Trump gegen den Rest der Welt: Liberation Day oder Inflation Day?

US-Präsident Trump präsentiert am „Liberation Day“, als wären die USA bislang eine Kolonie gewesen, die Liste seiner „reziproken Zölle“. Bild: Weißes Haus

Es ist lächerlich, wie der US-Präsident Donald Trump die angeblich „reziproken Zölle“ begründet. Doch diese Politik wird die USA und vielleicht auch die gesamte Weltwirtschaft in die Rezession führen. Auch eine deutlich steigende Inflation wird vor allem in den USA die Folge sein, unter der die einfachen Leute besonders leiden werden. „Es wird Blut fließen“, meinen Experten und sehen die USA schon bald in der Rezession.

Dass die Finanzmärkte trotz der ständigen Zoll-Ankündigungen von Trump überrascht wurden, vor allem in den USA, zeigte sich nach Börsenschluss am Donnerstag sehr deutlich. Der Dow Jones an der Wall Street ging knapp fast vier Prozent in die Knie und rutschte auf den niedrigsten Stand seit September des letzten Jahres ab. Der Dow Jones sackte um fast 1700 Punkte ab und das ist ein Kurssturz, wie man ihn seit der Corona-Pandemie nicht mehr gesehen hat. Noch stärker brach der breiter aufgestellte S&P 500 um fast fünf Prozent ein. Die technologieorientierten Werte an der Nasdaq-Börse sackten im Durchschnitt sogar um 5,4 Prozent ab.

Der deutsche Leitindex Dax hatte dagegen am Donnerstag „nur“ um drei Prozent nachgegeben. Doch die Verluste halten auch am Freitag weiter an und haben sich verstärkt, nachdem zuvor auch die asiatischen Börsen deutliche Verluste verzeichnet hatten. Der Dax crashte zeitweise geradezu und brach nun sogar um weitere sechs Prozent ein, da eine veritabler Handelskrieg angesichts der Reaktionen aus China erwartet wird (siehe unten).

Man hat es mit einem Ausverkauf zu tun. An nur einem Börsentag verloren die im S&P 500 gelisteten Unternehmen in den USA etwa 2,4 Billionen Dollar an Börsenwert. Das ist der größte Tagesverlust seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie am 16. März 2020. Vielleicht ist die gute Nachricht daran, dass nun die Luft aus einer Blase gelassen wird, die sich längst aufgebläht hat und irgendwann ohnehin geplatzt wäre. Umso später das geschieht, umso drastischer sind die Auswirkungen.

Experten sind sich weitgehend einig, dass eine Rezession schon im zweiten oder dritten Quartal in den USA sehr wahrscheinlich ist, wenn die aktuellen Zölle Bestand haben sollten. Die Analysten der US-Großbank JPMorgan gehen davon aus, dass das Risiko, dass auch die Weltwirtschaft insgesamt in eine Rezession fällt, nun von 40 auf 60 Prozent gestiegen ist. „Es wird Blut fließen“, schreiben Bank-Experten in einer Mitteilung an ihre Kunden.

Das sind Reaktionen darauf, dass Trump den Handelskrieg gegen praktisch die gesamte Welt nun noch deutlich weiter eskaliert hat. Bekanntlich hatte er schon Zölle gegen wichtige Handelspartner wie Kanada und Mexiko verhängt, die er nach deren massiven Widerstand zum Teil wieder zurückgenommen hatte. Gegenüber China hatte Trump bereits im Februar Strafzölle in zwei Schritten um 20 Prozent angehoben. Ende März hatte er zunächst eine weitere massive Drohung wahrgemacht. Ein pauschaler Aufschlag von 25 Prozent wird nun seit Mittwoch auf alle Autos zusätzlich erhoben, die nicht in den USA gefertigt werden. Das gilt auch für Einzelteile und damit auch für Ersatzteile.

Jetzt sollen die USA die ausgebeutete Nation sein

Am 2. April, den Trump als „Liberation Day“ (Tag der Befreiung) bezeichnet hat, wurden nun neue Importzölle für fast die gesamte Welt verkündet und er hat entsprechende Dekrete unterzeichnet. Eigentlich müsste über Zollfragen das Parlament entscheiden, doch auch darüber setzt sich Trump hinweg. „Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen“, fabulierte er am Mittwoch in einer sehr zweifelhaften Auslegung der Realitäten. Mit Blick auf Europa erklärte er: „Sie zocken uns ab.“ Es sei „traurig“ und „erbärmlich“, sagte Trump. Ab dem 9. April sollen nun Einfuhren aus fast allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent belegt werden.

