
Am 4. Juni hatte der ukrainische Präsident Selenskij einen offenen Brief an den russischen Präsidenten Putin geschrieben, indem er diesen zu direkten Gesprächen mit ihm aufforderte. Den Brief zu veröffentlichen, war schon ein Zeichen, dass es Selenskij nicht um Diplomatie ging. Der ganze Brief zeugte davon, dass Selenskij sich auf der Siegerseite sieht und die Russen im Niedergang. Entsprechend machte er Putin nieder und wiederholte die seit einiger Zeit laufende Kampagne der ukrainischen Überlegenheit. Am Schluss schrieb er etwas gönnerhaft:
„Wenn Sie nicht selbst zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, diesen Krieg zu beenden, wird die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpfen. Wir werden diejenigen haben, die uns unterstützen. Aber auch Sie werden viel härter um Ihre eigene Existenz kämpfen müssen – nicht um die Russlands, sondern um Ihre eigene. Und das ist keine Drohung von mir oder von der Ukraine. Es ist eine Tatsache der russischen Geschichte, die Sie nur zu gut kennen: Wenn Russland müde wird, kommt der Wandel.“
Natürlich wusste man in Kiew, dass Putin auf diesen Brief nicht reagieren und er ihn als unverschämt betrachten würde. Man muss davon ausgehen, dass die Selenskij-Regierung dies auch wollte, um vorzugeben, für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen einzustehen, aber eigentlich den Krieg mit den europäischen Verbündeten fortsetzen zu wollen. Das kristallisierte sich als Muster des mit den europäischen Unterstützer- oder Kriegsparteienstaaten gemeinsamen Vorgehens heraus, zu dem auch die Drohnen-Angriffe auf die Energie-Infrastruktur Russlands in St. Petersburg, Moskau und anderen weit von der Grenze zur Ukraine entfernten Orten gehören. Die Luftabwehr beider Seiten wird überwältigt von massenhaften Drohnenangriffen, es kann nicht verhindert werden, dass einige durchdringen und ihr Ziel erreichen. Die Unterstützerstaaten haben die weitreichenden Drohnenangriffe auf zivile Infrastruktur, gemeinsam mit Donald Trump, auch zuletzt auf dem G7-Gipfel begrüßt und sind auch nicht auf die vermutlich gezielten ukrainischen Angriffe kürzlich auf einen Bus und eine Schule eingegangen, durch die 8 bzw. 32 Menschen starben. Das war kurz vor dem Brief an Putin geschehen (Deep Strikes und vermehrte zivile Opfer auf beiden Seiten eskalieren den Krieg).
Dabei wurde auch auf angeblich direkte Angriffe auf zivile und kulturell wichtige Orte wie das Höhlenkloster in Kiew verwiesen. Dessen Dach wurde wahrscheinlich durch herabfallende Teile von Drohnen oder von Abfangraketen in Brand gesetzt, aber suggeriert und vielfach von Medien übernommen wurde, es habe sich um einen beabsichtigten Angriff auf die ukrainische Kultur und Identität gehandelt. Russische Drohnenangriffe auf Zivilisten und zivile Fahrzeuge werden von beiden Seiten durchgeführt. So wurde etwa nach ukrainischen Berichten ein Sanitätsfahrzeug und einen Bus am 16. Juni in Cherson von russischen Drohnen angegriffen. Berichtet wurde von einem Toten und sechs Verwundeten.
„Wenn er (Lukaschenko) das nicht abschaltet, werden wir das machen“
Seit einiger Zeit scheint Kiew auch zu versuchen, Belarus in den Krieg hineinzuziehen. Washington hat seine Sanktionen gegen das Land aufgehoben, was Kiew nicht gefällt. So wird behauptet, Russland plane eine Offensive gegen die Ukraine von Belarus aus. Robert “Magyar” Brovdi, der provokative Kommandeur der ukrainischen unbemannten Streitkräfte, sagte Ende Mai, man hätte 500 Ziele in Belarus des „Gauleiters“ Lukaschenko im Visier.
Eine Bedrohung der Ukraine durch Belarus selbst ist unwahrscheinlich, zumal Lukaschenko versucht, Belarus möglichst aus dem Konflikt herauszuhalten und die Beziehungen mit den USA auszubauen. Lukaschenko antwortete auf die Frage, ob die Ukraine etwas von Belarus zu befürchten habe: „Absolut nichts. Absolut nichts. Und das wissen sie, das Militär weiß es. Das ukrainische Volk weiß es. Diese Angelegenheit wird von politischen Ambitionen geschürt.“ Es gab auch bislang keine Anzeichen für eine russische Truppenverlegung nach Belarus oder für Vorbereitungen einer Invasion durch die belarussische Armee, die im Übrigen viel zu klein wäre, einen ukrainischen Angriff abzuwehren, ohne eine Massenmobilisierung vorzunehmen. Das könnte aber schnell geschehen, was die Ukraine, unter Personalmangel leidet, vor das Problem stellen würde, eine weitere, 1000 km lange Grenze zu sichern.
