Pentagon eröffnet offiziell Wettrüsten im Weltraum

Donald Trump bei der Vorstellung des geplanten „Golden Dome“. Bild: Weißes Haus

Ohne Rechenzentren auf dem Boden und Satelliten auf der Erdumlaufbahn ist die Kriegsführung heute massiv eingeschränkt. Die laufenden Hightech-Kriege im Nahen Osten und zwischen Russland und Ukraine haben gezeigt, dass Rechenzentren  zum Ziel von Angriffen werden und eine Achillesferse darstellen. Der Iran hat einige auch vom Militär genutzte Rechenzentren der US-Konzerne in der Golfregion mit Drohnen angegriffen, Russland erst kürzlich Rechenzentren in Kiew zerstört, zuletzt angeblich Bi-Mobile (Angriffe auf Rechenzentren: „Wir werfen für eine gewisse Zeit die ukrainische Armee ins 20. Jahrhundert zurück“).

Seit Jahrzehnten geht es hingegen darum, Satelliten schützen oder ausschalten/blenden zu können. So haben einige Staaten schon erfolgreich getestet, Satelliten von der Erde aus abzuschießen. Bislang war der Einsatz von Waffen im Weltraum verpönt oder wurde  stillschweigend getestet. Immer wieder wurden Vorwürfe erhoben, dass angriffsfähige Satelliten als ASAT aktiv seien. Nach dem Outer Space Treaty von 1967  sind Stationierung und Einsatz von Atomwaffen verboten, „normale“ Waffensysteme sind erlaubt.

Schon lange wird u.a. zur Raketenabwehr gefordert, Waffen im Weltraum zu stationieren. Projektiert wurde das während der Präsidentschaft Ronald Reagans in den 1980er Jahren unter dem Titel der  Strategic Defense Initiative (SDI), um auch in der Erdumlaufbahn stationierten Raketen oder Laserwaffen oder auch durch Murmel-Geschosse (Brilliant Pebbels) nukleare Interkontinentalraketen ausschalten zu können. Trumps „Golden Dome“ schließt an SDI an.

Letztes Jahr hat US-General Stephen Whiting, Chef des Weltraumkommandos, explizit die Stationierung von Waffen im Weltraum gefordert: „Es ist an der Zeit, dass wir klar und deutlich sagen: Wir brauchen Weltraumwaffen und wir brauchen Waffensysteme. Wir brauchen Abfangjäger im Orbit. Und wie nennen wir diese? Wir nennen sie Waffen, und wir brauchen sie, um einen Weltraumkonflikt abzuschrecken und um erfolgreich zu sein, sollten wir in einen solchen Kampf geraten.“

Es wurde bekannt, dass Russland die Massenproduktion des mobilen Systems Volna Kupol Garant gestartet hat. Das soll in der Lage sein, mit der Aussendung eines starken Signals Satelliten und die Kommunikation mit den Bodenterminals zumindest zeitweise lahmzulegen. Gerichtet ist es vor allem gegen die Satelliten von Starlink, die ein Fundament für die Kriegsführung der Ukraine, vor allem für den Drohnenkrieg, sind. Ein System soll 15-25 Quadratkilometer an Fläche abdecken können. Vermutlich sollen damit zunächst wichtige militärische und wirtschaftliche Objekte vor Drohnenangriffen geschützt werden.

Jetzt hat das Weltraumkommando des Pentagon erstmals erklärt, Waffen im Weltraum, stationiert zu haben. Um welche Waffen es sich handelt, wird aber geheim gehalten, ebenso seit wann diese sich im Weltraum befinden. Wie so oft in militärischen Dingen könnte etwas vorgetäuscht werden, um Gegner abzuschrecken. Oder das Pentagon prescht im Wettlauf bei der Militarisierung des Weltraums vor, schließlich hält sich nicht erst die Trump-Regierung nicht an internationale Abkommen oder eine regelbasierte Ordnung, von der hier so geschwärmt wurde, als es gegen Russland ging. Wahrscheinlich aber geht es in erster Linie um mehr Geld, weil die Gegner sonst angeblich schnell die USA überholen könnten. Die USA haben sich schon vor Jahrzehnten geweigert, ein Weltraumabkommen anzugehen, wie dies etwa von China und Russland gefordert wurden.