Er will aber nun ein gestaffeltes System einführen. Länder, die ein besonders hohes Handelsüberschuss gegenüber den USA ausweisen, sollen ganz besonders zur Kasse gebeten werden. Auf einer Tafel, die Trump in einer Art Moses-Stil bei seinem Auftritt wie die zehn Gebote präsentierte, waren die „schlimmsten Übeltäter“ aufgeführt, wie einer seiner Berater erklärte.

Absurde Zölle selbst für unbewohnte Inseln

Ganz oben auf der Liste stand der Hauptfeind China. Angeblich erhebe das Land Zölle in Höhe von 67 Prozent auf US-Produkte, weshalb nun ein weiterer „reziproker Zoll“ von 34 Prozent erhoben werden soll. Gleich darunter wurde die EU angeführt, die angeblich eine Zollschranke in Höhe von 39 Prozent aufgebaut habe. Die EU soll nun „wechselseitig“ mit weiteren Zöllen von 20 Prozent belegt werden. Weniger schlimm haben es offensichtlich die Pinguine auf den Heard- und McDonald-Inseln getrieben. Sogar die unbewohnte Inselgruppe hat es auf die Liste geschafft. Im Handel mit den USA soll die Inselgruppe angeblich einen Zoll im Umfang von zehn Prozent erheben.

Die etwa 2000 Bewohner der Norfolkinseln sollen bisher angeblich sogar schon 58 Prozent Zoll von den USA verlangen. Die Waren im Wert von 650.000 US-Dollar, die 2023 in die USA exportiert worden seien, sollen nun deshalb mit einem weiteren Zoll von 29 Prozent belegt werden. Die übelsten aller Übeltäter befinden sich für Trump und seine Truppe allerdings auf der kleinen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon. Die 6000 Einwohner dort sollen sogar eine Zollschranke von 99 Prozent hochgezogen haben. Sie würden deshalb nun mit einem weiteren Zoll von sogar 50 Prozent belegt, also noch stärker als Kambodscha mit 49 Prozent, Laos mit 48 Prozent oder Madagaskar mit 47 Prozent.

Eigentlich ist die Absurdität dieser Liste damit längst klar. Aber die unsägliche Trump-Truppe schafft es tatsächlich, alles bis ins völlig Abstruse zu steigern. Offensichtlich ist Washington nicht nur entgangen, dass Pinguine, Robben und Vögel keinen Handel treiben, sondern dort weiß man auch nicht, dass die übelsten Übeltäter real zu Frankreich gehören. Saint-Pierre und Miquelon ist nämlich kein eigenständiges Land, sondern gehört als Überseegebiet zu Frankreich. Wird für sie nun der generelle Aufschlag von 20 Prozent fällig, der auf die EU angewendet werden soll?

Auffällig sind auch Länder die, die von Washington ausgenommen wurden. Mit Nordkorea und Kuba tauchen auch Russland und Belarus nicht auf der Liste der Übeltäter. Sie seien deshalb von den neuen US-Zöllen ausgenommen, weil sie ohnehin längst sanktioniert werden. Die Ukraine soll dagegen mit weiteren Strafzöllen von zehn Prozent belegt werden. Begründet wird die Abwesenheit von Russland damit, dass es wegen den bestehenden Sanktionen keinen „bedeutenden Handel“ mit Russland mehr gäbe. Zwar ist der Handel mit Russland seit dem Einmarsch in der Ukraine eingebrochen, er beträgt aber auch nach offiziellen US-Angaben immer noch einen Umfang von etwa 3,5 Milliarden Euro, deutlich mehr als der Handel mit der Ukraine.

