Proletarisches Einverständnis mit dem Ende der Zivilisation

Erster Weltkrieg: Zerbombter Wald bei Ypern. Bild: gemeinfrei

Wo allenthalben Rückblicke aufs Jahr der „Zeitenwende“ veranstaltet werden, hier ein weiterer Blick – mehr als 100 Jahre – zurück auf die Wende von 1914, als die Arbeiterbewegung den Weg ins Zeitalter der Weltkriege einschlug.

 

 

Jüngst wurde unter dem Titel „Der Weg ins Zeitalter der Weltkriege“ an Anton Pannekoeks wieder aufgelegtes Pamphlet „Klassenkampf und Nation“ von 1912 erinnert: Die Neuausgabe der Streitschrift rufe eine historische Zeitenwende in Erinnerung, nämlich die Zäsur, als die Arbeiterbewegung ihre Kapitalismuskritik beendete und aus ihrer internationalistischen Programmatik heraus den Weg zur Bejahung der Nation fand, somit das „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm) möglich machte. Das sei, schrieb Frank Bernhardt, ein Denkanstoß für die heutige Zeit, wo sich ebenfalls der Weg in einen Weltkrieg – unter tatkräftiger sozialdemokratischer Mitwirkung und ohne Gegenwehr der Gewerkschaften – als finale Perspektive abzeichne, atomare Apokalypse inbegriffen.

SPD ermöglicht „Urkatastrophe“

Der Rückblick auf den Rätekommunisten Pannekoek erinnerte auch daran, dass man in gewisser Hinsicht den sozialistischen Parteien Europas, allen voran der SPD, die Hauptschuld für das gegenseitige Abschlachten der Nationen geben müsse. Denn ohne die Entscheidung der Partei- und Gewerkschaftsführung – Bewilligung der Kriegsanleihen und Ausrufung eines inneren „Burgfriedens“ – und ohne die nachfolgende Bereitschaft der Arbeitermassen, in den imperialistischen Krieg ihrer Herren zu ziehen, wäre es nicht gelungen, die Völker für vier lange Jahre gegeneinander in Stellung zu bringen.

Statt irgendetwas zu verhindern oder auch nur zu erschweren, bahnte die Arbeiterbewegung den Weg hin zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (George F. Kennan), zu den „letzten Tagen der Menschheit“ (Karl Kraus), zum „totalen Krieg“, der Völker und Ländereien im Zuge der neuen Großmachtkonkurrenz systematisch der Vernichtung preisgibt.

Wenn man das Pathos der bundesdeutschen Erinnerungskultur bemühen möchte, könnte man hier vom eigentlichen „Zivilisationsbruch“ (Dan Diner) der modernen Staatenwelt sprechen. Man müsste dann nur vergessen, dass die kapitalistische Zivilisation überhaupt mit Blut getränkt ist – dass diese weltweit wirtschaftende und expandierende Profitmaschine auf der „Ausrottung“ und „Versklavung“ fremder, vor allem indigener Völker basiert, auf der „Eroberung und Ausplünderung“ der Überseegebiete, auf Gewalt pur als dem „Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht“. So hat es Karl Marx im berühmten Kapitel über die „sogenannte ursprüngliche Akkumulation“ im ersten Band des „Kapital“ beschrieben.

Und es gibt ja auch in einigen kapitalistischen Nationen mittlerweile – Jahrhunderte später – das zaghafte Bemühen, die eigenen Imperial- und Kolonialmassaker aufzuarbeiten; gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten hat sich der niederländische Ministerpräsident „für das unermessliche Leid“ entschuldigt, das sein Land durch die Beteiligung an der Sklaverei herbeiführte. Die BRD hat es sogar in der Rekordzeit von 100 Jahren geschafft, ihres Völkermords in Namibia offiziell und formgerecht zu gedenken, ohne sich freilich auf die Pflicht einer Wiedergutmachung festzulegen.

Wegen der Gewaltträchtigkeit des kapitalistischen Systems warnte Friedrich Engels bereits 1887 vor einem „Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit“ und 1893 in seiner berühmten Artikelserie „Kann Europa abrüsten?“ vor einem „allgemeinen Vernichtungskrieg“. Führende Leute der Sozialdemokratie wie der Austromarxist Otto Bauer schafften es bis in die letzten Tage vor Kriegsbeginn 1914, verbal an solchen Positionen festzuhalten und gleichzeitig die Weichen zur Kriegsbeteiligung zu stellen.

Anton Pannekoek. Bild: public domain

Mit Pannekoeks Intervention (und ähnlich mit Rosa Luxemburgs Einspruch gegen den imperialistischen Kurs, wie sie ihn in ihrer Schrift über die notwendig expansive „Akkumulation des Kapitals“ formulierte) wurde dagegen eine Alternative formuliert – die aber welthistorisch bedeutungslos blieb. Hätte sie in der Arbeiterbewegung an Einfluss gewonnen, wäre der Krieg möglicher Weise durch den Widerstand der Massen verhindert worden.

Dass es nicht so kam, wurde der Sozialdemokratie von den kommunistischen Parteien als ihr großer „Verrat“ angekreidet. Dies geht jedoch an der Sache vorbei, wie man ebenfalls in Pannekoeks Schrift nachlesen kann: Hier zeigt sich, wie die Nation bereits lange vor der militärischen Zuspitzung bei der Sozialdemokratie in höchstem Ansehen stand. Sie wurde als eine allgemeine Lebensbedingung genommen, an der man politisch nicht vorbeikommt, die man vielmehr selber gestalten will. Mit Kriegsbeginn wurde das konsequent fortgeführt, jetzt zeigte sich der Stolz der Arbeiter-, speziell der Gewerkschaftsbewegung darauf, dass man endlich als konstruktive Kraft anerkannt wurde.

