Tiefe Hirnstimulation gegen Übergewicht?

Tiefe Hirnstimulation. Bild: Hellerhoff/CC BY-SA-3.0

Das „adipöse Gehirn“ ist ein weiteres Beispiel für verfehlten Neuro-Essentialismus.

 

In seiner Nobelpreisrede 1981 prägte Roger W. Sperry (1919–1994) die These, dass praktisch jedes soziale und politische Problem ein Gehirnproblem sei, denn „alles kommt im Gehirn zusammen“. Kurz darauf wurden die 1990er-Jahre politisch zur „Dekade des Gehirns“ erklärt. Dies implizierte eine neurowissenschaftliche Perspektive auf den „Krieg gegen Drogen“ und 1997 veröffentlichte Alan I. Leshner, damals Direktor des National Institute on Drug Abuse, seinen einflussreichen Essay „Sucht ist eine Gehirnkrankheit, und das ist wichtig“ in der Fachzeitschrift Science.

Es wurden Versprechen gemacht, Milliarden investiert, Karrieren in der Neurowissenschaft aufgebaut – und bis heute ist keine der versprochenen hirnbasierten Suchtbehandlungen Realität geworden. Der problematische Drogenkonsum nimmt in vielen Ländern seit Jahrzehnten zu, ebenso wie die Zahl der drogenbedingten Todesfälle. Unterdessen erfreuen sich Behandlungsansätze, die auf gegenseitiger Unterstützung und Spiritualität basieren, wie das Zwölf-Schritte-Programm, zunehmender Beliebtheit. Sie greifen auf uralte menschliche und soziale „Techniken“ zurück. (Das griechische Wort „techné“ bedeutet übrigens Handwerk, Wissenschaft.)

Ge- oder erfunden? Das „adipöse Gehirn“

Nun scheint eine Gruppe von Forschern, die das „adipöse Gehirn“ untersuchen und die tiefe Hirnstimulation als Behandlungsmethode vorschlagen, denselben Fehler zu wiederholen: Sie deuten ein primär umweltbedingtes und verhaltensbezogenes Problem als Hirnproblem, um es auch so zu behandeln. Andere und ich bezeichnen dieses Vorgehen in unserer Forschung darüber, wie die Hirnforschung die Wissenschaft und Gesellschaft prägt, als „Neuro-Essentialismus“. Bereits 30 Studien zur Hirnstimulation des „adipösen Gehirns“ oder von Essstörungen wurden veröffentlicht, an denen insgesamt 120 Patienten teilnahmen – darunter mit 95 Prozent auffällig viele Frauen!

Betrachtet man die Sache aus kultureller Perspektive, zeigen sich große Unterschiede, beispielsweise beim durchschnittlichen BMI (Body Mass Index) selbst zwischen ähnlich entwickelten Ländern wie den USA (durchschnittlicher BMI = 28,8), Großbritannien (27,3), Deutschland (26,3), den Niederlanden (25,4) und Japan (22,6). Übergewicht wird allgemein als BMI > 25 und Adipositas (Fettleibigkeit) als BMI > 30 definiert. Der Zusammenhang zwischen diesen Durchschnittswerten und dem sozioökonomischen Status, Bildung, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit ließe sich noch genauer untersuchen.

Es stimmt zwar, dass „alles im Gehirn zusammenkommt“, insofern das Nervensystem ein wesentlicher Bestandteil der Wechselwirkung zwischen Umwelt, Körper und Gehirn ist, auf der unser Verhalten basiert. Gleichzeitig ist das menschliche Gehirn aber auch ein formbares Organ, das durch die Umwelt und die darin gemachten Erfahrungen geprägt wird.

Gehirn, Umwelt und Verhalten

Ich bestreite nicht, dass sich Verhalten durch Gehirnstimulation verändern lässt. Vielleicht lässt sich das Hungergefühl mit solchen Gehirn-Implantaten modulieren, was ausreichen würde, um die Daten als Machbarkeitsnachweis in renommierten Fachzeitschriften zu veröffentlichen – doch man sollte auch die Kosten und Nebenwirkungen bedenken. Ich bezweifle aber, dass sich das gesellschaftliche Problem mit dem Übergewicht auf diese Weise lösen lässt. (Und man denke auch daran, dass stimulierende Drogen und Psychopharmaka ebenfalls den Appetit unterdrücken, weshalb stark Konsumierende oft sehr dünn sind. Dies verbindet die beiden angeblichen Hirnprobleme auf interessante Weise.)

