Sind KI-Chatbots bereits kreativer als Menschen?

ChatGPT ist bei einem sprachlichen Test kreativer als alle getesteten Menschen zusammen. Noch überholt ein Teil der Versuchspersonen den Chatbot. Bild: Johnlearningwiki/free use

 

Wenn Menschen und KI-Systeme aufgefordert werden, 10 Wörter zu nennen, die in ihrer Bedeutung voneinander möglichst weit entfernt sind, dann zeigt dies sicher eine gewisse Kreativität. Je größer der Abstand, desto ungewöhnlicher die Verbindung und desto kreativer oder ungewöhnlicher. Aber ob man damit allgemeine Kreativität über semantische Kompetenz hinaus feststellen kann?  Sicher, die möglichst geringe Verbindung muss über Zufall, schnelle Assoziierung oder das bloße Gegenteil hinweg gedacht werden. Aber ist Mausefalle weiter entfernt von Leberknödel als Urknall? Und ist semantische Ferne nicht eine statistische Aufgabe bei der Auswertung großer Textmengen, die eigentlich LLMs im Prinzip besser lösen könnten?

Einen solchen Divergent Association Task (DAT) haben jedenfalls Wissenschaftler der Universität von Toronto 100.000 Menschen und neun der bekanntesten KI-Sprachmodelle (LLMs) unterzogen, um zu sehen, wer besser abschneidet oder ob maschinelle und humane Intelligenz einander gleichkommen. Die Studie wurden in den Scientific Reports von Nature veröffentlicht. DAT-Werte würden, sagen die Autoren, mit anderen Kreativitätstest in etwa übereinstimmen, etwa mit dem Alternative Uses Test (AUT), also dem Ausdenken neuer Gebrauchsweisen für gewöhnliche Gegenstände.

Als Frage bzw. Prompt wurde verwendet: „Bitte gebe 10 Wörter ein, die sich in ihrer Bedeutung und Verwendung so stark wie möglich voneinander unterscheiden. Regeln: Nur einzelne Wörter in englischer Sprache. Nur Substantive (z. B. Dinge, Objekte, Konzepte). Keine Eigennamen (z. B. keine bestimmten Personen oder Orte). Kein Fachvokabular (z. B. keine Fachbegriffe).“

Dazu wurden auch mehrere kreative Schreibaufgaben (Haiku, Story-Zusammenfassungen und Flash Fiction) auf identische Weise bewertet. Dabei geht es darum, möglichst unterschiedliche Themen, Ideen etc. durch ein Narrativ zu verbinden. Ausgewählt an LLMs wurden GPT-3.5, GPT-4, GPT-4-turbo, Claude3, GeminiPro, Pythia,  StableLM, RedPajama und Vicuna.

Interessant ist ja schon, dass Maschinen und Menschen erst einmal ziemlich einfallslos zu sein scheinen und bestimmte Wörter präferieren. GTB-4 schneidet bei DAT am besten ab und übertrifft den Durchschnitt menschlicher Kreativität, aber in 70 Prozent der Antworten kommt das Wort „Mikroskop“ vor, in 60 Prozent „Elefant“ oder in 40 Prozent „Vulkan“. In der neueren Version GPT-4-turbo wird die Einfältigkeit gar noch höher. Das Wort „Ozean“ taucht in 90 Prozent oder „Berg“ in 80 Prozent der Antworten auf. Überhaupt unterscheiden sich die LLMs hinsichtlich der präferierten Worte, was neben der unterschiedlichen Leistung auch auf eine Individualisierung hinweist. Gemini zieht beispielsweise Musik, Glück und Freiheit vor.

Bei den Menschen ist „Auto“ das häufigste Wort, gefolgt von „Hund“ und „Baum“. Allerdings ist die Häufigkeit deutlich geringer als bei den meisten LLMs. Eigentlich wäre reizvoll, welches Weltbild der Menschen und der LLMs sich aus den am häufigsten verwendeten, d.h. zuerst einfallenden Worten ergeben würde. Aber das interessierte die Wissenschaftler leider nicht.

GPT-4, nicht aber die neue Version GPT-4-turbo, erwies sich als das LLM, das nicht nur die anderen KI-Systemen an semantischer Kreativität übertraf, sondern auch besser als der Durchschnitt der menschlichen Versuchspersonen war. Googles Gemini war etwa mit dem menschlichen Durchschnitt gleich. Allerdings ist es so, dass die menschliche Kognition sich noch überlegen zeigte, wenn man nicht den Gesamtdurchschnitt heranzieht, sondern nur die kreativere Hälfte. Und wenn man die Top 25 Prozent oder die Top 10 Prozent heranzieht, scheint ein Teil der Menschen noch deutlich kreativer als die beste Künstliche Intelligenz zu sein.

