
Im Herbst startet die nächste Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Die Unternehmen haben wie stets „nichts zu verteilen“. Die Antwort der IG Metall: Verstehen wir, aber es gibt auch Firmen, die machen viel Gewinn. Also mehr Lohn dort und, klar, weniger bei dem großen Rest. Über eine fatale Logik.
Sonderlich einfallsreich waren die deutschen Unternehmer noch nie. Vor jeder neuen Tarifrunde das gleiche Lied: Wir leiden unter zu hohen Arbeitskosten, Sozialabgaben, Energiepreisen! Hinzu kommen zu viele staatliche Vorschriften, zu viele unlautere Konkurrenz aus dem Ausland und deshalb zu wenige gewinnbringende Aufträge! So geht auch dieses Mal die berechnende Klage. Die damit verbundene Botschaft an die Gewerkschaften ist ebenfalls nicht neu – „zu verteilen“ gibt es wenig bis gar nichts.
Da zeigen sich die Interessensvertretungen der abhängig Beschäftigten seit Jahren wesentlich kreativer. Mal sind es flexible Arbeitszeiten, mal Freizeit statt Geld oder umgekehrt, mal müssen die Arbeitsplätze in der Industrie mit einem Industriestrompreis gerettet werden, mal sorgen ordentliche Löhne, dafür, dass die Unternehmen mehr von ihrem Zeug verkaufen können, mal retten sie sogar die Demokratie.
Der neueste Vorschlag der IG Metall beweist dies einmal mehr: Es soll einen Aufschlag auf das Gehalt geben, zusätzlich zum Tarifabschluss. Da wundert sich jeder, der die traditionell verantwortungsbewussten Tarifabschlüsse der IG Metall kennt. Also die mehr als bescheidenen Gehaltserhöhungen, die stets dem Stand der gestiegenen Produktivität, sprich Ausbeutung, und der Inflation hinterherhinken. Sollte tatsächlich dieses Mal die Gewerkschaft auf Krawall gebürstet sein und für ihre Mitglieder spürbare Einkommensverbesserungen gegen die Unternehmen durchsetzen wollen?
Das riecht fast nach einer Revolution, zumindest hinsichtlich der bisherigen Gewerkschaftsarbeit. Und wirklich schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ von einer „Tarifrevolution“ in ihrem Bericht über die Idee, die in der IG Metall intensiv diskutiert werde (vgl. Alexander Hagelüken: Eine Tarifrevolution, in: SZ, 21. August 2026). Wenn im Wirtschaftsteil der größten überregionalen Tageszeitung Deutschlands eine Gewerkschaftsforderung nach deutlich mehr Geld gelobt wird, muss daran ein Haken sein. Ein Haken, der für die Wirtschaft, die Unternehmen, die Forderung interessant erscheinen lässt.
Mit einem Zuschlag für wenige den Abschlag für viele verkaufen
Denn die Idee der IG Metall passt nur auf den ersten Blick nicht in die aktuelle „Landschaft“, in der es bekanntlich wegen der Wirtschaftskrise nichts zu verteilen gibt. Am Ende bereitet sie nämlich den Weg für angemessen niedrige Tarifabschlüsse. Und das geht so: Den Aufschlag sollen nur jene Firmen der Metall- und Elektroindustrie zahlen, denen es entgegen der allgemein schlechteren Lage vergleichsweise gut geht. Dazu gehören die Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizin- und Energietechnik, Rüstungsproduzenten und Teile des Maschinenbaus. Die Mehrheit der Unternehmen müsste keinen Aufschlag entrichten und erhielten ihren geforderten geringen Tarifabschluss. Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen zahlt auf jeden Fall noch weniger. Denn das sogenannte „T-Geld“ entfällt automatisch für jene Betriebe, deren Umsatzrendite unter 2,3 Prozent sinkt.