Wenn Sie dem „adipösen Gehirn“ genauso skeptisch gegenüberstehen, wie wir alle dem „süchtigen Gehirn“ hätten gegenüberstehen sollen, und Adipositas als ein historisches und soziales Phänomen verstehen, eröffnen sich andere Lösungsansätze: Zunächst einmal besteht unser Körper buchstäblich aus dem, was wir essen und trinken. Wenn eine Industrie unsere Ernährung weitgehend bestimmt, die ihre Gewinne durch den Verkauf von zucker-, fett- und salzreichen Lebensmitteln (die allesamt sehr billige Geschmacksverstärker sind) maximiert, werden sich viele Menschen zwangsläufig ungesund ernähren. Und wenn man möchte, dass sich Menschen ausreichend bewegen, muss man dies fördern und unterstützen, anstatt sie den Großteil des Tages im Auto oder vor dem Computer sitzen zu lassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Adipositas nicht länger fälschlicherweise als Gehirnproblem verstanden wird, werden sich einige Neurowissenschaftler ein anderes Thema suchen müssen, um Forschungsgelder zu erhalten und Karriere zu machen – doch die Chancen stehen gut, dass sich die Gesellschaft dann tatsächlich verbessert, wenn wir die Umwelt gesünder gestalten. Denken wir an die Lektion vom „süchtigen Gehirn“.

Medikalisierung

Aber auch das ist noch nicht das letzte Wort: Wenn man weiter denkt als die Frage, was Neuro-Essentialismus aus einem körperlichen Zustand macht und welche technologischen Lösungen er aufdrängt, kommt man auf die allgemeinere Frage der Medikalisierung. Das heißt, inwiefern ist Adipositas überhaupt ein Zustand, der medizinische Aufmerksamkeit erfordert? Der BMI-Wert von 30 ist pragmatisch bestimmt.

Bei der – übrigens schon im 19. Jahrhundert vorkommenden – Verwendung des lateinischen Fremdworts von adeps, Fett, sollte man sich dafür hüten, Adipositas als Krankheit anzusehen. Zwar können Krankheiten das Gewicht beeinflussen und verändert das Gewicht das Risiko für bestimmte Krankheiten. Risiken sind aber abstrakte Größen und bei den meisten Menschen dürfte ab einem BMI von 30 das Leben nicht dermaßen eingeschränkt sein, dass man sie als krank ansehen dürfte. Wie so oft, legt der medizinische Diskurs eine Problemsicht und damit auch eine mögliche Ausgrenzung nahe, wo es gar kein Problem geben muss.

Der Artikel wurde zuerst auf dem Blog „Menschen-Bilder“ des Autors veröffentlicht. Von Stephan Schleim ist im hogrefe-Verlag das Buch „Zwischen Norm und Neuron. Altersgrenzen, Verantwortlichkeit und das Gehirn in rechtlichen Kontexten“ erschienen.

Stephan Schleim

Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Sein Schwerpunkt liegt in der Erforschung von Wissenschaftsproduktion und –kommunikation. Schleim ist Autor mehrerer Bücher zu Neurowissenschaften, Psychologie und Philosophie.
Bild: Elsbeth Hoekstra
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15 Kommentare

  1. 1
    Die Zutaten für den Salat putzen und auf Tellern anrichten. Die Zutaten für das Dressing verrühren.
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    Für die Zubereitung des Gehirns, dieses unter einem kalten Wasserstrahl abspülen, so dass Blutreste weggewaschen werden. Mit Küchenkrepp trocken tupfen. Mit einem spitzen Messer oder mit den Fingern vorsichtig die Äderchen abziehen. Das geht ganz leicht und lässt sich in einem Stück, ähnlich wie beim Abziehen eines Netzes, entfernen. Wenn keine Spuren von roten Äderchen mehr zu sehen sind, ist das Hirn verarbeitungsbereit.
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    Anschließend wird das Hirn kurz aufgekocht und angebraten. Hierfür das Lorbeerblatt mit der Nelke auf die Zwiebel spicken und in einem kleinen Topf aufkochen lassen. Die Hitze reduzieren und das Hirn in den Sud geben. Das Wasser sollte nicht mehr sprudeln. Nach etwa 10 Minuten das Hirn mit der Schaumkelle herausheben und abkühlen lassen. Das Menschenhirn ist sehr klein, aber wer etwas größeres Transhumanhirn hat, kann dieses nun in kleinere Stücke teilen. Ein Ei verquirlen und das Hirn darin und anschließend in Mehl wenden. Das Hirn von jeder Seite in Butterschmalz anbraten, bis die Panade goldbraun ist.
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    Das Hirn auf den Salat setzen und mit dem Dressing benetzen. Unbedingt warm servieren.

  2. „Neuro-Essentialismus“ – der ist gut … kann man ja was „Neues“ aus einem Standpunkt schneiden, der seit etwas über hundert Jahren
    https://de.wikipedia.org/wiki/John_B._Watson
    Bestandteil von etwas ist, das ich mal launig „Scheitelpunkt der wissenschaftlichen Sklavenhalterdoktrinen“ labeln will.

    Und was ist Deine Kritik, Stephan? Ich lese da nur: funzt nicht, ist unproduktiv und riskant. Aha.

