
Was Betroffene nach Antidepressiva-Konsum berichten und wie die medizinische Fachwelt darauf reagiert.
Im ersten Teil ging es um die Frage, was Depressionen sind und wie oft sie inzwischen diagnostiziert werden. In Teil 2 beschäftigten wir uns damit, dass die am häufigsten verschriebenen „Antidepressiva“ besser „Serotonin-“ oder „Noradrenalin-Verstärker“ genannt werden. Das hängt von den Gehirnbotenstoffen ab, die sie primär beeinflussen.
Auch offiziell wird anerkannt, dass die Bezeichnung „Antidepressiva“ irreführend ist: denn einerseits wirken diese Psychopharmaka nicht spezifisch antidepressiv, sondern eher aktivierend und emotional dämpfend; und andererseits werden sie für eine ganze Reihe psychischer Störungen verschrieben, darunter auch Angst-, Ess- und Zwangsstörungen. Am Ende dieses Artikels werden wir noch zwei überraschende Anwendungsgebiete an diese Liste hinzufügen.
Im dritten Teil zogen wir erst mit einem psychiatrischen Depressionsexperten ein Zwischenfazit. Das bestätigte die Darstellung, dass diese Psychopharmaka primär zur Dämpfung (von Gefühlen) verschrieben werden. Dies erleichtere auch die ärztliche Arbeit, da die Patientinnen und Patienten dann weniger Aufmerksamkeit forderten. Danach beschäftigten wir uns ausführlicher mit den sexuellen Nebenwirkungen der Serotonin- und Noradrenalin-Verstärker. Diese Medikamente bekommen, wohlgemerkt, allein in Deutschland inzwischen viele Millionen Menschen verschrieben – und mit steigender Tendenz.
Dabei stellte sich heraus, dass fast alle Behandelten eine Veränderung ihrer Sexualität erfahren. Wenn es zu einem Verlust der Lust kommt, zu Taubheit in den Genitalien, zu Erektions- oder Feuchtigkeitsmangel oder zu Problemen beim Orgasmus, kann von einer Störung gesprochen werden. Hält diese nach dem Absetzen der Psychopharmaka an oder tritt sie dann sogar erst auf, spricht man inzwischen von „PSSD“: Post-SSRI sexueller Dysfunktion. „SSRI“ bezieht sich auf die Serotonin-Verstärker. Weiter unten behandeln wir neue Forschung, die die Risiken für bestimmte Präparate miteinander verglich.
Wir sahen in Teil 3, dass es schon in den frühen 1990ern Berichte über sexuelle Nebenwirkungen der „Antidepressiva“ gab. In der medizinischen Fachwelt wurden diese aber lange nicht ernst genommen. Diesmal beschäftigen wir uns eingehender damit, was das für die Betroffenen bedeuten kann und was man heute über das Störungsbild weiß.
Erfahrungen aus Betroffenensicht
Während PSSD in der psychiatrischen Forschung vernachlässigt wurde und wird, haben sich inzwischen Fachleute aus der klinischen Psychologie und Sexuologie näher mit den Erfahrungen der Betroffenen beschäftigt. Erst 2025 erschien eine Studie unter Leitung von Lianne Rosen, Sexuologin an der Universität von Ottawa in Kanada; und dieses Jahr eine unter Leitung von Sarah Fish, klinische Psychologin an der Universität von East Anglia im Vereinigten Königreich.
Einige Befragte beschrieben die anhaltenden Nebenwirkungen von Serotonin- und Noradrenalin-Verstärkern als „innere Leere“ oder als der Abstumpfung der Gefühle, so als ob alle Farben aus der Welt verschwunden seien. Ein Mann, Thomas (alle Namen geändert), würde lieber fünf Jahre an Krebs leiden und dann sterben als weiter ohne Gefühle durchs Leben zu gehen. Ein anderer, Frank, beschrieb PSSD „fast wie ein Leben mit Todesurteil“. Auch er fand das schlimmer als den Gedanken, bald an Krebs zu sterben.
Thomas klagte auch über Beziehungsprobleme. Die sexuellen Nebenwirkungen hätten das Selbstvertrauen seiner Partnerin beeinträchtigt. Sie habe sich die Schuld dafür gegeben, dass er im Bett nicht mehr konnte. Tatsächlich berichteten manche Betroffene vom Niedergang ihrer Beziehung wegen der sexuellen Nebenwirkungen. Für einen anderen Befragten, Michael, war der innere Kern seiner Männlichkeit angetastet. Ähnlich beklagte eine Frau, Bethany, dass ihr eine der fundamentalsten Facetten des Menschseins genommen worden sei. Sie fürchtete außerdem, kein normales Familienleben mit Kindern mehr erfahren zu können.
Andere beschrieben den Zustand als „Leben in der Hölle“, als „Zombie-Zustand“, als „lobotomiert“, als „Albtraum“ oder als „hoffnungslos“. Einige gaben an, wegen der Nebenwirkungen an Suizid zu denken oder sogar schon einen Versuch unternommen zu haben. Tatsächlich spricht Psychiatrieprofessor Healy von mindestens 20 ihm bekannten Fällen von Suizid wegen der anhaltenden Nebenwirkungen. 2006 habe ein Mann nach dem Verlust der Sexualität seinen Arzt erschossen. Dieser Patient sei aber mit dem Akne-Mittel Isotretinoin behandelt worden, nicht mit einem „Antidepressivum“.
Hinweis: Haben Sie Suizidgedanken? Zum Beispiel die Telefonseelsorge (0800 111 0 111), Nummer gegen Kummer (116 111) oder Online-Angebote können helfen.