So könnte die Gewerkschaft ihren Mitgliedern einen krisengerechten niedrigen Tarifabschluss verkaufen. Damit, schreibt die Süddeutsche Zeitung, muss sie „nicht befürchten, dass ihre Mitglieder in gutverdienenden Unternehmen der Rüstung oder Raumfahrt den generellen Abschluss ablehnen“ (SZ, ebenda).
Der Charme der Sonderzahlung: bei Bedarf jederzeit einstellbar
Willkommen im Tarifdschungel: Neben den Monatsentgelten, Eckentgelten, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld, neben den zahllosen Lohngruppen und je nach Bundesland unterschiedlichen Entgelthöhen gibt es auch die Sonderzahlung „Tarifliches Zusatzgeld“ (T-Geld), in Höhe von 18,4 Prozent des Monatsgehalts. Sonderzahlungen haben laut IG Metall den Vorteil: „Sie können differenziert und in Zeit gewandelt werden, um in betrieblichen Krisen Arbeitsplätze zu sichern, ohne dass das Monatsgehalt gekürzt wird.“ Betriebe verfügen damit über ein bequemes Mittel, ihren Beschäftigten während eines gültigen Tarifvertrages weniger zu bezahlen – wenn sie weniger Gewinn machen als besagte 2,3 Prozent.
Die vermeintliche „Tarifrevolution“ besteht nun darin, dieses Instrument ausnahmsweise umzukehren: „Wir haben eine automatische Differenzierung von Teilen des Gehalts nach unten, wenn es einem Betrieb schlecht geht. Dann sollte es auch eine automatische Differenzierung nach oben geben, wenn die Geschäfte toll laufen. Denkbar wäre, das T-Geld zu erhöhen, wenn ein Betrieb eine bestimmte Umsatzrendite erwirtschaftet hat“, sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen (zit. nach SZ, ebenda).
Die Monstranz der Gewerkschaften: der Arbeitsplatz
Ein Schelm, der diese Idee ein wenig weiterdenkt: Wie wäre es, liebe IG Metall, wenn schlicht jedes Unternehmen eine satte Lohnerhöhung bezahlt? Die Firmen machen doch alle Gewinn, sonst wären sie schließlich pleite und vom Markt verschwunden. Dann entfiele auch diese elende Rechnerei, ab welcher Rendite welcher Zuschlag gezahlt würde oder nicht.
Aber so einfach den Standpunkt der abhängig Beschäftigten einnehmen, geht für eine verantwortungsbewusste Gewerkschaft selbstverständlich nicht. Sie sorgt sich um den Fortbestand der Arbeitgeber. Nur konsequent für eine Interessensvertretung, die das größte Glück ihrer Klientel im Arbeitsplatz sieht. Dafür müssen allerdings deren Bereitsteller ihr Geschäft machen können, sonst gibt es den so schönen Arbeitsplatz ja nicht. Was ein solcher Arbeitsplatz für die ihn Einnehmenden leistet oder eher nicht, wie schädlich er ist und wie wenig er einbringt – das ist zwar auch einem Gewerkschafter bekannt. Aber das stellt für ihn nur die Aufgabe dar, im Rahmen dieses Arbeitsplatzes etwas Verbesserung für seine Leute herauszuholen. Wenn das jedoch dem Geschäft des Unternehmens zuwiderläuft, sogar Arbeitsplätze gefährdet, war eben „nicht mehr drin“.
Weniger Gewinn als üblich? Die Gewerkschaft hilft!
Der so „revolutionäre“ Vorschlag der IG Metall bleibt dieser Logik verhaftet. Den Autobauern geht es nicht gut, sie scheffeln nicht mehr die gewohnt enormen Gewinne? Zum Beispiel bei der Volkswagen AG mickrige 1,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Im Vorjahr waren es noch 2,3 Milliarden Euro. Da „muss“ natürlich an Kosten gespart werden, wo es geht. Unter anderem an Arbeitsplätzen. Das versteht die IG Metall und nimmt alle in die Pflicht, den Konzern aus dieser Lage herauszubringen: „Alle sind jetzt gefordert und müssen sich beteiligen, gerade auch die, die normalerweise von Dividenden in Millionenhöhe profitieren“, gibt sich scheinbar kämpferisch Thorsten Gröger, Bezirksleiter Niedersachsen. Es sollen einfach nicht nur die Beschäftigten bluten. Die Besitzer sollten auch ihren Beitrag leisten. Wer von den Beiden den größten Anteil und Schaden haben wird, dürfte kein Rätsel sein. Das zum Thema gewerkschaftlicher Widerstand.
