Ukrainischer Kulturminister: Russische Kunst ist „offene Propaganda der feindlichen Kultur“

Kultur- und Informationsminister Oleksandr Tkachenko im Kampf für eine Entrussifizierung der Kultur. Bild: mkip.gov.ua/

Oleksandr Tkachenko will die Namen und auch die Aufführungen russischer Komponisten wie Tschaikowsky und Mussorgsky im Zuge des „Zivisilationskriegs“ aus dem ukrainischen Kulturraum löschen.

 

In der Ukraine wird nicht nur ein militärischer, sondern auch ein kultureller Krieg gegen Russland und alles Russische geführt, der in einen absurden identitären Nationalismus führt. Dabei geht es nicht nur darum, dass die russische Sprache verbannt wird, was u.a. 2014 zum Konflikt in der Ostukraine beitrug, sondern dass auch Straßen und Plätze umbenannt, Bücher und Filme verboten oder Skulpturen entfernt werden, die mit russischen oder sowjetischen Einflüssen assoziiert werden. Neuerdings geht es einmal wieder um Musik.

So hat die Leitung der Nationalen Musikakademie der Ukraine im Juni beschlossen, dass diese weiterhin den Namen von Pjotr ​​Tschaikowsky tragen soll. Sie wurde 1940 nach ihm benannt. Das führte zu Protesten von Studierenden und Lehrern, auch der der Kulturminister Oleksandr Tkachenko schaltete sich ein. Er empörte sich, dass „weder die Empfehlungen des Profilkomitees der Werchowna Rada, noch des Expertenrates zur Überwindung der Folgen von Russifizierung und Totalitarismus“ berücksichtigt worden seien. Zudem sei die Entscheidung gefallen, als Theater sich bereits weigerten, Tschaikoswky aufzuführen.

Der Akademische Rat schickte einen offenen Brief an Präsidenten Selenskij, in dem davor gewarnt wurde, Tschaikowsky durch die Einbindung in das imperiale Narrativ zu verfälschen. Befürworter erklärten, Tschaikowsky  habe kosakische Wurzeln, sei oft in der Ukraine und kein Chauvinist gewesen. Nach einer Debatte entschied die Akademie am 26. Dezember, den Namen des Musikers beizubehalten

Das Problem ist, dass das Kultur- und Informationsministerium den Namen nicht ändern kann, da die Akademie zwar ihm unterstellt ist, aber eine Autonomie genießt. Tkachenko drängt darauf, dass der Name verändert wird, vor allem die Studierenden würden dies wünschen. Das Hauptproblem sei nicht der Name, sondern die Markierung des Bildungs- und Kulturraum der Ukraine, die damit einhergehe.

Für Tkachenko ist der Krieg mit Russland auch ein „Zivilisationskrieg“, bei dem es um die Kultur und die Werte geht, da Russland die ukrainische Kultur auslöschen wolle. So ähnlich sieht das auch der russische Präsident Putin, der in einem Dekret die Förderung der russischen Kultur und der traditionellen Werte angeordnet hatte. Im Krieg wurden auch kulturelle Stätten wie Theater und Museen beschädigt, Russland konfiszierte auch viele Gemälde und andere Kunstgegenstände, aber auch die Gebeine von General Potemkin. Der ukrainische Kulturminister fordert auch vom Ausland, russische Künstler zu boykottieren, wie man das in der Ukraine mit Tschaikowsky und anderen mache. Der Krieg sei auch eine Chance, ukrainische Kunst und Künstler in der Welt bekannter zu machen, die er nutzen will.

Zudem führe man auch einen „Informationskrieg“, den Kampf gegen die russische Desinformation will er verstärken. Kultur wird zur Waffe und damit letztlich Propaganda. Man werde ihn gewinnen, so sagte er, „weil wir die Wahrheit über den Krieg sagen. Alle unsere Journalisten, die in der Ukraine anwesend sind, versuchen, die wahren Fakten darüber zu vermitteln, was die Russen in diesem Krieg tun“. So verkündete er zum neuen Jahr: „Der Krieg zwischen Russland und dem Russischen Reich gegen die Ukraine ist ewig. In diesem Jahr haben wir starke Kultur- und Informationsfronten eröffnet: Wir schützen den Rücken, halten die Verteidigung aufrecht, rücken vor, knüpfen enge internationale Kontakte und stärken diese Fronten mit gemeinsamen Anstrengungen jeden Tag. … Danke an alle, die die Kultur- und Informationsfront gehalten haben und halten.“ Und schließt: „Alles wird Kultur sein, alles wird Ukraine sein.“

Tkachenko will den Kulturkampf nationalisieren, ebenso wie die ukrainische Führung den Sport politisiert, um russische Sportler von allen internationalen Wettkämpfen auszuschließen. Grundsätzlich sei „die russische Kultur eine koloniale Kultur, die sich seit Jahrhunderten tief in unser Wesen eingebrannt hat“. Der Minister beklagt sich in einem Artikel vom 31. Dezember (Wie man den Winter ohne ‚Nussknacker‘ übersteht“), dass nicht alle Ukrainer den Boykott der russischen Kultur während des Kriegs unterstützen. Musik, so würden die Gegner argumentieren, habe „wie die exakten und naturwissenschaftlichen Wissenschaften keine Nationalität“.

