der Front als auch in der Zivilbevölkerung, die de facto Zwangsarbeit in sowjetischen Rüstungsfabriken – einschließlich Kinderarbeit – und noch vieles mehr.

    Ein solcher Artikel wäre zweifellos sehr aufschlussreich. Ich würde ihn mit großem Interesse lesen.

    Oder wird das alles – unabhängig davon, wie hoch der Prozentsatz der Sowjetbürger war, die wirklich freiwillig bereit waren, nur mit einer Benzinflasche und einem Streichholz gegen einen deutschen Panzerkolonne vorzugehen – schlicht als tragische Folge der deutschen Aggression und deutschen Schuld eingestuft? Als Kontext, der alle methodischen Einwände von vornherein gegenstandslos macht?

    1. Habe ich das auf Angst zurückgeführt, wie Sie behaupten? Nein. Ich habe auf die mangelnde Aussagekraft aufgrund mehrerer Faktoren hingewiesen, da Socis behauptet, dass sie ziemlich gut repräsentativ ist. Überdies habe ich darauf hingewiesen, dass die Antwortrate durchaus nicht außergewöhnlich ist. Umfragen in der Ukraine sind deswegen wichtig, weil sie in Deutschland zur Argumentation verwendet werden.
      Ich weiß auch nicht, wo in Europa während des Zweiten Weltkriegs repräsentative Umfragen durchgeführt worden sein sollen.

      1. Erstmal, Vielen Dank für Ihre Antwort und Zeit, Herr Rötzer.

        Zum Hauptpunkt: Sie verweisen in Ihrem Artikel auf „mangelnde Aussagekraft“, bezeichnen das Konfidenzintervall als „grotesk“ und zitieren ausführlich die „Schweigenspirale“ — alles im direkten Zusammenhang mit einer Antwortrate, die Sie selbst nun als nicht außergewöhnlich einräumen.

        Mangelnde Aussagekraft im Vergleich zu was genau? Heutezutage erzielt man weltweit keine besseren Antwortraten bei Telefonumfragen — weder in Deutschland, noch in den USA, noch sonst irgendwo. Wenn diese Rate als „nicht repräsentativ genug“ gilt, müssten wir die gesamte internationale Umfrageforschung in Frage stellen.

        Zu Ihrer Frage über Umfragen im Zweiten Weltkrieg — interessante Frage, und die Antwort ist: Ja, die gab es. Zum Beispiel in Großbritanien:

        Mass Observation Project, seit 1937 https://www.massobservation.org.uk

        Und außerhalb der Europe in USA:

        Gallup, USA, laufende Umfragen ab 1939: https://news.gallup.com/vault/265865/gallup-vault-opinion-start-world-war.aspx

        National Opinion Research Center, ab 1941, inkl. Militärbefragungen direkt nach Pearl Harbor: https://ropercenter.cornell.edu/topics-glance/world-war-ii

        Aber das war ja eigentlich der Punkt.

        Stellen Sie sich mal einen Artikel vor: „Wie können wir sicher sein, dass das sowjetische/französiche/polnische Volk wirklich gegen Deutschland in 1939/40/41 kämpfen wollte — wenn doch keine repräsentativen Umfragen dazu existieren, und ohnehin nicht alle Bürger für Umfrage erreichbar waren?““

        Man könnte natürlich behaupten, man „frage sich das nur so“.

        Aber ein solcher Artikel hätte eine ziemlich klare Botschaft. Besonders dann, wenn er Teil einer ganzen Serie ähnlicher Artikel wäre — so wie die Artikel hier im Overton-Magazin, die mit sichtlicher Begeisterung die Ukraine für Kriegsrealitäten kritisieren, die für jede verteidigende Nation in jedem Krieg der Geschichte gegolten haben. oder eben weil bei deren Umfragen eine völlig unauffällige und durchschnittliche Antwortquote herausgekommen ist.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Luka R.

    2. In welchem der wichtigen Krieg führenden Länder, Deutschland, Italien Japan, USA, großbritannien, sowjetunion wurden überhaupt während der Zeit des zweiten weltkrieges ähnliche Umfragen durchgeführt?

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