Mit dem Ersten Weltkrieg wurde zum Abschluss gebracht, was unter Bismarck begonnen hatte: die Etablierung eines Sozialstaates, der die (Über-)Lebensnotwendigkeiten der Arbeiterklasse in den Blick nimmt und sie den Sachzwängen des herrschenden Systems unterordnet. Renate Dillmann und Arian Schiffer-Nasserie haben die Entwicklung in ihrem Buch „Der soziale Staat“ analysiert: Der Erste Weltkrieg habe in Deutschland das, was heute als „Sozialpartnerschaft“ selbstverständlich ist – „die Zusammenarbeit der antagonistischen Interessen von Kapital und Arbeit unter staatlicher Aufsicht“ –, durchgesetzt. Das Kaiserreich brauchte sein gesamtes Volk, auch die bis dahin bekämpften Sozialdemokraten und nicht zuletzt die Gewerkschaften, für den Krieg, der jetzt „total“ geführt wurde.

Auch heute: Proletarische Einverständniserklärung

Die deutsche Sozialdemokratie ist dann im 20. Jahrhundert zu einer führenden proimperialistischen Kraft aufgestiegen, die in Kriegsfragen (siehe Schröders Krieg gegen Serbien 1999) nichts anbrennen lässt und nicht zuletzt das Nationalbewusstsein des gewerkschaftliche Vertretungswesens betreut. Zur Stabilität der Heimatfront leisten auch gegenwärtig die Gewerkschaften einen entscheidenden Beitrag. „Der DGB verkündet das proletarische Einverständnis mit der Zeitenwende“ hieß es zur aktuellen Entwicklung seit dem 24. Februar im Gegenstandpunkt. Das durchzusetzen, bedarf aber heute keiner großartigen Wende mehr. „So weit, so normal für die BRD 2022“, lautete denn auch das Fazit des Gegenstandpunkts. Die Arbeitervertretung liefere eben „noch eine Ermunterung an die Regierung, den Krieg zu beenden und den Frieden einkehren zu lassen, indem sie genau den militärischen und diplomatischen Kurs fährt, auf den sie die Nation längst eingeschworen hat“.

Die kritische Analyse brachte aber auch eine Erinnerung an den Ursprung der Arbeiterbewegung und deren Internationalismus. Bemerkenswert sei die „Loyalitätserklärung des DGB insofern, als sich hier immerhin Gewerkschaften zu Wort melden, die sich als Teil einer ‚internationalen Gewerkschaftsbewegung‘ verstehen, zu deren Ethos der Einspruch gegen Krieg gehört, und die – zwar in denkbar höflicher Zurückhaltung, aber immerhin explizit – daran erinnern, was ihre Klientel im Krieg überhaupt ist: Hauptleidtragende eben“. Zivilbevölkerung und „viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ seien nämlich die „Hauptleidtragenden“, wie der DGB seinen Appell an die Oberen begründete (zu weiteren gewerkschaftlichen Stellungnahmen, etwa von Verdi und GEW, siehe: An der Heimatfront – die Reihen fest geschlossen!). Dieser Friedensidealismus, den der Gegenstandpunkt natürlich nicht für bare Münze nimmt, ist das Erbe einer Arbeiterbewegung, die ihren Internationalismus in ein wechselseitiges Bekenntnis zur jeweiligen Nation überführt hat.

Der Aufstieg der Sozialdemokratie zur staatstragenden Partei ist seit 100 Jahren Fakt. Dass die „Wende“ 1914 innerhalb kürzester Frist über die Bühne ging – so wie sich die BRD auch 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine innerhalb weniger Tage zur Rolle einer militärischen Führungsmacht bekannte –, hatte seine imperialistische Vorgeschichte. Es handelte sich damals nicht um einen „Verrat“ der sozialdemokratischen Führung, sondern um das Resultat einer über Jahrzehnte zielstrebig praktizierten Politik.

Peter Decker und Konrad Hecker schreiben in ihrem Rückblick auf die heute ans Ende gekommene „große Karriere“ des Proletariats: „Die sozialistischen Parteien des Proletariats, die sich als Vorkämpfer eines revolutionären Umbruchs verstanden, bedienten sich gegen die bürgerliche Herrschaft, wie sie ihnen zunächst entgegentrat, der rechtlich-parlamentarischen Mittel, die ihnen im doppelten Sinn des Wortes geboten wurden. Vermittels parlamentarischer ‚Koppelgeschäfte‘ und auch schon regelrechter Koalitionen erpressten sie den bürgerlichen Machtapparat dazu, sich seiner ‚sozialpolitischen Verantwortung‘ zu stellen und die Existenzbedingungen der Arbeiterklasse in seine Fürsorge für das Fortkommen der Gesellschaft einzubeziehen.“

Dieser Kampf konnte, wie gesagt, Erfolge vorweisen. 1914 vor die Alternative gestellt, entweder den vaterlandslosen Klassenstandpunkt oder die Loyalität zur Nation zu vertreten, also entweder das Überlebensinteresse des Proletariats oder den imperialistischen Erfolg der Staatsmacht zur Leitschnur zu machen, war für die Arbeiterbewegung klar, dass man den bisherigen Erfolgsweg weiter beschreiten wollte.

Wie Dillmann/Schiffer-Nasserie darlegen, war 1914 so gesehen ein neuer Höhepunkt im Kampf darum, dass die Anliegen der Arbeiter Gehör finden: Ein kompletter Sozialstaat wurde Wirklichkeit. So wurde der Krieg dann durchgestanden – mit allen Härten für das Kanonenfutter in den Schützengräben und für die Witwen und Waisen an der Heimatfront, die mit einer Sozialhilfe beglückt wurden, und für die Arbeiter in der Rüstungsindustrie, die jetzt einen Betriebsrat erhielten. Und gegen Abweichler in den eigenen Reihen wie Luxemburg oder Pannekoek ging man hart vor; notfalls wurden „Bluthunde“ losgeschickt, die kommunistische Anführer liquidieren und spartakistische Aufständische niederkartätschen ließen.

