
Vorbemerkung – die Ware Arbeitskraft 2026
Der folgende Text erschien im März 1993 in „Officina, periodico marxista“ unter dem Titel „Pattriotismo o Comunismo?“, den ich unter dem Pseudonym Ernst Manfred veröffentlicht hatte. Officina publizierte den Text, obwohl er im Grunde nicht auf der Linie von Officina lag. Aber die im Text recht ausgeprägte Infragestellung des „staatsidealistischen“ und „falschen“ Bewusstseins der „Ware Arbeitskraft“ fand Officina so ungewöhnlich für weite Teile der italienischen parlamentarischen und außerparlamentarischen Linken, dass Officina den Text der Leserschaft zur Verfügung stellte. Officina nahm seinerseits zum Text Stellung, womit ich selbstverständlich einverstanden war.
Warum aber einen Text von 1993 wieder aufgreifen? Ein sehr einfacher Gedanke: Das staatsidealistische und falsche Bewusstsein der Ware Arbeitskraft ist im Zeitraum von 33 Jahren dahingehend fortgeschritten, dass es gegen ihre Einplanung staatlicherseits als kriegstüchtig zugerichtetes, zukünftiges Kanonenfutter im kommenden Krieg gegen die atomare Weltsupermacht Russland keinerlei nennenswerte Einwände geltend macht. Vielmehr in seinem staatsidealistischen, falschen Bewusstsein die abenteuerliche Ideologie und Propaganda von „unserer“ Abschreckung, von „unserer“ Verteidigung, von „unserer“ Sicherheit, von „unserem“ Schutz, von „unserer“ Freiheit, von „unserem“ Frieden widerstandslos hinnimmt, mithin ihr zustimmt. Und auch kein Problem darin sieht, dass das deutsch-europäische NATO-Kriegsbündnis die Eskalation gegenüber Russland inzwischen mit ukrainischen Deep Precision Strikes bis tief ins russisches Kernland hinein, inklusive Moskau und St. Petersburg, weitertreibt. Auch an der Einstimmung von Land und Leuten auf Verrücktheiten wie „Zivil- und Bevölkerungsschutz“ fällt dem staatsidealistisch-patriotischen Arbeiterbewusstsein nichts weiteres auf. So banale wie grundlegende Fragen wie: Wer schützt eigentlich was und wen mittels Krieg? Wessen und welcher „Wohlstand“ steht auf dem Spiel? Solche Fragen sind dem staatsidealistischen Bewusstsein vollkommen fremd. Deshalb hier die Wiederaufnahme der grundlegenden Kritik am staatsidealistischen, falschen Bewusstsein der Klasse derjenigen, von denen in der Tat eigentlich alles abhängt – derjenigen, die letztlich vor der Alternative stehen:
Patriotismus oder Kommunismus? Pattriotismo o Comunismo?
„Die Arbeiter haben kein Vaterland“ (Marx, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848)

1. Die Ware Arbeitskraft – 1992
Nicht in Deutschland, nicht in Italien, nicht in Frankreich, nicht in Großbritannien, nicht in Europa, nicht in Amerika, in keinem kapitalistischen Land sagt die Arbeiterklasse dem Kapital, dem Geld, der Lohnarbeit, der Ausbeutung, der Verelendung, der Armut, den Kampf an. In keinem kapitalistischen Land organisiert die Arbeiterklasse ihren Zusammenschluss, um den weltweiten Erfolg von Staat, Kapital und Imperialismus Einhalt zu gebieten. In keinem kapitalistischen Land behindert die Arbeiterklasse die eigene Staatsgewalt an ihrer imperialistischen Außenpolitik und die dementsprechende Spar- und Verelendungspolitik nach innen. Nirgendwo verneint die Arbeiterklasse ihren Dienst an Kapital, Staat und Imperialismus.
Im Gegenteil. In allen kapitalistischen Ländern tritt die Arbeiterklasse als Parteigänger „ihres“ nationalen Kapitals, „ihrer“ nationalen Staatsgewalt, „ihres“ nationalen Imperialismus auf. In allen kapitalistischen Ländern steht die Arbeiterklasse, im Grunde einheitlich und geschlossen, hinter dem geschäftlichen, politischen und militärischen, weltweiten Erfolg „ihrer“ kapitalistischen Nation. Und wird mitunter sehr kritisch, wenn der Erfolg der eigenen Nation ihrer Ansicht nach ausbleibt.
Mehr noch: in allen kapitalistischen Ländern fordert und verlangt die Arbeiterklasse den Erfolg der eigenen kapitalistischen Nation – und die Taten und Aktionen der politischen Klasse misst sie daran, ob das jeweilige Personal Erfolg und Ansehen der eigenen kapitalistischen Nation voran zubringen scheint.[1]
Als Parteigänger, als ideeller Rechtsanwalt ausgerechnet seines nationalen Kapitals und dessen Erfolg („unser Wirtschaftswachstum“); als Parteigänger und ideeller Rechtsanwalt ausgerechnet seiner nationalen Staatsgewalt und deren politischen (auch: militärischen) Erfolg in der Welt; als Parteigänger und ideeller Rechtsanwalt ausgerechnet seines nationalen Imperialismus – so versteht sich die Ware Arbeitskraft 1992.
Und es geht noch weiter. In dieser Eigenschaft, als Parteigänger und ideeller Rechtsanwalt der eigenen kapitalistischen Nation verlangt die Arbeiterklasse nach noch mehr staatlicher Gewalt, nach noch mehr staatlicher Souveränität nach außen und nach innen: gegen all jene, von denen sie vermutet oder sich einbildet, sie behinderten in irgendeiner Weise Fortgang und Erfolg der eigenen kapitalistischen Nation. Im Namen des Erfolgs der eigenen kapitalistischen Nation verlangt die Arbeiterklasse zuweilen die ganze Härte staatlicher Gewalt gegen alle vermeintlichen Behinderer oder Feinde der Nation: Auf dieser Grundlage, von dieser parteilichen Stellung aus wird die deutschnationalistische Arbeiterklasse in nicht geringen Anteilen auch ziemlich radikal und fanatisch: gegen alle nichtdeutschen, fremden „Elemente“: Ausländerfeindlichkeit von unten, von den „Massen.“ Denn der Verdacht, die Nation zu behindern oder ihr nicht dienen zu wollen, dieser Verdacht fällt zum einen dem Nichtinländer als erstes zu: gerade weil der Nichtinländer doch seinerseits als Parteigänger und Rechtsanwalt „seiner“ Nation gilt und hier überhaupt nichts zu suchen hat. Zum anderen geht es gegen alle jene verdächtigen Elemente, die dem Erfolg von Staat, Kapitalismus und Imperialismus im Wege stehen können: Übergang zum rechtsextrem-faschistischen Bewusstsein der Ware Arbeitskraft.
Schließlich, als gewissermaßen Schluss- und Höhepunkt dieses Bewusstseins, tritt die Arbeiterklasse durchaus selbstbewusst auf: „Ich bin stolz, Deutscher … Italiener … Franzose … usw. zu sein“.
Stolz der Arbeiterklasse auf den Erfolg „seines“ Kapitals, „seiner“ imperialistischen Staatsgewalt, Stolz der Arbeiterklasse auf gerade jene Instanzen und Einrichtungen, die die Lohnarbeit und damit seine bleibende Ausbeutung festlegen und garantieren.[2]
Die Parteinahme der Arbeiterklasse für den weltweiten geschäftlichen Erfolg seines nationalen Kapitals und für den weltweiten politischen Erfolg seiner imperialistischen Staatsgewalt, hat die ökonomischen Bestimmungen der Ware Arbeitskraft, des Kapitalverhältnisses und des Klassengegensatzes keineswegs verändert, im Gegenteil: gerade diese politische Parteilichkeit der Arbeiterklasse für die Instanzen ihrer Ausbeutung verewigt ihre ökonomische Bestimmung: sie bleibt Arbeiterklasse, Mittel des Kapitals, Mittel des Geschäfts. Die Ware Arbeitskraft bleibt das, was sie ist: den Bewegungen des Kapitals unterworfen, reelle Subsumtion der Individualität unters Kapitalverhältnis.[3]
Wie aber kommt die Ware Arbeitskraft dazu, sich politisch als Parteigänger seines nationalen Kapitals und seiner imperialistischen Staatsgewalt zu verstehen und seine Unterwerfung unter beide damit zu besiegeln? Wie kommt das internationale Proletariat entgegen Marxens dringende Empfehlung/Ratschlag dazu, ausgerechnet aus seiner Ausbeutung, ausgerechnet aus seiner Lohnabhängigkeit, ausgerechnet aus seiner reellen Subsumtion unters Kapital, ausgerechnet aus seiner imperialistischen Staatsgewalt seine „Heimat“, sein „Vaterland“ zu machen? Warum hat und will heute, 1992, jeder Arbeiter „seinen“ Staat, „sein“ Vaterland? Warum ist die Ware Arbeitskraft auch noch „stolz“ auf die Heimat seiner Ausbeutung?
2. Staat und Konkurrenz: Materialismus des Staates
Der moderne Staat ist die höchste Gewalt der kapitalistischen Gesellschaft. Dazu ist er legitimiert durch die Parteinahme der Ware Arbeitskraft für „ihren“ Staat und dessen kapitalistischen und imperialistischen Erfolg. Er, als ausschließliches Gewaltmonopol hat legitime Geltung. Die ist ihm mithin zugesprochen durch die demokratische Wahl, durch den Willen der Ware Arbeitskraft zum Staat als höchste und einzig legitime Gewalt. So gilt er als wahrhafter Souverän nach innen[4], innerhalb der modernen Gesellschaft.