Nach dem Luftwaffenminister Troy Meink, der auch für das Weltraumkommando zuständig ist, handelt es sich um „im Orbit stationierte Weltraumabwehrwaffen, die in der Lage sind, die gemeinsamen Streitkräfte gegen feindliche Angriffe zu verteidigen“. Und er forderte auf der 2026 Air and Space Cyber Conference recht deutlich mehr Geld: „Angesichts der sich heute rasant verändernden Bedrohungslage können wir kein Militär von Weltklasse erwarten, wenn wir nicht bereit sind, in es zu investieren. Viele der Waffen, Komponenten oder Systeme, die wir anschaffen müssen, haben die Kostenkurve überschritten. Sie leisten zwar hervorragende Dienste, aber die Kosten steigen schneller als die Inflationsrate.“

Vermutlich meinte er mit den Weltraumabwehrwaffen nicht das Programm „Space-Based Interceptor“, also im Weltraum stationierte Abfangraketen für den Golden Dome. Hier sei man „in weniger als einem Jahr vom ersten Vertrag bis zur flugbereiten Hardware gelangt“, sagte er. „Ähnliche Fortschritte erzielen wir bei unserem Weltraumdatennetzwerk, und noch in diesem Monat beginnen wir mit dem Start unserer Konstellation zur Erkennung sich bewegender Luftziele.“

Was in Meinks Rede aber auch deutlich wird, dass wohl als Lehre aus dem Krieg in der Ukraine die lange gemachte Versicherung, keine vollständig autonomen Waffensysteme einzusetzen, sondern immer einen human in the loop zu haben, still schweigend verschwunden ist. Das war zwar schon immer absehbar, nun wird deutlich, wie stark die amerikanische Luftwaffe auf neue autonome Systeme und Schwärme von bemannten und unbemannten Flugkörpern setzt.

„Wenn wir bemannte Flugzeuge mit kostengünstigen autonomen Systemen kombinieren, werden wir in der Lage sein, Kampfkraft in großem Maßstab zu entfalten“, sagte er. „Wir werden unsere Kampfkraft durch den Einsatz einer großen Anzahl hochautonomer Systeme drastisch steigern.“ Es scheint vor allem um die Masse billiger Angriffswaffen zu gehen, um Abwehrsysteme zu überwältigen: „Unsere Spezialeinheiten werden in der Lage sein, Tausende autonomer Einweg-Angriffswaffen einzusetzen.“ Dazu werde es unbemannte Kampfflugzeuge geben. Er sprach von FQ-42 (Vengeance) und FQ-44 (Fury) sowie Mass Modular Aircraft. MMAs sollen billige, unbemannte Kampfflugzeuge mit großer Reichweite und vielseitigem Einsatz sein und die teuren MQ-9 Reaper ersetzen, die im Iran-Krieg oft abgeschossen wurden. Sie sind auf Verlust angelegt, also eine Art Wegwerf- oder Kamikazeflugzeug.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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11 Kommentare

  1. Das muss man sich auch leisten koennen und ich glaube das etwas das auch wirklich taugt nicht bezahlt werden kann, auch nicht von der „greatest Nation alive“.

  2. Die Technik ⚙️ 🚀 und Technologie 🤖 🛰️ schreitet wie im Märchen mit Siebenmeilenstiefeln voran, vor allem die militärische Technik ⚔️💥. Kulturell, ökonomisch, sozial und gesellschaftlich geht es zurück in das feudale Mittelalter: 👑🫅🏰 📜 🏚️ 🕯️ 🐓 ⚒️ 🪓 🧺 🪵 ⛪ 🚩🛡️ 🗡️ 🏇

    Ist doch alles „Supi“, wie das die Abiturienten/Studenten von heute in Deutschland nennen.

  3. Wieder soll der „Gegner, Konkurrent“, aka. „Bruder im Geiste“ finanziell zu Tode gehetzt werden, wie im kalten Krieg des letzten Jahrhunderts. Und wie die kostspieligen Nuklearwaffen können auch diese Waffen nicht benutzt werden, weil dann auch die eigenen Satelliten wörtlich „vor oder auf die Füße fallen“.
    Tolle Anführer mit spektakulären neuen Ideen leisten wir uns da. Für meinen Geschmack viel zu luxuriös, aber was weiß ich schon, Hauptsache alle sind gut unterhalten und einige wenige machen sich weiterhin nachhaltig die Konten voll.

    1. Es ist letztendlich immer das gleiche Spiel. Man arbeitet hart daran, durch die neue Waffen einen Vorteil zu erlangen und das gelingt auch temporär. Dann zieht die andere Seite nach und es geht in die nächste Runde.
      Trotz der ungeheuren Verschwendung menschlicher Fähigkeiten, wäre das noch hinzunehmen, wenn es dabei bliebe. Aber es ist absehbar, dass eine Seite irgendwann glauben wird, nun wäre der Zeitpunkt gekommen, wo man den entschieden größeren Hebel in der Hand hat und man ihn jetzt auch einsetzen muss, bevor der Feind über die gleichen Fähigkeiten verfügt. Ob das tatsächlich so ist, weiß niemand. Aber das ist egal, wenn sie es nur glauben, reicht das, um unendlichen Schaden für den Planeten zu verursachen, Und die Gefahr scheint mir beim größten amerikanischen Staatsmann aller Zeiten, der offensichtlich nicht zwischen Wunsch und Realität unterscheiden kann und der in seiner Umgebung nur Psychopathen duldet, die ähnlich aufgestellt sind, besonders groß zu sein.