Der notleidenden Autoindustrie will die IG Metall mit ihrer „Tarifrevolution“ nicht kommen. Geschweige denn anderen Branchen mit weniger Gewinn: „Im Zweifel brauchen wir in diesen Zeiten ein neues Werkzeug für Unternehmen, denen es besonders schlecht geht“, sagt Gewerkschaftsfunktionär Giesler (zit. nach: SZ, ebenda). Keine gute Nachricht für die Beschäftigten: Zum Verzicht aufs T-Geld müssen nach Ansicht der Gewerkschaft noch weitere Zugeständnisse gegenüber Unternehmen kommen.
Boomende Firmen zahlen für angeschlagene Firmen? Wohl kaum
Wie die im Herbst beginnende Tarifrunde angesichts dessen verläuft, kann man sich ausrechnen. Die schon bescheidenen 5,5 Prozent Tariferhöhung plus Einmalzahlung aus der Runde 2024, gestreckt auf zwei Jahre, werden es kaum werden. Das Verständnis der Gewerkschaft wird sich in klingende Münze für die Unternehmen auszahlen. Weil die Wirtschaft weiß, wie sie die Vertreter der Arbeitnehmer erpressen kann. Und keine boomende Firma dürfte bereit sein, einen Zuschlag zu zahlen als Preis dafür, dass andere Firmen weniger Lohn bezahlen müssen. Dass beispielsweise die Rüstungsindustrie sich per Tarifvertrag auf exklusive Zuschläge verpflichtet zugunsten der Autoindustrie, die dafür von niedrigen Tarifen profitiert.
Doch selbst wenn dies passiert, eine „Revolution“ im Tarifpoker ist das nicht. Das meint auch die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner: „Flexible Instrumente, die die wirtschaftliche Situation berücksichtigen, sind keine Revolution. Sie sind Bestandteil einer differenzierten Tarifpolitik – und es hat sie in der Vergangenheit auch schon gegeben.“
Es gilt eben für die Gewerkschaft seit langem und weiterhin: Den Unternehmen muss es gut gehen! Dann kann man auf einen Anteil daran hoffen und darauf, dass Arbeitsplätze bestehen bleiben – jedenfalls die, die für Gewinn sorgen. So hat sich ein einstiger Gegner des Kapitals zu einem Bittsteller gewandelt.
Ähnliche Beiträge:
- Auf in den Kampf! Arbeitgeber nehmen Arbeit weg – bei VW, Thyssenkrupp und anderswo
- Ungerecht: Das Kapital blamiert seine Co-Manager
- Erster Mai 2023 – wie Ostern oder Heiligabend!?
- Tarifabschluss der IG BCE: Dauerhafte Lohnsenkung vereinbart!
- Die Alumina-Falle: Warum Europas schärfste Sanktionswaffe stumpf bleibt




Deutschland 🇩🇪 ist ein gar wundersames Land. In diesen Land wird immer nur von „Lohnzurückhaltung“ gesprochen, aber fast nie von „Gewinnzurückhaltung“. Ist das nicht ein seltsames Land?
Wunderbarerweise hält man ökonomischen Reichtum auch nicht für ein Problem einer Wirtschaft, sondern für das Ziel des Wirtschaftens. Und darum gibt es viele nicht so reiche Menschen, die arbeiten nicht, um zu leben, sondern leben, um zu arbeiten – für den Reichtum der Reichen!
Wer die Produktion von Waffen unterstützt handelt nicht im Interesse der Arbeiter!
Mehr muss man zur IG-„Krawall“
nicht sagen.