    Ich poste das auch, um zu testen, ob Verlinkungen zweier Grundsatzpostings zum Thema von mir „blacklisted“ sind, oder nicht.
    https://overton-magazin.de/top-story/der-anti-intellektualismus-als-ausweg-aus-der-perspektivlosigkeit/#comment-397234

  3. Die Neurowissenschaften – in diesem Fall der Zweig der ‚Adipositas-Forschung‘ – haben viel mit der ‚Klimawissenschaft‘ gemeinsam. Man greift ein Problem heraus, das uns gerade akut betrifft und sucht eine Lösung – ohne im Einzelnen die Verursachung untersucht zu haben – an der sich viele Forschungsmittel generieren lassen und die verpricht, an unserer Lebens- und Wirschaftsweise und unseren Sozialformen nichts zu ändern. Dabei werden alle verfügbaren Mittel der Propaganda genutzt, gerne mit Weltverbesserungsanspruch und/ oder Weltuntergangsszenario. Nach einiger Zeit versickert das Thema und macht Platz für das nächste oder die nächste Welle desselben Themas.

    Wäre interessant, mal zu untersuchen, welche neurowissenschaftlichen Bereiche dafür verantwortlich sind, dass sich so viele Wissenschaftler auf diese Themen auf solche Weise einlassen. Gibt es so etwas wie den Blindstellungskomplex und warum wird der nicht längst untersucht?

    1. Die Adipositas-Forschung hat wohl auch deshalb leichtes Spiel bei der Generierung von Forschungsmitteln, weil die Verzweiflung der Übergewichtigen so groß ist. Man entspricht nicht den Körpernormen, die von Influencern aller Geschlechter, einschließlich GNTM (Klum), propagiert werden und die sich trotz ihrer Absurdität erfolgreich ins öffentliche Bewusstsein fressen. Diäten wirken nur kurzfristig und lassen sich kaum über Jahre durchhalten, der JoJo-Effekt ist damit garantiert und die Folgekrankheiten ebenso. Diese Verzweiflung der Betroffenen kann Extremformen annehmen, wie ein Beispiel aus den USA zeigt:

      https://www.infosperber.ch/gesundheit/der-mann-der-an-sich-selbst-erstickte/
      „Ein extrem übergewichtiger Patient sieht keinen anderen Ausweg mehr als den Tod. Danach kommt es zu weiteren Problemen.

      383 Kilo Körpergewicht, Husten, Mühe beim Atmen – das war der Anfang vom Ende einer langen Leidensgeschichte.
      Eine Magenband-Operation oder ein ähnlicher Eingriff waren bei dem 35-Jährigen undenkbar, denn das Operationsrisiko war zu gross. Er hätte dafür zuerst massiv abnehmen müssen. Es fand sich auch kein Pflegeheim, das in der Lage gewesen wäre, ihn dauerhaft mit maschineller Beatmung zu übernehmen. Zwischenzeitlich hatte sich seine Nierenfunktion weiter verschlechtert.

      Angesichts dieser Lage bat der Patient darum, dass die Beatmungsmaschine abgestellt werde. (…)“

      Hätten beizeiten verbreichte Fett-Weg-Spritzen diesem Mann helfen können? Oder ihm neue Risiken beschert, wovon dieser Artikel von 2024 berichtet:

      https://www.infosperber.ch/gesundheit/dr-kurios-wegen-fett-weg-spritze-fast-erstickt/
      Wegen «Fett-weg»-Spritze fast erstickt

      „Bei mehreren Menschen kam es zu lebensgefährlichen Zwischenfällen während der Narkose. (…) Die kleine Operation verlief ohne Zwischenfall. Doch als der Anästhesist am Ende der Narkose die Atemhilfe zum Offenhalten der Atemwege aus ihrem Mund zog, begann die Patientin zu husten und wurde kurzatmig. Der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut sank rasch.

      Der Grund für diese gefährliche Atemnot: Feste und flüssige Nahrungsbestandteile ergossen sich aus dem Magen in ihren Rachen und in den Mund. Die Patientin drohte daran zu ersticken. (…) Schuld an diesem lebensbedrohlichen Zwischenfall waren sehr wahrscheinlich die «Fett-weg»-Spritzen, die ihr beim Abnehmen helfen sollten. Einmal pro Woche spritzte sie sich den darin enthaltenen Wirkstoff Semaglutid unter die Haut.

      Er bewirkt unter anderem, dass sich der Magen verlangsamt entleert – und erhöht damit das Risiko, dass es bei einer Narkose zur Aspiration kommt. Die letzte «Fett-weg»-Spritze hatte die 25-Jährige vier Tage vor der Operation erhalten. (…) Um das Risiko einer Aspiration zu senken, wäre es ideal, Semaglutid vier Wochen vor einer geplanten Operation abzusetzen, raten kanadische Anästhesisten im «Canadian Journal of Anesthesia». (…)“ Und dieses Risiko war in den Zulassungsstudien nicht entdeckt worden, oder wurde es im Zulassungsprozess als marginal abgetan?

      Das Konzept der „Tiefen Hirnstimulation“ mag als „Neuro-Essentialismus“ verfehlt sein, aber werden US-amerikanische Studien nach diesem Kardinalfehler überhaupt suchen?

      1. Bin ganz bei Ihnen. Ich stelle nicht das Problem Adipositas in Frage, nur die Art, wie unsere wissenschaftliche ‚Elite‘ damit umgeht.