Nicht ernst genommen
Neben diesen Geschichten von persönlichem Leid und Hoffnungslosigkeit fühlten sich viele der Befragten von den medizinischen Fachleuten im Stich gelassen. Man habe sie nicht über die Risiken informiert. Oder man habe behauptet, die Probleme würden beim Absetzen der Medikamente wieder verschwinden. Als sie über die Nebenwirkungen klagten, hätte man sie nicht ernst genommen, die Probleme für Einbildung oder ein Symptom der depressiven Störung gehalten. Tony meinte, sein Hausarzt hätte die Nebenwirkungen als unmöglich abgetan, da der Wirkstoff nicht mehr in seinem Körper sei. Danach habe er sich im Internet informiert und mit anderen Betroffenen Kontakt aufgenommen.
Von den Betroffenen mit PSSD gaben viele an, nie mehr einem Psychiater oder einer Psychiaterin vertrauen zu können. Sie hätten sich letztlich selbst um das Problem kümmern müssen. Viele berichteten auch von dem Wunsch, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. In den USA hat sich dafür ein PSSD-Netzwerk gegründet.
Manchen habe man erzählt, es gebe keine andere oder jedenfalls keine bessere Behandlung der Depressionen als die Medikamente. Eine Betroffene meinte, man habe sie unter Druck gesetzt, „Antidepressiva“ zu nehmen: „Es ist keine neutrale Entscheidung, wenn man erzählt bekommt, dass mit deinem Gehirn etwas nicht stimmt.“
Tatsächlich brachte eine neue Befragung in Deutschland unter der Leitung von Bodo Karsten Unkelbach, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Seelische Gesundheit Marienheide, Ähnliches zutage: 37 Prozent der Patientinnen und Patienten hätten Druck erfahren, gegen ihren Willen „Antidepressiva“ einzunehmen. Die Stichprobe bestand allerdings nur aus 146 Betroffenen in der eigenen Klinik und ist daher nicht repräsentativ für alle Behandelten.
Die medizinische Welt
Schon in den 1990ern wurden die Effekte von Serotonin-Verstärkern auf die Sexualität kritisch in der Wissenschaft diskutiert. Um Nebenwirkungen von sexuellen Problemen im Zusammenhang mit der psychischen Störung zu trennen, formulierte damals Raymond C. Rosen, Psychiater an der Uniklinik von New Jersey, zusammen mit zwei Kollegen eine dringende Empfehlung: Man solle das Thema mit den Betroffenen diskutieren und das sexuelle Funktionieren vor Beginn der medikamentösen Behandlung dokumentieren. Aber noch über ein Vierteljahrhundert später wird sowohl von Fachleuten als auch von Betroffenen moniert, dass das nicht geschieht.
Dabei wäre das auch für die primäre Behandlung der Depressionen wichtig. Denn eine Befragung unter Federführung von Adam Ashton, Psychiater an der Uniklinik der State University of New York, ergab schon 2005: Gewichtszunahme, Erektionsstörungen und Orgasmusprobleme wurden von den Patientinnen und Patienten nicht nur als extreme Belastung erfahren. Vielmehr wurde die medikamentöse Behandlung aufgrund dieser Nebenwirkungen oft abgebrochen. Wer also als Arzt oder Ärztin vom Nutzen der „Antidepressiva“ überzeugt ist, sollte die Möglichkeit und Bedeutung solcher Probleme ernst nehmen.
Der in dieser Artikelserie bereits häufiger erwähnte britische Psychiatrieprofessor David Healy und andere wandten sich 2019 mit einer Sammlung von Erfahrungsberichten und Meldungen von sexuellen Nebenwirkungen an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Diese erkannte im Mai jenes Jahres an, dass sexuelle Störungen nach dem Absetzen von Serotonin-Verstärkern bestehen bleiben können. Einen Monat später empfahl die Behörde den Pharmafirmen, vor dieser Nebenwirkung zu warnen.
Meines Wissens sind die USA diesem Beispiel bis heute nicht gefolgt. Das kritisierte auch die im dritten Teil erwähnte 23-jährige amerikanische Studentin Lauren Friedman noch im Mai dieses Jahres öffentlich.
Dürftige Studienlage
Da das Problem über Jahrzehnte weitgehend ignoriert wurde, ist die schlechte Studienlage keine Überraschung. Laut einer Auswertung israelischer Forscher aus dem Jahr 2023 ist 1 von 216 (also 0,5 Prozent) der mit Serotonin-Verstärkern behandelten Personen von bleibenden sexuellen Problemen betroffen. Das wären von den in Deutschland heute rund 5 Millionen Behandelten immerhin schon 25.000 Personen. Diese Auswertung hat aber mehrere Haken:
So gingen die Forscher von einer sehr reduzierten Definition von PSSD aus. Als Maßstab wurde gewählt, ob jemand nach einer Behandlung mit Serotonin-Verstärkern ein Medikament gegen Erektionsstörungen verschrieben bekam. Diese Auswertung erfasste also nur Männer. Wie wir oben sahen, können sich die sexuellen Nebenwirkungen aber auch in vielen anderen Formen äußern, etwa dem Verlust von Lust, Taubheit im Genitalgewebe, vaginaler Trockenheit oder Orgasmusproblemen. Auch wer sich mit seinen Problemen nicht medizinisch behandeln ließ oder die Medikamente ohne Verschreibung nahm, wurde in dieser Auswertung nicht gezählt. Demnach sollte man die 0,5 Prozent eher als Untergrenze ansehen.
Eine neue kanadische Studie berichtet ein viel häufigeres Auftreten. Für die Befragung unter Federführung von Travis Salway, Gesundheitswissenschaftler an der Simon Fraser Universität in Burnaby, füllten 2179 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 29 Jahren einen Online-Fragebogen aus. Die Ergebnisse sind dann zwar nicht repräsentativ. Aber im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die keine „Antidepressiva“ erhalten hatte, berichteten hier 13 Prozent der Betroffenen von einem verringerten Gefühl in den Genitalien.
Alles doch keine Einbildung?
