Niemand ist eine Agarplatte

Die öffentliche (Nicht-)Debatte wird von einem anti-aufklärerischen Menschenbild bestimmt.

 

Ist der Mensch ein Hohlkörper, ein Speichermedium, eine Agarplatte?

Nun, da gibt es viele, von denen man sagen würde: Ja.

Darum fragen wir lieber konkreter: Sind Sie es?

Nicht? Kennen Sie denn jemanden, der das von sich zugeben würde?

Auch nicht?

Wie kommt es dann, dass die öffentliche Debatte dieses Bild so hartnäckig zeichnet?

Häufig offenbaren sich gesellschaftliche Veränderungen gleichzeitig in verschiedenen Systemen, so als ob eine tiefere, umfassende Strömung an unterschiedlichen Stellen durchbricht. Ich denke beispielsweise an die Parallele zwischen dem oft nur noch vorgetäuschten Wettbewerb in den Oligopolen unserer sogenannten Marktwirtschaft und der nur noch vorgetäuschten politischen Debatte im engen Meinungskorridor unserer sogenannten Demokratie. Es gibt keine oder nur schwache kausale Verbindungen zwischen den beiden Entwicklungen, und doch gehören sie, auch zeitlich, zusammen.

Ähnliches ist derzeit im Menschenbild zu beobachten. Der menschliche Körper, der menschliche Verstand und die menschlichen Sozialsysteme werden gleichermaßen entmündigt: auf ganz unterschiedliche Weise, und doch erstaunlich parallel. Protagonisten der öffentlichen Meinung verbreiten auf allen drei Ebenen des Organismischen das Bild, es handelte sich um passive Rezeptoren, um wehrlose Nährböden. Das ist nicht nur faktisch falsch, es ist auch ein Bruch mit dem Menschenbild der Aufklärung, auf dem jede Demokratie beruht. Es ist gefährlich.

Körper sind selbsterhaltende Systeme

Auf der Ebene des Körperlichen wurde das während der Coronapandemie deutlich. Als Abwehrmaßnahmen gegen das Virus wurden nur Mittel zwischen den Menschen propagiert: Masken, Abstände, Quarantäne. Das Virus – das nicht einmal ein lebendes System ist – wurde zum Handelnden erhoben, der wehrlose Opfer befällt. Und in gewissem – durchaus strittigem – Maße haben diese Präventionsmaßnahmen ja auch geholfen; es liegt mir fern zu bestreiten, dass Viren infektiös sein können.

Aber Körper sind nicht nur Virusbrutstätten, wie sie in den epidemiologischen Modellen erscheinen. Sie sind selbsterhaltende Systeme, die sich gegen Verletzungen ihrer Integrität zur Wehr setzen können. Dazu verfügen sie beispielsweise über ihr Immunsystem. Die verschiedenen Zellklassen unseres Immunsystems patrouillieren laufend unseren Körper und haben eine ganze Reihe von wirksamen Mechanismen parat, um Krankheitserreger zu erkennen und zu eliminieren.

Doch die einzige Coronamaßnahme, die dazu gedacht war, das Immunsystem zu stärken, war die Impfung – wiederum ein Eingriff von außen. Autonome Maßnahmen wie Sport, gesunde Ernährung und Kontakt mit anderen Menschen hingegen, die das Immunsystem im Ganzen stärken können, wurden entweder vernachlässigt oder gleich ganz verboten. Vermutlich nicht aus böser Absicht: Es kam den Politikern und medizinischen Experten wohl eher schlicht gar nicht in den Sinn, dass man die Menschen auch so betrachten könnte. Und das ist fast noch schlimmer.

Schöpfer der eigenen Innenwelt

Und auf der Ebene des Geistigen?

Auch hier hat sich in aller Stille ein Menschenbild etabliert, das dem Ideal der Aufklärung und des Humanismus diametral entgegensteht. Nein, explizit gesagt wird das nie. Aber implizit entdeckt man es überall.

Vor allem natürlich darin, wie Regierende und ihre Gehilfen mit Äußerungen umgehen. Sie werden behandelt wie Informationsviren, die einen passiven Wirt befallen. Falschmeldungen und Hetze – die man jetzt „Fake News“ und „Hate Speech“ nennt, um sie als etwas Neuartiges darstellen zu können – gelten als gefährlich und infektiös, und müssen daher mit allen Mitteln der Zensur an ihrer Verbreitung gehindert werden.

