
Es ist schon ein wenig seltsam, wenn der ukrainische Präsident Selenskij ganz offen und offiziell zur Stärkung des Nationalismus auf eine mit massenhaften Morden vor allem an Juden und Polen verbundene, zumindest faschistoid-rassistische, mit dem deutschen Geheimdienst und der SS kooperierende Tradition zurückgreift, um sie zu verklären. Selenskij mit seiner jüdischen Abstammung wurde gerne im Westen als Garant dafür gehandelt, dass unter seiner Regierung keine retrofaschistischen oder neonazistischen Strukturen entstehen oder gefördert werden.
Selenskij stand schon lange, spätestens seit Beginn des Krieges unter dem Einfluss der rechtsnationalistischen Freiwilligenverbände, die zu ihrem Vorteil ins Militär und die Nationalgarde integriert wurden, aber ihre Selbständigkeit auch als eine Art Militärunternehmen beibehielten und mitunter Befehlen des Oberkommandierenden nicht gehorchen. Wahrscheinlich aufgrund des offensichtlichen Personalmangels der kämpfenden Truppen, der zum gewaltsamen Einfangen und Verschleppen kriegsunwilliger Männer auf offener Straße führte, unschöne Bilder produziert und gewalttätige, auch tödliche Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und den unter Quotendruck agierenden Jägern der Rekrutierungszentren verursacht, muss Selenskij noch direkter auf die Freiwilligenverbände und die von diesen gepflegte nationalistische Ideologie zurückgreifen.
Gerade fand wegen der Zwangsrekrutierungen (Busifizierungen), bei denen es immer wieder auch Verletzungen und Tote gibt, zu Krawallen in Lwiw zwischen einer Bevölkerungsgruppe und Rekrutierern statt, die gewaltvoll nicht nur gegen mutmaßlich wehrpflichtige Männer vorgehen, sondern auch gegen Passanten, Frauen und Kinder, die protestieren. Selenskij konstatierte eine „sehr schlechte Einstellung gegenüber dem Militär. Das sollte nicht der Fall sein.“Die Sicherheitskräfte und Justiz sollen scharf gegen die verantwortlichen Protestierer, darunter besonders aktiv einige Soldaten, vorgehen, nicht natürlich gegen die Rekrutierer, die ja nur ihre Arbeit machen.
Das zeigt sich daran, dass er Ende Mai eine Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte als „Helden der UPA“ ehrenvoll benannt und begonnen hat, die Überreste der mit den nationalistischen Kampfverbänden Ukrainische Aufständische Armee (UPA) und (Organisation Ukrainischer Nationalisten) OUN verbundenen „Helden der Ukraine“ aus dem Ausland in ein neues Pantheon der Helden zurückzuholen und zu ehren. Das wird nach Kabinettsbeschluss errichtet im Kyiv Pechersk Lavra, dem Kiewer Höhlenkloster, der vom Metropoliten Epiphanius, dem Leiter der Orthodoxen Kirche der Ukraine, als „einer der heiligsten Orte in der christlichen Welt“ bezeichnet wird. Es geht also um große nationalistische und patriotische Symbolik, zumal auf dem Dach einer Kathedrale des Höhlenklosters Mitte Juni bei einem russischen Angriff vermutlich durch herabfallende Teile ein Brand ausbrach.
Scharfe Kritik hat die Ehrung der UPA und des bereits mit militärischem Ritual beerdigten Gebeine des UPA-Kommandeurs aus Polen erfahren. Die UPA wird ist verantwortlich für das Wolhynien-Massaker (1943), bei dem bis zu 100.000 Polen getötet wurden – teils auf grausame Art. Die Unabhängigkeitskämpfer der Ukrainer sind die Massenmörder der Polen. Nach der Ernennung der Sondereinheiten Nord, die Operationen hinter den feindlichen Linien, Zivilisten in besetzten Gebieten rekrutieren, ausbilden und organisieren und verdeckte Operationen durchführen, als „Helden der UPA“ entzog Karol Nawrocki, der konservative Präsident Polens, Selenskij am 19. Juni den hohen Orden des Weißen Adlers. Es kam zu Konflikten zwischen Polen, das zu den stärksten Unterstützern der Ukraine gehört, und Kiew. Orden wurden auch von anderen polnischen und ukrainischen Politikern zurückgegeben. Polen will den EU-Beitritt der Ukraine blockieren, wenn die Massaker nicht anerkannt werden und man sich nicht von Bandera distanziert. Selenskij lehnte eine Zurücknahme mit den Worten ab: „Niemand wird diktieren, welche Helden wir ehren.“ Und er versicherte, dass „die Namen aller Helden aus verschiedenen Jahrhunderten und Zeitaltern, die für die Ukraine gekämpft und die Ukraine inspiriert haben, zusammengebracht und für immer in unsere Geschichte eingeschrieben werden“. Zuvor hatte er erklärt, Polen habe auch den Orden nicht Katherina II, Benito Mussolini und Gerhard Schröder entzogen.
