Pax Americana versus Großeurasien

„Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland: Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel. Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.“ Mackinder. Bild: Arnopeters/CC BY-SA-3.0

 Der Kampf um die Weltherrschaft.

„Есть десятилетия, когда ничего не происходит, и недели, за которые происходят десятилетия“ (Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.) –  Vladimir Lenin?

                                              

1. „Die neue unangenehme Realität“

     Am 18. Mai 2026 forderte der litauische Außenminister, Kęstutis Budrys, in einem Interview mit der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) die Nato auf, die russischen Streitkräfte in Kaliningrad anzugreifen, und behauptete, dass die Nato notfalls in der Lage sei, die russische Luftverteidigung und Raketenbasen in Kaliningrad dem Erdboden gleichzumachen.

In einer am 29. Mai stattgefundenen Pressekonferenz in Kasachstan wurde Putin darauf angesprochen und gebeten, zu der Äußerung des litauischen Außenministers Stellung zu nehmen. Putins Reaktion erfolgte prompt und schroff: „У Российской Федерации есть все средства сравнять с землей всех, кто попытается это сделать“ (Die Russische Föderation verfügt über alle Mittel, um alle, die dies versuchen, dem Erdboden gleichzumachen).

In Russland lösen solche und ähnliche Entgleisungen der EU-Politprominenz im besten Falle nur ein müdes Lächeln und im schlimmsten Falle ein Befremden aus. „Die Welt ist verrückt geworden“, ist eine Floskel, die in solchen Fällen immer wieder zu hören ist. Wir leben in gefährlichen Zeiten und manchmal weiß man nicht so genau, ob wir uns bereits im Kriegszustand befinden oder noch in Friedenszeiten leben.

Und manche Zeitgenossen glauben, dass eigentlich beides gleichzeitig stattfindet. „Мир во время войны“ (Frieden in Zeiten des Krieges)! Unter diesem Titel veröffentlichte Dmitrij Trenin (RIAC-Präsident u. ehem. Direktor des Carnegie Moscow Center) in Russian International Affairs Council (RIAC) am 26. Mai 2026 seinen kleinen Artikel.

„Das Dilemma ‚Krieg oder Frieden‘ ist unter den gegenwärtigen Umständen irreführend“ (Дилемма — война или мир — в нынешних условиях ложная), stellte Trenin gleich im ersten Satz seiner Ausführungen fest und vertrat die These, dass die Konfrontation mit dem „Westen“ weitergehen werde, selbst wenn der Ukrainekrieg als „bewaffnete Auseinandersetzung“ zu Ende gehe. Worauf Trenin hinaus will, wird erst am Ende seiner Ausführungen deutlich:

„Seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges sind drei Generationen von Russen in einer Atmosphäre äußerer Sicherheit aufgewachsen: zunächst unter Bedingungen strategischer Stabilität, basierend auf der gegenseitigen nuklearen Abschreckung, dann unter Bedingungen von Partnerschaft und Kooperation in einer Welt, in der der ‚große Krieg‘ als Anachronismus gilt. Nun befinden wir uns an einem Punkt, an dem das Sicherheitsparadigma (парадигма безопасности) selbst überholt ist. Krieg unter Bedingungen des Friedens oder Frieden unter Bedingungen des Krieges (Война в условиях мира или мир в условиях войны) – das ist die neue unangenehme Realität.“

Das „Sicherheitsparadigma“ der Nachkriegszeit gäbe es nicht mehr und die Welt, in der wir seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine leben, ist inzwischen ein gefährlicher Ort geworden, an dem die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischt werden und die beiden mittlerweile ununterscheidbar geworden sind1.

Folgt man dieser Diagnose der gegenwärtigen Weltlage, dann leben wir tatsächlich in einer „neuen, unangenehmen Realität“, die es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges so nicht gegeben hat, weil man zu Zeiten des „Kalten Krieges“ eindeutig zwischen Freund und Feind unterscheiden sowie Krieg und Frieden voneinander abgrenzen konnte.

Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine gilt diese Eindeutigkeit nicht mehr. Die transatlantischen Machteliten führen einen unerklärten Krieg gegen Russland auf ukrainischem Boden, tun aber so, als wären sie daran gar nicht beteiligt. Zwar gab Marco Rubio bereits am 5. März 2025 in einem Fox-Interview freimutig zu, dass die USA einen „Proxykrieg“ gegen Russland führen.

Dieses Eingeständnis hat aber vor dem Hintergrund der inzwischen drastisch zugenommenen Drohnen- und Raketenangriffe tief in den russischen Raum, die von den Nato-Ländern produziert, an die Ukraine geliefert und von den Nato-Spezialisten gesteuert, gelenkt und bedient werden, nicht viel zu bedeuten.

Man kann längst nicht mehr allein vom „Proxykrieg“, sondern auch von einer direkten Involvierung der Nato-Allianz in das Kriegsgeschehen auf ukrainischem Boden sprechen.

Die EU-Europäer tun aber so, als hätten sie damit nichts zu tun. Sie führen mittelbar und unmittelbar einen Krieg gegen Russland, geben das jedoch nicht zu und verstecken sich hinter juristischen Floskeln. Das ist im Unterschied zu Zeiten des „Kalten Krieges“ in der Tat etwas ganz Neues. Im Gegensatz zu Zeiten des „Gleichgewichts des Schreckens“ entsteht dadurch eine völlig neue sicherheitspolitische Konstellation.

Die Logik der Konfrontation zwischen Russland und dem „Westen“ hat sich heute dahingehend geändert, dass an Stelle der postulierten „Symmetrie der existentiellen Interessen“ (McNamara) der beiden miteinander rivalisierenden Supermächte USA und UdSSR, die im „Kalten Krieg“ eine politisch-strategische „Überlebensgemeinschaft“ begründete2, eine Delegitimierung der russischen vitalen Sicherheitsinteressen getreten ist, die jeden sicherheitspolitischen Kompromiss seitens der Transatlantiker außer Kraft setzt.

Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit einer veränderten Perzeption der nuklearen Bedrohung, worauf Trenin selbst in einem ganz anderen Zusammenhang hingewiesen hat3. Der „lange Frieden“ (John Lewis Gaddis) des „Kalten Krieges“ beruhte „auf der Hypothese des Weltuntergangs und dem Minimalkonsens, diesen zu vermeiden“, schrieb der Historiker, Michael Stürmer, 20144.

Diese Weltuntergangshypothese führte dazu, dass alles unternommen wurde, um den großen Krieg zwischen den zwei Supermächten zu vermeiden. Und genau dieses Weltuntergangsszenario macht heute keinem mehr Angst. Auf ukrainischem Boden findet inzwischen eine militärische Konfrontation in „Friedenszeiten“ ohnegleichen statt und der sog. „Westen“ testet hemmungslos und ohne Rücksicht auf die Gefahren einer nuklearen Eskalation, wie weit er gehen kann, als würde die Weltuntergangshypothese nicht mehr existieren.

Zwar versucht Moskau, auf die Übereiferer in der Nato-Allianz wie den oben zitierten litauischen Außenminister, Kęstutis Budrys, mit subtilen Hinweisen auf sein Nuklearpotenzial deeskalierend einzuwirken, wird aber mit dieser defensiven Haltung nicht ernstgenommen, solange den Mahnungen und Appellen keine Taten folgen.

Und in diesem Teufelskreis dreht sich das ganze Eskalationskarussell und keine der verfeindeten Kriegsparteien denkt daran, einer anderen in irgendeiner Weise nachzugeben, bis, ja bis eine von ihnen obsiegt oder – wenn das nicht der Fall ist – die nukleare Weltuntergangshypothese entweder bestätigt oder widerlegt wird.

Das ist ein gefährlicher Schwebezustand, in dem wir uns heute befinden und Trenin dazu veranlasst, umständlich vom „Frieden in Zeiten des Krieges“ zu sprechen, was freilich auch kein neues Phänomen ist. 1925 nannte der liberale Politiker und italienische Premier, Francesco S. Nitti (1919/20), einen ähnlichen Schwebezustand nach dem Friedensvertrag von Versailles schlicht und ohne Umschweife „Kriegsfrieden“5.  Dieser „Kriegsfrieden“ führte bekanntlich am Ende zum Zweiten Weltkrieg.

