Trump im Mafia-Stil: „Ich muss keine Gewalt anwenden“

Donald Trump in Davos preist wie immer seine Erfolge, die es so noch nie auf der Welt gegeben habe, und droht den Europäern. Screenshot von WEF-Video

 

Es wurde uns seit Jahren eingetrichtert, dass die Russen irgendwie keine europäische Kultur haben und Putin nur die Sprache der Gewalt und Stärke versteht. Gegenüber Xi Jinping war man da etwas vorsichtiger, schließlich waren und sind da die Geschäfte interessanter. Wir haben im Konflikt mit Russland gelernt, dass man kriegstüchtig werden und die Ukraine unterstützen muss, weil der Russe stante pede und imperialistisch gesinnt jederzeit so in Europa einmarschieren wird, wie das einst die Franzosen unter Napoleon oder die Deutschen unter Hitler in Russland gemacht haben.

Spätestens seit 2014 wurden wir getrimmt, dass man den Russen nicht vertrauen kann, dass sie paranoid gegenüber der wohlmeinenden Nato mit ihrem Wertekanon sind und sich über das Völkerrecht hinwegsetzen, was die Europäer und Amerikaner nur aus guten Gründen gemacht hätten. Wir haben gelernt, dass man mit dem Bösen nicht reden kann. Diplomatie gibt es nicht, es müssen die Waffen und die Abschreckung sprechen. Und wenn man die Russen machen lässt, dann brechen die Dämme und werden alle ermutigt, sich zu nehmen, was sie durch Macht erreichen können.

Aber Trump in seiner zweiten Amtszeit hat alles durcheinander gebracht. Plötzlich hat sich der US-Präsident aller Diplomatie und Verkleidung entledigt und spricht die Machtsprache der Bereicherung mit der größten Wirtschaft und Streitkraft der Welt. Und weil die USA so mächtig wirtschaftlich und militärisch sind, kuschen die amerikanischen Verbündeten auf erschreckend schleimige und manchmal hilflose Weise, weil sie Angst haben, dem Rowdie in die Arme zu fallen, der den Schulhof mit seiner Gang beherrscht und jeden niederzuknüppeln droht, der sich ihm widersetzt.

Jetzt tritt der kalifornische Gouverneur der Demokratischen Partei auf die Bühne und macht deutlich, dass Trump der neue Putin ist. Die Rezeptur wird einfach weiterverwendet, offenbar ist derzeit in der Politik die einzige Alternative, das rüpelhafte Verhalten zu kopieren, um Stärke zu demonstrieren, indem man es auf eine Rauferei ankommen lässt. Beschworen wird, dass Diplomatie keine Rolle mehr spielen könne. Dann bleibt nur noch Stärke, die Trump immerzu als sein politisches Instrument hervorhebt:

„Die Vereinigten Staaten von Amerika sind mit Abstand das mächtigste Land der Welt. Ein Großteil davon ist auf den Wiederaufbau unseres Militärs während meiner ersten Amtszeit zurückzuführen, der nun noch schneller voranschreitet. Wir sind die einzige Macht, die weltweit für Frieden sorgen kann – und das ganz einfach durch Stärke!“

Eine Hochstunde hatte Trump mit seinem Verhalten auf dem Weltwirtschaftsforum. Zuerst verkündete er, dass er das amerikanische Wunder vollbracht habe und natürlich der beste Präsident der Geschichte ist. Er machte unmissverständlich klar, dass er Grönland haben muss und das auch bekommen wird. Er fordert unmittelbare Verhandlungen und sagt, er wolle keine Gewalt anwenden, womit er aber doch zwischen den Zeilen droht: „Wir werden wahrscheinlich nichts erreichen, es sei denn, ich entscheide mich für den Einsatz übermäßiger Gewalt und Macht, wodurch wir, offen gesagt, unaufhaltsam wären“, sagte Trump. „Aber das werde ich nicht tun. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Aussage, denn die Leute dachten, ich würde Gewalt anwenden. Ich muss keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden. Alles, was die Vereinigten Staaten verlangen, ist ein Ort namens Grönland.“