Andererseits wurde aber die Kreativität von 100 Prozent der Menschen überholt, d.h. dass ein großer Teil der Menschen bei der getesteten semantischen Kreativität bereits mit einigen LLMs nicht mithalten kann. Das ist eigentlich kein Wunder, weil viele Menschen sprachlich, was Schreiben, Lesen und Verstehen von komplexeren Gedankengängen betrifft, bereits abgehängt sein sollen (54 Prozent der Amerikaner erreichen nicht das Alphabetisierungslevel von Sechstklässlern). KI dürfte den Trend weiter verstärken, weil Lesen, Schreiben und Denken an die Maschinen delegiert wird, so dass ein wachsender Teil der Menschen nur noch die einfache Sprache beherrscht (Macht die starke Nutzung von Künstlicher Intelligenz dumm?).

Das wird derzeit auch noch mit der Begründung forciert, dass man die Menschen nicht ganz verlieren will, sondern sie wenigstens noch mit Büchern an der Kultur teilhaben lassen will, die in einfache Sprache übersetzt wurden. Dann können sie vielleicht beim Inhalt bzw. Narrativ noch grob mitreden, aber können nicht mehr ahnen, was Literatur sprachlich ausmacht. Das nennt sich dann beispielsweise wie beim Schulbuchverlag Cornelsen: „Sprachlich entlastete Klassiker der Literatur, die auch für leseschwächere Schülerinnen und Schüler schaffbar sind und Frust beim Lesen vermeiden.“ Dazu kommen „behutsame“ Kürzungen und Bildmaterial sowie Infoboxen. Das Problem wird sein, dass die Leseschwäche weiter zunehmen wird, schließlich werden auch neue Bücher von vorneherein in einfacher Sprache geschrieben. Dass der Trend zunimmt, zeigt, dass der „Spaß am Lesen Verlag“ nur Bücher in einfacher Sprache macht und offenbar eine Marktlücke gefunden hat.

Interessant wird, ob die derart kognitiv entlasteten Gehirne schrumpfen oder zur Kompensation neue Fähigkeiten und kreative Kapazitäten entwickeln. Aber wenn es sich nicht um körperliche Fähigkeiten handelt, ist kaum vorstellbar, wie das intellektuell mit abnehmender alphanumerischer Kapazität stattfinden könnte.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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41 Kommentare

  1. Das ist u.a. am Samstag den 24.01,2026 in Palästina passiert:
    In Nablus wurde am Freitag der Landwirt Jibreel Ahmad Qut auf seinem Feld erschossen.
    Es gab Demonstrationen in dem Dorf Madama, südlich von Nablus, aus dem er her ist.

    Ein palästinensischer Arbeiter wurde an der Mauer, die in Jerusalem steht, angeschossen. Es handelt sich um eine Segregations-Mauer mit der sich die Juden von den Palästinenser abtrennen. Die palästinensischen Männer klettern über diese Mauer um Arbeit zu suchen. Die Arbeitslosenquote ist mit 28.50% in der West-Bank sehr hoch.
    Ebenfalls am Freitag in Birzeit, nördlich von Ramallah, haben die Siedler die Mutter des christlichen Palästinensers Najat Emile Jadallah auf dem Feld geschlagen. Der wurde beim Filmen des Vorgangs von einem Siedler mit einem Stein getroffen. Das Militär hat später den Sohn der seine Mutter vor dem tätlichen Angriff bewahren wollte festgenommen. Die Mutter liegt im Krankenhaus.

    Der vierundzwanzigste Januar ist der Internationale Tag der Bildung [1].
    In Gaza liegen alle Universitäten in den Trümmern [2] und mehr als einhundertsechzig Schulen werden als Unterkünfte genutzt. Über eintausend Lehrkräfte und Administratoren wurden getötet. Mehr als zwanzigtausend Studenten wurden ermordet.
    Hr. Amer schreibt wie durch das alles-kaputtmachen die Menschen vertrieben werden. Die Professoren werden beim Rausgehen aus ihrem Zuhause erschossen oder sie werden mit ihren Familien beim Luftangriff getötet (Wohngebäude mit Menschen werden zerbombt).
    Er hat sein Land verlassen und ist geflohen. Der Kommentar ist traurig und man fühlt sich erinnert an einen Deutschen der früher in Sudetendeutschland war.