 

2. Der Irankrieg und die imperiale Überdehnung

    „Schwerhörige gestikulieren, die Gefahr wächst, weil Moskau und der Westen nicht dieselbe Sprache sprechen“, konstatierte Stürmer 2014 in seinem eben erwähnten Artikel und fuhr fort: „Der Westen will Moskau die Lehre erteilen, dass der Verlust, kaufmännisch gedacht, den Gewinn übersteigt. Putin aber denkt imperial und erinnert den Westen daran, dass Russland nach dem Zusammensturz der Sowjetunion noch Ausgleich zusteht. Eskalation treibt Eskalation. Die Vernunftgebote des langen nuklearen Friedens scheinen aber vergessen. Die Welt ist ein gefährlicher und gefährdeter Ort.“

Wie gefährlich die Welt geworden ist, zeigen die sog. „Friedensverhandlungen“ mit dem Iran in den Jahren 2025 und 2026, die zu Überraschungsangriffen missbraucht und von einer exzessiven Gewaltanwendung der USA und Israels begleitet wurden.

In seiner jüngsten Veröffentlichung „Do US War Crimes Doom the World to Endless War and Chaos?“ (Verdammen die Kriegsverbrechen der USA die Welt zu endlosem Krieg und Chaos?) schreibt der bekannte US-amerikanische Investigativjournalist, Nicolas J. S. Davies, am 26. Mai 2026: Als Reaktion auf die US-amerikanische Praxis, die Verhandlungen als Deckmantel für  die Überraschungsangriffe zu nutzen, seien Irans kompromisslose Bedingungen für ein Friedensabkommen zu verstehen, zumal die Iraner als „gebrannte Kinder“ ganz genau wissen, dass ein vereinbarter Waffenstillstand von den USA und Israel jederzeit einseitig und problemlos ignoriert, verletzt und gebrochen werden kann.

Da ein wie auch immer geartetes Abkommen mit den USA und Israel das Papier nicht wert sein wird, auf dem es geschrieben steht, ist es schwer vorstellbar, dass es Iran tatsächlich vor künftigen Angriffen schützen könnte. Ohne einen radikaleren Kurswechsel der US-Außenpolitik würden die USA und Israel Iran weiterhin angreifen, ist Davies davon überzeugt.

Zutreffend stellt er sodann fest, dass die ganze Entwicklung eine direkte Folge eines „übertriebenen westlichen Triumphalismus nach dem Ende des Kalten Krieges“ (overblown Western triumphalism after the end of the Cold War) ist. Es entstand „eine neue Generation von US-Führungskräften, wie Madeleine Albright6 und  Dick Cheney7, die die UN-Charta  und  die Genfer Konventionen als Hindernisse für ihre Ambitionen“ ansahen und „die globale Macht der USA durch einen umfassenderen und uneingeschränkten Einsatz militärischer Gewalt missbrauchten“.

In der Überzeugung, dass „das neue militärische Ungleichgewicht“ (the new military imbalance)8 die einzig verbliebene Supermacht von der Einhaltung der 1945 ins Leben gerufenen UN-Charta befreite und deren höchstes Prinzip, die kollektive Friedenssicherung, de facto in eine unipolare  „Friedensschaffung“ verwandelte, entfesselten die USA mit ihren Satelliten exzessive Kriegsorgien, an deren Ende statt einer Beherrschung der Welt eine im Niedergang begriffene Pax Americana steht.

Der Ukraine- und Irankrieg sind, so gesehen, nicht der Beginn, sondern der vorläufige Höhepunkt einer weltordnungspolitischen Entwicklung, deren Ursprung auf den Zusammenbruch der bipolaren Ordnung und den Untergang der Sowjetunion zurückgeht.

Und jetzt stehen die USA infolge ihrer imperialen Überdehnung (imperial overstretch) vor einem Scherbenhaufen ihrer gescheiterten Hegemonialpolitik der vergangenen fünfunddreißig Jahre, was Davies mit Bezug auf den Irankrieg zur Prognose verleitete: „Der Verlust dieses Krieges zwingt die USA endlich dazu, die neokonservativen Taktiken zu überdenken, die sie seit den 1990er-Jahren blindlings an die Stelle einer rationalen US-Außen- und Militärpolitik setzen, indem sie Sanktionen verhängen, drohen, bombardieren, töten, zerstören, besetzen, eskalieren, Länder in Gewalt und Chaos versinken lassen (wie in Afghanistan, Irak, Haiti, Somalia, Libyen, Syrien, Jemen, Ukraine, Palästina und Libanon) und zuallerletzt niemals eine Niederlage eingestehen und niemals den amerikanischen Exzeptionalismus oder die Überlegenheit in Frage stellen.“

Ins gleiche Horn stößt auch der US-Politikwissenschaftler und FP-Kolumnist, Stephen M. Walt, der seinen am 28. Mai 2026 in Foreign Policy erschienenen Artikel mit dem bezeichnenden Titel versehen hat: „Trump sollte einfach zugeben, dass er Mist gebaut hat – Der Iran-Krieg war offensichtlich ein Fehler. Warum sagst du es nicht?“ (Trump Should Just Admit He Screwed Up – The Iran war was obviously a mistake. Why not say so?)

Warum wohl? Dass die USA ihre Hegemonialpolitik wegen der gescheiterten Iranintervention ändern würden, ist indes nicht zu erwarten, zumal die US-Außenpolitik seit Trumps Regentschaft in einen postmodernen Imperialismus ausartete, um die US-Hegemonie mit brachialer Gewalt zu retten. Dass diese Rettungsaktion gelingen kann, ist mehr als fraglich.

Und was den Iran angeht, so hat der Krieg ihn „nicht etwa gebrochen, sondern auf unerwartete Weise transformiert. … Der Krieg hat einen neuen Iran hervorgebracht, der den Nahen Osten prägen und die Geopolitik auf Jahre hinaus beeinflussen wird“, schreiben Narges Bajoghli und Vali Nasr in einem am 3. Juni in Foreign Affairs erschienenen Beitrag „Iran’s New Grand Strategy“.

Die mit dem Irankrieg in Gang gesetzten geopolitischen und geoökonomischen Machtverschiebungen depravieren nicht nur die US-Vormachtstellung in Vorder- bzw. Südwestasien, sondern stellen die Pax Americana auch weltweit in Frage.

 

3. Die gescheiterten „Imperative imperialer Geostrategie“

    Es mehren sich inzwischen Stimmen, die vom „Niedergang der Pax Americana“ sprechen. Zuletzt veröffentlichte Greg Simons (Prof. an der Daffodil International University, Dhaka, Bangladesch) am 28. Mai 2026 einen Gastbeitrag in Russia in Global Affairs mit dem Titel „Упадок Pax Americana: геополитическое отчаяние и тактика без стратегии?“ (Der Niedergang der Pax Americana: Geopolitische Verzweiflung und Taktik ohne Strategie?).

Darin vertrat der Autor die Auffassung, dass „die Pax Americana sich in einem Zustand relativen und unaufhaltsamen Niedergangs befindet“ und dass „Trump als Symptom des Niedergangs und nicht als Reaktion darauf“ zu begreifen sei. „Wenn ein Imperium in die Phase des Niedergangs vor seinem Zusammenbruch eintritt, ist eines der auffälligsten Anzeichen der Verfall seiner politischen und militärischen Führung“, begründet Simons seine „Symptom“-These.

Der relative Niedergang der Pax Americana gewinne seiner Meinung nach rasant an Dynamik und beschleunige sich infolge einer Reihe endloser und selbstzerstörerischer Kriege, die zunächst von Arroganz und Anmaßung und dann von einer „imperialen Verzweiflung“ angetrieben werden. Die Folge sei eine politische, wirtschaftliche und militärische Überdehnung des Imperiums.

Die USA können nur dann die Pax Americana aufrechterhalten, wenn sie „die absolute und totale Kontrolle über ihr System von Vasallen- und Klientelstaaten“ perpetuieren, zugleich aber das Entstehen unabhängiger Mächte oder Machtblöcke verhindern, die das Imperium herausfordern könnten“, schreibt Simons mit Verweis auf „Brzezinskis drei geostrategischen Imperativen“, ohne freilich darauf näher einzugehen.