Budanow, der ehemalige GUR-Chef und jetzige Leiter des Präsidialbüros, der wohl die Geschichtsverklärung zugunsten der rechtsnationalistischen Freiwilligenverbände und deren Umfeld mit betrieben hat, meinte, wenn sich die Ukraine schon nicht einem Ultimatum Russlands unterwirft, werde es das auch nicht gegenüber Polen machen: „Die Ukraine wird von niemandem auf der Welt Ultimaten akzeptieren. Das letzte Land, das versucht hat, uns ein Ultimatum zu stellen, war die Russische Föderation. Nichts gegen Polen, aber Russland ist doch etwas mächtiger als Polen. Und trotzdem haben wir sein Ultimatum nicht akzeptiert. Ja, es ist schwer, es ist schlimm, es fließt viel Blut. Aber selbst ihr Ultimatum wurde abgelehnt.“

Die offizielle Weißwaschung der Vergangenheit und der „Helden“, deren Nachfolger Bandera und Co. und deren völkischen Nationalismus anhängen, sollte den Unterstützerstaaten zu denken geben. Aber es wird konsequent weggeschaut, auch in Deutschland, dessen Nazi-Geschichte und -ideologie mit den ukrainischen Nationalistenzusammenhängt. Da wird im Land eine Brandmauer zur AfD auch wegen der ähnlichen Weißwaschung der Geschichte errichtet, aber im kriegerischen Eifer gegen das Böse und beim Umbau zu einer kriegstüchtigen militarisierten Gesellschaft sieht man sich offenbar einig mit dem ukrainischen Nationalismus, der keine Scheu hat, die dunkle Vergangenheit zu verherrlichen. Kommt da wieder zusammen, was zusammengehört?
Europäisches Parlament rügt nur die Verletzung der „polnischen Befindlichkeiten“, nicht die Verherrlichung der Nazi-Kollaborateure
Das Europäische Parlament hat immerhin in einem Bericht (vollständiger Text) einmal darauf reagiert, zumal morgen der Gedenktag für die Opfer des Massakers von Wolhynien in Polen begangen wird. Aber die Reaktion ist symptomatisch für das verkorkste Verhältnis zur Ukraine. Die Abgeordneten stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit der Aufnahme der Ukraine in die EU zu. Das Land, das zunehmend autoritärer von Selenskij regiert wird, habe „außerordentliche Anstrengungen“ unternommen, „um seine demokratischen Institutionen zu stärken und die Gewaltenteilung während der Kriegszeit zu schützen“. Man lobt mitten in einem bis ins Präsidentenbüro reichenden Korruptionsfalls und dem zwar gescheiterten Versuch, die Antikorruptionsbehörden auszuschalten, den „Kampf gegen die Korruption“, auch wenn man milde nur für weitere Reformen eintritt, obgleich die Ukraine viele Milliarden Euro weitere Unterstützung erhalten wird. Abgelehnt werden Wahlen während des Krieges, wohl wissend, dass Selenskij vermutlich nicht wiedergewählt würde. Die Abgeordneten treten auch für die Fortsetzung des Krieges ein und „unterstützen das Momentum des Landes auf dem Schlachtfeld“ sowie weitere Sanktionen.
Besonders entlarvend ist die Stellungnahme bezüglich der „Helden der UPA“, während man Russland „Geschichtsfälschung, die Manipulation historischer Erzählungen und der strategische Einsatz religiöser, kultureller und wertorientierter Narrative“ vorwirft. Da gibt es keine Kritik an der Verherrlichung der rechtsnationalistischen, mit den Nazis kooperierenden Kampfverbänden UPA/OUN, deren Anführer und deren Anhänger in der Ukraine. Bedauert wird lediglich, dass Selenskij „unnötig und unprovoziert“ durch die Umbennung der Spezialeinheit „eskaliert“ habe und die „polnischen Befindlichkeiten und Trauer“ nicht beachtet worden seien. Die Entscheidung würde also ganz okay sein, wenn sie nicht „nachbarschaftliche Beziehungen“ gefährden würde. Gefordert wird eine „Deeskalation“ und Bemühungen zur Versöhnung.
