Territoriale Neuordnung der Ukraine?

Potsadamer Konferenz:  Clement Attlee, Harry S. Truman, Josef Stalin. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R86965 / CC-BY-SA 3.0

Auf dem Wege zur Entstalinisierung der Ukraine.

„…западная часть Украины – подарок Иосифа Виссарионовича Сталина после войны Украине“ (… der westliche Teil der Ukraine ist ein Geschenk von Josef W. Stalin an die Ukraine nach dem Krieg). – Putin, 26. Juli 2026

 1. Der westliche Teil der Ukraine

Anlässlich des 330-jährigen Bestehens der Marine traf Putin am Tag der Marine, dem 26. Juli 2026, in der Hauptadmiralshalle in St. Petersburg das Marinekommando, überreichte Matrosen staatliche Auszeichnungen und führte informelle Gespräche mit den Angehörigen der Marine. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Entwicklung der Flotte, die Zukunft der Arktis, die Sicherheit der Region Kaliningrad, die Rolle neuer Waffensysteme und nicht zuletzt der Ukrainekrieg – die sog. „Spezielle Militärische Operation“ (SVO).

Dezidiert nahm Putin dabei Stellung zur Zukunft der Ukraine, indem er andeutete, dass die Ukraine künftig mit territorialen Veränderungen konfrontiert sein könnte. Er erinnerte an die zahlreichen territorialen Veränderungen, die die Ukraine in ihrer Geschichte erlebt hat.

Der westliche Teil der Ukraine sei „Stalins Geschenk an die Ukraine nach dem Krieg“, sagte Putin. „Stalin gab der Ukraine diese Gebiete, als diese (noch) ein untrennbarer Bestandteil des Sowjetstaates war. Und er konnte sich gar nicht vorstellen, dass eine Situation wie die heutige jemals entstehen könnte.

Ich bin mir übrigens sicher, dass die Ukraine diese westlichen Gebiete früher oder später verlieren wird. Und was PolenUngarn und Rumänien gehörte, wird früher oder später – nicht morgen, vielleicht nicht übermorgen, aber in einem Jahr oder in zwei, zehn oder fünfzehn Jahren seinen Platz im historischen Gefüge finden. Es gab nur einen einzigen Garanten für die territoriale Integrität der Ukraine (in ihrer Geschichte) – Russland.“ Soweit Putin.

Putin kann, wie man sieht, auch intrigieren. Nach dem Motto: „Nehmt euch, was euch gehört“, stachelt er die Nachbarländer der Ukraine an, deren westliche Gebiete an sich zu reißen und unter sich zu teilen. Seit Langem spekuliert man in Russland wohlwollend darauf, dass Polen Teile der Westukraine um Lwow für sich beanspruchen könnte.

Historisch gesehen, wäre das nicht einmal abwegig.1 Im März 1921 schloss der junge Sowjetstaat einen Friedensvertrag mit Polen, der den sowjetisch-polnischen Krieg von 1919–1921 beendete.

Gemäß den Friedensbedingungen haben die Sowjets einen bedeutenden Teil der westukrainischen und westbelarussischen Gebiete, die zuvor zum Russischen Reich gehörten, an Polen abgetreten und mussten darüber hinaus ihrem ehemaligen Vasallen erhebliche Reparationen zahlen. Was war passiert?

Nach der deutschen Kriegsniederlage im November 1918 erklärte Polen unter Piłsudski seine Unabhängigkeit. Piłsudski proklamierte zugleich die Wiederherstellung der polnisch-litauischen Union in ihren Grenzen von 1772 und leitete Schritte zur Umsetzung dieses Plans ein, wobei er die Schwäche Deutschlands und Russlands ausnutzte. Unmittelbar darauf entbrannte der Streit über die Grenzziehung zwischen dem im Entstehen begriffenen Sowjetstaat und Polen, der letztlich zum polnisch-sowjetischen Krieg führte.