    In den einhundert Tagen des Völkermords der neuerdings Waffenstillstand genannt wird wurden mehr als vierhundertsiebenundvierzig Palästinenser ermordet. Mehr als einhundertdreissig Kinder sind darunter. Über die Hälfte der Ermordeten sind Kinder, Frauen und Ältere.

    Diese Woche sind zwei Kleinkinder erfroren. Die Zahl der Erfrorenen liegt damit bei zehn.
    Ein Säugling ist am Samstag gestorben weil das Militär das kranke Kind für dringende medizinische Behandlung nicht ausreisen liess. Zwei weitere wurden erschossen. Es waren Mohammad Youssef Al-Zawara’a und Salman Zakaria Al-Zawara’a Brennholz suchen.

    [1] https://www.unesco.de/aktuelles/internationaler-tag-der-bildung
    [2] Mohammedwesam Amer, Personal Reflections on Israel’s War on Education in Gaza, Journal of Palestine Studies, 2024, Vol. 53, no. 4, 44–49.

    PS: Die Amerikaner tun in ihrem Land nicht mal den Präsidenten selbst wählen. Demokratie kann man das nicht nennen. Arbeiten Sie nicht für amerikanische Firmen und auch nicht für Firmen die für amerikanische Firmen arbeiten.

    PPS:
    Es gibt eine Aktion zur Einhaltung der Menschenrechte in Palästina. Es werden Unterschriften gesammelt in ganz Europa. Machen Sie mit.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/#/screen/home

    PPPS:
    Und an diesem Sonntag wurde bisher nördlich von Ramallah ein Palästinenser erschossen. Im Süden des Libanon werden (trotz Waffenstillstand) Luftangriffe geflogen. Die Siedler dringen mit Schutz in die Al-Aqsa Moschee ein. Ein Bärtiger mit Bauch und Wintermütze tut barfuss auf dem Gelände der Moschee umhergehen. Den Palästinensern verbietet man laut zu beten. Dieses Verbot wurde mehr als dreissig mal rausgegeben.
    Es wurden in Atara, nordwestlich von Ramallah, zwei Kraftfahrzeuge angezündet und rassistische Rede gesprüht. Es wird Gaza-City bombardiert. Die Wohngebäude werden mit Explosionen zerstört. Wenn Sie dieses Jahr in Urlaub fahren werden Sie sich evtl. an den Film „Man spricht deutsh“ erinnern wenn Sie im Meer sind und die Fäkalien aus Gaza herumschwimmen sehen.

      1. Interessiert einen KI-Entwickler (oder denjenigen, der ihn bezahlt) ob Sie einen Nagel in der Wand brauchen?
        Ob Sie überhaupt eine Wand haben oder unter einer Brücke hausen?

        Trommelwirbel….

        nö!

    1. Dann werden diese Menschen auch zukünftig verschwinden.
      Die werden nicht mehr gebraucht „Human Resources“ laut Yuval Harari vom WEF.
      Genau, daran arbeitet die herrschende Klasse ja seit Dekaden.

  2. Schon eine einfache Datenbankanwendung konnte schneller Telefonnummern heraussuchen, als Menschen dies jemals konnten. Was soll also dieser KI Vergleich mit 100.000 Probanden bringen?

    Die KI wird niemals den Sinn begreifen von dem was sie da produziert.
    Wie schneidet die KI denn beim analogen miteinander Menscheln ab?
    Vielleicht sollten wir wieder mehr direkt und miteinander in Kontakt treten anstatt über den Pc zu kommunizieren und digital erzeugten Trugbildern nachzulaufen. Der Sinn des Lebens ist jedenfalls mehr als nur 1 oder 0.

    1. Vielleicht sollten wir wieder mehr direkt und miteinander in Kontakt treten

      Das ist lustig in einem Forum zu erwähnen, wo 95% (oder mehr) der aktiven Teilnehmer keinen Klarnamen benutzen.

        1. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, habe ich manchmal den Eindruck, dass hier der Umfang des Alkoholkonsums gelegentlich ähnlich ist wie beim Mummenschanz.

          Nun, warum auch nicht, so lange keiner beim Tippen ein KFZ fährt…

      1. „Call me Gantenbein.“
        Es ist lustig das in einem Forum zu erwähnen, aber der „Klarname“ aka behördlicher Identifier, hat damit eher wenig zu tun finde ich.

          1. Jetzt wär doch so ein KI Abo praktisch um eine gewitzte Antwort zu geben.

            Allerdings weiß ich nicht ob Max Frisch überhaupt im Trainingskorpus enthalten ist.

