Studenten, die kaum noch lesen können

Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bild: H.Helmlechner/CC BY-SA-4.0

Immer wieder heißt es, viele der jungen Menschen könnten kaum noch längere und kompliziertere Texte lesen und schreiben. Auch die Studienanfänger würden in Richtung Analphabetismus gehen. Sie wären letztlich die Generation, die zunehmend auf einfache Sprache und Bilder angewiesen ist, was Springer mit der Bildzeitung die Deutschen schon jahrzehntelang gelehrt hat. Jetzt werden auch die Klassiker in einfacher Sprache gelesen und gibt es die tagesschau auf einfach. Da kommen Internet und KI gerade zurecht, um die fehlenden Kompetenzen zu ergänzen und weiter an sich zu reißen.

Die Klagen über die nachfolgenden Generationen sind so alt wie die Schrift und gehören zu kulturkritischen Ritualen. Aber es scheinen sich die Hinweise zu verdichten, dass sich seit zwei Jahrzehnten etwas verändert hat. So soll die IQ-Testergebnisse, die im 20. Jahrhundert stetig gestiegen sind, (Flynn-Effekt: Werden wir immer dümmer?), wieder fallen, während die Leistungen der 15-Jährigen im Lesen, in Mathematik und in der Wissenschaft 2022 auf einen Tiefpunkt gesunken sind. In Deutschland sollen 20 Prozent der Menschen und 26 Prozent der 15-Jährigen eine Lese- und Schreibschwäche haben, also etwa kompliziertere Texte nicht mehr wirklich verstehen. Das betrifft Lesen und Hören.  Kognitive Beeinträchtigungen (Konzentrations-, Gedächtnis- und Entscheidungsprobleme) nehmen zu, vor allem bei jüngeren Menschen. Beobachtet wurde, dass die Nutzung von KI schnell zu einer gewissen Verdummung führt, weil kognitive Kapazitäten ausgelagert werden (Macht die starke Nutzung von Künstlicher Intelligenz dumm?).

Das ist eine Entwicklung, die schon vor mehr als 10 Jahren begonnen hat und weder durch Covid noch KI erklärt werden kann. Vermutet wird, dass die Verbreitung von Smartphones und die Einführung von Notebooks und Tablets im Unterricht eine Rolle gespielt haben könnten. Möglicherweise beschleunigen die Medien auch die seit Beginn der Sesshaftigkeit zu beobachtende Schrumpfung der Gehirne und den weiteren Rückgang der Fertilität. Wenn das Denken an Maschinen abgegeben wird, können zwar neuronale Kapazitäten frei werden und für andere Vorgänge benutzt werden (Die Manager im Silicon Valley halten ihre Kinder längst vom digitalen Sog fern). Noch gibt es aber wenig Vermutungen, wohin die kognitive Reise nach der Auslagerung der alphanumerischen Kulturtechniken gehen könnte.

Nach einer Studie führt bereits die Verwendung von LLMs als Hilfsmittel zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistung. Die Wissenschaftler sagen sogar, sie hätten kausale Belege für zwei Folgen der KI-Unterstützung gefunden: „Eine verminderte Ausdauer und eine Beeinträchtigung der Leistung ohne Unterstützung. Bei einer Vielzahl von Aufgaben, darunter mathematisches Denken und Leseverständnis, stellen wir fest, dass KI-Unterstützung zwar kurzfristig die Leistung verbessert, die Menschen jedoch ohne KI deutlich schlechter abschneiden und eher dazu neigen, aufzugeben. Bemerkenswert ist, dass diese Effekte bereits nach kurzen Interaktionen mit KI (∼10 Minuten) auftreten. Diese Ergebnisse sind besonders besorgniserregend, da Ausdauer die Grundlage für den Erwerb von Fähigkeiten bildet und einer der stärksten Prädiktoren für langfristiges Lernen ist. Wir vermuten, dass die Ausdauer abnimmt, weil KI die Menschen darauf konditioniert, sofortige Antworten zu erwarten, und ihnen dadurch die Erfahrung vorenthält, Herausforderungen selbstständig zu bewältigen.“

Derweil verstärken sich die wenn auch oft anekdotischen Belege für einen Niedergang der alten neuronalen Kulturkapazitäten und -techniken. Gerade hat Tyler Jagt, der Literatur und Schreiben lehrt, in The Chronicle Higher Education beschrieben, dass keiner seiner Studenten, die einen 20-seitigen Text durchlesen sollten, dies geschafft habe, was er als Student noch ohne Murren gemacht habe. Ein Student meinte, der Text sei zu lange gewesen und er habe aus dem Blick verloren, um was es in ihm geht.

Jagt verweist auf Berichte, die bestätigen, dass die Länge der von Studenten bewältigbaren Texte sinkt und natürlich auf die bekannte Studie des MIT Media Lab, nach der Nutzer von ChatGPT schnell neuronale Konnektivität verloren und auf neuronaler, sprachlicher und verhaltensbezogener Ebene schlechtere Leistungen als die Kontrollgruppen zeigten. „Dies ist der erste neurophysiologische Nachweis dafür“, schreibt Jagt, „dass die frühzeitige Nutzung von LLMs die Art und Weise, wie das Gehirn Schreibaufgaben verarbeitet, messbar verändert, und er deckt sich mit dem, was wir, die wir vor den Klassen stehen, in Echtzeit beobachten.“

Nach dem neuesten National Assessment of Educational Progress (NAEP) für 2024 liegen 32 Prozent der Zwölftklässler beim Lesen unter dem NAEP-Grundniveau, sodass sie „keine allgemeinen Schlussfolgerungen aus Konzepten ziehen können, die in einem Text explizit dargelegt werden“. 1992 waren es noch 20 Prozent. Mehr als die Hälfte dieser Schüler sei von einer Hochschule angenommen worden. Jagt: „Wir nehmen eine Kohorte auf, die nicht auf Hochschulniveau lesen kann, und tun so, als wäre das nicht der Fall.“ Daher haben die Elite-Universitäten Aufnahmeprüfungen wieder eingeführt und werden diese etwa von Professoren der University of California verlangt. Auch kognitiv wächst so die Kluft zwischen den Ärmeren und der reichen Schicht, deren Kinder in privaten Schulen und Universitäten besser ausgebildet werden.

Wenn die Lesefähigkeit für einen größeren Teil der jungen Menschen so stark eingeschränkt ist, wird dies nicht nur zu einem Problem der Universitäten, der Bildung und der Wissenschaften, sondern auch zu einem der Demokratie. Die basiert auf einigermaßen gebildeten Menschen, die Gesetzestexte lesen und längere, auch kompliziertere schriftliche und mündliche Argumentationen und Diskurse verstehen und beurteilen können müssen. Auch der Verlust des kritischen Denkens könnte mit den digitalen Medien einhergehen, wahrscheinlich schon mit dem Fernsehen. Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben, wenn nur noch kurze und grelle Behauptungen wie in Sozialen Medien rezipiert werden (können) oder von Politikern wie Trump aneinandergereiht werden.

Die Feindschaft des Trump-Lagers und anderer Rechtspopulisten gegenüber Intellektuellen und Professoren sowie Universitäten lässt sich damit erklären (Vance: „Die Professoren sind die Feinde, die Universitäten feindliche Institutionen“). Man will auch den Zugang zur Bildung wieder einschränken und beschneidet Fördermittel. Das findet auch schon ohne AfD, die den Zugang zum Gymnasium beschränken will, in Deutschland statt, wenn das Bafög von der Bundesregierung nicht wie eigentlich im Koalitionsvertrag beschlossen erhöht werden soll.

Jagt sagt zurecht, dass die Entwicklung, wenn sie deren Beschreibung denn zutrifft, systemischer Natur ist, sie kann von einzelnen Institutionen nicht kompensiert werden und wird selbst dann, wenn Staaten einzelne Verbote erlassen, wie etwa den Zugang zu Social Media für Kinder zu beschränken, weiter gehen: „Die Umstände, die zu diesem Zusammenbruch geführt haben, bestehen nach wie vor: die Smartphones, die algorithmisch gesteuerten Feeds, die Auszüge aus Prüfungsvorbereitungsmaterialien, Personalmodelle, die die leseintensive Arbeit den am stärksten prekär beschäftigten Lehrkräften aufbürden, und nun auch noch die Chatbots, die die Sätze der Studierenden zu Ende formulieren, noch bevor diese überhaupt begonnen haben, sie zu formulieren.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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80 Kommentare

  1. Gaza, das einzige Gebiet auf der Welt, in dem die Zeit seit mehr als zweieinhalb Jahren stehen geblieben ist … völlig stehen geblieben.

    Nichts als dieses Bild, das sich wiederholt, wiederholt, wiederholt … seit Oktober 2023.

    Seit diesem Zeitpunkt leben die Menschen nur noch mit diesen Feuern, diesem Schrecken, der
    Nacht, dem Schmerz, dem Tod, dem Hunger, der Krankheit, dem Verlust, der Wut, der Zerstörung und der Unterdrückung.

    Das Bild zeigt die jüngsten Luftangriffe der israelischen Luftwaffe auf das Lager Al-Maghazi im Zentrum des Gazastreifens. Die Besatzungsmacht hat ein Haus bombardiert und es vollständig dem Erdboden gleichgemacht; die Zerstörung hat auch die benachbarten Häuser erfasst.

    Alles auf der Welt geht weiter… es schreitet voran… es verändert sich… es wandelt sich, es entwickelt sich, nur in Gaza nicht…

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    1. Ich stelle fest: T…. deiner Sorte dürfen die Kommentarregeln nach Herzenslust verletzen. Sachliche Kommentare mit Bezug zum Artikel werden dagegen von der Automatik routiniert ausgesiebt.

      HArald-Neuber-Roules bei Overton?

    2. Dein Kommentar wartet auf Moderation. Dies ist eine unformatierte Vorschau – er wird nach Freigabe für alle sichtbar.
      Die Redaktion moderiert so schnell wie möglich, kann dies aber nicht rund um die Uhr machen. Je nach Zeitpunkt und Kommentaraufkommen kann die Freischaltung daher unterschiedlich schnell erfolgen.

      1. „Dein Kommentar wartet auf Moderation. Dies ist eine unformatierte Vorschau – er wird nach Freigabe für alle sichtbar.
        Die Redaktion moderiert so schnell wie möglich, kann dies aber nicht rund um die Uhr machen. Je nach Zeitpunkt und Kommentaraufkommen kann die Freischaltung daher unterschiedlich schnell erfolgen.“
        Neuberismus längst auch bei Overton.
        …aber noch im sinne des artikels: die kommentare werden auch nur noch von bots mit „KI“ nach schlagworten durchgesiebt. ist ja egal, was drinsteht.