Der britische Außenminister Lord George Curzon (1919-1924) schlug vor, dass beide Seiten ihre Truppen entlang der Linie Grodno-Brest-Przemyśl (der sog. „Curzon-Linie“) zurückziehen und dort eine Grenze festlegen sollten, die in etwa den Gebieten der ethnischen Polen entsprach. Es wurde jedoch keine Einigung erzielt, woraufhin der Krieg ausbrach, den die Bolschewiki verloren haben.

Nach der Niederlage der sowjetischen Truppen unter Marschall Tuchatschewski bei Warschau im August 1920 gingen die Polen im gleichen Monat in die Offensive und eroberten bis Oktober Minsk, Białystok, Baranowitschi, Luzk, Riwne und Tarnopol. Dies zwang die Sowjetregierung, Friedensverhandlungen einzugehen.

Die Verhandlungen begannen am 17. August 1920 in Minsk und wurden im September in Riga fortgesetzt, parallel zu einer polnischen Offensive in Wolhynien und Weißrussland. Infolge der Verhandlungen wurde am 12. Oktober 1920 ein Waffenstillstand unterzeichnet und die Kampfhandlungen an der Front eingestellt.

Nach langwierigen Verhandlungen und demütigenden Zugeständnissen der Bolschewiki wurde schließlich am 18. März 1921 der Vertrag von Riga unterzeichnet. Laut dem Vertrag wurden die Provinz Grodno und Teile der Minsker Provinz sowie Galizien und West-Wolhynien an Polen abgetreten, wobei die Grenze deutlich östlich der Curzon-Linie verlief. Polen erhielt ein Gebiet von etwa 3.000 Quadratkilometern mit fast 14 Millionen Einwohnern, die überwiegend aus Weißrussen und Ukrainern bestanden.

Der Vertrag von Riga beendete damit den polnisch-sowjetischen Krieg, sicherte die russischen Westgrenze vor einer weiteren Invasion und ermöglichte dem jungen Sowjetstaat den Übergang vom Kriegskommunismus zur Neuen Ökonomischen Politik (NEP), die auf dem 10. Parteitag der Allunionskommunistischen Partei (Bolschewiki) am 16. März 1921, zwei Tage vor dem Abschluss des Vertrags von Riga, verabschiedet wurde.

Diese Atempause hatte ihren Preis: Gebietsabtretungen, hohe Reparationszahlungen und den Tod Zehntausender gefangener Rotarmisten. Erst mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges korrigierte Stalin 1939 aus sowjetischer Sicht die „negativen Folgen“ des Friedensvertrages, indem er die 1921 verlorenen Gebiete besetzte und die ukrainische und belarussische Bevölkerung sich wiedervereinigte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gliederte Stalin zudem Transkarpatien und einige Grenzregionen gemäß dem Abkommen mit den Nachbarländern in die Ukraine bzw. Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) ein. Am 29. Juni 1945 wurde in Moskau ein Abkommen zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakei unterzeichnet. Die Gebiete der ehem. Karpaten (die zuvor unter der Kontrolle der Tschechoslowakei und Ungarns standen) wurden als Region Transkarpatien Teil der Ukraine (USSR).

1951 fand auch ein sowjetisch-polnischer Gebietsaustausch statt. Dieser war der größte friedliche Gebietsaustausch in der Geschichte Polens und eine der größten Grenzveränderungen in der Nachkriegsgeschichte Europas und der Sowjetunion . Gemäß dem am 15. Februar 1951 in Moskau geschlossenen Abkommen tauschten Polen und die Sowjetunion jeweils 480 km² Staatsgebiet aus.

Vor diesem historischen Hintergrund lässt Putin offenbar einen geopolitischen Testballon steigen, um zu testen, wie weit er mit Gebietsveränderungen und/oder Gebietsaustausch gehen kann.