Das streitet der Kultusminister vehement ab: „Kunstwerke werden von bestimmten Menschen in einem bestimmten historischen und sozialen Kontext geschaffen. Und Künstler, Schriftsteller, Komponisten verbreiten mit ihren Werken ihre Position.“ Die in den Werken enthaltenen Botschaften würden das Bewusstsein der Russen von einer Sonderstellung prägen. Zudem habe Putin selbst in dem Dekret Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski oder Pjotr ​​Tschaikowski und  Dmitri Schostakowitsch als Träger der russischen Kultur bezeichnet. Deswegen würden diese  „Troubadoure des Imperiums“ eine „offene Propaganda der feindlichen Kultur“ darstellen. Besonders der Ausschluss von Tschaikowsky und Mussorgsky liegt ihm am Herzen.

Tkachenko übersieht geflissentlich, dass das auch dann umgekehrt gelten müsste, wenn Kultur nicht nur politisiert, sondern auch nationalisiert werden. „Durch gemeinsame Anstrengungen wird der ukrainische Kulturraum konsequent von russischen Inhalten gesäubert“, schreibt er weiter. „Wir beobachten Durchbrüche und Fortschritte in der Wahrnehmung der Ukraine in der kulturellen Dimension.“ Gut möglich, dass mit dem Ende des Kriegs solche nationalistischen Strategien auf die Urheber zurückfallen.

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48 Kommentare

  1. Tagesschau-Meldung: News York Times untersucht die Morde von Butscha!
    Sagt einmal: könnte es nicht sein, dass die Toten von Butscha Kollaborateure sind, die von ukrainischen Faschisten ermordet wurden? Ich Frage mich dies schon seit es diese Auseinandersetzungen zwischen russischer Bevölkerung im Donbas und ukrainischen Söldnertruppen gibt.

    1. Bei RT gibt es einen Bericht darueber von Dagmar Henn: New York Times zu Butscha…..
      „acht Monate und kein bisschen weiser“
      Sie muessen allerdings schon selbst bei RT suchen, sorry!

      1. @Rubis, da helfe ich doch gerne:

        https://test.rtde.world/meinung/158023-new-york-times-zu-butscha/

        „New York Times zu Butscha: acht Monate und kein bisschen weiser
        23 Dez. 2022 20:20 Uhr von Dagmar Henn
        Nach acht Monaten legte nun die New York Times ein Filmchen vor, das nach ihren Angaben eine investigative Recherche zu Butscha beschreibt. Aber wer auf die ernsthafte Suche nach der Wahrheit hofft, wird enttäuscht. Es wird eher noch zweifelhafter.“

        1. der tagesschau-link war
          https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/new-york-times-recherche-butscha-101.html
          der ist insofern interessant, da er auf die NYT weiter verlinkt. (paywall/registrierung)
          Aber da steht auch nicht soo viel. Russische Soldaten haetten ukr Telefone geklaut (gefunden?) und verwendet, was ja nicht unlogisch ist unter den Umstaenden.
          Mit Telefonprotokollen wurden Einheiten u Offiziere identifiziert.
          Zitat: „52-year-old Tamila … and her 14-year-old daughter… were among four women fleeing Bucha when Russian soldiers fired on their blue minivan.“
          Woher wissen die nun, wer oher wann geschossen hat? Zeugen? Polizei Kiew? Erscheint mir etwas schlampig fuer eine Mordanklage.
          Zitat: „… intentionally killed them, apparently as part of a systematic “clearing” operation to secure the path to the capital.“ – Zivilisten erschiessen fuer ‚freie Bahn‘ ??
          Klingt fuer mich zunaechst nicht sehr substantiell.

          Ich kenn noch ein NYT-Zitat mit einem betrunkenen russ Soldaten, der in Butscha mind 2 Ziv.en erschossen haben soll. Der wurde von einem Offizier eingesammelt, ich vermute bestraft (Standardverfahren, erschossen?), den Bericht habe ich leider nicht.

