Tech-Millionär setzt auf pluripotente Stammzellen, um seinen Körper „Organ für Organ“ zu verjüngen

Den Versuchskörper messen, um nicht sterben zu müssen. Bild: Bryan Johnson

Bryan Johnson, Unternehmer und Venture-Kapitalist, gehört sicher der Longevity-Avantgarde an. Der Tech-Millionär aus Kalifornien beschäftigt sich seit Jahren damit, nicht zu altern und letztlich ewig zu leben. Der Sieg über den Tod würde die größte Errungenschaft der Menschheit sein, sagt der 48-Jährige, der viel Zeit investiert und Geld dafür ausgibt, seinen Körper nicht altern zu lassen. Von ihrem Erfolg und Reichtum betäubt, glauben die amerikanischen Tech-Reichen, sie seien für die Menschheit unverzichtbar und dürften nicht einfach sterben.

Johnson lebt nach einer strengen pflanzlichen Diät mit zahlreichen Ergänzungsmitteln, hungert sich durch den Tag, trainiert seinen Körper, durchlitt mehrere Therapien und misst seine Verfassung, inklusive seiner nächtlichen Erektionen. Das ist offenbar als Gradmesser für seine Potenz und Zeugungsfähigkeit erforderlich. Sein Tagesablauf besteht aus viel mühsamer Gesundheitsarbeit. Aber man muss sich diszipliniert anstrengen, um länger zu leben.

Bekannt wurde er u.a. deswegen, weil er sich mehrmals Bluttransfusionen von seinem Sohn geben ließ. Darauf folgte, weil das nichts brachte, dass er sich sein ganzes Blut entnehmen ließ. Aus dem Blut wurde das Plasma entnommen und durch ein neues ersetzt („5% albumin & IVIG“ – intravenöse Immunglobulin-Therapie).

Mit Blueprint macht er ein Geschäft daraus, mit allerlei Mittelchen längeres Leben zu versprechen, angeblich von Experten und Ärzten validiert. Angeboten wird u.a. eine Don’t Die-App: „Verfolgen Sie Ihren täglichen ‚Don’t Die‘-Score, ermitteln Sie Ihr biologisches Alter mithilfe verschiedener Methoden und schließen Sie sich einer Community an, die sich der Optimierung der Lebenserwartung verschrieben hat, um über die Singularität hinauszublicken.“

Mit der neuen Firma „Immortals“ will er noch mehr herausschlagen und bietet noch mehr Möglichkeiten für Gesundheit, gutes Aussehen und langes Leben an. Das sei an seinem Körper erfolgreich getestet worden: „Dank eines Teams aus medizinischen Fachleuten, bevölkerungsbezogenen Erkenntnissen und 1,5 Milliarden Datenpunkten wurde Bryan zum am häufigsten gemessenen Menschen der Geschichte und brachte seinen nach 42 Jahren erschöpften Körper wieder so in Form, dass er in den Bereichen Muskelmasse, Herz-Kreislauf-Gesundheit und sexuelle Funktion Werte erreichte, die zu den besten 1 % gehören.“ Um das auch auf Frauen zu erweitern, wird sich nun seine Freundin Kate denselben Prozeduren unterziehen.

Es wimmelt alles von Buzzwords, beispielsweise so: „Was wir hier aufbauen, ist völlig neu. Wir nennen es ‚Your Autonomous Health‘. Autos fahren mittlerweile von selbst, und Software schreibt sich mittlerweile selbst. Als Nächstes ist Ihre Gesundheit an der Reihe.“ Die fährt sich aber nicht selbst, sondern durch Kauf von allen möglichen Produkten und die Nutzung von Apps.