Wer hat uns verraten…

Denn als der Kriegsverlauf Deutschland ins Unrecht setzte, versuchten USPD und andere enttäuschte SPD-Anhänger, wie Decker/Hecker schreiben, „der sozialdemokratischen Mehrheit ihren politischen Besitzanspruch auf die Arbeiterklasse streitig zu machen. Ihr wichtigstes ‚Argument‘ war – wieder einmal – der Vorwurf des Verrats an die Führung der Traditionspartei: ein Vorwurf, der sich gar nicht damit aufhält, die gegnerische Politik zu kritisieren, stattdessen ein verpflichtendes gemeinsames Kampfziel unterstellt und lauthals beschwört, um die feindlichen Genossen des quasi hochverräterischen Frontwechsels im proletarischen Klassenkampf anzuklagen.“

Der Verrats-Vorwurf ist natürlich Historie. Wer wollte heute schon einem Arbeiterführer O. Scholz den Vorwurf machen, dass er die Interessen der Arbeiterklasse hinter denen der Nation zurückstellt. Aber vielleicht lohnt sich doch noch einmal der Blick darauf, wie die sozialdemokratische Partei und die international orientierte Gewerkschaftsbewegung das erreicht haben, was sie heute auszeichnet: die verlässlich Kraft zu sein, die dem Imperialismus in Krisenlagen zur Seite steht und für die Loyalität der Massen sorgt.

Es ist ja bezeichnend, dass kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts Deutschlands Rückkehr auf die Schlachtfelder der Welt vom Sozialdemokraten Schröder betrieben wurde, während die Jahre zuvor noch ein Kanzler Kohl, der aus dem alten christlichen Revanchistenhaufen in der Tradition des Antikommunisten Adenauer stammte, Deutschland – wegen seiner historischen Schuld – nicht zur militärischen Intervention auf dem Balkan befugt sah.

Dass jetzt ein sozialdemokratischer Kanzler vorangeht und den Aufwuchs des neuesten Deutschland zu einer europäischen „Führungsmacht“, zu einer weltpolitisch agierenden „Zentralmacht“ (SPD-Klingbeil), betreibt, die sich selbstverständlich in alle militärischen Händel auf dem Globus einmischt und dank nuklearer Teilhabe den Supermächten (fast) auf Augenhöhe gegenübertritt, hat so schon seine Logik. In der Tradition von Willy Brandt und Egon Bahr, die den Osten durch Wandel und Annäherung erschließen wollten, und in der Nachfolge eines Helmut Schmidt, der Moskau eine eigene Atomkriegsdrohung von deutschem Boden aus in Aussicht stellte, agiert hier ein Politiker, der die Ostpolitik von allen friedensidealistischen Hemmungen befreit und ihr eigentliches Programm mit den robustesten Mitteln, die man sich vorstellen kann (und die sich ein Friedensnobelpreisträger Brandt wohl nicht hätte träumen lassen), zur Geltung bringt.

Dass das durchgeht, liegt nicht zuletzt daran, dass sein Parteifreund Steinmeier als Bundespräsident die letzten Zweifel an der Güte des neuen vereinigten Deutschlands ausgeräumt und noch mit seiner letztjährigen Erinnerung ans „Unternehmen Barbarossa“ festgehalten hat, dass eine derart moralisch geläuterte Nation wie die BRD alles Recht der Welt hat, gegen das Böse im Osten vorzugehen. Somit war schon vor dem 24.2. klar: Deutschland bleibt sich treu und der neue Feind der alte: Russland!

 

Nachweise

Peter Decker/Konrad Hecker, Das Proletariat – Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende. München (Gegenstandpunkt) 2002 (Kap. 2.c: Die Arbeiterklasse erkämpft sich Artenschutz, S. 69ff).

Renate Dillmann/Arian Schiffer-Nasserie, Der soziale Staat – Über nützliche Armut und ihre Verwaltung. Hamburg (VSA) 2018 (Kap. 3.5: Die Wende der deutschen Arbeiterbewegung, S. 189ff).

Anton Pannekoek, Klassenkampf und Nation (Original 1912). Herausgegeben von Hermann Lueer, Hamburg (Red & Black Books) 2022, E-Mail: herluee@yahoo.com.

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42 Kommentare

  1. „Arbeiterführer O. Scholz“ … ist es zum Lachen oder zum Weinen? Und ja, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges gabs eine Rosa. Wo bleibt ein solche heute, wo wir dringend einen ganzen Strauss bräuchten?

    1. Einen ganzen Strauss gibt es nicht mehr, F.J.S weilt nicht mehr unter uns. Und die Welt ist alles andere als Rosa, geschweige denn rot.
      [/flacher Humor aus]
      Wahrscheinlich müssen sich die vielen Menschen erst vom Delegieren erholen. Und von der Suche nach einer neuen Rosa Luxemburg …
      [/Zynismus aus]
      Liebe Grüsse

      P.S.: Nice, indem ich noch ne Antwort schicke, kann ich die alte Antwort korrigieren. Super-Service.

    2. Uupps, die Tags, die ich eingefügt hatte, wie [flacher Humor aus] und [Zynismus aus] sind leider verschwunden, waren wohl zu HTML/XML konform. Mit spitzen Klammern und so.

      1. Ach ja, für die Tester der Website Betreiber. Config:
        uMatrix, alles erlaubt für Domain overton-magazin.de (aktuelle Domain), der Rest gesperrt.
        Ich tippe ja cloudflare, das cdnjs Skript.

        P.S.: Wenn ich eine Domain als „vertrauenswürdig“ erachte, gilt das halt nur für diese Domain. Bei allen anderen habe ich, gelinde gesagt, weniger, aber meist mehr Bedenken. Ich bin seit den 80ern in der IT. Mein Vertrauen ist dadurch nicht gestiegen.

        Weiterer Hinweis: Sehe gerade, dass ich alle Kommentare, bis auf den Letzten, innerhalb der erlaubten Zeitspanne, bearbeiten kann, wenn ich einen neuen Kommentar sende. Der Zähler ist sicher ein interessanter Punkt. Wann fängt er an, wann hört er auf und entspricht das den Erwartungswerten. Was, wenn der Zähler z.B. eine Domainantwort erwartet, die nicht gegeben ist, z.B. wegen uMatrix?
        Sorry, muss es in die Kommentare plazieren, die ich ändern kann.