  2. „Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben, wenn nur noch kurze und grelle Behauptungen wie in Sozialen Medien rezipiert werden (können) oder von Politikern wie Trump aneinandergereiht werden.
    Die Feindschaft des Trump-Lagers und anderer Rechtspopulisten gegenüber Intellektuellen und Professoren sowie Universitäten lässt sich damit erklären“

    Ziemlich steile, arrogante und auch bequeme These. Ich habe Alles richtig gemacht und schuld sind nur die dummen Wähler der Rechten.

    Ich widerspreche hiermit. Viele Wähler der AfD zum Beispiel lehnen Immigration ab. Es gibt seid Jahrzehnten keine Partei außer der AfD, die hier ein Angebot haben. Den Wählern der AfD hier indirekt zu unterstellen, Sie lehnen Immigration nur ab, weil Sie zu blöd sind, ist ehrlich gesagt ganz schön vermessen.

    Das könnte man auch auf andere Themen ausweiten. Zusätzlich arbeiten alle anderen Parteien mit genau den gleichen populistischen Methoden um gewählt zu werden. Auch das mit den armen rechten Wählern passt nicht. Viele Wähler der Afd sind Mittelschicht.

    1. Zitat: „Viele Wähler der Afd sind Mittelschicht.“

      Das kommt darauf an, wie man Mittelschicht definiert. Es gibt in diesem Land bekanntlich Politiker mit zwei Privatflugzeugen, die sich selbst zur „gehobenen Mittelschicht“ zählen.

      Ich stimme Ihnen zu, dass viele AfD-Wähler sicherlich nicht zu den Obdachlosen, den Armen und den Geringverdienern gehören. Schließlich schießt die AfD regelmäßig dagegen, wenn der gesetzliche Mindestlohn um lausige 20 oder 25 Cent pro Stunde (brutto) erhöht werden soll. Auf der anderen Seite hat die AfD kein Problem damit, dass „Superreiche“ mit einem Milliardenvermögen immer reicher werden oder warum schmiert die Vorsitzende der AfD, Frau Weidel, einem Sozialdarwinisten und „superreichen“ Multimilliardär wie Elon Musk in einem Interview kiloweise süßen Honig um den Mund?

      Ich habe nichts gegen Reiche, aber ich habe etwas dagegen, dass Superreiche immer reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und noch reicher werden und die Armen immer ärmer und zahlreicher oder was kommt jetzt? Bürgergeldempfänger sind gar nicht arm, nein, die sind nur zu faul, vor allem die schwerbehinderten Bürgergeldempfänger, und schaukeln den ganzen Tag in der sozialen Hängematte hin und her, um dann abends von ihrer Villa am Stadtrand mit ihrem fetten SUV in die Stadt zu fahren und im 4-Sterne-Restaurant fein essen zu gehen und teuren Rotwein zu schlürfen?

      Die Mehrheit der AfD-Wähler besteht aus Sozialdarwinisten, die nach unten treten und nach oben buckeln, um dann von christlichen Werten, Anstand, guten Sitten, Moral und Freiheit zu schwafeln. Gegründet wurde die AfD einmal von neoliberalen Wirtschaftsprofessoren, denen die „Sozialpolitik“ der FDP zu sozial war. Ein Mitbegründer der AfD, ein gewisser Prof. Oberender der Universität Bayreuth hat sogar einmal vorgeschlagen, wenn Arbeitslose kein Geld hätten, dann sollten sie doch eine Niere verkaufen, schließlich kann man auch mit einer Niere leben. Selbstverständlich darf der Verkauf nicht illegal erfolgen, sondern nur unter staatlicher Aufsicht und strenger staatlicher Kontrolle, damit kein Missbrauch geschieht. Dieser Sozialdarwinismus ist das ideologische Fundament der „alternativen“ Partei für Deutschland.

    2. Ja, sehr einseitig, denn die Verdummung und Verkürzung von Parolen ist überall in der politischen Landschaft zu verorten.

      „Ausländer raus“ und „protect trans kids“ sind das gleiche Informationslevel, obwohl das letztere hier sogar in die Kategorie „Antirealität“ gehört, weil es keine Transkinder gibt, während man ersteres zwar als rechts (weil mehrheitlich dort benutzt) bezeichnen kann, oder sollte, je nachdem, basiert es immerhin auf Erfahrungen und Lebensumständen von Personen.

      Und wenn selbst Wikipedia zugeben muss, dass an „Überfremdung“ und den dazugehörigen Gefühlen etwas dran ist, ist das schon was.

      Während der ganze Trans bullshit nachweisbar Pseudowissenschaft ist, seit Jahren von TPTB gepusht und finanziert, aber ich schweife ab.

      Ich bin hart links, gegen Einwanderung, gegen „trans“ und ich HASSE es, wenn so wertend geschrieben wird, objektiv zu sein ist schwer und eine Kunst.

      Nachher gehe ich mit meinem AfD wählenden Nachbar auf’m Mittelalterfest ein paar Bier trinken und wir schimpfen „auf die da oben“ ( nicht ironisch gemeint) wie gute Nachbarn das tun.

      Noch Schimmer als Vorurteile sind Leute die meinen mit AfD Wähkern darf man kein Bier trinken, außerdem macht der Manne echt lustige Kommunisten Witze, über die ich lachen kann, und umgekehrt.

    3. „Es gibt seid Jahrzehnten keine Partei außer der AfD, die hier ein Angebot haben.“ (im Plural: ein Freudscher Versprecher oder ein Grammatikfehler?)

      Vor Jahrzehnten gab es die NSDAP und allein in Berlin 6.000 Arbeitslager – aber nicht „ein Angebot“, sondern Zwangsarbeit! In ganz Europa waren es 40.000 solcher Lager. Oft waren sie nach der Firma benannt, für die die Entrechteten die Zwangsarbeit zu Lohndrückerpreisen verrichten mussten.
      Jeder weiß, dass die Löhne in der Nazizeit mehr als dürftig waren. Genau das bedeutet „Remigration“.

      In diesem Sinne: Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.

      1. Als reductio ad Hitlerum (lateinisch „Rückführung auf Hitler“) wird ein vermeidbarer, jedoch rhetorisch oft eingesetzter Fehlschluss bezeichnet: Eine Ansicht soll dadurch widerlegt werden, dass diese von einer moralisch unhaltbaren Person, insbesondere von Adolf Hitler, geteilt wird.

        Remigration (von lateinisch remigrare „zurückwandern“, „zurückkehren“), auch Rückwanderung oder Rückkehrmigration, bezeichnet den Teil eines Migrationsprozesses, bei dem Menschen nach einer beträchtlichen Zeitspanne in einem anderen Land oder einer anderen Region in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurückkehren.

        Ich habe Jahrzehnte geschrieben und nicht ein Jahrhundert. Ich würde deine Antwort als klassische Verleumdung bezeichnen.

  3. Ich glaube das betrifft nicht nur ausschliesslich die jüngere Generation.
    Häufig werden kommentarlos und ohne noch so kurze Inhaltsangabe Videos in Foren und Kommentaren als Beitrag oder Antwort verlinkt.
    Die neokon Postille Tagesspiegel hat auch gerade eine kleine AI Affäre.
    Ich kenne es auch aus der Zusammenarbeit mit Älteren, dass diese nicht in der Lage sind, längere Emails zu erfassen oder zu beantworten.
    Früher hätte man vermutet, so ein Degenarationsprozess würde schleichend und über Generationen erfolgen.
    Eine Metrik bei YT ist übrigens, wieviel Prozent der Zuschauer länger als 30 Sekunden schauen. Und das sind idR Bruchteile derjenigen die das Video anklicken.

    1. Bei den älteren Mitmenschen könnte es aber auch daran liegen, dass sie es nicht gewohnt sind, Texte am PC zu lesen. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Gerade vor kurzem bat mich der Sohn einer befreundeten Familie, seine Abschlussarbeit zur erzieherausbildung zu lesen und gegebenenfalls Anmerkungen zu machen. 25 Seiten-die habe ich mir ausgedruckt.

      1. Sie haben bemerkt, dass Papier für Sie besseres Arbeitsmittel ist. Das ist eine schlaue oder gelernte Vorleistung. Sie können bemerken, dass Sie nach 5.000 Worten Monitor nichts behalten oder verstanden haben. Das ist eine Einzelleistung, die andere nicht an sich selbst bemerken. Das ist kaum Abhängig von Intelligenz und hat nichts mit Alter zu tun. Vielleicht damit, dass Verstehen unbequem sein kann.

        1. Interessante Überlegung, aber sie verpasst einen gewiß nicht unwesentlichen Punkt. Die Gedächtnisarbeit ist bekanntlich gegliedert, und „alte“ Menschen nutzen beim Lesen von Büchern und Papieren unwillkürlich ihre Haptik und ihr räumliches Vorstellungsvermögen, wie sie das bei Arbeiten mit physischen Werkstücken zu tun gewohnt sind. Wenn diese orientierenden Optionen ausfallen, „fehlt“ ihnen was, so gering der Beitrag des Fehlenden für die anstehende Arbeit auch sein mag. Ich habe das vor 40 Jahren an mir selbst beobachtet und sehe keinen Grund, diese Erfahrung nicht zu verallgemeinern. Ein Teil des Effekts entfällt, wenn elektronische Werkstücke stark gegliedert werden, mit Seitenzahlen, vielen Unterkapiteln, ausgezeichneten Absätzen, Listen, Inhaltsverzeichnissen.

          1. „Gelernte Vorleistung“ und „zu tun gewohnt sind“. Ähnlich. Ein perfect match macht keinen Universalismus. Wissen und Verstehen sind für uns heute ohne Papier kaum vorstellbar. Nicht unmöglich. Der verstehende Analphabet. Ist selten, doch existent. Ein anderes Begreifen.
            Besides, die Aura allgemein. Einige sehen sie, einige nicht, einige woanders. Eine „Einzelleistung“ ist nicht „einzigartig“ und ist es trotzdem. Kontext, Perspektive, Impuls. Die Grenze der Sprache ist eine Grenze der Absicht. Der Translation.
            Weil „KI dumm macht “. Der Glaube und der übersetzte Buchdruck der Bibel. Hat sich der Glaube verändert – eher nicht, die Performance schon. War es vorher gewidmeter, unterwürfiger, wahrhaftiger, wertvoller – vielleicht. Wenn Glaube funktioniert, ist es dem Glaubenden egal. Denn Gott ist nicht so wichtig, wie das gemeinsam im Glaube Sein.
            Die ersten LLM-Entwickler wollten Menschen nicht dumm machen, im Gegenteil. Aber gerade läuft es sehr dumm. Das ist ironisch.