Abgesehen von den vielen Erfahrungsberichten gibt es jetzt auch einen starken Hinweis aus der medizinischen Forschung, dass die sexuellen Nebenwirkungen weder Einbildung noch ein Teil der depressiven Störung sind. Die Ergebnisse hierfür kommen von einer deutschen Gruppe:
Unter Federführung des Psychiaters und Psychosomatikers Rene Zeiss von der Uniklinik Ulm wurden hierfür Berichte über Nebenwirkungen verschiedener „Antidepressiva“ von der Datenbank der Weltgesundheitsorganisation abgefragt. Dabei kam unter anderem heraus, dass Orgasmusstörungen bei den Wirkstoffen Reboxetin, Clomipramin und Paroxetin besonders häufig berichtet wurden. Probleme bei der sexuellen Erregung wurden bei Vortioxetin, wiederum Paroxetin und Fluoxetin am häufigsten gemeldet. Da die verkauften Medikamente oft anders heißen als die Wirkstoffe, sollten Betroffene in die Packungsbeilage schauen.

Mögliche Ursachen und Behandlungen
Laut dieser Forschungsgruppe hängt die Häufigkeit der sexuellen Nebenwirkungen damit zusammen, wie stark ein Wirkstoff an den Serotoninrezeptor im Gehirn andockt. Das könnte einen Hinweis auf einen neurobiologischen Mechanismus liefern.
Vorläufige urologische Funde deuten aber darauf hin, dass das Problem auch mit vermehrten Entzündungen oder einem Verlust an Nerven im Genitalgewebe zusammenhängen könnte. Mit Blick auf die unterschiedlichen Symptome – teils eher auf der Ebene des Lustgefühls, teils eher bei der Erektion oder Feuchtigkeit – könnte es aber durchaus sein, dass die Ursachen der Störung sowohl im Gehirn als auch in den Genitalien liegen.
Es gibt bisher keine anerkannte Behandlung für PSSD. Laut einer niederländischen Studie litt eine Person schon seit 23 Jahren darunter. Neben Psychotherapie, in der man sich primär auf den Umgang mit dem Problem richtet, und den schon bekannten Medikamenten gegen Erektionsstörungen untersucht man derzeit einige andere Verfahren. Dabei verwendet man beispielsweise elektrische Stimulation oder Vibrationen direkt am Glied oder im Dammbereich zwischen Penis und Anus. Man versuchte es sogar schon mit Laserstrahlen. Laut meiner Recherche richtet sich die Forschung bisher aber vor allem auf die sexuelle Funktionsstörung bei Männern.
Man hätte es früher wissen können
Alles in allem ergibt sich wieder einmal ein ernüchterndes Bild der Medikation psychischer Störungen: Im dritten Teil habe ich kurz angeschnitten, dass die Serotonin-Verstärker Ende der 1980ern auf den Markt kamen, als man die Psychiatrie gerade für die massenweise Ruhigstellung ängstlicher Menschen – vor allem übrigens Frauen – kritisierte. Die neuen Substanzen wurden darum gezielt anders vermarktet als die damals populären Beruhigungsmittel, nämlich als „Antidepressiva“. Im Ergebnis behandelt man heute aber wieder oft Ängstlichkeit und haben wieder viele Betroffene ein Problem mit Medikamentenabhängigkeit.
Die komplexen Wirkungen und Nebenwirkungen dieser Psychopharmaka konnte ich in der Artikelserie nur kurz anreißen. Eingehender haben wir uns nun mit den sexuellen Funktionsstörungen beschäftigt, die manchmal auch nach dem Absetzen der Medikamente bleiben oder dann sogar erst auftreten.
Schon seit den frühen 1990ern, also kurz nach der Zulassung der Serotonin-Verstärker, wurden erste Fälle bekannt. Ebenfalls in den 1990ern gab es in der Forschungsliteratur dringende Empfehlungen, die Sexualität depressiver Patientinnen und Patienten bei der medikamentösen Behandlung systematisch zu überprüfen. Dass das bis heute nicht geschah, ist nach meinem Dafürhalten ein weiterer Skandal über den sorglosen Umgang mit Psychopharmaka in der Psychiatrie und Allgemeinmedizin.
Im Ergebnis kann man auch 35 Jahre später noch nicht einmal die Häufigkeit von PSSD mit Sicherheit bestimmen. Im Gegenteil klagen auch in jüngerer Zeit noch Betroffene darüber, nicht auf die Risiken hingewiesen und bei der Meldung der Nebenwirkungen nicht ernst genommen worden zu sein.
Umgang mit Nebenwirkungen
Wie ich in meinem Buch über die Depressions-Epidemie ausführte, erklärte Psychiatrieprofessor David Healy schon 2004 in Let Them Eat Prozac (dt. Sollen sie doch Prozac essen), dass die Pharmafirmen selbst gar kein Interesse an der Aufklärung solcher Nebenwirkungen haben. Prozac (Fluoxetin, Fluctin) ist einer der auf dem Markt erfolgreichsten Serotonin-Verstärker und hat dem Pharmakonzern Eli Lilly and Company seit der ersten Zulassung in den USA 1987 viele Milliarden an Umsatz beschert.
Die Firmen hätten, so Healy, zum Teil dieselben Anwaltskanzleien eingeschaltet, die zuvor die Tabakindustrie gegen hohe Schadensersatzforderungen verteidigten. In diesen Gerichtsverfahren habe sich das Nichtwissen ausgezahlt: Je weniger die Firmen über mögliche Folgeschäden wussten, desto weniger habe man sie rechtlich zur Verantwortung ziehen können.
Wie wir sahen, erfahren fast alle Patientinnen und Patienten durch die Einnahme von Serotonin- oder Noradrenalin-Verstärkern sexuelle Veränderungen. Das Problem war übrigens schon bei den älteren „Antidepressiva“ bekannt, auch wenn es bei ihnen seltener auftrat.