2. Stalins Kunstwerk

    Das heutige Territorium der Ukraine wurde im Wesentlichen von Stalin während seiner Amtszeit (1917-1923) als Volkskommissar für Nationalitäten und anschließend als Generalsekretär des Zentralkomitees der Allunionskommunistischen Partei (Bolschewiki) geschaffen2.

Im Frühjahr 1918 existierten auf dem Gebiet der späteren Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik (USSR) zwei Machtgebilde: die sog. „eigenständige Ukraine“ (самостийная Украина), zunächst unter der Herrschaft der Zentralen Rada (UNR) und dann unter Hetman Pawlo Skoropadskyj, sowie die Donezk-Kriwoi-Rog-Republik. Die letztere umfasste die vorrevolutionären Gouvernements Charkow und Jekaterinoslaw sowie einen Teil des Gouvernements Taurien (das sog. Nordtaurien nördlich der Krim). Infolge des deutschen Angriffs im Mai 1918 wurde die Donezk-Kriwoi-Rog-Republik zerschlagen. Der Donbass, der Krywbas, Slobozhanschtschina und ein bedeutender Teil von Noworossija wurden gewaltsam in das ukrainische Hetmanat eingegliedert.

Nach dem Abzug der deutschen Truppen und dem Fall des Hetmanats im Winter 1918/19 proklamierten die Bolschewiki die Gründung der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik (USSR), die das gesamte von den beiden zerschlagenen Machtgebilden beanspruchte Gebiet umfasste.

Darüber hinaus wurden 1919/20 Teile der ehemaligen Don-Region, darunter die Stadt Taganrog und ihr Umland, der USSR angegliedert. Als Volkskommissar für Nationalitäten überwachte Stalin diese gesamte Entwicklung.

Im April 1922 wurde Stalin während Lenins Krankheit auf dessen Empfehlung hin zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Allunionskommunistischen Partei (Bolschewiki) gewählt. Obwohl das Amt des Volkskommissars für Nationalitäten in der im Dezember 1922 gegründeten UdSSR abgeschafft war, wurde Stalin zur einflussreichsten Person in Fragen der Nationalitätenpolitik. Innerhalb der Partei galt er zudem als der führende Experte für Nationalitätenfragen.

Die endgültige Festlegung der Ostgrenze der USSR im Jahr 1928 war daher maßgeblich Stalins Werk. Infolge der zahlreichen territorialen Verschiebungen fiel das Gebiet Taganrog von der Ukraine wieder an die RSFSR, wohingegen die meisten Donbass-Bezirke, darunter auch jene, die vor der Revolution zur Don-Region gehörten, in der USSR verblieben. Gleichzeitig wurde das Gebiet der alten russischen Stadt Putiwl (heute im Gebiet Sumy) der USSR zugeschlagen.

In den 1920er-Jahren begann die sog. „Ukrainisierung“. Diese umfasste die obligatorische Umstellung aller behördlichen Abläufe und des gesamten Bildungswesens in der USSR auf die ukrainische Sprache, auch in Gebieten mit überwiegend russischer Bevölkerung. Der Schulunterricht wurde darüber hinaus in Gebieten mit hohem ukrainischem Bevölkerungsanteil in der RSFSR, wie der Kuban-Region und einigen nördlichen Regionen Kasachstans (damals Teil der RSFSR), ebenfalls auf Ukrainisch umgestellt.

1934 verlegte Stalin die Hauptstadt der USSR von Charkow nach Kiew. Diese Entscheidung wurde von der ukrainischen Emigrantengemeinschaft mit Begeisterung aufgenommen. Der „ukrainische Herodot“ – der Historiker Mychajlo Hruschewski (1866-1934) – kehrte daraufhin in die Ukraine zurück.