Die „komplexe Formel“ als Nullnummer

Viel Häme schlägt Trump für sein abstruses Vorgehen, denn er wartet wieder einmal mit vielen „alternativen“ Fakten auf. Tatsächlich werden nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) von China nur Zölle in Höhe von 7,3 Prozent für Waren aus den USA fällig. Für Waren aus der EU sind es sogar nur 5,2 Prozent. Die „Experten“ im Trump-Washington haben es sich sehr einfach gemacht. Um mit Trump zu sprechen, es ist „erbärmlich“ und „traurig“, derlei Unfug behaupten. Was die Trump-Truppe als angebliche Zollschranke von angeblich 67 Prozent für China angibt, ist tatsächlich nur das Handelsdefizit mit China. So kommt man auch auf eine angebliche EU-Zollschranke in einer Höhe von 39 Prozent. Man will sich einerseits als Opfer stilisieren, gleichzeitig gibt man sich über absurde Zahlen selbst moderat, wenn nur mit „Gegenzöllen“ im Umfang von 34 Prozent im Fall von China oder 20 Prozent im Fall der EU geantwortet wird. „Wir sind gute Menschen“, meinte Trump dazu.

Die „Experten“ in Washington haben sich über ihre „komplexe“ Formel lächerlich gemacht, mit der man die „reziproken“ Zölle „berechnet“ haben. Die Formel wurde inzwischen mit „Begründungen“ veröffentlicht. Sie sieht zwar kompliziert aus, ist aber äußerst simpel und einfach nur noch lächerlich. „The Economist“ meint, Trumps Geschichtsbild „steht auf dem Kopf“. In wirtschaftlichen Fragen seien seine Behauptungen „völliger Unsinn und sein Verständnis für die technischen Aspekte der von ihm angekündigten Zölle war erbärmlich“.

Das Weiße Haus sei jetzt „woke“, ätzt der US-amerikanische Statistiker und politischer Analyst Nate Silver auf X. Es sei „wie bei jeder dämlichen akademischen Arbeit, in der irgendeine unglaublich dumme Behauptung“ aufgestellt werde. Dabei würde ebenfalls versucht, sie „mit griechischen Symbolen zu vertuschen“. So wird darauf verwiesen, dass in der Formel nicht mehr als die Differenz zwischen dem Wert der Importe und der Exporte abbildet, also das oben beschriebene Verhältnis des Defizits zwischen USA und anderen Staaten.

Für den „Der Spiegel“ oder „Die Zeit“ haben wir es angeblich mit einem „komplexen Mechanismus“ zu tun. Letztere weist aber darauf hin, dass „diese Meldung redaktionell nicht bearbeitet“ worden sei, sondern „automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen“ wurde. So wird Unfug allerdings ohne jede Prüfung weit verbreitet.

Schaut man sich die Formel genau an, sieht man nämlich, dass man es mit einer Nullnummer zu tun hat. Das US- Handelsministerium erklärt sogar, was die benutzten „Variablen“ bedeuten. Die sind aber willkürlich festgelegt. So ist der benutzte Wert „ε“ unter dem Strich immer 0,25. Der wird dann mit „φ“ multipliziert. Da dieser Wert aber willkürlich mit 4 festgelegt wurde, kommt halt stets 1 heraus. Ergebnis: Diese Variablen haben real keinerlei Einfluss auf das Ergebnis. Es bleibt also die Differenz aus Importen und Exporten in einer Rechnung, die man nicht einmal Milchmädchen-Rechnung nennen kann.

Aber bei Trump gilt der Grundsatz: Schlimmer geht immer. Bei der Berechnung, darauf weist der Finanzjournalist und Buchautor James Surowiecki hin, wurde verschlimmernd von Trumps Leuten sogar nur das „Handelsdefizit bei Waren“ benutzt, also Dienstleistungen komplett ausgeklammert. Das hat damit zu tun, dass die USA bei Dienstleistungen weltweit einen Überschuss verzeichnen. Man kann also insgesamt von Voodoo-Mathematik sprechen, um sich die Realität im Stil von Pipi Langstrumpf anzupassen, wie sie einem gerade gefällt. Aber auch das toppt die Trump-Truppe noch darüber, dass der Pauschal-Zollsatz von zehn Prozent sogar für Länder fällig wird, gegenüber denen die USA selbst einen Handelsüberschuss ausweisen.

Die Folgen der Voodoo-Politik dürften heftig ausfallen

Wie oben angesprochen, könnte sogar die Weltwirtschaft in eine Rezession gedrückt werden. Weltweit, aber besonders in den USA wird die Inflation wieder deutlich steigen. Die höheren Kosten für Produkte werden die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben. Die bezahlen dann die US-Zölle! Der Effekt wird über Gegenzölle dann noch verstärkt.