Man muss kein Einstein sein, um dieses Risikopotenzial zu verstehen: Serotonin-Verstärker werden nämlich auch zur Behandlung von vorzeitigem Samenerguss verschrieben. Vielleicht helfen die sogenannten Antidepressiva damit einigen Männern, die sonst zu schnell „kommen“ – aber gelingt es anderen dann gar nicht mehr, den Höhepunkt zu erreichen.
Die Medikamente, die man immer häufiger und in Deutschland inzwischen vielen Millionen Menschen verschreibt, werden sogar zur chemischen Kastration von Sexualstraftätern und zur Unterdrückung unerwünschter Sexualität bei dementen Personen verwendet. Warum werden aber andere Patientinnen und Patienten so gut wie nie hierüber informiert? Auch die 23-jährige Lauren Friedman meinte, sie hätte diese Psychopharmaka nie genommen, wenn man ihr vorher von diesen Anwendungen erzählt hätte.
Offene Fragen
Das sind Fragen, auf die es aus der Ärzteschaft hoffentlich bald Antworten geben wird. Bezeichnenderweise hieß es in einer aktuellen Ausgabe der angesehenen Fachzeitschrift Nature zur neuen kritischen Diskussion der Serotonin-Verstärker aber:
„Bevor Wissenschaftler vollständig erklären können, warum Entzugserscheinungen auftreten – oder wie man ihnen am besten vorbeugen oder sie behandeln kann – müssen sie grundlegendere Fragen beantworten: Was geschieht im Gehirn, wenn jemand depressiv ist? Und was genau bewirken SSRIs, um dies zu verändern?“ (Peeples, 2026, S. 813; dt. Übers.)
Wohlgemerkt, es geht hier um Medikamente, die man seit vierzig Jahren ohne größere Vorbehalte und immer häufiger verschreibt! Laut dem Artikel nehme in den USA inzwischen gut ein Sechstel beziehungsweise 17 Prozent aller Erwachsenen „Antidepressiva“. Die Zahlen für Großbritannien sind ähnlich. Dabei weiß man nach all den Jahrzehnten der Forschung immer noch nicht genau, wie diese Stoffe im Körper wirken. Warum sollten wir noch glauben, dass man die wichtigen Fragen mit weiteren Dekaden dieser teuren und einseitigen biologisch-pharmakologischen Forschung wird beantworten können?
Dieses Fazit könnte einen depressiv stimmen. Im nächsten und abschließenden Teil der Artikelserie werden wir die Depressions-Epidemie noch einmal im größeren Maßstab betrachten. Hoffen wir, dass dabei mehr als nur ein Funken Hoffnung übrig bleiben wird!
Achtung! Bei der Änderung oder dem Absetzen von Psychopharmaka oder deren Dosierung kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Besprechen Sie die Möglichkeiten und Risiken im Voraus mit Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin.
Der Artikel wurde zuerst auf dem Blog „Menschen-Bilder“ des Autors veröffentlicht.
Zum Thema s.a. sein Buch: Perspektiven aus der Depressions-Epidemie: Was Depressionen sind und wie man sie behandelt.
Quellen
- Ashton, A. K., Jamerson, B. D., Weinstein, W. L., & Wagoner, C. (2005). Antidepressant-related adverse effects impacting treatment compliance: results of a patient survey. Current Therapeutic Research, 66(2), 96-106.
- Ben-Sheetrit, J., Hermon, Y., Birkenfeld, S., Gutman, Y., Csoka, A. B., & Toren, P. (2023). Estimating the risk of irreversible post-SSRI sexual dysfunction (PSSD) due to serotonergic antidepressants. Annals of General Psychiatry, 22(1), 15.
- Brugi, S., Budd, B., Mackie, C., & Fish, S. (2026). “It’s taken away the most fundamental things about being human”: the lived experience and impact of post-SSRI sexual dysfunction. International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-being, 21(1), 2717470.
- Chinchilla Alfaro, K., van Hunsel, F., & Ekhart, C. (2022). Persistent sexual dysfunction after SSRI withdrawal: a scoping review and presentation of 86 cases from the Netherlands. Expert Opinion on Drug Safety, 21(4), 553-561.
- Healy, D. (2004). Let Them Eat Prozac: The Unhealthy Relationship between the Pharmaceutical Industry and Depression. New York, NY: New York University Press.
- Healy, D. (2019). Post-SSRI sexual dysfunction & other enduring sexual dysfunctions. Epidemiology and Psychiatric Sciences, 29, e55.
- Healy, D. (2020). Antidepressants and sexual dysfunction: a history. Journal of the Royal Society of Medicine, 113(4), 133-135.
- Maß, R., Backhaus, K., & Unkelbach, B. K. Werden Patient*innen mit Depression im Versorgungssystem unter Druck gesetzt, gegen ihren Willen Antidepressiva einzunehmen?. Psychiatrische Praxis.
- Peeples, L. (2026). The baffling science of SSRIs: how do they really work?. Nature, 656(8129), 812-814.
- Pirani, Y., Delgado-Ron, J. A., Marinho, P., Gupta, A., Grey, E., Watt, S., … & Salway, T. (2025). Frequency of self-reported persistent post-treatment genital hypoesthesia among past antidepressant users: a cross-sectional survey of sexual and gender minority youth in Canada and the US. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 60(7), 1771-1779.
- Reisman, Y. (2020). Post-SSRI sexual dysfunction. BMJ, 368.
- Rice, E. E., Kleinplatz, P. J., Richardson, H. M., DiCaita, H., D’souza, K., Charest, M., & Rosen, L. (2025). Understanding the experiences of people with post-SSRI sexual dysfunction. Journal of Sex & Marital Therapy, 51(5), 447-461.