Trump bleibt beim Mafia-Stil, wie Moshe Zuckermann  sein Verhalten charakterisiert hat. Zu den europäischen Ländern sagt er: „Sie haben die Wahl“, sagte er. „Sie können Ja sagen, und wir wären Ihnen sehr dankbar dafür, oder Sie können Nein sagen. Wir werden uns daran erinnern.“

„Ich hoffe, die Leute erkennen, wie erbärmlich sie auf der Weltbühne dastehen“

In Davos kritisierte Gavin Newsom in einem Sky-Interview die Europäer scharf, weil sie gegenüber Trump zu nachgiebig seien und mit ihm gespielt hätten. Es sei an der Zeit, Trump ernst zu nehmen, Rückgrat zu zeigen und sich vereint zu erheben, sonst werde man gefressen:

„Ich kann diese Unterwürfigkeit der Menschen nicht mehr ertragen. Ich sollte Knieschoner für alle Staatschefs der Welt mitbringen. Kronen und Nobelpreise verteilen. Es ist einfach nur erbärmlich. Und ich hoffe, die Leute erkennen, wie erbärmlich sie auf der Weltbühne dastehen.“

Amerikanische und europäische Staats- und Regierungschefs würden nicht nur Schwäche zeigen, sie würden sich auch mitschuldig machen, wenn sie Trump nicht entgegentreten. Trump reagiere nicht auf Verhandlungsangebote, sondern nur auf Gewalt: „Diplomatie mit Donald Trump? Er ist ein T-Rex. Wenn man sich mit ihm paart, frisst er einen. Einen nach dem anderen.“

Er kenne Trump: „Ich vertrete den Bundesstaat in Amerika, der Trump am wenigsten wohlgesonnen ist. Er befindet sich im Krieg mit meinem Bundesstaat. Und er reagiert auf Stärke, nicht auf Schwäche. Punkt. Auf Stärke.“ Das hätten die Europäer letztes Jahr versäumt, wo sie versucht haben, sich bei Trump einzuschleimen. Jetzt müssten sie den vorhersehbaren Preis dafür zahlen. Und er wirft ihnen vor, die Realität nicht zu erkennen: „Sie spielen immer noch nach Regeln, die nicht mehr gelten. Er glaubt, er stehe über dem Gesetz. Das ist keine Diplomatie. Das ist das Recht des Dschungels.“

Donald Trump spielt mit dem Recht des Stärkeren. Das steht auch hinter seinem „Friedensrat“, den er in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen errichten will. Eine Nation, die noch die stärkste Militärmacht ist, bildet sozusagen ein Machtmonopol, das Kriege verhindern soll, in dem Gewalt angedroht wird. In den Friedensrat werden nur vom Vorsitzenden Trump geladene Staaten aufgenommen. Die Demokratie wird zur Farce, der Vorsitzende zu einem Diktator oder einer Art Kaiser: „Beschlüsse werden mit der Mehrheit der anwesenden und abstimmenden Mitgliedstaaten gefasst, vorbehaltlich der Zustimmung des Vorsitzenden, der bei Stimmengleichheit auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender eine Stimme abgeben kann.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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14 Kommentare

  1. Trump Rulez*

    Das müssen die Unseren eben früher und später einsehen, alleine das gesamte Internet in der Europäischen Union ist abhängig vom US Big Tech.

    *ISSO

  2. Der 5jährige, der den anderen mit der Schaufel auf den Kopf haut. Was interessiert Trump die Weltbevölkerung? Nichts, das sind alles Untertanen, die dem Herrscher huldigen müssen. Sonst trifft den Untergebenen die Schaufel, die Drohne, die Bombe.. Das ist Feudalismus in Reinkultur.
    Versuch, zu ignorieren, ansonsten mit ner größeren Schaufel drohen. Will er 50% Zoll, bieten wir 200% Gegenzoll. Was anderes versteht der 5jährige nicht.