Gestern bezichtigte Selenskij Belarus, den Russen bei Drohnenangriffen auf die Ukraine zu helfen. Er stellte das Ultimatum, dass Belarus innerhalb einer Woche Kommunikationsausrüstung (Repeater), die angeblich zur Koordination russischer Angriffe auf zivile Orte, nicht auf Ziele an der Front dienen, entfernen müsse. Ansonsten würde die Ukraine selbst tätig werden, was auf einen bewaffneten Konflikt hinausliefe: „Wenn er (Lukaschenko) das nicht abschaltet, werden wir das machen.“ Selenskij beschuldigte Belarus zudem, den russischen Truppen Treibstoff zu liefern. Beides Vorwürfe, die Selenskij als Legitimation für Angriffe auf Belarus sieht, was allerdings Russland umgekehrt auch die Legitimation bieten würde, die europäischen Unterstützerstaaten anzugreifen.
Selenskijs Warnung folgte auf eine Entschuldigung von Lukaschenko in einem Interview am 15. Juni für harsche Worte. Er habe auf Drohungen reagiert, etwa dass 500 Ziele festgelegt worden seien und man wisse, wo sich Lukaschenko aufhalte: „Ich schwieg. Alle waren überrascht, dass ich schwieg. Ich verstand: Dieser Mann steht unter enormem Druck, ein junger, unerfahrener Mann, kein Militär. Vielleicht hat etwas in seinem Kopf nicht funktioniert. Ich schwieg. Aber als sie anfingen, mich zu bedrohen, war ich gezwungen zu reagieren. Falls sich Wladimir Alexandrowitsch beleidigt fühlte, entschuldige ich mich für diese Worte.“
Drohnenangriff auf Bus mit belarussischen Kindern
Die Entschuldigung wies Selenskij zurück, überdies war es am 17. Juni zu einem Drohnenangriff auf einen mit 48 Personen besetzten Bus in der Region Brjansk gekommen, der eine belarusische Kinderfußballmannschaft aus Gomel (Belarus) in ein Sommercamp nach Gelendschik in der Region Krasnodar bringen sollte. Viktoria Goroshko, eine gebürtige Luhanskerin und Frau des Trainers, wurde getötet, sechs weitere Personen, darunter vier Kinder, wurden verletzt. Lukaschenko bezeichnete den Angriff als Verbrechen und beschuldigte die Ukraine: „Und das ist nicht einmal ein Terrorakt: Das ist offener Faschismus, wenn sie Kinder angreifen. Wir ziehen keine voreiligen Schlüsse, aber wir stellen klar fest, dass es sich um eine Drohne ukrainischer Herkunft handelt. Das ist eine ukrainische Drohne.“
Der Bus sei zusammen mit einem weiteren unterwegs gewesen, wird von Belarus betont. Beide seien deutlich mit dem Hinweis auf „Kinder“ markiert gewesen, es habe keine militärischen Stellungen oder Soldaten in der Nähe gegeben. Vladimir Pertsov vom belarussischen Präsidialbüro sagte, dass nach dem Angriff auf den Bus weitere Drohnen über diesem gekreist seien: „Die Drohne war mit Splittergeschossen bestückt, die nicht den Bus in die Luft sprengen, sondern den Menschen im Inneren möglichst viele Opfer zufügen sollten. In dem Gebiet waren zahlreiche Drohnen im Einsatz. Dies deutet darauf hin, dass die Operation von menschlichen Bedienern koordiniert wurde und nicht von künstlicher Intelligenz. Es handelte sich nicht um eine Drohne, deren Akku fast leer war und die einfach wahllos irgendwo einschlug (wie einige sogenannte Oppositionsmedien behaupten).“ Nach Lukaschenko habe dies der Busfahrer berichtet.