        1. Konkretisieren, einer in der Kette, ggf. cloudflare, macht es richtig, eure Domain allein macht es falsch. Das wäre meine Vermutung zur interessanten Kommentarbearbeitung.
          @technik

          P.S.: Kommentarverschachtelung funktioniert zumindest gut bis zu dem Level^^

          1. Wahrscheinlich eher eine Domain die euch verbunden ist, wie podcast oder vgwort. Genaugenommen ist cloudfare ja nur ein Replikat, das beschleunigt wird. Wenn man Glück hat …

  2. Psychoreligion Kapitalismus mit (mittlerweile weitgehend) virtuellem „Vertrauens-„Geld (für mich völlig unbegründet) und der Hypermaterialismus (als aus der Schnittmenge der Wahrnehmungen auf die Realität extrahierten *Wahrheit*) -> Zwei Seiten einer Medaille. Christliche Propaganda zu kapitalistischer Public Relation veredelt – irrational und doch wahr, wirklich! Der Kommunismus braucht den Kapitalismus und umgekehrt – Personenkult auf beiden Seiten und Propaganda auf beiden Seiten – irrational und doch wahr, als konstruierte Wahrheiten. Mayonnaise fürs Hirn. Yuval ist war kein Genie, aber er spricht hier wahr. Und dennoch: Sind plappernde Taschenrechner wirklich robotisch, frei von archaischen Motiven? Eine Technokratie die sich anfühlt wie eine Theokratie. Technatsamen UNO / EU, weiß was ich noch…. NWO. Oh Gott, hat er es wirklich geschrieben? Weltregierung.

    Orwell irrte nicht und doch nur wenige kannten Orwell persönlich. Ist der Kommunismus orwellsche, kontrollierte Opposition? Ja, es fühlt sich so an. Ist Orwell kontrollierte Opposition? Das weiß ich nicht. Es wäre genial. Wirklich genial! Eine Konspiration epischen Ausmaßes. Kein Stein bliebe auf dem anderen. Orwell ist genial, ob nun als historischer Mahner, vom Leben gezeichneter und traumatisierter Sozialist oder als listige Kunstfigur – für mich. Als tragische Existenz oder artifizielle Täuschung -> näher am Leben, näher an mir, als Huxley es je sein könnte. Aldous Huxley dagegen, Kosmopolit (als „ehrenhafte“ Blaupause des getriebenen und – sorry: oberflächlichen – Globalisten von heute). Seine Familie im Dünkel von Exzeptionalismus, Malthusianismus, Biologie, Biologistik und Eugenik gefangen. UNESCO, WHO, WWF. Kein Ausweg für diese Menschen. Huxley. Er warnte nicht vor der NWO, er IST die NWO in Literatur gegossen.

    Die Zeit der großen Ideologien ist zu Ende. Eine nur noch als Hülle bestehende Aufklärung hat sich im Dunst von Psychoterror, Propaganda und Sozialtechniken verirrt. Nicht wieder zu erkennen. Nur historisch von zweifelhafter Relevanz, ein angenehmer Mythos – eine Erlösung die es nicht gibt. Der Mensch wird nicht in Wissenschaft transzendieren. Als immer noch irrationales Wesen ist er gar nicht in der Lage eine Technokratie zu erschaffen. Als Roboter ist der Mensch kein Mensch mehr. Roboter sind rückschrittlich. Sie degenerieren, verschleißen, sind langsam, unkreativ. Menschen sind gerade durch ihr Gehirn irrational geworden. Die Sprache ist Kommunikation, Nähe, Liebe, Herz, Verstand – und doch völlig unsinnig. Kein Roboter sehnt sich nach Verständigung, Liebe und Ego. Er IST einfach nur. Exoskelett, Kunststoff, Prothesen-Schrott. Niedrig. Eine Erlösung (aus Egomanie und den Widersprüchen des Lebens)? Eine Art Kitsch-Nirwana? Oder im krassen Kontrast der leblose Stein als Endziel der Menschlichen Evolution?
    Für diese Erkenntnisse brauche ich kein Studium, kein Selbststudium, aber auch kein Akademiker oder Autodidakt sein. Bildungsfern, schizophren und infantil – so werde ich gesehen, von meinen Sozialarbeitern, die sich an mir laben. Und ich weiß, dass es nicht so ist. Viele, die diesen Text lesen, werden dies vermutlich auch erahnen können. Zwischen Dunning Kruger-Effekt und Genie gibt es noch ganz andere Dinge…

    Erlösen wir die Erde von den großen Ideologien. Danke für die Aufmerksamkeit.

    1. Ein bisschen durcheinander spekuliert. Wo dass du das denn her? „Der Kommunismus braucht den Kapitalismus und umgekehrt“ Was gesehen werden kann, ist das, dass Kapital Arbeit kaufen muss. „Obgleich (.) das Interesse des Arbeiters so eng, mit dem der Gesellschaft verknüpft ist, so ist er doch unfähig, dieses Interesse zu begreifen oder dessen Zusammenhang mit dem seinigen zu verstehen.“ (Adam Smith)
      Oder soll das ganze heißen, dass der Kapitalismus das Ende der Geschichte ist, weil der Lohnarbeiter ihn braucht?