Wenngleich solches Vorgehen offensichtlich vom Machtwillen getrieben ist, ist der dahinterstehende Gedanke doch keine Erfindung der Politik. Die Idee, Informationen zu infektiösen Einheiten zu erklären, die sich von Mensch zu Mensch verbreiten wie ein Virus, feiert gerade ihr goldenes Jubiläum: Im Jahre 1976 erfand Richard Dawkins, der Lebewesen ansonsten als ebenso passive Verbreiter ihrer Gene ansieht, das „Mem“. In seinem Buch „The selfish gene“ erläuterte er die Theorie der Soziobiologie, derzufolge alle Evolution nur die Verschiebung von Allelhäufigkeiten im Genpool ist, und Genvarianten folglich erfolgreichere Körper konstruieren „wollen“, um sich stärker durchzusetzen, und dazu auch entsprechendes Verhalten hervorbringen. Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit verlagern sich bei ihm vom lebenden Individuum hin zu seinen Genen: „We are survival machines – robot vehicles blindly programmed to preserve the selfish molecules known as genes.“

Selbst Dawkins konnte aber nicht ignorieren, dass menschliches Verhalten allerhand Erscheinungsformen hat, die nicht genetisch bestimmt sind. So erfand er das Mem als kulturelles Gegenstück zum Gen – ohne es freilich sauber zu definieren. Ein Mem ist irgendeine Informationseinheit, sei es ein Bild, eine Melodie oder gleich eine ganze wissenschaftliche Theorie. Wie sie genau abzugrenzen sein soll, muss offenbleiben. Wichtig ist ohnehin nur: Sie wird weitgehend unverändert weitergegeben, kann aber mutieren, um eingängiger und infektiöser zu werden. Auch auf der Ebene des Geistigen ist für Dawkins nicht der Mensch der Handelnde, sondern das unbelebte Mem.

Eine vorsintflutliche Idee geht viral

In der Internetkultur hat sich dieser Gedanke tatsächlich epidemisch verbreitet. Hier ist das „meme“ zum geflügelten Wort geworden, und es „geht viral“. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die Kognitionswissenschaft ein Rücksprung in die Theoriesteinzeit ist. Dass das Wissen eines Menschen ein assoziativ vernetztes System von Glaubenssätzen ist, das sich durch rigorose Auswahl selbst erhält (Kognitivismus), und dass sich dieses System sogar aktiv ein eigenes Weltbild konstruiert, ohne dabei notwendigerweise auf äußeren Input allzu viel Rücksicht zu nehmen (Konstruktivismus) – das sind grundlegende und wirkmächtige Theorien des Fachgebiets. Dawkins ignoriert sie völlig; er tut einfach so, als wären Köpfe hohl.

Aber damit hat er leider Schule gemacht. Und das auch bei Leuten, die ihn vermutlich nie gelesen haben: Auch dies ist eine Strömung, die allenthalben zutage tritt. (Abschweifung: Sowieso war das Bittere an der Soziobiologie stets weniger ihre wissenschaftliche Schlichtheit, als vielmehr, dass Menschen sich tatsächlich so verhalten, wie sie es vorhersagt. Es gibt reiche Männer und junge Frauen, die ihren Fortpflanzungserfolg genauso maximieren, wie es im Buche steht. Und das dumme Mem der Memetik war tatsächlich für einige Zeit virulent – es gab sogar ein „Journal of Memetics“. Zumindest in der Wissenschaft aber hat mittlerweile das Immunsystem seinen Dienst getan. Weiter im Text:) Statt als autonome Schöpfer ihrer eigenen Innenwelt werden Menschen allenthalben als Replikatoren von Informationsviren betrachtet. Implizit – und mutmaßlich unbewusst – sogar in der Herzkammer der Aufklärung:  Im Korridor meines Instituts werben Plakate für Open Access. Unter anderem steht da: „Open Access baut Elfenbeintürme ab.“ Aber so sehr ich den freien Zugang zu Forschungsergebnissen zu schätzen weiß (wie die Verlage damit Reibach machen, sehe ich allerdings mit Widerwillen, doch das ist ein anderes Thema) – die Elfenbeintürme der Wissenschaft baut man nicht ab, indem man Informationen verfügbar macht, sondern nur, indem man möglichst viele Menschen befähigt, sie zu verstehen.

