
Saudi-Arabien will als weltoffen wahrgenommen werden und seinen internationalen Einfluss steigern. Doch die Menschenrechtsbilanz ist erschütternd. Die Zahl der Hinrichtungen steigt. Nun wurden an einem einzigen Tag sieben Menschen hingerichtet.
„Ich bin in unerforschten Gegenden gelandet – habe Dinge gesehen, die du nicht glauben würdest“, so wirbt die saudische Tourismusbehörde mit bunten schönen Bildern von Naturwundern und archäologischen Stätten im Königreich. Das Land hat sich für Touristen geöffnet und gibt den Gastgeber für politische Verhandlungen, Kino-Festivals und internationale Sport-Events.
Der Schein trügt. „Das Image, das sich Saudi-Arabien gibt, entspricht nicht der Realität“, sagt Julia Duchrow, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International. Um die Menschenrechte ist es schlecht bestellt im Land. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien zum zweiten Mal in Folge einen Rekordwert erreicht: Die Behörden richteten 356 Menschen hin, 243 davon wegen Drogendelikten. 2024 hatten insgesamt 338 Hinrichtungen stattgefunden.
Nun wurden an einem einzigen Tag sieben Menschen hingerichtet. Der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge handelt es sich bei den am Sonntag in der Region Riad hingerichteten Menschen um fünf Staatsangehörige Saudi-Arabiens und zwei Jordanier. Sie seien wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden, sie hatten Amphetaminpillen in das Königreich geschmuggelt.
Seit Anfang des Jahres haben in Riad bereits 38 Hinrichtungen im Zusammenhang mit Drogenvergehen stattgefunden. Dies entspricht laut einer Zählung auf der Grundlage offizieller Daten dem Großteil der insgesamt 61 vollstreckten Hinrichtungen. 33 der Hingerichteten waren demnach ausländische Staatsangehörige – womit Ausländer den Großteil der in diesem Jahr Hingerichteten ausmachten. Diese Zahlen sind beispiellos. Auch widersprechen sie den Versprechen von Kronprinz Mohammed bin Salman. Er hatte angekündigt, die Hinrichtungen auf Mordfälle zu beschränken. Doch die Zahlen entlarven diese Versprechen als falsch.
Saudi-Arabien hatte die Vollstreckung der Todesstrafe in Zusammenhang mit Drogendelikten rund drei Jahre lang ausgesetzt – Ende 2022 wurden die Hinrichtungen wieder aufgenommen. Nach Angaben von Amnesty International sind seither rund 40 Prozent der Hingerichteten wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden. Die genauen Vorwürfe seien häufig unscharf, die Prozesse unfair.
Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, in denen weltweit am häufigsten die Todesstrafe verhängt wird. Mehr Hinrichtungen als in Saudi-Arabien gibt es laut Menschenrechtsorganisationen nur in China und dem Iran. Doch trotz der schlechten Menschenrechtsbilanz und der hohen Hinrichtungszahlen ist Saudi-Arabien alles andere als isoliert. Das Land spielt wirtschaftlich eine zentrale Rolle für Europa, primär als bedeutender Energiepartner, wachsender Investitionsmarkt und Schlüsselakteur in der Transformation hin zu grüner Energie. Die Europäische Union ist zweitgrößter Handelspartner und der größte ausländische Direktinvestor im Königreich. Und dann lockt die saudische Tourismusbehörde auch noch mit ihren bunten Bildern von Naturwundern und archäologischen Stätten … Für einen Blick auf die Menschenrechts-Realität bleibt da kaum Zeit.




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