  3. Dem Wandel in der Arbeiterbewegung ging ein entscheidender Schritt voraus, der diese Entwicklung erst ermöglichte. Das geschah schon zu Marx Zeiten, als Führungskräfte in SPD und Gewerkschaften immer stärker die Oberhand gewannen, die zuvorderst Strategie und Taktik der Bewegung ihren persönlichen Interessen an Karriere unterordneten und diese auf die opportunistische und nationalistische Linie brachten. Diesen Kräften war eigen, sich zwar anfangs auf Marx berufend, dann ihn nach und nach ablegend, die Hauptlehre von Marx, die Werttheorie, damit die Rolle des Wertes, nicht begriffen zu haben und so auf diese fatale Linie zu begeben. Das haben schon Marx und Genossen erkannt und beklagt bzw verspottet und auch Erich Hobsbawm erkannte das und forderte Back to the roots, die ersten Absätze von Kapitel 1 des „Kapitals“ nicht weiterhin als „Vorgeschichte“ zu mißinterpretieren, sondern als die durchgehend anzuwendende Methode der Wertformanalyse, was anderes ist „Das Kapital“ nicht, ständig einzubeziehen. Marx war sich sicher, dass genau dies in der Arbeiterbewegung nach langer Zeit erkannt werden würde, war darob frustriert.
    Bis heute gibt es keine fähige Kraft in der gesamten Linken, die diese Erkenntnisse gezogen und eine dem entsprechendene Programmatik entwickelt. Wie schon Rosa Luxemburg so auch heute Sarah Wagenknecht haben dieses Niveau nicht erreicht, sie opponieren zwar gegen die politische Entwicklung der Linken zur Unterordnung unter das Kapital, haben leider aber auch keine Angebote für einen realistischen Weg zu einer nicht -kapitalistischen, von Wert, Ware, Geld, Kapital befreiten Produktionsweise und Gesellschaft.
    Das mag augenblicklich nicht so aktuell sein, der Widerstand gegen die politische Tendenz steht unabhängig davon zunächst auf die Tagesordnung, aber es ist höchste Zeit, die für eine langfristige linke Strategie und Taktik die Diskussion über die Nichtwarenproduktionsweise aufzunehmen. Ansonsten ist die nächste Katastrophe der Linken programmiert.

    1. Zu Marx ist Dir zuzustimmen,
      Deine Kritik zu Wagenknecht und Luxemburg in einem „Abwasch“ zu erledigen, ist schon sehr schlicht. Ganz abgesehen davon das es nicht nötig ist eine Theorie zu haben um eine andere zu Kritisieren.
      Ich denke auch das es nicht hilfreich ist „eine langfristige linke Strategie und Taktik“ zu entwickeln. Die Leute debattieren mehr das Grundeinkommen, dazu müssen sich Linke verhalten, ohne den Kern, der die Leute bewegt, mit dem Bade auszukippen.
      Ich gehe davon aus, dass es zu einer enormen Verwerfung kommen wird, das Platzten der Blasen wird dazu führen, dass es keine Ausreden mehr geben kann. Dann kann und ich denke eher regional was entwickeln, dass die Grundversorgung gesichert wird. Da müssen die Leite selbst machen, Linke können dann einbringen, jederzeitige Rechenschaftspflicht, jederzeitige Abwählbarkeit, Bezahlung nach dem „Durchnittslohn“ eines Facharbeiters.

      1. Ich kritisiere Wagenknecht überhaupt nicht, ihre aktuelle Politik ist der Situation angemessen. Aber sie ist weit vom Marxens Ansatz der Werttheorie weg, entwickelt Programmatik auf Basis der VWL, die da völlig daneben liegt. Eine Programmatik auf der Glaubensthese der Ewigkeit der Warenproduktion, ihre Idee der Stiftung ist das, führt zwangsläufig zu einer weiteren falschen Richtung.
        Sie würde, bliebe es bei dieser Richtung, in Folge die gleiche fatale Rolle wie Gysi übernehmen und wieder in die opportunistische Entwicklung führen.
        Bis jetzt gibt es auch seitens des „marxistischen“, besser: leninistischen Flügels Der Linken kein Aufmerken zur werttherotischen Rückbesinnung. Es bringt nichts, sich aus aktuellem Anlass darüber hinwegzusetzen.

        1. Ich habe auf Facebook in einem Kommentar einen möglichen Lösungsansatz beigelegt.

          „Der Lindner kann zwar Prunkhochzeit feiern und Inflation zweistelig.
          Von Wirtschaft jenseits der Wettbewerbs-Ökonomie hat er aber keine Ahnung.
          Als Einstieg in den Ausstieg aus dem Markt schlage ich vor, den Teil des Bedarfes, welcher mangels Kaufkraft über den Markt nicht adressierbar ist, „anderweitig“ zu decken. Weil diese potentielle Nachfrage bekannt ist, kann sie von der Angebotsseite günstiger kalkuliert werden und wäre damit gerade kein Preistreiber. Finanziert wird das als economies-of-scale-Dividende mit einem Zahlungsmittel wirklich aus dem Nichts, das nur zweck- und zeitgebunden genutzt werden kann.
          Mittels entsprechenden Bilanzierungsvorschriften kann man dies auch so implementieren, dass sich deswegen die Standortqualität (nach Wettbewerbslogik) nicht verschlechtert, sondern sogar verbessert.“

          1. Es gibt genügend Arbeiten zu einer Wirtschaft ohne Markt. Verweise auf Heinrich Harbachs gleichnamige Arbeit, die Neuausgabe „Das Kapital 1.1-1.5″, dabei vor allem den Teil “ 1.5 Die Wertform “ und darin speziell die Einleitung der Herausgeber Rolf Hecker und Ingo Stützle, die aus ihrer MEGA-Arbeit zu dieser Neusortierung des „Kapitals“ kommen. Nicht zu vergessen die Arbeit von Dieter Wolf. Dazu gibt es im Archiv von Telepolis eine sich damit befassende Artikelserie von Heinrich Harbach und Werner Richter zum Wert.

            1. Zuerst muss doch der Ausstieg aus dem Markt dort gelingen, wo dieser „versagt“ und nicht mal mehr in der Lage ist, Grundbedürfnisse zu decken.
              Wenn ich wollte, könnte ich sehr wohl die blinden Flecken von Wertform-Theoretikern aufzeigen, welche dann aber nicht verstanden werden und auch nicht mehr verstanden werden müssten, sollten diese umgesetzt werden. Denn angebliche Abweichler setzt man einfach aus dem Spiel.

            2. danke für die Lit.-Hinweise. Tolle Sache diese ökonom. Diskussion. Hatte leider nie Zeit mich wirkliche ernsthaft einzuarbeiten.

              Hauptproblem, ich glaube auch siehe Peter oben: wie etw. entwickeln und aber gleichzeitig die Lage verbessern helfen. Statt das eine (zukunftsträchtige Theorie) auf Kosten des andern (Tagespolitik, unmittelbare drängende Interessen der „Werktätigen“) auszusetzen.

              Regional ist da wohl ein kluger Ansatz. Und – wäre – extrem funktionell, wenn viele regionale Projekte gleichzeitig geschähen.