In seinem aufsehenerregenden Werk „Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (1997) formulierte Brzezinski in der Tat seine „drei großen Imperative imperialer Geostrategie“ in Anlehnung an Harold Mackinders berühmten „Heartland“-Syllogismus, den er zustimmend zitiert:

„Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland:

Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel.

Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.“9

Im Sinne dieses „Herzland“-Syllogismus stellte Brzezinski seine eigenen „drei großen Imperative“ auf, indem er Mackinders Conclusio: „Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt“ zur US-Geostrategie der Weltherrschaft umdeutete und „entsprechend dem Doppelinteresse Amerikas an einer kurzfristigen Bewahrung seiner einzigartigen globalen Machtposition und an deren langfristiger Umwandlung in eine zunehmend institutionalisierte weltweite Zusammenarbeit“ umformulierte:

Die Stärkung der Vasallenabhängigkeit von der US-Sicherheitspolitik;

Die Gewährleistung der Fügsamkeit der tributpflichtigen Staaten;

Die Bündnisverhinderung der „Barbarenvölker“10.

   Lässt man die vergangenen drei Jahrzehnte Revue passieren, so kann man feststellen, dass Brzezinskis „drei große Imperativen“ nicht zu einem durschlagenden Erfolg bei der Bewahrung der seit dem Ende der Bipolarität entstandenen „einzigartigen globalen Machtposition“ Amerikas geführt haben. Die Erfahrung mit der „imperialen Geostrategie“ zeigt vielmehr, dass sie ausgerechnet in Großeurasien gescheitert ist11.

Zwar haben die USA ihre Vormachtstellung im „Westen“ ausgebaut und gestärkt. Sie büßten aber gleichzeitig im Nichtwesten bzw. dem sog. „Globalen Süden“ an Einfluss und Bedeutung ein. Was ist passiert? Vor dem Hintergrund des Ukrainekonflikts und des ausgebrochenen Sanktionskrieges zwischen Russland und dem „Westen“ haben die beiden geopolitischen Rivalen begonnen, um den Nichtwesten zu wetteifern und diesen in dem tobenden geopolitischen Machtkampf auf die jeweils eigene Seite zu ziehen.

Der Nichtwesten ließ sich nicht zweimal bitten und hat verstanden, dass er – wenn sich die beiden geopolitischen Kontrahenten streiten – davon nur profitieren kann. Im Bewusstsein der eigenen Machtstellung ist er zum geopolitischen Leben erweckt und dieses geopolitisches Erweckungserlebnis ist ihm nicht mehr wegzunehmen.

Der „Westen“ glaubte anfänglich, dass er den Nichtwesten in alter Kolonialherrenmanier wie selbstverständlich auf seine Seite ziehen würde. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Nichtwesten selbst zur großen Überraschung Russlands eher die russische als die westliche Position einnahm.12

Und so stellten die USA ebenfalls zur eigenen Überraschung fest, wie wenig sie den Nichtwesten beeinflussen oder einschüchtern können und wie sehr ihr Druck auf die nichtwestlichen Länder verpufft. Diese bittere Erfahrung zeigte den USA, dass sie die besten Zeiten bereits hinter sich haben. Was nun die US-amerikanische Beherrschung des sog. „Heartland“ angeht, so rückt sie auch vor diesem Hintergrund immer mehr in weite Ferne.

Getreu Mackinders Conclusio (im Umkehrschluss) bedeutet diese Entwicklung nur eins: Wer über die Weltinsel nicht herrscht, beherrscht nicht die Welt. Und so stellt Simons folgerichtig der im Niedergang begriffenen Pax Americana das sog. „Großeurasien-Projekt“ gegenüber, das sich um die „drei Säulen“: „China im Indopazifik, Iran in Westasien und Russland in Europa“ zentriert.

Dieses Dreigespann (China, Russland und Iran) hat tendenziell und potenziell mit vereinten Kräften alle Voraussetzungen zum mächtigsten geopolitischen Machtfaktor in der Welt bzw. zu einer beherrschenden Weltmachtstellung aufzusteigen.

Dass es dazu überhaupt gekommen ist, daran ist laut Simons´ Analyse allein die imperiale Überdehnung der US-Hegemonie schuld.

Die auf Brzezinskis „drei großen Imperative imperialer Geostrategie“ gegründete Pax Americana hat in der Ukraine- und im Irankrieg ihre Grenzen erfahren. Das US-Imperium strauchelt und nähert sich seinem Ende zu.

Die Klienten und Vasallen der Pax Americana mussten insbesondere im Nahen Osten schmerzlich erfahren, dass die Präsenz der amerikanischen Militärbasen auf ihrem Territorium keine Sicherheit, sondern vielmehr eine Unsicherheit garantiert. Das sollte auch der EU-Politprominenz eine Warnung sein, sich nicht zu sehr in trügerischer Sicherheit zu wiegen.

 

Anmerkungen

 

  1. Vgl. Silnizki, M., Gedanken über Krieg und Frieden. Auf den Spuren der geopolitischen „Grammatik“, 1. Mai 2026, www.ontopraxiologie.de.
  2. Vgl. Ruehl, L., Machtpolitik und Friedensstrategie. Hamburg 1974, 255.
  3. Siehe Silnizki, M., „Strategischer Parasitismus“ oder verantwortungslose Strategie? Zur Frage nach Angstlosigkeit und Nuklearhysterie. 18. Oktober 2022, www.ontopraxiologie.de; des., Der Krieg des 21. Jahrhunderts. Zwischen nuklearer Abschreckung und digitaler Kriegsführung, 2. Juni 2026, www.ontopraxiologie.de.
  4. Stürmer, M., Vernunft des nuklearen Friedens scheint vergessen. Die Welt, 16.09.2014.
  5. Nitti, Der Friede, Frankfurt 1925, 17; näheres dazu auch Silnizki (wie Anm. 1).
  6. Vgl. Silnizki, M., The Washington Blob“ und der Ukrainekonflikt. Zwischen Euphorie und Ernüchterung, 19. September 2023, www.ontopraxiologie.de.
  7. Näheres dazu Silnizki, M., „Von imperialer zu autoritärer Präsidentschaft“? Cheney, Trump und die Eigengesetzlichkeit des politischen Handelns, 16. November 2025, www.ontopraxiologie.de.
  8. Silnizki, M., Machtungleichgewicht als Ordnungsprinzip? Zur Sicherheitskonstellation von heute und, 11. Mai 2022, www.ontopraxiologie.de.
  9. Brzezinski, Z., Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Mit einem Vorwort von Hans-Dietrich Genscher. 2. Aufl. Frankfurt 1999, 63.
  10. Vgl. Brzezinski (wie Anm. 9), 65 f.
  11. Näheres dazu Silnizki, M., Brzezinskis „imperiale Geostrategie“ im Lichte der Gegenwart. Zum Scheitern der US-amerikanischen Russlandpolitik. 9. November 2022, www.ontopraxiologie.de.
  12. Vgl. Silnizki, M., Außenpolitisches Denken in Russland vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges. Am Scheideweg zwischen dem Westen und dem Nichtwesten. 19. September 2022, www.ontopraxiologie.de

 

Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
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43 Kommentare

  1. Tja, das sind unsere tollen Kulturkämpfer in Israel, Russland und den USA, vielleicht überfällt ja bald Sachsen-Anhalt auch bald einen seiner Nachbarn …….

    1. Kultur?

      Israel kämpft für Großisrael. Also Land.
      Russland schlägt gegen das Vorrücken der Nato Pflöcke ein. Selbstbehauptung.
      Die USA dachten – wie immer – dass sie Iran haushoch überlegen seien, und dass es ihr Renommee als Weltmacht untermauern würde, wenn sich der Iran vor der alles überstrahlenden US-Macht in den Staub wirft. Krasser Irrtum.

      @Artikel
      Es sind doch immer wieder amerikanische Quellen, die auf den Neuen Realismus (siehe Youtube John Mearsheimer) zurückgehen, die die plausibelsten Welterklärungen liefern. – So lange es um die USA geht.