Einzig der Staat hat nunmehr „das Recht“, als „Gesetzgeber“ zu fungieren und die zugesprochene „Macht“ zu betätigen, das heißt: die erzwingende Gewalt, Gesetze zu erlassen, die von allen anerkannt und befolgt werden – denn „hinter“ Recht und Gesetz steht, in erster und letzter Instanz, die allgemein anerkannte, staatliche Macht. Sie allein erlässt, überwacht und garantiert die von ihr gesetzte Rechtsordnung. Nur als diese überlegene, souveräne und gesetzgebende Gewalt ist der moderne Staat fähig, den Grund und Zweck seines Daseins zu verwirklichen: „Ideeller Gesamtkapitalist“ (Marx) zu sein, worin der Materialismus des modernen Staates auf den Begriff gebracht und zusammengefasst ist
Als anerkannter, wahrer Souverän fungiert der moderne (Rechts-) Staat als politische Subjekt seines nationalen Kapitalismus. Dem kann er nur „dienen“, indem er ihm politisch souverän gegenübertritt. „Ideeller Gesamtkapitalist“ seines nationalen Kapitalismus kann er nur sein, indem er seinem nationalen Kapitalismus als von ihm getrennte, als wahrhafte Souveränität entgegentritt. Nur so, als getrenntes, als selbständiges, als souveränes Subjekt seines gesamten nationalen Kapitalismus nimmt der moderne Rechtsstaat politisch den Weltmarkterfolg seines nationalen Kapitals in Angriff: Materialismus des modernen Staates in seiner (nationale) Außen-, Welt- und Innenpolitik.
Als „ideeller Gesamtkapitalist“, als souveränes politisches Subjekt seines nationalen Kapitalismus, organisiert und sichert der moderne Staat die Klassengesellschaft und den Klassengegensatz, an dessen ökonomischer Effektivität ihm liegt: die Mehrwertproduktion, die weltmarktfähige Akkumulation seines nationalen Kapitals ist schließlich auch die Reichtumsquelle, die ökonomische Basis seiner weltmachtfähigen Gewalt. Und nur als weltmachtfähige Gewalt verwirklicht der moderne Staat seinen Grund und Zweck: ideeller Gesamtkapitalist seines nationalen Kapitalismus zu sein.
Weltmacht aber ist er nur so weit, soweit sein Kapitalismus weltmarktfähig ist, ihm also wirkliche ökonomische Potenzen seiner Macht zur Verfügung stellen kann. Der Materialismus des modernen Staates hat nach dieser Seite hin den politisch-ökonomischen Inhalt: Nur als handlungs- und durchsetzungsfähige Gewalt nach außen, als Weltmacht eben innerhalb der imperialistischen Konkurrenz ist er in der Lage, die weltmarktfähige Akkumulation seines nationalen Kapitals, seiner nationalen Mehrwertproduktion erfolgreich gegen Seinesgleichen zu sichern; das soll, das muss so sein, ist doch die Weltmarktfähigkeit seines nationalen Kapitals seinerseits die ökonomische Voraussetzung seiner politischen, seiner weltmachtfähigen Gewalt nach außen.
Der Materialismus des modernen Staates will eine weltmarktfähige Mehrwertproduktion, also eine ökonomisch effektive, d.h. weltmarktfähige Klassengesellschaft. Als gesetzgebende, als souveräne politische Gewalt nach innen organisiert er deshalb die Klassengesellschaft als Konkurrenz.
Erstens verpflichtet er alle Gesellschaftsmitglieder auf das Privateigentum und seine von ihm garantierte Respektierung: Jeder muss mit den staatlichen erlaubten und einzigen Mitteln, die er hat (Grundeigentum, Geld, Kapital, Arbeitskraft), seine ökonomische Reproduktion sichern. Das macht die Mehrheit der Bevölkerung zur Ware Arbeitskraft, zu Lohnabhängigen, zur Arbeiterklasse und legt sie auf die „Karriere“, Mittel des Kapitals und dessen Geschäfte zu sein, fest. Zweitens: aber darin, in der Verpflichtung auf das Privateigentum und innerhalb der kapitalistischen Arbeitsteilung, innerhalb der kapitalistischen Hierarchie der Berufe kann „jeder werden, was er will.“
Innerhalb der Schranken des Privateigentums, innerhalb der staatlich gesetzten und garantierten Grenzen der Klassengesellschaft ist niemandem vorgeschrieben, welche „Karrieren als Lohnarbeiter“ er zur Sicherung seiner ökonomischen Reproduktion einschlägt. Innerhalb des Zwangs zur Konkurrenz ist jeder frei, aus seiner ökonomischen Existenz zu machen, was immer er will – nur muss er sich in aller Freiheit innerhalb den Bahnen und „Karrieren“ der kapitalistischen Konkurrenz bewegen.
Der moderne Staat erlaubt und anerkennt ausdrücklich die Freiheit des Willens und die Autonomie, Selbstständigkeit der Person. Dessen bedarf es auch, um innerhalb der gegebenen Eigentums- und Rechtsordnung sein Glück als lohnarbeitende Ware Arbeitskraft zu versuchen. Verfolgung von Sonder- oder Privatinteressen: die sind durch staatliche Gewalt gefordert und als antagonistische Konkurrenz unterschiedlich ausgestatteter Privateigentümer institutionalisiert. Es ist der Materialismus des modernen Staates, der die Freiheit des Willens, der Person, der konkurrierenden Sonderinteressen gewährt.
Die ganz persönliche Freiheit ist staatlich garantiertes Recht: jeder hat das „Recht“, einen Rechtsanspruch auf „seine“ staatlich konzessionierte Freiheit – des Willens und zur Konkurrenz innerhalb der kapitalistischen Hierarchie der Lohnarbeit. Auf diese schäbige Freiheit, auf diesen freien Willen zur freien Konkurrenz kommt es dem modernen Staat an: die freiwilligen Mühen und Anstrengungen des freigelassenen Willens, der im Interesse seines Konkurrenzerfolges die Konkurrenz will und nicht sieht, wie er sich damit zum Werkzeug des Materialismus des Staates macht und sich dafür hergibt, eine effektiven Mehrwertproduktion zu ermöglichen.
Der Materialismus des Staates will die ökonomische Konkurrenz des freien Willens in seiner Gesellschaft, um sie für sich zu benützen: Freiheit der Sonderinteressen, Freiheit des Willens und Freiheit zur Konkurrenz: Mittel des staatlichen Materialismus, Mittel des Materialismus des souveränen ideellen Gesamtkapitalisten im Interesse eines weltmarktfähigen nationalen Kapitalismus und seiner weltmachtfähigen Staatsgewalt.
3. Staatsidealismus und der Idealismus der Konkurrenz
Der moderne Staat ist also die überlegene, die souveräne Gewalt der modernen, der kapitalistischen Gesellschaft. Als diese souveräne Gewalt hat er sich seine kapitalistische Gesellschaftsordnung geschaffen und ist somit die unausweichliche (Über-) Lebensbedingung aller Gesellschaftsmitglieder, gleichgültig, welcher Klasse sie angehören. Ihm sind sie unterworfen, also in all ihren Tun in erster und letzter Instanz von ihm abhängig. Als Rechtsstaat diktiert er – per Gesetz – allen Gesellschaftsmitgliedern die Bedingungen ihrer ökonomischen und sozialen Existenz, von Geburt an bis zum Tode: so ist er Grundlage, Ausgangspunkt, Voraussetzung und Bezugspunkt jeglicher ökonomischen und sozialen Existenz, jeglicher Handlung, jeglicher Überlegung und Berechnung, jeglichen Gedankens.
Ob Grundbesitzer, ob Rentier; ob Kapitalist, ob Ware Arbeitskraft – niemand kommt an der Unausweichlichkeit der (rechts-) staatlichen Bedingungen allen Seins vorbei. Dem „praktischen Bewusstsein“ (Marx) erscheint daher notwendig der moderne Staat als die universale Bedingung seines Daseins, ein Dasein ohne Staat unvorstellbar, undenkbar, unmöglich, utopisch.
Indem der Rechtsstaat als höchste Gewalt jedem Gesellschaftsmitglied die einzig erlaubten Mittel der ökonomischen Reproduktion vorschreibt: jeweils vorhandenes Privateigentum, Geld, Kapital, Arbeitskraft, erscheinen dem „praktischen Bewusstsein“ diese Mittel auch als einzig mögliche Mittel seiner ökonomischen und sozialen Existenz. Zwar sind diese Mittel institutionalisierte Mittel des Materialismus des ideellen Gesamtkapitalisten. Dem „praktischen Bewusstsein“ aber gelten sie als einzig mögliche Mittel seiner ökonomischen Reproduktion. Also will es die Mittel des ideellen Gesamtkapitalisten als die Mittel seiner ökonomischen und sozialen Existenz.
Auf diese Weise ergreift das „praktische Bewusstsein“ Partei für den staatlichen Materialismus, weil und solange es in ihm seine einzig mögliche (Über-) Lebensbedingung sieht: Parteiergreifung für die souveräne Gewalt der Gesellschaft, für den ideellen Gesamtkapitalisten: Denn ist er nicht die Bedingung und die einzige Garantie fürs Leben und Überleben innerhalb der kapitalistischen Konkurrenz- und Lohnarbeitshirarchie?
Mit dieser Parteinahme wird das „praktische Bewusstsein“ in doppelter Weise idealistisch: Zum einen, weil ihm diese Mittel und deren staatliche Gewalt als einzig mögliche Bedingungen seines Daseins gelten. Deshalb nimmt das „praktische Bewusstsein“ sie auch als alternativlose, als einzige mögliche Bedingungen seiner Existenz.[5] Zum anderen, weil es sprichwörtlich glaubt, deshalb sei diese Bedingung seiner Existenz ihm zuliebe und nicht wegen des staatlichen Materialismus und seinen Zwecksetzungen in die Welt gebracht und eingerichtet.
