
Nietzsche galt als Philosoph „gefährlichen Denkens“. Das war er auch, aber nicht wegen seiner Vereinahmung durch die Nazis. Deren Regime samt seiner Führer wären ihm gewiss zu verpöbelt gewesen.
1.
Nietzsche stellt fest: „Der Staat oder die organisierte Unmoralität – inwendig: als Polizei, Strafrecht, Stände, Handel, Familie; auswendig: als Wille zur Macht, zum Kriege, zur Eroberung, zur Rache.“ Die Trennung hat ihre Gültigkeit verloren – schon zu Nietzsches Zeiten: Der Wille zur Macht befindet sich in der inwendigen polizeilich-strafrechtlichen Repression, im Klassenkampf, in den Handelseroberungen, in der Kommerzialisierung der Familie. Die repressiven Auswirkungen der modernen kapitalistischen Globalisierung sind in sämtlichen Privatnischen dessen, was sich noch „inwendig“ organisiert wähnt, erkennbar.
2.
Nietzsche sagte: „Für mich knüpft sich alles Beste und Schönste an die Namen Schopenhauer und Wagner …“ Nicht von ungefähr erhob er sich gerade gegen sie. Über Wagner sagte er: „Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig. Wohlan, ich hatte Wagner nötig.“ Schopenhauer apostrophierte er als „Erzieher“. Die Erhebung gegen beide – den Philosophen und den Künstler – war nötig; bestrebt, ihnen zu gleichen, wollte er doch auch seine Individualität wahren. Die Individualisierung freilich bedurfte der Bestrebung, ihnen zu gleichen. Denn: „Nur bei drei Existenzformen bleibt der Mensch Individuum: als Philosoph, als Heiliger und Künstler.“ Wie steht’s also mit dem „Heiligen“? Womöglich hat er sich darauf bezogen, als er schrieb: „Was unangenehm ist und meiner Bescheidenheit zusetzt, ist, daß im Grunde jeder Name in der Geschichte ich bin. Ich bin voriges Jahr von den deutschen Ärzten auf eine sehr langwierige Weise gekreuzigt worden …“
3.
Nietzsches Diktum: „Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das übrige und lästern auf das Ganze“ gilt im Grunde für Leser schlechthin. Wer könnte schon von sich behaupten, das Ganze beherrscht zu haben? Sich nicht, was er brauchte, genommen und dabei die Ordnung alles übrigen verwirrt zu haben? Der Akt des Lesens birgt stets ein Element von Plünderung in sich. Man nennt das Hermeneutik.
4.
Nietzsche hat Freuds Verdrängungsbegriff in genialer Formulierung vorausgenommen: „‚Ich habe es getan’ sagte mir mein Gedächtnis, ‚Nein, das konnte ich gar nicht tun’ sagte mir mein Stolz und war unbeugsam, und das Gedächtnis mußte sich dem Stolz beugen.“ Ein Verdrängungsproblem anderer Art entsteht, wenn man die Anordnung der Worte umstellt: „‚Ich habe es getan’ sagte mir mein Stolz, ‚Nein, das konnte ich gar nicht tun’ sagte mir mein Gedächtnis, war aber beugsam und beugte sich dem Stolz.“ Viele Schöpfer und Autoren würden die Richtigkeit dieser Einsicht eingestehen, wenn sie mutig genug wären, sich Rechenschaft über die Originalität ihres Werks und dessen reale Quellen abzulegen.
5.
Nietzsche sagt: „Gelehrten, welche Politiker werden, wird gewöhnlich die komische Rolle zugetheilt, das gute Gewissen einer Politik sein zu müssen.“ Über die Einsicht in die Feigenblattfunktion hinaus, die akademische Amtsträger durch den schieren Eintritt in die politische Praxis erfüllen, ist es jedesmal aufs Neue frappierend mitanzusehen, mit welcher Geschwindigkeit ihr intellektuelles Niveau, mithin ihre Denktiefe – Attribute, die ihnen den Status des „guten Gewissens der Politik“ einbrachten – verfallen, auf dass sich diese Überläufer in das macht- und herrschaftsgetriebene Zweckhandeln der politischen Welt vollends integrieren können. Das politisch Heteronome, von dem schon die universitäre Praxis merklich durchdrungen ist, erscheint klein und naiv im Vergleich zur Fremdbestimmtheit des freiwilligen Selbstmordes akademischen Gelehrtentums in der Sphäre der Politik. Obwohl sich die Zukunft der Universität als (letzter) gesellschaftlicher Ort der säkularen Beschäftigung mit dem Wahren, Schönen und Guten in den letzten Jahren nicht gerade vielversprechend ausnimmt, verkörpert sie noch ein Stück Utopie, gemessen am Schmutz der professionellen politischen Praxis. Niemand veranschaulicht dies krasser als jener Politiker gewordene Gelehrte. Niemand personifiziert besagten drohenden Verfall zynischer als er.
