Pentagon soll der Krieg gegen den Iran täglich mindestens eine Milliarde Dollar kosten

Iranische Drohnenabschussrampe. Bild: Tasnim

 

Angeblich haben die iranischen Streitkräfte bislang ihre „alten“ Raketen und Drohnen eingesetzt, darunter auch Streubomben. Erst jetzt sollen neuere Raketen eingesetzt worden sein. Aber sie haben bereits einige Radar- und Kommunikationssysteme auf den amerikanischen Stützpunkten in der Region beschädigt oder zerstört. Angeblich hilft Russland mit Daten über amerikanische Ziele in der Region. In der Nacht gab es iranische Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, im Irak und im den Vereinigten Arabischen Emirate. In Dubai wurde der Flughafen beschädigt. Die meisten Raketen und Drohnen sollen aber abgewehrt worden sein.

Nach Satellitenbildern wurde zu Beginn des Kriegs ein AN/TPY-2-Radar für das Luftabwehrsystem THAAD auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien getroffen, berichtet CNN.  Geschätzte Kosten: eine halbe Milliarde Dollar. Auch Gebäude in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden getroffen, in denen sich Radarsysteme befinden. Ob sie beschädigt wurden, ist nicht bekannt. Auf dem Stützpunkt Umm Dahal auf Katar wurde ein FPS-132-Frühwarnsystem zerstört. Vermutet wird, dass auf der Prince Sultan Air Base ebenfalls ein THAAD-Radar beschädigt wurde.

Mit der Ausschaltung der Radar-Anlagen und Kommunikationssysteme wird die Luftabwehr schwerer. Zudem zeigen die Angriffe, dass die US-Stützpunkte für die Länder keinen Schutz darstellen, sondern Ziele einer militärischen Macht darstellen, die schwächer erscheint, als die lauten Töne aus Washington über die Erfolge vorgeben. Die Golfstaaten hatten vor einem Krieg gegen den Iran abgeraten und beschweren sich nun über zu geringen Schutz.

Haaretz sagte ein Offizieller, „in der Region herrsche die Überzeugung, dass sich die Operation auf die Verteidigung Israels und der amerikanischen Truppen konzentriere, während die Golfstaaten sich selbst schützen müssten, und er erklärte, dass die Vorräte seines Landes an Abfangraketen ‚rasch zur Neige gingen‘.“ Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian versprach, die Nachbarstaaten nicht mehr anzugreifen, solange von den US-Stützpunkten dort keine Angriffe auf den Iran erfolgen. Die Arabische Liga hat für den Sonntag eine Notfallsitzung einberufen, um zu klären, was man angesichts der iranischen Angriffe machen soll.

Inzwischen werden Schätzungen gemacht, wie teuer das Abenteuer des Iran-Kriegs den Vereinigten Staaten kommt. Man spricht in Washington jetzt schon einem Krieg, der 4-6 Wochen oder länger dauern könnte. Das Pentagon nennt natürlich keine offiziellen Zahlen.

Nach dem Center for American Progress sollen die ersten drei Tage Krieg Kosten in Höhe von 5 Milliarden Dollar verursacht haben. Vorgerechnet wird, was man hätte stattdessen mit dem Geld machen können. Das zum militärisch-industriellen Komplex gehörende Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt, dass Operation Epic Fury in den ersten fünf Tagen 3,7 Milliarden, täglich 891.4 Millionen, gekostet hat. Davon seien vom Pentagon-Haushalt 3,5 Milliarden nicht gedeckt, vor allem für Munition. Die Trump-Regierung braucht für die Deckung der zusätzlichen Kosten eine Bewilligung des Kongresses. Die Diskussion darüber werden den Krieg und die Trump-Regierung in Frage stellen. Angeblich strickt das Pentagon schon an einer zusätzlichen Haushaltsforderung in Höhe von 50 Milliarden, hauptsächlich für die verschossenen THAAD-, Patriot- und Tomahawk-Raketen.

Von einem Kongressmitarbeiter will die Journalistin Nancy Youssef erfahren haben, dass die vorläufige Kostenabschätzung des Pentagon bei einer Milliarde pro Tag legt. Darauf aufbauend wurde eine Website mit den angeblichen Kriegskosten eingerichtet.