Organisiert die IG -„Krawall“ – Führung Proteste gegen die Kriegsvorbereitung? NEIN, leider nicht!
Dienstag am 1. September ist Antikriegstag!
Wir sehen uns am 3. Oktober in Stuttgart oder Berlin auf der Friedens-Demo auch ohne die korrumpierte kriegstaugliche IG – Krawall-Führung!
Alle Kolleginnen und Kollegen die gegen Aufrüstung und
Säbelrasseln sind, sind herzlichst eingeladen
Zu diesem Drecksladen IG Metall sage ich nix mehr. Das ist seit Jahrzehnten ein Arbeitnehmer-Verarschungsclub. Nicht mehr und nicht weniger.
#1: Vor den Gewerkschaftsbonzen hat bereits Rosa Luxemburg auf dem SPD Parteitag 1913 in Jena gewarnt, denn es war schon damals klar, dass genau diese am Ende die Kriegspolitik der Rechtsradikalen mittragen würde.
#2: Genauso das Appeasement der Gewerkschafter gegen die Rechtsradikalen in der Weimarer Republik. Die dachten, sie könnten mit dem Adolf eine „Sozialpartnerschaft“ abschließen, bei dem einen oder anderen war sicher auch die Überlegung da, den arbeitenden Volksgenossen ein paar Teile der erhofften Beute im Osten zukommen zu lassen.
#3: Streich Nummer 3: die Zustimmung der Gewerkschafts-Chefs zur Adenauerschen Wiederaufrüstung. Mit Blank war ein Gewerkschaftsbonze gar führend beteiligt.
#4: Warum also glaubt irgend jemand, die rechtsextremen Bonzen in der Gewerkschaft würden diesmal anders handeln.
Hat die IG-Metall die Möglichkeit, es so zu machen, dass Herr Hendrig nur mäßige Kritik übt? Hat sie nicht. Stattdessen tut sie das, was ihre Mitglieder wollen. Eine Gewerkschaft im Kapitalismus hat es nicht leicht. Unter diesen Umständen macht sie ihre Sache ausgezeichnet.
Ein verteilungsneutraler Abschluss ist einer, der Inflation und Produktivitätsfortschritt beinhaltet. Hat die IG-Metall das geschafft? Antwort von Grok:
„Die IG Metall hat seit 2000 keine durchgehend verteilungsneutralen Abschlüsse „geschafft“. In der ersten Hälfte der 2000er Jahre lag sie darunter (Lohnquote sank), später zeitweise darüber. Die Verteilung zwischen Arbeit und Kapital hat sich über den gesamten Zeitraum nicht zugunsten der Beschäftigten verschoben; die makroökonomische Lohnquote liegt auch 2024/25 nicht dauerhaft über dem Niveau von 2000.“
Aber immerhin halbwegs wurde Verteilungsneutralität geschafft, entgegen der Behauptung von Herrn Hendrig. Ich rate ihm, den Erdball in beliebiger Richtung zu umfahren und zu schauen, ob es irgendwo besser ist. Üblicherweise wird er keine Gewerkschaft finden, oder eine, die weit von ähnlichen Abschlüssen entfernt ist. Es scheint so, als ob Hendrik genau das will.
Die INSM will ein gewerkschaftsfreies Deutschland nach britischem Vorbild. Wozu sie Schreiber beschäftigt, die die Gewerkschaft von beiden Seiten angreifen. Die einen sagen, das sei ja Sozialismus. Die anderen, das sei ja Kapitulation vor den Unternehmern.
Ich komme nicht umhin, festzustellen, dass der Artikel schwer nach INSM klingt.
@Artur_C „Ich rate ihm, den Erdball in beliebiger Richtung zu umfahren und zu schauen, ob es irgendwo besser ist.“
Das ist kein guter Rat und auch keine sachliche Argumentation, das ist Rabulistik. Was ist Rabulistik? Es gibt scheinheilige Journalisten und vor allem scheinheilige Politiker, die sich selbst als „christlich“ und „sozialdemokratisch“ bezeichnen und die Armut in Deutschland immer damit relativieren und beschönigen, dass es z. B. in einigen Staaten des afrikanischen Kontinents viel mehr Arme geben würde und die Armen dort gelegentlich auch verhungern würden.