6.
Nietzsche stellt fest: „Zuletzt ist es aber gleichgültig, ob der Herde Eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind. – Wer von den fünf öffentlichen Meinungen abweicht und bei Seite tritt, hat immer die ganze Herde gegen sich.“ Man kann natürlich behaupten, dass fünf öffentliche Meinungen immer einer monolithischen vorzuziehen seien, und doch hat Nietzsche recht: In kritischen Momenten, in denen eine abweichende, den allgemeinen Konsens überschreitende Stimme erklingt, erweist sich die Exklusion des Abweichenden stets als Mechanismus einer freiwillig-obödienten Normalisierung. Das Problem besteht darin, dass sich eine wirklich einheitliche Meinung selten nur gegen eine abweichende, deren Verwerfung in der Tat erforderlich wäre, herausbildet. Zumeist bildet sich die einheitliche Meinung gegen einen Denkindividualismus, der die „Empfindung der Bevölkerung“, die nationalen Mythen und die eingefleischten Meinungen und Ansichten, die zum mentalen Lebenselixier des „kleinen Mannes“ und der „großen Herren“ in einem geronnen sind, verletzt.
7.
Nietzsche sagt: „Wonach sehnen wir uns beim Anblick der Schönheit? Darnach, schön zu sein: wir wähnen, es müsse viel Glück damit verbunden sein. – Aber das ist ein Irrthum.“ Nietzsches apodiktische Behauptung ist nicht gar so selbstverständlich, wie sie sich gibt. In einer Welt, in der die Einheit von Wahrem, Schönem und Gutem sich verwirklicht hätte, wäre das Glück der Schönheit durchaus kategorial verwandt. Nicht zufällig sprach man in der Aufklärung von einer dem Kunstschönen inhärierenden „Glücksverheißung“. Nietzsche meint freilich nicht das dem Subjekt durch die Objektschönheit verursachte Glück, sondern die Annahme des Subjekts, dass seine eigene Schönheit ihm zur Quelle von Glück werden könne. Aber auch in diesem Zusammenhang mag angeführt werden, dass unter den Bedingungen einer anderen Welt, welche das real existierende Reich der Zwecke transzendiert hätte, Schönheit ihr Scheinhaftes, welches ihr im repressiv Bestehenden eignet, verlöre, mithin die sie kontaminierende Zweckfunktion: Es wird nicht mehr ihre Aufgabe sein, „Glück zu verursachen“. Auch wird es sich erübrigen, Schönheit einzusetzen, um „begehrt“ zu sein. Nur leben wir bekanntlich nicht in einer solchen Welt, weshalb denn Nietzsche unter den bestehenden Bedingungen mit seiner Bezweifelung der Verbindung von Schönheit und Glück recht hat. Aber die Sehnsucht – ist sie nicht verständlich?
8.
„Es gibt einen Trotz gegen sich selbst, zu dessen sublimiertesten Äußerungen manche Formen der Askese gehören. Gewisse Menschen haben nämlich ein so hohes Bedürfnis, ihre Gewalt und Herrschaft auszuüben, daß sie, in Ermangelung anderer Objekte oder weil es ihnen sonst immer mißlungen ist, endlich darauf verfallen, gewisse Teile ihres eigenen Wesens, gleichsam Ausschnitte oder Stufen ihrer selbst, zu tyrannisieren.“ An diesem Diktum allein lässt sich schon ermessen, was Freud Nietzsche alles verdankte. Was nun aber, wenn Freud Nietzsche gar nicht gelesen hätte? Nun, er hat ihn gelesen. Aber selbst, wenn er es nicht getan hätte, würde man behaupten dürfen, dass etwas zu Freuds Zeit „in der Luft gelegen“ habe – bzw. in jenem Zeitgeist, der seinen Beginn in der klassischen Aufklärung und seine Fortsetzung in der deutschen Romantik hatte –; etwas, das sich stets aufs Neue zu formulieren und auszudifferenzieren trachtete; etwas, das im Vorbewusstsein der vollen Erkenntnis der komplexen Dialektik von Freiheit und Unterdrückung harrte. Um die Einsicht geht es, die sich bei Nietzsche als aphoristisch pointierte Aussage formuliert: „Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich her.“
9.