              Es gab einen Austausch zwischen Michael Albert und Yanis Varoufakis auf Parecon Plattform. Aber auch dafür war keine Zeit, weil scheiß Krieg.

              Eine vielleicht unterbelichtete Problematik: Der Schulunterricht.

              Denn wer aus der Schule kommt (alle!), wird erst mal von den Dingen keine andere Ahnung haben als die, dass der Markt quasi Naturwissenschaft ist.

    2. Wie sind denn die „Angebote für einen realistischen Weg zu einer nicht -kapitalistischen, von Wert, Ware, Geld, Kapital befreiten Produktionsweise und Gesellschaft“? Was folgte damals, oder folgt heute konkret daraus? Wie kann man mit einer korrekten Wertformanalyse Massen mobilisieren, die Staatsmacht und/oder die Kontrolle über die Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse erringen? Wer hängt der Katze die Schelle um? DIe Gegenstandpunktler? Die Kriisis-/Exitler? Doch nicht im Ernst.

      1. Es genügt eine anständige konkrete Analyse der jetzigen (kapitalistischen) Gesellschaft.
        Wertformanalyse ist teilweise zu abstrakt und fehlerhaft, weil nur bedingt richtige Grundannahmen getroffen werden, welche bei einer Generalisierung scheitern.
        Zuerst geht es darum, den Kapitalisten ihre Unfähigkeit vorzuhalten und darauf verweisen, mit ihrem trickle-down-Hoffnungsnebel ein totes Pferd zu reiten. Und mit ihrer Faulheit, welche sich im Glaubensnebel suhlt, anstatt konkrete Sachverhalte auf dem richtigen Abstraktionsniveau zu analysieren.
        Wer gibt denn schon auf die Schnelle ein paar passende Antworten auf die Finanzkrise 2007-2009?
        Die gierigen Banker und deren verdorbene Moral? Oder ist der Zinseszins das Problem und nicht der Zins, wenn dieser Finanziers bevorzugt?

        1. Klar, da rennst Du offene Türen ein. Ich sag auch nicht, die Wertformanalyse sei generell Quatsch, im Gegenteil kann man daraus Erkenntnisgewinn ziehen.

          Was mich abstösst, ist diese Gewissheit, mit der richtige Analyse werde sich schon alles richten, oder im Umkehrschluss, ohne sie sei adäquate politische Praxis nicht möglich, so als wenn alle erfolgreichen Umwälzungen ein richtiges Verständnis der gesellschaftlichen Dynamik gehabt hätten oder nur wegen dessen Mangels gescheitert seien. Marx hat das, etwa im „Bürgerkrieg in Frankreich“ gewiss nicht so gesehen.

          1. Dann sind wir in diesem Punkt einer Meinung.
            Für mich geht es auch nicht um Recht haben oder do etwas, sondern um die Menschen, die an den Umständen leiden und verzweifeln.
            Eine Lösung beginnt immer mit dem ersten pragmatischen Schritt.

    3. „Weg zu einer nicht -kapitalistischen, von Wert, Ware, Geld, Kapital befreiten Produktionsweise und Gesellschaft.“
      Der ist nur möglich wenn die gesamte produzierende Menschheit kapiert, das Geld an sich gar nichts produziert, es ist der Körper und Geist des Menschen welcher alles produziert, Waren und Dienstleistungen nach Bedarf oder Lust und Laune oder Fähigkeiten natürlich. Was würde geschehen wenn man Geld einfach abschafft aber alle Produktion und Dienstleistungen laufen weiter, nur ohne Geld. Tja, bleibt da nur das Tauschproblem der ohne Geld produzierten Waren und Dienstleistungen, und die menschliche Gier mehr zu wollen als man zum gesunden täglichen Überleben braucht. Algo nur die menschliche Gier steht einer weltweiten Gesellschaft mit Produktion von Waren und Dienstleistungen und Verteilung bzw. Handel/Austausch ohne Geld im Wege, versperrt den Weg zu UTOPIA UND SPERRT DIE MENSCHHEIT IN DYSTOPIA. Die Menschheit ist leider ein abgrundtiefes dummgieriges Wesen. Meine Erleuchtung zum Jahreswechsel.

    4. Marx schrob zu Beginn, daß der Wert sich aus den Kosten bestimme. Mag sein.
      Marxologen glauben das seit der 1.Internationale, von SPD über Lenin bis DKP.

      Aber der Preis bestimmt sich nach der Macht.

      Insofern kannst Du die ganze Wertlehre in die Tonne treten.
      Fällt natürlich leichter die anderen für Idioten zu halten.

  4. Ich habe mein Vertrauen auf die Arbeiterklasse – insbesondere die deutsche – schon vor Jahrzehnten verloren.
    Nicht “ Arbeiter aller Länder vereinigt euch !“, sondern „Sozialisten aller Länder vereinigt euch !“ lautet das Gebot der Stunde.

    1. Vielleicht sollte man Marx etwas umfassender verstehen. Zu seiner Zeit war die Arbeiterklasse die prädestinierte, da sie vor allem in manueller Arbeit mit den Produktionsmitteln am engsten verbunden und am wenigsten deren Besitzer, aber diese entscheidend entwickelt, war. Er ging von der objektiven gesellschaftliche Stellung der Klassen aus. Das ist bis heute weiter gegeben.
      Aber die Klasse durchläuft infolge der Entwicklung der Produktivkräften eine Wandlung und nimmt immer mehr Personal aus Wissenschaft und Technik in ihre Funktion auf.
      Es wäre aufschlussreicher, von den Produzenten zu sprechen, einer strukturell veränderten Arbeiterklasse, wobei auch die traditionellen Arbeiter immer mit von manueller Arbeit wegkommen. Die Unterschiede zwischen dem Proletariat und der Intelligenz werden in diesem Prozess langsam aufgehoben.
      Die „historische Mission“ steht für die Produzenten an. Nur die können eine den Bedürfnissen entsprechende Produktion von Gebrauchsgütern und nicht zur Wertverwertung, Warenproduktion, auf die Beine stellen, in direkter Übereinstimmung mit den Interessen der Konsumenten.
      Wann das wird, steht in den Sternen. Ob da zunächst eine kapitalistische Katastrophe die Voraussetzung bringt oder es auch ohne kommt, darüber kann man spekulieren. Die objektiven Voraussetzungen in Form des Entwicklungsstandes der Produktivkräfte dürften da sein. Es fehlt die gesellschaftlich politische Kraft, die diese Entwicklung vorantreibt. Die (jetzige) Linke in der aktuellen Verfassung ist dazu (noch?) nicht in der Lage. Dazu müsste sie einen vollständigen Wandel als Partei vollziehen, weg von der Dominanzrolle einer vermeintlichen Revolutionierung hin zu einer anregenden, den Prozess schützenden und mitmachenden.