So gerinnen Privateigentum und staatliche Gewalt definitiv zur positiven Lebensgrundlage und Ausgangspunkt aller Betätigungen der modernen Existenz, damit: Verklärung, Idealisierung von Staat, ideellem Gesamtkapitalisten, Recht und Privateigentum. Darin eingeschlossen idealisiert die Ware Arbeitskraft die Unterwerfung unter die staatlich erzwungene Konkurrenz als seine Chance, als Angebot und Gelegenheit, die es nur möglichst geschickt und mit ganz viel Leistung und Arbeitsgehorsam zu ergreifen braucht im Reich der Freiheit des Lohnarbeiterdaseins. Solange das „praktische Bewusstsein“ es so sieht und sich darin einrichtet, so lange bleiben staatliche Gewalt und Privateigentum allerdings auch die unausweichlich-alternativlose Existenzgrundlage der Ware Arbeitskraft.
Das „praktische Bewusstsein“ wird so zum idealistischen und idealisierenden Parteigänger von Staat und staatlichen Materialismus: Rechts- und Staatsidealismus von unten, Staatsidealismus der modernen Individualität, Staatsidealismus der Ware Arbeitskraft, Falschheit des modernen, des staatsbürgerlichen Bewusstseins, Falschheit des Bewusstseins der Ware Arbeitskraft und der gesamten Arbeiterklasse.
Darüber hinaus: Im Interesse des Materialismus seines Konkurrenzerfolgs will das praktische, das falsche Bewusstsein Staat und Recht als Mittel und Waffe gegen den privaten Materialismus der „anderen“, gegen den Materialismus der gegnerischen Konkurrenzinteressen, die ebenfalls, ihrerseits, Staat und Recht als Mittel und Waffe ihres Konkurrenzinteresses „benützen“ wollen.[6]
Das falsche, das idealistische Bewusstsein, der Wille zum Staat, die Parteinahme für den „ideellen Gesamtkapitalisten“, seinem Materialismus und weltweiten Erfolg, ist also ungeheuer lebendig in der kapitalistischen Gesellschaft; sorgt für das im Grunde reibungslose Funktionieren von Kapitalismus, Mehrwertproduktion, Ausbeutung, Verelendung, Armut und Klassengesellschaft.
In allen kapitalistischen Nationen ergreift das falsche Bewusstsein der Lohnarbeiterschaft Partei für „seinen“ Staat: die italienische Ware Arbeitskraft will die italienische, nicht irgendeine andere, etwa eine afrikanische Staatsgewalt für sich über sich. Die deutsche Ware Arbeitskraft will die deutsche, nicht die türkische Staatsgewalt für und über sich. Die französische Ware Arbeitskraft will die französische, nicht eine nordafrikanische Staatsgewalt über sich. Und so fort. Das falsche, das staatsidealistische oder staatsbürgerliche Bewusstsein der Ware Arbeitskraft ist nichts anderes als das ganz normale patriotisches Bewusstsein. Staatsidealistisches Bewusstsein ist patriotisches Bewusstsein und vice versa.
4. Staatsbürgerbewusstsein und kommunistische Agitation
„Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Lohnarbeiter unter sich.“ (Marx, 1848)
Als staatsidealistisches, falsches Bewusstsein macht die Ware Arbeitskraft aus ihrer reellen Subsumtion unters Kapital und aus ihrer Ausbeutung ihr Lebensmittel, ihre „Heimat“. Als Staatsbürger, als Patriot, marschiert die Ware Arbeitskraft in die Fabrik, arbeitet sich an der Lohnarbeit, am Kapital, an der Konkurrenz ab. So, mit falschem Bewusstsein und falschem Willen bleibt die Ware Arbeitskraft das, was sie ökonomisch nun einmal ist: Ware, Ware Arbeitskraft eben.
Als Staatsbürger macht sich die Ware Arbeitskraft, macht sich die Arbeiterklasse zum nützlichen und benutzbaren politischen Mittel des Materialismus des ideellen Gesamtkapitalisten, des Rechtsstaates und bleibt ökonomisch Mittel des Kapitals, Mittel der (nationalen) Mehrwertproduktion, Mittel der nationalen Akkumulation und deren Konkurrenzerfolg auf dem Weltmarkt.
Als Staatsbürger, als Patriot bleibt die Ware Arbeitskraft und die gesamte Arbeiterklasse das was sie bislang war und ist: disponible Manövriermasse und disponibles Menschenmaterial des Kapitals und dessen imperialistischer Staatsgewalt nach außen und nach innen. Als Staatsbürger führt die Arbeiterklasse keinen Klassenkampf, sondern bleibt Mittel des Klassenkampfes von oben – durch Staat und Kapital. Mehr noch: Das Staatsbürgerbewusstsein der Arbeiterklasse ist auch heute noch, 1992, die unerlässliche Garantie des weltweiten Erfolgs von Kapitalismus Staat und Imperialismus.
Agitation, die das falsche Bewusstsein der Arbeiterklasse über seine staatsidealistische Parteinahme und Falscheit nicht aufklärt und nicht aufzulösen vermag, wird keinen Erfolg haben. Aufklärende Agitation, die den Staatsidealismus der Ware Arbeitskraft nicht zum Gegenstand ihrer Aufklärung und Kritik macht, hat keine Chance. Mit einem Wort: Entweder Patriotismus oder Kommunismus.
Das ist die Alternative. Solange die Ware Arbeitskraft sich nur als solche verhält, um in der staatlich gesetzten „Heimat“ zurecht zu kommen, um ihr Glück zu versuchen, so lange bleibt seine reelle Subsumtion unter Staat und Kapital. Denn die staatstreue Falschheit dieses Bewusstseins ist die Garantie dafür, dass, altmodisch ausgedrückt, die Arbeiterklasse „Klasse an sich“ bleibt, niemals „Klasse für sich“ wird.
5. Kurze Nachbemerkung zur deutschen Wiedervereinigung
Die deutsche Wiedervereinigung war ein imperialistischer Erfolg der deutschen Staatsgewalt.[7] Originell an diesem imperialistischen Erfolg war zweierlei: einmal die kolonialistische Methode dieses Imperialismus: die „alte“ Staatsmacht, die staatliche Souveränität der Ex-DDR wurde beseitigt und sämtliche Etagen der administrativen und bürokratischen Hierarchie mit „zuverlässigen“, d.h. (west-) staatstreuen, (west-) patriotischem Personal buchstäblich: „besetzt“, okkupiert: nichts als Kolonialismus also. Zweitens aber: „Friedlich“, gelang dieser kolonialistischer Imperialismus der westdeutschen Staatsgewalt, weil so ziemlich die gesamte ostdeutsche Arbeiterklasse zur westdeutschen Staatsgewalt überlief. Warum tat sie das? Weil auch die ostdeutsche Arbeiterklasse über ein ziemlich totales staats- und national-idealistisches Bewusstsein besaß. Deshalb, im Namen der echten, wahren und einzigen, nämlich erfolgreichen deutschen Staatsgewalt lief die ostdeutsche Arbeiterklasse geschlossen in die Arme des westdeutschen Imperialismus.
Das widerlegt das Märchen, der osteuropäische, der „reale Sozialismus“ habe jemals etwas mit Kommunismus zu tun gehabt. Er war staats- und national-idealistisch, also Revisionismus, mehr war es nicht. Inzwischen darf die ostdeutsche Arbeiterklasse in ihrem „deutschen Mezzogiorno“ in den diversen unteren Abteilungen der kapitalistischen Lohnarbeits-Hirarchie ihrer Nichtbeschäftigung d.h. Nichtbenutzung durchs Kapital entgegen hungern.
Anhang:
[1] In der demokratischen Wahl drückt die Arbeiterklasse dieses Interesse an einer erfolgreichen imperialistischen Nation aus: welche Partei, welches Personal, welche Führung scheint glaubwürdig „unsere nationalen Interessen“ nach außen und nach innen zu vertreten? Wer verdient also die Zustimmung durch das Wahlkreuz?
[2] Mit mehr oder weniger Stolz heißt es: „Unsere Wirtschaft“, „unser Geld“, „unser Staat“, „unser Land“, „unsere nationalen Interessen“, „unsere nationale Einheit“, „unser Einfluss und unser Ansehen in der Welt“ – sprachliche Zusammenfassungen des
Standpunktes des modernen Arbeiterbewusstseins, das sich als Parteigänger seines nationalen Kapitals und seiner nationalen Staatsgewalt sieht – und dabei übersieht, dass im eingebildeten „Wir“ von all dem Genannten ihm weder irgendetwas gehört noch es darüber irgendeine Verfügungshoheit hat.
[3] Marxens ökonomische Analyse des Kapitalverhältnisses und der Ware Arbeitskraft bleibt gültig – solange es Kapitalismus gibt; vom „Abschied des Proletariats“ kann also keine Rede sein, im Gegenteil: vielmehr betätigt sich die Ware Arbeitskraft politisch als Parteigänger seiner Staatsgewalt und seiner Nation.
[4] Die klassische politische Philosophie (Bodin, Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Hegel) als prinzipielle Parteigänger des modernen, des bürgerlichen Staates, analysierten noch die moderne staatliche Souveränität. Die heutige Politologie resp. die heutige Geistes- und Sozialwissenschaften sind nur noch Parteigänger, Propagandisten staatlicher Souveränität und Gewalt – einschließlich so scheinbar gegensätzlicher Theoretiker wie Karl R. Popper und Jürgen Habermas.
[5] Das „praktische Bewusstsein“ (Marx) ist das opportunistische, das instrumentelle, das realistische Bewusstsein. Es nimmt die kapitalistische und imperialistische Welt wie sie ist und stellt nur eine Frage: Wie komme ich in dieser Welt zurecht? Das theoretische, das erkennende Bewusstsein will wissen, warum die Welt so ist wie sie ist. Darum ist Wissen und Erkennen die Voraussetzung des aufgeklärten, des Klassenbewusstseins; Klassenbewusstsein ist Kritik und Verabschiedung des „praktischen Bewusstseins“.