Nietzsche sagt: „Wie wenig Lust genügt den meisten, um das Leben gut zu finden, wie bescheiden ist der Mensch!“ Da ist sie wieder – die Größe des Hammer-Philosophen in ihrer dichten Pracht: das „gute Leben“ als etwas zu denken, dessen Gültigkeit sich auf keinen Fall am Begnügen mit dem wenigen bemessen darf. Die „Bescheidenheit“ des Menschen gereicht ihm in diesem Zusammenhang nicht zur Ehre, sondern verweist gerade auf seine Erbärmlichkeit: Resultat der Schande einer repressiven Zivilisation, die ihn gelehrt hat, sich in dieser Welt mit dem wenigen zu begnügen und die Erwartung des guten Lebens aufs Jenseits zu vertagen.
10.
Nietzsche sagt: „Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann, wer nicht auf einem Punkte wie eine Siegesgöttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag, der wird nie wissen, was Glück ist und noch schlimmer: er wird nie etwas thun, was Andere glücklich macht.” Was für eine fabelhafte Formulierung aller interesselosen (gar altruistisch ausgerichteten) Spontaneitätserfahrung. Nietzsche bezieht sie auf das Augenblickserlebnis schlechthin. Aber er weiß natürlich, daß die im Bestehenden verbreitete organisiert-organisierende Zweckgebundenheit des routinierten Lebens die Fähigkeit, uns auf den „Augenblick“ einzulassen, in ihm zu versinken, zunehmend aushöhlt. Die instrumentelle Vernunft eliminiert, ihrer Logik gemäß, die Reste der Spontaneität und die Überbleibsel aller dionysischen Obsession. Nicht von ungefähr maß Nietzsche der Kunst einen solch hohen Stellenwert in seinem Denken bei und behauptete, dass ein Leben ohne Musik ein Irrtum sei.
11.
Nietzsche fragt: „Giebt es etwas Ekelhafteres, als die Sentimentalität gegen Pflanzen und Thiere, von Seiten eines Geschöpfes, das wie der wüthendste Feind von Anbeginn unter ihnen gehaust hat und zuletzt bei seinen geschwächten und verstümmelten Opfern gar noch auf zärtliche Gefühle Anspruch erhebt!“ Nietzsches Frage ist mehrdimensioniert. Die sich aufdrängende Antwort ist, dass es in der menschlichen Gesellschaft durchaus mehr als genug Erscheinungen gibt, die ekelhafter sind als das, worauf sich Nietzsche bezieht. Nicht eindeutig ist indes, ob besagte Erscheinungen nicht eng, wenn auch indirekt, mit dem zusammenhängen, worauf Nietzsches Frage zielt. Man bedenke, dass Horkheimers und Adornos These über die sich durch die gesamte menschliche Zivilisation ziehende Dialektik der Aufklärung in der Annahme eines inneren Zusammenhangs zwischen der äußeren Naturbeherrschung durch den Menschen und der Beherrschung seiner inneren Natur wie der des Menschen durch den Menschen fußt. Nicht ausgeschlossen, dass Nietzsche – der bekanntlich die „Verhaustierung“ des Menschen verabscheute – auf einen ähnlichen menschlichen Zusammenhang verwies, als er von „Pflanzen und Thieren“ sprach. Andererseits – wer weiß: Es war ein geschlagenes Pferd, das ihn – am Beginn seiner tragischen Reise in den Wahnsinn – veranlasste, in hemmungsloses Weinen auszubrechen und voller Erbarmen das gequälte Tier zu umarmen.
12.