Galizien und Wolhynien: Am 17. September 1939 marschierten die sowjetischen Truppen in Polen ein, was Stalin als Befreiung der Westukraine und Westweißrusslands darstellte. Am 22. Oktober 1939 fanden unter sowjetischer Aufsicht Wahlen zur Volksversammlung der Westukraine statt. Stalin hatte nicht die Absicht, in den besetzten Gebieten eine separate Sowjetrepublik zu errichten. Er strebte vielmehr deren Vereinigung mit den entsprechenden Sowjetrepubliken an. In ihrer einzigen Sitzung vom 26. bis 28. Oktober 1939 wandte sich die gewählte Volksversammlung der Westukraine an den Obersten Sowjet der USSR mit der Bitte um Eingliederung der Westukraine in die USSR. Diesem Antrag wurde selbstverständlich stattgegeben und am 1. November 1939 wurden Ostgalizien und Wolhynien Teile der USSR.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der Westukraine von der deutschen Besatzung durch die sowjetischen Truppen drängte der britische Premier Winston Churchill Stalin wiederholt zur Rückgabe von Teilen der Westukraine an Polen. Insbesondere forderte Churchill die Rückgabe von Lemberg (Lwiw, Lwow) an Polen.

Stalin blieb jedoch unnachgiebig. Er stimmte lediglich einer teilweisen Korrektur und Begradigung der Grenze zugunsten Polens zu, was im August 1945 zur Abtretung der Stadt Przemyśl und eines kleinen umliegenden Gebiets an Polen führte. Damit wurde die heutige Grenze zwischen der Ukraine und Polen festgelegt.

   Bukowina und Bessarabien: Seit 1918 besetzte Rumänien Bessarabien (ehem. Provinz des Russischen Reiches) und die Bukowina, die zuvor Teil Österreich-Ungarns war. Im Juni 1940 starteten sowjetische Truppen eine „Befreiungskampagne“. Die rumänische Armee leistete keinen Widerstand, sodass die Rote Armee Bessarabien und die Nordbukowina besetzte, die mehrheitlich von Ukrainern bewohnt war.

1924 wurde die Moldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR) am linken Ufer des Dnjestr innerhalb der USSR gegründet. Nach der Annexion Bessarabiens schuf Stalin die Moldauische Sowjetrepublik (MSSR) mit Chișinău als Hauptstadt.

Mehrere Bezirke der ehem. MSSR, darunter die Stadt Balta – die erste Hauptstadt des autonomen Gebiets -, wurde der Region Odessa zugeschlagen.

Gleichzeitig wurde im südlichen Teil Bessarabiens, wo Moldauer eine ethnische Minderheit bildeten, das Gebiet Ismail gegründet und in die USSR eingegliedert. Nach der erneuten Befreiung Bessarabiens von den rumänischen Truppen im Jahr 1944 wurde das Gebiet Ismail aufgelöst und seine Bezirke dem Gebiet Odessa der USSR zugeordnet.

Das Gebiet Tscherniwzi der USSR wurde auf dem Gebiet der Nordbukowina gebildet. Dadurch erhielt die Ukraine ihre heutige Grenze zu Rumänien.

Transkarpatien: Bis 1918 gehörte Transkarpatien zum ungarischen Teil der Habsburgermonarchie und wurde anschließend Teil der unabhängigen Tschechoslowakei. Das Gebiet trug verschiedene Namen, die meist das Wort „Rus“ enthielten: Ungarische Rus, Karpaten-Rus. Unter letzterem Namen blieb die Region bis Dezember 1938 Teil der Tschechoslowakei, bis sie auf Druck Hitlers in Karpatenukraine umbenannt wurde. Nach Hitlers Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 erklärte sich die Karpatenukraine für unabhängig, was nicht von langer Dauer war.

