Offener Brief an Farah Diba

Farah Diba
Farah Diba (1973). Bild: Ghazarians – pahlavi.org/public domain

 

Guten Tag, Frau Pahlavi,

die Idee, Ihnen zu schreiben, kam mir bei der Lektüre des Spiegel. Aus Ihrem Pariser Exil wenden Sie sich an die iranischen Streitkräfte und fordern diese auf, sich „in diesem kritischen Moment der iranischen Geschichte“ „ihren Brüdern und Schwestern anzuschließen, bevor es zu spät ist“. Und: „,Bedenkt, dass das Überleben einer Regierung und der Erhalt von Errungenschaften niemals das Vergießen des Blutes eurer Landsleute rechtfertigen.“ (spiegel.de 13.1.26)

Es ist schon bemerkenswert, Frau Pahlavi, wann Ihnen einfällt, dass das Überleben einer Regierung kein Blutvergießen wert sei! Denn Ihr Mann, Schah Reza Pahlavi hat seinerzeit über Jahre hinweg – vielleicht erinnern Sie sich – sehr viel Blut vergossen, um das Überleben seiner Regierung und der Erhalt seiner / ihrer Errungenschaften gegen alle Kritik und vor allem gegen seine linken Gegner zu sichern – das können sogar Sie problemlos bei Wikipedia nachlesen, wenn Sie das vergessen haben sollten.

Bemerkenswert ist auch, dass Sie die Dreistigkeit besitzen, sich überhaupt aus dem Exil ausgerechnet im Namen jenes Volkes zu Wort zu melden, das Sie 1979 aus guten Gründen aus dem Iran verjagt hat. Ein Kaiser(paar) mit US-Patronage muss sich schon einiges leisten, damit das normalerweise eher loyale, zumindest fast immer ängstliche und zögerliche Volk dermaßen in Wallung gerät und sich dann auch noch über alle Klassen und politischen Gruppierungen hinweg mehrheitlich einig wird, gegen seine Monarchen aufzubegehren und diesen – aller Repression zum Trotz und ausnahmsweise ganz ohne ausländische Sponsoren – zu stürzen.

Vielleicht können Sie sich in diesem Zusammenhang trotz ihrer 87 Jahre daran erinnern, dass Ihr Mann sein Amt als „Kaiser Persiens“ seinerseits einem blutigen Sturz zu verdanken hat: 1953 hat die CIA dafür gesorgt, dass der gewählte Ministerpräsident Mossadegh, der die Ölquellen nationalisieren und die Einnahmen für die Entwicklung der iranischen Gesellschaft verwenden wollte, weggeputscht wurde und in der Folge Schah Reza Pahlavi erneut die Führung des Landes übernahm. Diese Rolle übte er in der Folge 25 Jahre äußerst brutal und ganz zur Zufriedenheit der USA aus: US-Kapital durfte die Briten aus dem Ölgeschäft verdrängen; für die dem Schah zugestandenen Einnahmen wurden im Gegenzug massenhaft US-Waffen gekauft. 40 Prozent des iranischen Haushalts gingen dafür drauf, die damals viertgrößte Armee der Welt und einen Geheimdienst von 60.000 Leuten sowie 33.000 Polizisten zu bezahlen.

Wahrscheinlich möchten Sie trotz oder wegen Ihres langen und wohlhabenden Lebens lieber nicht darüber nachdenken, dass das Leben auf dem Land damals ein Leben in Hunger war (durchschnittliche Lebenserwartung 30 Jahre, 96 Prozent Analphabeten!) und die Modernisierung („weiße Revolution“), die Ihr Mann dann durchsetzte, so viele kleine Bauern in noch mehr Armut und in die Slums der Städte trieb, dass diese Leute in ihrem perspektivlosen Elend der geborene Ansprechpartner für die reaktionär-fundamentalistische Agitation der schiitischen Geistlichkeit, für die Heilsversprechen des politischen Islam wurde – eben jener Mullahs, die Sie heute so gerne wieder weg hätten. Vieles hatte Ihnen übrigens 1967 schon einmal eine Journalistin aus Deutschland in einem Offenen Brief geschrieben – daran können Sie sich vielleicht doch erinnern…

Sicherlich haben Sie während der letzten Jahre und Jahrzehnte mit Schadenfreude beobachtet, wie die westlichen Staaten aus ihren politischen Kalkulationen heraus „den Iran“ auf die Liste der „Schurkenstaaten“ gesetzt und das Leben der normalen Leute mit Sanktionen mehr und mehr eingeschnürt haben, um sie zum Aufbegehren zu nötigen. Das hat die innere Repression von Seiten der Mullah-Regierung, die sich nicht ganz zu Unrecht in einem Kriegszustand wähnt (in diesem Sommer wurde der Iran zuletzt offen von Israel und den USA angegriffen), heftig befördert. Die Sanktionen sollten bewirken, dass die iranische Bevölkerung ihre Not der islamischen Führung anlastet und diese zum Teufel jagt – und vielleicht ist es jetzt tatsächlich soweit.

Damit die sturmreif sanktionierten Volksmassen das auch mit letzter Konsequenz machen, versichert ihnen der Führer der Freien Welt seine Unterstützung („Iranische Patrioten, protestiert weiter, übernehmt Eure Institutionen! Hilfe ist auf dem Weg“, soll Trump gesagt haben), während CIA und Mossad Berichten zufolge bewaffnete Gruppen einschleusten. Auch Sie, Frau Pahlavi, wenden sich an die Protestierenden, um sie anzufeuern, keine Kompromisse mit der Islamischen Republik einzugehen: „Meine Kinder, gebt die Hoffnung nicht auf. Seid stark und glaubt daran, dass ihr bald gemeinsam die Freiheit in Iran feiern werdet und dass Licht über Dunkelheit siegen wird.“

„Gemeinsam die Freiheit in Iran feiern“ – dürfen wir einmal fragen, was Sie, Frau Pahlavi, sich darunter vorstellen? Soll jetzt ein gutes Leben für alle kommen? Stehen Sie etwa plötzlich auf Seiten der iranischen Volksmassen und ihrer Bedürfnisse? Oder ist es doch eher so, dass der Iran wieder das werden soll, was er unter Ihrer Herrschaft und mit US-Unterstützung schon einmal war: ein für die geopolitischen und ökonomischen Interessen der USA funktionierender Öl-Staat, der einer kleinen nationalen Elite nützt?

Ihr Sohn – so ist zu hören – verlangt aus den USA heraus eine Führungsrolle für sich in der iranischen Opposition. Neben einem immer noch beträchtlichen Vermögen (unter anderem Immobilienbesitz in Sankt Moritz) scheint er von seinen Eltern auch die Dreistigkeit geerbt zu haben – und ist offenbar willens, sein geliebtes Land und dessen Bewohner an Trumps Amerika zu verkaufen, um sich als dessen Stadthalter ins Spiel zu bringen. Es gibt also keinen Zweifel daran, dass Sie und die Ihren dazu bereit sind, ihr geliebtes Land kaltblütig wieder zu dem zu machen, was es vor 47 Jahren war. Ob es so kommt, entscheiden indes andere – aber das war ja damals auch schon so…

Ohne jede Achtung vor Ihrer Majestät,

Renate Dillmann

 

Ulrike Meinhof, Offener Brief an Farah Diba, Konkret Juni 1967

Bahman Nirumand, Persien – Modell eines Entwicklungslandes oder die Diktatur der freien Welt. Hamburg 1967

Bahman Nirumand, Iran – Hinter den Gittern verdorren die Blumen. Hamburg 1987

Karin Leukefeld, Was geschieht im Iran?

Renate Dillmann/Arian Schiffer-Nasserie, Die nächste Front. Junge Welt 20.6.2025

Renate Dillmann

Renate Dillmann ist freiberufliche Journalistin. Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz; Promotion zur Staatstheorie von Thomas Hobbes an der Fernuniversität Hagen. Seit vielen Jahren Lehrbeauftrage an der Evangelischen Hochschule Bochum. Veröffentlichungen: „China – ein Lehrstück“ 2021, Die Buchmacherei; „Abweichendes zum Ukraine-Krieg“ 2023; „Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit“, 2025, PapyRossa
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11 Kommentare

  1. Der Westen bezahlt und installiert wie immer nur korrupte Eliten, die die Reichtümer eines Landes an die ausländischen Gönner überschreiben und im Zweifel sogar Krieg gegen das eigene Volk führen (siehe Ukraine), es zumindest aber im bitterer Armut halten, bisweilen auch versklaven (sie absichtlich in Armut zu halten ist auch eine Form der Sklaverei).

    Und wenn Menschen die Lügen der brutalen westlichen Eliten aufklären, werden sie ebenfalls Ziel von Bestrafungsaktionen. Das bekannteste Beispiel ist wohl Julian Assange, den man zu Tode foltern wollte und davor eine widerwärtige Schmierenkampagne gegen ihn betrieben hat, aber auch Alina Lipp oder – wie jetzt in Deutschland geschehen – Menschen, die den Opfern des faschistischen NATO-Bombenterrors in der Ukraine geholfen haben. Die rechtsradikale, faschistische deutsche Polizei hat sie verhaftet, auf Befehl der ebenso braunen rechtsradikalen deutschen Nazi-„Justiz“. Die braunsten Verbrecher dieses Planeten, die rechtsradikale deutsche „Justiz“ kann sich noch soviele Richterroben anziehen. Unrecht bleibt Unrecht, widerwärtiger Verbrecher-Abschaum.

    Es darf halt nicht sein, was nicht sein darf. Die rechtsradikale westliche Erzählung muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden. Dass es der Westen ist, der das Volk der Ukraine ermordet muss in sein Gegenteil verkehrt werden, es muss der Eindruck erweckt werden, dass Russland die alleinige Schuld daran trage. Die rechtsradikale deutsche Anti-Justiz versucht die Verbrechen der westlichen Eliten um jeden Preis und allen kriminellen Mitteln zu decken. Es sind widerwärtige kleine Verbrcher, die ua Völkermörder schützen.

    Ich hasse solche korrupten Verbrecher, wie sie in der deutschen Justiz rumlaufen und sich auch noch Richter nennen. Sie sind das komplette Gegenteil von Recht. Rechtsradikaler Abschaum. Was glauben diese widerwärtigen Verbrecher eigentlich mit ihrer NS-Ideologie durchzusetzen? Glauben diese kranken Verbrecher wenn sie die Bürger des Donbass zu Terroristen erklären – wie es einst ihr Vorbild Adolf Hitler in Oradur sur Glane auch schon gemacht hat -, dass dann automatisch Unrecht zu Recht würde? Ihr SEID LÜGNER, Ihr widerwärtigen Verbrecher und Ihr werdet nicht damit durchkommen. Sch… deutsche Verbrecher-Justiz.

    1. So richtig spaßig wird es dann, wenn man bedenkt das dieser Staat der seine Beamten SA zu Hilfsprojekten schickt, weil diese Angeblich Terroristen Unterstützen, kein Problem damit hat, zum Beispiel den Islamischen Terror von Al Kaida/Al Nusra/HTS schon seit Merkel, mit über einer Milliarde Euro im Jahr, in Syrien zu finanzieren. Wie eng die Terrorstaaten NATOstans mit dem islamischen Terror verbunden sind, ist ja auch an den Ehren die dem Obersten Kopfabschneider von HTS gerade in Nazideutschland erwiesen werden, zu sehen. Mal sehen ob irgendwann herauskommt, wieviel, außer der Luftwaffe NATOstans, die auch als Luftwaffe des IS bezeichnet wurde, noch an Geld an den IS gezahlt wurde.
      Die westliche Welt, uneinig Terrorland, welches hoffentlich bald so richtig viel seiner eigenen Medizin bekommt. Insbesondere Flächenbombardements von Großstädten wird besonders in EUropa erwünscht. Gern auch Atombomben, ist gut für die Konjunktur.

    2. Auf Oradur zu verweisen, ist nicht angemessen. Das war genau EIN Dorf in Frankreich, in dem die SS derart verbrecherisch handelte, wie sie es im „Ostfeldzug“ eingeübt hatte. Denn von da kam die Einheit, die die Bürger von Oradur massakrierte.

      In Weissrussland gibt es mehrere hundert „Oradurs“! Ein Drittel der Bevölkerung des ganzen Landes wurde damals ermordet!

  2. Immer „nett“, wenn „Eliten“ sich ins Ausland verpis…, dort ein schönes Leben führen, und dann aus diesem „Exil“ Ratschläge an die Menschen in ihren Heimatländern geben – am besten noch, dass sie dann aus ihrem „Exil“ irgendwann in ihr Land zurückkehren können, um dann selbst ihre Bevölkerung zu unterdrücken, und weiter in Saus und Braus zu leben.

    Ein Hoch auf die „Exilanten“.

  3. Vielleicht sollte Trump mit Iran verfahren, wie mit Venezuela, wo die Stellvertreterin des entführten Maduro, Delcy Rodríguez, jetzt Präsidentin ist und demnächst in die USA reist, um auf gute Zusammenarbeit hin zu arbeiten. Der senile Chamenei ist bestimmt auch bei den Funktionären des Regimes unbeliebt, die wohl froh wären, wenn Trump diesen alten Sack holen würde, der mit seinen starren Feindbildern die Existenz der islamischen Republik gefährdet, die durch eine Volksabstimmung eingeführt wurde, und viele Anhänger hat, z. B. Frauen, die die Mehrheit der Studenten stellen und auch kein Kopftuch mehr tragen müssen.

    1. Wird bestimmt „ganz toll“ werden für den Iran, wenn er sich von einem eigenständigen Staat zu einer US-Kolonie entwickelt – wie z.B. der Irak: dort geht es bestimmt allen auch ganz wunderbar….
      Oder wie „damals“ im Iran, als der Schah herrschte, wie im Text ja auch ausgeführt: unter „westlicher Führung“ kann der Iran dann ja wieder „aufblühen“, wie „damals“…

    2. Nur die BRD ist schlimmer als Chamenei, weil Deutschland fast nur noch Feinde kennt, bis auf ein paar europäische Pleitestaaten, während Iran mit Russland und China verbündet ist. Aber Chamenei ist ein Fossil, das Krieg und Aufstände verursacht, und weg muss. Aber er verkriecht sich mit seiner Familie im Beit-e Rahbari einem kilometerlangen Hochsicherheitstrakt in Teheran,

  4. Volker Pispers würde der historischen Figur Schah Reza Pahlavi sicher den Titel: „ausgewiesener Menschen(rechts)freund“ geben.

    Zitat:
    „….dass diese Leute in ihrem perspektivlosen Elend der geborene Ansprechpartner für die reaktionär-fundamentalistische Agitation der schiitischen Geistlichkeit, für die Heilsversprechen des politischen Islam wurde – eben jener Mullahs, die Sie heute so gerne wieder weg hätten.“

    Wie diese Version des Islam sich auch immer artikulieren mag, aber eine Verbesserung hat der Iran und seine Bevölkerung seit dieser den Iran dominiert, auf jeden Fall erlebt.

    Zitat:
    „…Seid stark und glaubt daran, dass ihr bald gemeinsam die Freiheit in Iran feiern werdet und dass Licht über Dunkelheit siegen wird.““

    Die „Freiheit“ des Westens: auf einem Berg von Leichen anderer – vor allem nichtwestlicher – Länder.
    „Freiheit“ scheint mir doch sehr relativ zu sein…..

    Die „Freiheit“ im Westen hat Alternativen….. – multipolarer Natur….

  5. Das diese Vögel gerne wieder die Macht übernehmen würden oder wenigstens representieren wollen, ist ja nichts neues.
    Leichter kommt man in diesen Kreisen nicht an Kohle ohne Ende.

    Der Obervogel von den Hohenzollern „stünde ja auch wieder als Kaiser bereit, wenn man ihn den riefe“.
    Wobei gar nicht ausgemacht ist, ob die Kaiserwürde jetzt dem Hohenzollen, dem Habsburg oder einem anderen Inzuchtgeplagten Cretin „zustünde“.

    Lach.

  6. „Soll jetzt ein gutes Leben für alle kommen?“

    Na was hat denn die Autorin gedacht, die Frau Schah von Persien will für das Volk Irans arbeiten, wie noch nie im ihrem Leben.

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