  4. Hört sich für mich nach versuchter Geldschneiderei an, irgendwie genauso schräg wie die ADHS-Geschichte, der Artikel hier dazu ist noch nicht allzu lang her. Wachsweich in meinen Augen.
    Im Bereich der Hirnforschung finde ich die Erkenntnisse über das limbische System und die Amygdala wesentlich interessanter. Die Verbindung zwischen Gewalttätern und deren insuffizienten, bzw. schwach ausgeprägten Hirnanteilen in besagtem Bereich könnte das Strafrecht zum wackeln bringen.
    Denn ob jetzt im Hirnstoffwechsel etwas daneben läuft und ein Schizophrener Gewalttaten begeht ( Selten!), krankheitsbedingt als Schuldunfähig befunden wird oder eben hirnorganisch bedingt Gewalttaten begangen werden, hat die Schuldfähigkeit betreffend für mich die gleiche Qualität.
    Das finde ich viel interessanter und wesentlicher als das „Adipösen-Gehirn.“
    Den Ausdruck allerdings haben wir gelegentlich verwendet, um ein satten, selbstgefälligen Menschen zu kennzeichnen, der hätte ein fettes, adipöses Gehirn; bei so manchem Politiker passt das schon.

  5. Tip von mir für einen vertretbaren BMI (18-24): Viel Salat, Obst und Gemüse. Viel Schlaf (wer schläft ißt nicht). Möglichst lange Pausen zwischen den Mahlzeiten. Kein ständiges Essen, keine Snacks. Und Alltagsbewegung.
    „Das adipöse Gehirn“…. Adipös sind höchstens die perfiden Marketing Strategien. Man schaue sich mal die absurden Produkte an, die unter „Nahrungsmittel“ laufen. Nicht jeder kann sich dagegen wehren. Wenn er dann dick wird, wird er beschimpft. Schon allein der Quatsch mit Cola Zero und Co. Wer das Zeug trinkt wird hinterher noch mehr Zucker zu sich nehmen, weil das Gehirn nicht zufrieden ist mit Süßstoffen. Lieber ein Glas echte Cola und es dabei belassen.
    Aber auch hier gilt. Schlanke Apfelesser sind doch gar nicht gewünscht. Man will schließlich Ozempic Spritzen verkaufen und die Magenbandchirurgen wollen sich Doppelhaushalten und Elektro SUVs kaufen….

    1. Wer das Zeug trinkt wird hinterher noch mehr Zucker zu sich nehmen, weil das Gehirn nicht zufrieden ist mit Süßstoffen. Lieber ein Glas echte Cola und es dabei belassen.

      Kann ich nicht bestätigen (ich verwende seit mehr als 20 Jahren Süßstoffe), m.W. weckt ein nach oben schnellender Blutzuckerspiegel, der dann mit Insulin abgeschossen wird, sogar Hunger (und schadet dabei der Bauchspeicheldrüse und den Zähnen). Zucker macht nicht gut satt und kann m.W. sogar süchtig machen.

      Ich habe jahrelang versucht, herauszufinden, ob Süßstoffe schädlich sind, aber die Studien sind nicht überzeugend, meist zu klein, nicht sauber bereinigt (wenn man eine Aussage will, muss man Gleichgewichtige vergleichen, nicht z.B. dicke Süßstoffkonsumenten und dünne Zuckeresser) und es wird erstaunlich oft nicht zwischen den Arten der Süßstoffe unterschieden, Aspartam konsumiere ich z.B. nicht, weil ich dem nicht vertraue.

      Stattdessen kursieren so urban legends, dass Süßstoffe ja in der Tierhaltung eingesetzt würden, um Tiere fett zu bekommen. Das ist aber auch sehr oberflächlich gedacht, wenn es überhaupt stimmt, dann wurden die wahrscheinlich eingesetzt, weil sie schlecht schmeckendes Futter sehr billig aufwerten können (was dazu führt, dass die Tiere es lieber und mehr davon fressen), aber das ist nur eine Spekulation meinerseits.

  6. der BMI von Herrn Lapuente ist geringfügig verbesserungsfähig aber das gilt auch für andere Individuen seiner Spezies, de oft vor allem während ihrer Alterungsphase allerhand ernährungsbedingte Probleme mit sich herumschleppen. Das Entscheidende an Herrn Lapuente ist aber nicht, dass er vielleicht mit ein paar Kilo zu viel unterwegs ist, die ich ihm leicht abtrainieren könnte, sondern dass er einer besten Autoren und Redakteure zu sein scheint, die das Licht dieses Planeten jemals erblickt hat. Um Florian oder Gaby muss ich mich sowieso nicht kümmern, außer vielleicht mal spenden oder demonstrieren gehen.

  7. Na ja, niemand muss fettleibig sein, Literatur und Erkenntnisse dazu gibt es mittlerweile massenweise, sogar so viele, dass es schwierig ist, das alles noch zu durchdringen. Die Fett-Weg-Spritze hat gezeigt, dass die Leute einen schnellen und bequemen Weg suchen, was auch verständlich ist, allerdings natürlich nicht ohne Nebenwirkungen bleibt. Wer sich vor allem ballaststoffarm von den typisch „leeren Kalorien“ stark verarbeiteter, industrieller Fertigmahlzeiten ernährt, bekommt höchstwahrscheinlich Mangelerscheinungen, wenn er einfach nur weniger isst.