Frage: Wem hilft dieser Vergleich? Der Vergleich hilft keinem Obdachlosen in Deutschland und der Vergleich hilft auch keinem verhungerndem und verhungerten Menschen in Afrika oder? Es nützt nur den Scheinheiligen in diesem angeblich „christlichen“ Land, die daran nichts ändern wollen, weil sie davon profitieren oder es ihnen egal ist.
1. Die Frage ist, wessen Interessen diese Gewerkschaftsfunktionäre vertreten: Die Interessen der Arbeiter/Angestellten oder die Interessen des Kapitals?
2. Dann sehen wir uns die Entwicklung der letzten 40 Jahre an und man kommt
3. zum Ergebnis: Die Interessen der Arbeiter/Angestellten sind es sicherlich nicht.
Da könnte einer auch behaupten, die AfD würde die Interessen der Geringverdiener vertreten. Deshalb stimmt die AfD regelmäßig gegen jede Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes. Deshalb will die AfD auch die Erbschaftssteuer abschaffen und Multimilliardäre steuerlich entlasten, damit jeder Arbeiter/Angstellte irgendwann so reich wird wie Elon Musk. Viele Arbeiter/Angestellte glauben diesen Lügnern.
Vielleicht wurden die Gewerkschaften von der INSM = „Inititative Neoliberale Sozialdarwinistische Marktwirtschaft“ unterwandert? Vielleicht leben viele Gewerkschaftsfunktionäre inzwischen auch in einer Villa mit einem Elfenbeinturm? Vielleicht glauben viele Gewerkschaftsfunktionäre an die neoliberale Trickle-Down-Theorie neoliberaler Wirtschaftswissenschaftler?
An den deutschen Hochschulen und deutschen Universitäten gibt es schon lange keine kritischen und selbstkritischen Wirtschaftswissenschaftler mehr. Das sind Theologen der neoliberalen Marktwirtschaft. Ihr Gott ist der Billionär Elon Musk und ihre Religion der ungezügelte „freie“ Kapitalismus. Die Ironie dabei ist, diese neoliberalen Theologen werden auch noch von allen Steuerzahlern fürstlich dafür bezahlt. Der Busfahrer, die Zahnarzthelferin, die Kassierin bei aldi und lidl, der Dachdecker, die kleine Büro-Angestellte und der Facharbeiter zahlt mit seinen Steuern dafür, um von verbeamteten neoliberalen Wirtschaftschaftsprofessoren verkohlt zu werden.
Wer die Interessen der Arbeitgeber und Reichen vertritt,
geht als Vertreter der Gewerkschaft den falschen Schritt.
Gewerkschaft heißt: auf der Seite der Arbeitnehmer und ökonomisch Schwachen zu stehen –
nicht vor den Arbeitgebern, Reichen und Superreichen in die Knie zu gehen.
(Rainer Reimer, Reimstadt am Rhein, Reimland 2026)
@DIRTY OPERATING SYSTEM
Ich bin kein Frosch im Brunnen
Brüder, sagt mir doch was Freiheit ist
Ist sie häßlich oder schön
Kann man sie fühlen oder riechen
Oder kann man sie auch sehn.
Fährt die Freiheit im Mercedes
Oder fährt sie Cadillac
Oder trägt sie einen Zylinder
weißes Hemd und schwarzen Frack
Und ich bin kein Frosch im Brunnen
Der ein Stück vom Himmel sieht
Und denkt er hätt die Welt gesehn
Das geht mir aufs Gemüt
Vielleicht kann man die Freiheit saufen
So wie Schnaps und Bier und Wein
Ich hab das oft schon ausprobiert
Das kann ja gar nicht sein
Denn komm ich aus meiner Kneipe
kann ich kaum noch gerade gehn
Da ist die einzge Freiheit die ich hab
Alles besoffen zu verstehn
Und ich bin kein Frosch im Brunnen….