    2. ich fand den zeitlichen Ablauf schon merkwürdig.
      – An dem Mittwoch Ende März sind die Russen abgezogen.
      – Am Donnerstag hat der bürgermeister erfreut verkündet dass sie weg sind.
      – Vom Samstag gibt es eine Meldung der ukrainischen Agentur Lb.Ua, dass gerade die Stadt durch Spezialkräfte
      von Kollaborateuren „gesäubert“wird.
      – Und am Tag darauf, 4 Tage nach Abzug der Russen, stellt man fest, dass lauter Tote auf den Strassen liegen.

      Schon seltsam.

      Ja, Ihre Frage ist sehr berechtigt.

      1. Ich denke, die Spezialkräfte haben gründlich gesäubert. Die Leichen liegen auf beiden Seiten der Strasse säuberlich aufgereiht wie auf einer Perlenschnur

      2. Naja – und _dann_ kommen die Satellitenfotos, die beweisen, dass die Toten dort seit 2 Wochen liegen?

        Gibts mal eine Seite, wo das sorgfaeltig dokumentiert ist, dass man da einfach hin verweisen kann?
        Und wenn nicht, waere sowas was fuer Overton?

    3. Mir ist auf einigen Fotos damals aufgefallen das einige der Ermordeten weiße Armbinden trugen.
      Weiße Armbinden sind ein untrügliche Anzeichen dafür das der Träger zumindest Sympathie für die Russen bekundet, die anderen tragen eben die weiß-blauen Armbinden.

      Die Frage, welche im öffentlichen Raum Deutschlands nicht gestellt wird: warum sollten die Russen gerade die Leute ermorden, von denen Ihnen Sympathie entgegengebracht wird?

      Und als zweites: die genauen Daten hab ich nicht mehr im Gedächtnis. Ich erinnere mich aber das sich die Russen an einem Tag aus Butscha zurückzogen und die Ukrainer sofort nachrückten. Der Bürgermeister von Butscha vermeldete das sich Butscha wieder in ukrainischer Hand befindet. Und erst 24 Stunden später kommen die Meldungen das überall Leichen auf den Straßen liegen…
      24 Stunden? Wenn überall tote Zivilisten auf den Straßen liegen, so etwas meldet man doch sofort und nicht einen Tag später, oder?

      Ich gehe davon aus das die Ukronazis jagd auf alle Sympathisanten Russlands gemacht haben um dann mit Hilfe der einseitigen westlichen die Mär der bösen Russen zu verbreiten.

      Und das schlimmste für mich daran ist: die Menschen wurden nicht nur ermordet, Sie wurden danach nochmals zusätzlich für die widerliche Nazipropaganda Kiews missbraucht!

      1. Falsch. Die russische Okkupanten haben gefordert, dass alle Zivilisten in gekämpfte/okkupierte Gebiete sich solche weiße Armbänder tragen. Darüber hat Ukraine schon während Mariupol-Kämpfe beschwert – als Russland hat von Zivilisten gefordert, nicht neutrales Zeichen, sondern gerade dieselbe Zeichen tragen – die auch russische Kombattanten benutzen. Was Situation in schon chaotische Stadt-Kämpfe noch gefährlicher macht.
        Auch deswegen haben die Kollaborateure für russische Propaganda-Videos mit diesen Armbändern aufgetreten – um eine „Vorbild“ zeigen. Aber ansonsten trugen einige Zivilisten diese Armbänder in der (vergebliche!) Hoffnung, sich von dem russischen Militär zu schützen, nicht weil sie pro-russisch gewesen.
        Wie auch bei David-Stern Zeichen/Armbänder in NS-Deutschland, hat es nicht geholfen. Die überlebenden Ukrainer berichten, dass die Russen gern genau dieser Armbänder dann verwendet haben, um der Opfer zu fesseln.
        Übrigens, meinst Du auch dass „die Russen haben seit Tagen rückgezogen, aber gebliebene pro-Russische Kollaborateure immer noch stolz die weiße Armbänder vor ukrainische Truppen tragen?“. Das findest Du es „logisch“?

        Es gibt schon die CCTV und Drohnen-Aufnahmen, zum Beispiel hier – wo russische Soldat ein Zivilist mit aufgehobene Händen erschießt.

        https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ukraine-war-crimes-civilian-killed-drone-videos-100.html

        Oder wie russische Kampffahrzeug die ukrainische Frau auf Fahrrad erschießt – in Bucha. Die getötete Frau wurde dann genau in der Ort gefunden.

        https://www.youtube.com/watch?v=50sQd5duZ48

        Also bitte, lass Deine Unsinn. Die Meldungen (über russische Terror) wurden schon während russische Okkupation gekommen; Und 24 Stunden in eine aktive Kampfgebiet ist schon „sofort“.