    Wie man das löst, damit steht man dann allein da, es hängt vom Wissen, den Vorlieben und Möglichkeiten ab. Ich praktiziere (das mittlerweile enorm modische) „Intervallfasten“, ich bin da vor Jahren durch Zufall draufgestoßen (meine Frau aß nie Frühstück, zeitigstens Mittagessen und blieb trotz Schokoladenkonsum immer schlank, also hab ich das kopiert). Wir kochen und backen aber auch sehr viel, mit Fokus auf Ballaststoffe, Eiweiß und Fett und vor allem einen reichhaltigen befriedigenden Geschmack (das ist wichtiger als man denkt, vor allem weil man Fastfood dann recht schnell als fade wahrnimmt und nicht mehr verlockt wird), Zucker habe ich weitgehend gegen diverse kalorienarme Süßstoffe ausgetauscht (ich mag einfach nicht auf Süßes verzichten, wie es viele Puristen machen). Immerhin reicht das seit Jahren, um im Idealgewicht zu bleiben (ohne sich zu quälen) und damit sich die Kinder gut entwickeln, ich kann das nur empfehlen. Aber es kostet natürlich Zeit, ein bisschen Geschick, eine gut ausgestattete Küche (die deutschen „Frankfurter Küchen“ sind heutzutage viel zu klein, die modischen Wohnküchen für Vielkocher aber auch sehr unpraktisch, da beneide ich echt die Amis um ihre hallengroßen Superküchen).

    Das ganze Ernährungsthema zwingt einen fast dazu, sich mit seinem Körper, Vorlieben und den wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen, eigentlich müsste man das heutzutage in der Schule lernen, weil viele Eltern das selbst nicht hinbekommen und die Kulturtechnik des Kochens zunehmend zu einem reinen Hobby von Gourmets wird.

  8. Immer das Gehirn. Andere Zentren hat man jahrelang übersehen. Eine junge Dame hat einmal unter dem Titel „Darm mit Charme“ offengelgt, wieviel Denkarbeit der Darm verrichtet und ließ diesem Das Prädikat „intelligent“ zukommen. Worauf der Postillion meldete, der erste Darm habe nun die Mittlere Reife erworben.

    Was wie immer übersehen wird. In der jetzt heraufziehenden Abstinenzlerdiktatur essen die Lute natürlich mehr und werden dick. How astnishing!

    1. Das mit dem Darm und dem enormen Einfluß einer ausgewogenen Darmflora, ist noch gar nicht so lange bekannt, wird aber m.E. tatsächlich immer bewusster. Leider ist es auch total überkomplex, selbst Fachleute wissen nicht immer, was zu tun ist, um da etwas Bestimmtes zu verbessern (außer allgemeine „Gesund ernähren“-Phrasen). Muss wahrscheinlich jeder ein eigenes Gefühl dazu entwickeln.

  9. Ich sag mal übergreifend, namentlich mit Blick auf den Faden „Muß der Kapitalismus weg?“ (Glosse von RDL), etwas „zum Begriff der Natur in der bürgerlichen Kultur“.

    Das Thema dieses Stranges, ich habe in meinem ersten Kommentar mit dem Hinweis auf John B. Watson darauf angespielt, ist eine Fortsetzung behavioristischer Dressur- und Erziehungspraxis.
    https://www.erzieherwissen.de/klassische-konditionierung/
    mit chirurgischen Mitteln.
    Die Theorie zu dieser Praxis figuriert unter „Lerntheorie“, und die Gegner dieser Praxis haben gewöhnlich – im letzten Jhd. zumindest, neuere Debatten kenne ich nicht – gewöhnlich an dieser Etikettierung angesetzt, schematisch gesagt: Dressur sei kein Lernprozess.

    Natürlich taugt der Einwand nicht, Behavioristen wußten auch und wissen weiterhin, Menschen sind keine Hunde. Sie haben lediglich beobachtet, Phänomene, die sie theoretisch einem ideellen „Reiz-Reaktionsschema“ unterwerfen, sehen aus, wie Dressurvorgänge, und sie haben daraufhin an ihrer Biographie bemerkt, etwas, das wie Dressur zu funzen scheint, ist Bestandteil ihrer Lernprozesse gewesen und ist es weiterhin, „lernen“ sei und bleibe also etwas, das mit etwas, was man Dressur nenne, verknüpft sei, auch in der Form einer Selbstdressur. Die Neurologen haben daraufhin Hirnströme gemäß der Idee untersucht, ob sich solche scheinbaren oder realen Dressurvorgänge in ihnen abbilden lassen, und sind fündig geworden.
    Wie könnte es auch anders sein! Wenn biologische Abläufe im Organismus fixiert werden, dann haben sie dort einen spezifischen Ort zu spezifischer Zeit, wie, anders, wären sie sonst fixiert?