Ulrike Malmendier, Wirtschaftswissenschaftlerin von der University of California Berkeley, geht sogar von einem „Inflationsschock“ in den USA aus. Der „Erfolg“ dieser Politik wird natürlich ganz besonders die einfachen Menschen hart treffen. Sie glaubt, dass Trump dadurch auch in den USA unter Druck kommen wird, da die Bevölkerung nicht bereit sei, auf Wohlstand zu verzichten. Die „Wirtschaftsweise“, die auch die Bundesregierung berät, erklärte im Deutschlandfunk dazu: „Wenn ich es nicht mehr schaffe, das Essen für meine Familie auf den Tisch zu bringen, wenn ich mir Sorgen mache bei meinen täglichen Ausgaben, betrifft mich das unmittelbar.“

Das ohnehin gebeutelte Deutschland, das sich in der längsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik befindet, dürfte sich die Entwicklung besonders heftig auswirken. Schließlich ist Deutschland eine Exportnation und wird damit von Zollschranken und Handelskriegen besonders getroffen. Malmendier hofft mit Blick auf die EU, dass es Verhandlungen statt einer Eskalation geben werde. Das ist offenbar auch die Linie der EU-Kommission in Brüssel, wo man verhandeln will, aber auch Gegenmaßnahmen in Aussicht stellt, falls die Verhandlungen mit Washington scheitern.

China schlägt sofort mit gleicher Münze zurück

Interessant wird sein, wie sich China zu der Kriegserklärung aus der Trump-USA verhält. Schon zuvor wurde dort unmissverständlich erklärt, zu „jeder Art von Krieg“ bereit zu sein, wie Overton berichtet hat. China hat längst verstanden, dass man auf diese „Verhandlungsstrategie“ von Trump nicht einsteigen darf, da man daraus nur als Verlierer hervorgehen kann. Die chinesische Führung hat aus den Erfahrungen mit ersten Trump-Amtszeit und dem Handelskrieg gelernt, den der schon ab 2016 gegen dessen „Erzfeind“ losgetreten hatte.

Es wurde in Peking auch bemerkt, dass Trump nach harten Antworten aus Mexiko und Kanada zum Teil wieder zurückgerudert ist. So ist es kaum verwunderlich, dass China sofort mit gleicher Münze zurückschlägt. Sofort soll es nun Exportkontrollen für sieben seltene Erden geben, die für High-Tech-Produkte und für die Rüstungsindustrie bedeutsam sind. Gleichzeitig bietet das Land eine engere Kooperation mit der EU an.

Das Finanzministerium in Peking hat heute angekündigt, dass ab dem 10. April ebenfalls zusätzliche Zölle in Höhe von 34 Prozent auf US-Waren fällig werden. Dass das ZDF nach diversen Strafzöllen gegen China durch die USA davon spricht, China „eskaliert den Handelskrieg mit den USA“, klingt verblendet. Man kann eher dem chinesischen Finanzministerium zustimmen, dass es sich bei den willkürlichen Zöllen, die Trump per Dekret verhängt, um „Schikanen“ handelt, „die nicht im Einklang mit internationalen Handelsregeln stehen und Chinas legitime Rechte sowie Interessen ernsthaft untergraben“.

Man darf gespannt sein, wie Trump auf diese klare Ansage reagiert. Angesichts der Verwerfungen an den Finanzmärkten und den Rezessionserwartungen für die USA rudert er schon wieder etwas zurück. Er zeigte sich nun wieder offen für Zollverhandlungen, falls andere Länder etwas „Phänomenales“ anbieten würden. Mit Blick auf China zeigte er sich zu Nachlässen bereit, falls die Regierung in Peking grünes Licht für den Verkauf des Kurzvideodienstes TikTok gibt. Er meinte sogar, dass man dem Deal schon „sehr nahe“ gekommen sei.

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20 Kommentare

  1. Mit den Sanktionen gegen Russland und Strafzölle gegen den Export Weltmeister Deutschland und die Europäische Union ist demnächst Geschichte.