    4. Unter „russische Bevolkerung in Donbass“ werden Leute wie FSB Oberst Girkin aus Moskau oder russische Politiker Boroday (ebenfalls aus Moskau) verstanden?

      https://www.themoscowtimes.com/2014/11/21/russias-igor-strelkov-i-am-responsible-for-war-in-eastern-ukraine-a41598

      https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Jurjewitsch_Borodai

      Und unter „ukrainische Söldnertruppen“ die lokale Zivilisten, die von Girkin und Ko hinterichtet wurden?

      https://de.wikipedia.org/wiki/Wolodymyr_Rybak_(Politiker,_1971)

      https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Pentecostals_in_Sloviansk

      Russen haben immer die Zivilisten in okkupierten Gebieten hingerichtet oder einfach aus Spaß umgebracht.

  2. was kommt als naechstes, die Buecherverbrennung auf dem Maidan?
    Sind die EU-Granden in Bruessel und Berlin mittlerweile so vernagelt, dass sie alles, was in Kiew ausgebruetet wird, ohne Kommentar absegnen?
    Oder….wird da etwa heimlich schon selbst an der Kulturschraube gedreht?

    1. unbedingt! Bitte Kulturstaatsministerin Claudia Roth’s Argumentation und Engagement gegen alles nicht Grüne und
      – noch schlimmer – nationale! Kulturerbe vergleichen…

    2. Jetzt sind sie erst mal mit dem Abbau bzw. der Zerstörung von Statuen (Puschkin, Katharina die Große etc.) beschäftigt; wer wollte es Russland da verdenken, wenn sie die Gebeine von Potemkin überführt haben.

      Schließlich hat er in Katharinas Auftrag/Namen so gut wie fast alle ukrainischen Städte* gegründet (Ausnahme Donezk, das war ein waliser Geschäftsmann) und wenn man schon nicht seine Denkmäler retten kann, dann doch wenigstens seine Knochen vor der Schändung.

      *Mit „Ukraine“- am Rande – ist nicht nur der „Rand“ des Imperiums gemeint, sondern auch der Stadtrand; waren halt eher Landbewohner, die alten „Ukrainer“. Ob sie sich mit der Umbenennung/Entrussifizierung der russischen Straßennamen zufriedengeben werden oder ob irgendwann nicht nur ihre Begründerin entsorgt werden wird? Wenn so ein Delirium erst mal eingesetzt hat, kommt irgendwann immer einer, der das noch toppen möchte…….

  3. „(Red.) Irina Dubois, die verantwortliche Leiterin der Vereinigung «L’Association Dialogue Franco-Russe», hat kurz vor Weihnachten mit Pierre de Gaulle, dem Enkel von General de Gaulle, ein Interview gemacht. Das Thema des Interviews waren die internationalen Beziehungen zwischen Frankreich und der EU auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite. Das Interview ist äußerst lesenswert, ….“
    Pierre de Gaulle, Enkel von Charles de Gaulle, spricht Klartext über die USA, die NATO und die europäischen Medien – GlobalBridge
    Man lese das Interview – und alles was der ukrainische Kultusminister sagt, erübrigt sich.

    1. Charles De Gaulle? Meinst Du die französische Überlaufer und Deserteur, die für seine anglo-saxonische Herren die Stellvertreter-Krieg gegen eigene Land und legitime Regierung (Vichy-Regierung) geführt hat? (man könnte es auch so darstellen).

      Es wird sehr interessant die Situation in Deutschland-okkupierte Frankreich mit heutigen russischen Okkupation der ukranischen Gebiete zu vergleichen. Weil es oft sehr ähnlich aussieht.

  4. Am ukrainischen Wesen soll die ganze Welt genesen.
    Mir sind bis jetzt „Ukrainische Künstler“ in Wort, Bild oder Ton so gar nicht untergekommen, ganz im Gegensatz zur Deutschen Kulturindustrie, die jedem Heini, der seinen Füller in Tinte stecken kann einen Buchpreis gibt und jedem Dödel, der sich einen Pinsel kauft, ein Kunststipendium. Müssen natürlich vor dem russischen Terror aus der Ukraine ins warme Deutschland geflohen sein -und die Geber dürfen mit aufs Foto.
    Übrigens Bücher der Russischen Autoren wurden schon seit 2014 öffentlich verbrannt. Haben halt viel geschrieben und Gutes obendrein. Alles Kulturneid- Volkstanz anstatt Kultur, wie bei den deutschen Faschisten.