Man soll eigentlich das Denken eines Philosophen nicht anhand von Begebenheiten seines Lebens und seiner individuellen Persönlichkeitsstruktur beurteilen. Aber bei der Lektüre des baren Unsinns, den Nietzsche über Frauen geschrieben hat, wundert man sich doch, welche ungeheure Angst vor ihnen, ja bewusste wie unbewusste Verklemmungen er bei der philosophischen Auseinandersetzung mit ihnen zu überwinden hatte. Was hat er nicht alles über sie geäußert? „Wenn ein Weib gelehrte Neigungen hat, so ist gewöhnlich Etwas an ihrer Geschlechtlichkeit nicht in Ordnung“; „Jeder Umgang, der nicht hebt, zieht nieder, und umgekehrt; desshalb sinken gewöhnlich die Männer etwas, wenn sie Frauen nehmen, während die Frauen etwas gehoben werden“; „Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, die meisten darüber, dass Niemand sie ihnen entführen wollte“; „Die Frauen sind so geartet, dass alle Wahrheit (in bezug auf Mann, Liebe, Kind, Gesellschaft, Lebensziel) ihnen Ekel macht“; „Nichts ist von Anbeginn an dem Weibe fremder, widriger, feindlicher als Wahrheit, – seine grosse Kunst ist die Lüge, seine höchste Angelegenheit ist der Schein und die Schönheit“ – und noch viele andere derartiger Auslassungen und Sophismen.
Gerade er aber, der von der Frau in solch doktrinärer Manier sprach, schrak nicht vor der sarkastischen Bemerkung zurück: „Das Weib will selbständig werden: und dazu fängt es an, die Männer über das ‚Weib an sich’ aufzuklären.“ Und man kommt nicht um den Gedanken herum: Sollte etwa die Philosophie Schopenhauers – jenes Denkers, von dem behauptet wurde, die Sexualität sei seine große Feindin – Nietzsche auch in diesem Bereich affiziert haben? Oder sollte man eher annehmen, dass, wenn Nietzsche einige gelungene Sexualerfahrungen in seiner Jugend gemacht hätte, diese sich auf seinen Zugang zur „Frau“ anders ausgewirkt hätten, womöglich weniger bedroht und verängstigt, vielleicht auch – weiblicher?



Wie hätte Nietzsche auf „Corona“ reagiert? Hätte er Jeden retten wollen? Und wenn ja, in welchem Sinne?
Didi und die Rückzahlung der Coronahilfen:
https://terminegegenmerkel.wordpress.com/2026/08/29/tgm-deutschlandtrend-august-2026/
Bei Hallervorden immerhin über 2 Millionen Euro! Da tut man zur Vermeidung Manches.
Pure Bestrafung für „falsche Worte“.
Diese unsäglichen Rückzahlungen von „Coronahilfen“, die den staatlicherseits verfügten Einnahmeverlust durch Geschäftsverhinderung kompensieren sollten, ist ohnehin ein weiteres übles Kapitel von Corona. Kaum einer der damaligen Hilfenbezieher konnte die Einnahmeausfälle von damals durch spätere Mehreinnahmen kompensieren. Im Theaterbetrieb ohnehin nicht. Das Publikum, das damals nicht kommen durfte, konnte ja später nicht zweimal zur selben Veranstaltung kommen.
Staatliche Kulturberiebe hatten auch damals ihre Töpfe, private zahlten drauf. Und jetzt werden Behörden aktiv, die Gelder von den Privaten einzutreiben, die keine Chance hatten, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Und natürlich wird hinter den Kulissen dieser Hebel auch als Bestrafungsinstrument gegen Einrichtungen herangezogen, die „unbotmäßig“ nicht mit den Wölfen heulen, denn meines Wissens gibt es keine Pflicht, das Geld zurückzuverlangen. Da ist behördlicherseits viel Ermessensspielraum. Und der wird bei Hallervorden eben ausgenutzt. Im negativen Sinn.
https://kanzlei-herfurtner.de/rueckzahlung-corona-soforthilfe/
Es ist interessant, dass große Denker in einigen Feldern sehr rückständig sind, wie Nietzsche in Bezug auf Frauen. Wie viel davon dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist, wer weiß, sicher vieles seiner Erfahrungen. Ich kann das bestätigen. Ich habe viel überwinden müssen, um ein einigermaßen normales Verhältnis zu Frauen zu bekommen, bei den negativen Erfahrungen mit Frauen in meiner Jugend. Zudem noch das ambivalente Verhältnis meiner Mutter zu mir, dessen Gründe ich erst kurz vor ihrem Tode erfuhr. Ich sollte abgetrieben werden, weil ich zur Zeit kam. Das hat sicher mich lange sehr geprägt, ohne dass ich auch nur ahnte, warum. Wer weiß, welches Trauma Nietzsche aus seiner Kindheit übernahm. Zumal das Männerbild seiner Zeit gleich eine Auseinandersetzung mit seinen Ängsten kaum zuließ, es einen Akt der Überwindung kostete, es doch zu tun, Daher sollte niemand sich über die Vorfahren erheben, in der Meinung, man selber sei besser. Ich darf nur an das Verhalten während Corona erinnern, wo einige der „Besseren“ sich aufführen, als gälte nur ihre Meinung und alle anderen lägen falsch. Derartige Entgleisungen sind schnell geschehen. Ich plädiere daher für Demut und weniger Verurteilung. „Urteilt nicht, damit Ihr nicht verurteilt werdet“.