Hitler hatte die Region als Belohnung für seinen ungarischen Verbündeten, den Diktator Horthy, vorgesehen. Transkarpatien wurde sodann von ungarischen Truppen besetzt und Ungarn eingegliedert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab Stalin Transkarpatien nicht an die Tschechoslowakei zurück. Im Juni 1945 wurde ein Abkommen über den Anschluss Transkarpatiens an die UdSSR unterzeichnet und im April 1946 die Gründung des Transkarpatischen Gebiets der USSR verkündet. Dadurch erhielt die Ukraine ihre heutige Grenze zur Tschechoslowakei und zu Ungarn.
Als Territorialstaat war die Ukraine so, wie wir sie vor dem Kriegsausbruch am 24. Februar 2022 kannten, Stalins Kunstwerk. Und da die ukrainischen Nationalisten, die sich 2014 an die Macht geputscht haben, eine Dekommunisierung anstreben, wäre es nur recht und billig die von Stalin geschaffene Ukraine als Territorialstaat zu zerschlagen, pardon: zu entstalinisieren. Oder nicht?

 

Anmerkungen

 

  1. Vgl. Военное обозрение, Почему Россия в 1921 году отдала часть своих земель Польше, 22. Марта 2021.
  1. Zum Nachfolgenden Русская Семерка, Какие территории Сталин подарил Украине.
Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
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9 Kommentare

  1. Während weite Teile der Bevölkerung sich an den sommerlichen Temperaturen erfreuen (oder sich darüber entsetzen) und viele noch immer vom ersten Einzug unserer Nationalmannschaft in die K.o.-Phase einer Fußballweltmeisterschaft seit rund einer Generation berauscht sind, machen das Merz-Regime und seine Nato-Partner ernst:

    – Am 1. Juli 2026 wurden die „Sicherstellungsgesetze“ (Notstandsgesetze) so verändert, dass sie künftig scharf geschaltet werden können (oder bereits scharf geschaltet worden sind?), ohne dafür den Notstand ausrufen zu müssen.

    – Ebenfalls im Juli 2026 wurde vom Innenministerium die „Bedrohungslage“ auf „hoch“ hinaufgestuft.

    – Ein Verbotsverfahren gegen die Opposition ist vorbereitet, aber noch nicht formal eingeleitet.

    – Im „Verteidigungsfall“ werden laut Gesetz alle Wahlperioden in Bund und Ländern bis sechs Monate nach Ende des „Verteidigungsfalles“ „verlängert“. Das bedeutet, bis dahin (bis zum „Endsieg gegen Russland“) fänden dann bei uns so wie in der Restukraine keine Wahlen auf Bundes- und Länderebene mehr statt.

    Sollte uns der Endsieg allerdings auch dieses Mal verwehrt bleiben, dann wird wohl die künftige russische Militärverwaltung in Berlin bei Gelegenheit das weitere Verfahren bekannt geben. Oder unser Land wird so verwüstet sein, dass an den Wiederaufbau eines Staatswesens nicht mehr zu denken ist.

    Der „Verteidigungsfall“ muss vom Bundestag mit Zweidrittel-Mehrheit beschlossen werden, es sei denn, die Nato ruft nach Artikel 5 den „Bündnisfall“ aus. In diesem Fall kann die Bundesregierung dann selbst den „Verteidigungsfall“ ausrufen.

    Wenn das der Plan auf Ebene der Nato und/oder des Merz-Regimes ist, muss im Grunde nur noch eine „tiny litte false flag“ wie kürzlich in Leipzig organisiert werden, um die ganze Prozedur ungehindert abspulen zu können.

    Wo wir / unser Land mittlerweile stehen und wie die einzelnen Komponenten eines solchen Planes ineinandergreifen, ohne dass es für den Großteil der Bevölkerung sichtbar ist, hat Alexander Schreiner gestern auf https://www.youtube.com/watch?v=2r9er_LivZg in fünfzehn Minuten ebenso verständlich wie unaufgeregt dargelegt.

    Es muss nicht so kommen, doch denke ich, dass mittlerweile leider mehr dafür als dagegen spricht.

    Dazu kommt noch, dass wir im kommenden Winterhalbjahr auch noch auf einen Energie- (und wer weiß was sonst noch) Notstand zusteuern.