CSIS geht davon aus, dass die Kosten sinken werden, weil die Streitkräfte weniger teure Munition einsetzen würden und der Iran weniger Raketen und Drohnen starten könne, wie sich bereits jetzt zeige. Drohnen können allerdings unauffälliger abgeschossen werden als Raketen. Hisbollah und Huthis scheinen zudem allmählich in den Krieg einzutreten. Wenn die Ankündigungen aus dem Iran stimmen sollten, könnten allerdings bislang noch nicht eingesetzte Raketen oder Drohnen, etwa Hyperschallraketen, die amerikanische und israelische Luftabwehr überwältigen, sofern sie noch gestartet werden können.

Was CSIS bei den Kosten nicht zu berücksichtigen scheint, sind die zerstörten Anlagen des US-Militärs in der Region. Die würden in die Milliarden gehen. Berücksichtigt werden nur die drei angeblich durch friendly fire abgeschossenen F-16-Kampfflugzeuge und kleine Beschädigungen an Infrastruktur mit 360 Millionen Schadenskosten. Für die Amerikaner steigen wie für die Bürger der anderen Länder die Lebenshaltungskosten, die Inflation und Benzin-, Öl- und Gaspreise, während die Börsenkurse abstürzen.

Medien verbreiten die Nachricht, dass mit USS George H.W. Bush ein dritter amerikanischer Flugzeugträger in die Region verlegt werden soll. Das würde die Kosten deutlich erhöhen und der Vermutung entsprechen, dass die US-Streitkräfte mit mehr Schwierigkeiten konfrontiert sind, als sie erwartet haben. Dazu passt, dass US-Generalstabschef Caine am Montag bereits erklärt hatte, dass zusätzliche Truppen in die Region verlegt werden. Kriegsminister Hegseth betonte wieder – bemüht oder zuversichtlich? -, dass alles bestens für die amerikanische Seite sei: „Unsere Vorräte an Defensiv- und Offensivwaffen ermöglichen es uns, diese Kampagne so lange wie nötig fortzusetzen. … Auch hier gilt: Je größer unser Vorteil wird, desto besser wird unsere Munitionslage. [Und] unsere Fähigkeiten? Wir haben gerade erst begonnen, zu kämpfen und wir kämpfen entschlossen.“

Dazu kommt der erneute Imageverlust. Nach Recherchen der NYT wurde am ersten Tag des Kriegs eine Grundschule für Mädchen bombardiert – mit über 170 Toten. Ziemlich sicher scheint zu sein, dass zwei weitere Grundschulen bombardiert wurden, allerdings waren dort zu der Zeit keine Schüler. Schulen ins Visier zu nehmen, gilt als Kriegsverbrechen. Es sollen auch Krankenhäuser bombardiert worden sein.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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12 Kommentare

  1. Erinnert sich noch jemand an das Geschrei hier als russisches Radar für ICBMs kaputtgemacht?

    Daraufhin wurde hier im Forum der 3. Weltkrieg und das sofortige Werfen von A-Bomben auf die Ukraine gefordert, wg. Abschreckung, Triade, usw.

    Wo sind die Schreihälse von damals?

  2. Solange man Geld drucken kann, sind die Kosten für die USA kein wirkliches Hindernis. Ob die Golfstaaten die Amis rausschmeißen, dürfte mehr als fraglich sein, insofern hat der Iran wenig Aussicht mit seiner Taktik ein baldiges Ende des Krieges herbeizuführen. Es sieht eher nach Eskalation aus, zumal Israel auch noch mehr Zeit benötigt seine eigentlichen Ziele zu erreichen.

  3. OT – Ich hasse es, wenn eingestellte Artikel plötzlich wieder verschwinden. Vor allem, wenn ich gerade einen Kommentar dazu geschrieben habe.