Wie man sieht, ich greife auch nur einen Aspekt heraus. Aber ist das nicht normal?
Das ist normal, so funktioniert menschliches Lernen. Zudem muss man alles in seiner Zeit verorten. Weshalb ich auch dieses neuerliche (woke) rumpopeln an alten Texten hasse.
Die Frage ist wie man mit Texten umgeht:
> Nietzsches Diktum: „Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das übrige und lästern auf das Ganze“
Errinnert mich irgendwie an Faktenchecker, sorry.
Der Witz ist nur, daß die „Faktenchecker“ dasselbe über die Schöpfer der von ihnen „zu checkenden Fakten“ aussagen. Selbstreflexion ist völlig aus der Mode gekommen. Und damit das Zugestehen, daß auch Andere recht haben können, daß sogar aus den selben Fakten unterschiedliche Schlüsse gezogen werden können, und überhaupt darauf aufbauend andere Meinungen erlaubt sind.
Während Kommentatoren ihre Meinung sagen, behaupten Faktenchecker sie haben die Wahrheit gepachtet. Da seh ich durchaus einen Unterschied.
Wenn sie sich die Biographie Nitsches ansehen, merken sie schnell, das neben dem Druck im Elternhaus ( Pfarrersfamilie) auch der „Naumburger Frauenhaushalt“ maßgeblich für Nitsches Haltung zu Frauen war. Auch kann man im Leben Friedrich Nitsches immer auch die Suche nach der Vaterfigur erkennen.
In unserer heutigen, überfeminisierten , „vaterlosen“ Gesellschaft verstärkt sich die Haltung Nitsches noch. Ich sehe das als eine Ursache für den heutigen kollektiven Narzissmus…
Der letzte Paragraph ist überflüssig, denn er gehört nicht zur Philosophie Nietzsches, eher zu seiner Biographie.
Und leider ist in Nr.11 die bei Zuckermann unvermeidliche ewige Wiederkehr der unsäglichen Behauptung von einer der Aufklärung innewohnenden Dialektik zu verzeichnen.
Aber was ist mit „Sentimentalität“ denn anderes gemeint, als ein Vegetarier zu sein wie olle Hitler, Adolf, – Hunde zu lieben und gleichzeitig Millionen Menschen abzuschalten. Oder wie heute: Den nachhaltigen Umweltschutz hochzuhalten, Co2 zu sparen und einen Krieg zu führen, der Hunderttausenden das Leben kostet.
In der BRD (für Wessis: das war euer Teil Gesamtdeutschlands!) wurde Nietzsche zitiert, in der DDR Marx und Lenin.
Die wenigstens, die es taten, wußten wirklich, was sie damit sagten. Es ging nur um ein Bekenntnis zu einer bestimmten elitären Denkweise. Also die Selbsterhöhung über den „tumben Pöbel“.
Wie sonst kann man Nietsche lesen, einiges ist brauchbar, das übrige ist verwirrt und als Ganzes ungeniessbar.
Die Frage ist leicht zu beantworten: Man kann ihn so lesen, wie er selbst es fordert: also das Ganze nehmend und nicht nur das, was einem irgendwie sofort einleuchtet und zu dem passt, was man sowieso schon weiß.
Das ist vor allem bei den Passagen und Aussagen nötig, die einem verwirrt und ungenießbar vorkommen. Dann kommt man auch schnell über das Stadium der flapsig-narzisstischen Fehlurteile hinaus.
Vor Jahrzehnten in einem Austellungskatalog zur Geschichte der Schreibmaschine gelesen:
Nietzsche hatte ein frühes Modell bei dem man das Getippte erst lesen konnte wenn man das Blatt das sich
unter der Mechanik befand herauszog.