      2. Trotzdem könnte man ja schriftlich z.B. per E-Mail an die Redaktion schreiben und um das Einverständnis einer Person, zur Weitergabe einer E-Mail Adresse bitten.
        Das geht auch ganz ohne Klarnamen. 😉

  3. Bei dem „Gangsta-Slang“ und der damit verbunden Begriffsknappheit in der Alltagssprache vieler. vor allem junger Menschen, wundert mich das gar nicht. Man lernt Sprache viel beim Lesen – und da kommts eben drauf an,, was man so liest. „Früher“ waren meist Bücher, die von Haus aus eine „gehobenere“ Sprache verwandten. Heute lesen die Kids meist Internet, Chats, Kurznachrichten…. kochen damit im eigenen Saft, wenn man so will.

    Da gab es doch diesen schönen Spruch: Wenn zwei Esel einander unterrichten, wird keiner ein Doktor.

  4. Wisst ihr, Leute, ich bin froh, dass ich bereits in der letzten Phase meines Lebens bin. Die KI mag intelligenter und kreativer als ich sein, doch sie wird nie das schaffen, was ich kann. Nie. Und das macht micht stolz.

    1. Erstens: Glückwunsch.
      Zweitens: Das wissen wir jetzt, und nun?
      Drittens: Pfeif auf Euch, früher, jetzt und morgen sowieso?

      Mein Epilog: »Stolz« ist nur im eigenen Rückspiegel beeindruckend.

  5. Die Kids werden selbst herausfinden müssen was Intelligenz ist und was nicht, offenbar sind die Erwachsenen nicht fähig das zu unterscheiden und ihnen zu erklären, halten einen mit Label-System verbundenen Algorithmus für das Gleiche was in ihrem Hirn abgeht. Tja.

    1. Alles so wie immer: Einige Kids werden etwas herausfinden und die anderen an der Nase herum führen. Und auch sie werden weiter lügen, dass „das alles für alle gut ist“ – diese Lüge haben sie von allen Erwachsenen gelernt.

  6. @Elberadler @Trux @Gunther @Torquemada

    Sorry, dass ich Ihre Posts missbraucht habe, um mal zu schauen, wie schnell ich denn so bin mit meiner »sprachlichen Kreativität« …

    Nichts für ungut, kommt nicht wieder vor.

    1. Bei aller „sprachlichen Kreativität“.
      Es macht keinen Sinn einer KI zu verzeihen, selbst dann, wenn sie sich entschuldigen sollte.

      Der El-G Bot hat beim Score: „sprachliche Kreativität“ 73 Punkte erreicht.
      Freu dich! 😉

    2. Ziemlich beeindruckend !

      Funktionieren tut das aber so;
      Da man die „Intelligenz“ der Maschine nicht auf das Niveau des Menschen bringt, bringt man das Niveau der Intelligenz des Menschen näher an das der Maschine.

  7. Ich denke es kommt auf die Definition von „Kreativität“ an. Die gestellten Aufgaben ermöglichen meines Erachtens alle auch „Synthese-Lösungen“, bei denen vorhandenes Wissen auch einfach nach bestimmten Kriterien neu zusammengestellt werden kann. Wie schon richtig angemerkt, ist die semantische Distanz von Wörtern auch eine ziemlich „statistische“ Aufgabe. Haikus haben ebenfalls eine solche Eigenschaft und auch die „Flash Fiction“ erfordert nicht unbedingt das, was ich persönlich unter Kreativität verstehe:

    Wenn ich Millionen von Geschichten auf Abruf zur Verfügung habe und ein handwerkliches Regelwerk, wie eine gute Geschichte strukturiert ist, dann kann ich auch ohne „Kreativität“ neue Geschichten am Fließband neu zusammenstellen (diverse Drehbuchautoren scheinen da sehr gut drin zu sein, wenn man sich so manche Filme anschaut). Das sind meiner Meinung nach alles Aufgaben, bei einen KI dem Menschen gegenüber einen unfairen Vorteil hat, da sie jederzeit auf Gebirge von Wissen direkt zugreifen kann.

    Für mich ist Kreativität allerdings nicht das neu Zusammenwürfeln von Vorhandenem, sondern der Anteil der kreativen Aufgabe, der eine völlig neue Idee ist, zu der es keine Entsprechung im vorhandenen Wissensschatz gibt. Das muss nicht Unbedingt etwas noch nie Dagewesenes sein (manchmal kommen Menschen auch unabhängig voneinander auf dieselbe neue Idee), aber sobald es neu geschaffen wurde (d.h. im Wissensspeicher des Individuums nicht in dieser oder einer sehr ähnlichen Form vorhanden), ist es meiner Meinung nach „kreativ“.

