
Es sieht nicht gut aus in dem Land, das vom besten Präsidenten jemals regiert wird und wieder einem Goldenen Zeitalter entgegengeht, in dem die meisten Tech-Milliardäre leben und das von KI und Rechenzentren überzogen wird, das Billionen in Sicherheit investiert und daher seit Jahrzehnten gerne in Kriege zieht und in dem der amerikanische Traum wohnt. Es ist das Land, in dem die Lebenserwartung absinkt und die Todesraten für die Menschen zwischen 25 und 44 Jahren in die Höhe steigen, wie eine in The Milbank Quarterly veröffentlichte Studie von Steven H. Woolf von der Virginia Commonwealth University School of Medicine zeigt.
Nicht nur Corona spielte eine Rolle, wenn die Sterbefälle der 25-44-Jährigen zwischen 2010 und 2021 von 140 je 100.000 Menschen auf 239 angestiegen sind. Das sind über 70 Prozent mehr. Die Lebenserwartung sinkt entsprechend, wenn die Menschen früher sterben. In 60 Ländern ist das Risiko geringer, vor dem Alter von 40 Jahren zu sterben, als in den USA. Die USA, das eigentlich reichste Land mit dem größten BIP, fallen bei der Lebenserwartung auf den 38. Platz zurück. Sogar das BIP pro Kopf ist noch hoch, deutlich höher als in Deutschland. Aber es ist eine Klassengesellschaft, die den amerikanischen Traum kultiviert, weil die meisten unten bleiben – und viele früh sterben.
In The Hill wird eine schonungslose Einschätzung des Lebens in den USA dargelegt. Es geht darum, so zu tun und auf den sozialen Medien zu dokumentieren, dass man mit dem Lebensstil, also dem Konsum, der Reichen mithalten kann: „Das ganze System funktioniert, weil jeder die Spielregeln versteht und niemand der Erste sein will, der aufhört zu spielen. Zuzugeben, dass man es sich nicht leisten kann, bei 7-Eleven einzukaufen, geschweige denn ein Getränk für 7 Dollar pro Tag oder einen Wochenendausflug, fühlt sich in einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen am sichtbaren Konsum misst, wie ein persönliches Versagen an. Also marschiert das Land weiter, eine Ratenzahlung nach der anderen. Vereint in den Schulden, gespalten durch Algorithmen und perfekt für die Kamera gestylt.“
Aber es muss eben bezahlt werden. Nicht nur mit Schulden, sondern auch mit dem Leben. Was allerdings in vielen anderen Ländern nicht sehr viel anders aussieht. Verantwortlich für die gestiegenen Todesraten in den USA werden Tod durch Überdosierung von Drogen, Suizide, Autounfälle und chronische Krankheiten gemacht. In der Altersgruppe der 25-44-Jährigen nahmen Todesfälle durch Überdosierung am stärksten um das Siebenfache zwischen 1999 und 2023 zu, Suizide zwischen 2000 und 2023 um 40%, Tod durch Verkehrsunfälle zwischen 2014 und 2021 um 43,5% und Morde um 75%. Und auch Todesfälle durch Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen oder in Folge von Alkoholkonsum steigen an.
Es gibt wie in anderen Ländern auch einen Peak 2021, bedingt durch Corona, danach ging es mit den Todesraten in der Altersgruppe durch Verkehrsunfälle, Morde und Alkohol-bedingte Lebererkrankungen etwa zurück. Nicht aber bei Suiziden oder Todesfällen durch Alkohol-bedingte psychische Störungen. Der Trend scheint aber langfristig zu sein.
„Zwischen 1999 und 2022 hätten 12,7 Millionen Todesfälle in den USA vermieden werden können“, konstatiert der Autor aufgrund seiner Vergleiche mit Vergleichsländern, „wenn die Amerikaner die durchschnittliche Sterblichkeitsrate der 17 Länder mit hohem Einkommen aufgewiesen hätten. Von den im Jahr 2022 verzeichneten zusätzlichen Todesfällen waren 52 % auf Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen zurückzuführen, 24 % auf Vergiftungen durch Drogen, Alkohol und Selbstmord.“
Nach dem Autor der Studie sind die entscheidenden Faktoren für die Entwicklung im Unterschied zu vergleichbaren Ländern in Europa das mangelhafte Gesundheitssystem, von dem viele ausgeschlossen sind, erhöhte Gesundheitsgefährdung durch laxere Gesetze für Unternehmen, riskanteres Verhalten wie kalorienreiche Ernährung oder Verbreitung von Schusswaffen, große Einkommensungleichheit (die Lebenserwartung zwischen Stadtvierteln kann sich um mehr als 20 Jahre unterscheiden), Bevorzugung von Fahrzeugen vor Gehen, weniger Grün in den Städten und geringe Sozialpolitik.
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Die USA machen es den Leuten auch leicht. Deutlich mehr als die Hälfte aller Suizidtodesfälle dort sind Schusswaffensuizide. Und von allen tödlichen Schusswaffenfällen in den USA sind fast 2/3 Suizide.