  2. Mein Gott, die armen Aktionäre. Eben noch als Schmarotzer verunglimpft verdienen sie nun unser ganzes Mitleid. Und was machen sie jetzt eigentlich mit dem Geld, das sie durch den Verkauf der Aktien erhalten haben? Vergraben sie es im Garten, um es vor der Inflation zu schützen? Ich finde es gut, dass nun endlich ein Schuldiger gefunden wurde für die Inflation, die in den USA grassierte, als es noch keine Zölle gab, Aber jetzt werden auch noch die meisten Amis arbeitslos und müssen verhungern. „Wenn ich es nicht mehr schaffe, das Essen für meine Familie auf den Tisch zu bringen, wenn ich mir Sorgen mache bei meinen täglichen Ausgaben, betrifft mich das unmittelbar.“ Sterbeversicherung abschließen! Jetzt müssen deutsche Experten ran, wie Habeck und von der Leyen. Die können die Wirtschaft der USA retten, den Krieg gegen Russland gewinnen und das von Trump versprochen goldene Zeitalter mit Zukunftskonzepten verwirklichen. Aber diese Milliardäre haben doch von Ökonomie keine Ahnung.

  3. In der verlinkten Erklärung zur Berechnungsformel fängt der zweite Satz im Abschnitt „Basic Approach“ an mit:
    „Let ε<0 represent the elasticity of imports with respect to import prices…."
    Im Ernst?! Da hat echt jemand einen Mathe-Witz eingebaut? "Sei ε<0" ist der ältesteste Mathematiker-Kalauer der Welt. Den gibt's sogar als T-Shirt!

  4. Was hat der Autor an „Make Amerika great again“ nicht verstanden? Trump mus das Haushaltsdefizit der USA und das Handelsbilanzdefizit der USA verringern!
    Und da sind die Interessen der “ Verbündeten“ nebensächlich!
    Ja, Trump wickelt die neoliberale Globalisierung ab. Dazu nimmt er auch eine mehrjährige globale Depression in Kauf. Und wer es noch nicht realisiert hat: das deutsche Wirtschaftsmodell ist zu Ende. Jetzt muss was neues her. Da „unsere“ Ökonomen nur noch Nachplapperer der Chikagoer Schule des Neoliberalismus sind: mal der Senf eines Technikers…Einfach mal bei dem Nationalökonomen Friedrich List nachlesen. Den ersten russichen Ministerpräsidenten Sergej Witte will ich der russophoben deutschen Gesellschaft erst mal nicht antun…

  5. Dann kauf halt keine Cola.

    Anstatt 11,- Euro in einem Fastfood-Restaurant auszugeben zahle ich doch lieber 20,- oder 30 ,- Euro in einer Gaststätte, da bleibt das Geld wenigstens im Land.

      1. Wenn Du den Artikel liest, beide Seiten sind der gleichen Meinung. Einer schreibt „ist gut für die USA“ und der andere sagt „ist schlecht für die Weltwirtschaft“. Und genau das ist Ziel der Zölle.

        Unglücklich in meinen Augen ist die Radikalität. 20% über Nacht ist heftig. Vermutlich wird das ganze im Nachgang noch weichgekocht, etwa mit individuellen Absprachen zwischen den betroffenen Staaten und den USA. Trump will nicht die Welt retten, sondern die USA.

        1. Aber die USA ist ohne die Welt nichts, watt nu, keine Ahnung von Wirtschaft aber die Wirtschaft mit Tarifen aufpumpen und dazu noch Weniger Steuer auf Unternehmen aber kräftig Steuern und Inflation für die Konsumenten hat noch nie geklappt und wird auch nicht. Der Markt hat immer recht und er zeigt auf eine große Depression gleich um die Ecke, oder ist das nur Handelskrieg?

    1. Ich denke, Flassbeck hat, wie immer, Recht.
      »Deutschland hat, durch Maßnahmen, die darauf abzielten, die Löhne der Arbeitnehmer im Verhältnis zur Produktivität zu drücken, den Binnenkonsum ihrer eigenen Bürger unterdrückt, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportprodukte künstlich zu steigern«.
      Dafür bekommt es nun die Rechnung.
      Der Außenhandel zweier Länder sollte ausgeglichen sein.
      China ist da wesentlich intelligenter, denn es kurbelt die Binnennachfrage seit Jahren an.

      1. ich denke möglicherweise. Auf einen verurteilten Wirtschaftsktriminellen muss man ja nicht hören, ebenso wie ein Hans Werner einen Sinn ergibt.
        Es ist eine spannende Geschichte, man kann ja zuhören. Nur muss man das nicht Glauben.

  6. Trump und seine Fraktion retten gerade den „guten Leumund“ des Kapitalismus.
    Denn wenn sie mit ihren Schwachsinnsaktionen die Weltwirtschaft nun mächtig ins Taumeln bringen und später womöglich ganz einstürzen lassen, wird man nachher leicht auf Trump verweisen können, anstatt eingestehen zu müssen, dass das kapitalistische System eh schon lange im Zombimodus vegetierte und sowieso nicht mehr zu korrigieren war.