Angeblich ist er durch seine Anstrengungen, länger zu leben, was harte Arbeit an sich fordert und kaum Genuss enthält, wie es aussieht, schon ein paar Jahre jünger geworden.  Trotz aller Anstrengungen erkrankte Johnson dennoch an Autoimmungastritis, einer bislang unheilbaren Krankheit, bei der das Immunsystem die Magenschleimhaut angreift. Durch die chronische Entzündung wird im Magen der Säureschutz abgebaut, was die Entwicklung von Krebs fördert, und die Aufnahme von Vitamin B12 und Eisen vermindert.

Gut, dass er sich nun selbst geklont hat, wie er am 21. Juli berichtete. Er habe sich als „Neugeborener“ geklont, begleitet wird die Meldung mit einem Bild eines Kleinkinds. Das ist natürlich eine Übertreibung, wie er selbst indirekt einräumt. Die induzierten pluripotenten Stammzellen, die aus umprogrammierten Körperzellen gewonnen werden, können theoretisch Zellen für alle Organe bilden. Noch aber sind es Zellen und „der kleine Bryan lebt vorerst in einer Petrischale“, so Johnson. Aus solchen iPS-Zellen kann sich auch kein Embryo, kein kleiner Bryan entwickeln, sondern man kann versuchen, solche Zellen zur Behebung von Schäden in Organen oder Gewebe zu implantieren. Allerdings besteht die Gefahr, dass durch das Umprogrammieren genetische Fehler entstehen.

Johnson kann, wie er schreibt, mit den Zellen Therapien vortesten oder sie eben zur Behebung von Gewebeschäden implantieren. Aber dass sich aus ihnen Organe züchten lassen, mit denen man dann „Organ für Organ den Körper neu bilden kann“, ist noch Zukunftsmusik. Vielleicht ist das eines Tages möglich, erhebliche Probleme würde es aber mit dem Gehirn geben. Das käme als tabula rasa an und Johnson würde tatsächlich als kleiner Bryan nach der Transplantation aufwachen. Man müsste die Inhalte des alten Gehirns mitsamt der Persönlichkeit und seiner Geschichte übertragen können. Johnson verspricht, dass man so den Körper verjüngen und das Altern durch epigenetische Mutationen ausschalten könne.

Und er zeigt sich dankbar, dass er nun eine angeblich unheilbare Krankheit hat: „Ich habe bereits erwähnt, dass die Diagnose einer unheilbaren Krankheit eines der besten Dinge ist, die mir seit langer Zeit passiert sind. Sie hat mir ganz neue Wege eröffnet, meinen Körper zu heilen und zu stärken.   Dies ist das erste Beispiel dafür.“ Er will also wahrscheinlich versuchen, in den Magen iPS-Zellen zu implantieren, um die Krankheit zu beheben. Das wäre dann gleichzeitig eine Möglichkeit, sein Vermögen durch das Anbieten von Stammzellentherapie zu mehren. Und das scheint mindestens so wichtig zu sein, wie Aufmerksamkeit zu finden und das Altern zu verschieben oder rückgängig zu machen.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
Mehr Beiträge von Florian Rötzer →

Ähnliche Beiträge:

17 Kommentare

  1. Zu dem was in Gaza passiert:
    Sie können meinen Kommentar vom Samstag unter folgendem Link sehen. Es geht ganz konkret um den Völkermord und die aktuelle Situation. Es geht um die hungrigen Kinder, dass zu wenig reingebracht wird und die Menschen umgebracht werden. Über die Mitläufer schreibe ich auch (ich denke dass ich den Zustand gut beschrieben habe und der Text auch Ihnen gefallen wird).

    https://ibb.co/1Gj7shYk

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Über den Völkermord sprechen.

    [1] Es kann weiterhin bei UNRWA für die Kinder ohne Eltern gespendet werden: https://donate.unrwa.org/int/en/children
    [2] Der Kommentar kann runtergeladen und weitergeleitet werden.

    1. Leider kann ich nicht spenden. Ich bekomme folgende Fehlermeldung: Your donation attempt was declined. Please review your payment details and try again or contact your bank

      1. Über Bank Transfers geht es, warum nicht mit der Kreditkarte, keine Ahnung. Die Denunziation der UNRWA durch Israel ist sozusagen das Qualitätszeichen für die Organisation.