  3. „„Ich kann diese Unterwürfigkeit der Menschen nicht mehr ertragen. Ich sollte Knieschoner für alle Staatschefs der Welt mitbringen. Kronen und Nobelpreise verteilen. Es ist einfach nur erbärmlich. Und ich hoffe, die Leute erkennen, wie erbärmlich sie auf der Weltbühne dastehen.“

    Junge Welt – „Revenge Porn des Tages: Macrons SMS“:

    „….Trump nämlich kennt keine Scham, er bestraft Servilität wie Hochmut. Hätte man durchaus wissen können nach fünf Jahren Nettoamtszeit. Macron hatte via SMS um ein privates Treffen am Rand des G7-Treffens in Davos gebeten. »Was für tolle Sachen wir machen können«, frohlockte er mit Blick auf den Iran, nur das mit Grönland entziehe sich seinem Verständnis. »Lass uns ein Dinner haben, bevor du zurückfliegst«, kumpelt Macron zum Abschied. Trump veröffentlichte die SMS umgehend bei »Truth Social«. Dann war Rutte dran. Wo ein Wille ist, ist auch ein Leak: »Was du in ­Syrien geschafft hast, ist unglaublich. (…) Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir einen Weg vorwärts bei Grönland finden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.« „

    1. Was waren das noch für schöne Zeiten, als man mit dem Anruf bei einem Regierungschef lediglich bis in den Vorraum kam. Und dort dann abgewimmelt wurde, es sei denn, das Gespräch war lang und akribisch vorbereitet gewesen.
      Statt dessen tun die jetzt so, als wären sie beste Buddies, und die Welt darf sich amüsieren über die gesammelten Peinlichkeiten.

      Dieses unprofessionelle Kontaktverhalten ist für mich ein weiteres Zeichen des westlichen Niedergangs; Xi, Modi und Putin lassen sich so jedenfalls nicht vorführen.

      1. „Xi, Modi und Putin lassen sich so jedenfalls nicht vorführen“

        vor allem kommunizieren die nicht ueber irgendwelche Schnatterkanaele……

  4. „Eine Art Kaiser“?

    Ist die USA nicht ein Imperium, und beruft sich unterschwellig auf das „alte Imperium Romanum“ um seine Macht zu rechtfertigen?

    Da bleibt eigentlich nur die Frage welcher Cäsar Trump ist?

    Der echte „Julius Cäsar“? Octavian auch genannt Augustus? Nero?

    Wer denn jetzt?

    Auf wenn tippt ihr? Caligula?? Trumps Auftreten erinnert ja schon irgendwie an einen römischen Cäsar – nur an welchen das ist die Frage?

    Und zum Schluß:

    Gibt es ein kleines (gallisches) Dorf, dass dem US-Imperator Trump Widerstand entgegensetzt? Macrons Frankreich etwa? Oder Merzens Deutschland?

    Sarkastische Grüße
    Bernie

    PS: „Mafia-Stil“ spricht ja auch für „italienisch-sizilianische“…..aber das ist ein anderes Thema 🙂

  5. Und ja: Es lebe BlackRock, es lebe das Geldmachen auf Kosten Dritter, auf Kosten künftiger Generationen, auf den Gebeinbergen der Opfer des mörderischen Kapitalismus‘ zu Gunsten Weniger. Die Massen in den Industriestaaten wie auch der Rest der Welt bleiben auf der Strecke. Lateralschäden eben. So what!

    Genau, er hat heute ein Angebot unterbreitet, das niemand ablehnen kann. Und die Vasallem lauschten artig und lachten huldvoll.

    Und: Ich, Trump, habe 11 einsatzbereite Flugzeugträger, fein verteilt auf den Weltmeeren. Any questions further? Thank you, bloody folks!

    P.S.
    Und Deutschland hat eine Erkundungseinheit von insgesamt 13 Soldaten entzsandt. Die zog sich schnell wieder zurück. Lage war zu unwirtlich-unübersichtlich. Tja, es gibt sie noch, die Lacher aus echtem Schrot und Korn.

    Here we are, here we go: https://www.youtube.com/watch?v=Kha2-FZQD6Q .

    1. Das Beste wäre auswandern aber wohin? Der ganze Planet ist schon totalitärrechtsnationalmilitärisch verseucht und Grönland schweinekalt und Südostasien zu feuchtheiß. Mal eben einen Exoplaneten besiedeln können sich auch nur die Wenigsten leisten.