Behauptet wurde dass daher die kurzen und prägnanten Aphorismen stammen.
hier gibt es ein Bild (Text dazu nicht gelesen), eine sog. „Schreibkugel“:
https://www.klassik-stiftung.de/startseite/digital/sammlungshighlights/friedrich-nietzsches-schreibkugel/
>Schreibmaschine aus Waffenfabrik
In den 1850er-Jahren schlugen Versuche fehl, die Schreibmaschine zu einem marktfähigen Produkt zu machen. Erfolgreich verkauft wurde erst die ab 1870 hergestellte „Schreibkugel“ des dänischen Pastors Malling Hansen. Sie wurde in Kleinserien handwerklich gefertigt.
..
Die industrielle Produktion begann 1873 mit dem „Sholes & Glidden TYPEWRITER“ bei der Waffenfabrik Remington in den USA. Einen ihrer zahlreichen Mängel vererbte uns die „Sholes & Glidden“ bis heute: die QWERTY-Tastatur (in Deutschland „QWERTZ“), so benannt nach ihren ersten sechs Buchstaben.
…
1878 brachte Remington sein Modell No. 2 heraus. Mit ihm wurde nicht nur die Zuverlässigkeit verbessert, sondern auch als wesentliche Neuerung die Umschaltung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben eingeführt.<
Heinz-Nixdorf-Museum/PB
Darf man davon ausgehen dass Nietzsche heute ein Zionist wäre? Und wären Nazis die ihn missbrauchten heute auch Zionisten?
F. Nietzsche – ob man mit seinem Werk klar kommt hängt sicher davon ab ob er verstanden wird!
Ich stand wie viele in meiner Klasse zunächst nur auf Kriegsfuß mit ihm . Sein Ausdruck irritierte und unser Deutschlehrer hatte große Mühe die rauchenden Köpfe irgendwie von der Einmaligkeit und Tiefe seiner Arbeiten zu überzeugen. GSD war er ein guter Lehrer und unser aller Interesse wuchs als seine Biographie in Form eines Referates von uns erarbeitet werden musste und das noch ohne KI!
Seiten voller Lektüre in der Klasse verteilt wurden nach dem Motto guckt mal rein!
Ich denke mal dass es Gruppenarbeit war die es leichter machte ,ihm am Ende näher zu kommen. So nah dass ich mit 60+ sagen kann.Auch durch ihn habe ich meine Stärken gefunden!
“ wer mit Ungeheuern kämpft,mag zusehn dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,blickt der Abgrund auch in dich hinein“
„Hilf dir selber: Dann hilft dir noch jedermann.“
“ was mich nicht umbringt, macht mich stärker“
Meine kleine Auswahl gefällt mir besser ,passt sie doch besser in meine kleine Welt!
„Wer lange gegen Drachen kämpft,wird selbst zum Drachen“. Frei nach Nietzsche
„Amor fati“ gefallen mir auch gut
Soviel ich weiss,gibt es Nietzsches Zarathustra inzwischen in 4 unabhängigen chinesischen Übersetzungen,er wurde also 4 mal neu ins chinesische übersetzt.
Und in Frankreich gehört er in der Oberstufe zur Pflichtlektüre und dürfte der bekannteste deutsche Philosoph sein.
Schopenhauer wird hingegen ZU kritisch betrachtet! Zu sehr Antisemit ,pessimistischer Denker und Frauenhasser. Ich weiß nicht ob das fair ist ,denn was kann man für den Zeitgeist unter dessen Dämonen man existiert?Auf jeden Fall verstehe ich seine Inhalte eher als Nietzsches!
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: Ihr hbt noch Chaos in euch.“ Moralisten, Gutmenschen, System- und Ordnungsdenker haben Nietzsche immer als intellektuelle Bedrohung rezipiert. Die herausragenden Philosophen der französischen Gegenwartsphilosophie – Beaufret, Derrida, Foucault, Deleuze oder Virilo – verdanken sich einer intensiven kreativen Auseinandersetzung mit Nietzsche. Worauf Moshe Zuckerman mit seinem Sammelsurium schräger (und philosophisch weitgehend irrelevanter) Funstellen hinaus will, kann ich mir nicht erschließen.
Wenn Sie die zitierten Stellen für schräg, unzusammenhängend, irrelevant halten, so bringen Sie doch für Nietzsche eindeutige, typische, relevante!
Ihre Liste von herausragenden Philosophen lässt mich daran zweifeln, dass es Ihnen um Argumente geht, wahrscheinlich nicht einmal um Nietzsche.
Fast jeder Aphorismus aus der „Genealogie der Moral“ oder der „Morgenröte“ ist für die Philosophie Nietzsches relevanter als das, was Herr Zuckerman aus seinem Zettelkasten skuriler Zitate zusammen konstruiert.