      Was nach der Machtverschiebung in Richtung Eurasien als Welterklärung herhalten kann, wird sich zeigen, nachdem sie stattgefunden hat. Nach dem, was man bisher von China gesehen hat, tendiere ich zu der Hoffnung, dass es unterm Strich für die Welt besser werden könnte.

      Tunichtgute wie derzeit die EU, die mit dem Verantwortungsbewusstsein anderer ihre Gernegroß-Spielchen treiben, wird es wohl immer geben. Aber wo wäre die EU jetzt schon, wenn sie sich nicht vormachen könnte, dass sie über die in Europa eingefrorenen russischen Vermögen wird verfügen können?

  2. Der Gewinner schreibt bekanntlich die Geschichte und in dieser wird Putin als glorreicher Befreier der Welt von der Versklavung durch die US-Hegemonie eingehen.

    So ist es Putins Initiative zu verdanken, dass BRIC 2006 gegründet wurde, um ein Gegengewicht zur unilateralen Dominanz der USA und des Westens zu schaffen. Auf sein Betreiben hin fand im September 2006 das erste Treffen der BRIC-Außenminister am Rande der UN-Generalversammlung in New York statt.

    Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (englisch SCO) ging zwar aus den „Shanghai Fünf“ (gegründet 1996) hervor. Es war aber Putin, der das lose Grenzsicherungsforum zügig in ein festes Bündnis transformierte, das vom Westen auch gerne als Anti-NATO bezeichnet wird, obwohl das erklärte Ziel die Förderung einer „demokratischen, gerechten und rationalen“ neuen internationalen politischen und wirtschaftlichen Weltordnung ist.

    In beiden Fällen verfolgte Putin äusserst erfolgreich dasselbe langfristige Ziel: Die Etablierung regionaler und globaler Plattformen abseits westlich dominierter Institutionen (wie den G7 oder der NATO), um eine gerechte multipolare Weltordnung zu formen, die er explizit in seiner beeindruckenden Rede auf der 43ten Münchener Sicherheitskonferenz den westlichen Vertretern vorstellte.

      1. Danke für diese gute Idee!

        China, Indien und Russland etc. besitzen ja bereits ihre eigene zukunftsweisende digitale Währung.

        Das BRICS eigene dezentrale blockchain basierte BRICS-Pay (https://brics-pay.com), das all diese digitalen Währungen unterstützt, ist auch sicherlich eine gute Alternative zu dem westlichen zentralistischen SWIFT-Bankensystem, in dem einem mal ganz schnell und willkürlich ohne jeden Gerichtsbeschluss nach einem kritischen Kommentar das Konto via EU-Sanktion eingefroren werden kann 😉

      2. Danke für diese gute Idee!

        China, Indien und Russland etc. besitzen ja bereits ihre eigene zukunftsweisende digitale Währung.

        Das BRICS eigene dezentrale blockchain basierte BRICS-Pay (https://brics-pay.com), das all diese digitalen Währungen unterstützt, ist auch sicherlich eine gute Alternative zu dem westlichen zentralistischen SWIFT-Bankensystem, in dem einem mal ganz schnell und willkürlich ohne jeden Gerichtsbeschluss nach einem kritischen Kommentar das Konto via EU-Sanktion eingefroren werden kann 😉

        1. Stellt sich die Frage ob und wie die beteiligten Staaten Einfluss auf das BRICS-Pay System nehmen können. Nicht daß man den Teufel mit dem Beelzebub austreibt.

    1. History
      With GS Research Report, “BRICs” Are Born

      In 2001, Goldman Sachs’ Global Investment Research Division publishes the report, “Build Better Global Economic BRICs,” coining the acronym for the four countries that would reshape the world economy– Brazil, Russia, India and China.

      Between 2000 and 2009, the pace of growth of emerging economies outpaced that of developed countries for the first time. A 2001 Goldman Sachs Economic Research report focused in on four rapidly growing emerging market countries specifically as key drivers of future global economic growth: Brazil, Russia, India and China. With “Building Better Global Economic BRICs,” a new term entered the investing vernacular.

      The paper, authored by Jim O’Neill, then head of Global Economic Research, projected that over the coming 10 years, the weight of the “BRICs”—especially China—in world GDP would grow significantly, and thus so would the global economic impact of fiscal and monetary policy in the four countries. In line with these prospects, the paper argued that the G7 should be adjusted to incorporate BRIC representatives.
      (…)
      By shining a research spotlight on a select group of emerging economies poised to become the next global growth powerhouses, Goldman Sachs helped both investors and companies frame their thinking and decisions based on a shifting global economic power dynamic. Beyond that, the “BRICs” concept triggered cooperation and collaboration among policymakers in these diverse countries on issues ranging from agriculture, trade, and environmental policies to national security and international finance.

      https://www.goldmansachs.com/our-firm/history/moments/2001-brics

      Und „die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst.“
      Egal, ach so, naja:

      Fake Wars & Higher Prices: What a “Multipolar World Order” REALLY Means
      Kit Knightly
      (…)
      The whole world (minus the US, currently) has signed the Pandemic Treaty, or signed up to the United Nations “Pact for the Future”.

      The BRICS nations all have globalist ties – recall BRICs was a term coined in a Goldman Sachs report in 2001 – and they all signed the Kazan Declaration in 2024. Supporting, among other things, the IMF, the WHO, Agenda 2030 and “sustainable development goals”. (Read Riley Waggaman’s great break down here)

      The Kyoto Protocols, the Paris Climate Agreements, the UN’s Sustainable Development Goals are all backed by every one of our multiple poles.

      Everyone on any of the supposed sides believes in the same things and shills the same foundational globalist lies such as climate change and Covid.

      And, quirks of implementation or nomenclature aside, they all want the same things and push the same familiar shopping list of policies:

      – Programmable Digital currency
      – biometric Digital ID
      – ending online anonymity
      – Cashless society
      – Censorship
      – “Sustainable development goals”

      The unspoken endgame of this collective horror show is easy to summarize: Techno-authoritarianism.

      Hrvoje Moric has written about how multipolarity, as a model, is a form of global government.

      A dystopian society where the state and mega corporations merge into a Thing-like monstrosity that has constant, real-time access to any and all data for pretty much everyone on the planet. That has the ability and facility to monitor – or control – every transaction, every journey, every message or phone call.

      “Multipolarity” disguises this truth, and uses partisan thinking and ideology to draw fake or surface-level distinctions.

      BRICS vs NATO, the US vs China, Israel vs Iran, Europe vs Russia, Belt and Road Initiative vs the India-Middle East-Europe Trade Corridor.

      Pick a flag and wave it. Fake Wars & Higher Prices, all in the service of The Great Reset.

      That is its purpose, and that is what “multipolarity” really means.

      https://off-guardian.org/2026/05/20/fake-wars-higher-prices-what-a-multipolar-world-order-really-means/

      Noch ein Auszug zur Klarstellung:

      But what does staged war mean?

      Does it mean no bombs are being dropped or people killed?

      No, as we have said many times: Be it in Ukraine or Gaza or Iran, there likely is death and destruction taking place – but that does not necessarily mean war.

      As Catte says in her 2024 article:

      „Death isn’t the definition of war. Conflict is the definition of war.“

      Do a few air strikes or a thousand dead civilians mean the US and Iran are really enemies locked in an ideological struggle for survival? No. Of course not.

      We know these governments and agencies do not care about their own people, let alone each other’s.

      People were disposable when they were being nailed inside their houses, given illegal DNR orders or injected with toxic Pfizer goo, and they’re just as disposable when they’re being blown up.

      It’s like a psychopathic, murderous sport. The players are real – maybe they’re playing to win or maybe paid to lose – but it doesn’t really matter, since the struggle is controlled by a league which sets the terms.