Der ukrainische Inlandsgeheimdienst sieht eine russische „Sonderoperation“ hinter dem Angriff
Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte wies in einer Stellungnahme jede Schuld von sich. Es seien zu der Zeit keine Drohnen gegen Ziele in Brjansk eingesetzt gewesen, man greife nur „legitime militärische Ziele“ an, während Russland zivile Orte systematisch angreife: „Wir betrachten solche Berichte als eine weitere vom Kreml inszenierte Informationsprovokation. Da die Russische Föderation ihre erklärten Ziele auf dem Schlachtfeld nicht erreichen kann und erhebliche Verluste erleidet, greift sie zunehmend auf Informationsmanipulation und die Erfindung von Anschuldigungen gegen die Ukraine zurück.“
Das klingt so, als habe es den Angriff nicht gegeben oder als hätten ihn die Russen als eine False-Flag-Aktion selbst ausgeführt. Diese geläufige Argumentation ist absurd, wird aber dennoch in Kiew unverdrossen vertreten und im Westen stillschweigend akzeptiert. Tatsächlich behauptet der ukrainische Geheimdienst SBU, er habe ein „offizielles“ russisches Dokument der Regionalabteilung der Einsatzzentrale des gemeinsamen Nationalen Zentrums“ abgefangen, nach dem in der Nähe des Vorfalls keine Drohnen gesichtet worden seien. Auch ein Offizier des Radarbataillons in Suponevo habe keine Anwesenheit von Drohnen bestätigen können.
Der wenig verlässliche Geheimdienst folgert, was auch die privaten ukrainischen Medien mehr oder weniger wörtlich wiedergeben: „Folglich hat der SBU Grund zu der Annahme, dass der Anschlag auf den Bus mit belarussischen Staatsbürgern in der Region Brjansk (Russland) eine von den russischen Geheimdiensten durchgeführte Sonderoperation war.“ Das würden die Russen immer wieder machen, „um ihre Informations- und psychologischen Operationen durchzuführen und auf internationaler Ebene Druck auf die Ukraine auszuüben“.
Dem schließt sich auch Selenskij an, der natürlich darin den Versuch sehen will, dass Russland Belarus in den Krieg hineinziehen will: „Was den Drohnenangriff auf den Bus mit den belarussischen Kindern angeht, so haben es alle bereits zugegeben, internationale Experten und, wie ich meine, auch die ‚Russen‘, geben zu, dass es nicht unser Angriff war. Die ‚Russen“ werden viele verschiedene Provokationen durchführen, um die Bevölkerung von Belarus in diesen Krieg hineinzuziehen. Dies ist eine davon.“
Man hat den Eindruck, Selenskij sieht sich im Augenblick im Höhenflug – gestärkt durch die Rückendeckung und neue Milliarden (Bundeskanzler Merz: „Russland kann diesen Krieg militärisch nicht gewinnen“). Er könnte Belarus provozieren wollen, um den Konflikt zu eskalieren und Friedensgespräche aufzuschieben, nachdem die Unterstützerstaaten sich weiter hinter die Ukraine und eine militärische Lösung gestellt haben und die Donald Trump sich dem wieder angeschlossen hat. Nach Mitteilungen des ukrainischen Grenzschutzes wird der Schutz der Grenze zu Belarus hochgefahren, auch wenn es dort noch keine Konflikte gibt.
Ein Angriff auf Belarus würde allerdings die Ukraine vor erhebliche Risiken stellen. China hat im Rahmen der militärischen Kooperation Unterstützung im Falle eines Angriffs aus der Ukraine zugesagt. Es gibt ein Freundschaftsabkommen mit Nordkorea und Minsk und Moskau haben gedroht, im Falle eines Angriffs auf Belarus auch Atomwaffen gegen den Angreifer einzusetzen. Raketen und Drohnenangriffe auf Kiew aus Belarus wären gefährlich, weil geringere Entfernung.
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Das Muster ist doch jedesmal das Gleiche wenn von Selensky ‚Verhandlungsvorschläge‘ kommen: Angriffe auf zivile Ziele, bei denen Vorsatz sehr wahrscheinlich ist. Ist mit den Angriffen auf die Busse jetzt so, war mit Angriffen durch FPV-Drohnen auf beliebige Autos an einer Ampel in Belgorod oder anderen nahe der Ukraine liegenden Städten genauso.
Russische Drohnenangriffe auf Zivilisten und zivile Fahrzeuge werden von beiden Seiten durchgeführt. © Florian Rötzer
Das passt gut: Auch auf das von Russ-land besetzte AKW werden Angriffe von beiden Seiten durchgeführt : von ukr.
Seite, von russischer Seite, oder auch von
Biden Seite, das meint mal wieder das Schreibprogramm.
Selenski ist verzweifelt, an der Front läufts miserabel. Er sieht wohl seine einzige Chance darin, den Krieg auszuweiten, die Europäer den Rubikon definitiv und offiziell queren zu lassen. Mit ihrem Verhalten ermutigen die Europäer solche Fantasien. Teufels Küche ist ganz in der Nähe und Merz möchte da unbedingt hin.