Ebenso bekämpft man missliebige Denkweisen wie Rassismus und Antisemitismus nicht, indem man sie verbietet und zensiert. „Hassrede“ infiziert niemanden, „Verschwörungstheorien“ haben nicht die Macht, ein Gehirn zu kapern. Wer meint, Zensur wäre wirksam, angemessen und sogar erlaubt, um unerwünschte Gedanken einzuhegen, offenbart damit nur sein eigenes totalitäres Denken. Er offenbart, dass er seine Mitmenschen (nicht hingegen sicherlich sich selbst) als unmündige, schutzbedürftige Brutkammern böser „Meme“ sieht, und nicht als selbstbestimmte Individuen, die ihre Interessen in einer Debatte vertreten können. Er verleugnet die humanistische Grundlage jeglicher Form von Demokratie. Dass die Zensurbefürworter zugleich meist leidenschaftlich überzeugt sind, „unsere Demokratie“ damit zu retten, ist bitter ironisch.

Wir brauchen eine neue Aufklärung!

Herrschende Menschenbilder formen auf subtile, aber unwiderstehliche Weise das politische Handeln, die gesellschaftliche Organisation. Und wenn das herrschende Menschenbild das Menschenbild der Herrschenden ist, dann ist Selbstbestimmung darin eher nicht vorgesehen. Die Mächtigen verbreiten gerne, dass die Masse Führung bräuchte. Aber die Masse macht das erst wahr, indem sie es glaubt. Wir haben es daher alle in der Hand, uns auszuliefern – oder nicht.

Während in den Sonntagsreden noch das Erbe der Aufklärung beschworen wird, ist sie in der gesellschaftlichen Realität längst entsorgt. Wer den „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ sucht, ist ein Schwurbler und macht sich verdächtig. Kritisches Denken katapultiert stracks aus der Komfortzone, denn Mündigkeit verlangt immer Mut. Darum heißt es: „Sapere aude!“ – „Wage zu wissen!“ Dieses Wagnis müssen wir nicht nur eingehen, sondern unseren Mitmenschen tagtäglich abverlangen, wenn wir in einer freien Gesellschaft leben wollen.

Wir brauchen (wie übrigens auch Overton-Mitautor Bernd Schoepe fordert: PDF) eine neue Aufklärung. Wenn wir Demokratie und Selbstbestimmung erhalten wollen, müssen wir in unserem eigenen Handeln täglich das Menschenbild der Aufklärung bestätigen: Immer – auch gegen ungezählte Frustrationen – daran glauben, dass Debatten möglich sind. Dass unser Gegenüber sein Bestes tut, um mit der Welt klarzukommen – auch wenn es uns wie ein Schattenkampf erscheint. Dass Argumente Wert haben, und jede Ansicht geäußert werden darf. Dass Macht und Mehrheit keine Argumente sind, sondern meistens das Eingeständnis, keine zu haben.

Ja, die Anderen benehmen sich, wieder und wieder, so als wären sie Agarplatten. Aber wenn wir sie so behandeln, als hätten sie recht, haben sie gewonnen. Wir müssen ihnen zumuten, mündige Menschen zu sein.

Konrad Lehmann

Konrad Lehmann studierte Biologie und Verhaltensforschung, promovierte in Neurobiologie und absolvierte seine Habilitation in Zoologie. Heute lehrt und forscht er an der Friedrich Schiller-Universität in Jena darüber, wie Umweltbedingungen die Formbarkeit des Gehirns beeinflussen. Als studierter Verhaltensforscher, promovierter und habilitierter Neurobiologe vermag er alle großen Themen der Hirnforschung lebendig und im Zusammenhang darzustellen. Wie Kreativität im Gehirn entsteht, hat er in seinem bei Springer erschienenen Buch „Das schöpferische Gehirn“ unterhaltsam verständlich gemacht, und in „Für mein Gehirn bin ich selbst verantwortlich“ dargelegt, wie die Gehirnentwicklung zeitlebens durch die Umwelt beeinflusst wird. Zuletzt erschienen: „Das Bewusstsein der Tiere.
Eine neurobiologische Exkursion zu den Gipfeln des Geistes“.
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19 Kommentare

  1. Ist der Mensch ein Hohlkörper, ein Speichermedium, eine Agarplatte?

    Wenn eine menschenähnliche Bioeinheit den omnipräsenten Anspruch hat, sich immer selbst zu optimieren, wäre das ein starker Indikator – aber auf jeden Fall eine unangenehme Gegenwart.