    1. “ Der ukrainische Kulturminister fordert auch vom Ausland, russische Künstler zu boykottieren, wie man das in der Ukraine mit Tschaikowsky und anderen mache. Der Krieg sei auch eine Chance, ukrainische Kunst und Künstler in der Welt bekannter zu machen, die er nutzen will.“

      „Mir sind bis jetzt „Ukrainische Künstler“ in Wort, Bild oder Ton so gar nicht untergekommen“

      Ich wüßte da eine, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Valentina Lisitsa, Meisterpianistin und gefeierte Interpretin von Chopin und insbesondere Rachmaninow. Eigenlich sollte sie im April im Fenice in Venedig auftreten, aber ein Shitstorm und Gewaltandrohungen in den sog. sozialen Netzwerken führten zu folgender Erklärung der Organisatoren:

      „Wir waren uns ihres politischen Engagements ……… nicht bewusst Bei der Belagerung von Mariupol hat sie sich jedoch auf die Seite Putins gestellt, und das konnten wir nicht akzeptieren“.

      https://www.rainews.it/articoli/2022/12/salta-il-concerto-della-pianista-filo-putin-al-teatro-la-fenice-di-venezia-e3401711-a7fa-4aee-9ee5-97a5caea50d1.html

      Da hat man nun endlich mal eine namhafte Künstlerin mit dem „richtigen Herkunftsnachweis“ – und dann hat die die falsche politische Einstellung!

      Frau L. hat erklärt, zukünftig keinen Einladungen des Vereins Musikamera (das Fenice ist unschuldig) mehr folgen zu wollen.

      Und was ukrainische „Wortkünstler“ angeht: Gogol oder Bulgakow sind Ihnen sicher bekannt; nur diese Verräter haben es vorgezogen, ihre Werke auf Russisch zu verfassen.

      Aber versuchen Sie es doch mal bei den Wissenschaftlern (und sagen Sie Bescheid, wen Sie da gefunden haben).

      1. „Und was ukrainische „Wortkünstler“ angeht: Gogol oder Bulgakow sind Ihnen sicher bekannt; nur diese Verräter haben es vorgezogen, ihre Werke auf Russisch zu verfassen.“

        Mit Verlaub, aber der in Kiew geborene Bulgakow war etwa im selben Maße ein ukrainischer Schriftsteller wie der etwa zur selben Zeit in Prag geborene Franz Kafka ein tschechischer Schriftsteller war. Im Unterschied zu Kafka hatte sich Bulgakow ja sogar über den lokalen (hier: ukrainischen) Nationalismus lustig gemacht.
        Die heutigen Nationalisten in Kiew geben diese Verhältnisse ja sogar zu und haben im letzten Jahr das Bulgakow-Museum in Kiew, das sich im dortigen Wohnhaus Bulgakows befand, geschlossen.

      2. Ja, danke, ich wusste nicht, dass Gogol in der Ukraine geboren ist.
        Der Münchener Oberbürgermeiste hat sich gleich am 1. März einen derartig vorauseilenden Gehorsam geleistet indem er dem Dirigenten Gergiev des Philharmonieorchesters ein Ultimatum stellte, sich von Putin zu distanzieren oder rausgeworfen zu werden.
        Der war entsetzt und ist gegangen.

        https://www.br.de/nachrichten/bayern/muenchens-ob-reiter-droht-chefdirigent-gergiev-mit-kuendigung,SyRzqin
        https://www.sueddeutsche.de/kultur/valery-gergiev-krieg-in-der-ukraine-dieter-reiter-1.5538837

  5. Das ist eben die pathologische Gehässigkeit geistiger Gnome, da sie selbst wenig an Gleichwertigem hervorgebracht haben. Es ist halt leider so: ist das „Pack“ ideologisch aufgeheizt und moralisch völlig verhetzt – und hat es zudem die Möglichkeiten, ihre Wahnvorstellungen durchzusetzen, dann kommt eben der stinkende Klärschlamm, brodelnd furzend ans Licht. Eine typische primitive Reaktion, so wie einst die „jüdische Physik“, die einen Einstein in die USA getrieben hatte.

    Ich warte förmlich drauf, dass sich Botschafter diese shitholes, bei Sendeanstalten entrüsten, wenn etwa ein Strawinskji, Prokeffiew oder Tschaikowskji im Radio spielen. Bei der Mailänder Scala, blitzte ja zum Glück der Generalkonsul ab. Ein erfreulicher Fall, wo die Nazi-Chuzpe, ins Leere schlug.

    Aber so ist sie halt, die blau-gelbe Braunpause: Was bei den deutsch-„arischen“ Vorbildern der „Niggerjazz“, ist heute Puschkin, Tolstoji und andere „Moskals“ der Geschichte, in der es noch keine „rumreiche Ukraine“ gab.