      1. @ 1211:

        Also ich denke, auch »beim größten amerikanischen Staatsmann aller Zeiten« brauchen wir uns keine Sorgen machen, dass er einen finalen Hebel einsetzt. Er hasst zwar irgendwie die ganze Welt (die für ihn ja offensichtlich er selbst ist), aber er braucht die Aufmerksamkeit des größtmöglichen Publikums, das wird er nicht auf’s Spiel setzen. In seinem Irrsinn liegt eine gewisse Sicherheit – absurde Zeiten sind das.
        Die ganzen anderen Verschwendungen aus Machterwägung und Machterhalt wird den Menschen letztendlich das Genick brechen (mal so meine persönliche Wette).

        1. Ich wünsche mir wirklich, dass du diese fiktive Wette gewinnst. Ich selber bin da nicht mehr so zuversichtlich. Ich fürchte, dass es zum Schluss wie bei „Dr Seltsam“ diesen Major Kong geben wird, der alles unternimmt, und das auch um den Preis des eigenen Untergangs, dass die Nukes doch noch gezündet werden. Irre wie Jack D, Ripper aus dem gleichen Film hat es jetzt schon mehr als genug.

          Möge ein gütiges Schicksal machen, dass du nicht behälst.

  4. Aufrüstung ist eine sehr elegante Methode um gigantische Summen an Steuergeldern zu privatisieren.
    Die Allgemeinheit verarmt. Grosskonzerne und Politiker die von eben diesen Konzernen belohnt/bezahlt werden profitieren.
    Das ganze nennt sich Demokratie, oder äh, Plutokratie, Kleptokratie oder eben Oligarchie.
    Eine riesige Verarsche das ganze. Und brandgefährlich. Wer die Tagesschau glotzt und die Schülerzeitung (SZ)
    liest, glaubt auch noch diesen irren Wahnsinn.

  5. Ich denke der olle General prahlt bloss. Und er fungiert mehr als Verkäufer für den MIC, allein schon das Geschwafel vom Golden Dome..

    Die USA hat, anders als zb die extremst fortschrittliche Theokratie in Iran, keine Hyperschallraketen. Der Plan für die Mondlandung sieht vor, bis zu 16 (vermutlich mehr, sie können nicht einmal das festlegen, ffs) Raketenstarts allein um genug Treibstoff in Orbit zu bringen. Die Mondlandung war ursprünglich für 2024 geplant, bis heute haben sie noch nicht einmal den Treibstoff-Transfer im Orbit getestet.

    Gleichzeitig hat die USA super effizient innerhalb eines Jahres „flugbereite“ Raketen für den Golden Dome gebaut und werkelt natürlich ebenso effizient an ihren „Weltraumdatennetzwerk“ (für die Rechenzentren im All? Lmao)?

    Nicht dass dies irgendwas besser macht. Ich will bloss sagen, dass ich solchem Geschwätz wie von diesem General nicht allzu viel wert beimessen würde.

    Ps: Waffen im Orbit sind nicht so neu, China zb hat auch schon Mal den „Abschuss“ eines Satelliten getestet.

    1. Auch die Ankündigung, dass sich die USA billige, massentaugliche Waffen zulegen würde, macht schmunzeln. Die Firmen des militärisch-industriellen Komplex verdienen mit wenigen sehr teuren Waffen viel leichter Geld und deren Wille geschieht letztlich.

      Das sieht man schon bei technisch nicht über die Maßen anspruchsvoller Artilleriemunition. Da produziert Rheinmetall mehr als die ganze USA. Skalierungseffekte, die bei Ländern wie China zu immer billigeren Produkten führen, bewirken im kapitalistischen Westen, exakt das Gegenteil. Je dringender etwas angefordert wird, wie z.B. die Artilleriemunition, umso deutlicher steigt der Preis. Konkret stieg der Preis eines Geschosses von 2000€ in 2022 auf aktuell um die 5000€.

      Noch krasser werden diese Spielchen in den USA betrieben. Die können billig nur, wenn es um bspw. die industriell erzeugte Ernährung der Unterschicht geht.

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