
Nach Studien zu psychischer Gesundheit bzw. psychischen Störungen oder Erkrankungen nehmen diese insbesondere seit Corona und vor allem auch bei jungen Menschen stetig zu. Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankungen nehmen zu, entsprechende Diagnosen werden vermehrt gemacht und Psychopharmaka verschrieben und eingenommen. Offenbar sprechen die Menschen, vielleicht auch besonders die Jungen, mehr über psychische Probleme, die sozial akzeptierter sind als früher, und lassen sich deshalb behandeln.
In Deutschland sollen 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung pro Jahr psychisch erkrankt zu sein, das sind fast 18 Millionen Menschen. Angst steht dabei nach einem aktuellen Bericht der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) im Vordergrund: Angststörungen (15,3 %), gefolgt von affektiven Störungen (9,8 %, davon allein die unipolare Depression: 8,2 %) und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum (5,7 %).
Größere Akzeptanz und intensivere Therapien scheinen aber die Probleme nicht zu beheben. Der Psychologe Stephan Schleim schrieb vor kurzem: „Obwohl wir immer mehr für die mentale Gesundheit tun, ausgeben und therapieren, nimmt die mit ihnen verbundene Krankheitslast zu; es gibt zum Beispiel immer mehr Krankheitstage und längerfristige Arbeitsunfähigkeiten im Zusammenhang mit psychologisch-psychiatrischen Störungen. Zu glauben, dass immer mehr Aufmerksamkeit, Stichwort Influencer und „Mental Health Awareness“, die Probleme verringern, ist naiv.“
Sprach man früher von psychischen Störungen und Erkrankungen, die von einer nicht näher bestimmten Norm abweichen, so hat sich nach der Verwendung des Begriffs der Psychohygiene der der „psychischen Gesundheit“ nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem ab den 1980er Jahren, im deutschen Sprachraum seit den 2000er Jahren, ausgebreitet (wobei nach Ngram im englischen Sprachraum auch Psychohygiene wieder einen Boom erfährt). Interessant ist das deswegen, weil dies andeutet, dass nun eine positive Normierung der psychischen Verfasstheit ansteht, während zuvor die Abweichungen um eine nicht näher definierte Norm vorherrschten.
Die WHO sprach 1948 bei ihrer Gründung vom Kriterium des „vollständigen Wohlbefindens“ für physische und psychische Gesundheit und fügte später sehr vage hinzu: „Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine eigenen Fähigkeiten erkennt, mit den normalen Belastungen des Lebens zurechtkommt, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu seiner Gemeinschaft leisten kann.“ Aus dieser wenn auch noch so vagen positiven Norm ergeben sich auf der Grundlage der ebenfalls steigenden gesellschaftlich verordneten Selbstverantwortung auf der einen Seite Optimierungszwänge, um sich der Norm anzunähern, und auf der anderen Seite vermehrte Aufmerksamkeit auf Abweichungen, also auf eine Zunahme von psychischen Problemen, die damit vielfältiger werden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine im International Journal of Clinical and Health Psychology veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern unter der Leitung der Karl Landsteiner Privatuniversität, an der 93 in Österreich zugelassene Klinische Psychologinnen und Psychologen teilnahmen. Festgestellt wurde, dass junge Erwachsene zunehmend zu Psychologen mit der Erwartung kommen, eine bestimmte Diagnose zu erhalten, oft kommen sie bereits mit einer Diagnose, die sie bestätigt haben wollen. Wenn die Wünsche nicht erfüllt werden, reagieren manche mit „Diagnose-Shopping“ oder mit Abwehr und Verärgerung: „Selbst- und Wunschdiagnosen – häufig ADHS oder Autismus betreffend – treten heute deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren. Besonders oft ist dies bei jungen Frauen mit höherer Bildung und intensiver Social-Media-Nutzung der Fall.“ Diagnosen werden zu Identitätsmerkmalen.
Die Autoren der Studie führen dies vor allem auf die Nutzung der sozialen Medien zurück, auf denen sie auf Diagnosen stoßen und diese mitunter zur Selbstbeschreibung und zur Eigendarstellung gegenüber anderen übernehmen würden. Für die Studie wurden auch klinisch tätige Fachkräfte in Österreich zu den Selbst- und Wunschdiagnosen befragt, die bestätigen, dass diese häufiger vorkämen. So sagt etwa Dr. Gloria Mittmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Transitionspsychiatrie, dass eine Diagnose Menschen von „persönlichem Versagen“ entlasten könne. Das klingt überzeugend. Wenn man sich ADHS oder Autismus attestiert, „hat“ man diese Krankheit, muss sich entsprechend verhalten, kann Akzeptanz einfordern und Psychopharmaka einnehmen. Dafür wurde etwa auch der Begriff der Neurodiversität geprägt. Weniger begehrt als die offenbar trendigen Neurodiversitäten ADHS und Autismus sind Posttraumatische Störungen oder Depression, Borderline oder Angststörungen sind noch unbeliebter.