Sie wollen es etwas konkreter? Bitte schön, wer mit Passagen aus den sogenannten Wahnsinnszetteln Nietzsches („daß im Grunde jeder Name in der Geschichte ich bin“) argumentiert und dann noch die Turiner Anekdote mit dem gequälten Pferd als Realität präsentiert, hat sich als seriöser Nietzsche-Interpret eigentlich disqualifiziert.
Und ja, das „name-dropping“ relevanter französischer Gegenwartsphilosophen ist für sich gesehen noch kein philosophisches Argument, sollte aber zumindest ein Anstoß sein, dass es (wenigstens außerhalb des deutschen Sprach- und Denk-Raums) eine fruchtbare Nietzsche-Rezeption gibt, von der mehr zu lernen wäre als aus der Binse, dass Nietzsche unter anderem auch eine Menge Unsinn über Frauen geschrieben hat.
„Es gibt einen Trotz gegen sich selbst, zu dessen sublimiertesten Äußerungen manche Formen der Askese gehören. Gewisse Menschen haben nämlich ein so hohes Bedürfnis, ihre Gewalt und Herrschaft auszuüben, daß sie, in Ermangelung anderer Objekte oder weil es ihnen sonst immer mißlungen ist, endlich darauf verfallen, gewisse Teile ihres eigenen Wesens, gleichsam Ausschnitte oder Stufen ihrer selbst, zu tyrannisieren.“ (Nr.8)
und so geht es weiter:
„Dann erscheint die Askese als ein Tyrannisieren, welches eine Parthei im Menschen über eine andere ausübt; gerade wie die Staatsmänner den Geist der Tyrannei auch dann nicht verlieren, wenn sie kein Volk mehr zu beherrschen haben, sondern nun im Kleinen, in der Familie, in der Einsamkeit der Stube ihre Gewohnheiten fortsetzen.“
Das ist eine sehr genaue Beobachtung und eine hervorragende Erklärung, eine Quelle, aus der Deleuze, Guattari sicherlich versucht haben, zu schöpfen.
Vielen Dank für diesen spannenden Hinweis auf den frühen Nietzsche aus „Menschliches, Allzumenschliches“.
Philologisch hatte ich freilich ein kleines Problem: Der erste Teil des Zitats findet sich im ersten Band von Menschliches, Allzumenschliches, im Abschnitt über das religiöse Leben (nr. 137).
Die von Ihnen zitierte Fortsetzung („Dann erscheint die Askese …“) findet sich allerdings nicht in den mir vorliegenden Ausgaben (Kritische Gesamtausgabe, 6-Bändige Schlechta-Ausgabe).
Die KI erklärt das wie folgt: „Die KSA/Colli-Montinari-Edition unterscheidet streng zwischen dem von Nietzsche für den Druck autorisierten Text und späteren Nachlass-Varianten bzw. handschriftlichen Vorstufen. Der fragliche Satz stammt aus einer früheren handschriftlichen Fassung / Vorstufe (bzw. aus Nietzsches Notizheften) und wurde von Nietzsche in der Endredaktion des Drucks von 1878 gestrichen oder umformuliert. Ältere Gesamtausgaben (z. B. die Großoktavausgabe von Elisabeth Förster-Nietzsche und Heinrich Köselitz, oder die Musarion-Ausgabe) haben diese Variante noch in den Haupttext aufgenommen; daher findet sich der Satz in vielen älteren Bänden und Zitatsammlungen.“
Deleuze hätte bei seinen Analysen des Ressentiments allerdings seine helle Freude an dieser unzeitgemäßen (und wieder ganz aktuellen) Entlarvung des Politischen gehabt.
Danke nochmal, dass Sie mich nach langer Zeit wieder mal zum Griff ins Menschlich, Allzumenschliche motiviert haben.
Ja, schade, dass man diesen Zusatz in der Schlechta-Ausgabe weggelassen hat. Der Schlussatz der Nr. 137 ist es aber ebejnfalls wert, zitiert zu werden:
„In jeder asketischen Moral betet der Mensch einen Teil von sich als Gott an und hat dazu nötig, den übrigen Teil zu diabolisieren“.
So wie die Anorektiker es tun: Hungern, um den verdammten Körper in den Griff zu bekommen.
