Ukrainischer Regimentskommandeur: „Schießt auf die eigenen Leute, schießt auf alle, die unbefugt fliehen“

Eine der Gruben, die ukrainische Regimenter zur Bestrafung von Soldaten benutzen. Foto zur Verfügung gestellt von der Schwester eines vermissten Soldaten des Shkval-Bataillons. Bild: texty

 

Schon seit einiger Zeit wurde von Misshandlungen, Todesfällen und Folter in ukrainischen Regimenten berichtet. An erster Stelle stand das 425. Sturmregiment  „Skala“, das direkt dem Oberkommandierenden Syrsky unterstand und das größte Angriffsregiment der ukrainischen Streitkräfte ist, der von Selenskij zögerlich entlassen wurde, nachdem Kritik an der vorhergehenden Entlassung von Fedorov als Verteidigungsminister laut wurde. Bislang wurde von brutalen Bestrafungen meist nur in der russischen Armee gesprochen.

Im Juni machte Babel.ua auf die Zustände in „Skala“ aufmerksam, das auch Syrsky-Regiment genannt wird. 25-26 Rekruten, also Zwangsmobilisierte, seien dort seit Ende 2025 in den Ausbildungslagern, nicht im Kampfeinsatz, gestorben. Berichtet wurde von Schlägen, Misshandlungen, Einsperren und verspäteter medizinischer Hilfe. Rekruten würden zu Tode geprügelt. So gelang Alexander Semjonow die Flucht aus dem Stützpunkt seines Regiments in ein Krankenhaus in Kropywnyzkyj. Dort wurden schwere Verletzungen am Kopf, gebrochene Fingern, eine Schnittwunde am Rücken und zerkratzte Händen dokumentiert. Es gibt Fotos.

Die meist eingefangenen Rekruten, darunter offenbar viele Drogensüchtige und Alkoholiker, aber auch psychisch Kranke, kamen zuerst in das Verteilungslager, eine große Baracke ohne Fenster, wo sie wie Gefangene eingesperrt wurden. Ihnen wurde das Handy weggenommen, sie mussten sich ausziehen, wurden durchsucht und durch bewaffnete Wärter eingeschüchtert: „Die erste Erfahrung mit dem Toilettengang war ‚unbezahlbar‘ – in Gruppen, unter den Mündungen von Maschinengewehren, mit ‚raffinierten‘ Beleidigungen und harten Tritten, wenn die Formation oder das Erscheinungsbild nicht ausreichend einheitlich waren. Endlose Kniebeugen, Übungen, Planks“ … Damit sie „erkennen, in welcher Situation sie sich befinden“, keine Zeit verschwenden, sondern sich auf die bevorstehende „Mission“ vorbereiten. Auf der Toilette, im Speisesaal – überall mit bewaffneter Eskorte.“

Von dort wurden sie in Ausbildungslager verteilt, wo sie wieder wie Gefangene gehalten wurden und nicht einmal allein auf die Toilette gehen durften. Wenn jemand zu flüchten versuchte, wurde auf ihn geschossen. Einer, der wieder eingefangen wurde, erzählte: „Kurz gesagt: Sie haben uns gefunden. Sie haben uns die Zähne ausgeschlagen und die Rippen gebrochen. Und dieser Wachmann, vor dem ich weggelaufen bin, sagt: ‚Willst du, dass ich an deiner Stelle an die Front gehe, du Schlampe?‘“ Die derart Gequälten und Unterworfenen galten als „disposable“, als Wegwerfware, für die Front. Natürlich haben sich Männer der Tortur und Demütigung auch durch Suizid entzogen.

Babel hat einen weiteren Bericht über die Erfahrungen von vier Soldaten in dem Regiment veröffentlicht.

Wie mit Rekruten schon ab der Busifizierung umgegangen wird, spricht sich natürlich herum und führt dazu, dass die Gewaltbereitschaft gegen die Rekrutierungssoldaten bei denjenigen zunimmt, die nicht in den Krieg ziehen wollen, um nicht in die Hölle zu geraten. Die Brutalisierung der Gesellschaft wächst. In den Unterstützerstaaten pflegt man, wie in der Bundesregierung, das Wegschauen, Hauptsache, Europa wird  von den angeblichen tapferen und freiheitsbeseelten Ukrainern verteidigt. Immerhin kann über die Missstände in der Ukraine berichtet werden.

„Gruben“ und „Bäume der Wahrheit“

Dass „Skala“ keineswegs ein Einzelfall ist, macht nun ein Bericht von texty,org.ua über die Zustände im 225. Separaten Sturmregiment, das auch zu den „Syrsky-Regimentern“ zählt. Die Autorin Anna Kalyuzhna sagt, sie habe sechs Monate lang recherchiert und Dutzende aktive oder untergetauchte Mitglieder des Regiments und von anderen Einheiten sowie von Angehörigen befragt (Video). Sie habe nur über Fälle berichtet, die sie belegen kann.