            1. Was soll das Gestammel, PrePost?

              Gestammel steht im operativen Zentrum des Phänomens, denn Wissen und Verstehen ist ein genuin gesellschaftlicher Zweck der Individuen, bestehe diese Gesellschaft auch nur aus Adam und Eva. In der spätbürgerlichen Standesgesellschaft ist Wissen und Verstehen vielleicht noch für 15% der Bevölkerung ein Zweck, für alle anderen ist es Mittel und Zugangsvoraussetzung für individuellen Standeserwerb und Standeserhalt.
              Das Resultat sind gestammelte Aussagen und Wissensfragmente, deren Argument das Recht ist, sie als Mittel für was auch immer verwenden zu können und zu dürfen, moralische und autoritative Berufungsinstanzen. Anschließend wird das Gestammel mehr oder minder geschickt u.v.a. gefällig syntaktisch verpackt.
              Das war in klerikaler Kultur nicht anders, lies den „Simplizissimus“, oder Jean Paul, oder E.T.A Hoffmann.

              Das sind unzureichende Bemerkungen, gewiß, aber weil sie nicht gestammelt sind, repräsentieren sie einen Auf-Takt für möglichen Wissenserwerb und Verstand.

              1. „Gestammel“ ist die Abwesenheit von Folklore. Sagt der Verbal-Autokrat. Von der Kanzel des Phänomenologie-Standes. „Six seven“

                heiße ich diesen antiken Federwisch einer dürren und kraftlosen Hand, die rührt und rührt und gerührt ist vom eigenen Mehltau, welcher aufstiebend im Spätlicht der letzten Sonne sich sedimentieren will. Weiland Tränen die erhabene Ernte eines Gefühls des Erkennens waren, begegnen sie heute als fehlerhafter Reflex, als fahle Reaktion, autoimmun gegen Neues, flirrend und kitzelnd von der Nase tropfend.

                Ihr begreift die Jugend nicht. So wie euch selbst. Irgendwann versteht die Jugend euch.
                Im Abgang.

      2. Ich denke, dass auch das schnelle Zurück- und Vorblättern bei Ausdrucken und Büchern für das Erfassen von Texten wichtig sind, im Studium noch gerne durch Anstreichen oder Markieren verstärkt.
        Oder wie war es in der Schule? Wir haben unsere Spickzettel immer kleiner gemacht und beim letzten stand dann kaum noch was drauf, aber durch das häufige Verkleineren haben wir uns eh schon alles eingepägt.
        Dieses „händische“ Lernen unterscheidet sich sehr von Lernen mit Computer und Internet. Aber jede nachwachsende Generation muss selber mit dem zurechtkommen, was sie sich angeeignet hat. Auch wenn das bedeutet, dass sie dümmer werden.

  4. Ob die Thesen des geschätzten Autoren zutreffen, wäre zu prüfen. Es sind halt Annahmen, die belegt werden müssten.
    Meine Überlegungen, die ich ebenso wenig belegen kann, würden die Ursachen dort suchen, wo ein linksliberales Bürgertum sie aus sehr prinzipiellen Gründen auf gar keinen Fall zu sehen bereit ist. Bei einem vor unser aller Augen erodierendem Bildungssystem.
    Ich frage mal, wie es denn mit der Nutzung elektronischer Hilfsmittel und sozialer Medien in den aufstrebenden asiatischen Staaten ist. Patentanmeldungen, wissenschaftliche Höchstleistungen usw. kommen von da. Das Handy ist so allgegenwärtig wie hier aber Schulen und Unis sind streng auf Leistung orientiert, halten sich jeglichen wokeschistischen Unfug vom Leibe, haben nur zwei Geschlechter und die bilden Generationen von leistungswilligen und leistungsfähigen Menschen aus.
    Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass meine Vermutungen dichter an der Realität sind?

    1. Nein! Nein! Nein! Die heutige Situation kann gar nicht mit den letzten Jahrzehnten Bildungspolitik zu tun haben. Nein nein! Das waren dieses böse Internetz und der Putin!

    2. Auch hier der Fokus auf die Top-Kirsche der Torte. China hat „bessere Zahlen“, stimmt. Sicher auch relativ zur Bevölkerungsgröße. China hat sicher auch mehr Ausfälle. Leute die es nicht geschafft haben. Unsichtbar sind. decaying into the void. but we luv our reality ratrace, still. go, china, go with us.

      1. Die Zahlen sind besser. Die Zufriedenheit der Menschen, so irgendwer versucht, die zu messen, ist besser. Nach der OECD Einschätzung 800 Millionen Menschen aus der absoluten Armut befreit. Das was man sieht und was mir immer wieder von Menschen, die das Land seit Jahren kennen, bestätigt wird, ist geradezu überwältigend. Vielleicht sieht man die im Schatten nicht. Mag sein. Einen solchen Einblick habe ich nicht. War nie dort und kann auch die Sprache nicht. Bleib ich einfach bei dem, was man vergleichen und belegen kann. Das ist sicher nicht das allgemeine Menschheitsglück. Aber, und da möchte ich beim Artikel bleiben, Schulen und Hochschulen, bei denen Leistung verlangt und gemessen wird, entlassen ihre Absolventen auch leistungsfähiger in, man ahnt das jedenfalls, erfolgreichere Volkswirtschaften.
        Und ehrlich, ich bin nicht wirklich davon überzeugt, dass die bei uns ausgebildeten gegenderten diversen Dummköpfe zum Schluss die Glücklicheren sein werden und dem Hamsterrad entkommen sie auch nicht. Sie werden bloß schneller schlapp machen, weil sie es nicht besser können. Weil sie nichts besser können. Nicht mal lesen.

        1. 👍 Ist beeindruckend, was China im Ganzen abliefert. Die sollen ihr Ding machen. Hoffentlich wird es kein „glücklicher Ameisenstaat“.
          Trotzdem. Direkte Vergleiche sind oft irreführend. Erzeugen Druck an falschen Stellen. Und Zukunft ist in Deutschland bankrott. Deswegen auch die intellektuelle Insolvenz. Dummheit wegen Schleudertrauma im Hamsterrad. Könnte man meinen. Daran ist KI unschuldig.

  5. Es ist ganz einfach und seit den 70ern bekannt: Fernsehen macht intelligente Menschen intelligenter und dumme Menschen dümmer. Mit dem Internet ist es ganz genau so.
    On Top nun die AI-Inflation: jetzt sacken sogar Gymnasiasten ab. Sehe ich gerade täglich.
    Aber die Herausforderung für die kognitiven Fähigkeiten ALLER ist das Smartphone!!!
    Limitiert mal eure eigene use-time, dann versteht ihr…

      1. Deswegen hat marschpapst die Aussage auf das Internet übertragen. Man kann sich den neuesten Dünnpfiff auf Tiktok reinziehen. (Oder als Boomer aus Bayern den Wal Timmie retten wollen, weil man das auf Fratzbuch gelesen hat), und dabei das Gehirn erweichen. Oder man kann sich Bildung im Internet holen. Angefangen mit allerlei Büchern zum Beispiel beim Projekt Gutenberg. Oder die ganzen Webseiten, die Enthusiasten ins Netz stellen. Oder in Foren mit Anderen diskutieren und lernen. Selbst TED-Talks haben manchmal einen Bildungswert. Sogar Wikipedia kann manchmal weiterhelfen, besonders wenn unten paar Quellen verlinkt sind im Artikel.

      2. Sowas in der Art wollte ich auch schreiben. Mein TV Konsum ist seit Jahrzehnten bei exakt Null, und wenn ich mal woanders unvermeidbar ein paar Minuten davon mitbekomme bin ich sicher daß davon niemand schlauer werden konnte.

  6. Das Bildungssystem gehört zum Staat. Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Hat diese herrschende Klasse ein Interesse an gebildeten Bürgern?
    Es ist faszinierend wie schnell und gründlich ab dem ersten Schultag die Verblödung ihren Lauf nimmt. Die Lehrer sind mit Feuereifer bei der Sache. Hat man ihnen doch erklärt, das wäre alles modern und wissenschaftlich.

    1. Nun, dieses Interesse hat er schon. Letztendlich waren es , beginnend im 19. Jahrhundert, die bürgerlichen Staaten, die sowas wie die Massenbildung, die Schulpflicht, die allgemeine Alphabetisierung in Gang setzten. Einfach, weil es ein Erfordernis der Industrialisierung war. Herzensgüte der Herrschenden jedenfalls nicht. Auch, dass das Bildungsprivileg der Herrschenden zwar nicht beseitigt wurde, aber auch Bevölkerungsgruppen Zugang zu höhere Bildung hatten, die einst generell davon ausgeschlossen waren, war eine zwingende Notwendigkeit der industriellen Entwicklung.
      Mit der Annahme, dass die Herrschenden die Bildung absichtsvoll verkommen lassen, um ausreichend blöde Untertanen zu züchten, kommt man nicht weit. Wie überhaupt die klassische marxistische Beschreibung des Staates als Instrument der ökonomisch herrschenden Klasse, auf dem sie nach belieben spielen, um ihre Interessen in der Gesellschaft durchzusetzen, nicht erst in der Neuzeit an Grenzen stößt. Man wird nicht ernsthaft beweisen können, das aktuelles staatliches Handeln geeignet ist, Profitinteressen des deutschen Kapitals im Auge zu haben.

      1. Die Klagen wegen des Fachktäftemangels sind zwar oft genug nur Gerede von Lobbyverbänden, aber in vielen Berufen fehlen die fähigen Fachkräfte tatsächlich. Was das Kapital mit tumben Hohlbirnen anfangen soll, die zu doof für Arbeit sind, konnte mir noch keiner erklären.

      2. Bildung war mal im Interesse des Bürgertums, aber das ist lange her. Der Kapitalismus ist an seinem technologischen Ende angekommen und muss immer reaktionärer werden, um sich an der Macht zu halten. Also muss der kapitalistische Staat und mit ihm seine Institutionen auch immer reaktionärer werden. Wer glaubt, Marx widerlegen zu können, hat ihn nicht verstanden. Um deutsches Kapital geht es schon lange nicht mehr.

  7. Hier klafft beim Autor eine riesige Bildungslücke. Ganz offensichtlich weiß er nicht über was er da schreibt.
    Zitat: „…der IQ, der im 20. Jahrhundert stetig gestiegen ist…“
    Das ist falsch!
    Der IQ der Allgemeinheit beträgt immer exakt 100. Dieser Wert ist als Mittelwert der Ergebnisse von Intelligenztests definiert. Zu Deutsch: Ein Wert von 100 ist Durchschnitt und selbst wenn die Menschheit dummer werden sollte, so bleibt der IQ der Allgemeinheit trotzdem immer exakt bei 100 Punkten stehen.

    Der Text beweist lediglich, dass es auch schon in der Vergangenheit massive Bildungslücken im Grundverständnis und Fähigkeiten wie z.B. dem Rechnen gegeben hat.