Von der Unternehmerfreiheit
tun mir schon die Knochen weh
mit Schwielen an den Händen
kaputtes Portemonnai
Und drum scheiß ich auf die Freiheit
der Unternehmer-BRD
steckt Euch die Freiheit in den Arsch
daß ich sie bloß nicht seh
Chancengleichheit, Mitbestimmung
Ei, was kann denn das schon sein
Vielleicht daß ich den Nagel halte
mein Chef der haut ihn rein
hört ihn brüllen, hört ihn schreien
wie gut es uns doch geht
dem Unternehmer glaub ich gern
der lebt ja vom Prolet
Und ich bin kein Frosch…
Hat mein Boß sich sattgefressen
Schmeißt er mir nen Knochen hin
Ein Trinkgeld ist der Stundenlohn
im Vergleich zu dem Gewinn
Und nicht Freiheit sondern Ketten
das schenkt uns das Kapital
Unsre Freiheit die heißt Klassenkampf
Das ist die einz´ge Wahl
Und ich bin kein Frosch….
Text und Musik: Eck , Klaus d. Geiger , Toni : Freiheits-Lied
in: Zweites Vorläufiges Anarchistisches Liederbuch (1980)
Ein wunderbarer Text! Mit vielen Wahrheiten die unumstritten sind, aber natürlich
nichts für ein Gewerkschaftler, die lieber ihre Konformität zu ihren Arbeitgeber pflegen.
Während im Maschinenraum der Arbeit unter Last der Abgaben geächzt wird und der Lohn
Jahr zu Jahr schmaler wird.
Die Lohntüte wird von der gewollten Inflation aufgefressen!
Zumindest die guten Gehälter der „boomenden Rüstungsindustrie“ sind ja wohl in erster Linie vom Steuerzahler und somit überwiegend von den Arbeitnehmern der weniger boomenden Sparten finanziert. Nicht wahr?
Das ist zu 110 Prozent richtig.
Der Mittelstand kann Gehälter auf jetzigem
Niveau und bei dermassen mässiger
Produktivität schon lange nicht mehr bezahlen. Das wird dann irgendwann mehrere Effekte haben. Immerhin arbeitet die Hälfte
aller Beschäftigten in solchen Betrieben.
Insgesamt ist das Thema für alle unerfreulich,
nicht nur für die Arbeitnehmer.
D geht den Bach runter. Mit Mann und Maus.
Das Märchen vom notleidenden Mittelstand ist eine perfekt aufgebaute Legende. Sehen sie sich doch den Mittelstand an. Die Unternehmen haben großzügige Wohnhäuser mit fast unerschwinglichen Grundstücken und fahren immens teure Autos. Welcher Unternehmer wohnt zur Miete und fährt einen Mittelklassewagen? Keiner. Die Kapitalgesellschaften, immerhin die Mehrzahl der Mittelständler, zahlt viel zu WENIG Steuern. Das operative, riskiobehaftete Geschäft ist eine getrennte Gesellschaft ausgelagert, um möglichst selbst nicht in die Haftung zu kommen. Wo sind Mittelständler noch als Unternehmen mit persönlich haftendem Unternehmer aufgestellt? Außer Trigema und Wolfgang Grupp fällt mir da keiner ein. Tregema, in einer der schwierigsten Branchen, der Textilindustrie, fertigt in Deutschland und nicht im Ausland. Den Unternehmern geht es gut bis ehr gut. Aber Jammern gehört zum Geschäft und Politik und die Gerwerkschaften fallen regelmäßig sofort darauf rein.
@YGL Das wundert mich nicht, wenn Lobbyisten des Mittelstandes mit 110 Prozent Rendite kalkulieren.