  3. Der litauische AM ist nicht der einzigste, der in eine Zwangsjacke gehört.
    Ein Umdenken in EUropa kann nur dann erfolgen, wenn die Bürger auf die Strasse gehen und die EU-Granden aus den Brüsseler Glaspalästen jagen, einschl. der Nato-Krieger, allen voran Speaker Rutte,
    (ein Streifzug durch die Foren bei Telepolis, ZEIT etc sorgt dann wieder für Frustration)
    Von selbst kommen diese Herrschaften nicht
    auf den Gedanken, dass sich ihre immer weiter drehende Eskalationsspirale irgendwann in einen Pilz übergehen kann, dann sind sie entweder alle tot (so wie wir) oder im neuen Luxusresort der Kushners auf einer albanischen Insel, auf dem Territorium soll es noch viele Atombunker aus der Sowjetzeit geben.
    Vielleicht ist man ja sogar der irrsinnigen Meinung, auf dieser Insel im Bunker ist man auch dann sicher, falls USA/Israel den Iran atomar platt machen, reine Spekulation!
    Russland ruinieren geht nicht mehr, eindämmen auch nicht, am gescheitesten wäre es, in EU und Nato macht sich der Realismus wieder breit und die Herrschaften sehen ein, dass Russland ein Nachbar ist mit dem man leben muss und sicher auch kann.

  4. Die grundlegende Ursache für den Niedergang der USA ist jedoch der Neoliberalismus. Wer alle Bereiche der Grundversorgung seiner Bürger privatisiert und dem ungehemmten Profitstreben ausliefert, kann auch nicht mehr konkurrenzfähig produzieren. Werden daraufhin die Fabriken in Billiglohnländer outgesourced, gerät das System ins ständige Handelsdefizit und finanzielle Schräglage.
    Der Neoliberalismus stellt eine Überdehnung des Kapitalismus da. Er funktioniert nur ein paar wenige Jahrzehnte lang, danach ist ein Land in allen Bereichen pleite und heruntergekommen.
    Das ist auch der Grund, weshalb China die USA mittlerweile in fast allen Bereichen überflügelt hat.
    Ehe die USA nicht etwas grundlegendes an seinem Wirtschaftssystem ändert, haben sie keine Chance der Gesundung und sind dem Untergang geweiht.
    Eine Weile wird man sich noch über Wasser halten indem man seine Vasallen restlos ausplündert, aber was dann? Wer bezahlt die 40 Billiarden $ ungedeckte Schecks?

  5. Der Kriegszug gegen den Iran hat die relative Machtlosigkeit der usa sichtbar gemacht (wobei ‚relativ‘ zu unterstreichen ist). Ihre Softpower ist aber immer noch weitgehend intakt, in den Bewusstseinen der Meisten ist die usa weiter allmächtig, das gilt auch für die allermeisten Politiker. Davon lässt sich noch lange zehren. Nur wenn die Widerständigkeit, auch bei Russland und China, den mächtigsten Kontrahenten, weiter wächst, kann die usa auf ihr wahres politisches Gewicht zurückgeschrumpft werden. (Das durchaus beachtlich ist, aber bei weitem nicht reicht, um den Planeten als Ganzen zu beherrschen.

    Noch ein Gedanke zur atomaren Bewaffnung. Die Vorstellung der schieren Gewalt der Explosion einer Atombombe reicht offenbar, um alle darüber hinwegsehen zu lassen, dass atomare Bewaffnung nichts verhindert. Wie wir jetzt immer häufiger sehen, führen auch Atommächte Krieg, werden auch angegriffen. Militärischer Schutz durch Atombewaffnung, ein Atomschirm, ist eine Chimäre. Gegebenenfalls wird man dennoch angegriffen, im Kalkül, der Gegner werde schon nicht zum Äussersten greifen. Und das tut er auch nicht. MAD ist ein Märchen, zwar realisierbar, dennoch ein Märchen, das niemanden von nichts abhält, wenn der anfängliche Schock vorbei ist niemanden abschreckt. Und der ist vorbei, kein Schock hält ewig. Mithin ist atomare Bewaffnung eine einzige Verschwendung, die Wirkung dieser Waffe ist einfach grösser, als alles, was militärisch je gewünscht wäre. Heute ist atomare Bewaffnung ein schwerer finanzieller Klotz am Bein, der den eignen Ruin beschleunigt.

  6. Wer in den Globus umspannenden Machtstrukturen denkt und handelt, dabei als Mastertool die militärische Option der Überwältigung wählt, mag sich selbst als omnipotenter Akteur wahrnehmen, wird aber immer ein Gejagter der Zukunft sein. Polemisch könnte man formulieren, dass Brzezinski mit »The Great Chessboard« zwar das Spielfeld erkannte, aber es für möglich hielt, darauf ewig Dame spielen zu können.

    Der Wunsch und die uneingeschränkte und krampfhafte Ambition »Die einzige Weltmacht« zu sein, zeigt eine Pathologie eines archaischen, bzw. regressiven Geistes. Die Folge dieses mentalen Stillstandes ist eine Demenz, eine Unfähigkeit, tatsächliche Gegenwart und die resultierenden Notwendigkeit zu erkennen, deswegen Neues und Veränderungen zu fürchten. Daraus ergibt sich der Verlust der Fähigkeit, der inhärenten Metastasierung wirtschaftlicher Partikularinteressen entgegen zu treten.

    Kleinste Strukturen (wie familienartige Verbände, lokale Gemeinschaften) werden offensichtlich seit Jahrzehnten ausgehöhlt und instabil, was in einer Skelettierung ganzer Gesellschaften und der Auflösung der Übereinkünfte untereinander (bspw. »Pax Americana«) mündet. Die einzig sinnvolle staatliche Funktion, die unabhängig von der Staatsform selbst ist, ist nicht die Organisation von Gemeinwohl, sondern die Einhegung schädlicher Partikularambitionen. Die westlichen Staaten sind dazu nicht mehr in der Lage, sondern sind nur noch Namensgeber einer Haut oder einer Fahne, die mehr schlecht als recht dieses Skelett zusammenhält. Der Staat ist als primärer Akteur, als Vertreter lokaler Interessen auf der globalen Bühne dem Korporatismus anheim gefallen. Dieser agiert selbstbezogen und meistens unsichtbar.

    Die »drei Säulen«, China, Iran und Russland haben sich – jede auf ihre eigen Weise – dem US-basierten Korporatismus entzogen, wobei Russland sich seit Anfang der 2000er in Form der Putin-Administration als größten, weil sicher geglaubten Verlust darstellt. Dabei ist der »Heartland-Syllogismus« eine abgehalfterte Metapher, an die sowohl Brzezinski als auch seine Epigonen glaub(t)en, die sich für pfiffige Politiker und Weltenlenker halten, dabei sind sie Termiten im Gebälk einer illusorischen Architektur, die aufgrund der Fragilität permanent vor dem Zusammenbruch steht und größeren Erschütterungen nicht standzuhalten vermag.

  7. Klar, die USA sind ein Koloss auf tönernen Füssen, wie man so sagt. Man macht ein grosses Bohai um die eigenen technologischen Fortschritte, um dann überrascht festzustellen, dass die Chinesen mit abnehmender Zeitverzögerung nachziehen oder gar überlegen werden. Das Dilemma der USA zeigt sich aber sehr schnell bei der Kapitalrendite. Niemand, der seinen Verstand beisammen hat, wird erwarten können, dass die gigantischen Investitionen, die mit dem KI-Boom getätigt werden, auf absehbare Zeit irgendeine Rendite abwerfen werden, auch keine solche, wo man von einer vernünftigen Verzinsung des angelegten Kapitals reden könnte.
    Für mich – ich kann’s eben nicht lassen – ist gerade die abnehmende Kapitalverzinsung das Grundproblem, womit sich der entwickelte Kapitalismus seit drei, vier Jahrzehnten sehr ernst herumschlägt und auf das er keine Antwort gefunden hat. Die aufstrebenden Rivalen machen sich aber daran, einem das bisschen, was man noch verdient, auch noch abzunehmen und auf der eigenen Kapitalrendite zuzuführen. Was natürlich nicht geduldet werden kann.
    Der gesamte „Westen“, zumindest die transatlantischen Netzwerke (die ja auch nur im Auftrag der Kapitalgruppen agieren, die hinter ihnen stehen) stellt die Weichen derart, dass ein Krieg die einzig übrig gebliebene Option wäre, womit ein Absturz der eignenen Partei verhindert werden könnte.
    Am Ende bleibt dann ein Szenario wie vor mehr als hundert Jahren aus der Sicht Deutschlands, als der erste Weltkrieg ausbrach, wo die eigene, vermeindliche Macht einen Sieg in diesem Krieg versprach, um eine (deutsche) Weltmachtstellung zu erreichen und wo alle Optionen zur Kriegsvermeidung durch diese vermeindliche Machtstellung vereitelt worden waren. Das Ende davon ist bekannt. Was Deutschland nicht daran hinderte, es nochmals zu versuchen.
    Nun also Versuch Nummer drei, das grosse Russenreich in die Knie zu zwingen. Das Ganze ist, wie ich finde, total irre. Und es hat das Potential, ganz Europa in Schutt und Asche zu legen. Und zwar wortwörtlich.
    Wir leben aber offenbar in einer Zeit, wo das total Irre große Chancen hat, Regierungspolitik zu werden. Auch bei denen, die von sich behaupten, sich zuerst von ihren „Werten“ und gleich danach von Vernunft leiten zu lassen.