    Im Jahre 1976 erfand Richard Dawkins […] das „Mem“. In seinem Buch „The selfish gene“ erläuterte er die Theorie der Soziobiologie

    Ach ja, „Das egoistische Gen“ aus dem altbekannten Maschinenraum der Verantwortungslosigkeit. Und das »Meme«, auch keine eigentliche Erfindung oder neue Idee Dawkins, dazu als Illustration mal „Das Gerücht“, 1953, Andreas Paul Weber.

    Aber so sehr ich den freien Zugang zu Forschungsergebnissen zu schätzen weiß […] – die Elfenbeintürme der Wissenschaft baut man nicht ab, indem man Informationen verfügbar macht, sondern nur, indem man möglichst viele Menschen befähigt, sie zu verstehen.

    Und genau dagegen wird breit gearbeitet, bereits an Schulen durch die Selektion des vorgegebenen Lehrstoffs. Dazu kommt die desaströse Arbeitssituation des durchschnittlichen Lehrpersonals sowie der physischen Vernachlässigung der Vermittlungsorte und Lehrstätten. Die jährlichen PISA-Studien sind auch ein Werkzeug, Befähigung zum Verständnis zu reduzieren, da es im Groben dabei bleibt, Wissen messbar und skalierbar zu machen, und so einem übergeordneten Nutzen zuzuführen. Als weitere Tools (neben vielen anderen) wären Smartfon, Social Media und „KI“ zu nennen, die für sich selbst nicht „böse“ sind, sondern es erst durch die Unfähigkeit der angemessenen Benutzung werden: Die Externalisierung des Verstehens. Doch das spielt „der Menschenbilder formenden Herrschaft“ zu, die Menschen als reine und gesichtslose Verfügungsmasse versteht, nicht einmal als Asset, sondern letztendlich als irgendwie schmuddeliger Kostenfaktor.

    Ich mag den Artikel, ist ausbaubar – danke dafür.

    1. „es is viel schlimma!“ 🙄
      da haben die leuts erfahrungen, einsicht, wissen – rein aus ihrer praxis, ihrem alltag…..
      dann schaun solch leuts auch gernmal zur unterhaltung va wohl, irgendwelch ratgebersendungen, -you-tube-„kanäle“, ……naja, so zeuch, womit eine bombardiert wird, wenn sie zb zu ihrem e-mail-postfach will 🙄 und dann erzähln diese leuts einer, was da so für „tipps“ gegeben werden für ne sache, die sie „beherrschen“ (einzig akzeptable und richtige verwendung von be-herrschen! 😉 ), was sie wissen und können, worin sie erfahren sind usw….und dann fragen die mich, die ja eben erfahrung in dieser sache hat, was ich davon halte *stier* ….ihr wissen wird gestrichen, ihre praxis, ihre erfahrung….schon im anquatschen dieser „rat gebenden“, naja und wenn/da „alle“ ratgeber immer so „anquatschen“ mit sich sehr stark unterscheidenden rat-schlägen steht so`n leut ziemlich dumm da, obwohl sie einfach tun könnten mit ihrem wissen…..
      mein „lieblingsbeispiel“ : meine schwester 🙄 holt sich eine neue katze ein oder zwei jahre nachdem sie ihren auch etwa 17 jahre alten kater hat einschläfern lassen müssen….den hatte sie als 8-wochenkätzchen bekommen und ein oder zwei jahre später redet sie wie „keine ahnung von katzen(haltung, aufzucht usw)“…..naja, egalwie….manchmal erscheints so, als „löschten“ diese rat-geber bei den unterhaltungsuchenden ihr erfahrungswissen…
      (wir hatten schon als kinder jede ihren kater 😉 🙄 )
      uahhh, erbreitertes
      gutnacht

      1. Mit Kant habe ich keine Probleme, aber im Folgenden gab es eine Sache, die mich störte, als ich nur das Zitat kannte:

        »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.«

        Mir erschien das mit »selbst verschuldeten« immer als unfair. Aber im vollständigen Text rückt er das gerade:

        »Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.«

        Es ist nicht schlimm, dumm zu sein, es ist schlimm, sich zu entscheiden, blöd zu bleiben.

