
Seit US-Präsident Trump im August eine Armada mit Zerstörern mit Tomahawk-Raketen und Amphibienschiffen und 15.000 Soldaten vor Venezuelas Küste in der Karibik hat auffahren lassen, wird gerätselt, was der Zweck ist. Dazu wurden Kampfflugzeuge und Drohnen in Puerto Rico stationiert Klar ist, dass es um militärische Gewalt geht und Trump keine Rücksicht auf das Völkerrecht oder Menschenrechte nimmt, da bereits einige Boote abgeschossen und die Menschen auf ihnen getötet wurden – auf den Verdacht oder die Behauptung, sie würden Drogen transportieren.
Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump versucht, einen Regime Change in Venezuela zu bewirken. Dazu baute er 2019 den angeblich „legitimen“ Präsidenten Juan Guaidó aus der Opposition auf, der brav von den EU-Ländern auch anerkannt wurde. Seine Organisation wurden von den USA finanziert und sollte durch Massendemonstrationen und auch zuletzt einen Putschversuch den venezolanischen Präsidenten Maduro stürzen. Dazu wurde maximaler ökonomischer Druck aufgebaut und behauptet, Venezuela sei zu einem „Hafen“ geworden, in dem „die Terroristen der FARC-Dissidenten, die Terroristen der ELN und die Drogenhändler frei operieren“ können. Alle Bemühungen scheiterten (Kleine Geschichte des Scheiterns), weswegen man schließlich vergeblich versuchte, Maduro anzubieten, eine sichere Zuflucht in einem Drittland zu finden. Wie jetzt auch wieder drohte Trump, Maduro müsse schnell abtreten, um sich zu retten.
Denkbar ist, dass Trump diese Schmach wieder gut machen will, zumal er mit Außenminister Rubio einen Falken im Amt hat, der die Regierungen von Kuba und Venezuela gerne stürzen würde. Mit der Oppositionspolitikerin Machado, die zum Sturz von Maduro mit der Hilfe der USA aufruft, aber den Friedensnobelpreis erhalten hat, wurde wieder eine Kandidatin wie Guaidó gefunden, den man schon lange hat fallen lassen. Machado bietet die großen Ressourcen des Landes, an denen Trump gestern wie heute interessiert ist, auch schon mal freigiebig den amerikanischen Investoren an
Jetzt also ein neuer Versuch, mit direkter militärischer Drohung u.a. mit dem größten amerikanischen Flugzeugträger Gerald Ford einen Regime Change zu bewirken. Maduro wurde als Drogenclanchef und Terrorist eingestuft. Und es scheint sich jetzt etwas zusammenzubrauen. Schon einige Zeit war das GPS-Signal in der Region gestört und wurde aus Sicherheitsgründen wegen militärsicher Aktivitäten vor Flügen gewarnt. Jetzt erklärte Trump am Samstag den Luftraum über Venezuela für geschlossen. So etwas macht Trump mal so nebenbei über sein soziales Netzwerk Truth Social: „An alle Fluggesellschaften, Piloten, Drogenhändler und Menschenhändler: Bitte beachten Sie, dass der Luftraum über und um Venezuela vollständig gesperrt ist. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!“
Am Freitag war noch ein Flug aus den USA mit 136 abgeschobenen Venezolanern in Caracas gelandet. Nach der Nachrichtenagentur AVN wurden inzwischen 17.000 abgeschobene Venezolaner wieder im Land aufgenommen. Ein Flugzeug der venezolanischen Linie Conviasa soll am Sonntag von St. Petersburg nach Caracas fliegen. Damit soll die Kontinuität des Flugverkehrs zwischen Russland und Venezuela demonstriert werden.
Außenminister Gil nutzte Instagram, um Trumps Verfügung zu verurteilen, eine „illegale Rechtsprechung der USA in Venezuela extraterritorial anzuwenden, indem sie in ungewöhnlicher Weise versucht, Befehle zu erteilen und die Souveränität des nationalen Luftraums, die territoriale Integrität, die Flugsicherheit und die volle Souveränität des venezolanischen Staates zu bedrohen“. Die „kolonialistische“ Bedrohung nannte er einen „feindlichen Akt“, der unvereinbar mit dem Völkerrecht sei. Die russische Regierung erklärt, man sei solidarisch mit Venezuela bei der Verteidigung der Souveränität. Venezuela sei Partner und Alliierter, man habe eine „strategische Partnerschaft in Verteidigungsfragen“. Der Vizeregierungschef Dmitry Chernyshenko meinte gar: „Wir bewundern die Entschlossenheit des venezolanischen Volkes, die wahre Souveränität seines Vaterlandes zu schützen.“ Das ist, mit Blick auf die Ukraine, die Doppelmoral, wie sie der Westen auch pflegt.