    Was den Krieg gegen Russland betrifft, hat die europäische Nato nach Einschätzung von Militärexperten die nicht für die Nato arbeiten über das Anrichten von Schäden in Russland hinaus keine Chancen. Und wo sich die tatsächlichen russischen „roten Linien“ befinden, kann man anschaulich in der aktualisierten Fassung der russischen Doktrin zum Einsatz von Atomwaffen nachlesen.

  2. Man sollte weniger historische Gebiete und die Herrschaft darüber als Ausgangspunkt bemühen. als vielmehr die einheimische Bevölkerung derselben. Und da sind wir – den polnisch-sowjetischen Krieg und dessen Ausgang ignorierend – ganz schnell wieder bei George Curzon, dem britischen Außenminister am Ende des 1. Weltkrieges und dessen Vorschlag zur Grenzziehung des damals neu errichteten Staates Polen. Und der umfaßte im Osten (also im Westen der heutigen Ukraine und Weißrusslands) eben nur die überwiegend polnisch besiedelten Gebiete, womit die als „Curzon Line“ in die Geschichte eingegangene Ostgrenze der polnischen Republik ziemlich genau der heutigen entsprach. Nach der Korrektur der polnischen Eroberungen (1920) durch das geheime Zusatzprotokoll zum Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion (1939), die daher auch keine der drei West-Siegermächte 1945 in Zweifel zog.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Curzon-Linie

  3. Revanchisten und Revisionisten sind die widerlichsten und ekelhaftesten Kriegstreiber, insbesondere wenn die sich hinter so einem altklugen pseudowissenschaftlichen Gelaber verstecken.

    Wahrscheinlich besteht ein Teil davon sowieso aus dem nachplappern des Hobbyhistorikers Putins.

    1. Kriegstreiber sind schon noch Diejenigen, die kriegerische Handlungen aktiv befürworten und befördern. Angriffskriege führen, wie Putin, gehört ganz sicher dazu. Kriege zu unterstützen, weil sie einem selbst nützen, allerdings auch.
      Der polnische Präsident macht daraus ja z.B. kein Geheimnis, dass er sich einen langen Krieg zwischen Russland und der Ukraine wünscht, weil dieser sowohl Russland, als auch die Bandera-Fraktion der Ukraine schwächt.
      Die Amerikaner und leider auch die EU haben so gar nichts dagegen, wenn mit Russland ein systemischer Rivale geschwächt wird. Zur Ehrlichkeit gehört wohl dazu, dass die Ukraine und die Menschen dort, so gut wie keine Rolle spielen, weder in der europäischen Politik, noch in der Bevölkerung der EU. Es geht immer nur darum, Russland zu schaden.
      All das ist Kriegstreiberei.

      Revanchismus und Revisionismus sind m.M. nach übrigens eher Symptome eines überbordenen Nationalismus. So ziemlich jede Grenze in Europa ist einst gewaltsam entstanden. Was gibt uns denn Optimismus, dass diese eher dunkle Historie aufgehört hätte? Weil die Menschen jetzt klüger geworden sind? Wohl eher nicht.
      Kriege sind immer Mittel zur Durchsetzung von Interessen. Nationalismus bildet so eine Art Schmiermittel zur Korrumption der Bevölkerung, diese Kriege auch tatsächlich zu führen, denn die Ottonormalverbraucher haben da nie etwas zu gewinnen. Nationalismus funktioniert dagegen immer. Das ist in Russland so und auch in der Ukraine.
      Ich behaupte mal, nicht unbedingt die Ursache, aber sehr wohl der entscheidende Impuls zum Krieg kam in der Ukraine nicht aus einem Revanchismus Russlands, sondern aus der gewaltsamen Machtübernahme westukrainischer Nationalisten auf dem Maidan, der einen Bürgerkrieg auslöste.
      Der Revisionismus kam erst danach.