Abgelehnt wurden hingegen zwei Änderungsforderungen der rechten Fraktionen. Die ECR-Fraktion, zu der auch die PiS gehört, hatte u.a. die Aufnahme der folgenden Passage gefordert: „dass die Ukraine – wenn sie ihr Handeln an den europäischen Werten ausrichten will – sich von der Ideologie, der Symbolik und den Taten der UPA distanzieren, die an der polnischen und jüdischen Bevölkerung verübten Massenverbrechen offiziell einräumen und die Opfer dieser Verbrechen exhumieren und würdig bestatten lassen muss.“ Die UPA sei für das „Verbrechen des Völkermords“ verantwortlich. Verurteilt werde „aufs Schärfste, dass viele Personen, die mit den für diese Morde ursächlichen Strategien und Operationen assoziiert werden, in der Ukraine als Nationalhelden gelten, darunter Stepan Bandera, Roman Schuchewytsch und Dmytro Kljatschkiwskyj“.
Und die PfE-Fraktion, zu der die rechte Partei „Konfederacja“ gehört, wollte, dass die Schlussfolgerungen des Rates vom 9./10. Juni 2011 zum Gedenken an die Verbrechen totalitärer Regime in Europa zur Kenntnis genommen werden und die Ukraine aufgefordert werde, „der öffentlichen Verherrlichung von Personen oder Verbänden, die für Verbrechen an der Zivilbevölkerung verantwortlich sind, ein Ende zu setzen, insbesondere mit Blick auf den Völkermord, den die Ukrainische Aufständische Armee (Ukrajinska powstanska armija, UPA), d. h. der militärische Flügel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (Organisazija ukrajinskych nazionalistiw, OUN), während des Massakers in Wolhynien im Jahr 1943 in erster Linie an ethnischen Polen sowie an Angehörigen der jüdischen, tschechischen und armenischen Minderheit verübt hat.“
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Mich wundert ja, daß man jüdischerseits nur dröhnende Stille vernimmt. Kein ukrainischer Botschafter in Israel einbestellt?Vom hiesigen Zentralrat keine Forderungen an die Bundesregierung? Sämtliche Meldestellen gegen Antisemitismus und ähnliche GONGOs die sonst dienstfertig Laut geben schweigen? Seltsam!
Brüder und Schwestern im Geiste, kann man da nur sagen….
Böse Zungen behaupten, das die Polen den Eklat nur inszeniert haben, um sich von der Ukraine abzusetzen. Das Schicksal des Bandera- Staates scheint besiegelt. Und die Polen wollen nicht mit in den Strudel versinken…
Ist nicht wirklich seltsam. Sein Rechter Sektor hat ihm mit dem Ableben be –
droht, sollte er den Krieg gegen die Moskowiter (!) beenden und Frieden schließen.
„Selenskij mit seiner jüdischen Abstammung wurde gerne im Westen als Garant dafür gehandelt, dass unter seiner Regierung keine retrofaschistischen oder neonazistischen Strukturen entstehen oder gefördert werden.“ Was für eine naive Vorstellung. Auch Juden können Faschisten sein oder Völkermord begehen.
Der Autor schreibt :
„Die Abgeordneten stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit der Aufnahme der Ukraine in die EU zu.“
Ist OK : die Ukrainer haben riesige Opfer gebracht, nur um in dieses verfluchte EU-Völkergefängnis aufgenommen zu werden, deshalb : lasst sie rein ! Ich freue mich schon auf das Wehklagen der hiesigen teutschen Bauern – die treu und brav seit Generationen die Von-der Leyen-Partei wählen – wenn der BRD-Markt mit billigsten ukrainischen Agrarprodukten geflutet wird : wer nicht denken will, muß fühlen !
Könnte sich die Redaktion mal um die Funktionalität des Kommentarbereichs kümmern, im Moment verschwindet ja alles ohne Hinweis im Nirwana, unerträglich!!