
Die sich immer weiter verbreitende Todeszone an der Front zwischen den russischen und ukrainischen Truppen wird Tag und Nacht kontrolliert von Überwachungs- und Kamikaze-Drohnen. Sie verhindern größere Truppenbewegungen und den Einsatz von schweren und großen Fahrzeugverbänden wie Panzern. Auch einzelne Soldaten oder kleine Gruppen können sich nur in der Nacht oder bei schlechtem Wetter unter hoher Gefahr bewegen. Versorgung oder Abtransport von Verletzten und Toten etc. wird zunehmend mit Bodenrobotern geleistet, die aber auch bewaffnet Kampfeinsätze ausführen können.
Es erscheint kurios, dass in einem Hightech-Krieg so primitive Mittel wie Netze zu einer wirksamen Schutzmaßnahme zumindest vor kleineren Drohnen werden können, während Bodenroboter wie größere Fahrzeuge durch Gräben, Minen und andere physische Barrieren wie Drachenzähne abgewehrt werden können. Das könnte in Zukunft dazu führen, dass humanoide Roboter am Boden eingesetzt werden. Erste Versuche werden angeblich bereits gemacht (US-Firma testet humanoide (Kampf)Roboter in der Ukraine).

Gegen kleinere FPV-Drohnen, die an der Front eingesetzt werden, sucht man vor allem Straßen, aber auch Gebäude, Infrastruktur und Teile von Städten durch Netze zu schützen, während die Soldaten in befestigten Unterständen und Bunkern verharren. Im Frontgebiet der Ukraine wurden bereits Tausende von Kilometern mit Netzen überzogen. Bis Ende des Jahres sollen weitere 4000 km Straßen durch Netze abgedeckt werden. Militärische Fahrzeuge sind trotzdem oft noch einmal durch teils bizarre Panzeraufbaubeuten und Käfige geschützt, so dass die Netze von sieben Meter hohen Masten gehalten werden. Netze werden immer wichtiger, weil die Todeszone weiter reicht und bislang relativ sichere Regionen zu Jagdgebieten werden. Nämliches geschieht auf russischer Seite. Selbst Tanks in Öldepots werden mit Netzen eingefasst, was aber natürlich nichts nützt, wenn größere Drohnen oder Raketen einschlagen.
Da immer mehr Drohnen zum Schutz vor Jammen über dünne, kilometerlange Glasfaserkabel gesteuert werden, überziehen Landschaft, Dörfer und Städte ein Geflecht von diesen glänzenden Kabeln.

Vor dem Besuch in Berlin und seiner Tour durch andere europäische Hauptstädte, um Gelder, Waffen und Rüstungskooperationen einzusammeln, hat der ukrainische Präsident in der Ukraine hergestellte Waffen mit einem Video angepriesen. Das geschieht im Rahmen einer Kampagne, die den Eindruck erwecken soll, dass die Ukraine militärisch erfolgreich sei, um Unterstützung für Waffen und Geld einzufordern, und den Krieg zu verlängern. So wird seit einiger Zeit behauptet, die ukrainischen Truppen seien dank der Drohnen so gut geworden, dass mehr russische Soldaten getötet würden, als Russland rekrutieren könne (Selenskij: „Die Russen verlieren mehr Männer auf dem Schlachtfeld, als sie rekrutieren“). Dazu wird auf kleinere Erfolge an der Front verwiesen und auf die Angriffe auf russische Ziele. Die Kampagne, ungeachtet ihrer Wahrheit, verfängt bei westlichen Regierenden wie Bundeskanzler Merz, der beim Treffen mit Selenskij verkündet hat: „Russland sollte diesen Krieg so schnell wie möglich beenden. Russland hat keine Chance, ihn zu gewinnen.“ (Merz: „Wir unterstützen die Bemühungen der Ukraine, die Ausreise wehrfähiger Männer zu reduzieren“) Die angebliche Schwäche der Russen versuchte Selenskij auch am Freitag weiter zu verbreiten: „Das hohe Tempo bei der Eliminierung der Besatzer hält auch im April an. Den Russen gelingt es nicht, an der Front die Initiative zu ergreifen, und das ist entscheidend.“
Dem widerspricht allerdings immer wieder, dass bei den stattfindenden Austausch von Leichen ein krasses Ungleichgewicht zuungunsten der Ukraine herrscht, wenn stets nur ein paar Dutzend Leichen von Russen gegen 1000 von Ukrainern übergeben werden, zuletzt waren es am 9. April 41 gegenüber 1000. Die zuständige ukrainische Behörde, das Koordinierungshauptquartier für die Behandlung von Kriegsgefangenen (KSHPPV), erwähnt die Zahl der ausgetauschten Leichen russischer Soldaten regelmäßig nicht, in Russland wird auf das Verhältnis natürlich verwiesen.