Der Bericht wird aufgemacht durch die Wiedergabe eines mit einem Handy aufgenommenen Befehls des Regimentskommandeur Oleg Shiryaev, der damit anordnet, auch auf ukrainische Soldaten zu schießen, die ihre Stellung verlassen:

„Über Funk kommt eine klare Anweisung: ‚Bewegungserlaubnis‘. Alles andere ist Feind. Jeder, der seine Stellung verlässt, Deserteure – auch sie sind der Feind. Merkt euch diese Regel: Schießt auf die eigenen Leute, schießt auf alle, die unbefugt fliehen … Und ihr Schlampen, haltet eure Linien, denn nur so könnt ihr euch nach Kiew zurückziehen. Rückzug heißt also: Verschwinden, ihr Schlampen!“

Shiryaev versucht, sich daraufhin befragt herauszuwinden, dass er „die Regeln für die Truppenbewegungen verschiedener Einheiten und Methoden der Koordinierung zur Identifizierung der eigenen Truppen erörterte, da der Feind im Krieg häufig dazu greift, sich in ukrainische Uniformen zu kleiden und sich als Vertreter der Verteidigungskräfte auszugeben“.

Informanten von texty sagen, dass im 225. OSH nicht nur gedroht werde, auf eigene Leute zu schießen, das würde auch geschehen. Soldaten berichteten, dass ihnen mit der Hinrichtung gedroht wurde, als sie ihre Stellungen bezogen, und dass sie unter brutalen Schlägen zum Vorrücken gezwungen wurden, oft unter Beschuss der Russen und angesichts großer Verluste. Wer sich weigert, wird zwischen den Kämpfen in „Gruben“ (abgeschlossene Räume) geworfen. Dort werden sie geschlagen oder mit Säcken über dem Kopf in den Wald geführt und mit Kampfstiefeln traktiert, bis sie nicht mehr laufen konnten. In einem Fall wurde ein Soldat mit einem Holzbalken so heftig geschlagen, dass dieser  auf seinem Kopf zerbrach.

Andere wurden an den „Baum der Wahrheit“ gekettet, manchmal nackt ausgezogen und mit Plastikrohren oder Stöcken geschlagen, bis ihre Haut aufplatzt. Angehörige von Vermissten vermuten, dass diese dabei totgeschlagen worden sein könnten. Solche Bestrafungsrituale gab es auch vor dem Krieg. Vermeintliche Kollaborateure oder Diebe wurden an Bäume als Pranger gefesselt. Das Anketten an Bäume und die Schläge wurden von der Einheit eingeräumt. Man habe die Verantwortlichen suspendiert und Ermittlungen eingeleitet.

Wie weit verbreitet solche Praktiken sind, bleibt unklar. Die Unterstützer der ukrainischen Regierung und ihrer Streitkräfte tragen, wenn sie die Fortsetzung des Kriegs, den die Ukrainer als Stellvertreter führen, mit Milliarden von Steuergeldern und Waffenlieferungen vorantreiben, eine Verantwortung dafür, was in den Streitkräften geschieht. Diese sind längst Proxy-Streitkräfte, die es ohne die Hilfe aus Europa schon lange nicht mehr geben würde. Man fragt sich auch, warum die großen deutschen Medien über die Art der Mobilisierung (Busifizierung) und Kriegsführung kaum berichten. Jeder kann wissen, was in der Ukraine geschieht, allerdings nicht, wenn man als Gast der Regierung nur vorgeführt bekommt, was man sehen oder hören soll. Die deutschen Bürger müssen wissen, was mit ihrem Geld gemacht wird, von der Korruption ganz zu schweigen, also wofür sie zahlen und Schulden machen.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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3 Kommentare

  1. HIER AUF DIESER SEITE ERSCHEINEN GEHÄSSIGE KOMMENTARE, DIE JEDE
    GRENZE SPRENGEN. > INTERVIEW MIT ULRIKE GUEROT : KOMMENTAR VON EINEM GEWISSEN KOWALSKI AM 29. UM 16:00 . DIE REDAKTION HÄLT BEI
    37° EINEN WINTERSCHLAF ?

    1. Na, na, wie dem auch sei mit „jede Grenze sprengen“, hier ist das doch OT.

      Und zudem, alles groß schreiben gilt im Internet als schreien, und wer schreit hat Unrecht

  2. Der Autor schreibt :
    „In den Unterstützerstaaten pflegt man, wie in der Bundesregierung, das Wegschauen, Hauptsache, Europa wird  von den angeblichen tapferen und freiheitsbeseelten Ukrainern verteidigt.“

    Von wegen „nie wieder wegschauen„ : Hinschauen auf die eigene Mitverantwortung haben wir ganz offensichtlich aus unserer Geschichte nicht gelernt.
    Aus der BRD kein Cent mehr an die ukrainische Regierung, solange diese das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anerkennt !

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