  8. Vom Lesen des Artikels wurde mir ganz schwindelig. Pax Americana, was soll das denn sein. Habe ich noch nie gehört und gesehen. Mir geht es wie dem Fußballspieler, der im TV sagte, er habe immer gedacht, Curacao sei ein Drink, und jetzt müssten sie gegen die spielen !
    Aus dem Ukrainekrieg haben sich die Amis zurück gezogen, und Vance hat in München erklärt, es sei mit der amerikanischen Demokratie unvereinbar ein faschistisches Deutschland im Kriegsfall zu unterstützen, was angesichts der jüngsten Äußerungen von oben in Deutschland fast seherisch war. Aus der Globalisierung ist USA ausgestiegen. Die wirtschaftlichen Daten sind gut, und das Migrationsproblem wurde gelöst. Außerdem kann niemand die USA zwingen, ihre Schulden zu bezahlen.
    Inzwischen „haben die beiden geopolitischen Rivalen begonnen, um den Nichtwesten zu wetteifern und diesen in dem tobenden geopolitischen Machtkampf auf die jeweils eigene Seite zu ziehen.“ Für einen alten Mann ist das gar nichts neues. Während des kalten Krieges gab es die Blockfreien. Besonders Nasser und Tito lavierten brillant zwischen den beiden Blöcken, und holten raus, was zu holen war.
    Die Welt hat sich tatsächlich geändert. Eine kurze Zeit waren die USA die einzige Großmacht. Jetzt gibt es plötzlich drei, von denen Russland die schwächste ist. Sie vermeiden es aber, miteinander in Konflikt zu kommen, weshalb sich die USA von der Ukraine zurückgezogen haben und auch den Irankrieg weitgehend einschlafen ließen. Um die Weltherrschaft wird keine kämpfen.
    Die wirklich spannende Frage lautet: Was wird aus dem absackenden Europa. Hier wird ja schon ganz offen propagiert, dass man 2029 mit einem Krieg gegen Russland unter deutscher Führung den Untergang verhindern will. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber in diesem Fall würden die Russen taktische Atomwaffen einsetzen. Nochmal fünf Jahre Krieg kommen nicht in Frage. Die Europäer können sich dann überlegen, was sie machen.

    1. @Torwächter
      „und Vance hat in München erklärt, es sei mit der amerikanischen Demokratie unvereinbar ein faschistisches Deutschland im Kriegsfall zu unterstützen.“

      Diese Aussage ist falsch. Leider gehörst du zu denjenigen hier, die man nicht weitergehend kritisieren darf, ohne die Veröffentlichung zu riskieren. Dir steht es jedoch frei, diesen konkreten Wortlaut mittels einem Link nachzuweisen.

      1. Ich habe es im TV gehört und sinngemäß widergegeben, so wie ich es noch im Gedächtnis gespeichert hatte.. Das meint grok dazu „Es gab aber eine klare konditionale Botschaft: Amerika unterstützt Partner, die echte Demokratie (freie Rede, Respekt vor Wählern) leben. Wenn Europa „in Angst vor den eigenen Wählern“ regiere oder demokratische Prinzipien untergrabe, könne Amerika wenig für sie tun.“ Alles klar? Das nächstemal kannst du einen Link suchen und beweisen, dass ich nicht recht habe.

    2. Die USA haben sich von der Ukraine zurückgezogen. Tatsächlich:

      Dangerous Crossroads: Kiev Regime increasingly Relies on US AI Techno Companies to Wage War on Russia, Working Closely with the Pentagon
      By Drago Bosnic
      Global Research, June 04, 2026

      Combining unmanned systems and advanced AI is all the rage nowadays.

      Despite decades of stark warnings about the dangers of using this combination, corporate interests of the warmongering oligarchy running the United States take priority, which is why we’re on a collision course (or should we say head-on collision) with this reality.

      Namely, as the political West (and much of the world) now faces population collapse, reduced interest in serving in the military, incessant price hikes for traditional weapon systems, etc., the Military Industrial Complex (MIC) is gradually shifting toward this drone-AI combo as its primary alternative. And indeed, such systems seem to be taking over at virtually all levels, be it tactical, operational, strategic or doctrinal.

      Numerous AI-focused techno entities have emerged in America in the last two decades or so. Although they’re competitors, they also work together toward dislodging the “old nobility” of the US MIC and ensuring a future where they’ll monopolize the massive weapons market.

      https://www.globalresearch.ca/kiev-regime-increasingly-relies-on-us-ai-technofascists-to-wage-war-on-russia/5928825

      Und scheinbar ist die amerikanische „Demokratie“ nicht wirklich so schinant, wenn es um Kollaborationen geht:

      Rüstung
      Rheinmetall baut Zusammenarbeit mit US-Konzern Lockheed Martin aus
      Auf der Rüstungsmesse DSEI in London präsentieren die Rüstungsunternehmen einen neuartigen Raketenpanzer. Rheinmetall kündigt zudem die Lieferung von Flugabwehrsystemen an die Ukraine an.
      Roman Tyborski
      12.09.2025

      https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ruestung-rheinmetall-baut-zusammenarbeit-mit-us-konzern-lockheed-martin-aus-01/100154012.html

      1. Ich meine, du hast recht.

        Tatsächlich haben sich die USA aus der Finanzierung des Krieges in der Ukraine zurückgezogen. Sie liefern aber weiter, nach Bezahlung durch die Europäer, amerikanische Waffen und, wenig beachtet, „intelligence“.

        Und ohne „intelligence“, sprich Aufklärung und Kommunikation per Star Link wären die Europäer/Ukraine in diesem modernen „digital war“ morgen am Ende.

    3. Von Wiesbaden aus wird der Ukraine Krieg geführt, Trump hat ALLE Sanktionen der Biden-Administration bestehen lassen. Die USA haben sich NICHT (NULL) aus dem Konflikt zurückgezogen.

    4. „Die wirklich spannende Frage lautet: Was wird aus dem absackenden Europa.“

      Tja, was wird aus dem überalterten, rohstoffarmen, ungebildeten und zerstrittenen Europa werden? Ganz sicher nicht das, was sich unsere destruktiven Moralpolitiker und ihre Generäle einbilden.

      Man braucht nur den DLF anschalten und hören, was die Grüne EU-Abgeordnete Neumann zu den zarten Absichtserklärungen für einen Frieden zwischen USA/Israel(zwangsweise) und dem Iran zu sagen hat. Zeter und Mordio schreit sie. Wo bleibt denn der Regime change? Was ist mit den iranischen Menschen? Warum sollen die widerrechtlich konfiszierten Gelder frei gegeben werden? Das geht doch nicht und Europa sollte die Iran-Sanktionen nicht aufheben!

      Es ist nun das zweite mal in Folge, dass unser Imperium einen Krieg verloren hat, und beides Mal wollen die blasierten Europäer und ganz vorne die aufgeblasenen Moralapostel der Grünen den Krieg fortsetzen – und haben gar nicht die Mittel dazu!

  9. Was gibts denn hier zu moderieren. Ich habe nicht verfassungsfeindliches geäußert und nur behauptet und begründet, dass es einen Krieg um die Weltherrschaft nicht geben wird. Das wird ja wohl noch erlaubt sein in einer herrschaftsfreien Debatte.

    1. Werter „Torwächter“, ich bin recht froh, das wenigstens Sie noch hier sind;
      so einige wirklich interessante Forenten sind nicht mehr dabei, schade drum.