  7. Ein paar Gedanken zu den Zöllen:

    In Deutschland gibt es das Stabilitätsgesetz von 1967. Jeder, der irgendwie was wirtschaftliches studiert hat, kennt dieses Gesetz. Und weiß auch, dass dieses Gesetz noch nie eingehalten wurde. Das Stabilitätsgesetz soll eigentlich das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht des Exportweltmeisters verhindern, in dem die Bundesrepublik verpflichtet wird, eine Balance zwischen Export und Import zu erreichen und so den Wohlstand der eigenen Bevölkerung zu mehren. Was wir stattdessen haben ist eine Bevölkerung die relativ zur Wirtschaftskraft des Landes arm ist.

    Wie Deutschland auf die Zölle reagieren könnte? So wie es im Gesetz steht: Die Konsummöglichkeiten der Binnenbevölkerung steigern in dem z.B. mehr aus den USA importiert wird (Käse in Tuben z.B., just kidding) und gleichzeitig das Einkommen und damit die Konsummöglichkeiten der deutschen Bevölkerung stärken. Also steigende Löhne.

    Was wird die Bundesregierung machen? Die Bundesregierung arbeitet seit Ende der 90iger systematisch gegen die Interessen der deutschen Bevölkerung. Und zwar völlig egal wer gerade an der Macht war. Entsprechend wird es auch diesmal laufen. Deutschland wird weiter deindustrialisiert werden, die Steuereinnahmen des Bundes werden weiter steigen, die Ausgaben werden weiter steigen, die Energiekosten werden weiter steigen und Kriegskosten werden weiter steigen und die Bevölkerung wird weiter verarmen.

  8. Wie hoch sind denn nun die Zölle, die die EU bisher auf US Produkte erhebt?

    „Tatsächlich werden nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) von China nur Zölle in Höhe von 7,3 Prozent für Waren aus den USA fällig. Für Waren aus der EU sind es sogar nur 5,2 Prozent.“

    Dieser Satz ist sprachlich verkorkst und damit unklar.
    Interessant wären die Zölle, welche die EU auf Waren aus USA erhebt, bisher.

    Wenn man die Zahl auf Trumps Tabelle für falsch hält, sollte man die tatsächliche Zahl angeben.
    Das wäre seriöser als über die Besteuerung von Pinguinen zu schreiben.

  9. Trump hat keinerlei Ahnung von Volkswirtschaft. Er schürt eine weltweite Angebotsinflation. Was wenn China und andere ihre Dollars nun eintauschen wollen? Dann muss die USA die Druckerpresse anwerfen und verschuldet sich noch mehr.
    Spitze sind die USA nur in der nackten Anwendung von Gewalt. Die Intelligenz sitzt längst woanders.

  10. Lächerlich ist die Verkaufs-Show, die Trump veranstaltelt, nicht aber seine Politik. Wer das nicht auseinanderhalten kann, Ver – packung und Inhalt, macht sich lächerlich.

  11. Flassbeck hat natürlich nicht Recht, wie meistens. Sicher ist der deutsche „Exportweltmeister“-Wahn merkantilistischer Aberwitz, nicht nur gegenüber den USA, sondern ebenso oder mehr noch gegenüber Südeuropa und anderen Ökonomien unterhalb der Hackordnung. Flassbeck ist zu feige, die Dysfunktionalität der EU, besonders der Eurozone, einzuräumen. Relevante Ökonomik, ich weiss nicht,

    Aber der US-Gewaltstreich ergibt nicht einmal gegenüber Deutschland Sinn, zumal er sich gegen die EU wendet, negative Folgen damit von mindestens allen Ländern der Eurozone getragen werden. Damit ist die Chance eher gering, dass damit ein Wechsel der deutschen Aussenwirtschaftspolitik erreicht wird,

    Gegenüber China – viel Spass. Der Ökonom Nven Winchester resümiert; „Previous tariff announcements by the Trump administration dropped sand into the cogs of international trade. The reciprocal tariffs throw a spanner into the works. Ultimately, the US may face the largest damages.“
    https://theconversation.com/new-modelling-reveals-full-impact-of-trumps-liberation-day-tariffs-with-the-us-hit-hardest-253320

    Heuchelei ist diese Politik ohnehin. Es ist verlogen, einerseits auf der Rolle „des wunderbaren Dollar“ als Handels- und Reservewährung zu bestehen, sogar mit massiven Handelskriegsmassnahmen etwa gegen eine „BRICS-Währung“ zu drohen, und dann über Zahlungsbilanzdefizite, die Konsequenz exakt dieser Übermacht sind, rumzuheulen.