  8. „Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben, wenn nur noch kurze und grelle Behauptungen wie in Sozialen Medien rezipiert werden (können) oder von Politikern wie Trump aneinandergereiht werden.“
    Woher der Autor seine Meinung bezieht, ist mir ein Rätsel.
    Bildung und Antibildung haben die gleiche Grundlage, nämlich das Lernen und das Spekulieren. Da kommt es eben auf die Inhalte an. Die merkwürdigen Professoren, die als Experten für Politik im TV auftreten, können schon den Gedanken aufkommen lassen, dass man die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten in den Universitäten einer Überprüfung unterziehen sollte.
    Es gab in Deutschland schon Zeiten in denen es nicht viel besser war. Die Schulen und Universitäten wurden dann im Rahmen der Entnazifizierung gesäubert.
    Populisten sind gegen die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. Ich denke, das liegt nicht an der Unkenntnis des Völkerrechts. Da kommen Basiseinstellungen zum tragen, wie „wir sollen uns nicht in Dinge einmischen, die uns nichts angehen.“
    Wenn Populisten nicht glauben, dass 2029 die Russen kommen, dann liegt es wohl nicht an der mangelnden Kenntnis der militärischen Ausstattung der Russischen Föderation, sondern weil man nicht versteht, warum die Russen denn kommen sollten, wenn man sie nicht provoziert.
    Für mich ist der schlagende Beweis des gesunkenen IQ, dass die Leute nicht mehr vor dem Abbiegen blinken, sondern erst während dessen oder danach.
    Ich habe noch erlebt, wie es früher war. Für das Gymnasium musste ich eine Aufnahmeprüfung machen. Ich empfand das als Initiation. Jetzt wurde es ernst. In der Obersekunda erklärte der Schuldirektor, dass der Klassenwechsel vom Frühjahr auf den Herbst verlegt wird. Wir würden aber nicht ein halbes Jahr länger machen, sondern hätten zwei Kurzschuljahre: das erste vom 1. April bis 30. November 1966, das zweite vom 1. Dezember 1966 bis 31. Juli 1967. Da aber im Juni das Abi zu Ende war fiel der Juli einfach flach. Das fanden alle super! Niemand protestierte gegen G8. (Bei den Nordlichtern gab es allerdings Langschuljahre). Die Lehrer waren stolz auf uns, und der Rektor gratuliert jedem einzelnen. Zu mir sagte er; „Wacker geschlagen.“ Da war ich doch echt stolz.

    1. „Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben, wenn nur noch kurze und grelle Behauptungen wie in Sozialen Medien rezipiert werden (können) oder von Politikern wie Trump aneinandergereiht werden.“

      Diesen Satz kann man auch gegen den gesamten Blätterwald richten. Wo sind die Details, die harten Fakten über Ereignisse, Politiker, Politstrategien etc. in diesen Medien zu finden?

      Der Vorwurf gegen die angeblich immer populistische AfD, das Internet etc. trifft doch vielmehr auf die „erlesenen Medien“ selbst zu. Dort werden fast ausschließlich Narrative produziert, die in der Regel Schwarz/Weiß-Bilder sind, also Flachwelt vom Feinsten – aber natürlich im Sinne des Mainstream.

      1. Prinzipiell würde ich das auch so sehen. Bei den Rechten ist die Argumentation in der Regel allerdings noch etwas extremer als bei den bürgerlich-konservativen Mainstream-Medien. Für die Rechten sind die bürgerlich-konservativen Mainstream-Medien links.

        1. Das trifft nur auf eine Teilmenge der Rechten zu, die das Narrativ, das der gemeine Antifant als Credo benutzt einfach spiegelbildlich verwenden. Alles Schlechte ist dann halt links, bei der anderen Gruppe, rechts.

          Die meisten Konservativen mit denen ich mich unterhalte erkennen daß diese Darstellung zu einfach ist, um die Realität zu beschreiben.

    2. „Für mich ist der schlagende Beweis des gesunkenen IQ, dass die Leute nicht mehr vor dem Abbiegen blinken, sondern erst während dessen oder danach.“

      Da muss meinereiner Ihnen ausnahmsweise einmal zustimmen, obwohl es auch nur Faulheit oder eine Mischung aus gesunkenem IQ + Faulheit sein kann.

      Das passiert aber inzwischen nicht selten auch beim Spurwechsel auf Autobahnen und zweispurigen Bundesstraßen.

      An alle Autofahrerinnen, Autofahrer und Autofahrerdiverse: Sinn und Zweck von Blinki-Blinki ist, dass man dem Fahrer (egal ob Frau, Mann, Zwitter oder was auch immer) des Fahrzeugs, das hinter einem fährt, zu erkennen gibt, dass man die Spur wechseln will. Wenn man die Spur wechselt und dann erst Blinki-Blinki macht, dann macht Blinki-Blinki keinen Sinn mehr, weil der Fahrer des Fahrzeugs, das hinter einem fährt, dann sieht, dass man die Spur wechselt.

      1. „Für mich ist der schlagende Beweis des gesunkenen IQ, dass die Leute nicht mehr vor dem Abbiegen blinken, sondern erst während dessen oder danach.“
        Fängt das nicht schon viel vorher an? Zum Linksabbiegen und dabei oder davor oder danach Blinken, dafür muss ich doch erst einmal ins Auto gestiegen sein, und hierbei stellt sich bereits eine Frage, die gesellschaftlich im Grunde höchst brisant ist, aber kaum je gestellt wird: Steige ich allein in meinen 5-Plätzer, oder sitze ich da mit noch einem zweiten oder dritten? Und wie oft kommt es vor, dass ich sogar mit voller Besetzung fahre?
        Ich finde: Die unübersehbare, aber andauernd übersehene Tatsache, dass mindestens 90% der PKWs (eher mehr) auf allen unseren Strassen (und im Stau!) nur mit EINEM EINZIGEN Menschen (und vermutlich nicht einmal 0,0001% voll) besetzt sind, sagt auch etwas über den Stellenwert der Intelligenz bzw. Dummheit in unserer Zivilisation aus, hat aber herzlich wenig mit „Bildung“ oder „links/rechts“ etc. zu tun. Das systemisch Selbstverständliche dieses alltäglichen Strassen-Wahnwitzes – nur ein Bespiel von vielen – ist weder den Schulen und Unis noch den Parteien noch dem IQ, der KI oder irgendwem oder -was sonst geschuldet, sondern schlicht purer, konsumistischer GEDANKENLOSIGKEIT: Sie generiert überhaupt erst den „Wohlstand“ (in Wahrheit: Überfluss), den wir verwöhnten Demokraten der westlichen Wertegemeinschaft schlicht für unser angeborenes Menschenrecht halten.
        Merken wir überhaupt noch, ob „gebildet“ oder „ungebildet“, wie sehr unser Konsumverhalten auf Gedankenlosigkeit fusst? Wem fällt überhaupt noch auf, wie sehr wir, wo immer wir gehen und stehen und sitzen und sinnen, VON WERBUNG FÜR ALLES UND NICHTS UMZINGELT sind? von grinsenden Verführer-Visagen und idiotischen Slogans, die uns als tieferen, eigentlichen Lebenssinn nichts als Stumpfsinn anpreisen, ob materiell oder politisch? Hat in Lebensräumen, die so flächen- und zeitendeckend von manipulativer Dauerüberreizung verstellt sind wie die unsrigen, das, was wir Bildung nennen, dagegen überhaupt noch etwas zu bestellen? Kritisches Denken mag ja Bildungsziel sein – aber verdienen (gebildete!) Werbe-Spezialisten ihr Geld nicht genau damit, gerade dieses Bildungsziel im Sinne des gedankenlosen Konsums andauernd und massenhaft (massenwirksam) zu unterlaufen? Ist denn nicht die Werbebranche seit Jahrzehnten die umsatzstärkste der Welt, mit steigender Tendenz? Und ist ihr Umsatz nicht die Summe der Investitionen, die ihre Auftraggeber: Waren- und Dienstleistungs-Anbieter in die Ankurbelung des allg. Konsums stecken? Würden sie getätigt, wenn sie sich nicht bezahlt machten?
        Ob’s uns passt oder nicht: Werbung ist die eigentliche Bildung, die über und unter und vor und hinter allem steht!

  9. Der Elefant im Raum…..
    wird natürlich schön unter den Teppich gekehrt und es werden krude Thesen verbreitet, die Digitalisierung oder KI wäre der Grund für den Niedergang der schulischen Fähigkeiten und Bildung in unserem Kulturkreis.
    Warum ist dann die Jugend Südkoreas, Chinas und Japans nach wie vor ganz vorne, obwohl gerade dort die Kinder bereits weitaus mehr und intensiver mit Digitalisierung und KI aufwachsen?
    Der Niedergang der mathematischen, naturwissenschaftlichen Kenntnisse, des Schreibens und Verstehens etwas komplizierterer Texte ist ja ein Durchschnittswert, der alle Jugendlichen/Schüler beinhaltet, also die, die gute Sprachkenntnisse haben, um auch wissenschaftliche Publikationen zu lesen und zu verstehen und die, die schon damit Probleme haben, die „tagesschau in einfacher Sprache“ zu verstehen.
    Letzere Gruppe hat in den letzten 10 Jahren enorm in vielen westlichen EU-Ländern an Zahl zugenommen. Das drückt den Durchschnitt logischerweise.
    Dann kommen noch Maßnahmen der Kultusministerien der entsprechenden Bundesländer, die Anforderungen in den Schulen stetig nach unten zu senken, um die Misere, die sich mittlerweile in den Schulen abspielt, nicht deutlich werden zu lassen, was politische Gründe hat.
    Viele Firmen bekommen Bewerber, z.B. aus Berliner Gymnasien, die nicht einmal einfachste Schulhofmathematik beherrschen, geschweige denn eine DIN A4- Seite Text halbwegs fehlerfrei und verständlich zu formulieren und an den Unis werden die Anforderungen an die Studierenden auch seit Jahren immer weiter gesenkt. Wo die gestellten Anforderungen stets nach den Dümmsten ausgerichtet werden, kann nichts anderes resultieren, als das was man zur Zeit erlebt.

  10. Vor kurzem las ich bei Patrick Baab: „Die KI dient also nicht der Entfesselung der Intelligenz, sondern der administrativen Denk- und Verhaltenskontrolle durch die Eliten. Dies läuft aus in eine neue Zeit der Ent-Alphabetisierung zumindest in den westlichen Kulturen.“
    https://forumgeopolitica.com/de/artikel/staatsstreich-in-permanenz-die-zensur-industrie-und-das-verwertungsmodell-des-digitalen-kriegs-kapitalismus-teil-ii

    Was dieser Aussage: „Da kommen Internet und KI gerade zurecht, um die fehlenden Kompetenzen zu ergänzen und weiter an sich zu reißen.“ ähnelt und zusammen den KI-Hype erklärt.