- Rosen, R. C., Lane, R. M., & Menza, M. (1999). Effects of SSRIs on sexual function: a critical review. Journal of Clinical Psychopharmacology, 19(1), 67-85.
- Schleim, S. (2026). Perspektiven aus der Depressions-Epidemie: Was Depressionen sind und wie man sie behandelt. BoD, Hamburg.
- Shaw, J., Lai, C., Bota, P., Le, A., Andricioaei, A., Tran, T., & Allee, T. (2025). The Off-Label Use of Selective Serotonin Reuptake Inhibitors for Sexual Behavior Management: Risks and Considerations. Healthcare, 13, 19, 2433.
- Stachelek, J., Zwaans, B. M., Shtein, R., & Peters, K. M. (2025). Insights into the peripheral nature of persistent sexual dysfunction associated with post-finasteride, post-SSRI and post-accutane syndromes: Lessons learned from a case study. International Urology and Nephrology, 57(8), 2387-2394.
- Waldinger, M. D. (2018). Drug treatment options for premature ejaculation. Expert Opinion on Pharmacotherapy, 19(10), 1077-1085.
- Waldinger, M. D., van Coevorden, R. S., Schweitzer, D. H., & Georgiadis, J. (2015). Penile anesthesia in post SSRI sexual dysfunction (PSSD) responds to low-power laser irradiation: a case study and hypothesis about the role of transient receptor potential (TRP) ion channels. European Journal of Pharmacology, 753, 263-268.
- Winder, B., Grubin, D., Underwood, M., Antoniadis, Z., Carvalheiro, M., Marshall, E., … & Kaul, A. (2026). Medical Management of Problematic Sexual Arousal for People With a Sexual Conviction in England and Wales: Challenges, Learning and Progress. Criminal Behaviour and Mental Health, 36(2), 79-86.
- Zeiss, R., Malejko, K., Connemann, B., Gahr, M., Durner, V., & Graf, H. (2024). Sexual dysfunction induced by Antidepressants—A pharmacovigilance study using data from vigibase. Pharmaceuticals, 17(7), 826.
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„Ein Mann, Thomas (alle Namen geändert), würde lieber fünf Jahre an Krebs leiden und dann sterben als weiter ohne Gefühle durchs Leben zu gehen.“
Ich könnte mir vorstellen, dass er mit Krebs im Endstadium anders darüber denken würde.
Meines Wissens sind Antidepressiva Teil einer ambulanten Therapie, d. h. die Patienten können einfach ablehnen oder damit aufhören. Nach meiner Erfahrung ist allerdings der Leidensdruck in solchen Fällen so groß, dass sie freiwillig das „Gedankenkarussell“ zum Schweigen bringen wollen. An Sex denkt in so einer Situation keiner.
Umgekehrt: Wenn jemand schon wieder so weit aufgebaut ist, dass es um die praktische Umsetzung des Knatterns geht, dann ist es vielleicht ohnehin Zeit zum Ausphasen. Das Zeug ist ja nicht als Dauertherapie gedacht, oder?
Es wird aber zum Teil so eingesetzt.
Ihr Kommentar ist zu kurz (91 von mindestens 100 Zeichen). Bitte nutzen Sie den Zurück-Button Ihres Browsers, ergänzen den Text und senden ihn erneut. Albern.
@Heribert Wannsieder: „„Ein Mann, Thomas (alle Namen geändert), würde lieber fünf Jahre an Krebs leiden und dann sterben als weiter ohne Gefühle durchs Leben zu gehen.“
Ich könnte mir vorstellen, dass er mit Krebs im Endstadium anders darüber denken würde.“
Danke für diesen Kommentar zu dieser für mich ungeheuerlichen Aussage!
Ich weiß ohnehin nicht, was ich von diesen Protagonisten halten soll, denn ich weiß aus eigener Erfahrung zu Genüge, dass die Libido durch die Depressionserkrankung selber in der Regel schon komplett abgetötet wird, ebenso wie normales Hungerempfinden, Lebensfreude etc.
Dazu bedarf es normalerweise nicht der Nebenwirkungen der klassischen Antidepressiva, die wirklich zahlreich sind und die bei mir ganz andere Probleme verursacht haben.
Sie wiederholen leider den Fehler, über die Erfahrungen von Betroffenen hinweg zu reden.
Wie ich in der Serie (mehrmals) schrieb, werden in Deutschland inzwischen jährlich so viele „Antidepressiva“ verschrieben, um damit täglich(!) 5 Millionen(!) Menschen zu behandeln. Jetzt schrieb ich mit Blick auf die Studienlage zu PSSD, dass es um mindestens mehrere Zehntausend Betroffene gehen dürfte. Weil es also „nur“ um Zehntausende geht, sollen die bitte den Mund halten?
Zum erlebten Zwang, „Antidepressiva“ zu nehmen, wurde in meinem Artikel eine brandneue (deutsche) Studie zitiert. Haben Sie den Text überhaupt gelesen?
„An Sex denkt in so einer Situation keiner.“
Einschränkung der Sexualität ist überhaupt kein Symptom von Depressionen. Rund 5 Millionen Menschen einfach so das Recht auf eine funktionierende Sexualität abzusprechen, finde ich ungeheuerlich. Schon in Debatten in der Schule empfahlen wir früher gerne: Bitten nicht von sich selbst auf andere schließen! Das will ich Ihnen mit auf den Weg geben.
@H.Wannsieder
Ich glaube nicht, dass sie sich jemals ernsthaft mit der Diagnose beschäftigt haben! Eine sehr gute Freundin hat mal gesagt
“ ich wünschte es wäre Krebs- den würde man rausschneiden und mit einer weiteren Therapie hab ich vielleicht noch ein paar schöne Jahre, könnte kämpfen!“
Sie haben keine Ahnung davon wie groß die Angst ist bei einer Reduktion oder sogar Absetzung wieder in eine Lebenssituation aus Angst und Panik ,Überforderung und Verzweiflung zu geraten!