        1. ich konnt mt kant nix anfangen, als ich noch „philosophieren“ wollt…
          egal…
          was nur hat der damit zu tun, daß leuts neuzeitlich glauben, nicht mehr zu wissen, was sie tun und ihrem zweck entsprechend jeweils gut taten bis die ratgebenden apps -häufig genug vor ihrer neese aufgeploppt- ihnen sagten, daß sie nichts wissen und beratung (aufklärung) nötig sei, um überhaupt tätig werden zu können….?
          es hat mit den zwecken zu tun, die teils neu vorgegeben von den ratschlagenden, aber zumeist mit den zusätzen, die die bisherigen zweckssetzungen „einfärben“, die zwecke ihrer „materialität“ beraubend, gewissermaßen „philosophische zwecke“ (beweisführungen) draus machen…

          ich war immer hin und her, ob die leuts wirklich nicht mehr wissen, was sie alltagtäglich bewußt so und so tätigten oder ob „alle“ nur so tun, als wüßten sie`s nicht besser zugunsten des „wir“ einer zweckegleichschaltung….. und bin nun schon dabei, mich brutal aktiv einsehen zu lassen (mir vorbeten/eintrichtern), daß da tatsächlich erfahrung/wissen/individuell (auf)geklärtes „weg“ ist, gelöscht ist….
          es behindert, wenn nicht gar verunmöglicht alle zwischenmenschliche interaktion/austausch…. nicht mein einsehen 😉 , sondern die tatsache, sich im miteinander nicht mehr beziehen zu können auf das, was der andre mal wußt und praktizierte / erfuhr…..
          da kriegt man nur app-erzählungen , auf denen als persönliche vergangenheit(erfahrung) beharrt wird, obwohl es teils geteilte (mit mir) vergangenheit/erfahrung usw war/ist, auf die ich mich je beziehe , auf vergangenen austausch zu „sachen“, bei denen man auch unterschiedliche zwecke verfolgte, damiteinhergehend unterschiedliches erfuhr und sich eben darüber austauschte….

          neurobiologisch „abbildbar“ ?
          denke schon….aber wozu?
          schwere zeiten für ideologiekritik 😉 , aber wer nicht mehr lang (mitzuerleben) hat, läßts halt und „handhabt“ seine/ihre menschliche umgebung wie sie daherkommt – „vergeßlich“ 😉 😆 🙁

        2. doppelt hält besser….oder gar nicht 😉 …
          also ja: mir wichtiges doch noch:

          ich konnt mt kant nix anfangen, als ich noch „philosophieren“ wollt…
          egal…
          was nur hat der damit zu tun, daß leuts neuzeitlich glauben, nicht mehr zu wissen, was sie tun und ihrem zweck entsprechend jeweils gut taten bis die ratgebenden apps -häufig genug vor ihrer neese aufgeploppt- ihnen sagten, daß sie nichts wissen und beratung (aufklärung) nötig sei, um überhaupt tätig werden zu können….?
          es hat mit den zwecken zu tun, die teils neu vorgegeben von den ratschlagenden, aber zumeist mit den zusätzen, die die bisherigen zweckssetzungen „einfärben“, die zwecke ihrer „materialität“ beraubend, gewissermaßen „philosophische zwecke“ (beweisführungen) draus machen…

          ich war immer hin und her, ob die leuts wirklich nicht mehr wissen, was sie alltagtäglich bewußt so und so tätigten oder ob „alle“ nur so tun, als wüßten sie`s nicht besser zugunsten des „wir“ einer zweckegleichschaltung….. und bin nun schon dabei, mich brutal aktiv einsehen zu lassen (mir vorbeten/eintrichtern), daß da tatsächlich erfahrung/wissen/individuell (auf)geklärtes „weg“ ist, gelöscht ist….
          es behindert, wenn nicht gar verunmöglicht alle zwischenmenschliche interaktion/austausch…. nicht mein einsehen 😉 , sondern die tatsache, sich im miteinander nicht mehr beziehen zu können auf das, was der andre mal wußt und praktizierte / erfuhr…..
          da kriegt man nur app-erzählungen , auf denen als persönliche vergangenheit(erfahrung) beharrt wird, obwohl es teils geteilte (mit mir) vergangenheit/erfahrung usw war/ist, auf die ich mich je beziehe , auf vergangenen austausch zu „sachen“, bei denen man auch unterschiedliche zwecke verfolgte, damiteinhergehend unterschiedliches erfuhr und sich eben darüber austauschte….

          neurobiologisch „abbildbar“ ?
          denke schon….aber wozu?
          schwere zeiten für ideologiekritik 😉 , aber wer nicht mehr lang (mitzuerleben) hat, läßts halt und „handhabt“ seine/ihre menschliche umgebung wie sie daherkommt – „vergeßlich“ 😉 😆 🙁

  2. Gabs denn schonmal eine Aufklärung?
    Ist es nicht so dass die Aufgeklärten auf dem jeweils aktuellen Stand des Irrtums beharren?
    Wäre Aufklärung nicht das Wissen dass man nichts weiss verbunden mit dem Drang es doch zu wissen?