Was hat Trump vor?
Die Sperrung des Luftraums klingt so, als sei demnächst mit einem Angriff zu rechnen. Auch wenn eine amerikanische Armada seit Monaten Venezuelas Küste belagert, ist es unwahrscheinlich, dass die US-Streitkräfte eine Bodenoffensive starten. Allerdings hatte Trump am Donnerstag angekündigt, auch am Boden „sehr bald“ gegen Drogenhändler vorzugehen.
Panama, in das die USA mit 27.000 Soldaten eindrangen, war seinerzeit überschaubar groß, Venezuela ist ein anderes Kaliber. Zwar könnten die venezolanischen Stützpunkte bombardiert und zerstört werden, aber es wäre mit Chaos und wahrscheinlich einem langwierigen Guerillakampf zu rechnen. Die ELN, die im Dschungel an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela operiert, hat schon angekündigt, gegen Besetzer zu kämpfen. Kaum denkbar, dass Trump, der sich als Friedenspräsident geriert, riskieren würde, amerikanische Soldaten in einen Bodenkrieg zu schicken. Möglich wäre, dass mit Flugzeugen und Drohnen Stützpunkte ausgeschaltet und CIA-Einheiten mit Luftunterstützung versuchen, Maduro zu töten oder seiner habhaft zu werden, um ihn zu verschleppen. Töten wäre, wie bei der Operation gegen Osama Bin Laden, vermutlich die bevorzugte Methode, weil man ansonsten in ein fragwürdiges juristische Prozedere eintreten müsste.
Maduro wird wohl auch unter Drohungen nicht außer Landes gehen. Exil wird er nicht erhalten. Es sei denn beispielsweise, Russland und die USA einigen sich auf einen Friedensplan für Ukraine und Russland nimmt Maduro dafür auf und gibt die Unterstützung für Venezuela auf.
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„Trump erklärt den venezolanischen Luftraum für gesperrt. Zeichen für einen baldigen Angriff auf Venezuela?
Ist doch ein „wahrer“ Friedensengel, dieser Trump?
„Es sei denn beispielsweise, Russland und die USA einigen sich auf einen Friedensplan für Ukraine und Russland nimmt Maduro dafür auf und gibt die Unterstützung für Venezuela auf.“
Und wer nimmt dann Selenskyj auf?
Ich vermute mal, die Schweiz macht das.
Das sieht verdammt nach Krieg aus. Venezuela kann sich auf Dauer eine See- und Luftblockade nicht gefallen lassen. Man wird morgen testen ob Trump bereit ist eine Maschine besetzt mit russischen Technikern abzuschießen.
Nun ja, Rötzer kennt offenbar Maduro schlecht. Nie im Leben wird der ins Exil. Und ihn zu töten wird auch nicht einfach. Auch Castro ist eines natürlichen Todes gestorben, trotz aller u.s.-Bemühungen. Die grossen Kähne, die in Küstennähe umhergondeln könnten sich als sitting ducks erweisen. Wenn auch nur einer davon mit Mann und Maus untergeht, und das ist im Zeitalter agiler Anti-Schiffs-Raketen, Drohnen zu Wasser und in der Luft nur schwer sicher zu verhindern, wie auch die Russen schon leidvoll erfahren mussten, ist Tronald vorgeführt. Wir würden ihm dringend raten, die Finger nicht irgendwohin zu stecken, wo man nichts sieht.
Die Ukraine mit Venezuela auf die selbe Stufe zu stellen – „Das ist, mit Blick auf die Ukraine, die Doppelmoral, wie sie der Westen auch pflegt.“ – ist ebenfalls weit daneben geschossen. Die Ukraine ist ein vom russlandhassenden Westen als Ausgangsbasis missbrauchtes Land, Venezuela stellt für die usa nicht die geringste Gefahr dar. Also bitte gelegentlich etwas länger nachdenken, bevor man eine süffige Behauptung raushaut.
+++
Ja, das kann sich sehr schnell für Donald und die USA als Debakel erweisen.
Das mit dem Vergleich mit der Ukraine sehe ich genauso: widerlich, dass Herr Rötzer hier nicht differenzieren kann oder will.