99 Prozent der Eigentümer dieser „mittelständischen“ Unternehmen wählen sicherlich CDU/CSU und was sagen die Konservativen von CDU und CSU immer, wenn der Laden nicht so läuft wie er soll: den Gürtel enger schnallen und einen VW Golf mit 110 kW als Dienstwagen leasen und keinen Audi Q8 mit 360 kW, härter und länger arbeiten, nicht so oft krank feiern, auch mal ein paar unbezahlte Überstunden machen und vor allem nicht immer so rumjammern und die Schuld auf die Arbeitnehmer schieben, dann geht es auch mit der mittelständischen Firma wieder aufwärts. Alles klar?
Es geht also um „D“, nicht um Leute,
du bist nichts, der Mittelstand ist alles.
Streiken darf man GERADE JETZT NICHT, WEIL…
Jeder Cent, der hinterher verteilt werden kann, muss vorher verdient werden…
(Langsam ausblenden)
Gewerkschaften sind zu allererst einmal eine Errungenschaft der Arbeiterschaft, die sie durch teils blutige Aufstände im 19. Jahrhundert gegen die Kapitalisten und ihre Handlanger in der Politik erkämpft haben. 1933 konnte Hitler die Gewerkschaften deshalb so einfach zerschlagen, weil diese untereinander zerstritten waren. So blieb ein Generalstreik, der den Faschismus noch hätte verhindern können, aus. Aus dieser Lehre gründete man nach dem 2. Weltkrieg die Einheitsgewerkschaft, den DGB.
Leider hat man mit der Formulierung des Grundgesetzes das Streikrecht „vergessen“.
So blieb es dem in der Nazizeit zu Ehren gekommenen Juristen Carl Nipperdey , der in der jungen BRD Präsident des Bundesarbeitsgerichtes wurde, das Streikrecht neu zu definieren. Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten. So darf nicht politisch gestreikt werden, Streiks sind nur in einem eng begrenzten Rahmen erlaubt, im Grunde genommen nur bei Tarifverhandlungen, und auch da sind noch Hürden wie eine Zwangsschlichtung und andere Schikanen vorgesehen.
Leider verstehen sich die heutigen Gewerkschaftsvorsitzenden nur noch als reine Handlanger der Kapitalseite und der Politiker, ein SPD Parteibuch ist obligatorisch und Vorraussetzung. Deshalb sucht man so kämpferische Gewerkschafter wie Willi Bleicher, Leonhard Mahlein oder Klaus Weselsky heute leider vergebens. Die DGB-Gewerkschaften sind zu einem reinen CO-Management verkommen. Der Antikommunismus geht sogar soweit, dass bekennende Kommunisten (wie 1972 unter Willi Brandt exzessiert) keinen Platz in der IG-Metall haben dürfen. Hauptbetreiber dieser Schikanen war vor allem der EX-Kommunist Berthold Huber (seine Vergangenheit beim KABD), und zu Beginn der Merkelzeit Vorsitzender der IGM.
Ein Hund, der nur bellt, wird von niemandem ernst genommen. Was spricht dagegen, die Gewerkschaften wieder zu kämpferischen Organisationen zu machen. Dazu muß der schädliche und reformistische Einfluss der SPD zurückgedrängt werden. Eine Partei, die so Typen wie Noske und Zörgiebel hervorgebracht hat und heute das Sozialkahlschlagsprogramm von Friedrich Merz voll mitträgt und gegen die Arbeiterschaft durchsetzen will, kann keine wirkungsvolle Vertetung der Arbeitnehmer sein. Der Kampf um ein vollständiges Streikrecht muß auf der ersten Tagesordnung stehen!
Besonders erheblich ist das Elend außerhalb der Gewerkschaftsblase, bei den Arbeitern im Handwerk uä, wo Hire&Fire gilt, sich die Leistungserbringer körperlich verschleißen, es im Krisenfall keine Sozialpläne gibt und wo sie auch sonst sozial keine Absicherung haben. In der Gewerkschaftsblase jammert man auf hohem Niveau. Ansonsten alles unerfreulich und unappetitlich, Schland will den totalen Untergang, wartet mal die Wahl in Sachsen-Anhalt ab, da wird man es wieder sehen.