Roboterkrieg und Propaganda

Propaganda für das 3. Armeekorps unter Asow-Gründer Biletski. Angeblich transportierten Drohnen Bodenkampfroboter erstmals hinter die russischen Linien.

 

Im Krieg wird Propaganda verbreitet. In einem Hightech-Krieg geht es natürlich oft um neue Technik und Waffen. Die Ukraine hat sich im Drohnenkrieg mit Neuerungen und Berichten hervorgetan, wie wirksam diese seien. So wurde erklärt, dass hauptsächlich wegen der guten Drohnen und ihrer Piloten mehr russische Soldaten im Monat getötet würden, als mobilisiert werden könnten.

Es wurde bereits propagiert, dass sich das Blatt gewendet habe und die Ukraine militärisch überlegen sei. Das hat sich aber schnell wieder gegeben, nachdem die Ukraine keine Patriot-Abfangraketen mehr hat und Raketen sowie den neuen jetgetriebenen Geran-Drohnen fast wehrlos ausgesetzt ist. Zuletzt wurde die erste Parade mit Kampfrobotern am Unabhängigkeitstag veranstaltet, um die ausländischen Gäste und die Ukrainer zu beeindrucken und den Russen  Angst zu machen. Bei (Hyperschall)Raketen und autonomen Drohnen (Sind schon Autonome Kampfdrohnen im Ukraine-Krieg im Einsatz?) scheint Russland führend zu sein, aber auch die Ukraine soll sie schon zum Töten eingesetzt haben.

Beim Einsatz von Transport- und Kampf-Bodenrobotern könnte die Ukraine führend sein. Das von Asow abstammende 3. Armeekorps unter dem Kommando des Asow-Gründers Andrij Biletsky führt seit Mai die Operation Vivaldi. Es handelt sich um eine Offensive, die den letzten Verteidigungsring im Donbass mit den schwer befestigten Städten Slawjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka vor einem russischen Zangenangriff schützen soll, indem russischen Truppen verwehrt wird, die Kleinstädte Lyman im Norden und Dobropillja im Süden einzunehmen. Im September erklärte Biletsky, Geländegewinne gemacht und einige Dörfer eingenommen zu haben.

Das siegreiche Mensch-Roboter-Korps, mangels Bilder in Animation.

Das 3. Armeekorps ist eine sich selbst als solche darstellende Elitetruppe aus freiwilligen Kämpfern mit bester Ausstattung, das sich mit staatlichen Mitteln und Geldern aus Unterstützerländern und Spenden finanziert. Um den Geldfluss zu erhalten und neue Kämpfer zu gewinnen, wird wie bei Asow üblich mit professionell gestylten Medieninhalten geworben, die in den sozialen Medien verbreitet werden.

Mit Vivaldi wurde nach Biletsky auch ein Coup gelandet, der kräftig beworben wird. Am 20. September nur eine kurze Meldung von Biletski in der Nachricht, dass weitere Dörfer erobert und 800 russische Soldaten „vernichtet“ worden seien: „Das III. Armeekorps war weltweit das erste, das bodengestützte Roboterkomplexe einsetzte. Unsere schweren Bomber setzen NRK-Kamikaze-Einheiten mehr als 10 Kilometer hinter den feindlichen Linien ein.“ Darauf folgte ein Video, das den Einsatz der Kamikaze-Roboter  in einer Animation verherrlichen sollte. Die mit Drohnen und Bodenrobotern ausgestatteten Soldaten des 3. Armeekorps rücken darin selbstverständlich  ohne Verluste siegreich und zerstörerisch voran.

Herr der Kampfdrohnen

Die neue Taktik bestand darin, dass offenbar große Drohnen Bodenroboter hinter den russischen Linien absetzten, um so keine Soldaten durch die Killzone schicken zu müssen. Mit den Kamikaze-Bodenrobotern sollten die russischen Verbände von der Versorgung abgeschnitten und gleichzeitig von hinten und vorne angegriffen werden. Ob die Behauptung zutrifft, tatsächlich Bodenroboter hinter den feindlichen Linien abgesetzt und dort gesteuert zu haben, lässt sich daraus nicht entnehmen. Es gibt nur Animationen, keine realen Bilder von der Operation. Nicht leicht dürfte es sein, die Drohnen ohne menschliche Hilfe vor Ort über geeignetem Terrain so tief fliegen zu lassen, dass die schweren Bodenroboter beim Herablassen nicht beschädigt werden oder kippen. Zudem dürften sie nicht schnell fliegen und ein leichtes Ziel für die Flugabwehr sein.

Zusätzlich sollen russische LKW mit Nachschub bis 120 km hinter der Front mit Drohnen angegriffen worden sein. Das sollen zahlreiche Videos von FPV-Drohnen belegen. Allerdings ist nicht zu sehen, ob die angesteuerten Fahrzeuge tatsächlich zerstört wurden.

Man würde den Krieg robotisieren und dadurch die eigenen Soldaten schützen. Bodenrobotern würden eine große Rolle spielen: „Und das Wichtigste: Es handelt sich nicht mehr um einzelne Fahrzeuge. In den Brigaden sind ganze NRK-Einheiten im Einsatz, die bis zu 80 % des Bedarfs der Infanterie und 90 % der Evakuierungen an der Front abdecken.“

Die Ukraine und Russland schlittern im Wettrüsten rasant in den Krieg der Roboter in der Luft, am Boden und im und auf dem Wasser. Größere Drohnen sind PLattformen für kleinere und Bodenroboter, Bodenroboter oder Wasserdrohnen können eine Plattform für Flugdrohnen sein. Es wird intensiv an Schwarmtechnik gearbeitet, es wird mit humanoiden Robotern experimentiert, die die auf menschliche Körper ausgerichteten Geräte und Waffen bedienen können. Autonome Kampfroboter werden bereits getestet. Schöner, neuer Krieg.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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2 Kommentare

  1. Viel Spaß beim „Terminator spielen“ wünsch ich da.
    Die Ukraine ist im Krieg, damit Waffenkonzerne Skylab auf die Menschheit los lassen können. Dafür dienen die Steuermilliarden die wir dank Merz & Konsorten berappen müssen.
    Dabei geht es nicht um drei Dörfer hin oder her. Es ist ein Krieg den die Reichen gegen den Rest der Menschheit führen und wenn wir das überleben wollen, dann müssen wir endlich aufstehen und etwas dagegen tun.

  2. Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister,
    werd ich nun nicht los.

    Wie oft sich der Zar das wohl sagt? Man sagt ja, dass er gut Deutsch spricht.

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