Dank der Artikel betrachte und verstehe ich ihre Situation erst heute viel besser.
Die Kraft den Tag mit allen Herausforderungen und ERWARTUNGEN zu bewältigen ist weniger geworden . Dieses NEBEN SICH STEHEN ob privat oder früher im Beruf verständlicher für mich.
Die Probleme in der Beziehung zum Partner die am Ende auch zur Trennung führten und ihre Situation weiter verschlechterte sind mir jetzt bewußter geworden. Wenn man sich selbst als gefühlsloser Zombie fühlt, wie will man dann die Gefühle des Partners oder von anderen überhaupt wahrnehmen und darauf reagieren ohne sich selbst immer gleich verantwortlich zu fühlen?Wie empfindet man den Beischlaf wenn man selbst nichts mehr empfindet?
Er war nicht der Mann mit dem sie darüber reden konnte und leider hat sie auch nicht mit mir über ALLES gesprochen.Vor knapp 2 Jahren hat sie sich völlig unerwartet das Leben genommen nachdem sie auch in ihrem Beruf als Ärztin anscheinend auf immer größere Probleme im Selbstwert traf. Wie schwer sie „Niederlagen“ im Kampf um Patienten nahm ahnten wir nicht . Dass sie mit jeder Überstunde und zusätzlichen Diensten versuchte wenigstens im Job perfekt zu wirken und belastbar ! Sie war voller Verständnis für ihre Patienten und hilfsbereit.
Sie war in Behandlung und in einer Selbsthilfegruppe- niemand hat geahnt wie schlecht es ihr ging während sie einfach nur funktionierte.
Assoziierte Professoren publizieren in Fachjournalen um später unkündbar ihre
8500 € brutto beziehen zu können.
Die Holländer sind diesbezüglich wohl offener.
Mal einen Fakten-Check:
1. Für Angestellte an niederländischen Universitäten gelten die selben arbeitsrechtlichen Regeln, die für alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch gelten.
2. Dass man sich mit akademischen Arbeiten – in meinem Fall inzwischen über 100, die finden Sie übrigens alle über meine Homepage – qualifiziert, hindert niemanden daran, z.B. Artikel oder Kolumnen für ein Magazin oder eine Zeitung zu schreiben; meinen Blog pflege ich übrigens schon seit bald 20 Jahren, als ich noch Doktorand war.
3. Viele Universitäten begrüßen inzwischen die Kommunikation mit breiteren Kreisen in der Gesellschaft, auch aus dem Grund, dass man für den Empfang von Steuergeldern etwas zurückgibt – und die Sichtbarkeit der Institution vergrößert.
Ein paar Gegenfragen:
1. Von mir dürfte man inzwischen 1.000+ Artikel kostenlos im Internet finden. Dazu kommen zwei Open Access-Bücher (auch peer reviewed) aus jüngerer Zeit. Was ist Ihr Beitrag?
2. Was hat Ihr Kommentar mit dem Thema zu tun?
3. Was trägt Ihre offensichtliche Polemik zu einer konstruktiven Diskussion bei?
4. Warum unterlassen Sie solche Invektiven nicht einfach, vor allem bei so einem ernsten Thema?
Für 8500 € im Monat, statte ich jede Theorie der 80er mit aktuellen Zahlen aus und verkaufe das als wissenschaftliches Arbeiten.
Moralisch bin ich nicht erreichbar.
Was sind „ernste Themen“ ?
Sehr geehrter Herr Schleim,
Ihre Artikel finde ich immer sehr informativ. Mir war das enorme Ausmaß, in dem Antidpressiva verschrieben werden, gar nicht bewusst. Es ist sehr wichtig, dass Fachleute das in Medien wie Overton zur Sprache bringen – und sich auch mit Kritik auseinandersetzen. Danke! Machen Sie bitte weiter so!
Einziger Kritikpunkt: Die Aussage von „Thomas“, er würde lieber 5 Jahre an Krebs leiden“ ist sicher authentisch, aber solch Vergleiche sind sehr problematisch. Meine Mutter ist an Knochenkrebs gestorben …
Nochmal hier eine Beschwerde, darüber dass Kommentare gestrichen werden. Ich habe in meinen Kommentar zum letzten Artikel von Herrn Schleim inhaltlich im Grunde nichts anderes geschrieben als der Autor jetzt im aktuellen Artikel beschreibt.
Ich denke nicht, dass Overton böswillig zensiert und bestimmte Meinungen unterdrücken will.
Aber dieses willkürliche Aussortieren ist auf Dauer doch sehr frustrierend und unterbindet einen konstruktiven Dialog.
Overton sollte hier kräftig nachbessern, ansonsten sehe ich dieses Format gefährdet.
Sehr geehrter Herr Schleim, meine Beschwerde war nicht an sie persönlich gerichtet. Umso mehr ein Lob und ein Dankeschön, dass sie auf Kommentare ihrer Leser antworten und sehr sorgfältig und profund auf Argumente eingehen. Das ist Vorbildhaft weil es einen inhaltlichen Dialog ermöglicht. Gefördert wird dies durch den Stil ihrer Beiträge, der nicht zufällig von der Achtung anderer Menschen geprägt ist. Das macht es mir als Leser um so leichter, genauso achtungsvoll zu antworten. Vielleicht können sie eher als ich etwas bei der Redaktion erreichen, wenn sie sich dafür einsetzen, dass der Dialog mit ihnen und ihrer Leserschaft nicht brutal abgewürgt wird.