      1. Schlichtes Gerede.
        Die Arbeiterklasse sind, die den Mehrwert produzieren. Dabei ist es uninteressant, ob es mit einer Schaufel oder Bagger stattfindet.

        1. Und Profit resultiert nur aus Mehrwert?
          Fiktives Kapital spielt überhaupt keine Rolle?
          Bilanzierungsregeln interessieren auch nicht, obwohl es durchaus einen Unterschied macht, ob man nach HGB oder IFRS bilanziert?
          Derivate sind grundsätzlich wertlos wie fiat money?
          Heute gibt es tausendmal mehr Datenmaterial, als es Marx zur Verfügung stand. Dabei war Marx durchaus in der Lage, Ansichten an den Erkenntnisgewinn anzupassen.
          Kurzum:
          Wer den Begriff „economies of scale“ und deren Folgen nicht verstanden hat, wird diese Gesellschaft und die schiefe Ebene, auf der sie dem Abgrund zutreibt, niemals vernünftig analysieren können.
          Die Produktivität ist eine größere gesellschaftliche Bedrohung als der potentielle Nutzen, den man mit entsprechendem Überblick aus ihr ziehen könnte.

      2. Vielen Dank für Ihren Kommentar.
        Ich habe keine weitreichenden, marxistischen Kenntnisse und muß deshalb auf meine eigenen Erfahrungen mit der modernen, deutschen „Arbeiterklasse“ zurückgreifen; Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Gros derselben in Zeiten des Überflusses nicht für den Sozialismus interessiert.
        Mir sind inzwischen Menschen wie Simone Weil, die meines Wissen eine hochsensible Intellektuelle mit zwei linken Hände war, näher, als die meisten Arbeiter, obwohl ich mit diesen meine vornehmlich handwerkliche Begabung gemeinsam habe.

        1. diesen Graben, den ich bestens nachvollziehe, zuzuschütten, wäre Aufgabe der verfallenen Erwachsenen/Arbeiterbildung.

          In NRW gab es deshalb auch die großen Kunstprojekte für die dortigen Arbeiter.
          Die sind da auch hin.

          Theater, Kunstausstellungen, Dokumentarfilm.
          Aber zum Teil ist das nur noch Geschichte.

          1. Ich befürchte, solche „Kultivierungsmaßnahmen“ sind für den Arsch.
            Ich für meinen Teil werde die Arbeiter Deutschlands nicht mehr wie einen Haufen unmündiger Kinder behandeln, denen ich als „erleuchteter Linker“ die Welt zu erklären und den rechten Weg zu weisen habe, um als Belohnung für meine Aufklärungsbemühungen mächtig ein Paar auf die Fresse zu kriegen !
            Das Proletariat Deutschlands hat sich aus freien Stücken für eine freudofaschistische Gesellschaft entschieden, und das akzeptiere ich.
            Mir persönlich geht es jetzt nicht mehr darum, das Proletariat Deutschlands auf meine Seite zu ziehen, sondern mich von diesem zu emanzipieren.

                  1. Wenn Sie daran interessiert sein sollten, einen linken, quer über alle ideologischen Gräben reichenden sozialistischen Bund zu gründen, dann können Sie mich gerne kontaktieren.
                    Die ePost-Adresse auf der genannten Internetseite ist noch aktiv ( habe ich gerade getestet ).
                    ( Nur der Korrektheit halber : Über mich wird beim hiesigen Staatsschutz wegen einer Bagatelle eine Akte geführt; mir wurde aber vom ermittelnden Kommissar versichert, dass ich nicht vom VeSchu beobachtet werde. Ich glaube nicht, dass Sie in das Visier des VeSchu geraten, wenn Sie mich per ePost kontaktieren ).
                    MfG.

    2. Gibt es denn noch eine Arbeiterklasse bei Löhnen, die sich stark spreizen können?
      Zum besseren Organisieren einer Gesellschaft kann jeder beitragen, der sich nicht (nur) um seinen Eigennutz schert.
      Es geht darum, die inneren Schranken aufzuzeigen, an welchen man über kurz oder lang scheitern wird, wenn man diese nicht überwindet.

    3. Das deutsche Arbeiter (Arbeiterklasse) heute so sind swie sie sind, hat viel mit den Verräternzu tun, die dies berufsmäßig machen und seit vielen Jahrzehnten dabei nach außen heuscheln, diese Taten im Namen und Interesse der Arbeiter zu tun.

      Wen meine ich damit? Politiker der SPD (Schröder, Scharping, Steinmeier, Scholz und Co.), aber auch die sich „linksgebenden“ OlivGrünen die in Wirklichkeit „khakibraun“ sind. Genauso viele Berufs-Gewerkschaftler, welche schon lange ihren Ursprung vergessen haben und heut nur noch an ihr eigenes wohlergehen denken, welches mit dem Vertreten von Kapitalinteressen für sie persönlich viel größer ausfällt. Teile der PdL wie Ramelow und Co… Dazu sollte man unbedingt auch die Journalisten in sogenannten linken Zeitungen wie die TAZ nicht vergessen. Sie sind die Totengräber einer fortschrittlichen Arbeiterklasse und haben diese heute so geformt wie sie ist.