Selenskij warb im Verweis auf die Straße von Hormus damit, dass die Ukraine gezeigt habe, maritime Sicherheit garantieren zu können. Überhaupt sei die Ukraine an „Erfahrung, Fachwissen und Technologie“ militärisch bedeutsam: „Die Zukunft ist bereits an der Front – und die Ukraine gestaltet sie.“
Damit meinte er nicht die (Langstrecken)Drohnen, die er natürlich ebenfalls anpries („Es geht um Gerechtigkeit, die das Böse überall auf der Welt aufspüren wird“), sondern die Bodenroboter. Und er unterstrich dies mit einer Geschichte, die er aber weder belegte noch konkretisierte, die aber zeigen soll, dass die Ukraine technische Durchbrüche erzielt: „Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Krieges wurde eine feindliche Stellung ausschließlich durch unbemannte Plattformen – Bodensysteme und Drohnen – eingenommen. Die Besatzer ergaben sich, und die Operation wurde ohne Infanterie und ohne Verluste auf unserer Seite durchgeführt.“ In nur drei Monaten in diesem Jahr hätten die unterschiedlichen ukrainischen Bodenroboter 22.000 Missionen ausgeführt und damit Menschenleben geschützt.

Was Selenskij nun als Werbegeschichte auftischte, bezieht sich auf ein angebliches Ergebnis im Juli 2025. Die Einheit Deus ex Machina („Die weltweit erste Kompanie bodengestützter Roboterangriffssysteme gehört zum Korps“) der 3. Angriffsbrigade, ein Freiwilligenverband von Asow, Kommandeur ist Andriy Biletskiy, meldete damals einen angeblich historischen Erfolg. Nachdem feindliche Stellungen in der Region Charkiw zweimal vergeblich angegriffen worden seien, hätten Kamikaze-Drohnen den Unterstand zerstört. „Der nächste (Boden)Roboter näherte sich bereits dem zerstörten Unterstand, als der Feind, um einer Sprengung zu entgehen, die Kapitulation erklärte. Die überlebenden Besatzer wurden von den Drohnen zu unseren Linien gebracht und vorschriftsmäßig gefangen genommen.“
Es handelte sich nach dem veröffentlichten Video um zwei russische Soldaten, die sich in dem von Drohnen angegriffenen Unterstand aufhielten und sich ergeben haben – natürlich nicht den Drohnen, sondern den Piloten. Da sich Selenskij auf den Vorfall im Juli 2015 bezog, scheint es seitdem zu keiner Wiederholung gekommen zu sein, obgleich ukrainische und russische Truppen vermehrt Transport- und Kampfroboter einsetzen. Das Szenario zeigt, dass beim Einsatz von Drohnen und Bodenrobotern eine Koordination im Sinne einer Schwarmsteuerung notwendig ist. Bislang dürfte es so sein, dass jeder Kampfroboter eigens von einem Menschen gesteuert wird. Das dürfte bei Bodenrobotern auch noch länger der Fall sein, wenn diese nicht auf Straßen oder Wegen, sondern im Gelände mit zahlreichen Hindernissen unterwegs sind.
Der Trend wird sein, mit der Vergrößerung der Reichweite zur Steuerung von Robotern die Menschen weiter hinter die Front bzw. die Killzone zu verlegen und vordere Stellungen mit Roboter zu besetzen, so dass Kampfroboter die erste Verteidigungslinie und die erste Angriffswelle ausmachen. Dazu müssen die Roboter weitgehend mit KI ausgestattet sein und autonom agieren können. Man könnte sich fragen, was Roboter machen, wenn sie aufeinandertreffen und der einen Seite droht, vernichtet zu werden. Wird es Roboter geben, die kapitulieren? Und solche, die dies akzeptieren? Und Situationen, in denen Kapitulation nur vorgegeben wird? Oder wird gekämpft bis zur Vernichtung? Und wird das das Ende des „Fleischwolfs“ sein, wenn intelligente Maschinen einander bekämpfen? Wie die aktuellen Kriege zeigen, verschwindet das Hinterland und wird auf beiden Seiten zunehmend zum Kriegsgebiet und zum „totalen Krieg“ mit weitreichenden Drohnen und Raketen.
Ähnliche Beiträge:
- Ukraine-Krieg: Testfeld für Luft-und Wasserdrohnen und jetzt auch für Bodenroboter?
- 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten sollen durch Drohnenangriffe ausgefallen sein
- Kampf- und Spähroboter und -drohnen dringen in Gebäude ein
- Nato-Blamage: kein Schutz vor kleinen Drohnen
- Woher kamen die Drohnen, mit denen der Flughafen Pskow angegriffen wurde?



Die werden uns alles nehmen.
Bis 2030 werden bewaffnete Drohnen über unseren Köpfen fliegen.
Und Termolo hat anscheinend kein Problem mit „Off-Tpoic“!