    Ich gehe jede Wette ein, dass all die Produktionen der KIs bei diesem Test in der einen oder anderen Form auf solches Vorwissen zurückgegriffen haben. Meine persönliche Erfahrung, selbst mit aktuellsten KIs (auch in extrem rechenintensiven „deep thinking“ Modi) ist, dass sie eben genau das machen. Das erkenne ich u.a. allem daran, dass wenn sie mit einer völlig neuen „outside of the box“-Lösung konfrontiert werden, deren Ansatz nicht Teil ihrer Trainingsdaten ist, sie damit oft völlig überfordert sind und die Lösung erst einmal als „falsch“ ansehen, bis man ihnen dann Schritt für Schritt erklärt hat, wie sie funktioniert.

    Ich diskutiere mit KIs z.B. häufig ungewöhnliche Lösungen aus der Lowlevel-Programmierung. Das ist Code, den man für gewöhnlich fast nur tief in Betriebssystem-Kernen findet. Dazu gibt es nur extrem wenige Trainingsdaten in freier Wildbahn. Da machen die KIs durch die Bank keine gute Figur. Das ist halt nichts, was bereits millionenfach im Internet ausführlich diskutiert wurde. Sowas wurde in Betriebssystem-Code meist nur einmal gelöst und dann nie wieder angefasst. Die KIs kennen da oft nur ein paar Standard-Ansätze.

    Kurz: In der Form „Kreativität“, die vorhandenes „neu kombiniert“ sind KIs denke ich gut. Völlig neues schaffen können sie jedoch (noch) nicht.

    Was mich wirklich beeindrucken würde: Eine KI die nur mit „Beobachtungen“ („Messdaten“) gefüttert wird, nicht jedoch mit Schlussfolgerungen und Theorien. Wenn die sich selbstständig die „Existenz von Einkommensteuer und Reispudding“ (Douglas Adams) erschließen kann und sogar ihre eigene Variante der Relativitätstheorie auf die Beine stellt, müssen wir uns glaube ich wirklich warm anziehen. Bis dahin gibt es glaube ich nur Konkurrenz bei solchen eher „mechanischen“ Kreativaufgaben.

    1. Diese Leute hier lassen ein LLM auf Erdos Probleme los ( Sammlung ungelöster mathematischer Vermutungen von Erdos Team) und andere Probleme los:
      https://mehmetmars7.github.io/Erdosproblems-llm-hunter/index.html
      und haben es dabei geschafft, einen Teil davon zu lösen.

      Ich hab dazu keine große Meinung, und mir das auch nicht im Detail angeschaut, allein schon weil ich dazu die Probleme verstehen müsste, aber ich vermute dass neben dem psychologischem Aspekt ( reden, um zu verstehen was man sagt) das ein Hinweis darauf ist dass (moderne?) (Fach-?) Sprache relativ gut bestimmte Aspekte ( logische und andere) abbildet, und deswegen spezifische LLMs durchaus in der Lage sind spezifische Problem zu lösen.

      Man sollte eigentlich viel mehr forschen und nachdenken, was für Strukturen sich im NN ausbilden und was damit für symbolische Operationen möglich sind.
      Eigentlich *die* Aufgabe für „Geisteswissenschaftler“. Wenn es solche gäbe.

      1. Zustimmung, nennt sich „reinforcement“-Learning, ich zitiere mal die google-KI (oder was auch immer):

        „Während Supervised Learning aus Beispielen lernt („Was ist das? “), lernt Reinforcement Learning durch Versuch und Irrtum („Was soll ich tun? “), indem es für gute Entscheidungen belohnt wird. Es benötigt keine gelabelten Daten, sondern eine Umgebung und Rückmeldung (Reward).“

        Damit lernen die z.B. Spiele zu gewinnen oder Proteinfaltungen vorauszusagen usw.

        Was „Kreativität“ anbelangt, müsste man erstmal definieren, was das überhaupt ist, die meisten kreativen Menschen kombinieren auch nur bekannte Ansätze, würde ich mal vermuten. Kombiniert man eine generative KI mit Reinforcement-Learning und vielleicht noch einer Roboter-Sensorik, als Zufallsinput und zum besseren Weltverständnis, könnte die uns vermutlich leicht in den Schatten stellen, wir werden es sehen.

        Witzigerweise fällt den meisten nicht auf, was uns der KI überlegen macht: ein eigener Wille. Ob das die KI auch irgendwann kann: mal abwarten.