  10. „In einer am 29. Mai stattgefundenen Pressekonferenz in Kasachstan wurde Putin darauf angesprochen und gebeten, zu der Äußerung des litauischen Außenministers Stellung zu nehmen. Putins Reaktion erfolgte prompt und schroff: „У Российской Федерации есть все средства сравнять с землей всех, кто попытается это сделать“ (Die Russische Föderation verfügt über alle Mittel, um alle, die dies versuchen, dem Erdboden gleichzumachen).“
    Die Russische Föderation verfügt eben nicht über die Mittel einen solchen Angriff abzuwehren und die Angreifer dem Erdboden gleichzumachen. Sonst würde sich der Ukrainekrieg nicht schon seit 4 Jahren dahinziehen.
    Sie verfügt nur über die Mittel ALLES dem Erdboden gleichzumachen, das ist ihre große Krux und gleichzeitig die Gelddruckmaschine Putins und seiner Oligarchenfreunde.
    Denn auch am russischen Rüstungswahn wird ganz oben kräftig mit abgesahnt.
    Was zwischendurch alles an markigen Sprüchen abgesondert wird, kann in die Tonne und wird nicht einmal mehr von den Russen geglaubt.

  11. Das respektvolle Zitat des linksextremen Diktators Wladimir Lenin, der viele russische Menschen getötet hat, sagt viel über den Autor und die Redaktion aus.

    1. Wieviele hat er denn getötet und warum? Könnte es vllt. daran liegen, daß diese „vielen russischen Menschen“ noch viel mehr russ. Menschen getötet und unterdrückt/ausgebeutet haben. Und daß sich ein Anhänger Hitlers über Diktatoren o.ä. echauffiert, hat schon was witziges ….

      1. Demokrat halt.
        Für 7% leistungsloses Einkommen aufs Kapital gehen die bekanntlich über Leichen.
        Natürlich nicht, ohne das lauthals als ‚Selbstverteidigung‘ zu bemänteln, wie man immer wieder und wieder beobachten kann.

    2. Mit der unübersehbaren Verachtung von Menschleben durch den autokratisch ambitionierten Lenin haben Sie Recht, aber daraus einen Rückschluss auf „den Autor und die Redaktion“ zu ziehen, liegt abseits eines sachlichen Diskurses. In einer Diskussion über den Artikel geht es nicht um den Autor und noch weniger die Redaktion, sondern um den Inhalt, Argumente und Gedanken.

        1. Der Bot der hier die „Moderation“ macht stammt höchstwahrscheinlich von einem us-amerikanischen Konzern und hat entsprechend Schlagseite.

          Manufactured discontent für einmal, ich glaub nicht dass die Redaktion gross Einfluss hat (ausser das Ding abzustellen).

      1. Sie tun so, als wäre es diesem Kommentator bisher jemals um eine sachliche Diskussion gegangen. Da liegen Sie aber heftig daneben.

        1. Bei näherer Betrachtung stellte sich das Lenin-Zitat als Fälschung heraus. Solch eine Nachlässigkeit zeugt von der tiefgründigen Denkweise des Autors.

  12. Dieser umsichtig recherchierte Artikel von Michael Silnizki beleuchtet realistisch die imperialen Ambitionen der USA bzw. US-Regierungen und die Grenzen, an die sie gestoßen sind.

    Donald Trump hat die Tatsache, dass das US-Militär schon seit dem Vietnamkrieg kaum noch Erfolge eingefahren hat, ignoriert und geglaubt, mit Hilfe dieses ebenso kostspieligen wie unzuverlässigen ‚Sicherheits’-Apparats im Iran mit dem dortigen Regime aufräumen zu können. Das weitgehende Scheitern der Militäraktion war vorhersehbar und nur eine Bestätigung dafür, dass das endgültige Ende der monopolaren Weltordnung unter US-Führung bereits mit dem blamablen Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan im August 2021 besiegelt war.

    Dieser Abzug ging nicht nur mit einem kompletten Sieg der Taliban einher; der Terrormiliz fielen auch Waffen im Wert von vielen Milliarden Dollar in die Hände – Folge eines Fehlmanagements der Mission und ihres Abschlusses. Dass da außer einem Versagen des Militärs und der Geheimdienste auch eines der Politik vorlag, hatte George W. Bush mit einer der folgenschwersten Fehlentscheidungen aller amerikanischen Regierungen bereits im Dezember 2001 bewiesen, nur zwei Monate nach Start seines Krieges gegen den Terror in Afghanistan: Die Taliban hatten unter dem Eindruck amerikanischer Anfangserfolge ihre Kapitulation und Niederlegung der Waffen angeboten, doch George W. Bush lehnte ab. https://www.frieden-freiheit-fairness.com/blog/die-taliban-haben-bereits-2001-kapituliert-doch-george-bush-fuehrte-einen-krieg-um-oel-und-ein

    Michael Silnizkis Feststellung, „Der „Westen“ glaubte anfänglich, dass er den Nichtwesten in alter Kolonialherrenmanier wie selbstverständlich auf seine Seite ziehen würde,“ trifft den Kern der US-Außenpolitik bestens. Sie gilt bereits seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898-1899), als Präsident William McKinley den Aufbruch in eine von Hau-drauf-Militarismus geprägte pseudoimperiale Politik einläutete. Diese war den Interessen der amerikanischen Nation extrem abträglich, nämlich wahren Interessen, die in einer weltweiten FRIEDLICHEN Verbreitung ihres freiheitlich-demokratischen Gesellschaftskonzepts bestanden. Nach dem Siegeszug dieses Modells im Europa des 19. Jahrhunderts hätten die USA nur sie selbst bleiben müssen, um ihm als Vorbild zum weltweiten Durchbruch zu verhelfen. Das hätte bedeutet, konsistent zu den Prinzipien ihrer anfänglich fairen Marktwirtschaft und authentischen Demokratie zu stehen.
    Doch stattdessen haben sie sich von unsolidarischen Eliten auf einen kontraproduktiven Kurs leiten lassen, vor dem bereits amerikanische Gründerväter sowie der sechste Präsident John Quincy Adams ausdrücklich gewarnt hatten.

    Es ist ein Kurs, auf dem die Prinzipien der Demokratie, der persönlichen Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit zunehmend unterminiert und den Egoismen von staatlich privilegierten Oligopolisten und Kriegsprofiteuren untergeordnet werden.
    Seit McKinley gehören eine Informationszensur und ein rücksichtsloser Umgang der Truppen mit gegnerischen Zivilisten (mit dem Resultat eines eigenen Reputationsverlustes) zu den reichlich dokumentierten Kennzeichen westlicher Militäreinsätze. Diese Praktiken sind dabei, die gesamte westliche Zivilisation, ihre Demokratie und ihre Freiheit in die Selbstzerstörung zu führen.

  13. „Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen“ ( Charles de Gaulle) trifft auf die Rolle der USA als Hegemon zu und ein weltweiter Frieden würde ihrem „Militärisch-industriellen Komplex“ (MIK) gar nicht gefallen. So schippern und provozieren die USA seit Jahrzehnten als Hegemon durch die Welt, wohl wissend, dass sie „Fort Americana“ sind, das eben kein „Pax Americana“ verlangt. (Bisher) absolut unangreifbar, konnten die US-imperialen Interessen, meistens auch mithilfe abhängiger Vasallen, umgesetzt werden, den MIK wird’s gefreut haben.

    Der bewusst herbeigeführte von den USA provozierte Maidan-Putsch – mit folgendem Krieg – gehört auch in diese Kategorie: Der Hegemon profitiert, die anderen werden gnadenlos geopfert. Die USA können aktuell auch aufgrund der unendlichen Selbstüberschätzung seiner EU-Vasallen gleichzeitig als Friedensengel und Kriegsprofiteur brillieren.
    Die EU-Vasallen verlieren aufgrund teurer Rohstoffe und Energie ihren wertvollsten Besitz – die industrielle Produktion – insbesondere an die USA und glauben ernsthaft, dass sie nicht Bauernopfer!, sondern der König im unendlichen Schachspiel der hegemonialen Geopolitik seien.
    Die eigentliche Königin, die US Army, ist schon lange inadäquat und wird im Nahen Osten wohl seziert werden.