Leonard Cohen wurde einmal gefragt, was der Teufel sei – er antwortete: „Das ist Gott, wenn er betrunken ist“. Solche Dialektik trägt die Wahrheit wirklich in sich.
Abschließend der Hinweis (KI): Leonard Cohen setzte sich in seinem Werk intensiv mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche auseinander, insbesondere in seinem experimentellen Roman Beautiful Losers (1966).
Nietzsche …
Schwieriges Thema.
Vorweg:
@Heinz meinte weiter oben, dass im Westen Nietzsche zitiert worden sei und im Osten Marx und Lenin.
Das stimmt kaum.
Nach meiner Erinnerung galt Nietzsche auch im Westen nach 1945 durchweg als grenzwertig und durch seine Instrumentalisierung im Dritten Reich diskreditierte Person.
Ja, er wurde gelesen und hier und da auch mal zitiert, aber er war doch weit davon entfernt, eine im geistigen Leben allgemein anerkannte oder gar herausgestellte Person zu sein.
Nietzsche war nach 1945 im westen auch deshalb nicht sehr geachtet, weil er mit seiner exzentrischen Feindschaft dem Christentum und den Kirchen gegenüber sich nicht mit den bürgerlich-christlichen Restaurationsversuchen der Adenauerzeit verbinden ließ. Und als dann in den 1960ern die SPD zunehmend an politischer Bedeutung gewann, dan war Nietzsche natürlich noch mehr als vorher schon eine Unperson.
—
Einzelne seiner Texte sind regelrecht gut und wichtig, etwa der Essay über den „Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“. Trotzdem: Für meine Begriffe mischten sich in Nietzsches Geist Genie und Wahnsinn zu sehr. Es gibt zwar einige gute Passagen, doch stehen daneben eben wieder ganz andere, und zwar auch wirklich menschenverachtende.
Hinzu kommt, dass es nihilistischen Extremisten leicht fällt, in dem Wust seiner Äußerungen etwas für sich selbst Passendes zu finden. Das ist ja dann auch nach 1920 geschehen.
Vielleicht müsste man es jedem, der Nietzsche liest, auch zur Auflage machen, zusätzlich Dostojewski zu lesen?!
Charakteristisch ist auch, dass Nietzsches philosophisches Denken meiner Erinnerung nach kaum in ein in sich schlüssiges und logisches System zu bringen ist, sondern sich öfters widerspricht. Vieles von ihm sind doch spontan aus dem Moment heraus niedergeschriebene Gedankenfetzen, die dann zu Aphorismen wurden.
Man muss dazu sagen,daß Nietzsche eben nicht nur Philosoph war.
Er hat wunderbare Gedichte geschrieben und ist für mich mehr Poet als Philosoph.
Der Geist lässt sich nicht fassen.
und widerspricht sich.
Ein Künstler der Sprache und der Gedanken.
frei nach Nietzsche“Wer lange gegen Drachen kämpft wird selbst zum Drachen“
Liege ich falsch wenn ich M.Zuckermanns Auswahl dazu nutze ihn politisch einzuordnen? Gerade auch was aktuelle Politik angeht- falls man den Begriff überhaupt anwenden kann?
In mit entsteht der Eindruck dass M.Zuckermann alles andere als zufrieden sein kann!
Warum die Beschäftigung mit dem Gegner von Antisemitismus? Jemand im Fotum stellt die Frage ob Nietzsche heute vielleicht Zionist wäre- ich denke dass er nicht aufhötrn würde auf seine Art Kritik m daran zu üben. Liege ich falsch wenn ich diese Kritik in den Zitaten wiederfinde?
Wie bei Kafka ist das fazinierende dass man ALLES in ihren Werken finden kann. Allerdings nur wenn man auch will und je nach dem wie man selbst tickt!
„Das Weib will selbständig werden: und dazu fängt es an, die Männer über das ‚Weib an sich’ aufzuklären.“
Dialektisch gesehen liegt er damit richtig.
Es gab einen gute Grund warum Frauen historisch gesehen so lange Ungerechtigkeit ertragen mussten.
Daher kann es nur gerecht sein, dass Frauen gerade Medienzeitalter Ihre Rechte einfordern, ob uns Männern das gefällt oder auch nicht.
Meine Erfahrungen nach ist es besser mit Ihnen Bündnisse einzugehen, bessere Weggefährten findet man selten, aber diese Sichtweise ist eher Hegel eigen wie denn Nietzsche.
Nietzsche und Wagner, da kommt zusammen was zusammen gehört o))