    KI ist nicht dazu da, dass wir in einer besseren und schöneren Welt leben. Es geht wohl tatsächlich darum, das abweichende Denken, was das Internet ermöglicht, wieder mit den Methoden des Internets einzufangen.

  11. Die Idiokratie Deutschland, die erste ihrer Art in der sog. ‚westlichen Welt‘, der sog. selbsternannten ‚Wertegemeinschaft‘ der ‚Guten‘ im Sinne der USA, ist zum Spielball perfider PolitikerInnen geworden; mit einem starken Hang zu Despotismus und Neo-Nationalsozialismus in grün-rotem Gewande.

  12. Die Schwächung des Denkens kommt gottseidank nicht nur den Rechtspopulisten zugute, sondern allen Populisten und Extremisten, was man an der enormen Beliebtheit der Mauerschützenpartei bei jungen Leuten auffällig gut sehen kann.
    Insofern dürfen wir uns auf eine neue Weimarer Republik freuen, in der wieder die selbigen Polaritäten, vielleicht nun unterstützt von Gruppierungen die Kalifate fordern, Urlaute ausstoßend einander den Schädel einschlagen.
    Im ersten Licht fahren dann wieder Lastwagen der Polizei durch die Strassen, die Leichen der vergangenen Nacht aufsammelnd.
    Es nennt sich Fortschritt.

    1. @Ja: Von der Partei „Die Linke“ kann man halten, was man will. Ich selber halte so gut wie nichts von ihr, insbesondere weil der Name Etkettenschwindel und diese Partei eigentlich gar nicht links ist.

      Sie aber 37 Jahre nach dem Ende der DDR immer noch als „Mauerschützenpartei“ zu titulieren, ist allerdings an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten!

  13. Ich hatte, nur zum Spaß , Anfang des Jahrtausends mal einen Aufnahmetest zu einer angesehenen Universität in den Staaten gemacht und hatte 100%.
    Noch Fragen?

  14. Der Autor schreibt: „Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben (…).

    Die logische Konsequenz daraus: Ein „rechter Populist“, bzw. Patriot, der sein Volk dazu auffordert, wieder mehr zu lesen und ohne Geländer zu denken und zu schreiben. Um an vergangene kulturelle Höchstleistungen (make xyz great again!) anzuknüpfen, braucht es eben ausreichend Training.

  15. die Grenzen deiner Sprache bedeuten die Grenzen deiner Welt( Ludwig Wittgenstein)

    Adolf Hitler war mit dem Philosophen Wittgenstein, Jude und Homosexueller befreundet und Schüler an der selben Schule.

    Hitler hat seine Sexualität als Gegenentwurf zu Wittgenstein gar nicht physisch ausgeübt und als religiösen Gegenentwurf den realen Sadismus und die totale Destruktion zu den nach Sinn im Elend hungrigen aber kognitiv-ethisch verkrüppelten Deutschen gebracht.

    da macht mir eine dynamisch verblödende Einwohnerschaft eines großen Landes in Mitteleuropa wenig Angst.

    Zur gründlichen Selbstausrottung wirds schon noch reichen.

    Die Dummen Deutschen sind die Nesndertaler der Jetztzeit. ein paar clevere werden sich mit vitalen Menschen aus anderen Gegenden unseres Planeten sinnvoll mischen.

    das war schon immer so.

  16. Rechtspopulisten – gibt es denn andere? Welche in der medial omnipräsenten politischen Beliebigkeitsfarblehre marschierende Gruppierung ist denn nicht beauftragt am Angriff auf mühsam erkämpfte emanzipatorische Fortschritte teilzunehmen?

    Ihr solltet mal eure eigenen Bücher lesen. Vlt. ‚Demokratie ohne Risiko‘ (Alex Carey). Da werden Ross und Reiter und verschiedene Stationen der schon sehr lange laufenden Verblödungsorgie, welche gerade einem neuen Höhepunkt zustrebt, benannt. Nebenbei erwähnt, gerade die Formatierung der Intellektüllen, an Hochschulen und son Zeug, hat dabei Priorität. Denn die werden Multiplikatoren mit mehr Reichweite.

    Die Verteufelung (Methode, auch nachzulesen bei Carey) des jeweilig ausgewählten Satrap, gehört mit zu der Nummer um das bass erstaunte Publikum gebannt an der Manege zu halten. Vorher waren es die Gottseibeiunse Biden, Trump, Obama, Bush, Clinton, Bush, Reagan usw.. Andere in andern Ländern.

    Also Ablenkziele zum Ankreuzen und trotzdem wird das selbst getragene Kreuz immer schwerer. Hab mal gelesen, der Kapitalismus sei von bestechender Einfachheit. Da ist was dran. Taugt wohl nix das Ankreuzen.

  17. In der Schule geschlafen?

    „Es gibt Texte, die sich nicht schon aufgrund einer Beschreibung ihrer Struktur oder mit Hilfe kommentierender Erläuterungen verstehen lassen. Man muss sie daraufhin untersuchen, welche verborgenen Absichten der Autor mit ihnen verfolgt und wie es sich erklären lässt, dass mancher Leser, auf den sie wirken, diese Absichten nicht erkennt.

    Es handelt sich sozusagen um ein mehrschichtiges Verfahren der Textuntersuchung. Wir sprechen von der Analyse eines Textes. Dazu nehmen wir als Beispiel werbende (appellierende, persuasive) Texte. Mit solchen Texten versucht der Autor, auf den Adressaten einzuwirken, sein Denken, Fühlen und Handeln zu beeinflussen. Sein Ziel ist dabei, dass der Adressant seine Einstellung ändert und sich in der Weise verhält und handelt, wie es der Absicht des Werbenden entspricht. Wirtschaft und Politik sind die beiden wichtigsten Anwendungsgebiete für werbende Texte. Überredung zum Kauf und Überredung zur Wahl. In beiden Bereichen werden die gleichen Überredungsstrategien benutzt.

    Ziel eines kritischen Umgangs mit Werbetexten aus Wirtschaft und Politik muss es sein, durch Analyse von Wirklichkeitsbezug, Thematik und Sprachform die Überredungsstrategie herauszufinden, die ein Autor anwendet. Dann kann man sich vom Text distanzieren, bevor man ein Opfer jener Strategie geworden ist. Zur Überredungsstrategie werbender Texte gehört übrigens auch das Bemühen, darüber hinwegzutäuschen, um welche Textart sich handelt…..“

    Dies ist ein kurzer Auszug aus dem Übungsbuch „Arbeit an Texten“ für die Sekundarstufe II, erschienen 1982 im Klett-Verlag.

    1. Ich kann mich sehr gut an die Agitprop der Lehrer erinnern und die kammen alle von Hochschule. Gehört zu dem was ich mit den Multiplikatoren erwähnte.

      Ach ja und:

      Die Tiefenindoktrination ist etwas was darauf zielt im Grunde die gesammte Psyche lanfristig zu formen und viel schleichender. Tiefenindoktrination ist etwas was eigentlich in jeder Gesellschaft durch alle Sozialisationsinstanzen, … Schulen wurden ja auch dazu entwickelt, nicht um Menschen dazu zu bringen sich zu emanzipieren und eigenständig zu werden, sondern Schulen waren und das war der Grund warum sie eingeführt wurden, Schulen waren eigentlich Indoktrinationsinstrumente um gehorsame Staatsbürger und fromme Kirchgänger zu erzeugen. Das war der Sinn von Schulen, das ist Tiefenindoktrination. Das soll sich so tief in die Seele graben, daß es praktisch unausweichlich ist. Das ist die Art und Weise wie wir über gesellschaftliche Kategorien und über die Welt nachdenken.

      Aus:
      Indoktrination ist so alt wie die Menschheit | Rainer Mausfeld, Westend Verlag, 21.236 Aufrufe vor 6 Monaten, 4:20min.
      https://www.youtube.com/watch?v=iAstuqYIXQA

      Und vlt. das noch:

      Geht ja schon auf Wilhelm Reich zurück, großer Psychoanalytiker, der in den dreißiger Jahren gesagt hat, jede Gesellschaft produziert in der Mehrzahl ihrer Mitglieder, die Art von psychischen Störungen, die sie für ihren Erhalt braucht. Insofern produziert jedes System sozusagen charakteristische psychische Verformungen, die es braucht. Der Kapitalismus produziert eben den eigennützigen Menschen, weil er genau diese Form von Mensch braucht.

      Aus:
      Rainer Mausfeld über Jordan Peterson, Grundeinkommen, Militarismus & individuelle Lösungen (Teil 2)
      acTVism Munich
      https://www.youtube.com/watch?v=znYQEdi2g78

      Wie war das nochmal mit Covid, Cajus?

    2. Guter Punkt. Dabei gilt es freilich zu beachten, die Schulkonkurrenz zeitigt notwendig den Effekt, daß Schüler ein vorgezeigtes Verständnis und Abfassen von Texten nurmehr als Eigenwerbungsarbeit begreifen und zu praktizieren suchen, ein Phänomen, gegen das Lehrer, die ihren Lehrauftrag in den 70ern anders verstehen wollten, in der Umgebung der positivistischen und pluralisierten, „amerikanisierten“ Wissenschaft machtlos gewesen sind.
      In der Mathematik wiederum war in meiner Biographie ein 1908 geborener Lehrer der Letzte, der versucht hat, Schülern ab der 7. Klasse Beweisverfahren nahe zu bringen.

      Die jüngsten Autoren – abgesehen von einigen Genossen von der MG/ Roten Zellen – deren Texte ich ob ihrer sauberen Analytik geschätzt habe, sind Jean Piaget, Jonathan Kingdon und Peter Dale Scott gewesen. Gewissermaßen in einem „Zwischenreich“ hat die allseits gehaßte Judith Butler gearbeitet, weshalb sie von kaum jemandem ernstlich verstanden worden ist. Einerseits hat sie sich um „hegelianische“ Stringenz bemüht, andererseits den Verführungen appellativer französischer Diskurskultur nachgegeben.

  18. Zwar ist das Studentenfutter nur noch im Ausnahmefall mein Hauptnahrungsmittel, aber ich kann dennoch zumindest notdürftig lesen und schreiben und daher ist Florian für den Job als Bundeskanzler meiner Meinung nach wesentlich besser geeignet, als der geistige und moralische Totalausfall, der uns derzeit regierungsseitig zugemutet wird. Kunst zahlt aber leider nicht die Miete.

