Panzerbrigade Litauen: Soldaten droht Zwangsversetzung

Panzerbrigade Litauen beim ersten Gefechtstest während der Übung Freedom Shield. Bild: Litauisches Verteidigungsministerium

Mit der Panzerbrigade 45 Litauen, die offiziell 2025 in Dienst getreten ist, stationiert Deutschland erstmals einen Militärverband dauerhaft in einem anderen Land. Litauen stellt die zivile und militärische Infrastruktur. Die Panzerbrigade soll die Verteidigung Litauens bzw. der Nasto-Ostflanke gegen einen möglichen russischen Angriff sichern, ist aber schon deswegen umstritten, weil Panzer, wie der russisch-ukrainische Krieg gezeigt hat, kein entscheidendes Waffensystem mehr ist, zumindest solange Panzer nicht unbemannt und autonom in den Kampf ziehen.

Gerade hatte die Brigade mit der Militärübung Freedom Shield erstmals eine Gefechtsübung ausgeführt, die halbjährlich wiederholt werden soll: „ Ziel ist eine jederzeit verfügbare Einsatzbereitschaft nach dem Grundsatz ‚Fight Tonight‘.“ Aufgeboten waren 2900 Soldaten aus acht Ländern, darunter 2400 Deutsche, und 800 Fahrzeuge. Dabei waren auch das Panzerbataillon 203 und das Panzergrenadierbataillon 122, die 2027 permanent nach Litauen verlegt werden sollen, mit Leopard-Panzern und Schützenpanzern Puma. Die Bundeswehr ist voll des Lobes: „Mit Drohnen, Kampf- und Schützenpanzern, Elektronischer Kampfführung, Artillerie und Hubschraubern üben die Kampftruppe und ihre Unterstützer aus der gesamten Bundeswehr genau dort, wo sie im Ernstfall das Baltikum verteidigen müssen.“ Jeden Zentimeter natürlich.

Verteidigungsminister Pistorius war zu Besuch bei der Übung in Pabradė und zeigte sich auch stolz, schließlich habe man aus den Erfahrungen der Ukraine gelernt, die praktischerweise weiter durch Milliardenzahlungen der EU ein Testgelände für neue und realistische, also tödliche Erprobung von Techniken und Strategien sind und die Nato-Militärs davon profitieren können, den russischen militärischen state of the art zu erkennen. Mit der Übung zeige man „Stärke und Entschlossenheit“. Die Übung hatte auch den Zweck, „aus der Verteidigung heraus in den Gegenangriff wechseln“. Man übt beides, die Truppe könnte dann eben auch beides eingesetzt werden.

Pistorius mit seinem litauischen Amtskollegen Robertas Kaunas in inniger Verbundenheit, jeden Zentimeter zu verteidigen. Bild: Litauisches Verteidigungsministerium

Freedom Shield habe gezeigt, sagte Pistorius in Litauens, wie die Landkriegsführung der Zukunft aussehen wird (Zitate wurden aus der auf Englisch gehaltenen Rede übersetzt) : „Das Schlachtfeld wird immer transparenter. Es gibt kaum noch Bereiche, die geschützt oder unbeobachtet sind. Die Reaktionszeiten sind extrem kurz. Gleichzeitig ist das Einsatztempo umso höher. Die Verfügbarkeit von Informationen, schnelle Datenanalyse und digitale Führung und Kontrolle (C2) werden entscheidend sein. GPS, sichere Kommunikation, elektronische Kriegsführung und KI werden den Kampf ebenso dominieren wie kostengünstige Drohnen in großer Stückzahl.“ Aber irgendwie müssen halt die deutschen Panzer den teuersten Part spielen, ist ja eine Stützung des deutschen Rüstungskonzerns KNDS.

Was der mit 4800 Soldatinnen und Soldaten vielleicht einmal 2027 ausgestattete Verband, der die Ostflanke verteidigen soll, kosten wird, will man nicht so recht beziffern. 2024 hieß es, die Aufstellung der Brigade würde einmalig mehr als 10 Milliarden kosten, wovon ein nicht näher bestimmter Teil Litauen bezahlen soll, dazu kämen Betriebskosten von jährlich etwa einer Milliarde. Zu den Betriebskosten zählen vornehmlich die Personalkosten mitsamt den Auslandszulagen, die enorm steigen könnten, wenn niemand nach Litauen ziehen will.