Wenn man mit einer Wunsch- oder Selbstdiagnose zum Psychologen geht, um dies zu bestätigen, dieser aber die Zuschreibung nicht übernimmt, kann es schwierig werden. Wahrscheinlich sind die KI-Chatbots zur Selbstbestätigung „geeigneter“, weil sie auf ihr Gegenüber affirmativer eingehen, was u.a. dazu führt, dass sie bei manchen durch Verstärkung eines Wunsches sogenannte KI-Psychosen auslösen können.
In der Pressemitteilung der Universität heißt es, „dass Patientinnen und Patienten umfangreiches ‚Halbwissen‘ aus Social Media, Online-Selbsttests oder Gesprächen im Umfeld mitbringen. Das gehe häufig mit einer verengten oder verzerrten Vorstellung diagnostischer Kriterien einher – und mit der Tendenz, Alltagsphänomene rasch zu pathologisieren. In Fragebögen und Gesprächen wirkten manche Antworten „diagnosegeleitet“: Symptome, die zum gewünschten Label passen, würden betont – auch dann, wenn Entwicklungsgeschichte oder Fremdberichte dieses Bild nicht stützten. Zudem berichteten Fachleute von geringer Offenheit für alternative Erklärungen.“
Für psychische Erkrankungen und Störungen gibt es keine „objektiven“ Messergebnisse wie Bluttests oder Scans. Sie sind noch viel stärker als körperliche Krankheiten geprägt vom kulturellen Kontext. Angetrieben und aufgestört durch Normen psychischer Gesundheit, die nicht nur auf sozialen Medien, sondern auch in anderen Medien und Ratgeberbüchern sowie von Experten verhandelt und behauptet werden, können vor allem Heranwachsende in ihrer Identitätssuche von Abweichungen heimgesucht werden, die behandelt und abgeschafft werden müssen.
Weil es noch keine allgemein akzeptierten Normen psychischer Gesundheit im Unterschied etwa zum gesunden Spektrum des Blutdrucks gibt, das ja auch verändert wird, überwiegt derzeit für viele verunsicherte Menschen, die noch keine starre oder resiliente Identität ausgebildet haben oder durch irgendetwas erschüttert wurden, die Suche nach einer psychischen Identität als Abschaffung der vermeintlichen Abweichungen oder als Optimierungsstrategie. Das ist natürlich auch ein profitabler Gesundheitsmarkt, der die Ängste und Wünsche bedient. Hintergrund ist, dass gesellschaftlich die Akzeptanz von Abweichungen, von Anormalität, sinkt und größere Anpassung erwartet und erzwungen wird.

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Zu dem was in Palästina passiert:
Das ist kein Journalismus (Es wird nur gesagt was ein Minister gesagt hat.)
Das ist nicht Dada. Das ist das niedrige kulturelle, politische und sonstiges mit dem man okkupiert ist.
In den Zeitungen wird nicht über den Völkermord berichtet. Die Juden werden nicht Juden genannt obwohl das Land für sie gedacht ist.
Ein Kanzler sagt dass ein Völkermord kein Völkermord ist. Ein Präsident eines Landes sagt er hat keine Atombombe. Damit die Juden in den Ländern alle die sie kritisieren als Antisemiten diffamieren. Souverän ist ein Land nicht wenn nicht etwas für das Erfüllen der Genozidkonvention getan wird. Sondern nur betroffen auf den Boden geblickt wird wenn über annähernd hundert Jahre alte tote Juden gesprochen wird. Während die Juden in ihrem Land die palästinensischen Frauen und Kinder ermorden. Und die Friedhöfe der Palästinenser mit Bulldozern zerstört werden.
Es sind mehr als eintausendzweihundert Kranke in Gaza gestorben weil das Militär die Schwerkranken nicht zur Behandlung ausreisen lässt. Es sind viertausend Krebskranke und viertausendfünfhundert Kinder unter den annähernd zwanzigtausend die dringend Behandlung in einem anderen Land benötigen. Jeden Tag gibt es Verletzte oder Schwerverletzte und Tote. Es ist an der Zeit die „Oh die armen Juden“ Masche abzulegen und die Juden für die Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Araber sammeln in in anderen Ländern die Gelder ein weil die Juden den Schaden nicht zahlen werden. Sprechen Sie mit anderen darüber. Tun Sie amerikanische Produkte nicht kaufen.