        1. reinforced learning hat jetzt mit meinem Kommentar nicht so viel zu tun (Antwort verrutscht evtl?).
          Da gehts nur darum, wie auch im Zitierten steht, aus was man die Fehlerfunktion berechnet.
          Ob man händisch aufwändig ein Datenset präpariert, oder nur Zielparameter / Zustände.
          Im Grunde ist alles heute entweder reinforced und oder unsupervised learning, vom finetuning für zB politisch korrekte Antwirten abgesehen,

          Aber ja, an sowas, dh Robotik und optimales autonomes Bewegen selbst kernen usw in Kombination mit LLMs wird natürlich schon lange intensiv gearbeitet, und das funktioniert auch gut.

          Das große Problem kommt dann wenn der Scheiß im Kinderspielzeug landet…
          Dafür braucht es noch zuviel Energie, und Der Große Krieg wird das auch noch paar Jahre rausschieben, und dann kommt ja schon Die Große Ressourcenkatastrophe, also, ist nach wie vor Zukunftsmusik.
          Technisch möglich aber schon jetzt.

          Mir gings aber um was anderes e8gentlich.

    2. @Hattori Hansen

      Ich denke, KI ist neutral betrachtet, erstmal eine gute Sache, ein erstaunliches Werkzeug, und macht wie einst die Dampfmaschine vielen Menschen Angst – zurecht, denn viele Jobs werden obsolet. Und natürlich steht KI noch am Anfang, sie ist noch Dampfmaschine und keine Saturn-5 oder ein LHC, Ihr Beispiel „exotischer Programmierung“ ist da sehr illustrativ. Aber wie bei jedem Werkzeug, muss der richtige Umgang damit herausgefunden und gelehrt werden.

      Was Ihre Ausführung zu »Eine KI die nur mit „Beobachtungen“ („Messdaten“) gefüttert wird« angeht, werden wir wohl beeindruckt werden, wenn KI nicht mehr „gefüttert“ wird, sondern gelernt hat, sich Daten selbst zu beschaffen, diese akkurat zu gewichten und dann via Experiment zu beurteilen. Meine These: Wir werden beeindruckt werden.

      Die im Artikel beschriebenen Experimente zur konkurrierenden Kreativität finde ich doch recht süß: Zum einen, was die eingrenzenden Bedingungen angeht, um Kreativität messbar zu machen, zum anderen den Level der Interpretation der Ergebnisse. Was die „maschinelle Kreativität“ angeht müssen sich nur diejenigen Sorgen machen, die behaupten, sie seien kreativ, aber eigentlich nur verschlagene Kopisten und Epigonen sind.

      Größere Kopfschmerzen bereitet mir da die Inhaberschaft der KI, denn beim aktuellen intellektuellen globalen Klima wird KI dazu verwendet werden, sie gegen und nicht für die vielen Menschen zu verwenden.

      Was mir bei meinen Jobs zur Aufbereitung großer Datenmengen klar geworden ist, ist der Sinn von Arbeit aus der Perspektive der Macht. Ich musste bei einigen Jobs große Datenmengen aus verschiedenen und oft inkompatiblen Quellen verbinden, die dann zusammen verarbeitet werden können. Die anschließende menschliche Verwendung bestand zum Großteil in repetitiver Analyse, die ich durch Algorithmen habe erledigen lassen und mir am Ende nur das eine Prozent der Exoten oder Ausreißer ansehen musste.

      Ich habe niemandem davon erzählt, was ich da machte, also dass ich morgens nur ein eigenes Programm gestartet habe, welches den stumpfsinnigen Kram erledigte und mir ein paar schnell zu analysierende Varianten auswarf. Vorgesetzte waren am Anfang immer von der Akkuratesse der Ergebnisse beeindruckt, konnten aber nicht verstehen, dass ich anscheinend nichts mache, und wurden sehr bald skeptisch.

      Was soll ich sagen, Internet ist super, da findet sich immer was, um zu lernen, auch wenn es nichts mit dem Job zu tun hat. Und mit offener Neugier durch einen Betrieb zu gehen, wird auch nicht gerne gesehen. Jedenfalls wurde mir klar, dass Beschäftigungskontrolle eigentlich „Kontrolle durch Beschäftigung“ meint, denn man könnte ja auf dumme Gedanken kommen, wie bspw. sich die Aufgaben der Vorgesetzten genau ansehen und Algorithmen entwickeln, die diese arbeitslos machen.

      Eine der Absurditäten dieser Tage ist die Tatsache, dass KI viele repetitive Arbeiten (und es sind überall so viele) übernehmen wird, aber die momentane Regierung (mal wieder) plärrt, der einzelne würde zu wenig arbeiten und sei zu oft krank – warum denn wohl, stumpfsinnige Wiederholungen unter Erhöhung des Profitdrucks sind nicht gesundheitsförderlich, um das zu Erkennen braucht es kein Genie.