    Die völlig ignorante Bundesregierung, die hierzulande Krankenhäuser, Schulen und Infrastruktur verkommen lässt und gleichzeitig Milliarden in einen verlorenen Krieg steckt, sollte endlich verstehen: „Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen!“.

    1. Sehr gut getroffene Antwort!, Politik & Wahrheit!
      Das amerikanische Militär hat sich schon vor weit über einem Jahrhundert zu einem Staat im Staate entwickelt. Dieser versteht es, eine wirksame Kontrolle seiner teilweise hanebüchen kontraproduktiven Aktionen durch den demokratischen Rechtsstaat zu verhindern. Um Fairness und Ausgewogenheit bemühte freie Medien werden mittels eigener Militärgerichtsbarkeit und geheimdienstliche Filter und Geheimhaltungsrechte am Einblick von außen rigoros gehindert. Das hatten u.a. Julian Assange und Chelsea Manning bitter zu spüren bekommen. – Reformen sind überfällig.

  14. Altes Merz-Video: Russland plötzlich kein Feind mehr?

    https://www.tiktok.com/@robertwiedenmann8/video/7646276224989334816

    BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat ein Video der Rede von Friedrich Merz aus dem Jahr 2019 veröffentlicht. In dem gezeigten Clip sagt Merz, in Europa werde es „ohne oder gar gegen Russland“ keine dauerhafte Stabilität geben.

    Und weiter: „Wir müssen Russland auch verstehen, auch wenn es im Augenblick außerordentlich schwierig ist.“

    Wagenknecht kommentierte, zunächst geglaubt zu haben, das Video sei eine Fälschung. Tatsächlich stammten die Aussagen jedoch von Merz selbst, der damals Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrates war. Wagenknecht warf Merz vor, seine frühere Haltung aufgegeben zu haben, und bekräftigte ihre Forderung nach Verhandlungen mit Moskau statt weiterer Aufrüstung.

    UND SEIT ER KANZLER IST HAT ER WOHL VON BLACKROCK GELD ERHALTEN UM JETZT DAS GEGENTEIL ZU SAGEN!!!

  15. Der Autor sollte sich an den Clinton Spruch erinnern: It´s the economy stupid!

    Ein moderner Krieg ist eine Materialschlacht und wird industriell versorgt. Wer seine Industrie nach China abwandern lässt und meint mit Softpower regieren zu können, der scheitert. Und er scheitert noch sicherer, wenn er seine Vasallen ökonomisch ausschlachtet und ebenfalls deindustrialisert.
    Die finanzialisierte US-Ökonomie belohnt keine Ingenieure, sie belohnt Investmentbanker und Rechtsanwälte. Der Grundstein für den aktuellen Machtverlust der USA wurden in dem Moment gelegt, als man die amerikanische Arbeiterschicht disziplinieren wollte. Das lässt sich nicht rückgängig machen.

    Übrigens gibt es nun diverse Fachleute, die den Iran zu den 4 globalen Supermächten zählen, einfach weil der Iran den USA die Stirn geboten und gewonnen hat.

  16. Diese Welt bzw. Erde kennt nur ein System, das Kapital von unten bis nach oben vermehrt.
    Es ist egal wo der Mensch existiert auf dieser Erde, weil alle nach Geld oder sonstigen Mitteln suchen, um ihren Erhalt zu ermöglichen. Das bedeutet das Kapital alles fest im Griff hat, die Unterteilung von den Kapital Machtverhältnisse betreibt die Unruhe. Andere Ressourcen der staatlichen Einheit, wie Polizei, Militär oder sonstigen beeinflußer, agieren unter dem staatlich ’souveränen Mantel‘,ohne das ihre jeweiligen Bürger überhaupt wissen, was dort vorgeht. Das bedeutet wiederum, das keine transparenten Erkenntnisse über deren Kostenverteilung herrscht.
    Dadurch entstanden weltweite Systeme fernab jeglicher demokratischen Vorstellungen, da kein einziger Mensch eine Vorstellung besitzt, wie “staatliche Einheiten“ sich verselbständigt haben. Das hat natürlich politische Auswirkungen, die die Politik schon lange nicht mehr unter Kontrolle hat.
    Seit dem Zeitpunkt, das St. Korona auferging, um das verlotterte System zu retten, arbeiten, meiner Meinung nach, gewisse grosse Staaten zusammen, um dieses kapitale System aufrechtzuerhalten.
    Wozu sind Kriege da? Um vom kapitalen misskondukt abzulenken.
    Die EU oder die USA sind die grössten Schuldner auf der einen Seite, aber auf der anderen die reichsten.
    Wie passt das zusammen, weil ihr finanzielles Monopol durch andere in Frage gestellt wird, das ist der Grund für deren Angst. Die westliche Bbblase könnte dem einen oder anderen Partner im Westen ziemlich hart treffen.
    Jedoch sind die Kontrahenten auch wiederum daran interessiert, das diese Welt nicht wieder eine Weltrezession erfährt.
    Der heilige Patron St. Korona wurde durch einen Jesuit ins Leben gerufen…
    Ach, ein Jesuit!

  17. Wir sollten froh sein, das die Zeiten gewendet wurden!
    Denn ein Kampf um die Weltherrschaft ohne uns Deutsche?
    Das geht ja gar nicht!
    Schließlich stehen wir doch in einer gewissen Tradition und würden die Heldentaten früherer Generationen und deren Erbe negieren und nicht anerkennen

  18. Die Paxamericana ist ‚too big too fail‘.
    Diese angehäuften Schulden auf der einen Seite, stehen dem die angehäuften Reichtümer entgegen, bzw. angeraubten Reichtümer. Was ist das für ein Verteilungskonflikt? Sie überfallen Länder durch ihr Militär oder beeinflussen über ihre monetären Struktur, oder über NGO oder Philantrophen die zu ‚entwickelten Staaten‘.
    Die Sprache selbst verrät, um welche Entwicklung es sich dreht…
    Dieses gewissenlose handeln durch den Westen, ist ihnen selbst durchaus bewusst, da diese ihr System daraufhin aufgebaut hatten. Deshalb tragen sie ihre Arroganz auch noch öffentlich aus, da ‚ihr‘ System weltweit fast verankert wurde.
    Was wahrlich obszön ist, sind alle so doof, um zu erkennen was wir Sklaven verrichten?

  19. So sehr dem Autor in vielerlei Hinsicht durchaus Recht zu geben ist, am Ende gleitet er doch in vereinfachendes Politstammtischgerede ab, wenn er von Eurasien als Gegenmodell bestehend aus Russland – China – Iran faselt, dabei Indien vergisst, das nicht nur die größte Bevölkerung dieses Planeten aufweist und die bevölkerungsreichste Demokratie dieses Planeten aufweist, sondern eine recht dynamische Wirtschaft im Aufschwung, die die theokratische Diktatur des Iran (gegen die alle paar Jahre wieder eine mehr oder weniger geglückte Aufstandsbewegung ankämpft) – dessen Mittelschicht dank Sanktionenregims aber auch dank des mafiosen Machtfilzes der Armee und der islamischen Milizen großteils in Armut abgesunken ist – überholt hat. Ohne die großen Ölvorräte wäre der Iran derzeit weltpolitisch ziemlich unbedeutend.
    Indiens unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung wird auch an den vielerortens eingesetzten Tucktucks, den kleinen Elektrolastfahrzeugen, sichtbar, die in Sachen Elektromobilität eine Alternative zu den künstlich überzüchteten, überteuerten Hightech-Autos mit automatisierter Vollüberwachung, erahnen lassen. Auf die ersten indischen PKWs für den Normalgebrauch ohne den sinnlosen Schnickschnack bin ich schon gespannt. Wenn noch offene Standards verwendet werden (offen verfügbare Reperatur- und Upgradeanleitungen inklusive!) – Indien setzt auch groß auf Linux -wären das für mich die einzig sinnvollen E-Autos.
    Im globalen Süden gibt es auch sonst einige Staaten mit sehr interessanten Entwicklungen, von denen wir in „unseren Medien“ recht selten etwas lesen oder hören/sehen.

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