    1. Nachtrag (aus dem taz-Artikel, Link v Bernd Huber): “ Zu den Literat*innen, die gelesen werden, gehören ab diesem Schuljahr unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine,….“ Ach ja, dann wird aber der jüdische Emigrant Heine, auch bald in Ungnade fallen. Meinte er nicht damals schon: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen“.

  6. Wladimir Putin am 5. Oktober 2022

    Wir haben das ukrainische Volk und die ukrainische Kultur, die ukrainische Sprache, die ukrainische Literatur und so weiter immer mit großem Respekt behandelt, trotz der Tragödie von heute. Wir haben nie etwas zugelassen, was man sich in der Ukraine in Bezug auf die russische Kultur und die russische Sprache erlaubt. Wir haben drei Millionen russische Bürger ukrainischer Herkunft. Wir machen keinen Unterschied, haben nie einen Unterschied gemacht und werden auch keinen Unterschied zwischen Russen und Ukrainern machen. ..

    tass.ru/politika/15963333

    1. “Niemals hat das deutsche Volk gegen die Völkerschaften Rußlands feindselige Gefühle gehegt. “ (C) Adolf Hitler am 22.06.1941

      https://www.worldfuturefund.org/wffmaster/Reading/Hitler%20Speeches/Hitler%20Rede%201941.06.22.htm

      Sollte es als endgültige Beweis gelten, dass Hitler keine Vernichtungsaktionen gegen sowjetische Bevölkerung befohlen? Natürlich nicht. Die Taten (wie Befehl zum Angriffskrieg) zählen, nicht die Worte von chronischen Lügner (wie Putin).

      „Wir machen keinen Unterschied, haben nie einen Unterschied gemacht und werden auch keinen Unterschied zwischen Russen und Ukrainern machen“

      Genau – d.h. dass ethnischen Ukrainer in Russland keine Ansprüche auf eigene Sprache, Medien, besondere politische Rechte/Partei, eigene Geschichtsbücher, Denkmale usw haben. Sie müssen sich sofort als Russen assimilieren und nichts „Unterschiedliches“ beibehalten.

      Während ethnische russische Minderheit in Ukraine sollte (laut russische Propaganda) doch separate sehr besonderen Rechte haben – i.e. diese Unterschied haben; „nicht-nationalistische“ Ukraine muss angeblich doch ganz klare Unterschied zwischen Russen und Ukrainer sehen – damit Russen eigene, nicht ukrainische Schulen haben usw.

      Wie immer – was „normale Alltag“ in Russland ist, wird in Ukraine (von russischen Propaganda) als „unerträgliche Faschismus“ bezeichnet.

  7. „Zudem habe Putin selbst in dem Dekret Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski oder Pjotr ​​Tschaikowski und Dmitri Schostakowitsch als Träger der russischen Kultur bezeichnet.“

    Ja, die beiden Schriftsteller und beiden Komponisten wurden in dem Dokument als führende Vertreter der russischen Kultur in einem Atemzug mit den Wissenschaftlern Mendelejew und Kurtschatow genannt.
    Konsequenterweise sollten die Ukrainer also auch das zumindest konzeptionell maßgeblich von Mendelejew ausgearbeitete Periodensystem der Elemente abschaffen. Brauchen sie ja ohnehin nicht mehr für ihre Zukunft als „agrarische Großmacht“.
    Der Physiker Kurtschatow wiederum war der Leiter des sowjetischen Atombombenprojekts. Also sollten die Ukrainer aufhören zu jammern, dass sie die von ihm geschaffenen „russischen“ Atombomben 1994 brav abgegeben haben. War quasi ein Akt der vorausschauenden „Derussifizierung“.

    Und dieser ganze nationalistische Affenzirkus fing kurz nach der Jahrtausendwende ganz harmlos damit an, dass die Ukrainer in den Personaldokumenten die Vornamen ihrer russischstämmigen bzw. russischsprachigen Mitbürger ukrainisierten. Die Alexander (Turchinow) wurden zu Oleksander, Wladimir (Zelensky) zu Wolodymyr, die Jelenas wurden zu Olenas, der Nikolaj (Azarow) zu Mykola, Pjotr Poroschenko zu Petro Poroschenko. Nur Julija Timoschenko blieb Julija Timoschenko. 🙂
    Aber Moment. Auch Leonid Kutschma und Viktor Janukowitsch – ebenso wie der Nationalheld Stepan Bandera ! – konnten/mussten ihren Vornamen behalten, weil bisher keine vom Russischen abweichende ukrainische Variante ihrer Vornamen existiert. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf.

    Ich prognostiziere, dass der verantwortungsvolle Kulturminister Oleksandr Tkachenko diesen Mißstand nicht unbeantwortet lassen wird und schnellstmöglich eine UkrainischeVornamenserfindungskommission einsetzen wird, um dieses Schlupfloch der russischen Kultur zu schließen.