Es ist doch stets die bereits ultra-bekannte Story:
Bei einer US-Okkupation oder einem Regime Change mit entsprechender politischer Kontrolle wird sich der Reichtum Venezuelas an natürlichen Ressourcen auf magische Weise in gewinnbringende Vermögenswerte in den Bilanzen von Banken wie JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und anderen niederschlagen werden. Bei der aktuellen Verschuldungsorgie der USA ist das aus deren Sichtweise auch mehr als sinnig.
Das Schlüsselelement in der geopolitischen Gleichung sind eben die Ressourcen wie z.B. Öl, Gold, Seltene Erden, u.v.a. Dieser Fakt verdeutlicht den treibenden Anreiz hinter dem Imperialismus und den ständigen Kolonialkriegen über Jahrhunderte hinweg, egal ob es sich um Venezuela, Libyen, Syrien, die Ukraine, Russland, Indien, den Kongo oder andere ressourcenreiche Nationen handelt. Das nennt sich dann Werte-Westen!!
WWW
Der Wilde-Werte-Westen
Hm, also hier Andrei Martyanov im Gespräch mit Brandon Weichert.
Ab min. 38:47 Venezuela:
https://smoothiex12.blogspot.com/2025/11/brandon-and-yours-truly.html
Das ist interessant, weil Weichert eine US-Perspektive bietet und Martyanov eine russische, wenn auch nicht die der russ. Experten f. Venezuela, weil das nicht Martyanovs Fachgebiet ist.
Aber nichtsdestotrotz, militärische Einschätzung ist hilfreich, wie etwa die Frage, ob die Russen der venezolanischen Luftwaffe Oniks P-800 Anti-Schiffsraketen geben, die für die US Navy zu einem großen Problem werden könnten – und im Falle eines Einsatzes eine tatsächliche nächste Eskalationsstufe auslösen würden.
Auch die Qualität der Flugzeuge ist nicht zu unterschätzen, in welchem Zustand sie sind, ist eine weniger offensichtliche Sache.
Außerdem das Gerücht, die Chinesen hätten einige ihrer neuen Kampfflugzeuge geliefert, um ihre Stärke ggf. zu testen.
Und dann sollen da noch 100.000 kolumbianische Milizionäre an der Grenze sein, die Venezuela sofort unterstützen würden.
Eine weitere wild card ist Brasilien. Dessen Einfluss und Fähigkeiten sollten man nicht unterschätzen.
Also alles in allem für die USA ein großes Risiko was den Russen im unwahrscheinlichen Fall der Fälle auch nicht ungelegen käme.
„Was hat Trump vor?“ Das weiß der Mann selber am wenigsten. Wahrscheinlich hängts ab von den Sabotageakten durch die CIA in Venezuela, was aber bislang wohl weniger Erfolg brachte als gehofft.
Wie sagt man im Fussball: Noch ist die Messe nicht gelesen!
p.s. Maduro ist ein demokratisch gewählter Präsident und Venezuela ein bewundernswert erfolgreicher Versuch, gewisse kommunitaristische Traditionen erneut auf einer nationalen Ebene umzusetzen.
Hier ein Podcast von Doug Henwood (Gründer des Left Business Observer) zu dieser Tradition, 1. Hälfte:
„November 6, 2025 Gabriel Hetland (…) looks to Venezuela for a model of municipal socialism“
https://shout.lbo-talk.org/lbo/RadioArchive/2025/25_11_06.mp3
„Der Vizeregierungschef Dmitry Chernyshenko meinte gar: „Wir bewundern die Entschlossenheit des venezolanischen Volkes, die wahre Souveränität seines Vaterlandes zu schützen.“ Das ist, mit Blick auf die Ukraine, die Doppelmoral, wie sie der Westen auch pflegt.“
Bravo, Herr Rötzer: sie käuen die westliche Propaganda wieder, als ob es das Schönste auf der Welt wäre:
zwei komplett unterschiedliche Situationen gleichzusetzen!
Sie könnten locker bei ARD, ZDF, Spiegel oder dergleichen arbeiten.
Scheiße, 2 Dumme, ein Gedanke… 😉
Zitat im Beitrag von Rötzer:“Der Vizeregierungschef Dmitry Chernyshenko meinte gar: „Wir bewundern die Entschlossenheit des venezolanischen Volkes, die wahre Souveränität seines Vaterlandes zu schützen.“ Das ist, mit Blick auf die Ukraine, die Doppelmoral, wie sie der Westen auch pflegt.“
Muss das denn sein..hm?