    Generell kommen interessante Zeiten. Das Weltwirtschaftssystem ist seit Jahrzehnten labil. Vielleicht treibt auch die USA die Todessehnsucht, die Emmanuel Todd in Westeuropa beobachtet hat.

  12. Wir werden noch sehen wie hoch die Inflation tatsächlich wird. Die Panikschreier sind natürlich die „Globalisten“ (Kapitalisten). Der zitierte Nate Silver ist ein Democrat. Das sind keine neutralen Quellen. Entsprechend wird auch agitiert. Ja, das sieht doof aus, wenn man eine Insel, wo es mehr Pinguine als Menschen gibt mit Zöllen belegt. Es geht aber vor allem um die Zölle gegen China und die EU, also Deutschland.

    Im Prinzip wettet der Trump gegen die Banker (internationale Großanleger, Milliardäre), was er nur verlieren kann, wenn man zumindest vergangene Politik betrachtet.

    Seine Absicht ist, oh Schreck oh Schreck, seine Wahlversprechen einzuhalten gegenüber seinen Wählern, vgl. Merz und Groko. Ein Einwand war, dass die USA nur 4,1 % Arbeitslosigkeit hätten derzeit. Woher sollten diese Jobs also kommen? Aber wir wissen nicht wie viele Amerikaner ohne Job sich gar nicht mehr melden für diese Statistik. Die wollen das elegant makroökonomisch über den Preis regeln, eben über Zölle. Für mich ist bei so etwas aber immer die spannende Frage, ob sie genug MINT-Absolventen (STEM) und Facharbeiter hinbekommen, die gut bezahlte Arbeitsplätze bekommen. Wenn er das hinbekäme, dann wäre er der Halbgott. Dafür reicht es aber wahrscheinlich nicht, weil das Bildungssystem in USA mit Studiengebühren und einer Wucherindustrie die Studenten erpresst und viele junge Amerikaner sich ein Studium gar nicht mehr leisten können. Dazu macht er auch bei der Migrationspolitik noch die gegenteilige Politik, also mit Migranten die Arbeitsplätze auffüllen, könnte auch schwerer werden.

    Momentan ist scharfe Deflation an den US-Aktienmärkten. Wenn man selbst keine Aktien hat, darf man sich ruhig darüber amüsieren. Trifft doch die Richtigen! Bspw. irgendwelche Heuschrecken auf Koks und anderen Drogen. Wenigstens zum Teil. Ich bin nicht der Einzige, der sich einen schönen Screenshot gemacht hat von dem „sea of red“ bei der Marketmap von finviz o.ä.

    Selbst der „sichere Hafen“ Gold ist über 2 % im Minus. Viele, die langfristig halten, haben aber immer noch sehr hohe Gewinne. Das war natürlich immer das Versprechen, dass die großen und bekanntesten US-Kapitalmärkte langfristig nur eine Richtung kennen, nach oben (Asset Inflation). Die ganzen Miesepeter, von wegen USA hätte zu viele Schulden, alles deindustrialistiert, die lagen immer falsch, sind oft auch Goldverkäufer (gold bugs, also Goldkäfer), was während all der Jahre, die schlechtere Anlage war als z.B. ein S&P500.

    https://www.investopedia.com/terms/g/goldbug.asp

    ps: Eines sollte noch aufhorchen lassen: Wenn man hört, dass es 1930 das letzte Mal so hohe Zölle gegeben hätte – das war damals die Vorkriegszeit zum 2. Weltkrieg. In USA wollen die sogenannten Falken (Imperialisten, Militaristen) einen 3. Weltkrieg mit China, damit das nicht wie sonst eigentlich unaufhaltsam, das chinesische Jahrhundert wird. Die wollen also China wieder kolonialisieren und dazu gehörte auch ein Handelskrieg. Man kann nur hoffen, dass die Wahnsinnigen nicht an die Schaltstellen der Macht kommen, bzw. noch genug da sind, denen in die Parade zu fahren.

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