[6] Dieser Standpunkt will also mit aller Gewalt die staatliche Gewalt gegen andere; dem demokratischen praktischen (Arbeiter-) Bewusstsein ist dieser staatsloyale Standpunkt immanent und mit ihm auch der Standpunkt des ausländerfeindlichen, des rechtsradikalen, des faschistischen Bewusstseins. In anderen Worten: Im ganz alltägliche und gewöhnliche Wille zum Staat und zur Nation ist der politische Inhalt des rechtsradikal-faschistischen Bewusstseins angelegt.
[7] Das haben übrigens die imperialistischen Konkurrenten (in Europa, Amerika) sofort begriffen; und seit dem Verschwinden des „realen Sozialismus“ wird, nicht zufällig, die imperialistische Konkurrenz offen ausgesprochen.



„Bewusstsein der Ware Arbeitskraft“: Eine Ware mit Bewusstsein, schon 1993, naja – KI ist auch so eine Ware, von welcher der Hype behauptet, sie habe Bewusstsein, obwohl bis heute niemand mit Bewusstsein sagen kann, was Bewusstsein ist und wo genau es steckt… Mit der Arbeit auch gleich die sog. lebenden Menschen, die sie verrichten, in eine Ware zu verwandeln – hmm, ich weiss nicht: Ist solche Sprache gut für einen Diskurs, der genau diese Menschen – letztlich jeden EINZELNEN – erreichen will, um sie zu unterstützen in ihrer Selbstermächtigung vor Mächtigeren, deren Schalten und Walten an längeren Hebeln sie in den realen Machtverhältnissen ausgeliefert sind und die auch Namen und Anschrift haben? In all den Jahren, die seit 1993 vergangen sind, hat dieser Diskurs für die realen Arbeiter nicht gerade viel erreicht, oder? Mit ihrer Macht geht es doch eher bergab, besonders seit das „kommunistische Experiment“ begraben wurde, in dem zwar auch nicht die real existierenden Arbeiter, aber immerhin die geopolitische, systemische Gegenmacht des Ostblocks unsere westlichen Arbeit“geber“ noch einigermassen in Schach zu halten vermochte. Seither triumphieren die nur noch, in West und Ost, und überall räumen Stück um Stück ab, was davor mit viel realem Blut erkämpft wurde, und so braucht inzwischen die Ware Kriegstüchtigkeit schon wieder die Ware Kanonenfutter, vorläufig noch Wehrdienst-Freiwillige genannt oder, wenn’s denn sein muss, auch Wehrpflichtige… Haltung zeigt sich vorab in der Sprache.
Einspruch, Euer Ehren, gegen die Aussage nach dem Doppelpunkt.
Die gesellschaftliche Verrechtung ist Bezugspunkt aller Berechnungen des „vereinzelten Einzelnen“ (Marx, das Zitat ist auch ein scherzhaft bemeinter Seitenhieb), der auf sie die Freiheit seines Erwerbs-, Geschlechts- und geistigen Lebens zu gründen hat. Kriminelle Übergänge – beispielsweise – zu machen, steht ihm frei, deshalb sind „Handlung“ und „Überlegung“ an diesem Punkt fehl am Platze.
Dafür scheint Henle auch ein Gespür zu haben, denn er wiederholt den Subsch anschließend auf leicht veränderte Weise:
Nein, nein und abermals nein. Abweichung ist kein Vorrecht und kein exklusiver Gewinn eines „theoretischen Bewußtseins“, wie immer Henle diese zwei angeblichen Bewußtseine weaselwordmäßig „definieren“ will. Das „daher“ und das „notwendig“ sind ein Etikettenschwindel und eine linksidealistische Prahlerei. Das berüchtigte „notwendig falsche Bewußtsein“ ist einer der typischen Dialektinger von Marx aus der Zeit der philosophischen Selbstverständigung, auch wenn er später noch damit hausieren gegangen sein sollte, handelt es sich doch um einen Widerspruch: Entweder ist es „notwendig“, dann kann es nicht falsch sein, oder es ist „falsch“, dann kann es nicht notwendig sein. Henle schreibt das indirekt und phrasenhaft sogar selbst hin, nämlich in der Wahl des Wortes „erscheinen“. Eine „Erscheinung“ ist nämlich kein Gespenst, sondern eine Form des Gegenstandes, der erscheint. In solcher Form geht der erscheinende Gegenstand nicht unter, ganz im Gegenteil, erscheint er doch in ihr.
Mein Gott Walter.
Rhetorisch haltbar finde ich die Wahl des Wortes „notwendigerweise“ in Formulierungen dieser Art, damit ist semantisch klar gestellt, daß diese „Weise“ halt Form ist, nicht Sache. Was sowieso klar wird, wenn man den Zusammenhang nicht auf der abstraktesten Ebene vorstellt, sondern auf der Ebene der Ideologien und Apologien der bürgerlichen Verkehrsverhältnisse.
Die Argumentation ist so klar, wie der Doppelpunkt zu finden ist.
Aber Sie werden schon wissen, was Sie gemeint haben.
Allerdings, aber was mich an „Kommentaren“, wie dem Deinen, immer wieder ein bißchen verblüfft, ist der Umstand, daß euch das von mir angemeckerte „daher“ und „notwendig“ klar wie Kloßbrühe runter geht. Wie geht das zu, bei jemandem, der, wie Du, Oberst, hier immer wieder den „gestandenen“ und unbeugsamen Kommunisten vorzeigt? Was soll das sequitur dieses „daher“ sein?
Nun ja, es ist eine Formel, die Du aus Kindheit und Jugend kennst, soweit ich das richtig verstanden habe, aber Du hast doch auch die Irrtümer der „sozialistischen Ware-Geld-Beziehung“ und der Hebelwirtschaft korrigiert, ist es nicht so?
Aber ja, dieses „daher“ greift halt schlicht zirkulär auf das beschreibende Urteil des Einleitungsabsatzes des Artikel zu – ich paraphrasiere ihn mal polemisch mit „die Arbeiterschaft hat und ist verschissen“. „Also“ sei das „daher“ „logisch“, ja? Ist das, läuft das so?
Nur damit Du mich nicht mißverstehst: Die polemische Abqualifizierung will ich gar nicht angreifen. Decker / Hecker haben ein Buch dazu geschrieben, das ich nur überflogen habe, weil ich es grundsätzich in Ordnung fand:
Peter Decker / Konrad Hecker: Das Proletariat. Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende.
https://literaturkritik.de/id/5711
Ich bin keineswegs der Kommunist, der die Arbeiterklasse zu einer Herrschaft a la Lenin, Stalin, Mao zwingen will, sondern eher der Beobachter, der weiß, dass das (wieder) in die Hosen gehen muß, gleich Engels, der verwundert und beunruhigt urteilte, daß die aufkommende sozialistische Bewegung aus despotischen asiatischen Produktionsverhältnissen keine objektive Grundlage in einer dazu notwendigen sozialökonomisch bestimmten Arbeiterklasse aufweisen kann.
Insofern gehe ich mit dem Autor mit, dass ein Widerspruch zwischen dieser objektiven Bestimmtheit in den Produktionsverhältnissen zur Praxis der Arbeiterschaft existiert, wofür es diverse Ursachen gibt.
Die Lösung des Widerspruches vermute ich nicht in einer erneuten politischen gewaltsamen Revolution, schon gar nicht in einem Sieg im bürgerlichen Wahlzirkus, sondern in einer durch die Zuspitzung der gesellschaftlichen Verhältnisse erzwungene Orientierung der Produzenten, einschliesslich der Arbeiter als Klasse, auf eine Produktionsweise, die von den Bedürfnissen und nicht vom Wert, der Warenproduktion, bestimmt ist. Dazu ist ein anderer Hecker, Rolf, seine Neuausgabe des “ Das Kapital 1.1-1.5″ zu empfehlen, bes der Teil “ 1.5 Die Wertform“ und dabei das Vorwort.
Deshalb verstehe ich die rüden Angriffe auf den Autor nicht ganz. Gibt es da bereits eine Dauerfehde?
Okay, ich will mal weniger schnippisch darauf eingehen.
Decker / Hecker geben schon im Titel bekannt, sie untersuchen und besprechen einen geschichtlichen Vorgang: „Karriere“.
Ich hab das, wie gesagt, nur überflogen, also sag ich jetzt was auf eigene Rechnung dazu.
Im 19. Jhd., in der Phase, in der das bürgerliche Staatswesen noch im Ablöse- und Bildungsprozess stand, ist für große Teile der Arbeiterschaft ein ständischer Kampf um das Staatswesen schlicht (über)lebensnotwendig gewesen.
Doch ihre Organisationen haben sich zu großen Teilen von Beginn an in etwas einbinden lassen, was in diesem Staatsbildungsprozess teils eingeschlossen, teils ihm benachbart gewesen, aber grundsätzlich etwas anderes ist: Nationenbildung.
Ich könnte jetzt was zur Rolle verschiedener Figuren darin schreiben, einschließlich Engels und Marx, aber das laß ich lieber, es führt auf Komplikationen, die wahrscheinlich entbehrlich sind. Das denke ich auf der Grundlage der Marx’schen „Kritik des Gothaer Programms“, das für meine Begriffe das Nötigste über die Verwirrung im Zuge der Nationenbildung mitteilt.
Von solcher Vorgeschichte und Geschichte der Sozialdemokratie hat sich die organisierte Arbeiterschaft im Sinne einer praktischen Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus nie „erholt“, so einfach erscheint mir das – schematisch gesprochen.
Und ich erspare mir und Dir jetzt, genauer vorzuzeigen, wie Henle dies geschichtliche Thema verfehlt.