    1. »Hate is just a four letter word…«

      Ne, ist schon verständlich, aber Sie sollten das nicht persönlich nehmen:
      »Sofwareproblem, kann man nichts machen, siewissenschon.«

  4. Im Wegbomben ziviler Infrastruktur sind Amis und Israelis ja Meister. Zivilsten töten gehört zu den wenigen Fähigkeiten die USA und Israel wahrhaft Meisterlich beherrschen. Von den moralischen Kretins aus EUropa mit allem unterstützt geht das Morden leicht zur Hand.
    Die Staaten der westlichen Welt zeigen dem rest der Welt deutlich welch Imperialistische Menschenverachtende Massenmörder sie sind. Mal schauen wie sich explodierende Energiepreise auf das Sektiererische Bessermenschentum der Goldenen Milliarde auswirkt.
    Es bleibt also spannend und dem Iran viel Glück bei der Abwehr des durch nichts provozierten brutalen Angriffskrieges der USA und Israels gegen den Iran.

  5. „[…]Dazu kommt der erneute Imageverlust. Nach Recherchen der NYT wurde am ersten Tag des Kriegs eine Grundschule für Mädchen bombardiert – mit über 170 Toten. Ziemlich sicher scheint zu sein, dass zwei weitere Grundschulen bombardiert wurden, allerdings waren dort zu der Zeit keine Schüler. Schulen ins Visier zu nehmen, gilt als Kriegsverbrechen. Es sollen auch Krankenhäuser bombardiert worden sein.[…]“

    Gaza? Längst vergessen? Was hat die IDF dort aus der Luft verbrochen? Das erinnert doch alles an die Kriegsverbrechen in Gaza sowie im Südlibanon.

    Wie bereits unter einem anderen Overton Artikel von mir erwähnt – ungeahndete Kriegsverbrechen lässt die Einheiten die diese Verbrechen an anderen Orten dieses Planeten die Israel als Feinde betrachtet dieselben Kriegsverbrechen begehen.

    Wir kennen das aus der deutschen Geschichte – als die Wehrmacht in Osteuropa, und der UDSSR, wütete – diese Einheiten wüteten dann ebenso in Frankreich gegen die Dorfbevölkerung z.B. in Oradour(https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Oradour), in Griechenland, Italien, Jugoslawien und vielen anderen südeuropäischen Ländern wo Wehrmachtseinheiten, und SS, aus der UDSSR „aus dem Osten“ hinversetzt wurden.

    Übrigens um nicht nur die deutsche Kriegsverbrechensgeschichte zu nennen – auch US-Army-Einheiten, die am Genozid der Native Americans beteiligt waren wüteten z.B. in den Philippinen gegen die dortige Bevölkerung muslimischen Glaubens mit denselben Methoden wie die die gegen die Native Americans angewendet hatten – als Kriegsverbrechen.

    Nichts Neues unter der Sonne also, und weil die IDF in Gaza nicht wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde, wüten die Einheiten eben genauso im Iran gegen Schulen, Krankenhäuser und sicher auch Sanitätspersonal wenn die Menschen retten wollen – alles so in Gaza geschehen und im „Wertewesten“ längst verdrängt. Die Amis schließen sich dem natürlich an, die kriegsverbrecherische IDF sind ja Verbündete des „Wertewestens“ und die IranerInnen sind keine „weißen Menschen“ ebensowenig wie Araber und Palästinenser in den Augen der IDF, des Wertewestens und der Amis.

    Nix UkrainerInnen…..soviel zur wertewestlichen Doppelmoral die Menschen selektivert, wieder einmal nach Hautfarbe, als hätte man im „Wertewesten“ nichts aus der rassistischen Klassifizierung von Menschen gelernt. Nix andere Menschen, wir sind alle Homo Sapiens Sapiens, und die IDF und die Amis sind Menschenverächter wenn die es anders einteilen wollen, und zudem rückständig, da die letzte Menschenrasse vor über 30.000 Jahren den Weg der Vermischung mit dem Homo Sapiens Sapiens – der einzigen Menschenrasse dieses Planeten weltweit – gegangen ist – der Neandertaler, der als ausgestorben gilt.

    Sarkastische Grüße
    Bernie

  6. Die direkten Kosten für die USA sind ein Klacks zum Verhältnis was der Rest der Welt an Kosten aufgebürdet wird.
    Dann teilt sich die Welt später, wer etwas wieder aufbauen darf in ‚Gewinner und Verlierer‘.
    Da denke ich, das der Westen ziemlich kurz gehalten werden…

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