  19. Lesen können sie nicht, zählen anscheinend auch nicht. Es ist ja davon auszugehen, dass – sollten überhaupt menschliche Wesen dazu erforderlich sein – beim Moderatorium aufstrebende, preisgünstige Studierende – Studenten wie Studentinnen – zum Einsatz kommen dürfen. Warum nicht zählen, warum nicht wenigsten die Grundrechenarten beherrschen? Nu, im Kommentarbaum zu den blaugelben Helden bzw. deren Heldenzusammenführung mußte ich feststellen, dass – wie es so schön heißt – doch tatsächlich schon mein üppiges Guthaben von fünf Kommentaren in Anspruch genommen haben soll. Also ich zähle nur vier und auch nur deswegen, weil einer von den vieren einer direkt hintereinander doppelt eingestellt wurde. Bis drei zählen – immerhin – scheinen sie noch zu können. Ob das mit der Leseunfähigkeit zusammenhängt, wenn ein Kommentar – warum auch immer – doppelt eingestellt wurde, eher nicht. Eher wohl reiner Mutwille, um schneller die Fünfer-Todschlagskeule auspacken zu können?

  20. Aus Sicht der Betroffenen stellt dies sicher keine Tragödie dar. Ich kannte gleich mehrere Menschen, die versucht hatten, durch übermäßigen Alkholkonsum ein Fallback in genau den beschriebenen Zustand zu erreichen. Darunter ein ausgemachter Stirner-Experte, als auch ein Physiker, zu dessen spezielleren Hicks-Bosonenthemen mir jeglicher Zugang verwehrt blieb. Dennoch mochte ich mich dem Verfahren anschließen.
    Da letztlich von Belang – so die gemeinsame Erkenntnis – einzig ein orgiastische Vermögen ist.

  21. Funktionelle Analphabeten gab es schon immer.
    Die werden jetzt nur sichtbarer.
    Warum? Auch die können Computer bedienen und damit ihr Defizit teilweise ausgleichen.
    Dann kommt noch eine übertriebene Inklusion hinzu.
    Das heißt, Leute die vorher keine Chance hatten, einen Hochschulplatz zu bekommen, werden durch den Nachteilsausgleich gefördert.
    Das bedeutet nicht, das diese Leute alle dumm sind. Diese Unterstellung sagt mehr über die die diese verbreiten als über die, die das Problem haben.
    Generell stimmt leider auch, das die Belastbarkeit und die Frustrationstoleranz in der Gesellschaft abnimmt.
    Es ist vermutlich ebenfalls nicht hilfreich, das wo man früher eine komplexe Aufgabenstellung bekam, heute ein Ankreuztest mit mehreren vorgegebenen Antwortmöglichkeiten reicht. KI zum lösen der Hausaufgaben ist ebenfalls ein Problemverstärker. Usw.
    Und mal grundsätzlich, aktuell ist eine gute handwerkliche Ausbildung vermutlich besser als ein Hochschulabschluss.
    Die KI soll ja angeblich bald die Verwaltungsjobs fressen. Handwerker werden nicht so schnell ersetzt werden.

  22. Kurz und Bündig, ich war bis 1995 im Schul und Berufsausbildung tätig und musste feststellen das der Bildungsstand von Abiturienten und Oberschülern, Realschüler nicht mehr so ist wie es bis 1991 war. Sogar heutige Abiturienten haben weniger Wissen als Abgänge der 10.Klasse der Polytechnischen Oberschulen der DDR. Das selbe gilt für die Berufsausbildung da hierfür die Grundlage fehlt die in den Schulen und Gymnasium nicht erbracht wird. Es fehlen Deutschkentnisse, Grundlagen in Mathe, Chemie, Physik und Biologe. Die Schüler, Auszubildenten, Abiturienten können nicht frei Lesen, Kommunizieren nicht folgerichtig Denken. Jetzt zum Teufel kommt die KI in Spiel und der diese auf Grund seiner Bildungsschwäche nutzt verblödet auf gut Deutsch noch mehr. KI kann gut sein wenn man Hindergründe versteht und verarbeiten kann.
    KI Fluch oder Segen, im Prinzip wie mit dem Aufkommen von Taschenrechner wenn man mathematische Grundkenntnisse nicht beherrscht kommt man mit dem Taschenrechner nicht zum richtigen Ergebnis. Lehrkräfte müssen merken wenn Hilfsmittel wie KI benutzt werden indem fachlich hinterfragt wird. Wenn der Mensch nicht auf passt verliert er die Kontrolle über die Maschinen, egal welcher Art.

    1. „KI kann gut sein wenn man Hindergründe versteht und verarbeiten kann.“

      Ich glaube, bei politischen Themen musst du viel mehr wissen als die KI, weil die KI dir sonst nur Mainstream-Blödsinn vorsetzt. Das kann man natürlich testen. Einfach mal nach Details fragen oder die vorgesetzte Antwort als falsch deklarieren und Beweise verlangen.

      Da rudert die Ki dann oft zurück.

    2. „Lehrkräfte müssen merken wenn Hilfsmittel wie KI benutzt werden indem fachlich hinterfragt wird.“
      Prima Idee – nur fehlt ihnen die Ausbildung dazu. Sie nutzen tatsächlich selbst KI, um sich ein Bild „machen zu lassen“…
      Im Moment sind gerade alle Kinder gleichzeitig in den Brunnen gefallen.

  23. @Bigmolly Das gilt aber nicht nur für Mathe, Chemie, Physik und Biolog[i]e. Es gilt auch für andere Fächer wie Deutsch, Geographie, Geschichte usw.

    Ich habe vor ein paar Monaten eine meiner Nichten gefragt, ob sie schon mal etwas von Georg Elser, Graf von Stauffenberg oder Sophie Scholl gehört hätte. Die Antwort war Achselzucken. Meine Nichte hat vor zwei Jahren Abitur gemacht und studiert an einer „Hochschule“ irgendwas mit IT bzw. EDV. Ich habe ihr davon abgeraten, weil viele Arbeitsplätze in diesem Bereich demnächst von der KI wegrationalisiert werden. Es sei denn, man gehört zu denen, die die KI weiterentwickeln. Aber auch das dürfte sich irgendwann erledigen, wenn sich die KI selbst programmiert und weiterentwickelt. Dann braucht man nur noch Betonbauer und Maurer, die das Rechenzentrum bauen, ein paar Techniker, die die Server installieren und ggf. defekte Hardware ausstauschen, und einen privaten Wachschutz, der die Rechenzentren bewacht.

    Diesen Studentinnen und Studenten (aka „Studierende“) kann man auch erzählen, Adolf Hitler wäre ein Veganer gewesen. Vegan ist gut für die Umwelt und auch noch gesund. Also kann Adolf Hitler kein schlechter Mensch gewesen sein oder? Oder sie glauben Elon Musk, wenn der superreiche Narzisst, Rassist und Sozialdarwinist Elon Musk erzählt, dass Adolf Hitler gar kein Rechter gewesen wäre. Superreiche lügen schließlich nicht.

    Meine Nichte ist weder hochintelligent noch dumm. Wenn man ihr etwas erklärt, dann versteht sie das auch. Die Frage ist also: Werden die jungen Leute absichtlich dumm gehalten und falls ja, wer profitiert von dummen Abiturienten und dummen Akademikern, die sich selbst aber als „gebildet“ bezeichnen, weil sie irgenwann einmal einen Multiple-Choice-Test erfolgreich bestanden haben, aber das eigenständige Denken und kritische Nachdenken nie gelernt haben?

    Deutschland war einmal das Lander Dichter und Denker.
    Dann war es das Land der Richter und Henker. (Politiker der „Alternative“ für Deutschland bezeichnen diese Zeit von 1933 bis 1945 als „Vogelschiss der Geschichte“.)
    Heute ist es das Land der vier „D“ = „DDDD“, der Dichterinnen, Dichter, Deppen und Diversen.

    Schmier dir Motoröl ins Haar, dann fährt das Auto schneller und verbraucht auch noch weniger Benzin. Sechs Millionen User auf Youtube finden das „Supi“ und kaufen sich am nächsten Tag im Supermarkt einen Liter Motoröl.

  24. Ein guter Artikel, der am Ende aber zu einer irritierend voreingenommenen, unlogischen und vollkommen beweisfrei vorgebrachten Aussage gelangt:

    „Der Aufstieg der meist rechten Populisten in vielen Ländern könnte auch etwas mit schwindenden Kapazitäten der Aufmerksamkeit und der Kognition und der zunehmenden Denkfaulheit zu tun haben, wenn nur noch kurze und grelle Behauptungen wie in Sozialen Medien rezipiert werden (können) oder von Politikern wie Trump aneinandergereiht werden.“

    Weshalb sollten sich denn die schwindenden Kapazitäten ausgerechnet bei sog. Rechtspopulisten finden, nicht aber in dem selben Maße bei Anhängern der Grünen, der SPD, der Linken oder der CDU … ???

    Hinzu kommt ja noch, dass überhaupt erst seit Kurzem nennenswerte Teile der jungen Generation zur nationalkonservativen Opposition tendieren!
    Der typische Nationalkonservative ist doch eben gerade schon so alt, dass er noch eine leidlich fundierte Bildung erhalten hat – und daher noch kritikfähig, allgemein gebildet und selbstdenkend ist.

  25. Das Phänomen ist seit Jahren bekannt und wird allseits beklagt; zur Erklärung wird viel spekuliert und „studiert“. Es ist aber offenbar etwas, was sich hauptsächlich in westlichen Staaten beobachten lässt. Wie Vorredner betont haben, gibt es SmartPhones, exzessive Internetnutzung und KI-Konsum auch in sehr kapitalistisch orientierten, asisatischen Ländern, ohne dass sich dort unser Phänomen tendenzieller Verblödung beobachten lässt.

    Fehlt unseren Generationen also der eher unwürdige, mit großen menschlichen Kosten verbundene Drill, der in Asien ungebrochen vorherrscht? Ist also das „Lob der Faulheit“ und das antiautoritäre Bewußtsein Schuld an diese Misere?

  26. Ich verstehe die Intention von Florian Rötzer nicht. Da wird sich an in jüngeren Zeit zunehmenden schulischen Defiziten im Bereich Deutsch/Mathematik abgearbeitet. Andere Bildungsbestandteile werden vollkommen vernachlässigt. Was hat sich in Bildung, den in der Schule vermittelteten Kompetenzen und Fähigkeiten verändert? Sind diese Veränderungen wirklich nur auf die Schule beschränkt und nicht auf das gesamte Lebensumfeld der Heranwachsenden? Vernachlässigt werden auch die Veränderung in Schulrealität in Bezug auf Ausstattung, Fehlstunden/Lehrerabdeckung, Klassengrössen.

    Dann wird umstandslos einer härteren Selektion im dreigliedrigen Schulsystem das Wort geredet und dabei standhaft ignoriert, dass das eingliedrige Bildungssystem der DDR mindestens ebenbürtige, wenn nicht gar bessere Bildung vermittelte, speziell auch in den diskutierten Bereichen. Da scheinen eigene, konservativ geprägte, Vorurteile dem Autor die Finger über die Tasten geführt zu haben.