„Kriminelle Übergänge – beispielsweise – zu machen, steht ihm frei,“
Na ja vielleicht war das in Qanas guten alten Zeiten so heutzutage arbeitet man an der Vorverurteilung.
Soll früher aber auch schon ab und zu vorgekommen sein.
Warum dieses ideologische Ungetüm „staatsidealistisch-patriotischen Arbeiterbewusstsein“? Und überhaupt was soll das sein? Es mag ja noch eine Arbeiterklasse geben, aber der größte Teil ist doch nur noch Lumpenproletatriat. Das Klassen-Bewusstsein ist im Westen durch liberal-individualistische Gesinnung ersetzt worden. Freiheit und Demokratie sind heute die Parolen und nicht mehr Volk und Vaterland. Das haben die Angelsachsen den Deutschen gründlich ausgetrieben. Die jungen Deutschen schämen sich ja heute Deutsche zu sein.
Auch an diesem Satz stimmt heute kaum noch etwas. Das „nationale Kapital“ ist heute trans-national, deswegen haben wir doch den Blackrock-Kanzler. Und auch die „nationale Staatsgewalt“ ist heute transnational, der EU sei Dank. Und selbst der „nationale Imperialismus“ kann sich nur mit Billigung des US-Imperiums entfalten.
Wie man sieht, das Nationale spielt kaum noch eine Rolle – außer bei der geächteten AfD. Es sind andere Dinge, die heute die (westliche) Welt bewegen: Im Materiellen das große Geld und im ideologischen „Freiheit und Demokratie“ und die Angst vor Russen, Iraner und Chinesen. Das sind die Dinge, die für den Krieg propagiert werden: Am westlich-demokratischen Wesen soll die Welt genesen aber doch nicht mehr am deutsch-nationalen.
Mir scheint, der Autor gehört zur großen Gruppe linker Intellektueller, die im Staat den Feind sehen und nicht in der Allmacht des Kapitals, das in den liberalen Demokratien wütet, woraus dann der Imperialismus erwächst
Passt eigentlich ganz gut in diesen Thread:
„De mortuis nihil nisi bene“.
Selten fiel es mir schwerer diesen Ratschlag zu befolgen als heute. Für mich war er bis eben der GröleStiaZ*, dann durfte ich gerade lesen, dass unser herzallerliebster „Senator Lindsay G.“ Nach kurzer Krankheiit … Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
(*größte lebende Stinkstiefel aller Zeiten)
„Die Welt ist wieder ein bißchen sicherer geworden.“
Und um auf 100 zu kommen: das war ein Zitat!!!
Plötzlich und unerwartet.
Vorgestern war diese Perle der Menschheit noch bei Schlendschki in Kiew.
Böse Zungen behaupten, dort sei er vom Schlag (einer stürmischen russischen Begrüßung) getroffen worden, da eine solche Nachricht vom Volltreffer aber als Feindbegünstigung gewertet würde, hat man Lindseys Reste demnach angeblich erst zurück ins gods own country verfrachtet, um dann behaupten zu können, sein Schicksal habe ihn erst dort ereilt.
Ist aber reine Spekulation.
So, so! Böse Zungen! Na dann! Hauotsache ….
Und dann das aus dem NTenkanal:“
„Senator Lindsey Graham, einer der großartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe, ist gestorben!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, kurz nachdem sich die Nachricht verbreitet hatte.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich betroffen. Graham sei ein echter Freund und Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis gewesen, schrieb der CDU-Politiker in Englisch auf X. „I will miss him.“ („Ich werde ihn vermissen“), fügte Merz hinzu.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, erklärte auf X, er sei „traurig“ über die Nachricht von Grahams Tod.“
Na ja, da kann ich gestern so falsch auch wieder nicht gelegen haben.
Zum Beleg meiner Äußerungen das Summary aus einem Nachruf. Na ja, so besonders wohlwollend ist es auch nicht:
„Letztendlich wird Lindsey Graham als unbedeutende Figur in die amerikanische Geschichte eingehen – als blutrünstiger Anfeuerer einiger der verheerendsten Kriege der Nation, dem der Mut fehlte, für die wenigen Überzeugungen einzustehen, die er einst hatte. Um Henry Kissinger zu paraphrasieren, als Bill Clinton als Kriegsverbrecher bezeichnet wurde: „Lindsey Graham verfügt nicht über die moralische Stärke, um zusammen mit den ganz Großen in den 9. Kreis der Hölle verbannt zu werden.“ Er wird sich mit einem etwas obskureren Ort ewiger Qual begnügen müssen, an dem sich niemand auch nur an seinen Namen erinnern wird.“
(entnommen aus https://www.counterpunch.org/2026/07/13/graham-crackers-the-words-of-a-professional-warmonger)
Aus meiner Sicht ein sehr freundlicher Nachruf.
Berücksichtigt das alte Gebot: De mortius nihil nisi bene!
Nun ist eben das Erwartbare passiert. Das Kapital hat das Geld, die Medien und die Universitäten. Die Debatten sind jetzt wieder aus dem Niveau, wie Marx es angetroffen hat. Er hat zur Hebung dieses Niveaus einen gewaltigen Beitrag geleistet. Wenigstens das wollen wir festhalten.
Der Kapitalismus hatte eben erst umfassend gewonnen und Herr Henle hat damals schon Dinge voraus gesehen. Eben ging die Globalisierung los und die Linke scharte sich hinter dem eigenen Kapital, in der Hoffnung, dieses werde sich dankbar erweisen. Zu sehen beispielsweise in Deutschland, das als kleines Land jahrelang Exportweltweister war und die Genertation, die das erarbeitet hat, in die Armut schickt. Vergesst es.
Hätte Herr Henle diesen Artikel heute geschrieben, würde er wohl nur von Wenigen verstanden. Überwiegend würde er Kopfschütteln nach sich ziehen. So hat der Artikel die Gnade der frühen Geburt und geht gerade noch so durch.
Indes ist das eben richtig, was da steht und dass das in Vergessenheit geraten ist, hat deutlich negative Folgen für uns alle.
Auch im Moment äußerster Kriegsgefahr ist keine Linke da, die den Leuten erklärt, was Sache ist.
Was möglich wäre. In verständlicher Sprache einfach besser argumentieren als das Kapital.
Die Artikelüberschrift lautet :
„Patriotismus oder Kommunismus ?“
Dieselbe Frage, inhaltlich sinniger gestellt, müßte lauten :
„Patriotismus oder Internationalismus ?“,
und wie mensch diese Frage zu beantworten hat, ist abhängig von seiner Nationalität/Herkunft :
Der BRD-Biodeutsche, als Sproß eines Barbarenregimes, sollte es als seine historische Pflicht empfinden, sich ständig selbst zu prüfen : Wie viel Herrenmenschenmentalität schlummert in mir ?, wie groß ist mein Hass- und Sadismuspotential ?, das Ergebnis dieser Prüfung sollte der Hang zum Internationalismus sein : Biodeutschland verschwinde, denn du bist notorisch gemeingefährlich.
Guter Punkt, Herr Henle macht eine falsche Dichotomie auf, auch im Ostblock sollte man patriotisch sein, denn Heizmaterial für eine evtl. Front (man könnte ja von den faschistisch-imperialistischen Kräften überfallen werden) brauchten die natürlich auch. Es ist menschlich, die eigene Sippe zu verteidigen, so menschlich, dass es die Mächtigen in jedem System leicht ausnutzen und missbrauchen können.
„Patriotismus oder Internationalismus “ bleibt aber eine falsche Dichotomie, die optimale Lösung liegt fast immer irgendwo in der Mitte.
Nicht doch, wie kannst du die amerikanische Besatzung, mit ihrer „Reeducation“-Gehirnwäsche ein Barbarenregime nennen ;-?
Dein erster Satz war noch sinnvoll, dein zweiter ist selbst eine falsche Dichotomie, vermutlich aufgrund schulischer Indoktrinierung, für die Deutschland irgendwie erst 1932 beginnt, im besten Fall 1914. Es ist offensichtlich, dass eine kriegstreiberische (aber sehr „internationale“) EU weder eine friedliche Alternative noch demokratisch ist, sie ist, verglichen mit dem aktuellen Deutschland, sogar ein massiver Rückschritt.
Und es wird unmittelbar klar, warum Herr Henle Patriotismus gegen Kommunismus ausspielen möchte, in kommunistischer Denkart kommt bekanntlich alles Übel vom Kapital, somit kann Internationalismus nur friedlich sein, wenn er kommunistisch ist (oder so ähnlich). Was er freilich unterschlägt, ist der ständige Kampf nach innen, um alle klein zu halten, die mit der unbefriedigenden und unfreien Kollektivismus-Utopie nicht klar kommen. Aber menschlicher Wille ist bekanntlich der Punkt, den Marxisten zu ignorieren können glauben (und an dem sie deshalb am Ende immer scheitern).
Es ist auch kurzsichtig, die eigene Ethnie, die einen prägt, ob man will oder nicht, abschaffen zu wollen. Man könnte ironisch noch anmerken: dieser selbsthassende radikale Idealismus IST typisch deutsch und wird in anderen Ländern i.d.R. nicht verstanden, weil Maß und Mitte fehlen und eine Maximallösung propagiert wird, selbst wenn sie irrationel zerstörerisch ist… in diesem Sinne sind die Deutschen offensichtlich nicht weiter gekommen, sondern nur von der Manie in die Depression gekippt. Statt „Weltbeglückung durch deutschen Geist“, heißt es jetzt „Weltbeglückung durch Ausmerzung des deutschen Geistes“, beides erkennbar destruktiv bis bösartig (natürlich aber gut gemeint) und vollkommen übertrieben…
Einige kritische Anmerkungen:
Es mag sein, dass einige Kommunisten so denken, platt und ohne Dialektik. Ich kenne jedoch Kommunisten, für die ist das Kapital von äußerster Wichtigkeit, denn Kapital ist doch der Stoff, der die Befreiung zum Kommunismus erst möglich macht, davon sollte eine Gesellschaft also möglichst viel haben. Das Übel ist nicht das Kapital an sich, sondern die privatisierte Verfügungsgewalt darüber und damit die mittelbare Herrschaft über die Gesellschaft.