  2. Ja ich finde, der Kommentar von @Kommentarium pass hier ausgesprochen gut.
    Gaza ist nur die andere Seite der Medaille einer bekloppten Tech Elite die sich selbst für unentbehlicht hält.

  3. Wenigstens sind die Techies zu was nützlich.

    Früher forschte man an Toten und Gefangen.

    Ich mag den am Ende… Kommt zum Markt. Mir doch wurscht das es an einem reichen getestet wurde…

    Immerhin besser als Botox
    Das ist ja langweilig langsam

  4. „Mit Blueprint macht er ein Geschäft daraus, mit allerlei Mittelchen längeres Leben zu versprechen, angeblich von Experten und Ärzten validiert.“ Das Geschäft machen bestimmt auch die validierenden Ärzte, oder?
    Alles im allem aber – das muss man zugeben – ein tolles Lebenskonzept: jeden Tag extrem hart an sich arbeiten und sich diszipliniert jeden Genuss versagen, um auf immer und ewig jeden Tag extrem hart an sich arbeiten und sich diszipliniert jeden Genuss versagen zu können. Da wäre einer ja schön blöd, wenn er nicht auch reich sein und sich die Rezepturen des Herrn Evereverever zu eigen machen wollte.

    1. Tja. Der Wille ist so stark, dass selbst das eigene Immunsystem gegen den Körper arbeitet.

      @Artikel: Blutverjüngung.
      Bei Labormäusen führt man die Prozedur etwas radikaler und erfolgreicher durch. Das Vorgehen nennt sich heterochrone Parabiose. Also zwei unterschiedlich alte Organismen verbinden.
      Der Blutkreislauf von zwei unterschiedlich alten Tieren wird operativ verbunden.

      KI:
      „Die Altersforschung nutzt dieses Verfahren an Labormäusen schon seit Jahrzehnten, und die Ergebnisse sorgen immer wieder für Aufsehen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Experimenten:
      Verjüngungseffekte bei alten Mäusen: Erhält eine alte Maus das Blut einer jungen Maus, zeigen sich verblüffende Effekte. Ihre Muskeln regenerieren sich besser, die Knochendichte nimmt zu, und die Funktion von Leber und Herz verbessert sich. Auch das Gehirn profitiert: Die Mäuse schnitten in Lern- und Gedächtnistests deutlich besser ab.
      Verlängerung der Lebensspanne: In einer Studie des Duke University Medical Centers aus dem Jahr 2023 blieben die Mäuse nach einer mehrwöchigen Verbindung nicht nur biologisch jünger (gemessen an epigenetischen Markern), sondern lebten im Anschluss auch rund 10 Prozent länger als ihre normalen Artgenossen.
      Der gegenteilige Effekt bei jungen Mäusen: Das Experiment hat eine Kehrseite. Während die alte Maus verjüngt wird, altert die junge Maus im Schnelldurchlauf. Das alte Blut blockiert unter anderem die Zellerneuerung im Gehirn des jüngeren Tieres. Woran liegt das? Die Forscher gehen davon aus, dass im jungen Blut bestimmte Wachstumsfaktoren und Proteine aktiv sind, die im Alter verschwinden. Gleichzeitig enthält altes Blut Entzündungsstoffe und zellulären Abfall, der den jungen Körper schädigt.“

      Interessant ist, dass 2016, um die Zeit des Trump-Wahlkampfes – es ging um Fake-News – auch Peter Thiel bekannt gegeben hatte, dass er sich für diese Verjüngungstechnik interessiert. Noch heftiger ist die Verjüngungsmedizin im Film ‚Jupiter ascending‘. Die heißt nicht Adrenochrom, sondern RegeneX, wird nicht aus Blut, aber aus ‚Lebensessenz‘ gewonnen und wirkt vermutlich deswegen viel drastischer. Da geht’s gleich um hunderte Jahre.