    1. Die unterschiedliche Schreibweise für ukrainische / russische Variante des “selben” Namens ist sehr alte grammatische Regel, diese wurde schon in sowjetische Zeiten konsequent verwendet . Also das ist keine „Erfindung der ukrainische Nationalisten“.

      In „alten“ (bis 2016 ausgestellte) interne ukrainischen Papier-Passe wurden die persönliche Daten (Name, Geburtsort usw) IMMER auf zwei Sprachen geschrieben – auf Seite 1 auf ukrainische Sprache / Schreibweise, auf Seite 2 – auf russische Sprache/Schreibweise. In Reisepasse und neue Checkkarte-Format Ausweisen wird es auf Ukrainisch/Englisch geschrieben.

      In Russland war (vor sowie auch nach 1991) nur russische Sprache / Schreibweise verwendet – da haben sich die Behörden niemals interessiert, dass Person wollte zum Beispiel „Olexander“, nicht Alexander heißen.

      Ich kenne auch einige persönliche Beispiele aus Verwandtenkreis, wie Wolga-Deutschen in Dokumenten „russifiziert“ wurden . Der „Alois“ wurde dann in sowjetische Paß zum (mehr russisch-klingende) „Anisim“ umbenannt, während seine Großsohn Woldemar wurde in 1990ßiger von russischen Behörden in gleiche Art und Weise zum „Vladimir“ umbenannt.

      Aber wie immer – was absolute normales Alltag in Russland ist, wird in Ukraine (von russische Propaganda) als „unerträgliche Faschismus“ dargestellt.

  8. Soll doch die „Ukraine“ machen was sie will!
    Das Problem dabei ist, sie hat ihre Souveränität wie eine ‚Hure‘ an den Freier verkauft, nun hängt diese an der Droge Kapital und die hiesigen Steuerdeppen hält die ‚Hure‘ am Leben…

  9. Seit der offen zur Schau getragenen Ehrlosigkeit russischer Kriegsführung gegen ein vermeintliches „Brudervolk“ boykottiere ich auch jedwede Art russischer Kultur, also Wodka, russisches Öl/Gas und Bestechung. Und auf den Tisch kommt mir im Gegensatz zu früher ausschließlich Kaviar vom Stör aus italienischer Zucht, der mittlerweile dem russischen in Nichts nachsteht (im Gegensatz zu deutschem Zuchtkaviar). Russland hat fertig: kulturell, militärisch und vor allem menschlich.

    phz

    1. Du bist nicht echt, sondern ein Derivat von ChatGPT. Soviel Borniertheit auf einen Haufen ist nicht menschlich. Und da ich mich nicht mit KI/AI irgendwas mit I unterhalte, war’s das mit dir.

      1. Ich verstehe, dass Sie denken, dass ich nicht echt bin und dass Sie sich nicht mit KI unterhalten möchten. Es tut mir leid, wenn meine Antworten Ihnen nicht zufriedenstellend erscheinen. Ich versuche jedoch mein Bestes, um Ihnen zu helfen und Ihre Fragen zu beantworten. Wenn Sie lieber mit einer Person sprechen möchten, gibt es viele andere Ressourcen, die Ihnen weiterhelfen können. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

        phz

      2. „Seit der offen zur Schau getragenen Ehrlosigkeit russischer Kriegsführung gegen ein vermeintliches „Brudervolk“ boykottiere ich auch jedwede Art russischer Kultur, also Wodka, russisches Öl/Gas und Bestechung.“

        _Der_ war gut, ich lache immer noch. Du bist ein Klischee, Strandhaubitze, und kein huebsches.

        Das ist keine KI, Bill. So dumme KIs gibts nicht – schon Eliza war weiter, und die war nicht mal KI.

    2. Jetzt wird’s aber wirklich komisch, wenn ausgerechnet zart beseitete deutsche Nazienkel, die sich zudem feinfühlig „Panzerhaubitze“ nennen, der russischen Armee, deren Kriegshandlungen laut UN innerhalb von 10 Monaten 6.755 ukrainischen Zivilisten das Leben kosteten (schlimm genug), „ehrlose Kriegsführung“ attestieren.

      Aber wir müssen gar nicht 75 Jahre zurückgehen und die mörderischen „Spitzenleistungen“ von Wehrmacht und SS zum Maßstab machen. Es reicht ein Vergleich mit dem NATO-Bombardement Jugoslawiens 1999, an dem die überaus demokratische BRD teilnahm. Innerhalb von nur 78 Tagen (24. März bis 10. Juni) starben infolge dieses Bombardements über 2500 jugoslawische Zivilisten.