Den Kommunisten im Ostblock fehlte es schlicht an Kapital um ihren Kommunismus zu gestalten. In diesem Sinne handelte die KP Chinas weise und sorgte erst einmal für Kapital.
Interessante Interpretation 🙂
Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Wenn ein Land erst „für Kapital sorgen“ muss, bevor es kommunistisch werden kann (offenbar um selbiges dann aufzuzehren, statt selbst aufzubauen), was sagt das über Kommunismus und seine Funktionsfähigkeit aus? Und es war ja auch nicht so, dass der Ostblock keine Rohstoffe und Arbeitskräfte gehabt hätte, die hatten immerhin die rohstoffreiche Sowjetunion und das bevölkerungsreiche China auf ihrer Seite (das mit Kommunismus m.E. nur noch sehr wenig zu tun hat).
Ja, aus liberaler Sicht ist das ein Widerspruch, dialektisch betrachtet aber nicht. Danach ist es gerade die Aufgabe des Kapitalismus die Produktivkräfte (die Technologien) zu entwickeln und voranzutreiben – bis zu einem Punkt, wo sie den menschlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden und anfangen negativ zu wirken und es zu gesellschaftlichen Umwälzungen kommen muss, mit entsprechend anderen ideologischen Narrativen, nach Marx wären das kommunistissche.
Nur weiß niemand, wann genau der Punkt erreicht ist, was noch dadurch erschwert wird, dass sich die Technologien permanent und offenbar anhaltend weiterentwickeln (auch das war ein riesiges Problem für den Ostblock, weil jeder der stehenbleibt bald im Rückspiegel verschwunden ist) und eine Änderung des Systems hin zur Planwirtschaft, führt fast automatisch zu einem Einbruch der Effizienz (und damit des Wohlstandes und der Zufriedenheit). Man könnte daraus auch durchaus schlußfolgern, dass Marxismus keine Lösung ist (zumindest nicht, wie er bisher gedacht wurde).
Ok, das war vermutlich mein letzter Kommentar in diesem Thread, Dank der sinnlosen Begrenzung durch die Forenregeln.
Einige meinen ja, der „Punkt“ wäre schon erreicht, es fehle nur noch der nötige Anlass (analog zur franz. Rev. die Erstürmung der Bast.), wie etwa der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems. Letztlich bestimmen die Menschen wann es reicht.
Ich denke, die westliche Arbeiterklasse wird da nicht mehr mitspielen. Das revolutionäre Subjekt ist heute der globale Süden (die sitzen ja komplett in der Schuldenfalle) mit China im Rückhalt.
Mist, bald sind meine Kommentare aufgebraucht:
Das ist mindestens teilweise wahr, allerdings hat der Marxismus es nie geschafft, das Sein auf ein Level zu bringen, welches die Leute von ihm überzeugt… und Propaganda, auf Basis einer sehr einseitigen Weltsicht, wirkt halt auch nur sehr bedingt.
Da er (oder seine Anhänger) den Willen offenbar für nachrangig hielten (eben „das Sein bestimmt das Bewusstsein“), wird dieser Bezug direkt auf den zugrundeliegenden Materialismus verbogen, denn das „Sein“ sollte ja grundlegend verändert werden. Ob die betroffenen Personen das auch wollen, hat demnach keine Rolle zu spielen, man muss nur warten, bis sich das Bewusstsein anpasst… das ist genau die Form von Zwangsbeglückung, an der kommunistische Systeme überall gescheitert sind, was darauf hindeutet, dass das „Sein bestimmt Bewusstsein“ offenbar doch nicht alles umfasst oder zumindest sehr viel schwieriger zu manipulieren ist, als man glaubte (und mit tiefgehender Psychologie hat Marx sich m.W. nie befasst).
Jein, er wird von Leuten geführt, die sich für Idealisten mit Moral halten, bei einem Blick von außen aber bigott, ungebildet und irrational wirken. Natürlich spielt die materielle Realität da mit hinein, denn letztere ist die Substanz von der wir leben (und die Leute bekommen zu Recht Panik, wenn die verspielt und verschenkt wird, als gäbe es kein Morgen).
RumpeKumpel schreibt :
„ „Patriotismus oder Internationalismus “ bleibt aber eine falsche Dichotomie, die optimale Lösung liegt fast immer irgendwo in der Mitte. „
Sie haben recht : Die beste und machbarste Lösung des Problems BRD wäre wohl ein Aufteilung derselben in Kleinstaaten von der Größe der Niederlande.
RumpelKumpel schreibt :
„Es ist auch kurzsichtig, die eigene Ethnie, die einen prägt, ob man will oder nicht, abschaffen zu wollen. Man könnte ironisch noch anmerken: dieser selbsthassende radikale Idealismus IST typisch deutsch und wird in anderen Ländern i.d.R. nicht verstanden,,,,, „
Dass dieser „Radikalismus“ ( wie Sie es nennen ) in anderen Ländern nicht verstanden wird, ist nachvollziehbar, da kein anderes Land einen Holocaust/Vernichtungskrieg zu verantworten hat.
So gesehen MUSS dieser „ selbsthassende radikale Idealismus“ ( wie Sie es nennen ) typisch deutsch sein.
Mensch kann sich seine Emotionen nicht aussuchen ! Wenn Sie Deutschland trotz des Grauens von Holocaust und Vernichtungskrieg noch lieben, dann ist dies eine Haltung, die ich nur mit Widerwillen als moralisch zulässig bewerten kann
; mir scheint eher der Hass auf Deutschland die erwachsenere/menschlichere/angemessenere Reaktion zu sein.
cooler Text von Henle
liest sich wie eine Gebrauchsanweisung
für Rechtsstaatliche wie man mit den Nutzvieh am besten umzugehen hat.
Ideal natürlich sowas an den Unis als Lehrtext zu verbreiten.
Jedoch kein Wort darüber was passiert und passierte wenn das Nutzvieh gegen seine Bestimmung revoltiert.
Ich frag mal proaktiver.
Müssen diese Verhältnisse eigentlich überwunden werden oder müssten Sie nicht besser ganz und gar verschwinden ?
Der offensichtliche Elefant im Raum, den die internationale Linke bis heute ignoriert, ist das Marxsche Axiom daß die Arbeiterklasse „revolutionär“ sei. Wer Augen hat zu sehen: Die Arbeiterklasse ist dumm, nationalistisch, kleinbürgerlich-reaktionär und borniert! Das ist keine Wertung – sie können ja nichts dafür – sondern eine nüchterne Feststellung. die AKL ist nicht im Windschatten der herrschenden Klasse (hier: Bourgeoisie) entstanden (wie laut Marx alle anderen revolutionären Klassen vor ihr), sondern als antagonistische, unterdrückte und wütende Klasse zugleich mit ihr. Aber wütend ist nicht gleich fortschrittlich oder revolutionär: Der Arbeiterklasse verdanken wir historische das Mitmarschieren in allen Kriegen, den Sieg der NSDAP, das opportunistische Wirken der SPD, die Gulags, maoistische Arbeitslager, den Ulbricht-Honnecker-Sozialfeudalismus etc.pp. Marx hat das Hegelsche Prinzip auf der letzten Stufe falsch angewandt und alle Linken plappern diesen Denkfehler bis heute nach. So hieß es 1968 „Studenten ans Fließband“, anstatt „Arbeiter in die Universitäten“. kein Wunder, wenn daraus eine dogmatische Linke entsteht 😀
Marx konnte nicht glauben, wenn er in den Spiegel sah, dort einen der ersten Vertreter einer wahrhaft internationalistischen, intelligenten, humanistischen und revolutionären Klasse zu sehen – der Intelligenzia – weil er sich nicht vorstellen konnte, daß diese Klasse irgendwann einmal so groß sein würde, daß sie gesellschaftliches Gewicht hat. Genau das passiert aber mit dem Übergang von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft im Westen und verrückterweise auch in China: Aus den Bauern sind über die Generationen Intellektuelle geworden. Alle wirklichen großen Linken waren (arme) Intellektuelle: von Marx über Luxemburg und Kropotkin bis hin zu Varoufakis. Die wären wirklich fähig, eine neue Gesellschaft zu gestalten, aus Einsicht, der notwendigen Bildung und (teilweise) aus der eigenen sozialen Lage als 3-fach freie Freelancer-Ich-AG heraus. Aber nicht der dumme, überforderte Mann vom Fließband mit festem Arbeitsvertrag, der darum bangt, auch morgen noch seine kleine Familie zu versorgen.
Solange die Linke weiter ihren Traum von der „revolutionären Rolle der AKL“ träumt, kann sie noch lange schlafen.
Hier mal ein bißchen Metaperspektive zu diesem Thema:
https://www.integrale-psychotherapie.de/Resources/WMWeinreich_Erganzung1_zu_Band1_Politische_Implikationen_2026.pdf
Wenn ich mir so „das beste Deutschland aller Zeiten“ anschaue, ist die „Intelligenz“ nicht weniger dumm, nationalistisch, kleinbürgerlich, reaktionär und borniert wie die Arbeiterklasse.
Bei letzterer fehlen mir allerdings die anektodischen Beweise aus den (Staats- und Oligarchen-)Medien, weil Arbeiter dort ja gar nicht mehr zu Wort kommen.
Diese Medien werden ja offenbar auch vorrangig von Intellektuellen für Intellektuelle gemacht.