Ein Werbebanner von Oxfam für eine Veranstaltung die in Harlem in den Niederlanden stattfinden wird. (“Don’t stop talking about Palestine.”)
https://www.oxfamnovib.nl/zo-sluit-je-je-aan/kom-in-actie/agenda/71613-dont-stop-talking-about-palestine-haarlem
Link zum Werbebanner für die Grafiker unter Ihnen die selber etwas machen wollen:
https://assets.oxfamnovib.nl/images/transforms/_1040x586_crop_center-center_none/71858/Dont-Stop-Talking-About-Palestina-Patronaat-Haarlem-event-2026.avif
Hier sehen Sie ein Bild vom Nachmittag wo ein Sprecher der Juden in den Vereinten Nationen das Wappen von Ansar-Allah hochhält und sich beschwert dass „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“ drauf steht.
Während u.a. in der West-Bank in, Masafer Yata, eine Gruppe von Siedlern angreifen und Frauen und Kinder verletzen, einhundertfünzig Schafe der Abu Aram Familie stehlen und die Krankenwagen nicht an die Verletzten lassen. Es ist auch mindestens zwei Palästinenser in der West Bank in den letzten 48 Stunden ihren Verletzungen erlegen. Z.B. hat man Mohammad Rajeh Nasrallah, 20 Jahre, in den Magen geschossen und er ist daran gestorben.
Und in Gaza passiert u.a. folgendes: Anstatt sechshundert Lastwagen lässt man jeden Tag nur über einhundert Lastwagen von den Hilfslieferungen reinlassen. Die kommerziellen Lieferungen sind auch nur etwas über einhundert Lastwagen. Und daran tun die Juden auch einen Reibach machen mit den Gebühren für das Lastwagen-reinlassen. Obwohl alle Länder die Nahrungsmittel für die Palästinenser bezahlt haben. Nicht nur weil Krieg ist sondern weil die Palästinenser von den Juden eine funktionierende Wirtschaft nicht kriegen. Es ist am Montag Zainab Muhammad Musbah, 63 Jahre und am Dienstag ein Säugling erfroren. Damit sind seit Anbruch des Winters mehr als zehn Kinder erfroren.
https://ibb.co/gF6hZQTS
Ich finde, „IDF“ sollte auch als psychische Erkrankung klassifiziert werden.
Man hält die Menschen in Angst, redet eine Katastrophe nach der anderen herbei, sperrt sie im Lockdown ein, geht an ihre Kinder, schliesst Schulen, redet den dritten Weltkrieg herbei, implementiert den totalitären Überwachungsstaat, führt die Reichsacht gegen Dissidenten wieder ein, …
Woran kann es nur liegen, dass immer mehr Menschen sagen, das alles macht sie krank?
Nichts gegen Wunschdiagnosen!
Früher bin ich mir selber oft blöd vorgekommen,
aber seit ich weiß daß ich IDS hab‘ geht’s mir viel besser!
IDS kann man allerdings nicht mit ADHS u. ä. vergleichen. Das ist eine klar definierte Krankheit mit auch körperlichen Symptomen. ADHS dagegen ist ein schwarzes Loch, das man fast nach Belieben füllen kann.
Je mehr Aufmerksamkeit dem Thema Psyche zugemessen und je mehr Normalisierung der psychischen Erkrankungen entsteht, desto einfacher ist es doch, sich selber in eine psychische Ecke zu schieben und aus dieser Ecke heraus daraus Kapital zu schlagen – sei es alleine durch die Aufmerksamkeit, durch mediale Gelderziehlungsabsicht oder Krankschreibungen auf Allgmeinkosten.
Ist doch auch schön, man kann es schlecht messen, kaum Daten bei Blut- und Urintests erheben, man muss es als Arzt „nachfühlen“. Und dann kommt der Faktor Zeit, denn die ist bei allen Ärzten knapp. Und es ist doch sooo ein schönes Gefühl, wenn man ausgedacht krank spielt und von allen bedauert wird. Den wirklich psychischen Kranken wird viel Spezialisierung und Therapie genommen, das ist die eigentliche Schande.
Tatsächlich kann eine Diagnose sehr entlastend sein, da man einen möglicherweise sehr belastenden Teil von sich ein Stück weit entpersonalisieren kann: statt „ich bin“, „ich habe..“.
Umgekehrt sollten diejenigen aufpassen, die hier nur „handfesten“ Krankheiten und Diagnosen das Wort reden – nur allzu leicht kann man sich in einer Situation wiederfinden, in der trotz heftigster Beschwerden eine Diagnose nicht gestellt wird oder nicht gestellt werden kann, was meistens als extrem belastend erlebt wird. Man befrage einmal Opfer der C-Injektion.
Ohne Frage gibt es auch „Modediagnosen“, was aber nicht zwangsläufig heissen muss, dass sie ungerechtfertigt wären.
Würden wir in der ICD die Maaz`sche „Normopathie“ finden, wären sicher 3/4 aller Deutschen auf einen Schlag krank. Sind sie es vielleicht?