      Ach ja, was genau soll an dem Artikel denn nun unwissenschaftlich sein? Er mag Dir nicht gefallen, aber was die Informationen anbelangt, erscheint er mir eigentlich schlüssig.

  4. В ходе войны 1939 года Россия не смогла захватить всю Карелию. Часть региона осталась в Финляндии.

    🇫🇮 Финская Карелия
    Продолжительность жизни: 82
    Средняя зарплата: €4 269
    Пенсия: €2 138

    🇷🇺 Российская Карелия
    Продолжительность жизни: 69
    Средняя зарплата: €572
    Пенсия: €209

    1. Ich hab das gelesen (kann ein bisschen Russisch).
      Und frage mich, was soll das?
      Was wollte der Verfasser sagen?
      4200 € Gehalt im Durchschnitt?
      Ich fahre gleich nach Karelien und suche mir eine Arbeit

  5. „wäre es nur recht und billig die von Stalin geschaffene Ukraine als Territorialstaat zu zerschlagen“

    Da bin ich voll auf der Seite von Silnizki. Erst jetzt begreifen wird die ganze Breite des ukrainischen Morasts. Dabei sollte man behutsam in 2 Schritten vorgehen, um nichts zu überstürzen -zuerst entbanderisieren und dann entstalinisieren. Aber kann überhaupt Russland als das Land, in dem in der Putin-Ära fast 120 Stalin-Monumente und -Denkmäler zu Ehren des grossen „Volksführers und Feldherrn“ aufgestellt wurden, diese Mammutaufgabe erfolgreich bewältigen…? Wie ich das sehe, müsste sich darum wieder einmal unsere NATO kümmern.

  6. Auch wenn hier gelegentlich Kommentatoren schreiben, die es anders sehen, wird auch hier in dieser umfassenden und kompetenten Darstellung deutlich, was eh nicht zu bezweifeln ist – Stalin war ein Irrer und sein Handeln war nicht mal mit machtpolitischen Erwägungen zu begründen. Seine Neigung, Grenzen zu verschieben, ganze Völker zu deportiert, Sprachen vorzuschreiben und zu verbieten,, war geradezu manisch. Irgendwo im Kaukasus hat er für eine Volksgruppe bestimmt, dass sie ihre Sprache mit georgischen Alphabet zu schreiben haben.

    Was diese „Verschiebungen“ in Osteuropa betrifft, war das da aber in der Geschichte geradezu üblich und es ist kaum möglich sich zu merken, wer wann und wo zu wem gehörte.
    Und ein im Elsass im 19. Jahrhundert geborener Mensch konnte, wenn er drei Kriege überlebte, durchaus fünf Staatsangehörigkeiten gehabt haben.
    Es war die Weisheit der Staatenlenker, die in Helsinkiprozess erkannten, dass das nur Unglück bringt und die Unveränderlichkeit der europäischen Grenzen festlegen.
    Das nahm sein Ende, als unter Führung des Schurkenstaates USA und seiner Hundchen mit Lügen und Bomben erst Jugoslawien zerstört und dann Serbien beraubt wurde.
    Das war der Anfang und nichts sonst.

    Ob diese Anregung von Putin klug ist, will ich nicht beurteilen. Dumm wäre es von Nationalisten in Polen, Rumänien oder Ungarn diesen Gedanken aufzugreifen, wenn sie ihn nicht eh schon haben. Das wird niemand in diesen Ländern nutzen.
    Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Schleswig Bestrebungen, zurück zu Dänemark zu kommen. Es waren die Dänen, die das konsequent ablehnten. Kluge Leute

    1. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Schleswig Bestrebungen, zurück zu Dänemark zu kommen. Es waren die Dänen, die das konsequent ablehnten. Kluge Leute

      Das liegt daran das man da keine Teutonen haben möchte …

      Ist wie mit …. ihr wisst schon …

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