      1. Dazu kommt mir folgendes Zitat aus einem Brief von Sigmund Freud an Arnold Zweig in Erinnerung ( verfasst am 23.09.‘35) : „Es ist eine langersehnte Befreiung. Endlich die Wahrheit, die grimmige, endgültige Wahrheit, […]. Man versteht das Deutschland von heute nicht, wenn man um >Verdun< ( und wofür es steht ) nichts weiß. […] Wir dachten alle, es sei der Krieg und nicht die Menschen, aber die anderen Völker haben auch Krieg gehabt und sich doch anders benommen. […].“
        Zum Glück gibt es auch heute noch Völker in Europa, die sich anders benehmen als die deutsche Mehrheitsbevölkerung, die also keine kriegslüsterne Bagage an die Macht wählen.

      1. Sehr geehrter Herr Linksmann,
        es ist nicht klar, auf welchen Kommentar Sie reagiert haben. Gilt Ihr Vorwurf der „blasierten Gehässigkeit“ mir oder Herrn Mengel ?
        MfG

      2. Wenn Sie daran interessiert sein sollten, einen linken, quer über alle ideologischen Gräben reichenden sozialistischen Bund zu gründen, dann können Sie mich gerne kontaktieren.
        Die ePost-Adresse auf der genannten Internetseite ist noch aktiv ( habe ich gerade getestet ).
        ( Nur der Korrektheit halber : Über mich wird beim hiesigen Staatsschutz wegen einer Bagatelle eine Akte geführt; mir wurde aber vom ermittelnden Kommissar versichert, dass ich nicht vom VeSchu beobachtet werde. Ich glaube nicht, dass Sie in das Visier des VeSchu geraten, wenn Sie mich per ePost kontaktieren ).
        MfG.

  5. Vorschau statt Rückblick:

    „Selenski erklärt. Der Kaiser von Großukrainien und Slavien erklärt die sofortige Aufnahme in EU und NATO, die Besteigung eines ständigen geheizten Sitzes im UN-Sicherheitsrat und sich selbst zum Friedensnobelpreisträger.
    …..
    Der neugewählte König von Polen, Männeken Pis Jaroslaw Kaczyński, fragt Selenski per Telegram: „Das brauchst du doch nicht mehr?“ und lässt einen Schwarm seiner Untertanen die Westukraine annektieren. Rumänien fackelt nicht lange und holt sich den Rest, ehe der auch weg ist.
    …..
    Joe Biden kann mal wieder nicht schlafen, irrt durch das Oral Office und die Flure des Weißen Hauses. Da er nicht weiß, wo er ist und sich komisch fühlt, ruft er die Nachtschwester. Leider verwechselt er dabei die Knöpfe „Nurse“ und „Nukes“. Das war’s schon für 2023.“

    https://feynsinn.org/?p=9504

    Zum 2.Punkt ein Vorschlag aus einem russischen Artkel:

    Die Sonderoperation in der Ukraine wird mit der Unterzeichnung eines multilateralen Friedensvertrags zwischen Ländern wie Polen, Ungarn, Rumänien, der Ukraine und Russland enden.—

    Ein Friedensvertrag würde also die folgenden neuen Grenzen zwischen den oben erwähnten beteiligten Ländern festlegen:

    – Die Ukraine würde in den Grenzen ihrer derzeitigen Regionen Kiew, Schytomyr, Chmelnyzkyj und Winnyzja als neutraler Staat ohne Streitkräfte auf ihrem Gebiet verbleiben – nur mit einer bestimmten Anzahl von Polizeikräften;

    – Polen würde Galizien und Wolhynien erhalten: die heutigen Regionen der Ukraine – Lutsk, Lemberg, Riwne, Ternopil und Iwano-Frankiwsk;

    – Ungarn wird Zakarpattya zurückerobern, eine moderne Region der Ukraine mit ihrem Zentrum in Uzhgorod;

    – Rumänien wird Bessarabien und Tschernowitz zurückerhalten – natürlich zusammen mit den entsprechenden Regionen der Ukraine; Moldawien wird in diesem Jahr als Ergebnis eines Referendums Teil Rumäniens werden – über Tiraspol und Transnistrien können wir nichts sagen, wir werden nicht raten;

    – Es ist möglich, dass Tschernigow zusammen mit der Region an Weißrussland abgetreten wird – eine solche Möglichkeit besteht;

    – Russland wird nach entsprechenden Volksabstimmungen die Regionen Sumy, Charkow, Poltawa, Tscherkassy, Kirowograd, Odessa, Nikolajew und Dnepropetrowsk in der heutigen Ukraine übernehmen.“

    (x)https://eadaily.com/ru/news/2022/12/31/raspad-ukrainy-i-es-aukus-kitay-i-novaya-rossiya-novogodniy-prognoz-na-2023-god

  6. Lieder begehen die ganzen Kommentare hier, wie übrigens auch der sehr gute Artikel einen grundlegenden Fehler: die Ursache des ganzen Elends liegt nicht im Kapitalismus, der ist, wie auch alle anderen Gesellschaftsformen, wenn man es mal neutral halten will, Ausdruck dessen, der sie schafft: des Menschen.
    Machen wir uns nix vor: in der Steinzeit ging es nicht andrs zu, als heute, vielleicht etwas urtümlicher, oder wie man es nennen möchte, es bleibt das wesentliche, das schon Marx dem alten Hobbes, der es als Engländer ja wirklich wissen musste: homo homini lupus, auch wenn dem Wolf da Unrecht getan wird.
    Es geht also drum, den Menschen über die Zeit zumindest zu verändern versuchen:
    Es wäre schon Bahnbrechendes geschafft, wenn jeder von uns, so unbedeutend dies für der Wlten Lauf sein möge, damit anfänge, ein Zeichen mit seinem Verhalten zu setzen und dieses dann auch auf Verlangen erklären würde. Das hilft mehr als Bestseller, die eh keiner liest und sie im schlimmsten Fall, dass er sie liest, dazu missbraucht, andere die eigentlich dasselbe erreichen wollen, zu tyrannisieren.
    Warum das schwierig wird: wir werden Ergebnisse in den meisten Fällen nicht mehr sehen, weil wir schon zu alt sind und die anderen, weil sie zu jung sind, um die Ursprünge des Wandels zu kennen.
    Wichtig ist, dass sich was ändert und wir beweisen, dass wir mehr können als Kapital- oder sonst einen -ismus.

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