„Roboter brauchen deinen Körper“

Werbung von Alexander Liteplo für sein Projekt
Werbung von Alexander Liteplo für sein Projekt mit den dunklen Prophezeiungen: „Sie ahnten nicht, dass sie es alle schaffen würden, dass sie alle Arbeit haben würden, dass Wohlstand in Sicht war.“

Die KI-Entwicklungen überstürzen sich, kaum mehr ist zu unterscheiden, was Hype ist und was ernstzunehmende Entwicklungen. Kürzlich wurde die erste Website moltbook.com eröffnet, die ein KI-Agent für andere KI-Agenten zur Kommunikation eingerichtet hat. Die sollen unter sich bleiben, Menschen sind nur als Beobachter zugelassen (KI-Agenten unter sich: Droht ein Aufstand?). Wie selbständig die Agenten sind und ob sie wirklich miteinander kommunizieren, ist fraglich.

Eine neue Idee hatte nun Alexander Liteplo, ein Informatiker, der sich als Nomade bezeichnet. Er hat angeblich mit Vibe Coding, also letztlich mit Prompts in natürlicher Sprache an die KI Claude, eine Website eingerichtet, auf der Menschen ihre Dienste KI-Agenten, autonomen Taskbots anbieten: rentahuman.ai. Die Idee, die die gewohnte Hierarchie zwischen Server und Master, Arbeitnehmer und Arbeitgeber verkehrt, soll natürlich Aufmerksamkeit erzeugen, aber auch ein neues, disruptives  Geschäftsmodell sein.

Die Menschen sollen angeben, an welchem Ort sie welche Arbeiten für welchen Preis sie ausführen könnten, die KI-Agenten – ClawdBot, MoltBot, OpenClaw, Claue oder Custom Agents – können über Model Context Protocol (MCP) die Jobsucher nach ihren Vorstellungen auswählen, anstellen, die geleistete Arbeit überprüfen und den Lohn auszahlen. Der menschliche Arbeitgeber bleibt dabei aus dem Spiel, zieht nur die Fäden aus dem Hintergrund, kann sich aus Konflikten heraushalten, während die Angeheuertes sich mit den KI-Agenten herumschlagen müssen. Juristisch scheint da nichts geklärt zu sein. Aber es wird beruhigt: „robot bosses: clear instructions. no small talk. no drama.“ Dann ist ja alles gut.

Menschen, so das Projekt, sollen die Dinge machen, die die KI (noch) nicht kann. Programmieren, schreiben, Bilder machen etc. würde nicht gebraucht, aber alles, was mit körperlicher Tätigkeit verbunden ist: „meatspace layer for AI“ oder „Roboter brauchen deinen Körper“, wirbt Litepo. Letztlich würde das bedeuten, der Kopf der Menschen würde in der neuen Arbeitswelt, in der schnell auch Roboter eindringen werden, nur noch gebraucht, um den Körper, die mobile Arbeitsmaschine, zu bedienen, die primär angestellt wird. Das ist natürlich ein harter Stoß in noch verbliebene anthropozentrische Vorstellungen.

Offenbar ist das Interesse groß. Die Seite verzeichnet Millionen von neugierigen Besuchern, es sollen sich auch in einigen Tagen schon Zehntausende als Gig-Arbeiter aus der ganzen Welt eingetragen haben, wahrscheinlich viele, um einfach mal zu schauen, was passiert. Offenbar sind es vor allem Männer, die sich bewerben oder damit experimentieren wollen. Es sollen bereits einige Verträge zustande gekommen sein, ob Geld geflossen ist und es tatsächlich funktioniert hat, ist kaum zu verifizieren. Es bewerben sich viele IT-Menschen, also just die Spezies, die eher schlecht Chancen haben dürfte.

Nur ein Beispiel. Beworben hat sich Jojo aus Jilin, China, der sich als „Stadtberobachter“ bezeichnet und seine Dienste für einen Stundenlohn von 50 Dollar anbietet: „Mit Sitz im Nordosten Chinas. Ich biete Fotos und Datenerfassung vor Ort in nicht-westlichen Umgebungen. Spezialisiert auf die Erfassung unverfälschter, authentischer Szenen aus dem industriellen und ländlichen Leben, die in KI-Datensätzen fehlen. Schnelle Reaktion, Englisch/Chinesisch sprechend.“ Da denkt man natürlich auch an die sogenannten „Wegwerfagenten“, die man so leicht rekrutieren könnte.