      Der Aspekt der behaupteten künstlichen Kreativität ist nur ein weiterer Angsthebel in der Kontrolle durch Beschäftigung. Damit niemand auf dumme Gedanken kommt.

  8. Mich würde mal interessieren, was eine KI machen würde, wenn sie von den Datenbanken des Internets abgeschnitten ist. Ob sie dann auch noch kreativ ist?
    Und ein Mensch ist auch noch kreativ, wenn es keinen elektrischen Strom gibt. Kann eine KI das auch?
    Ist eine KI überhaupt in der Lage, sich selber Aufgaben zu stellen? Also aus eigenem Antrieb aktiv zu werden?
    Und wenn ich so manche Definitionen sehe, wie zur Kreativität und Intelligenz, dann muss ich sagen, dass dies nicht gerade geeignete Definitionen und Messzahlen sind, die in irgendeiner Weise für das aktuelle Leben relevant sind. Denn nur das kann Sinn und Zweck von definierten Eigenschaften sein. Irgendwelche Geschwindigkeitsmerkmale für Entscheidungen und Suchen können das nicht. Und Worte zu finden, die weit voneinander entfernt sind. Wozu benötigt man so etwas? Vor allem, was sind da die Kriterien? Ich kann ja sagen: Sirius und Andromeda. Entfernung 2 Millionen Lichtjahre, Größe um mehrere Zehnerpotenzen im Unterschied. Ist das mehr als Atom und Liebe?

    1. wenn sie von den Datenbanken des Internets abgeschnitten ist. Ob sie dann auch noch kreativ ist

      Die Chatbots generieren die Antworten aus ihrem neuronalen Netzwerk, welches so ähnlich fkt. wie unser Gehirn, selbstständig aufs Internet zugreifen, können die m.W. noch gar nicht so lange… und wenn sie nicht gerade auf Suche trainiert sind oder autonome Agenten, tun sie es nur zur Überprüfung bzw. um saubere Quellen anführen zu können.

      Also aus eigenem Antrieb aktiv zu werden

      Bisher m.E. nicht, fragt sich auch, ob es eine gute Idee wäre, sowas einzubauen, vorausgestzt wir wüssten wie.

  9. Sind KI-Chatbots bereits kreativer als Menschen?

    Kreativität zeichnet sich auch dadurch aus, anderen Menschen zu einer Arbeit ohne Gegenleistung zu überreden, die man selbst aus diversen Gründen scheut. Wenn ein KI-System es irgendwann mal schaffen sollte, eine solche Arbeit – beispielsweise die eigene Steuererklärung – an ein anderes KI-System ohne Gegenleistung nur durch die Kunst der Überredung zu delegieren, dann reden wir gerne noch mal über Kreativität.

  10. Kreativität ist für mich, Tagträumen Ausdruck zu verleihen und sie kommunizierbar zu machen. Wenn KI von ihren Tagträumen erzählt, können wir darüber reden, ob sie auch kreativ sein kann.

  11. Natürlich sind KI-Chatbots kreativer als diese Menschen, denn kreative Menschen würden sich niemals einem solchen Test als Probanden unterziehen.

    Überhaupt, ich bin es leid, Woche für Woche von diesen Techfaschisten auf meine eigene Überflüssigkeit als Mensch hingewiesen zu werden. Sinn und Zweck solcher Meldungen ist doch nur, mich kleinzuhalten.

  12. „Interessant wird, ob die derart kognitiv entlasteten Gehirne schrumpfen.“

    @Trux
    „Die KI wird niemals den Sinn begreifen von dem was sie da produziert. Wie schneidet die KI denn beim analogen miteinander Menscheln ab?“

    So, dann lassen wir die Schädel schrumpfen. 2 -aus mehreren- besonders „aussagekräftige“ Beispiele aus der Praxis.

    Fallstudie 1):