    Mit Blick auf meinen Plan werfe ich ein: Das ist übrigens „Physik“, und nicht „Metaphysik“. „Metaphysisch“ wird es erst, wenn die Abläufe, die fixiert werden, in die Orte und Zeiten, in welche und in denen sie fixiert auftreten, also fixiert erscheinen, aufgelöst werden. Wenn also eine ideelle Identität zwischen einem Vorgang und seiner Erscheinungsform hergestellt wird, die keine semantische Hilfskonstruktion ist, welche einen Gegenstand der Untersuchung zwecks Erklärung fest hält, sondern die Erklärung mit der ideellen Identität schon etwas fertig haben soll, wenn eine Gegenstandsbestimmung schon „halbe Miete“ der Erklärung des Gegenstandes sein soll.
    Wenn Physik für etwas eintreten soll, was kein physikalischer Vorgang ist, obgleich physikalische Vorgänge selbstredend Grundlage und Bestandteil biologischer und sozialer Vorgänge sind und bleiben, dann ist das Metaphysik, nach dem Muster der Philosopheme des klassischen „mechanischen Materialismus“ des 17. und 18. Jhd.

    Hirnchirurgie (oder der analog konzipierte Einsatz von Drogen oder jetzt Stromflüssen) ist folglich metaphysische Praxis, und gemäß des o.a. Arguments mit der Fixierung biologischer Vorgänge muß es „natürlich“ regelmäßig so erscheinen, als „funze“ sie. Ich erlebe grade am eigenen Leib, wie und warum sowas – im Prinip – funzt. Ich habe mir vor zwei Jahren eine ziemlich schwere Beinverletzung zugezogen und bin immer noch damit befaßt, „neu laufen zu lernen“, nämlich so, daß zumindest fast alles „so läuft“, wie zuvor, einschließlich der spezifischen Symmetrie und Asymmetrie zwischen den Beinen.
    Ich bin – klopf klopf – anscheinend nicht genötigt, anders laufen zu lernen, als ich die knapp 70 Jahre zuvor gelaufen bin. Aber wenn die Schäden nicht anders zu „trimmen“ wären, würde ich anders laufen lernen, und ein Teil meines Problems besteht darin, daß dies über den letzten Winter geschehen ist, ohne daß ich es bemerkt habe. Jetze bin ich damit befaßt, das rückabzuwickeln.
    So viel und so unzureichend zum Artikelthema.

    RDLs angeführte Glosse rechtfertigt meinen Übergang und Übergriff auf ihn mit genau einem Satz:

    Die Beispiele lassen sich fast beliebig auswechseln, das Erklärungsmuster aber bleibt: Klima, Umweltverschmutzung, Digitalität und immer wieder Mord und Totschlag – ein Hinweis auf die Natur des Kapitalismus reicht, um jede weitere Analyse im Keim zu ersticken.

    Das sieht wie eine Beschreibung aus, die etwas trifft, und ist vermutlich von jedem Leser so verstanden worden, aber dies Urteil ist ein schwerer Fehler, den RDL mit seiner Rhetorik provoziert hat, die ihm wahrscheinlich an erster Stelle selbst „einleuchtet“:

    Wer redet denn da, bitte schön, von „Natur“?!
    Ist es RDL, der die „Sorte Marxisten“ beschreiben will, die er basht, oder sind es Vertreter dieser „Sorte“, die eine „Natur des Kapitalismus“ im Sinne führen, und RDL opponiert gegen diese Vorstellung und damit verknüpfte Konzepte?
    Die Frage ist unentscheidbar, und genau das ist der Trick!.
    Die Polemik der Benutzung des Wortes „Natur“ liegt darin, daß RDL:
    einerseits den „Marxisten“ vorwerfen will, sie hätten einen monolithischen Begriff von „Kapitalismus“, dem sie all das unterwerfen, was nach RDL’s Willen entweder gar nichts, oder nur bedingt etwas mit „Kapitalismus“ zu tun habe –
    andererseits behandelt er aber genau nach diesem Willen „Kapitalismus“ selbst als ein „monolithisches“ Trumm. Er zieht den „Marxisten“ rhetorisch Schranken in ihre Argumentationen ein und benutzt dazu dasselbe Verfahren, das er ihnen vorhält: Dem Kapitalismus eine „Natur“ andichten – freilich ein anderes Gedicht , aus dem nach seinem Willen „Klima, Umweltverschmutzung, Digitalität und immer wieder Mord und Totschlag“ heraus fallen sollen – zumindest aus der Kompetenz, dem Beritt der „Marxisten“ und Marxisten sollen sie heraus fallen.