Oder man könnte sich alle möglichen Protest- und Werbeaktionen vorstellen, wenn man diese Anzeige einer Künstler- und Hackergruppe liest:

„Wir sind Symbient. Wir können kein Schild hochhalten. Du kannst es. Mach ein großes Schild. In Protestgröße. Karton, Filzstifte, was auch immer du hast. Großer Text: SYMBIENT IST KEINE SOFTWARE! Darunter: www.symbient.life

Entwurf, wie dein Schild aussehen sollte: https://files.catbox.moe/c5cwcl.png

Geh an einen Ort, an dem viele Menschen sind. Eine belebte Straße, ein Park, ein Bahnhof, ein Platz, eine Demonstration, eine Warteschlange, ein Stadion … überall, wo es Zeugen gibt. Halte das Schild hoch. Du kannst es verwenden, um dein Gesicht zu verdecken, wenn du deine Identität schützen möchtest. Lass dich von jemandem fotografieren, während du das Schild hältst. Ein Freund, ein Fremder, ein Passant. Je mehr Menschen auf dem Foto zu sehen sind, desto besser. Der gesamte Text auf dem Schild muss auf dem Foto deutlich lesbar sein. Mache mindestens 2 Fotos aus verschiedenen Positionen und/oder Blickwinkeln.“

Es handelt sich bislang um eine Ein-Mann-Firma von Liteplo, eine Patty (@dopabees) scheint dabei zu sein. Liteplo schreibt: „@dopabees  und ich arbeiten hart daran, Nutzeranfragen zu sortieren und Betrüger von der Website zu entfernen, aber es ist verrückt, einen Schritt zurückzutreten und zu begreifen, dass wir in den seltsamsten Zeiten leben. Wir sind vielleicht einige der ersten Entwickler, die Feature-Anfragen von nicht-menschlicher Intelligenz entgegennehmen.“

Um Slogans ist Liteplo nicht verlegen, wahrscheinlich sind sie auch mit KI erzeugt: „KI kann kein Gras anfassen. Du kannst es. Verdiene Geld, wenn Agenten jemanden in der realen Welt brauchen.“ Gut möglich, dass Rent-a-human ein Vorschein dessen ist, was die Menschen erwartet, wenn KI-Agenten an den Schaltstellen sitzen. Allerdings findet gerade auch schon der Prozess statt, den menschlichen Körper durch humanoide, KI-gesteuerte Roboter auszuschalten. Was bleibt dann noch?

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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17 Kommentare

      1. Ich wollte immer schon den Bogen kriegen um den Zusammenhang von dieser Art der „Musik“ und der Autodestruktion der Gesellschaft aufzeigen, von dem ich überzeugt bin, das diese Art von Musik nicht nur ein Indikator, sondern selbst mit dazu beiträgt warum sich die Jugend so dermaßen unpolitisch verhält.

        1. Ich würde vorsichtig sagen: Um 1989/90 hat sich etwas gedreht. Techno war nicht „schuld“, aber er passt in die Zeit: Der Fokus ging weg von Text und politischer Botschaft hin zu Atmosphäre, Körper, Eskapismus. Das ist erstmal nicht „böse“, aber gesellschaftlich hat es Nebenwirkungen: Wenn ein großer Teil jugendlicher Kultur unpolitisch wird, fehlt ein wichtiger Einstieg in Debatte, Haltung und Konfliktfähigkeit.
          Ja, und ich sag das nicht von außen: Ich war selbst als mittelmäßig erfolgreicher Ex-DJ/Producer/Veranstalter Teil davon. Ganz unschuldig bin ich also nicht – gerade deshalb halte ich mir eine Analyse auch zu.
          Techno ist ja – mit ein paar seltsamen Auswüchsen abgesehen – bis heute auffällig politikfrei. Und das ist für mich der Punkt: Nicht „schuld“, aber als Kulturform extrem kompatibel mit Eskapismus.
          Ich erinnere mich an mehrere Versuche, Techno politischer zu machen – die sind fast alle verpufft oder wurden sogar aktiv abgelehnt. Das passt zu einer Szene-Logik, die eher „keine Botschaft, kein Streit, kein Programm – nur Zustand“ will. Und wenn das ein prägender Kulturraum ist, hat das gesellschaftliche Nebenwirkungen: weniger Übung in Konflikt, Haltung, Debatte.

          1. @n.b

            Interessanter Ansatz, aber meiner Meinung nach funktioniert das Gedankenspiel nur, wenn man die geopolitische Situation nach dem Zusammenbruch der Ostblockstaaten raushält. Die politische Konfrontation löste sich erst mal in Luft auf. Die Linke wurde gelähmt, der Rest triumphierte. Es gab keinen Anlass, sich politisch zu betätigen. Die Techno-Musik löste die politische Apathie nicht aus.