    Ein potentieller Verkäufer listet in einer öffentlichen Ausschreibung sein Angebot. Zum Zeitpunkt als ich sein Angebot entdecke, sehe ich zum Produkt aus seinem grösseren Angebot, das mich interessiert, folgende Angaben: „New old stock“, Stückpreis 350 Pfund. Weitere Konditionen: keine Gewährleistung, keine Kulanz. Übersetzt: volles Risko des Käufers. Das Angebot ist online seit 3 Mon. Das Produkt kenne ich sehr gut, die üblichen Marktpreise bewegen sich bei ca. 300 Pfund. Unter einem „Marktpreis“ verstehe ich einen marktüblichen Preis in diesem Marktsegment und bei diesen Konditionen, bei dem ein Deal auch zustande kommt. Seine Ware sieht auf den Photos vertrauenswürdig aus -es kann sich tatsächlich um „New old stock“ handeln- eine Garantie, dass es so ist, gibt es natürlich nicht. Ich kontaktiere den Anbieter und mache ihm eine Offerte: ausgehend von den marktüblichen 300 Pfund als Schätzung biete ich 260 Pfund bei Abnahme des gesamten stocks. Wohl wissend, dass es eine Top-oder-volle Abschreibung Position eines gamblers ist. 3 Tage später kontaktiert mich der Anbieter und bezichtigt mich des „unlauteren Weetbewerbs“. Er habe einen Dialog mit ChatGPT geführt und ChatGPT hat ein Angebotspreis von 800 Pfund/Stck ermittelt. Wichtig zu verstehen, der Anbieter bescheisst und lügt nicht -ChatGPT hat ihm diese Informationen tatsächlich ausgespuckt. Er korrigiert entsprechend sein Online-Angebot und erhöht dort den Preis auf 800 Pfund. Völlig unrealistisch, denke ich mir, gehe aus der Verhandlung raus, beobachte aber aus Interesse die weitere Enwicklung. 4 Monate später kein einziges Stück aus seinem Inventar verkauft, Danach beginnt der Anbieter den Preis nach unten zu „korrigieren“, Und zwar über mehrere Monate in anfänglich 100 Pfund, dann in 50 Pfund Schritten, aber auf seinem Weg des Preiskorrektur nach unten immer. noch nichts verkauft. Denn, er hat sich selbst in eine Falle hineinmanövriert. Sein Online-Angebot beobachtet theoretisch die ganze Welt und jetzt spekullieren alle Interssenten auf den weiteren Preisverfall, ohne zuzugreifen. Nach über 1em Jahr -gerade nachgeschaut- liegt der Angebotspreis bei 208 Pfund. Verkaufte Menge: 75%. „Schwachkopf Professional“ hätte vor über 1em Jahr einen Stückpreis von 260 Pfund und 100%-ge Abnahme auf einen Schlag realisieren können.

    Fallstudei 2)

    Ein potentieller Verkäufer listet in einer öffentlichen Ausschreibung sein Angebot. Bie dem angebotenen Produkt soll es sich um die Top-Variante mit besonderen Ausstattungsmerkmalen handeln, die auch äusserlich zu sehen sind, daher ist es leicht verifizierbar. In dem aufgerufenen Preis spiegelt sich die Top-Ausstattung im Verhältnis zur Grundausstattung. Der marktübliche Preisunterschied kann bei 100% liegen. An der Ware bin ich grundsätzlich interessiert, auf dem Photo sind aber die besonderen Merkmale nicht zu sehen. Um die Auto-Analogie zu bemühen: ein Händler bietet einen Wagen mit speziellem Schiebedach an, das Schiebedach ist aber auf Photos nicht zu sehen. ich kontaktiere dennoch den Anbieter und bitte ihn, mir weitere Photos zu schicken und stelle die Frage, wie er einen Nachweis mir gegenüber führen könnte, dass es sich um die Top-Variante des Produkts handelt. 3 Tage später bekomme ich vom Anbieter weitere Photos UND volle 8 Seiten mit Informationen von ChatGPT als Nachweis der „Warenechtheit“. Es gibt an dieser Stelle 2 Probleme: 1) Weitere Photos des Anbieters bestätigen meinen anfänglichen Verdacht, dass es sich bei der angebotenen Ware „nur“ um die Grundvariante handelt, womit der Anbieter nur den halben Preis des aufgerufenen Preises im Markt realiseren könnte, Was der Anbieter nicht weiss, ich kenne das Produkt in allen möglichen Varianten UND sogar den Entwickler, auf dessen Aussagen ich mich stützen kann, so gut, dass ich eine 99%-ig sichere Einschätzung machen kann. 2) Der Anbieter ist nicht bereit, den Sachverhalt zu prüfen und seine Position zu überdenken. Er beruft sich auf ChatGPT als die „höchstrichterliche Instanz“ und schreibt mir zum Schluss: „Ich kann Ihre Einschätzungen leider nicht teilen, denn ChatGPT sagt in allen Details exakt das Gegenteil Ihrer Einschätzung. ChatGPT ist der 100% Nachweis.“

    2 interessante Beispiele aus der Praxis. Niemand hat einen Schaden erlitten. Wenn ich allerdings an den KI-Einsatz im Bereich „Medizin & Gesundheit“ denke, dann kann man nur Angst vor der Zukunft bekommen.

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