
Ohne Rechenzentren auf dem Boden und Satelliten auf der Erdumlaufbahn ist die Kriegsführung heute massiv eingeschränkt. Die laufenden Hightech-Kriege im Nahen Osten und zwischen Russland und Ukraine haben gezeigt, dass Rechenzentren zum Ziel von Angriffen werden und eine Achillesferse darstellen. Der Iran hat einige auch vom Militär genutzte Rechenzentren der US-Konzerne in der Golfregion mit Drohnen angegriffen, Russland erst kürzlich Rechenzentren in Kiew zerstört, zuletzt angeblich Bi-Mobile (Angriffe auf Rechenzentren: „Wir werfen für eine gewisse Zeit die ukrainische Armee ins 20. Jahrhundert zurück“).
Seit Jahrzehnten geht es hingegen darum, Satelliten schützen oder ausschalten/blenden zu können. So haben einige Staaten schon erfolgreich getestet, Satelliten von der Erde aus abzuschießen. Bislang war der Einsatz von Waffen im Weltraum verpönt oder wurde stillschweigend getestet. Immer wieder wurden Vorwürfe erhoben, dass angriffsfähige Satelliten als ASAT aktiv seien. Nach dem Outer Space Treaty von 1967 sind Stationierung und Einsatz von Atomwaffen verboten, „normale“ Waffensysteme sind erlaubt.
Schon lange wird u.a. zur Raketenabwehr gefordert, Waffen im Weltraum zu stationieren. Projektiert wurde das während der Präsidentschaft Ronald Reagans in den 1980er Jahren unter dem Titel der Strategic Defense Initiative (SDI), um auch in der Erdumlaufbahn stationierten Raketen oder Laserwaffen oder auch durch Murmel-Geschosse (Brilliant Pebbels) nukleare Interkontinentalraketen ausschalten zu können. Trumps „Golden Dome“ schließt an SDI an.
Letztes Jahr hat US-General Stephen Whiting, Chef des Weltraumkommandos, explizit die Stationierung von Waffen im Weltraum gefordert: „Es ist an der Zeit, dass wir klar und deutlich sagen: Wir brauchen Weltraumwaffen und wir brauchen Waffensysteme. Wir brauchen Abfangjäger im Orbit. Und wie nennen wir diese? Wir nennen sie Waffen, und wir brauchen sie, um einen Weltraumkonflikt abzuschrecken und um erfolgreich zu sein, sollten wir in einen solchen Kampf geraten.“
Es wurde bekannt, dass Russland die Massenproduktion des mobilen Systems Volna Kupol Garant gestartet hat. Das soll in der Lage sein, mit der Aussendung eines starken Signals Satelliten und die Kommunikation mit den Bodenterminals zumindest zeitweise lahmzulegen. Gerichtet ist es vor allem gegen die Satelliten von Starlink, die ein Fundament für die Kriegsführung der Ukraine, vor allem für den Drohnenkrieg, sind. Ein System soll 15-25 Quadratkilometer an Fläche abdecken können. Vermutlich sollen damit zunächst wichtige militärische und wirtschaftliche Objekte vor Drohnenangriffen geschützt werden.
Jetzt hat das Weltraumkommando des Pentagon erstmals erklärt, Waffen im Weltraum, stationiert zu haben. Um welche Waffen es sich handelt, wird aber geheim gehalten, ebenso seit wann diese sich im Weltraum befinden. Wie so oft in militärischen Dingen könnte etwas vorgetäuscht werden, um Gegner abzuschrecken. Oder das Pentagon prescht im Wettlauf bei der Militarisierung des Weltraums vor, schließlich hält sich nicht erst die Trump-Regierung nicht an internationale Abkommen oder eine regelbasierte Ordnung, von der hier so geschwärmt wurde, als es gegen Russland ging. Wahrscheinlich aber geht es in erster Linie um mehr Geld, weil die Gegner sonst angeblich schnell die USA überholen könnten. Die USA haben sich schon vor Jahrzehnten geweigert, ein Weltraumabkommen anzugehen, wie dies etwa von China und Russland gefordert wurden.
Nach dem Luftwaffenminister Troy Meink, der auch für das Weltraumkommando zuständig ist, handelt es sich um „im Orbit stationierte Weltraumabwehrwaffen, die in der Lage sind, die gemeinsamen Streitkräfte gegen feindliche Angriffe zu verteidigen“. Und er forderte auf der 2026 Air and Space Cyber Conference recht deutlich mehr Geld: „Angesichts der sich heute rasant verändernden Bedrohungslage können wir kein Militär von Weltklasse erwarten, wenn wir nicht bereit sind, in es zu investieren. Viele der Waffen, Komponenten oder Systeme, die wir anschaffen müssen, haben die Kostenkurve überschritten. Sie leisten zwar hervorragende Dienste, aber die Kosten steigen schneller als die Inflationsrate.“
Vermutlich meinte er mit den Weltraumabwehrwaffen nicht das Programm „Space-Based Interceptor“, also im Weltraum stationierte Abfangraketen für den Golden Dome. Hier sei man „in weniger als einem Jahr vom ersten Vertrag bis zur flugbereiten Hardware gelangt“, sagte er. „Ähnliche Fortschritte erzielen wir bei unserem Weltraumdatennetzwerk, und noch in diesem Monat beginnen wir mit dem Start unserer Konstellation zur Erkennung sich bewegender Luftziele.“
Was in Meinks Rede aber auch deutlich wird, dass wohl als Lehre aus dem Krieg in der Ukraine die lange gemachte Versicherung, keine vollständig autonomen Waffensysteme einzusetzen, sondern immer einen human in the loop zu haben, still schweigend verschwunden ist. Das war zwar schon immer absehbar, nun wird deutlich, wie stark die amerikanische Luftwaffe auf neue autonome Systeme und Schwärme von bemannten und unbemannten Flugkörpern setzt.
„Wenn wir bemannte Flugzeuge mit kostengünstigen autonomen Systemen kombinieren, werden wir in der Lage sein, Kampfkraft in großem Maßstab zu entfalten“, sagte er. „Wir werden unsere Kampfkraft durch den Einsatz einer großen Anzahl hochautonomer Systeme drastisch steigern.“ Es scheint vor allem um die Masse billiger Angriffswaffen zu gehen, um Abwehrsysteme zu überwältigen: „Unsere Spezialeinheiten werden in der Lage sein, Tausende autonomer Einweg-Angriffswaffen einzusetzen.“ Dazu werde es unbemannte Kampfflugzeuge geben. Er sprach von FQ-42 (Vengeance) und FQ-44 (Fury) sowie Mass Modular Aircraft. MMAs sollen billige, unbemannte Kampfflugzeuge mit großer Reichweite und vielseitigem Einsatz sein und die teuren MQ-9 Reaper ersetzen, die im Iran-Krieg oft abgeschossen wurden. Sie sind auf Verlust angelegt, also eine Art Wegwerf- oder Kamikazeflugzeug.
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