    Dann wieder wird über die Hochschulen geredet, und es wird Aufnahmeprüfungen das Wort geredet. Aufnahmeprüfungen, die rein objektiv allenfalls punktuell die Prüfungsresilenz der potentiellen Studierenden feststellen können. Die aber völlig blind sind, wenn sie die Studierfähigkeit, also die Fähigkeit eigenverantwortlich und eigenständig Studieren zu können feststellen sollen.

    By the way: In den wilden Jahren des Umbruchs gab es 1991 an der halleschen Uni Aufnahmegespräche für das Medizinstudium. Zu den Fragen gehörte die individuelle Meinung zum Paragrafen 218 / Schwangerschaftsabbruch wie auch zu langen Haare beim männlichen Geschlecht.

    Egal wie ein solcher Aufnahmetest auch gestrickt wird, es geht immer nur um den nötigen Stallgeruch des Prüflings, nie um dessen Studierfähigkeit.

    An Florian Rötzer der Rat: Manchmal ist weniger mehr (und dafür tiefer) statt solche Husarenritte quer durch ein komplexes Thema. Letzteres bedient allenfalls eine immer oberflächlichere Diskussionskultur, die der Autor ja eigentlich kritisieren wollte.

  27. Populisten aller Art, nicht nur die üblicherweise als „Rechte“ bezeichnet, profitieren von eingeschränkten, intellektuellen Fähigkeiten, Denkfaulheit, mangelhaften Fähigkeiten oder mangelhafter Bereitschaft zum SelberDenken, sich Informieren der Neigung, auf Propaganda hereinzufallen und der Abneigung, gegen den Strom zu schwimmen. Sie nutzen diese Entwicklung der Menschen in der Gesellschaft rücksichtslos aus, so, wie es Populisten alias Volksverhetzer alias Fanatiker früherer Jahrhunderte auch gemacht haben, um ihre Interssen durchzusetzen. Dabei ist egal, ob ein grüner, roter, schwarzer, religiöser oder sonst was Populist seine Meinung oder Ideologie oder Interessen verbreitet und durchsetzt. Menschen sind nun mal Herdentiere, ordnen sich leicht ein und unter, weil es Vorteile bring, bequemer ist, andere die Verantwortung übernehmen, ……..
    Umfassende Ablenkung durch TV, soziale Medien, Gruppendruck, Belohnung und drohende Bestrafung bei Abweichung vom Mainstream verstärken das, KI unterstützt diese Tendenz in der Regel auch, weil sie dem Anschein nach Ergebnisse liefert, die auf den ersten Blick stimmen, deren Hinterfragung zusätzliche Energie kostet und möglicherweise unbequeme Ergebnisse bringt.

    1. @Bernd

      Sie haben das sehr nett und süffisant formuliert:
      „Populisten aller Art“

      Stimmt!
      Ich möchte konkretisieren, dass man die auch an Orten findet, wo sie ZDF, ARD und Spiegel nicht vermuten …

      Na ja, und dass das nicht gerade ein Glanzartikel von Herrn Rötzer war,
      das wollen wir ihm mal durchgehen lassen.

  28. Sehe ich sehr ähnlich. Die Technik soll schuld sein an der Verblödung der Gesellschaft. Zuerst das Buch, dann das Internetz. Smartphone und KI? Man muss nicht alles reiten, was durchs Dorf getrieben wird.

  29. Der Artikel verfehlt sein eigenes Thema. Wenn man über sinkende Lesekompetenz, Aufmerksamkeit und mögliche IQ-Veränderungen sprechen will, muss man zuerst über Lebensbedingungen sprechen: Ernährung, Schlaf, Bewegung, Eltern, Großeltern, Schule, Umweltgifte, Medienumgebung und Arbeitsgesellschaft. Stattdessen wird vieles zusammengeworfen und zu einer allgemeinen Verfallserzählung verarbeitet.

    Wenn an jeder Ecke Fast Food steht, Kinder kaum noch kochen lernen und Ernährung immer stärker aus industriellen Produkten besteht, dann ist das für Konzentration, Entwicklung und Lernfähigkeit zentral. Wer über kognitive Leistungsfähigkeit spricht, aber Ernährung ausklammert, analysiert am Thema vorbei.

    Dazu kommen Umweltgifte, Plastik, Weichmacher und der ganze chemische Dreck, der heute überall in der Umgebung ist. Wenn man schon über IQ, Aufmerksamkeit und Entwicklung sprechen möchte, dann müsste man auch diese Faktoren untersuchen. Stattdessen wird lieber ein digitales Schlagwort zum Sündenbock gemacht.

    Dasselbe gilt für die Familie. Wenn der Vater nicht da ist, die Mutter nicht da ist und die Großeltern als Boomer ihren eigenen Kram machen, dann fehlt zu Hause genau das, was Sprache und Lesen vorbereitet: Vorlesen, Erklären, Wiederholen, gemeinsames Essen, Kochen, Alltagssprache, Geduld und Anwesenheit.

    Erst hat man die Familie zerstört, jetzt beschwert man sich, dass sie nicht mehr abliefert. Super. Erst wird alles wegindustrialisiert, durchgetaktet und in Erwerbsarbeit gepresst, dann wundert man sich, dass Kinder nicht mehr dieselbe häusliche Vermittlung bekommen wie früher.

    Man müsste ernsthaft untersuchen, ob IQ und Lesekompetenz auch in Ländern sinken, in denen Fast Food weniger verbreitet ist, Familienstrukturen stabiler geblieben sind und Kinder noch stärker in häusliche Abläufe eingebunden sind. Erst dann könnte man überhaupt unterscheiden, was Ernährung, Familie, Schule, Medien und Umwelt jeweils beitragen.

    Auch die Mütter, die ihren Kindern einfach ein Telefon in die Hand drücken, gehören zu dieser Analyse. „Hier, schau Fernsehen, schau Videos, beschäftige dich selbst.“ Natürlich hat das Folgen. Wenn sich niemand mehr dauerhaft mit Kindern beschäftigt, darf man sich später nicht wundern, dass Lesen, Sprache und Konzentration schwächer werden.

    Gleichzeitig erzählen Politik und Wirtschaft ständig, wir würden nicht genug arbeiten. CDU, SPD und andere Parteien predigen mehr Arbeit, mehr Erwerbsquote, mehr Verfügbarkeit. Hier sieht man, wohin das führt: Die Familie wird weiter ausgehöhlt, Kinder werden nebenbei verwaltet, und am Ende wundert sich die Gesellschaft über die Ergebnisse.

    Wenn Studenten angeblich kaum noch lesen können, muss man außerdem fragen: Wer hat sie ausgebildet, geprüft, bewertet und durchgelassen? Wer hat die Standards gesetzt? Wer hat so getan, als funktioniere das System? Das Problem fällt nicht vom Himmel. Es wird über Jahre produziert und anschließend zertifiziert.

    Die verwendete Studie trägt diese große Erzählung ebenfalls nicht. Ihr Aufbau ist Murks, wenn daraus allgemeine Aussagen über Lernen oder Denken abgeleitet werden. Dort wird ein künstliches Szenario getestet: Menschen bekommen ein Werkzeug, nutzen es als Abkürzung, und danach wird gemessen, ob sie ohne dieses Werkzeug schlechter arbeiten. Das sagt mehr über schlechtes Testdesign als über Bildung.

    KI ist hier höchstens ein Randthema. Die breite Nutzung ist viel zu jung, um ältere Probleme der Lesekompetenz oder Aufmerksamkeit kausal zu erklären. Eher fördert KI sogar Textkontakt: Menschen schreiben, lesen, prüfen, vergleichen, fragen nach und formulieren neu.

    Auffällig ist nur, dass bestimmte akademische Milieus auf KI besonders empfindlich reagieren. Das wirkt weniger wie Sorge um Lesekompetenz, sondern eher wie der Versuch, Deutungshoheit zurückzugewinnen. Viele Kritiker kennen KI nur als Antwortfenster, nicht als komplexe Arbeitsumgebung für Projekte, Wissensstrukturen, Dokumentation oder Systemaufbau.

    Der zentrale Fehler bleibt: Der Artikel verschiebt die Fehleranalyse. Statt über Ernährung, Umweltgifte, abwesende Eltern, untätige Großeltern, Schulversagen, Prüfungslogik, Mediengewohnheiten, Arbeitszwang und institutionelle Verantwortung zu sprechen, wird eine bequeme Gesamterzählung gebaut. Das erklärt nichts. Es verdeckt nur die Ursachen, die längst vorher vorhanden waren.

    1. @Miri

      Ich finde, dass Ihr Kommentar hier mit zum Besten gehört, was Leser bisher unter diesem Artikel kommentiert haben. Eine alleinige Fixierung auf digitale Medien greift sicherlich zu kurz. Ohnehin ist es fast immer so, dass monokausale Erklärungen bei so komplexen Problemlagen sehr unvollständig sind.

      Übrigens begegnen wir hier auch einem wissenschaftstheoretischen Problem unserer Zeit, denn bei dem aktuellen Bestreben, alle möglichen (oder auch unmöglichen) gesellschaftlichen Sachverhalte mittels empirischer Untersuchungen ergründen und quantifizieren zu wollen, ergibt sich beinahe zwangsläufig die Tendenz, sich auf relativ wenige Einflussgrößen zu beschränken (bzw. beschränken zu müssen). Oder sogar nur auf eine einzige.
      Die dann angeblich erkannten eindeutigen Zusammenhänge scheinen auf den ersten Blick zwar signifikant, sind aber bei etwas weiterer Perspektive und bei Berücksichtigung des Gesamtzusammenhangs häufig kläglich unvollständig. Trotzdem werden sie in den sensationslüsternen Medien als spektakuläre und angeblich „bewiesene“ Tatsache präsentiert.
      Man könnte auch von der Beschränktheit von Fachidioten sprechen, die nur ihr eigenes Feld noch so halbwegs überblicken können, aber zu keinem umfassenderen Blick mehr in der Lage sind. Natürlich beziehe ich dieser Kritik nicht auf Herrn Rötzer, sondern auf andere.

      Übrigens gelangt die moderne Wissenschaft wegen dieser immer mehr auf die Spitze getriebenen Spezialisierung zunehmend an einen kritischen Punkt, bei dem zwar einerseits noch (manchmal) erstaunliche Einzelforschungen möglich sind (z.B. in der Physik), aber gleichzeitig aufs Ganze betrachtet, eine Verdummung und Nicht-mehr-Verständigung stattfindet.
      Schon in der alten chinesischen Yin & Yang-Lehre heißt es ja, dass eine ins Extrem getriebene Entwicklung (in unserem Falle also Wissenschaft) ins Gegenteil umschlägt.