Die Wortmeldungen der Intellektuellen, die sich dort der Obrigkeit anwanzen sind allerdings nicht zu überhören…
„Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt.“
―Kurt Tucholsky
– https://gutezitate.com/autor/kurt-tucholsky/
Das ist der grundsätzliche Fehler der Gewerkschaften: die woll(t)en die Lohnarbeit aushaltbar machen und nicht abschaffen. Als Lohnarbeiter sollte der brave Arbeitsmann sein Auskommen finden. „Ein gerechter Lohn für ein gerechtes Tageswerk“ verstetigt das Lohnarbeitsverhältnis und überwinden es nicht. der prinzipielle Gegensatz bleibt bestehen, wird lediglich in seinen extremen Auswirkungen gedämpft, so dass die Klasse der Lohnarbeiter dauerhaft benutzbar bleibt. Letzteres hat dann auch dem Staat eingeleuchtet.
Natürlich wollten die Gewerkschaften das Lohnarbeitsverhältnis nicht überwinden, die hatten ja die ärmlichen Verhältnisse des sozialistischen Ostblocks vor Augen. Die hatten sich voll auf den liberalen Kapitalismus (oder die kapitalistische Demokratie) eingelassen. Und schließlich sind sie damit ja auch gut gefahren. Sie bekamen einen Happen ab vom erarbeiteten Kuchen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Nun wird der Kuchen aber allmählich kleiner, was dann auch das Bewusstsein ändern sollte. Darauf hinzuarbeiten wäre Aufgabe der linken Intellektuellen.
Martin Schmidt schrieb 00:24:
Etwas später wird sich aus meinem Posting ergeben, warum ich es extra stelle, anstelle eines Unterkommentars.
I.
Das „Marx’sche Axiom“, das Martin benennt, gibt es nicht, es ist eine Erfindung und – in Bezug auf Martin – ein bedingt verzeihliches Mißverständnis. Marx Begriff der „Arbeiterklasse“ ist ein politökonomischer Begriff, Martin nimmt ihn stattdessen zur soziologischen Kategorie.
„Verzeihlich“ nenne ich das mit Blick darauf, daß Henle auf etwas verwickelte Weise das Gleiche getan hat, vor allem aber deshalb, weil Krethi und Plethi es tun, denn es gibt nur noch eine verschwindende Minderheit, buchstäblich ein paar Leutz, die sie daran hindern wollten, ohne es zu vermögen.
1. Von der Seite der Kritik der Politischen Ökonomie kann ich das Mißverständnis hier nicht wirklich auflösen: Die ersten 6 Bücher (Kapitel) des „Kapital“ bestimmen, was „die Arbeiterklasse“ ist bzw. sein soll:
https://oll.libertyfund.org/pages/marx-k1-1890#K6
(Konstantes Kapital und variables Kapital)
Immerhin kann ich eine antithetische Bestimmung anhand einer Abgrenzung von soziologischen Kategorien versuchen.
2. Was soll eine „soziologische Kategorie“ sein?
Ich unterstelle hier, meine Adressaten wissen, das „Verhältnis von Kapital und Arbeit“, wie die Sozialdemokraten es notorisch genannt haben, ist ein polemisches Verhältnis. Die Interessen und Zwecke von Kapitaleigentümern stehen den Interessen und Zwecken von Arbeitskräften entgegen, sie sind grundsätzlich unvereinbar, bis sie „iwie“ vereinbar gemacht werden.
Wer tut denn das?
a) Historisch tun es die Arbeiter, nämlich unter dem nackten Zwang ihrer Eigentums- und Besitzlosigkeit, sie wollen leben, nicht auf der Straße oder unter der Knute der Büttel sterben, also müssen sie beim Großbauern, beim Fabrikbesitzer etc.pp „arbeiten gehen“.
b) Logisch aber tut es eine Herrschaft, der Besitzer wie Besitzlose unterliegen, sie zwingt die beiden zusammen, auch wenn das für die Besitzenden alles in allem ein „süßer Zwang“ ist.
Das „Kapitalverhältnis“, wie Marx den Zusammenhang von besitzlosen Arbeitern und besitzenden Eigentümern genannt hat, ist nicht das einzige polemische Verhältnis unter einer Feudalherrschaft und später einer bürgerlichen Herrschaft. Ich kann hier nur das Wichtigste aufzählen:
Das Verhältnis von „Stadt und Land“, also deren jeweiliger Bevölkerung, ist polemisch.
Das Verhältnis von Landeigentümern und Landnutzern – seien es Bauern, Handwerker, Manufaktur- und Fabrikbesitzern – ist polemisch.
Das Verhältnis aller Gewerke ist – mehr oder weniger – polemisch: Was der Müller erhält, geht dem Bauern ab, und was der Bäcker erhält, geht Bauern wie Müller ab … usw.usf.
Das Verhältnis von Mann und Weib wird polemisch im Maße und in der Gestalt, wie Frauenarbeit nicht entlohnt wird.
Spätestens hier sollte der „Merker“ sein: All diese Verhältnisse werden polemisch IN DER GESTALT von Geldverhältnissen. (Und jetzt macht bitte nicht den Übergang, „jetze denken wir uns das Geld doch mal weg“)
Der Soziologe kommt nun daher und vereint alle diese Polemik, all die Gegensätze, Widersprüche, Unvereinbarkeiten, die ich global angesprochen habe unter einem Dach, das abstrakt „Gesellschaft“ und konkret „gesellschaftliche Stände und Schichten“ heißt. Er „sieht“ auf diese Weise in einem ersten Schritt von allen Gegensätzen und Unvereinbarkeiten „ab“, um sie in einem zweiten Schritt als „gesellschaftliche Probleme“ wieder anzuerkennen – mehr oder auch weniger.
Das ist ein Gewaltverhältnis, das der Soziologe da aufmacht.
Allerdings ein entliehenes, er entlehnt es als ein theoretisches Verhältnis dem praktischen Verhältnis einer Herrschaft zu ihren Untertanen.
Kommunisten, die ich als Solche anerkenne, nennen die „Gesellschaft“, von der Soziologen reden, deshalb eine „Realabstraktion“. Die Realität dieser Abstraktion ist das Untertanenverhältnis, und im Maße des Belanges der praktisch geltend gemachten Abstraktionen im Zusammenhang einer gesellschaftlichen Reproduktion, ist es dies Untertanenverhältnis, das die Staatswesen selbst zu einer Realabstraktion bestimmt. Sie üben eine Herrschaft aus, die sie nicht haben, nämlich in dem Umfange nicht, wie sie selbst die Widersprüche und Gegensätze installieren und den Untertanen diktieren, die sie anschließend verwalten
Gegenstand dieser Verwaltung sind just die „Stände und Schichten“ und deren illustres „soziales Verhältnis“, das die Soziologen rauf und runter deklinieren und sich damit der Staatsmacht als theoretische Ordnungsmacht zur Seite stellen.
Jetze ist das Posting mit über 5000 Zeichen schon aus dem Ruder meines ursprünglichen Planes gelaufen und ich muß mich beschränken.
Immerhin sollte ich deutlich gemacht haben, daß und warum eine soziologisch definierte und mißverstandene „Arbeiterklasse“ nie und nimmer ein „revolutionäres Subjekt“ sein kann. Die von der Staatsmacht dekretierten und aufrecht erhaltenen Gegensätze und Antagonismen erstrecken sich doch in sie hinein, in die Konkurrenz der Arbeiter untereinander, in die Konkurrenz der Gewerke und in die Geschlechterkonkurrenz im Rahmen der Reproduktion der Arbeitskraft. In dieser Konkurrenz geht es vorzüglich um Lohnhöhe und den „Preis“ des Lohnes in Gestalt der Arbeitsverhältnisse und Arbeitsbedingungen, unter denen und für die er gezahlt wird. Das „Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital“, das ihr alle wenigstens dem Namen nach kennt, weil die Staatswesen es nominell anerkennen, ist im Bezug zu der Eigentumsordnung der Staatswesen, die von ihm leben und es verwalten, ein unantastbares Konkurrenzverhältnis, in welchem alle Beteiligten aufeinander angewiesen sind und bleiben.
Jetzt will ich aber immerhin noch gesagt haben, daß „aufgepasst“ 9:15 denselben Fehler gemacht hat, wie Martin, obgleich von einem völlig verschiedenen Ausgangspunkt und Resultat:
Mein Gott Walter, das ist die Bestimmung von Gewerkschaften, sie erfüllen ihre Aufgabe, die ihnen zukommt, weil eine Staatsmacht sie mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Reproduktion notwendig macht.
„Aufgepasst“ zeigt hier vor, daß sein Selbstbewußtsein als ein „Kapitalismuskritiker“ und „Kommunist“ ein religiöses Bewußtsein ist, er unterwirft die Gewerkschaften einem Ideal, das in einem komplementären Verhältnis zu den Idealismen einer bürgerlichen Staatsmacht steht, die doch die Widersprüche des Kapitalverhältnisses am Liebsten auch aus der Welt schaffen wollte, wenn das nicht im Widerspruch zur heiligen Eigentumsordnung der bürgerlichen Gesellschaft stünde.
7230, der Rest muß stecken bleiben.
Soll uns das jetzt sagen, dass wir nicht damit rechnen können, jemals über das geistige Rüstzeug zu verfügen, zu einer Lösung des Klassenproblems zu kommen?
Tja, @Fred, die Polemik kann ich gut nachvollziehen, aber Dein „Schluss“ ist falsch. Ein bißchen „geistiges Rüstzeug“ muß schon auch sein, das stimmt, aber es ist weit, weit von dem entfernt, was ich vorführe. Ich verschwende meinen Geist und Intellekt hier seit Tagen und Jahren daran, einen geistigen und intellektuellen Ballast, der einfach abzuwerfen wäre, als Ballast zu kennzeichnen und so hinreichend als Ballast darzustellen, wie ich es im gg. Rahmen vermag, und dabei leiste ich etwas, was diejenigen, die diesen Ballast mit sich schleppen, auf eine andere, sozusagen „unkritische“ Weise schon geleistet haben. Ich dekonstruiere doch nur, was andere Leute konstruiert haben.