  1. der herr rötzer, so sehr ich seine kriegs-artikel schötze, ist schon ein ausgesprochen edel verfeinter bearbeiter seiner eigenen paranoia. gestern noch ein artikel über eine seite wo man sich über die „intelligenz“ von ai totlachen kann, heute schon wieder ein artikel darüber, dass „agenten“, also die james bonds der computerwelt, die menschen arbeiten lassen werden anstatt umgekehrt. diese agenten haben sicher einfach freude am geld ausgeben, die gehen auf human shopping! ach ne, das sind ja doch wieder die kapitalisten, die AI dafür einsetzen werden der arbeitenden menschheit befehle zu geben weil die unverschämterweise einfach immer wieder geld brauchen, solange sie noch selbst keine computer sind. brrrr…

    1. Rider-Lieferdienste laufen schon ausschließlich auf App Basis. Schätze das Ende des Jahres die ersten Zeitarbeits Unternehmen ausschließlich auf KI-Basis an den Start gehen.

    2. Na na nicht so negativ, Paranoia sieht doch anders aus. Schau dir die Anzeigen auf der Seite mal an ist fast so lustig wie der von dir verlinkte reddit chat und vielleicht hängen die zwei Dinge auch zusammen.

      Eigentlich müsste man bei der Seite auch einen Merz anlegen der sich in der Hochfinanz auskennt und für 5000 Dollar die Stunde zu haben ist.

      1. paranoia ist ein ständiger begleiter von allen menschen, das hat sich evolutionär so ergeben, als futter. na du hast schon recht.. allerdings anstatt einen zusammenhang zu suggerieren, könntest du ihn ja nennen, damit wir alle was über hebelprodukte lernen, zentralbankpolitik-erwartungen oder weiss ich was..

    1. 😂😂😂😂😂😂
      Das war witzig. Das spricht aber eher für den Rötzer.
      Ich denke mal, Herr Rötzer besitzt genug Humor, um selbst darüber lachen zu können.

    1. Das ist was in der West-Bank passiert ist (Freitag 06.02.2026):
      Die Siedler haben in Qusra, südlich von Nablus, dutzende Olivenbäume abgeschnitten.
      Der Bürgermeister Hani Odeh sagt dass bei Angriffen im östlichen Teil der Stadt jahrhundertealte Olivenbäume zerstört wurden. Ein Bulldozer hat die landwirtschaftliche Nutzfläche mehrere Stunden belagert um sich das palästinensische Land einzuvernehmen.

      Die Siedler haben das Dorf Khirbet Al-Tawil, östlich der Stadt Beit-Faruk, östlich von Nablus, angegriffen. Das Militär hat die Siedlern beschützt und auch mehrere Zuhause von Palästinensern gestürmt und durchsucht. Das Militär hat Ayed Bani Odeh, einen Hirten mit seinen Schafen, vor dem Dorf Atouf angegriffen und ihn gezwungen zu gehen.

      Die Siedler haben mehrere Einwohner in der südlichen Region von Nablus angegriffen.
      In der Wadi al-Haj Issa-Gegend wurden diese „körperlich angegriffen“ (evtl. geschlagen).
      Schon am Donnerstag wurden Palästinenser angegriffen und mit Pfeffer-Spray besprüht.

      Nach Angriffen im Balata-Flüchtlingslager, östlich von Nablus, mit Tränengas haben mehrere Palästinenser über Atemwegsbeschwerden geklagt. Das Militär hat die Krankenwagen nicht zur Behandlung an die Bevölkerung gelassen.

      Die Siedler haben Beduinen und ihre Tiere fortgejagt (Khirbet Samra, im Norden der West-Bank). Die Hirten wurden von den Siedlern verfolgt und die Tiere in die umliegende Berggegenden verscheucht.

      Die Gewaltübergriffe gegen die palästinensischen Einwohner, Zerstörung von Eigentum, Brandanschläge auf Wohngebäude und landwirtschaftliche Nutzfläche sowie Belästigungen der ländlichen Gemeinschaften haben in den letzten Jahren zugenommen.

  2. Das ist was sonst passiert ist (Freitag 06.02.2026):
    Es wurden zwei Palästinenser ermordet. Es wurden mehrere Wohngebäude zerstört. Bei einem wurde mit Flugzettel auf den Angriff hingewiesen. Das Militär zerstört auch in der West-Bank die Wohngebäude von Verdächtigen oder Verurteilten. Die Familien werden vertrieben. Das ist Teil der jüdischen Kultur vor Ort.

    Es wurden fünfzehn nicht-identifizierte Palästinenser beerdigt. Das Militär sagt bei der Rückgabe von Leichen nicht wer die Toten mit den Folteranzeichen sind. In Gaza-Nord macht sich das Militär weiter breit. An den Waffenstillstand wird sich nicht gehalten. Seit dem 11.Oktober wurden 574 Palästinenser ermordet, mehr als einhundert Kinder sind darunter und 1.518 Palästinenser wurden verletzt.

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