Mir erscheint es jedenfalls mehr als rätselhaft wie dort vorgegangen und zensiert wird. Overton ist ein wertvolles Format, weil es Kommentare und den Dialog zwischen den Autoren und der Leserschaft ermöglicht und genau dies wird zerstört, sobald willkürlich zensiert wird. Mir ist klar, dass Overton etwas tun musste, damit es nicht aus dem Ruder läuft, aber das Vorgehen dabei bedarf dringend der Überarbeitung, ansonsten sehe ich schwarz für das Fortbestehen von Overton, denn genau dieser Dialog macht das ganze Magazin erst aus.
@Redaktion ich hoffe ihr streicht nicht nur, sondern lest auch mal den einen oder anderen Kommentar durch bevor ihr willkürlich auf [del] drückt. Gibt es überhaupt Kriterien für dieses Vorgehen und wenn ja, dann wäre es auch mal an der Zeit diese Kriterien bekannt zu geben und transparent zu machen.
**Dies hier ist (auch) ein Leserbrief und eine offizielle Beschwerde meinerseits an die Redaktion.**
Der Autor schreibt:
„Thomas klagte auch über Beziehungsprobleme. Die sexuellen Nebenwirkungen hätten das Selbstvertrauen seiner Partnerin beeinträchtigt. Sie habe sich die Schuld dafür gegeben, dass er im Bett nicht mehr konnte. „
Ruhig, ruhig !, das ruhig gezogene Fazit müsste lauten : Die Ärzte in der BRD und den USA sollten ihre Patienten unbedingt und verpflichtend über die nachhaltende Nebenwirkung des Libidoverlustes aufklären – gar keine Frage – denn beide Kollektive sind extrem verleiblicht !: sie sind zwar Christen, aber die Chance mittels Antidepressiva solchen Menschen wie Jesus oder Origines näherzukommen, zählt für diese weniger, als weiterhin Sex-fähig/potent zu sein; für die Mehrheit der Deutschen/US‘ler muss eine alternative Form der Depressionsbekämpfung etabliert werden, denn niemanden ist geholfen, wenn diese sich nach der Antidepressiva-Therapie mit Viagra oder dem Pulver von Nashornhörnern/Elefantenstoßzähnen vollstopfen !
Na und ob jemandem geholfen ist: Den Pharmaproduzenten natürlich! Wollen sie etwa dem heiligen Profit im Wege stehen? Zuerst SSRI verkaufen und dann Mittel um die Nebenwirkungen zu behandeln. Perfekt!
Alfred Anonym schreibt :
„Wollen sie etwa dem heiligen Profit im Wege stehen? „
Mir wäre es natürlich lieber, wenn meine Medikamente aus einem VEB stammen würden, aber was soll ich machen : ich lebe im Kapitalismus ! Wie kommt mensch da raus ? Ich denke, man könnte versuchen es so wie die Zionisten zu machen : sich auf einem bestimmten Territorium ansammeln, und dann versuchen, einen nicht-kapitalistischen Bundesstaat zu gründen; dann könnte sich jeder Deutsche frei entscheiden , in welchem System – also in welchem Bundesstaat – er leben will;
Solange man keine Alternative hat, ist man nicht frei; ich weiß, das klingt kitschig, aber da ist schon was Wahres dran !
Das habe ich alles schon in den 90ern gesagt, ist also ein echt uralter Hut.
Jeder, der ein wenig Intelligenz und Fachwissen mitbringt, oder sich dementsprechend informiert, könnte das längst wissen.
Genau so, wie mit der Impfung mit mittlerweile 20 Millionen Toten.
@ Artikel vs. Kommentare:
Natürlich sind das abwegige Aussagen, dass das mehrjähriges Verrecken an Krebs eine der schlimmsten Arten ist, zu sterben, dürfte wirklich jedem Erwachsenen bekannt sein. Herr Schleim zitiert hier Betroffene, nicht um darzustellen, wie schlimm deren physischer Zustand ist, sondern um aufzuzeigen, welches Ausmaß die psychische Verzweiflung der Betroffenen angenommen hat, so dass diese sich zu einem derart absurden Vergleich hinreißen lassen und womöglich daran glauben.
Die sprachlich Darstellung der Beschreibung des Zustands der langjährig mit „Antidepressiva“ Behandelten halte auch ich nicht für gelungen. Aber es ging Herrn Schleim und (sicherlich auch nicht) den Betroffenen bzw. Zitierten nicht darum, die Krankheiten und Behandlungen zu vergleichen oder das Leiden der an Krebs Erkrankten und Verstorbenen zu relativieren, herunterzuspielen oder zu diskreditieren.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Wegen der beschränkten Anzahl an Kommentaren an dieser Stelle von mir noch eine Reaktion an die Leserinnen und Leser:
Viele stoßen sich an der Bemerkung von „Thomas“, er hätte lieber Krebs als PSSD. Ich denke, mit etwas Lebenserfahrung und Menschenkenntnis sollte einem klar sein, dass mit so einer Aussage vor allem ein Leiden ausgedrückt wird und der Inhalt nicht wortwörtlich zu verstehen ist.
Wenn ein Zimmermann bei einem Arbeitsunfall einen Arm verliert, ein Soldat im Einsatz ein Bein oder eine dritte Person erst die Arbeit, dann die Partnerschaft, dann die Wohnung verliert, in Drogenabhängigkeit und Prostitution oder Kriminalität abrutscht und schließlich schwer depressiv wird – wer leidet dann am meisten? Auf solche Fragen gibt es keine objektiv gültigen Antworten.
Ich finde, dass der Kommentar von @El-G von heute das treffend formuliert. Davon abgesehen wird auch die schwere einer Krebserkrankung individuell unterschiedlich erlebt: und zwar nicht nur abhängig von den körperlichen Faktoren, sondern auch davon, wie viel familiäre/soziale Unterstützung jemand erfährt – und ob jemand mit dem Leben im Reinen ist oder denkt, viel verpasst zu haben. (Lesetipp: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen von Bronnie Ware.)