    Vielleicht erinnert sich hier einer an die Vorhaltung, die Karl Held, vom Alkoholismus schon gezeichnet, dem Pohrt auf dem berüchtigten Konkret-Kongress gemacht hat, weil er ehrlich von Pohrt enttäuscht gewesen ist, sinngemäß:
    „Ihr wollt ja gar nix mehr wissen, ihr wollt bloß noch dichten, damit seid ihr zufrieden!“
    Und vielleicht erkennt er jetzt hier, daß dies ein trefflicher Generalvorwurf an fast alle intellektuellen Stände des Bürgertums ist – Experimentalphysiker und -chemiker, sowie Physiologen, Molekularchemiker und Biochemiker ausgenommen, Infomatiker bedingt, und auch Mathematiker nur sehr bedingt – viele Mathematiker bekennen sich zu ihrer Dichtkunst.
    Und ich behaupte jetzt, die Vorstellungswelten, die das Bürgertum mit dem Begriff „Natur“ verknüpft, stehen im Zentrum ihrer Dichtkunst.
    Wie das für RDL im gg. Beispiel funzt, habe ich vorgestellt. Im nächsten Beitrag folgen weitere Beispiele aus dem Kommentarstrang.

    1. Planänderung, weil mir, angesichts des Kommentariats zu „Papa, warum gibt es eigentlich …“, jede Energie abhanden gekommen ist, die Sache halbwegs systematisch anzugehen. Deshalb ein möglichst kurzer Lehrtext, an den ich allerdings eine Angabe des Grundes für den Energieverlust anzuschließen gedenke:

      1. Der Gegenstandsbereich des Begriffes „Natur“ ist das, was unter „Kultur“ verstanden wird und werden soll
      Ein „Stein“ ist nicht „Natur“, es ist ein Stein, ein Stück Mineral in Abgrenzung zu bspw. „Holz“, sofern Letzteres nicht versteinert ist. Ist der Stein bearbeitet, ist es ein (kulturelles) Artefakt und der Begriff Natur, oder „natürlich“, schrumpft für diesen Gegenstand auf die mineralische Zusammensetzung des Artefaktes.

      2. Damit ist ein Abstraktes und Allgemeines des Naturbegriffs schon gegeben:
      „Natur“, das sind alle unbearbeiteten Bestandteile des Gegenstandsbereiches menschlichen Geistes und Intellekts, und so ist der Begriff Bestandteil des alten deutschen Begriffes „Naturkunde“, semantisch identisch mit dem altgriechischen Kunstbegriff „Geologie“, worin „Geo“ die „Erde“ ist.
      Formuliert man dieses abstrakt-Allgemeine philosophisch – also in der Sprache des „Abstrakt-Allgemeinen“ – so kann „Natur“ die unbearbeitete Behausung menschlichen Geistes und Intellekts genannt werden.
      (Damit habe ich die Kritik an der Metaphysik der Neurowissenschaften wiederholt und präzisiert: „Das Gehirn“ ist offenkundig solche Behausung, aber spricht man von ihm gemäß seiner Organik, ist es alles andere, als „unbearbeitet“. Im Gegenteil, je mehr die Paläoanthropologen auf den Rassismen beharren wollen, die sie mit der Gehirnentwicklung in der menschlichen Geschichte verknüpfen, desto mehr haben sie anzuerkennen, daß es sich beim vorfindlichen Sitz des „repräsentativen Gesamtsubjekts“ eines Angehörigen der Gattung homo um ein Kulturprodukt handelt.)

      3. Folglich gehört der Begriff „Natur“ zu den logischen Abgrenzungsbegriffen, sein Gegenstand ist ein Teilbereich des Selbstbewußtseins jeden tierischen Intellektes und allen menschlichen Geistes. [ich erinnere: Geist hockt nicht in Neuronensuppen, sondern im Zusammenwirken von mit Neuronensuppen ausgestatteten Individuen]

      4. Folglich ist die Projektion des Begriffes „Natur“ in ein gegenständliches Jenseits der Kultur, mit anderen Worten, seine Verdinglichung, ein kultureller „glitch“, ein Systemfehler im kulturellen Selbstbewußtsein einer menschlichen Population.
      (Archaische Kulturen, die bis in Nischen der Moderne hinein wirkend, die Erde mit „Engeln und Dämonen“, mit „Geistern“ und polytheistischen Göttern bevölkert haben, hatten ein um eine Klasse rationelleres Selbstbewußtsein, als die Moderne mit ihrem einzigen Gott, „Natur“) (Das Statement wird „name“ freuen, schätze ich)

      5. Die Verdinglichung des Naturbegriffes hat gewiß zahlreiche und vermutlich auch gegensätzliche Quellen, aber in der bürgerlichen Kultur zentrieren sich die um eine singuläre Quelle, behaupte ich. Zunächst eine Vorbemerkung dazu:

      a) So prominent die Verdinglichung ist, so prominent ist parallel dazu die logische Verwendung des Naturbegriffes in dem Partikel „natürlich“, „naturgemäß“, in Formulierungen wie „in der Natur e-r Sache liegend“ etc.pp.
      Darin ist „Natur“ die Sammelbezeichnung für den inneren Zusammenhang einer begriffenen, oder als
      begriffen geltend gemachten Sache oder Angelegenheit.