  3. Aber hallo!
    Das ist der intelligenteste Text, den ich seit langem gelesen habe. Vielen Dank an Konrad Lehmann, Florian und Roberto! Es freut mich immer, wenn auch andere weit entfernte Phänomene mit ihrem lebendigen Gehirn zusammenfügen. Das ist der Sinn von Gedanken und es kann mit beliebigen Erkenntnissen geschehen.

    Ich konzentriere mich seit mehr als 10 Jahren auf alles, was mit dem Finanzsystem und mit Geld zu tun hat und ebenso wie Prof. Lehmann habe ich mir die Frage gestellt, warum andere, insbesondere Politiker, die offenliegenden Fakten nicht so zusammenfügen, dass ein abweichendes Ergebnis zum Mainstream herauskommt oder wenigstens herauskommen kann. Und ich glaube ebenso immer noch an Aufklärung.

    Koste es, was es wolle.

    Und gleich wieder ein Beispiel für diese Parallelität. Die Parole, koste es was es wolle, ist auch seit Jahren die von Friedrich Merz bezüglich Unterstützung der Ukraine, für Revanchismus und für seinen Russenhass.

    Rob Kenius
    https://kritlit.de

  4. Ein nachdenklich machender und interessanter Text.
    Wo der Autor anfangs zwar Oligopoldominanz als vorgetäuschte Marktwirtschaft und eingeschränkte Debattenkultur als vorgetäuschte Demokratie entlarvt, um sie als Beispiele tiefgreifender Veränderungen anführt, aber zwischen beiden neben der Gleichzeitigkeit nur eine schwache kausale Verbindung sieht, sehe ich beides durchaus als auf mehreren Ebenen ineinander verschränkte Teile eines zunehmend fadenscheiniger gewordenen und weiter werdenden Herrschaftsmodells: die liberale Demokratie.
    Das zugrundeliegende Menschenbild war von Beginn an das einer formbaren Masse, der der Blick auf innere Zusammenhänge durch allerlei Manipulation, sei es schwer zugängliche Bildung, propagandistische Verblendung, kulturalistische Nebenschauplätze oder Ablenkung und Zerstreuung in jeglicher Form verwehrt werden soll.
    Ein Großangriff auf die Gehirne der solchermaßen Beherrschten läuft aus meiner Sicht gerade, durch den ubiquitären Einsatz digitaler Technik, der die Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit seine User wirklich zu- und abzurichten und vor allem zu reduzieren scheint. Für die angestrebte Aufklärung fehlt dann irgendwann der Adressat, das Subjekt.

  5. „Ist der Mensch ein Hohlkörper, ein Speichermedium, eine Agarplatte?
    Nun, da gibt es viele, von denen man sagen würde: Ja.
    Darum fragen wir lieber konkreter: Sind Sie es?
    Nicht? Kennen Sie denn jemanden, der das von sich zugeben würde?
    Auch nicht?
    Wie kommt es dann, dass die öffentliche Debatte dieses Bild so hartnäckig zeichnet?“

    Weil viele herrschaftliche Vorhaben mittels hartnäckig geführter „öffentlicher Debatte“, Annahme, Akzeptanz und/oder Unterwerfung bezwecken. Und das funktioniert ja offenbar auch ganz hervorragend bei Naturwissenschaftlich gebildeten Staatsbürgern (Menschen oder Hohlkörper) wie Herrn Lehmann. Vorausgesetzt man nimmt seine Bemerkungen zur „Pandemie“ zur Kenntnis.

  6. Spricht man über Aufklärung, kann man über deren historisches Versagen nicht schweigen.
    Ist es noch immer die „instrumentelle Vernunft”, wie sie von den Protagonisten der „Frankfurter Schule” Horkheimer und Adorno in ihrem Hauptwerk „Dialektik der Aufklärung” thematisiert ist, oder in der Regression dieser schon der beginnende Mythos vom Menschen als beliebig manipulierbares und vollkommen ausgeliefertes Chemiekalien-Gefäß?