Zuletzt halt hier:
https://overton-magazin.de/buchempfehlungen/wie-frei-darf-freiheit-sein/#comment-397496
i.V. mit diesem ganzen Strang:
https://overton-magazin.de/top-story/der-anti-intellektualismus-als-ausweg-aus-der-perspektivlosigkeit/#comment-397234
Um es in eine Parole zu kleiden: Ihr müsstet wieder die großartigen, wissenschaftlich denkenden Kinder werden, die ihr mehrheitlich mal gewesen seid, bevor ihr euch eine Riesenmasse an Schwachsinn iwie habt „einleuchten“ lassen. Die in eurem Alltag geltend gemachten soziologischen Kategorien sind bloß ein Teil davon, aber schon für sich eine große Masse.
Zurück zum Thema.
„Aufgepasst“ könnte sich beschweren, meine Bemerkung zu seinem Post sei „unfair“ und hätte damit recht.
Damit hatte er sein Urteil über die Gewerkschaften bebildert. Die zitierte Parole ist standardmäßig seit 50 Jahren eine Berufungsinstanz von Leuten im Umkreis des „Gegenstandpunkt“. Ich habe sie selbst einige Jahrzehnte so oder ähnlich verwendet, und rein logisch ist das korrekt.
Es ist aber eine historische Parole, und wer das ignoriert, macht einen Fehler und läuft unwillkürlich immer wieder in die falsche Richtung.
Es ist notwendig, daran zu erinnern, wer die Bildung der Staatswesen, welche letztlich die bürgerliche Gesetzlichkeit geschaffen haben, eingeleitet hat, und wann. Das sind Pfaffen und religiöse Laien gewesen, Lutheraner, Calvinisten, Hugenotten, Pietisten und – unter den Katholen – Jesuiten, und es geschah ab dem 16.(!!) Jhd.
Ich muß einschieben, daß ich mich in dem ganzen weiten und engeren Thema der Geschichte der Arbeiterbewegung so gut wie nicht auskenne, aber es ist mir nicht gegeben, „nach Hause“ zu telenieren und einen Genossen anzurufen, der das für mich übernimmt.
Wenn also Arbeiter, Bauern, Fischer und Lumpen nach „Gerechtigkeit“ verlangt haben, hat das immer eine weltliche UND spirituelle Quelle gehabt. Die weltliche Quelle war das autonome Urteil dieser Leute über ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse, die spirituelle habe ich global genannt.
Die weltliche Quelle ist für sich einfach. Wer sagt denn, was „gerecht“ ist, und was nicht? Der Kläger sagt es, und er ist die singuläre Instanz solch eines Urteils. Just die Pfaffen haben doch nicht behauptet, es sei ein göttliches / spirituelles Gesetz, daß es in „der Welt“ gerecht zuzugehen habe.
Dann ist aber ein Verband der Kläger die einzige Instanz, die ihren Urteilen revolutionär, nämlich via Machtergreifung, Geltung verschaffen könnten. Ob der Maßstab „gerecht“, „Gerechtigkeit“ dann taugt oder nicht, bzw. für was er taugt und nicht taugt, ist eine andere, eine neue Frage!
Die Antwort auf die neue Frage benötigt eine Bestandsaufnahme der „ungerechten“ Verhältnisse. An der Stelle muß der Beobachter / Analyst schlicht wissen, das „Kapitalverhältnis“ von dem im letzten Post die Rede gewesen ist, welches das verlinkte Kapitel des „Kapital“ bestimmt und erklärt, ist auf dem Territorium des späteren Deutschen Reiches noch weit, weit von einer politökonomischen Durchsetzung entfernt gewesen.
Marx – ich habe diese Abschnitte immer nur überflogen – spricht von einer „Gleichzeitigkeit“ der kapitalistischen und vorkapitalistischen Arbeits- und Lebensbedingungen, und das heißt, der „Lohn“, den ein Kaufmannsgehilfe erhalten hat, den ein thüringischer Weber, ein bayrischer Spinner, ein Arbeiter in einer Schustermanufaktur usw. usw erhalten hat, ist noch kein kapitalistischer Lohn gewesen, und deshalb war es auch der Lohn des rheinischen oder berlinerischen Eisengießers und Werkzeugmacher nicht, obwohl schon wesentlich näher an dem, was Marx als Lohnarbeitslohn bestimmt.
Unter solchen Verhältnissen ist ein Lohnkampf aus politökonomischen Gründen, die ich hier nicht auffalten kann, in erster und übergreifender Instanz ein Kampf um den Arbeitstag gewesen, um seine Dauer und Gestaltung.
Und das ist selbstredend in einer ersten Phase ein Kampf um Lohngerechtigkeit, darum, daß es „nicht angehe“, daß der eine für denselben Lohn 10 Std. arbeite, für den ein anderer sein Dasein in 14 Std aufzuzehren, oder „nach Amerika“ zu gehen habe.
Es ist folglich notwendig gewesen, daß die Besitzlosen den Besitzenden das Kapitalverhältnis haben aufzwingen, und damit das Klassenverhältnis überhaupt erst historisch vollenden müssen, von dem Marx redet!
Das haben sie tun müssen, aber die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt doch bitte selbst noch in ihren schlimmsten Stunden eindrücklich, daß sie das nicht zugleich so haben „denken“ müssen. Macht haben sie gewinnen müssen, ja, das stimmt, deshalb habe ich in einem voran gegangenen Post den Kampf um das Staatswesen notwendig genannt.
Doch innerhalb dieses Kampfes um das Staatswesen, um seine militärische und administrative Gewalt, sind die Arbeiterverbände, wie oben gesagt, ihre singulär eigenen Kläger UND Richter.
Das wird erst anders, wenn aus dem Kampf um das Staatswesen ein Kampf um die Nation gemacht wird! Sei es von den Arbeitern und ihren Verbänden selbst, sei es von der Staatsmacht, und das geht praktisch immer Hand in Hand.
Dann werden die Staatswesen in der Gestalt von Nationen zur übergeordneten Instanz, an die appelliert wird, und die richtet.
Die Zeichenbegrenzung verbietet mir, eine Ableitung „der Nation“ einzufügen, deshalb begnüge ich mich mit der Angabe, es handelt sich abermals um eine (militärische!) Realabstraktion, und jeder von euch weiß ganz und gar genau, daß diese „Nation“ dann säkular in eine noch darüber angesiedelte Instanz namens „Recht und Gerechtigkeit“ eintritt, die alle Pfaffen blass aussehen läßt: Einigkeit und Recht und Freiheit.
Ich hätte noch 3000 Zeichen übrig, aber jetzt muß ich kochen.
Danke, Qana, bin durchaus positiv beeindruckt von Deinen Argumenten. Mein Einwand vorher war nicht polemisch gemeint. Eher pragmatisch und intuitiv.
Ich glaube nicht, dass die saubere Unterscheidung zwischen politökonomischen und soziologischen Begriffen zu einer Aufhebung des tatsächlich höchst unerfreulichen Klassengegensatzes führen wird. Ich bin überzeugt, dass niemand zurzeit in der Lage ist, diesen Klassengegensatz wirklich realistisch zu beschreiben in allen seinen internationalen Ausformungen, schon gar, einen Weg aufzuzeigen, wie man ihn denn überwinden könne.
Ich denke, dass da die Chinesen noch am nächsten dran sind, natürlich mit einer ganz anderen Philosophie, die das Miteinander ins Zentrum stellt und die vielen Beziehungen, die sich aus dem Miteinander ergeben und nicht das Ich und die sich daraus ergebenden Egoismen. Wie weit das diesen Gegensatz auflösen kann, staht in den Sternen, ich traue ihnen aber einiges zu.
Ich denke, dass wir selber, aber natürlich auch unsere Welt so komplex geworden sind, dass wir alles nurmehr intuitiv und in der Innenschau werden verstehen können. Das ergibt dann eine spirituelle Wertlehre und führt über Marx und seine materialistische Begrifflichkeit hinaus. Wird wahrscheinlich noch Zeit brauchen.
„Die Ware Arbeitskraft“. Was für ein Satz. Ob der Mensch, egal, ob im Kapitalismus oder Sozialismus sich bewusst ist oder werden könnte, dass er als „Arbeitskraft eine Ware“ ist, weiß ich nicht. Wie würde die Situation im Kapitalismus aussehen, wenn „Die Ware Arbeitskraft“ sich bewusst würde, dass sie ein Mensch ist? Sagt „Die Ware Arbeitskraft“ dann, „Ich denke also bin ich“ und wie würde sie dann handeln.
Wer Stolz ist auf sein Vaterland, dem fehlt es irgendwo an der eigenen Persönlichkeit.
Ich kann auch nachvollziehproduktiv und für alle sichtbar, mitwirkt.
Aber daraus abzuleiten, dass der Arbeitnehmer kein Vaterland hätte, ist Unsinn. Der Arbeitnehmer hat idR nichts anderes als sein direktes Umfeld.
„Vaterlandslose Gesellen“ sind nur die international agierenden Finanzkapitalisten.
Darum auch deren Parole: „Kapitalisten aller Länder, verinigt Euch!“ Weil sie es können und weil es ihnen nützt.
Aber der Arbeitnehmer ist immer lokal verwurzelt – oder verloren.
Der Ruf nach Internationalismus ist eine Waffe gegen die Arbeitnehmer zur Verzettelung und Schwächung möglicher Selbst-Organisation.
Nicht nur dass die KI hier ein übles Reglement führt – sie verhunzt auch noch die Kommentare. Na der Sinn ist hoffentlich nicht völlig entstellt.
Der Satz lautete etwa: Ich kann auch nachvollziehen dass jemand Stolz auf seine Gemeinschaft ist, in der er produktiv und für alle sichtbar, mitwirkt.