
Die Zahl der Menschen, die als Singles leben, soll weltweit im Ansteigen sein. Das ist vor allem in Europa, Nordamerika und Ostasien der Fall und könnte auch mit der sinkenden Fertilität und Sexualität zusammenhängen, denn auch die Fertilität sinkt, mit einigen Ausnahmen, weltweit – auch in armen Ländern: „Ab 2026 wird die Geburtenrate der Menschheit voraussichtlich unter dem Reproduktionsniveau liegen. Das ist noch nie zuvor vorgekommen, weder in Kriegen noch während Pandemien.“ Vor allem aber auch damit, dass das Leben in den modernen Gesellschaften das Alleinleben ermöglicht und die Bindung an Zwangsgemeinschaften und örtlicher Nähe untergräbt.
Ideologisch wurden lange Zeit Authentizität, Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung gefeiert, was ebenso wie die digitalen Medien enge Bindungen als einengend erscheinen lässt. Oft handelt es sich um ein selbst gewähltes Single-Dasein, ohne Wunsch nach Dating oder einer künftigen Beziehung, aber natürlich sind viele auch unfreiwillig Singles. Mit den rechten Bewegungen scheint zwar eine Rückkehr der Familienbindung und der alten Geschlechtsrollen stattzufinden, aber der Trend zum Single-Dasein wird eben bei den jungen Menschen und vor allem bei den jungen Frauen mit guter Bildung stärker. Auch wenn sich die Männer mehr um Körperoptimierung kümmern, um dem alten Männerbild zu entsprechen, spielen weniger Frauen mit, sich wieder als Tradewives dem Mann und dem Haushalt zu unterwerfen.
Vor kurzem veröffentlichte das Kinsey Institute die 15th Annual Singles in America Study, für die in den USA 5000 Singles zwischen 18 und 93 Jahren befragt wurden, die hauptsächlich in Städten oder Vorstädten leben. Danach würde ein Viertel selbst dann Single bleiben, wenn sie oder er einem perfekt passenden Partner begegnen würden. Fast die Hälfte hatte im vergangenen Jahr kein Date, mehr als die Hälfte fühlte sich zufriedener als in der letzten Beziehung.
Dazu passt eine weitere Umfrage über das Sexleben der 18-29-Jährigen. Es herrsche eine „Sex-Rezession“, die sexuelle Aktivität in der Altersgruppe Gen Z sei gering. 29% hätten in den letzten drei Monate keinen Partner gehabt und 19 % noch nie. Online-Beziehungen scheinen einen Teil der gewünschten Intimität abzudecken, finanzieller Stress soll das Sexbegehren senken. Nur 18% sind mit ihrem Sexleben unzufrieden, d.h. Sex scheint keine so große Rolle mehr für das Wohlbefinden zu spielen.
Die Rede ist auch von einer Dating-Rezession oder einer Dating Müdigkeit, weil die Frustration der jungen Menschen über die Vermittlung durch Apps nicht zufriedenstellt und sich Einsamkeit einstellt. Das Problem scheint aber auch zu sein, dass es an Erfahrungen im Flirten im realen Raum und überhaupt an Kommunikationsfähigkeiten fehlt, weil Beziehungen sich im realen Raum von denen unterscheiden, die in sozialen Medien herrschen. Schließlich sind viele der Generation Z mehr im digitalen Raum vernetzt und unterwegs als im realen. Face-to-Face-Begegnungen sind zurückgegangen, die Scheu vor Nähe oder Abweisung hat zugenommen. Dazu kommen seit einiger Zeit noch die KI-Freunde.
Die Kinsey-Studie über das Leben als Single stellt fest, dass sich die Zahl derjenigen vergrößert hat, die eine Beziehung wünschen und auch heiraten will. Dramatisch angestiegen sei der Glaube an die Liebe auf den ersten Blick, aber die Hälfte sage, sie hätten sich in einen Menschen verliebt, den sie anfangs nicht attraktiv fanden. Die Hoffnung auf Liebe auf den ersten Blick wird allerdings konterkariert von der Praxis, immer genauere Wunschlisten zu erstellen, was ein möglicher Parter bieten muss. Die Hälfte sucht vor einem Treffen schon mal wie beim Kauf einer Ware nach Informationen im Internet.