    1. Sehr interessanter Artikel, ich stosse mich aber an der These, dass wir eine „neue“ Aufklärung brauchen. Ist nicht der ultra-reduktionistische Ansatz von Dawkins, Jaques Monod und anderen Molekularbiologen die zwangsläufige Folge eines in der Aufklärung und ihrer Schwester, der Naturwissenschaft, angelegten reduktionistischen Bias?

      Kritiker der Aufklärung traten schon im 19. Jahrhunder auf: Kierkegaard, Dostojewski, Nietzsche, dann Heidegger, Wittgenstein, um die prominentesten zu nennen. Sie alle verneinten, dass „objektive“ Erkenntnis des Wesens des Menschen, seiner Seele und seiner Geschichte, möglich sei, weil sie durch das Subjekt des Erkennenden unvermeidlicherweise „gefärbt“ ist. Man kann das Leben zwar rückwärts verstehen, muss es aber vorwärts verstehen, meinte Kierkegaard. Und Dostojewski widmete sein ganzes Werk dem Widerstand gegen die Vorstellung, der Mensch
      sei ein „beliebig manipulierbares und vollkommen ausgeliefertes Chemiekalien-Gefäß“, wie es ein anderer Forist gesagt hat.

  7. „Vermutlich nicht aus böser Absicht: Es kam den Politikern und medizinischen Experten wohl eher schlicht gar nicht in den Sinn, dass man die Menschen auch so betrachten könnte. Und das ist fast noch schlimmer.“
    Ja Herr Lehmann – „Vermutlich nicht aus böser Absicht“ – glaube Sie es nur weiter, damit schläft es sich vermutlich auch besser. So ähnlich wie es bei mißbrauchten Kindern oft eine Lebensaufgabe ist, den Konflikt zwischen der Liebe zu den Eltern und der Einsicht in deren böse Taten zu vereinbahren, sind die meisten Bürger wohl damit überfordert sich einzugestehen, dass die Herrscher deren Führung sie akzeptiert haben, es nicht gut mit ihnen meinten und meinen.
    Das ist bequemer so, ABER dies ist gerade nicht „Sapere aude“, denn wegzuschauen, wenn es anfängt weh zu tun, ist das Gegenteil davon. Und sich einzugestehen, dass das Covid-Regime nicht von Unvermögen mit guter Absicht getrieben war, sondern von eine absolut sinisteren Bösartigkeit schmerzt.
    Und nein wir brauchen auch keine neue Aufklärung, den dieser Ansatz ist bereits wieder paternalistisch. Denn „Aufklärung“ bedeut, das jemand andere aufklärt, es also einen Aufgeklärer und die Unaufgeklärten gibt. Und das beinhaltet bereits ein Machtgefälle. Und dies Ansatz erinnert verdammt an das gegenwärtige „Einordnen“, wo die „aufgeklärten“ Journalisten, dem dumpfen Bürgern die Dinge einordnen, wo die Poliker die (alternativlose) Politik dem Pöbel noch besser erklären muss,
    Was wir brauchen ist nicht eine „Neue Aufklärung“ im Sinne einer Wissensvermittelung, denn dann gibt es wieder jemand der bestimmt welches Wissen vermittelt wird. Zurerst brauchen wir im Sinne von Antoine de Saint-Exupéry eine Sehnsucht nach Wissen und Wahrheiten. Genau die Ermutigung zu sapere aude. Und dann das Handwerkszeug :Wie man diskutiert, analysiert, wie man Dialektik versteht, wie Propaganda funktioniert, etc,. Das Wissen nicht absolut und vorallen bis auf ganz wenige Dinge nie zeitlos ist. Immer im Wandel ist und ständig hinterfragt gehört. Also gegen das Gegenteil, von dem was an den heutigen Schulen vermittelt wird.

    1. Es braucht 3 Ingredienzien:
      1. Humanismus. Die Einsicht, dass der Mensch keine Maschine ist auch wenn der Maschinenglaube im Kapitalismus erwünscht ist. Dass der Mensch ein fühlendes Wesen ist. „Was Du nicht willst, dass man Dir tut…“.
      2. Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge. So dass man nicht glauben muss, was die Macht um Acht so verkündet. So, dass man weiss was Kapitalismus ist.
      3. Zivilcourage. So dass man aufsteht anstatt sich in Kriege treiben zu lassen.

  8. Wir brauchen wieder mehr Biologen = Kundige des Wissens der lebenden Natur oder Lebewesen!

    … statt der Zehntausende Mikrobiologen (Gentechniker), Neurobiologen (Hirnklempner), Systembiologen (Systemtheoretiker), Strukturbiologen (ebenfalls Gentechniker), Bioinformatiker (ebenfalls Gentechniker und Biologisten) und vieler anderer Bindestrich-Biologen.