      Mit dem Plasma-Tausch ist man vermutlich auf dem richtigen Weg. Wenn man weiß, um welche Eiweiße es konkret geht, ist denkbar, dass sich Milliardäre dann tatsächlich an eine Spezial-Dialyse anschließen können, die sie verjüngt und womöglich auch Autoimmunkrankheiten wieder eingebremst werden.

  5. Ihr wollt alle reich sein? Seid mal froh, dass das nicht geklappt hat. Sonst müsstet ihr langweilige Sportarten wie Golfen betreiben. Oder mit der teuren Jacht aufs Meer fahren, wo nichts los ist. Oder wie neulich dieser al-Jolani, eine Uhr um 180,000 Euro tragen. Die vom Aldi sieht besser aus.
    Und das Nichteichsein bewahrt einen auch von der Art von Umnachtung, die den Johnson befallen hat. Für sowas hat der Normalmensch keine Zeit.

  6. Die menschliche Art kann ohne die Vorstellung von einem „ewigen Leben“ nicht auskommen. Es ist dabei völlig unwesentlich, ob es dafür wissenschaftliche oder religiöse Gründe gibt

  7. Mag sein das er sich „laenger haelt“. Aber auch er wird irgenwann erkennen das laenger leben nicht alles ist. Auch er wird sich irgenwann die Frage stellen: Wie habe ich gelebt ?

  8. Mit so einer Lektüre schmeckt die Flasche Budvar doppelt so gut. Ich mache mir bestimmt noch eine zweite auf. Mal sehen ob der Artikel von Frau Eva Schweitzer auch so viel Durst macht.

  9. Erkrankte er trotz oder wegen all der Anstrengungen an Autoimmungastritis? Soviel Therapien und Transplantationen können kaum gesund sein.

    Mir kommt grad Louis XIV (der „Sonnenkönig“) in den Sinn, an dem wurde auch Zeit seines Lebens rumgeschnippselt.

  10. Das erinnert mich an die Kurzromane von Prokop: „Wer stiehlt schon Unerschenkel“, in denen in einer dystopischen USA, die vollkommen isoliert ist, eine völlig verkommene Elite solche Praktiken ausübt. Nun ist es Realität. Doch die entscheidende Fragen: „Wie lebe ich? Wofür lebe ich?“ werden bei der Frage nach dem wie lange komplett ausgeblendet. Seine angeblich unheilbaren Krankheit sollte ihm eine Warnung sein. Niemand kann ewig leben, denn dann ist das Leben tot. Basta!

  11. Damit ein Superreicher seinen Mitmenschen noch einige Jahre länger auf den Wecker gehen kann… o.k., vielleicht ergibt sich hie und da noch ein interessanter Nebeneffekt bzw. Kollateralnutzen, der auch Leuten mit kleinerem/gar keinem Geldbeutel zugänglich gemacht wird (nicht unbedingt im Sinne des Erfinders dann, aber manchmal gibt‘s sowas halt doch).

  12. Tja, man hat alles erreicht, ist mächtig, einflussreich, superreich und stellt dann fest, das man sich das ewige Leben nicht kaufen kann, total unfair, wo man doch Leistungsträger, unverzichtbar ist.
    Ich habe beim Lesen des Artikels vor mich hin gegrinst!
    Ich gebe Herren wie Thiel oder Musk einen Satz meiner Oma mit auf den Weg: „Das letzte Hemd hat keine Taschen!“

  13. Vielleicht interessiert es jemanden, dass Telepolis inzwischen die Plattform für „Longevity-Forschung“ geworden ist – neben Defens-Tech – wie passend.

    Die einen Leben länger (oder glauben es zumindest) – während sie die anderen kürzer Leben lassen mit hilfe ihrer Waffenentwicklungen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen