Obdachlos! Was nun?

Obdachlosigkeit
Obdachlosigkeit. Bild: Dirk Schaefer/CC BY-2.0

 

„Ich habe meine Wohnung verloren und lebe nun auf der Straße. Ohne Wohnung habe ich kein Anspruch auf Bürgergeld – und dadurch habe ich ab dem 1.1.2026 keine Krankenversicherung mehr. Dann muss ich alle Medikamente wie Blutverdünner, die ich für meine thrombotischen Störungen im Bein brauche, selbst bezahlen. Am 31.12. werde ich noch mal zum Arzt gehen, um mir für die erste Zeit meine Medikamente zu sichern. Wie es dann weiter geht, weiß ich nicht.“

Das hat mir Andreas E. an einem eisigen Montag zwischen den Jahren erzählt, als ich ihn nach längerer Zeit wieder in der Stadt getroffen habe. Ich konnte das nicht glauben und habe ein wenig recherchiert. [1] – [4]

Die gute Nachricht: Es gibt Hilfe. Nur wissen das viele Betroffene nicht. Für sie gibt es keine bunten Paraden und keine Solidarität. Wer kaputt ist, stört, passt nicht ins Bild einer heilen Welt. Für Andreas E. und alle, denen es ähnlich geht, ist dieser Text geschrieben.

Das deutsche Gesetz unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Gruppen von Personen:

  1. Menschen, die mindestens drei Stunden täglich arbeiten können. Von der Bundesagentur für Arbeit bekommen sie Arbeitslosengeld, wenn sie sich arbeitslos gemeldet haben und in den 30 Monaten davor mindestens 12 Monate Pflicht- oder freiwillige Beiträge zur Arbeitslosenversicherung geleistet haben. Ist das nicht der Fall, muss beim Jobcenter Bürgergeld beantragt werden, das aus Steuermitteln finanziert ist. Das wird gezahlt, wenn man seinen ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten kann und niemand da ist, der einen unterstützt. Das Jobcenter übernimmt dann die auch Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung.
  2. Menschen, die nicht in der Lage sind, drei Stunden täglich zu arbeiten, gelten als „erwerbsunfähig.“ Sie müssen beim „Sozialamt“ einen Antrag stellen. Das sind die Kommunalbehörden der Städte, Kreise, Landschaftsverbände und Bezirke oder die Landessozialämter. Aber aufgepasst: Ein Hilfebedürftiger kann einen formlosen Antrag stellen. „Auch nach einem Hinweis Dritter, wie etwa der Familie oder Nachbarn, muss das Sozialamt tätig werden (Amtsermittlungsgrundsatz).“ So steht es auf der Homepage der Bundesregierung. [3]

Solange die Erwerbsunfähigkeit nicht von einem Arzt festgestellt und von einem Amt, in Hessen z.B. vom Hessischen Amt für Versorgung und Soziales, bescheinigt worden ist, sollte man als Obdachloser im erwerbsfähigen Alter zuerst zum zuständigen Jobcenter gehen. Ganz wichtig: Um Geld vom Jobcenter zu bekommen, braucht man einen gültigen Personalausweis und die Berechtigung, sich dauerhaft in Deutschland aufhalten zu können.

Andreas E. glaubt, dass er mit seiner Wohnung auch sein Anrecht auf Bürgergeld verloren hat. Damit ist er vermutlich nicht allein. Stimmen tut das aber nicht. Das Jobcenter braucht eine „ladungsfähige Anschrift“. Das kann auch die Postadresse von Freunden oder Bekannten sein. Obdachlose scheuen sich, andere um diesen Gefallen zu bitten, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Der Obdachlose muss beim Jobcenter angeben, dass es sich nur um seine Postadresse handelt, nicht um seine Wohnadresse, sonst wäre er ja nicht obdachlos. Wenn das Amt vermutet, dass da eine „Bedarfsgemeinschaft“ gebildet worden ist, kann sie die Bezüge von dem kürzen, der helfen will. So hat es mir Andreas E. erzählt. Wenn Lebenspartner zusammenleben oder Eltern mit ihren Kindern trifft dies in der Tat zu. Wenn andere Personen einen Obdachlosen aufnehmen und mit ihm eine Haushaltsgemeinschaft bilden, ist folgendes wichtig: Nachweislich getrennte Konten, Essen getrennt einkaufen, der Aufnehmende zahlt wie bisher die volle Miete. Wenn die Aufnahme nur von kurzer Dauer ist (1 Monat), sollte man dies dem Jobcenter mitteilen. Wer auf der Straße lebt, kann auch eine karitative Einrichtung als Postadresse angeben oder ein Postfach einrichten.

Es ist auch großartig, wenn Menschen Obdachlosen in Garagen, Kellerräumen oder Gartenlauben Unterschlupf gewähren, gerade in dieser kalten Jahreszeit. Aber man muss dann alle Probleme im Blick haben. Augen auf ist der beste Schutz vor Bränden und sonstigen Problemen. Die private Hilfe wird immer auf Einzelfälle beschränkt bleiben. Um so mehr sind die Profis gefragt, bei den staatlichen Behörden, bei Diakonie, Caritas, Notfallübernachtungen, Teestuben und Tafeln. Politik, Medien und auch die Kirchen schauen gerne in die Ferne, obwohl die Not doch oft so nah ist.

Mit dem Beginn des neuen Jahres braucht man auf jeden Fall ein Bankkonto. Zum Glück hat jeder Anspruch darauf. Sparkassen sind als öffentlich-rechtliche Institution dazu verpflichtet, jeder Person, die sich rechtmäßig in der EU aufhält, ein Konto einzurichten. Nur bei Verdacht auf Betrug oder Geldwäsche darf sie ablehnen.

Hier in Form eines Laufzettels zusammengefasst was Obdachlose wie Andreas E. tun sollten (Laufzettel zum Herunterladen):

  1. Schnorren Sie sich 50, besser 100 Euro zusammen. Wenn Sie süchtig sind nach Alkohol oder Drogen und zu einer anderen Person mehr Vertrauen haben als zu sich selbst, geben Sie das Geld, was Sie zurück legen können, in deren Obhut, bis der Betrag zusammen ist.
  2. Als nächstes brauchen Sie eine Anschrift, unter der man Sie erreichen kann. Das geht, auch wenn Sie obdachlos sind. Dazu gibt es drei Möglichkeiten A, B und C:
  3. A) Sie finden eine karitative Einrichtung, die sich bereit erklärt, Ihre Post in Empfang zu nehmen und zu verwahren, bis Sie diese abholen. Gehen Sie mindestens einmal pro Woche dorthin, sonst kann Ihnen das Postfach gekündigt werden.
  4. B) Sie finden eine Privatperson, die Ihnen Folgendes bestätigt:

„Hiermit bestätige ich, Max Mustermann, geboren am 1.1.1980 in Klein-Kleckersdorf, wohnhaft in der Bahnstraße 1, in 12345 Tüdelhausen, dass Hans Hilflos, geboren am 1.1.1990 in Babbelburg, Inhaber des Personalausweises mit der Nummer A1B12345C, unter meiner Postanschrift Briefe und sonstige postalische Nachrichten erhalten kann. Er wohnt unter dieser Anschrift nicht und ist dort auch nicht gemeldet.“

  1. C) Sie gehen zur nächstgelegenen Post und richten ein Postfach ein, wo Sie Ihre Briefe abholen können. Das kostet derzeit 29,95 € pro Jahr. Das Geld müssen Sie dabei haben.
  2. Gehen Sie zur Sparkasse und eröffnen Sie ein Konto. Das kann ein „Comfort“-Konto sein für derzeit 9,99 € pro Monat. Wer sein Konto nur wenig nutzt (1x im Monat Geld vom Jobcenter, 2x Geld abheben, 1x Kontoauszüge ausdrucken) gibt es je nach Sparkasse Konten, wie das Giro Flex, die nur die Hälfte kosten. Bringen Sie Ihren Personalausweis, eine bestätigte Adresse (siehe Punkt 2) und mindestens 30 € mit. Damit decken Sie die Kosten für die Kontoführung bis die erste Zahlung vom Jobcenter kommt.
  3. Mit Personalausweis, Ihrer bestätigten Adresse und Bankverbindung gehen Sie zum Jobcenter und beantragen Bürgergeld. Dort wird geprüft, ob Sie Vermögen haben und wie viel Geld Sie bekommen. Vor allem: Sie sind wieder gesetzlich krankenversichert. Das kann Ihnen wirklich das Leben retten. Wenn zu vermuten ist, dass bei Ihnen dauerhafte Erwerbsunfähigkeit vorliegt, wird man dort weitere Schritte in die Wege leiten.

Ich habe Uli Steiert, einen Bekannten, der im Jobcenter Frankfurt arbeitet, gebeten, diesen Text Korrektur zu lesen. Er hat wertvolle Hinweise und Ergänzungen geliefert. Hierfür herzlichen Dank! Hoffen wir, dass dies für Andreas E. und andere Obdachlose eine erste Hilfe ist. In Deutschland leben etwa 50.000 Menschen auf der Straße. Tendenz steigend. [5]

[1] https://www.arbeitslosenselbsthilfe.org/obdachlos-buergergeld/

[2]  https://leistungslotse.com/buergergeld/buergergeld-erhalten-ohne-festen-wohnsitz-rechte-voraussetzungen-und-tipps

[3] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/sozialhilfe-und-buergergeld-2253064

[4]  https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/krankenkasse-beitrag/arbeitslose/

[5] https://www.deutschlandfunk.de/ursachen-obdachlosigkeit-wohnungslosigkeit-100.html

Stefan Nold

Dr. Stefan Nold, Jahrgang 1959, 1x Ehemann, 3x Vater, 5x Großvater, studierte Elektrotechnik an der TH Darmstadt und promovierte dort über wissensbasierte Fehlerdiagnose. Er arbeitete zuerst einige Jahre als Entwicklungsingenieur bei KSB Pumpen in Frankenthal und gründete 1990 das Ingenieurbüro SOFT CONTROL in Darmstadt (Schwerpunkt: industrielle Bildverarbeitung), wo er bis heute tätig ist. Parallel war er Aktivist und Mitbegründer erfolgreicher lokaler Bürgerinitiativen (Bürgerinitiative BI ONO gegen die Nordostumgehung, “Mucken fürs Mühlchen” zum Erhalt eines Naturbadesees). Seit 2012 schreibt er Essays zu gesellschaftlich relevanten Themen (Humane Wirtschaft, Zeitgeschehen im Focus, overton, globalbridge, manova, u.a.)

Bücher: 2012: Beerdigung, Reifenwechsel, Hochzeit (2012) Justus von Liebig Verlag, Darmstadt. 2024: Kein Frieden – keine Zukunft. Schlagt Brücken und Versteht eure Feinde. Open Source. Download unter: https://overton-magazin.de/wp-content/uploads/2024/07/Nold-KeinFriedenKeineZukunft-24720sN.pdf
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40 Kommentare

  1. Selten so einen Bobo-Scheiß gelesen,
    alleine schon als Pflichtversicherter bei der gesetzlichen Krankenkasse und Pflegeversicherung springt so fort die Schulduhr an. Bei mir waren da über 1550€ pro Monat fällig. Von so ein Nettoeinkommen träumt jeder Obdachlose!

    1. Soweit ich den Text verstanden habe, wird der Betrag vom Jobcenter übernommen; er ist also nicht aus dem Betrag zu bestreiten, den der Betroffene vom Jobcenter erhält.

      Davon ab: Dinge wie diese zu recherchieren, ist dem Autor hoch anzurechnen!

    2. Bei mir waren da über 1550€ pro Monat fällig.

      Als Obdachloser? Da waren Sie aber bei einer gaaaanz falschen Krankenkasse versichert. *kicher*

  2. Obdachlose, jene unsichtbaren Schatten in unseren Innenstädten: Sie stolpern nicht nur über die Ritzen des Bürgergeld-Systems, sondern auch über die Amtssprachen der Bürokratie. Der Staat spricht von „Hilfe“, wenn er gleichzeitig Voraussetzungen schafft, die niemand ohne Adresse, Konto oder warmen Mantel erfüllen kann. Während Abermilliarden in die Ukraine fließen – ein Geldregen, dessen Verwendung und Versickern so undurchsichtig ist wie ein Nebel über dem Finanzmarkt – bleibt für diejenigen ohne festen Boden unter den Füßen meist nur der bittere Frost. Wie viele Prozent dieser Milliarden in sinnvolle Hilfe für Leidende fließen versus wie viel in Verwaltung, „Beratung“, „Berater“ und zweifelhafte Abschlüsse, kann man nur spekulieren.
    Und wie passend, dass Merz, der selbst durch ein Leben in finanzieller Sicherheit spaziert, ausgerechnet über finanziell Benachteiligte herzieht, um von seinem Totalversagen in der sozialen Frage abzulenken. Er redet von Leistungsdruck, als seien Obdachlose nur bockige Spieler in einem gesellschaftlichen Videospiel – ohne zu begreifen, dass sie im echten Leben nicht einmal das Passwort kennen.
    Fehlt nur noch eine neue Zielgruppe in diesem grotesken Narrativ: „EU-Sanktionierte“ – jenen armen Seelen, denen nach EU-Verordnung jede offizielle Hilfe amtlich verboten ist. So schlimm wie im Mittelalter „vogelfrei“ erklärt zu werden: Rechtlich geächtet, abgeschoben in die rechtliche Wildnis einer Bürokratie, die weder Verantwortung noch Empathie kennt und das nur weil diese anderer Meinung sind, als gewünscht.
    Kurzum es ist alles nur noch komplett irre!

    1. Ich glaube, dass Leute wie Merz und ähnlich/besser priviligierte Leute genau wissen, dass es unter der untersten Schicht des (Bürger)Einkommens immer noch eine untere Schicht existieren muss, die bewußt durch Raster fällt und auch fallen muss. Das Elend des Einzelnen wird weggedacht (man kann sich ja schließlich nicht um jeden kümmern oder es jedem recht machen).
      Diese Schichten des Einkommens sind leider die Triebfeder und das Dichtmittel des Kapitalismus. Und es wurde noch keine dauerhaft erfolgreiche Gesellschaftsform gefunden, die nicht auf Schichten oder Gruppen oder Kasten und ähnlichem basierte.

  3. Es soll ja auch Leute geben, die auf keinen Fall ein Bankkonto haben wollen und vom mittlerweile fingerabdruckpflichtigen „Personalausweis“ ganz zu schweigen.
    Aber die sind ja eh keine „richtigen Menschen“ in Vater Staates Augen….

    Und außerdem ist die Zahl von 50.000 stark untertrieben.
    In D sind ja schon alleine 470.000 Personalausweise mit dem Vermerk O.f.W. (ohne festen Wohnsitz) im Umlauf.

    1. Ja „richtigen Menschen™️„ kann man auch noch Angst machen, darüber sind Obdachlose hinweg.(einem nackten kann man nicht in die Taschen greifen)

      Lustig ist auch die Assoziation von Obdachlosigkeit und Alkohol und Drogen gebrauch damit das Weltbild in Ordnung bleibt.

      Wer würde schon Obdachlos sein wollen weil er von „Vater Staat“ die Schnauze voll hat (was für ein ungedanke).

      Es handelt sich hierbei auch um die gefährlichste Personengruppe in der Gesellschaft deshalb wird sie auch mit allen Mitteln der Propaganda bearbeitet .(niemand ist gefährlicher als jemand der nichts zu verlieren hat)

    2. Ich glaube auf die 470.000 können Sie noch mal locker das Doppelte drauflegen.
      Weil bei diesen handelt es sich um die als wohnungslos gemeldeten, die auch in
      Einrichtungen unterkommen. Ganz viele aber fallen mit der Zeit durch den Raster
      und sind niergendwo mehr registriert.

    3. Es wird unterschieden zwischen Menschen ohne festen Wohnsitz (Menschen, die vorübergehend bei Freunden wohnen – wirklich wohnen), das sind rund 500.000, und Obdachlosen, die auf der Straße leben. Diese Zahl wird mit 50.000 angegeben. Es ist aber sehr gut möglich, dass es eine große Dunkelziffer gibt, allein schon weil die Erhebung nicht einfach ist.

      Ein Personalausweis ist in Deutschland Pflicht.

      1. Stimmt, hab aber dennoch seit 2021 keinen gültigen Ausweis mehr.
        Ohne Fingerabdrücke gibts nämlich seit 2022 nicht mal mehr einen Perso, beim Reisepass war das ja vorher schon so, daher hab ich, seitdem das so ist, auch keine Reisepass mehr.
        Das ist eine interessante Rechtslücke.
        Denn trotz „Ausweispflicht“ gibt es (noch) keine rechtliche Handhabe für die Behörden, bei Verweigerung an die Fingerabdrücke ran zu kommen.

        1. Respekt, gute Entscheidung !
          Ich habe vor längerer Zeit mal gelesen, daß ein ‚Bundesbürger‘ dem (Fingerabdrücke abgeben zu müssen) entschieden widersprochen hat, gerichtlich hin bis zur EU geklagt hat, das Urteil bis zum damaligen Zeitpunkt aber noch ausstand. Keine Ahnung, auf welchem Stand der Dinge es diesbezüglich ist.

          1. PS :
            Auch die Fotos können nur noch digital (und nach biometrischen Grundsätzen – schließlich muss man ja jeden immer und überall identifizieren können; Scheiß auf Privatsphäre) eingereicht werden.
            Ist zwar genauso rechtswidrig, schert aber ja eh keine Sau. Weder den ach so autonomen Bürger, der das in der Mehrzahl brav und unhinterfragt abnickt; noch die ‚Obrigkeit‘, die mittlerweile auf jegliche Regeln pfeift.

  4. Die Bundesregierung hat die Ukraine bisher mit ?? Milliarden Euro unterstützt……
    aber fuer Menschen die in Not geraten sind hat Friedrich Merz, Bundeskanzler der Deutschen, kein Herz und keinen Euro uebrig.
    Merz: „Es wird in Deutschland niemand obdachlos“!
    Oh, hat sich Fritz um bezahlbare Wohnungen bemueht? NEIN hat er nicht!
    Dass Merz keine Obdachlosen sieht, glaube ich ihm sofort, denn seine Wege kreuzen nicht die Wege der Obdachlosen, die Obdachlosen sind fuer ihn unsichtbar, das Stadtbild stoert ihn zwar aber…..nicht wirklich!
    Friedrich Merz ist nicht zu Fuss oder mit der Bahn unterwegs,er steigt zuhause ins Auto und steigt am Kanzleramt wieder aus, wird dann zu Terminen mit dem Auto wieder abgeholt oder steigt in den Privat-/Regierungsflieger.
    Abends steigt er wieder ins Auto und faehrt nach Hause zu Mutti……oh Pardon zur Gattin!
    Die Obdachlosen und die Menschen, die ihre Arbeit wegen der irren Politik verloren haben, interessieren ihn auch nicht wirklich. Was interessiert ihn eigentlich ausser Geld und Macht?

    1. Herr Merz könnte doch einen seiner beheizten Flugzeughanger für die nicht vorhandenen
      Obdachlosen zur Verfügung stellen. Und in seine Flugzeuge passen sicherlich auch noch
      einige rein und es gibt für all die Säufer dann auch bestimmt noch eine Bar. Als ich in der
      Hausverwaltung tätig war, war ich schon immer entsetzt, wieviel Wohnungen in Hamburg
      fast das ganze Jahr leer standen. Eigentümer aus aller Welt nutzen sie auch oft gar nicht.
      Auch Bürohäuser standen oft bis zu 3/4 der Flächen leer. Warum greift der Staat da nicht
      ein und schafft Wohnraum?

  5. Ich begrüße jede Initiative, auch gut gemeinte Initiativen, um Obdachlosen zu helfen. Aber die Würde des Menschen ist unantastbar, auch für Obdachlose:

    Schnorren Sie sich 50, besser 100 Euro zusammen. Wenn Sie süchtig sind nach Alkohol oder Drogen und zu einer anderen Person mehr Vertrauen haben als zu sich selbst, geben Sie das Geld, was Sie zurück legen können, in deren Obhut, bis der Betrag zusammen ist.

    Das ist an paternalistischem Duktus nicht zu übertreffen (nehmen Sie es bitte nicht persönlich, Herr Dr. Stefan Nold, es geht schließlich um Menschen in Not).

    „Schnorren“, ‚Drogen’ und ‚Sucht’ sind Stigmatisierungen. „Bitten Sie andere Menschen um Geld“, könnte man schreiben.

    Obdachlose haben in aller Regel keine Vertrauenspersonen mehr, der Ratschlag ist realitätsfern.

    Wieviel Geld braucht der Obdachlose tatsächlich, um die Ratschläge umzusetzen? 50 oder 100 €?

    Es gibt bestehende Obdachloseninitiativen, die man unterstützen kann. Ich habe mir eine solche vor geraumer Zeit in Berlin mal näher angeschaut und war überrascht, wie professionell die Hilfe vor allem im Winter umgesetzt wurde, mit allen dafür nötigen Informationsratgebern und Broschüren für Obdachlose. Leider eine vor allem im Winter völlig unzureichende Hilfe, was man den Initiativen mit ihren freiwilligen Helfern nicht anlasten kann.

    Wenn Obdachlose mich um Geld bitten, gehe ich folgendermaßen vor: Ich frage nach Gründen. Meistens kommt die Standardantwort Lebensmittel. Wieviel Geld brauchen sie für Lebensmittel ist meine nächste Frage. Meistens wird eine Summe zwischen 5 und 10 € genannt. Ich gebe die genannte Summe sowie zusätzlich 10 € pauschal für „Sonstiges“.
    Ich halte zu diesem Zwecke immer Bargeld in entsprechenden Scheinen vor, es kommt allerdings nicht allzuoft vor, dass mich Obdachlose um Geld bitten.

    Übrigens: Nur die „stille Bettelei“ ist in Deutschland erlaubt.

    1. Schnorren ist eine ehrenwerte Tätigkeit – und Schnorrer können da auch selbstbewusst auftreten, zumindest war das mal so. Es gibt unzählige köstliche jüdische Witze drüber. Das Wort wurde mit Bedacht gewählt. Political correctness kann auch ein Ausdruck von Empathielosigkeit sein.

      Und der Vorschlag ist nicht realitätsfern, sondern sehr praxisnah. Es gibt genug großzügige Menschen, sie gehören ja wohl auch dazu, aber sie sind da kein Einzelfall. Wenn ich die Möglichkeit habe, gehe ich auf die Menschen zu und frage wie es ihnen geht, rede mit ihnen auf Augenhöhe, denn ich bin so demütig zu erkennen, dass ich in der gleichen Lage sein könnte, wie mein Gegenüber. Lesen Sie mal: Michael Holzach: Deutschland umsonst. Leider ist der Mann schon lange tot.

      Es heißt: „Einen freundlichen Geber hat Gott lieb.“ – nicht die deutsche Art der pfennigfuchsenden Wohltätigkeit. Einfach spontan von Herzen geben und gut ist – oder auch mal einfach vorbeigehen, wenn einem gerade nicht danach ist. Wir machen aus allem ein Riesenproblem. Sieht man auch an ihren Beiträgen.

      1. Stefan Nold

        Schnorren ist eine ehrenwerte Tätigkeit

        Überlassen Sie das bitte den jeweiligen Menschen, wie diese Betroffenen das nennen wollen. Genau das ist die vorschreibende Haltung, die ich kritisierte. Haben Sie wahrscheinlich überlesen.

          1. Schauen Sie doch bitte mal bei einer Obdachloseninitiative vorbei und sichten Sie das vorhandene Infomaterial und Broschüren für Obdachlose und erkundigen sich, was diese an Hilfe gerade zur kälteren Jahreszeit tatsächlich benötigen. Ich bin sicher, dass Sie fündig werden.

            Und nehmen Sie ihren Merkzettel mit, vielleicht ist es genau das, was so eine Obdachloseninitiative am dringendsten benötigt, man kann ja nie wissen.

    2. „Das ist an paternalistischem Duktus nicht zu übertreffen “

      Na ja, vor 10 jahren dann hat es immer mehr auch Bürgerliche getroffen, und da können solch Infos schon hilfreich sein ..
      Die scheitern dann wieder an an Hürden anderer Art, psychisch instabil usw ..
      Und kliniken, die haben ja auch Menschen von der Straße aufnehmen müssen, so war da nun auch weniger Platz für Menschen aus der Bürgerlichen Schicht,
      DIe Kosten die Behörden bei den Sozialausgaben sparen, musste am Ende dann die Kassen tragen o(
      Wer da der Meinung ist, “ Mich trifft das nicht mit der Obdaschlosigkeit “ der sollte sich noch einmal belesen zum Thema ..
      Jeden trifft es am Ende mit ..

      1. @kd

        Das ist nicht das Thema.

        Thema ist, dass es gewisse Jahreszeiten gibt, an denen Menschen urplötzlich ihr Gewissen – gewissermaßen „Alle Jahre wieder“ – neu entdecken.

  6. Der Autor erzählt Schmu !

    Du hast als OFW’ler (Ohne festen Wohnsitz) natürlich Anspruch auf Bürgergeld (Existenzminimum, nicht an Wohn-haft gebunden). Früher ging man einfach alle 2-4 Wochen hin und holte sich die Kohle persönlich ab. Seit diesem Jahr geht das nicht mehr, man MUSS nun ein Konto haben, aber die Banken sind verpflichtet JEDEM ein Konto zu geben, auch Leuten ohne Wohnsitz. Die Mär, dass man eine Postaddresse haben muß stimmt auch nicht, aber es erspart Ärger. Ein Postfach ist hierbei hilfreich. – bin gespannt wie der Staat angesichts der erwartbaren Massenobdachlosenwelle damit umgehen will, der Sozialstaat ist jetzt schon eine Ruine. Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus in Deutschland, heute sind die Bandagen wesentlich härter.

    1. „Du hast als OFW’ler (Ohne festen Wohnsitz) natürlich Anspruch auf Bürgergeld “

      Hatte ich nicht mal als Deutscher ..
      Ich hätte mir pro Tag 10€ holen müssen, in Potsdam war die Stelle . Hätte mich die Fahrt alleine fast 9€ gekostet o)))))))
      Dieses System arbeitet so subtil, ich kam aus dem Staunen oft nicht mehr raus ..

    1. Was machen die dann mit den vielen Leichen, können die noch verwertet werden? Sind die Sklaven sozialversichert ? Wichtige Fragen die der Aufklärung harren.

  7. Erst einmal vielen Dank für die praktischen Tipps.
    Es dürfte wohl mehr illegale als legale Obdachlose hier geben. Denn die EU-Freizügigkeit gilt in der Regel nur mit einem Arbeitsverhältnis oder einem Derivat davon.
    Wohnraum gäbe es genug, um mittels einer Bewirtschaftung keinen Obdachlosen zu zwingen, unfreiwillig draußen bleiben zu müssen. Auch der Rechtsrahmen würde dies bei entsprechender Interpretation hergeben.
    Angebote zur Hilfe werden dann angenommen, wenn sie niederschwellig, unbürokratisch und am besten mit wenig Auflagen behaftet sind.
    Da tun sich dann staatliche Einrichtungen per se schwer damit.

  8. Ist dem Autor eigentlich bekannt, dass ein Großteil der Obdachlosen aus den ehemaligen Ostblock Staaten kommt ? Sollen auch hier wieder die Moralischen und Finanziellen Ressourcen der Eingeborenen ausgereizt werden, wie es schon in der Flüchtlingsfrage geschieht? Warum sind auf Berliner Straßen soviel Bulgaren, Rumänen, Montenegrer etc. und nicht etwa in Warschau, Kopenhagen oder Bratislava? Spielt hier wieder einmal falsch verstandene Toleranz die Hauptrolle?

    1. Selbstverständlich ist ihr Beitrag keine Hetze, sondern der Versuch, dem Autoren nahezulegen, den Merkzettel mehrsprachig zur Verfügung zu stellen. Hetze wäre es ja nur auf Portalen wie pi, stimmts?

  9. „Zum Glück hat jeder Anspruch darauf. Sparkassen sind als öffentlich-rechtliche Institution dazu verpflichtet, jeder Person, die sich rechtmäßig in der EU aufhält, ein Konto einzurichten. “

    Das ist so nicht richtig.. Als keine geldeingänge mehr kamen kündigte mir die Deutsche Bank das Konto, aber meldete das nicht der Schufa . Solche Dinge tun Sie gerne ..
    Und jedes anderes Kreditinstitut hat mir ein Konto abgelehnt mit der Begründung “ Sie haben ja ein konto“ ..
    Was sollte ich tun ohne Geld ? Telefonanruf ? Vodafone hatte mir auch Vertrag gekündigt und 1400€ in Rechnung gestellt mit der Begründung “ Vertragsausfall“ … auch da ohne Geld und ohne Wohnung ist nichts zu klären … o)))
    Ich bin wegen einer Frau nach Berlin gezogen, hatte da keinerlei Soziales Umfeld. Ohne Wohnung stehst Da wie ein Hund an so einer großen Kreuzung des Nachts, Genau das habe ich empfunden ..
    Einzige war ich klären konnte, Strafanzeige gegen Chefin Einwohnermeldeamt Pankow, weil ich nicht mal die 1 Woche Kündigungsfrist bekam. Ich ging aus der Wohnung, und kam nie wieder rein, und logisch alles weg. Die Fotos habe ich alle noch o)))
    Die Chefin lud mich dann zum Gespräch vor und sagte am Ende, „das einzige was ich für Sie tun kann, wenn diese Frau noch einmal kommen sollte mit Problemen dieser Art, wird Sie keine Chance mehr bekommen“ Ich zog die Anzeige gegen Sie aber dann zurück, es hätte eben genau die falsche sonst erwischt , Sie wollte dieser Frau helfen, die da in Not war, angeblich !! Wie kann ich Ihr da böse sein ..
    Das gute aber daran, Arge versuchte mir tüchtig zu helfen, und ich habe das auch ein wenig als Abenteuer gesehen, kannte ich ja nur aus Filmen o)
    Oder Nacht bei fast 20° Minus, Schlafstelle und so, keine Chance Hatte noch Tablet und gutes Handy, da kommste nicht rein in solche Buden, weil Sie Angst haben das andere auf das Zeug geil sind … So schräg das alles, muss man echt mal erblebt haben ..
    Aber Danke für den Artikel, Gute Ratschläge für Menschen in solch Sitautionen sind leider selten ..
    Nachts U Bahn Weding raus, kam so ein Türke und meinte “ Du bist von der Polizei, siehst schon aus wie so ein Schlägertyp“ Ich sagte darauf hin “ Aber Sachsen, die sind besonders strenge “ o))))
    Ok, ich hat kein Suchtproblem, und keine Berührungsängste mit dieser Sozialen Schicht, das machte es echt ein wenig zum Abenteur. Aber sobald Suchtproblem, Chancenlos ..

  10. Gut. Wahrscheinlich nützliche Angaben. Jetzt ist bloss zu hoffen, dass sie sich rumsprechen. Ich weiss nicht, wie viele Obdachlose Overton lesen (können).

    1. Genau das habe ich mir auch gedacht.
      Weil wenn man nämlich mal wirklich obdachlos geworden ist, kämpft man Tag für Tag um’s nackte Überleben
      und ist froh, wenn im Winter ab und an der Kältebus vorbei kommt und dafür sorgt, daß man nicht erfriert.
      Internet spielt da eher eine untergeordnete Rolle.

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