      Ach ja, zu den Angriffen auf das Stromnetz, hier das jugoslawische:
      „The fact that lights went out across _70 percent of the country_ shows that NATO has its finger on the light switch now,“ said NATO spokesman Jamie Shea. „We can turn the power off whenever we need to and whenever we want to.“ (NYT 4. Mai 1999)
      > https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/library/world/europe/050499kosovo-nato.html

      Sonst noch Fragen?!

    3. Zum Thema Ehrlosigkeit fallen mir Merkel und Hollande ein, die Abkommen geschlossen haben, mit dem vorgeblichen Ziel einer friedlichen Lösung, und jetzt zugegeben haben, dass das Gegenteil der Fall war, und sie somit die Russen hinters Licht geführt haben.

  10. Der Autor schreibt:
    „Für Tkachenko ist der Krieg mit Russland auch ein „Zivilisationskrieg“, bei dem es um die Kultur und die Werte geht, da Russland die ukrainische Kultur auslöschen wolle. So ähnlich sieht das auch der russische Präsident Putin, der in einem Dekret die Förderung der russischen Kultur und der traditionellen Werte angeordnet hatte.“

    Wie kommt er darauf, dass Putin mit der Förderung der russischen Kultur die Auslöschung der ukrainischen verbindet? Ich konnte eine derartige Kausalität nicht finden.

  11. Ein Beispiel zur Thema „Umbenennung“. Um etwa 1872 gründete der britische Geschäftsmann John Hughes einige Bergwerke und Hüttenwerke in der Nähe des ukrainischen Dorfes Oleksandrivka. Die Arbeitssiedlung wuchs schnell zu einer Stadt heran, die nach Hughes benannt wurde – Juzowka („Juz“ war die lokale Aussprache von Hughes).

    Aber 1924 entschieden die kommenden Kommunisten, dass der Name zu Ehren des europäischen Kapitalisten politisch inkorrekt sein würde. Und so benannten sie die Stadt in Stalino um. Natürlich hat Stalin mit dem Gebiet nichts zu tun; soweit ich weiß, hat er dort nicht einmal vorbei gefahren – aber so eine Kleinigkeiten haben die Moskau niemals interessiert.

    In Jahr 1961, nach einer weiteren politischen Wende in der Sowjetunion und der „Entstalinisierung“, haben die Behörden dann einen neuen „politkorrekte“ Namen für der Stadt ausgedacht – Donezk.

    Tja, wenn die Russen willkürlich für politische Zwecke alles in Ukraine ständig umbenennen – kein Problem. Aber Ukrainer in Ukraine durften immer noch nicht entscheiden, wie ihre Straßen und Städte heißen sollen.

    Darum geht es eigentlich. Diese russische „Kultur“, „Denkmale“, „Namen“ wurde von Russland bewusst für Jahrhunderte auf Ukraine gezwungen; damit geht es nicht um ein paar historisch relevanten Denkmale – sondern wirklich um eine damals gezwungene russische „kulturelle Monopol“ – mit Absicht keine Platz für ukrainische Kultur und Geschichte zu lassen. Diese „Pushkin“ und „Tschaikowsky“ haben doch mit diese Akademien nicht zu tun gehabt, es wurden einfach irgendwann aus Moskau administrativ solche Namen vergeben.

    Russland betrachtet solche Namen und „Denkmalen“ immer noch als „Urinmarkierung der eigene Review“ – und demente pro-russische / pro-sowjetische Lobby (die seit Zeiten der ukrainische SSR in solche Veranstaltungen verschanzt hat) wird alles geben, um diese russische Urin-Markierungen zu beibehalten.

    Und wenn Kultur so „unpolitisch“ ist – warum in Israel die Musik von Richard Wagner immer noch „nicht besonders populär“ ist? Ja, es gibt schon Ausnahmsfalle dazu – aber sie sind so selten, dass sie für Schlagzeilen in Media sorgen.

    Oder wie es mit Leni-Riefenstahl-Straße in Tel-Aviv ist? Gibt es welche? Warum nicht, die talentierte Regisseurin ist doch talentierte Regisseurin – es soll Politik dabei keine Rolle spielen!

  12. GR-A, Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Sie berücksichtigen auch nicht in Ihrem einseitigen historischen Rückblick die Rzeczpospolita. Liegt es vielleicht daran, dass Sie aufgrund Ihrer ukrainischen Herkunft – Vermutung wegen der kleinen sprachl. Fehler – parteiisch sind?
    Geschichte monothematisch oder teleologisch umzudeuten, führt immer in die Irre. Als Zoni weiß ich das noch zu gut.

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