@Trux: Ein Kommentar von mir gestern wurde auch nicht publiziert. Das geschah wohl automatisch. Wenn Sie der Redaktion eine höfliche(!) E-Mail mit der Bitte um Freischaltung schicken, wird ihnen vielleicht geholfen. Ich habe mit der Verwaltung des Forums nichts zu tun. Übrigens sollten wir bedenken, dass so ein offenes Forum für alle inzwischen (leider) die Ausnahme ist – die meisten Medien haben sich ja von ihren Leserinnen und Lesern abgeschottet. Bei einer dringenden Frage an mich können Sie mir gerne eine E-Mail schreiben.
@Dropke: Außer provozierender Polemik kann ich bei Ihnen nichts erkennen. Sie tätigen wiederholt falsche Aussagen, ohne dass Sie das interessiert. Solche Leute sind bei mir unten durch.
Der Autor schreibt :
„ Viele stoßen sich an der Bemerkung von „Thomas“, er hätte lieber Krebs als PSSD. „
Ich nicht : Die Anbetung des eigenen Phallus ist doch ein weltweites Massenphänomen; wundert mich nicht, dass es Westler gibt, die lieber sterben wollen als die Libido zu verlieren.
Inhaltlich zu ihrem Beitrag:
Ich habe solche Medikamente auch mal verordnet bekommen und sie dann nach wenigen Wochen wieder abgesetzt.
Eines dieser Präparate machte „komische Herzbeschwerden“ oder doch eher das „Gefühl von Herzstolpern“ in der Brust. Ein anderes hatte zur Folge, dass ich sehr lange bis zum Orgasmus brauchte. Der Kommentar meiner Freundin dazu war, dass der Sex ihr jetzt langweilig und mühevoll vor käme.
Der Grund zum Absetzen der Medikation war jedoch, dass das Schmerzsyndrom unter dem ich litt sich damit nicht besserte und die zunehmende Teilnahmslosigkeit die sich durch die Medikamente einstellte eher noch dazu führte, dass ich noch weniger aktiv war als ich ohnehin schon schmerzbedingt war.
Ich kann nicht ausschließen das diese Substanzen auch mal irgend jemand helfen. Allerdings ist die Entwicklung, dass inzwischen schon 5 Millionen Bundesbürger diese Pillen fressen und es jeden Tag mehr werden sehr bedenklich.
Ich wünsche ihnen Herr Schleim viel Erfolg bei ihren Anliegen. Ihre Argumentation ist präzise und nachvollziehbar. Aus meiner kurzen persönliche Erfahrung damit, kann ich das Geschilderte jedenfalls nur bestätigen. Wenn sich Sexualstörungen als Nebenwirkung einstellen, dann ist das keine Kleinigkeit. Ich fand es „mal“ lustig endlos zu vögeln, aber nicht jeder wird bei dieser Nebenwirkungen so lustig dabei weg kommen. Und da die soziale Interaktion die wichtigste Rolle bei der Erhaltung von Gesundheit spielt, weit mehr jedenfalls als alle Risikofaktoren zusammen, kann man den negativen Effekt auch gar nicht zu niedrig ansetzen.
Ich finde die Wiedergabe der Thematik absolut heuchlerisch. Die Probleme mit der Sexualität dürften bei dieser Medikamentenklasse noch die geringsten sein. Mittlerweile wissen manche Fünftklässler über die enorme Problematik dieser Serotonin Wiederaufnahme Hemmer Bescheid. Die Nebenwirkungen sind gigantisch. Diese Medikamente können Patienten suizidal oder gewalttätig machen. Sie sind absolut kontraproduktiv und werden nur verschrieben weil ein Milliardenmarkt dahinter steht. Die Frage müßte lauten, warum Depressionen so zunehmen! Liegt es vielleicht an den immer inhumaner werdenden Gesellschaftsordnungen der Länder des politischen Westens? Daran daß sich immer mehr Menschen durch den KI Schrott zu „nutzlosen Essern“ degradiert fühlen? Wird ja vom einen oder anderen Vertreter der Plattform Milliardärs Kaste genauso proklamiert. Ich habe viel Kontakt zu Jugendlichen, die an der Schwelle zum Berufsleben stehen, die schon von der milliardenschweren Lockdown Kampagne schwer geschädigt sind. Man sagt ihnen bei jeder Idee, die sie zu ihrem Berufswunsch haben: „den Beruf brauchst du nicht mehr zu erlernen….das macht eine Ki.“
Schöne neue Welt. Und da soll man sein seelisches Gleichgewicht halten?
Das alles betrifft ja mittlerweile nicht nur Patienten mit Depressionen. Probleme in allen Lebensbereichen sind bei allen Menschen auf dem Vormarsch. Aber solange sich bestimmte Grüppchen die Taschen vollmachen auf dem Rücken der Leute mit wenig Geld und Einfluss, wird niemand an die Wurzel gehen und versuchen 3 Schritte zurückzugehen und Fehlentwicklungen zu korrigieren.
Ich frage mich ob die gesamte Problematik sowohl an den Universitäten als auch bei Fortbildungen / Kongressen der Ärzte thematisiert wird. In wie weit Herr Schleim da vielleicht selbt aktiv ist und Kontakte hestellt zu psychiatrischen Zentren. Das würde mich etwas beruhigen.
Vor allem aber wäre es wünschenswert, dass Selbsthilfegruppen erfahren welche gravierenden Nebenwirkungen auftreten können.
Beruflich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Fortbildungen im medizinischen Bereich häufig über Pharmafirmen finanziert wurden. Wie bereits angedeutet ,dürfte deren Interesse an Aufklärung ja wohl eher gering sein!
Schon erstaunlich, wenn nach Forschungen der Teil der Männer, der über sexuelle Nebenwirkungen klagt, größer ist als der Teil, der nach anderen Forschungen überhaupt noch an sexuellen Erfahrungen Anteil hat.