    2. Bildungsversagen ist stets Staatsversagen. Lebenschancen dürfen nicht davon abhängen, dass jemand zufällig in eine „gut funktionierende“ Familie geboren wird. In der DDR waren fast durchgängig beide Elternteile berufstätig. Es gibt hierzulande nicht wenige Haushalte, in denen niemand einer regelmäßigen Erwerbstätigkeit nachgeht (ich meine nicht diejenigen, die von gut angelegtem Geld leben, das andere erwirtschaftet haben), dort ist die Situation durchweg noch viel übler als im Durchschnitt.
      Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit. Irgendwann mussten Blockföten angeschafft werden – in der Regel aus den knappen Einkommen von Arbeitern in der ortsansässigen Textilindustrie. Die meisten der Mütter waren Hausfrauen. Niemand aber konnte den Kindern Anleitung geben, dem Stück Holz wohlklingende Töne zu entlocken, bis eben auf die Eltern der ortsansässigen „besseren“ Leute. Der Lehrer erkannte diese sofort als die Talentierten und fasste sie zu einer Gruppe zusammen, mit der sich das Üben lohnte. Der ganze Rest erfuhr keinerlei Anleitung mehr und führte die Blockflöten anderer Verwendung, wie zum Beispiel Schwertkämpfen zu.

      1. Bildung ist in unserem Verständnis Selbstbildung, siehe Kant. Die Gesellschaft kann Gelegenheiten und Orte zum Bildungserwerb schaffen und anbieten, der Mensch ist gehalten, sie zu nutzen. Und das gelingt auch, wenn wenig Geld zur Verfügung steht, wenn es nur einen Elternteil gibt. Das ist nicht einfach – und ich weiß, wovon ich spreche –, aber es geht.

        Wir müssen uns hier nichts vormachen, die sozioökonomischen Strukturen dieses Landes sind so gestaltet, dass sie die Vorherrschaft der Besitzenden garantieren. Dazu gehört auch das Bildungssystem.
        Dieses System wird auch nicht besser werden. Im Gegenteil, alle Aktionen der regierenden Parteien in Bund und Ländern haben zur Verschlechterung beigetragen. Das betrifft die Masseneinwanderung, die Inklusion, die Aufweichung von Bildungsstandards und die Verschlechterung der Finanzsituation der Kommunen.
        Schon vorher waren die Schulen darauf angewiesen, dass Bildung zu Hause stattfindet, dass Hausaufgaben gemacht werden, dass das Interesse des Kindes geweckt und am Leben gehalten wird, weil die Schule nur ein Teil der Lebenswirklichkeit des Kindes ist.

        Das reicht aber nicht als Rechtfertigung für Nichtstun oder sogar Selbstsabotage und es genügt auch nicht, auf die Revolution, das Kommen des Messias oder die Ankunft der Vulkanier zu warten.

        1. Verstehe ich nicht. Kant war im Brotberuf Hauslehrer und ansonsten Vordenker. Ich kenne sein Werk nun nicht im Detail, aber „Selbstbildung“ war sicher nicht sein Konzept. Ich weiß lediglich von menschenverachtenden Experimenten mit Säugligen, mit denen irgendjemand beweisen wollte, dass sich der Mensch aus sich selbst heraus erfinden kann.
          Bildung bedarf einer grundlegenden Anleitung. Das ist trivial und gilt für alle Lebensbereiche.

          1. „AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des
            Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.
            Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
            https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/159_kant.pdf
            Lesen Sie bitte den ganzen Aufsatz.

            Übrigens, Kant war nur 10 Jahre lang Hauslehrer. Als Hauslehrer wird man auch nicht zum größten Philosophen der Neuzeit.

            Ja, sie können einem Menschen durch das Wechselspiel von Strafe und Belohnung beibringen, Inhalte aufzunehmen und zu reproduzieren. Das leistete in der Frühzeit der Drill, in moderner Form heute, auf dem Behaviorismus basierende Lernmethoden. Das ist aber keine Bildung.

            In dem Augenblick, in dem der vermittelte Inhalt komplexer wird und es keine anhaltenden und tiefgreifenden Eingriffsmöglichkeiten gibt – wie z. B. in der frühen Industrialisierung oder einer Armee –, hört das auf zu funktionieren.

            Lehren ist eine Form von Anleitung, das ist Teil der Bildung. Aber es ist nur ein Teil.
            Ein Sachzusammenhang wird dargelegt, in seinen Einzelheiten erklärt und begründet. Das Lernen, der aktive Prozess der Wissensaufnahme in allen Facetten, ist vom Lernenden selbst zu leisten. Man muss lernen wollen, weil es eben nicht Spaß macht, sondern Arbeit ist.

            In der Schulklasse wird ein Sachverhalt vermittelt. Einige Beispiele an der Tafel, einige Aufgaben in der Klasse, dann die Einübung durch Hausaufgaben, bis die Fertigkeit erworben ist. Wie gut dieser Vorgang abläuft, liegt beim Lernenden, daran, wie gut und ordentlich die Aufgaben erledigt werden, ob auch Aufgaben mit steigendem Abstraktionsgrad dazukommen.
            Das lässt sich nicht durch die Schule erzwingen.

            1. Mit Verlaub, aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Aufklärung hat das allgemeine Schulwesen begründet. Führend darin war übrigens Preußen.
              Das aktuelle pädagogische Großexperiment in Deutschland, nachdem die Schüler aus der Unterschicht immer mehr sich selbst überlassen bleiben, führt nicht zu mündigen Bürgern, die frei ihrer Entscheidungen gelernt haben Verantwortung zu übernehmen sondern zu einer Verfestigung des Prekariats dem sie entstammen.
              Passend dazu wurde just heute der aktuelle Bildungsbericht veröffentlicht.

  30. Das Volk möglichst blöde zu halten war stets Teil der kapitalistischen Ausbeutungslogik. Nicht nur, dass die privilegierteren Schichten. so dem eigenen Nachwuchs in die lukrativeren und mit größerer Machtfülle ausgestatteten Positionen verhelfen konnte (hierin sind die Deutschen seit je her Weltmeister) es ist vielmehr auch so, dass Bildung jedeweder Art einen Kostenfaktor darstellt.
    Der Kapitalismus ist nicht in der Lage gesamtgesellschaftliche Konzepte zu entwickeln, seine Automatismen richten sich stets nach dem schnellsten Profit. Im vergangenen Sozialismus hingegen war Volksbildung hingegen – naturwissenschaftlich, wie auch musisch – ein Thema das bis in das letzte Kaff in der kasachischen Steppe getragen wurde.
    So gesehen könnte man die zunehmende Volksverblödung auch mit Genugtuung als Zeichen eines bevorstehenden Niedergangs eines Un(ge)recht(igkeits)
    systems werten. Mir scheint aber, als würde man die unnütz gewordenen Massen nun ihrer Verheizung zuführen wollen.

  31. Der Trend hält schon viel länger an bzw. wurde schon um 1975 gestartet. Ich kam 1980 in die 5. Klasse des Gymnasiums, und gemeinsam mit uns Westfalen waren auch einige Hessen dabei, die fast alle deutlich schlechter lesen und schreiben konnten und dies auch nicht mehr aufholten. Das war die Zeit, als junge Lehrer mit starker politischer Färbung, aber weniger Kompetenz in Fach und Umgang mit Kindern von der Uni kamen. Ich erinnere mich an ein Exemplar mit rotem ungepflegtem Vollbart und Ganzjahres-Norweger-Pulli. Oder einen Kunstlehrer mit sehr einseitiger und oft ausgesprochener Parteivorliebe, damals noch für die Farbe rot und mit Beleidigung aller anderen, besonders Autofahrer und Familien. Rückblickend waren das Vorläufer des heutigen allgegenwärtigen Irrsinns

  32. Der Verlust der Konzentrationsfähigkeit, der Aufmerksamkeitsspanne durch Reizüberflutung ist vermutlich ein wichtiger Aspekt dabei. Ein Radio-Mitarbeiter sagte mir mal es werden kaum noch längere Titel gespielt, so 4 max 5 Minuten sei die Obergrenze. So ausufernde Rock-Titel wie von Meatloaf oder Pink Floyd, nur als Beispiel ohne Wertung, seien daher kaum noch auf Sendung. Auch das vielleicht ein Indiz, die übergroße Präferenz für seichten Pop bei den Jüngeren. Ian Hill sagte jüngst in einem Interview für die Ostdeutsche Allgemeine, er wolle niemandem zu nahe treten aber Metal -Fans machen sich mehr Gedanken.
    Auch wenn es einer der Kommentatoren zu Recht hier kritisiert hat, kann ich es mir an der Stelle nicht verkneifen ein auch mit KI-Hilfe generiertes Video zu einem Rock-Klassiker zu zu verlinken. Manchmal hilft ja vielleicht auch so was zum Verständnis wenn das hören längerer intelligentere Texte zu anstrengend geworden ist.
    https://www.youtube.com/watch?v=PU3rXr_lb20&list=RDing6iRPs6E8&index=3

    1. Es gab auch in der Hochzeit des Progressive Rock mit Bands wie Pink Floyd (und damit meine ich die „Klassische“ und die sog. „Intellektuelle Phase“ mit Roger Waters), Camel („Snow Goose“), Yes („Roundabout“) , Genesis („Selling England by the Pound“, „The Lamb Lies Down on Broadway“), Rush , King Crimson, Emerson, Lake&Palmer, Mike Oldfield und vielen anderen „seichten Pop“. Dazu zähle ich zum Beispiel ABBA und Marianne Rosenberg mit „Er gehört zu mir“.

      Richtig ist aber, dass diese Zeit nicht nur politisch, sondern auch musikalisch eine ganz andere Zeit war. Wo sind heute kritische Liedermacher wie Reinhard Mey mit „Es gibt keine Maikäfer mehr“, „Der Mörder ist immer der Gärtner“, „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“ oder Georg Danzer mit „Feine Leute“ und „Notausgang“, Wolfgang Ambros mit „Da Hofa“?

      Aber auch Schlagersänger wie Udo Jürgens kritisierten mit Liedern wie „Ein ehrenwertes Haus“ in den 1970er Jahren den deutschen Spießbürger und Untertanen (das wurde sogar in der „Hitparade“ gespielt), obwohl der deutsche Spießbürger von 2026 mindestens 100x spießiger ist als der Spießbürger der 1970er Jahre als die SPD noch sozialdemokratisch war und bei den BT-Wahlen 45,8 Prozent erreichte. Das Duckmäusertum in der Corona-Pandemie und die Aufrüstung Deutschlands zur „Kriegstüchtigkeit“ wären in den 1970er Jahren unvorstellbar gewesen.

      Das zeigt, wie weit die Mitte der Gesellschaft seit den 1970er Jahren gewandert ist und zwar nach rechts.

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