    Wir brauchen wieder mehr Biologen, die auf einem Thermometer die Temperatur ablesen und wissen, was Temperatur für das Leben bedeutet.
    … anstatt uns zu erzählen, dass es Eiszeiten und Wüsten schon immer gab und Atomkraftwerke und Atombomben ebenso.

    Wir brauchen brauchen eine biologische Aufklärung über die unwissenschaftliche Ideologie des Biologismus.
    … anstatt die Heerscharen der Biochemie-Laboranten und Modellrechner, die uns und unseren Kindern zur Zeit der Corona das Leben versaut haben und es bei der nächsten „Pest und Cholera“ wieder tun werden.

  9. Wir brauchen eine neue Aufklärung?

    Hatten wir denn je eine? Um diese Frage beantworten zu können, muss man erst mal definieren, was „die Aufklärung“ eigentlich ist. Erst mal ist es das Abschütteln einer feudalen, absolutistischen Obrigkeit. Soweit, so gut, das haben wir geschafft. Aber wodurch wird diese ersetzt?

    Nach Kant ist die Obrigkeit durch die Vernunft zu ersetzen, Aber was ist denn nun wieder „Vernunft“? Kant beantwortet auch diese Frage. Vernunft ist der kritische Verstand, kritisch insbesondere gegenüber sich selbst.

    „Sapere aude!“ – „Wage zu wissen!“ ist zwar schon mal ein guter Ansatz, aber er beschreibt nicht das Grundproblem. Dieses ist, dass die absolutistische Herrschaft, statt durch die Vernunft, durch das (eigene) Ego ersetzt wurde. Es fehlt an der Kritikfähigkeit gegenüber sich selbst, es fehlt an der Fähigkeit, zwischen dem was man weiß und dem was man nur glaubt zu wissen zu unterscheiden, das Ego schreibt einem selbst Allwissenheit zu. Sich dem durchgängig zu widersetzen ist schwierig, gelingt nur Wenigen.

    Und so ist der Satz „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal …“ Völlig korrekt, aber die Wenigsten erkennen, wann es an der Zeit ist, ihn selbst mal zu beherzigen.

  10. „Und in gewissem – durchaus strittigem – Maße haben diese Präventionsmaßnahmen ja auch geholfen; es liegt mir fern zu bestreiten, dass Viren infektiös sein können.“

    Dieser Satz macht traurig. Denn es fehlt dabei jegliches Gespür dafür, dass Mittel nicht nur nach ihrem möglichen Nutzen sondern auch deren möglichen Schaden zu beurteilen sind. Natürlich, zB, ist Abstand das beste Mittel gegen Ansteckung. Aber zum Preis des sozialen Selbstmordes, der allgemeinen Vereinsamung, der völligen Freud- und Hoffnungslosigkeit?

    Und zum weiteren Inhalt: die Aufforderung zum eigenmächtigen Denken ist nur zu unterstützen. Ich fordere zum totalen Ikonoklasmus auf. Nur damit entkommen wir der herrschaftlichen Fehlsteuerung. Fangen wir mit Malthus, Darwin, Marx, Koch, Einstein, Cantor, Freud, Crick/Watson, …, und am besten bei allen Nobelpreisträgern an. Es sollten neue Denkschulen gegründet werden, die ALLE Wissenschaften seit wenigstens hundertfünfzig Jahren auf den Prüfstein legt und neu bewertet.

    Denn seit wenigstens hunderfünfzig Jahren wird (zumindest hier im „Westen“) die kognitive, weltbildliche Steuerung der Gesellschaft von den Institutionen der Kirchen auf die Institutionen der Wissenschaften umgeschichtet.

  11. ‚Wie trostlos zu denken, dass das Bewußtsein ein Privileg ist , das nicht jedem zukommt,
    dass es Menschen gibt, die von Natur aus so unbewußt sind wie andere zur Welt kommen,
    und wozu die Haut eines Menschen auf den Entwurf eines Tieres?‘
    Das schrieben die Brüder Goncourt in ihren Tagebüchern im 19. Jahrhundert
    und es scheint noch einige Gültigkeit zu haben.
    Meine Tastatur hängt, das schränkt meine schreiberischen Möglichkeiten ein, leider.
    sonst würde ich etwas mehr dazu ausgeführt haben können. ;/

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