  6. ……….. wir in Old-Europe haben völlig verdrängt, was damals die Alte Welt verlassen hat, um im sogenannten “ gods own country“ jenseits des Atlantiks sich so unkultiviert wie nur möglich zu benehmen. In ihrer missionarisch-fundamentalistischen Selbstbesoffenheit wurden nicht nur die indigenen Menschen, sondern auch die Natur unterworfen
    und fast gänzlich ausgerottet. Als „moralische Rechtfertigung“ und “ Selbstadelung“ wurde der amerikanische Exzeptionalismus erfunden, der bis heute geltende Freibrief für alle Verbrechen, die diese Mafiosi in der Welt begangen haben und weiterhin begehen…… Dieser oligarisch organisierte, kleptokratische Staat kann sich nur am Leben halten durch
    permanentes Kriegführen – gut für die Wirtschaft, gut für die Machtkonsolidierung – und gleichzeitig vekaufen sie ihr Modell von FREEDUMM, DÄMOCRACY und MÖNSCHENRECHT uns Idioten mit anhaltendem Erfolg. Und wir halten weiterhin den Arsch hin und lassen uns ficken……

  7. Trump ist genau der „Führer“, den die heuchlerischen und unterwürfigen „Europäer“ verdient haben.

    Es wundert mich nur, dass er seine europäischen Vasallen, wie zB Macron noch nicht öffentlich vor laufender Kamera physisch gedemütigt hat.
    Wie zB: SMD.
    Aber das kommt vermutlich noch.

  8. Die Europäer haben sich das selbst zuzuschreiben, da sie selbst in höchstem Maße unglaubwürdig sind. Wer soll vdL, Macron, Merz oder Rutte noch ernst nehmen? Welche Leistungen stehen hinter diesen Personen? Europa hatte mal den Anspruch, eine humanitär und wirtschaftlich orientierte Einheit zu sein. Davon ist nichts mehr übrig. Mit der Zeitenwende haben wir den Humanismus abgelegt, und in den Folgejahren unsere Wirtschaftskraft. Nicht nur die USA, auch der zweite Teufel auf der Welt, Israel, gehören in die Verbannung. Das Gegenteil wird gemacht, wir kaufen Arrow 3 für teuer Geld, und die Zionisten bestimmen, wann es gegen wen zum Einsatz kommt, gehts noch?
    Während des Schreibens hier wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die fast einzige Sendung, die man im ÖRR noch anschauen kann, Herrn Trump geopfert wird. Um es ganz deutlich zu sagen, der Fernseher fliegt demnächst aus dem Fenster, man braucht uns die Probleme nicht präsentieren, die man oben selbst verursacht hat. Die Specials kann man im Bundestag und in Brüssel zeigen, für Diejenigen, die zur Arbeit gehen oder Rente beziehen, ist es eine Fechheit, ihnen noch weiteren Schlaf abknöpfen zu wollen, damit der ÖRR seinen Senf loskriegt. Es ist Zeit für Volksabstimmungen, denn die Wahlen und Umfragen sind getürkt. Wenn es so weiter geht, hat Europa keine Zukunft mehr, nicht einmal mehr als 3. Geige in der Welt.

  9. Der absoluten Knaller hierzu sind die unbedarften Äußerungen von Strack-Rheinmetall an der Heimatfront:
    https://www.zdfheute.de/politik/usa-trump-groenland-davos-strack-zimmermann-100.html
    Der Rüstungsindustrie geht es zwar schon blendend aber weiter gegen wen auch immer eskalieren ist nie verkehrt. Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Möchtegern-Warlord:Innen und Neonationalpopulisten des Planeten. Vorsicht: Sich dieses Geschiss anzusehen, macht selbst Pazifisten depressiv und dumm wird man davon auch noch.

    Statt exzessiv Kriegstreiberparolen zu dreschen sollte sich insgesamt wieder mehr der Friedenssicherheit gewidmet werden, ohne dabei allzu sehr ins Rückgrat zu fallen und bei jeder Gelegenheit irgendwelchen Maga-Warlords in den Hintern zu kriechen.

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