Bislang besteht die Brigade aus 1800 Frauen und Männern. Fehlen also bis 2027 noch 3000 weitere, die willens sind, Litauen, die Nato oder Deutschland im Baltikum zu verteidigen und dort zu leben. Pistorius schwärmt: „Derzeit liegt der Personalbestand der in Litauen stationierten Truppen bei etwa 90 %. Es handelt sich dabei ausschließlich um Freiwillige.“ Damit meint er natürlich nicht die angestrebte Personalstärke, sondern die jetzt erreichte. Es komme halt zu vorübergehenden Engpässen, besonders bei IT-Experten, aber das sei in Deutschland auch nicht anders.

Gelockt werden die Freiwilligen mit Geld. Ein Oberstleutnant erhält nach Beispielangaben der Bundeswehr einen Zuschlag von mehr als 5000 Euro, wenn Kind und Ehepartner in Litauen leben. Das Grundgehalt liegt zwischen  5.180 bis 7.850 Euro brutto. Ein Hauptgefreiter mit zwei Kindern und Ehepartner in Litauen kann je nach Zonenstufe einen Zuschlag von 3.261,52  bis 4.001,84  Euro erwarten, ein Hauptgefreiter, dessen Familie in Deutschland bleibt, kriegt nach den Berechnungsbeispielen zwischen 1.565  und 1.989,00  zusätzlich. Das Grundgehalt liegt zwischen 2.750 Euro und 3.000 Euro brutto. Belohnt wird also der Familienumzug nach Litauen.

Eigentlich sollte der Aufbau der Brigade auf freiwilliger Basis erfolgen, aber die Begeisterung scheint sich ebenso wie die der für den Eintritt in die Bundeswehr umworbenen 18-Jährigen in Grenzen zu halten. Fast 300.000 wurden an die jungen Männer verschickt, 96 Prozent antworteten. 530 wurden eingestellt. Die angeschriebenen jungen Frauen, die auch gesucht werden, zeigen der Bundeswehr die kalte Schulter. Gerade einmal 4 Pro antworteten auf den Brief. Es ist allen ziemlich klar, dass ohne Zwang bei weitem nicht genügend Frauen und Männer zur Bundeswehr gehen werden. Also wird es bald wieder die Wehrpflicht geben, möglicherweise mit Zufallslos, was die Akzeptanz zumindest bei den Betroffenen nicht erhöhen wird.

Und wer zur Bundeswehr geht, muss dann auch damit rechnen, zwangsweise nach Litauen (oder anderswohin) versetzt zu werden, was die Attraktivität nicht unbedingt steigern wird. Pistorius macht mit Drumherum-Gerede klar, dass er damit rechnet, dass Personal nach Litauen zwangsversetzt werden muss, weil es nicht genügend Freiwillige geben wird. Auf eine diesbezügliche Frage sagte er, er könne keine konkrete Zahl des Personals sagen, das nicht freiwillig hier sein wird: „Eines ist absolut klar … Einsatzbereitschaft hat oberste Priorität, und jeder Soldat, jede Soldatin in der deutschen Bundeswehr weiß, dass es letztendlich darum geht, hierher zu gehen, und wir tun nach wie vor alles dafür, dass dies auf freiwilliger Basis geschieht – dass jeder, der hierherkommt, dies aus eigener Entscheidung tut. Dennoch kann es vorkommen, und ich bin mir sicher, dass es – ich weiß nicht, in welchem Umfang – vorkommen wird, dass einige gehen, obwohl sie es nicht wollten, aber das ist in der Bundeswehr nichts Ungewöhnliches.“ Man werde sehen, was in den nächsten Monaten geschieht.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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Ein Kommentar

  1. Maria bring die Droppe, das kann ja bald niemand mehr aushalten.
    Geht denen jetzt einer ab, angesichts der Panzer-Brigarde aus Deutschland, ich meine den beiden Gefechtsköppe Pistorius und Kaunas?
    Haben sich die Kinder der Kriegstreiber auch schon zum Appell gemeldet oder sind die
    freigestellt für zukünftige Aufgaben an den Schreibtischen.

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