Finanzielle Unsicherheit und Karriereerwartungen scheinen Beziehungen bei vielen im Wege zu stehen. Man will erst einmal ein gesichertes Dasein mit ausreichend Geld erreicht haben, bevor man sich auf das Abenteuer einer Beziehung einlässt. Aber oft und zunehmend klappt das nicht, während man doch vielleicht zu zweit besser durchs Leben käme. Die meisten Singles unter 50 Jahren wollen auch keine Kinder, bei Männern ist der Wunsch geringer als bei Frauen. Und bei den Jüngeren zeichnet sich tatsächlich eine Rückkehr zu herkömmlichen Geschlechterrollen ab:
„Mehr als die Hälfte (51 %) der Befragten gab an, dass ihrer Meinung nach Frauen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen sollten – ein Anstieg gegenüber 34 % im Jahr 2013. Unter den Männern der Generation Z teilten 70 % diese Ansicht (obwohl 72 % der Meinung waren, dass es in ihrer eigenen Beziehung akzeptabel sei, Hausmann zu sein). Soziale Medien wurden von der Generation Z am häufigsten als Einflussfaktor auf die Einstellungen zu Geschlechterrollen in romantischen Beziehungen genannt.“
Würden die Frauen wieder mehr für Kinder und Küche verantwortlich sein, würde sich allerdings der Druck für die Männer erhöhen, allein für das Einkommen zu sorgen, was aber schwieriger wird und diese wiederum daran zu hindern scheint, überhaupt Beziehungen einzugehen. Zumal die Männer auch, was die Bildung betrifft, zurückfallen. Wenig verwunderlich ist, dass die politische Spaltung stärker durchschlägt. Die Tendenz nimmt zu, einen Beziehungspartner prinzipiell abzulehnen, der einer anderen politischen Richtung anhängt. Die jüngeren Singles ziehen mögliche Partner vor, die schon mal eine Therapie durchlaufen haben. Und natürlich wird KI mehr eingesetzt, um beim Dating besser dazustehen.
Trotz des Wunsches nach einer Beziehung richten sich viele im Single-Dasein ein. Ein Viertel der Befragten sagte, sie würden es vorziehen, keine Bindung einzugehen, nur 16% suchen nach einer festen Beziehung. 44% sagen, sie sind nicht auf der Suche, wären aber offen für eine Beziehung, wenn die richtige Person käme.
In Deutschland ist nach einer Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) vom Juli 2026 ein Fünftel der 20- bis 54-jährigen Personen in Deutschland Single. Bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 42 Prozent, bei den 40- bis 54-Jährigen dagegen nur 11 Prozent. Mehr Männer als Frauen sind Single. Ein Drittel will alleine leben, Single-Frauen sind mit ihrem Leben zufriedener als Männer. Nach DeStatis gibt es 19.166.000 in Deutschland Alleinlebende ohne Partner und Kind in irgendwelchen Wohngemeinschaften, davon leben alleine in einem Einpersonenhaushalt 17.327.000. In München sollen 46% der Einwohner Single sein, in Leipzig 40% und in Berlin 39%.
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Wen wundert das? Sexualität wird einerseits verteufelt und andererseits öffentlich dargestellt.. Dazu: Die Gleichsetzung mit Vergewaltigung ist fast schon normal, selbst sie Anbahnung einer Beziehung wird als unangenehm empfunden und einer sexuellen Belästigung gleichgesetzt. Da traut man sich kaum noch, jemanden anzusprechen. Und das Ergebnis: Singledasein. Wer kann denn schon im voraus wissen, ob das Gegenüber interessiert ist oder nicht, wenn man es nicht versucht?
Dazu kommt diese Online- und KI-Hype.