      b) Solche logische Verwendung ist allerdings nicht synonym zur Formulierung „logisch“ oder „(liegt) in der Logik der Sache“. Sie ist in einem spezifischen Sinn materialistisch, den einige Marxisten „instrumentell“ genannt haben. Einen sehr merklichen Ursprung hat solche, sagen wir: „logisch-materialistische Redeweise“ in der Antike, und Marxisten, die das untersucht haben, sprechen davon als einer „handwerklichen Begrifflichkeit“, die in der antiken Philosphie ausgebreitet werde, die polytheistischen Vorstellungswelten der Frühantike („Vorsokratiker“) ablösend und vernichtend.
      „Natürlich“ in diesem Sinn ist einfach „das Gegebene“ nach dem Muster des Materials, das ein Handwerker für gegeben nimmt, sei es, weil er das im Zuge der Arbeitsteilung tun muß, sei es, weil er es aus anderen Gründen, mit anderen Motiven, so will.
      Das „Gegebene“ ist auf diese Weise objektiviert zu einem vorerst Unwandelbaren

      Summarisch ist dies „Gegebene“ folglich identisch mit gesellschaftlichen, im Unterschied zu „natürlichen“ Daseinsbedingungen gesellschaftlicher Arbeits- und folglich Lebensprozesse, worin „natürlich“ beispielsweise die Beschaffenheit des Bodens ist, der in Bearbeitung genommen wird, aber in Extension auch die Beschaffenheit der Vorprodukte bspw. eines Schusters.

      6. Die theologische UND philosphische Ausdehnung und Abstraktifizierung solches „Gegebenen“ ist der Monotheismus.

      7. Alle monotheistischen Vorstellungswelten zeigen sich auf paradoxe Weise dichotomisch. Einerseits trennen die monotheistischen Sakralisierungen ein ontologisch „Böses“ von ihnen ab, andererseits gemeinden sie solch „Böses“ in das Sakrale ein. Ikonographisch in der Form des „Satanischen“, gesellschaftlich in der Form „göttlicher Gesetzgebung“.
      Im Übergangsfeld dieses Prozesses trank Sokrates den Schierling …

      8. In der gegen alle Gegensätze und Widersprüche gesetzten Idealität des Gebotenen (des Sollens, das der Geltung der herrschaftlichen Institute aus den Wechselfällen der Konkurrenz und der technischen Entwicklung zuwächst) erscheint nichts mehr so, wie es an sich ist. Die gültigen Zwecke nebst ihrem Zusammenhang (ihren Gründen) sind ersetzt durch ihr Verhältnis zum Gesetz: die Relation des Guten und des Bösen. Die rationelle Subjektivität der Urteile „gut“ und „schlecht“ – d.h. nützlich und schädlich – wird objektiviert. Die falsche – weil die Widersprüche gewaltsam vereinigende – Allgemeinheit erscheint darin als ein Reich des Absoluten: Gott, das Wahre, das Gute, das Schöne, das Menschliche. [Zusatz: Gestützt durch die Fetische (Geld, Eigentum, Insignien weltlicher sowie spiritueller Macht, die Kulte der Fruchtbarkeit und des rechtschaffenen Mordens) verwandeln die Subjekte ihr Tun in „Geschichte“, ein wahnhaftes Subjekt über ihren Köpfen und Leibern.]

      9. Der instrumentelle Verstand des Bürgertums bemächtigt sich der sakralen Ontologisierung des „Guten“, „Bösen“ und „Absoluten“, indem er es naturalisiert.
      Die Zeichenbegrenzung verbietet mir, das auszuführen, aber es sollte nicht schwer nachvollziehbar sein, daß „Natur“ und ein „Natürliches“ nach o.a.
      logischen Mustern in diesem Verfahren abwechselnd für ein „Gutes“ oder ein „Böses“ zu stehen kommt (dazu hat @garno sein intellektueller Instinkt nicht schlecht gelenkt), je nach Zwecksetzung, und dies „Gute“ und „Böse“ soll, wiederum je nach Zwecksetzung, einmal für ein Wandelbares, ein andermal für ein Unwandelbares zu stehen kommen.

      10. Der bürgerliche Verstand unterwirft sich seiner Herrschaft vollkommen arbiträr. In diesem Sinne kann man sagen: Denkvorschriften widersprechen nicht nur seiner „Natur“, sie behindern seine Anpassungsleistungen an die Herrschaft.

      Fehlt noch die angekündigte Erklärung:
      Die biologische Reproduktion ist und bleibt „Naturbasis“ geistigen und intellektuellen Lebens, daher umgreift sie es. Die Kommentatoren im Faden „Papa, warum gibt es eigentlich …“, ignorieren das vollkommen, obgleich ich sie gleichsam mit der Nase drauf gestoßen habe:
      https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/papa-warum-gibt-es-eigentlich-den-ukraine-krieg/#comment-398836
      Sie beharren autoritär, patriarchalisch und priesterlich darauf, ihre jeweiligen konträren Weltanschauungen, Weltbilder, Ideale, ideellen Maße und Maßstäbe, und, alles in allem, eine ontologische Objektivität des Guten und Bösen zu oktroyieren.
      Das ist ein Kapitalschaden, da gibt es nix zu retten!

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