
Von der Truman-Doktrin zu Trumps eigener Moral.
„The American system can survive in America only if it becomes a world system“ (Das amerikanische System kann in Amerika nur überleben, wenn es das System der ganzen Welt wird.) – Harry S. Truman, 12. März 1947
„’I don’t need international law’. … ‘my own sense of morality’ and ‘my own mind’ are the only things that can hold him back.“ (Ich brauche kein internationales Recht. … Mein eigener Sinn für Moral und mein eigener Verstand sind das Einzige, was mich zurückhalten könne.) – Donald Trump, 11. Januar 2026)
1. Trumans Weltherrschaftsanspruch
Am 6. März 1947 hielt der 33. US-Präsident, Harry Truman (1945-1953), im Baylor College (Texas) eine Rede, in der er über die wirtschaftlichen Hintergründe seiner Außenpolitik sprach. Die Rede fand fast auf den Tag ein Jahr nach Churchills berühmt-berüchtigter Fulton-Rede und knapp eine Woche vor seiner Kongress-Rede vom 12. März 1947 statt, in der er seine Doktrin – die „Truman-Doktrin“ – verkündete.
Die wenig beachtete Rede vom 6. März kann als Kommentar zu Churchills Fulton-Rede und zugleich als Präludium zur Truman-Doktrin gedeutet werden. Darin erklärte Truman ganz offen die Gründe, die ihn dazu veranlasst haben, mit dem sowjetischen Bündnisgenossen im Krieg gegen Nazideutschland zu brechen.
Der Grund war weder die Furcht, dass „Stalin einen Dritten Weltkrieg vom Zaun brechen (wollte)“1, noch die Angst vor dem sowjetischen Expansionismus in Europa und Asien oder systemideologische Konfrontation. Der eigentliche Grund war vielmehr die Angst, dass die sowjetische Planwirtschaft erfolgreich sein könnte.
Zwar sei diese Planwirtschaft „antiquiert“ und gehöre ins 18. Jahrhundert, in das Zeitalter des Merkantilismus, aber dieses Zeitalter könne wiederkehren und ein Vorbild für zukünftige Wirtschaftssysteme hergeben.
Wörtlich sagte Truman: „Wenn wir nicht handeln und zu ganz entscheidenden Maßnahmen greifen, wird sie (die Planwirtschaft) das Vorbild für das nächste Jahrhundert hergeben.“ Denn „früher oder später würden wir gezwungen sein, das gleiche System zu übernehmen, um Märkte und Rohstoffe zu gewinnen“.
Das freie Unternehmen würde dann verschwinden. Wenn das aber geschieht, so würde die ganze Welt „unserer Freiheiten und Ideale zusammenbrechen.“ „Die ganze Welt sollte daher das amerikanische System übernehmen.“ Denn „the American system can survive in America only if it becomes a world system“ (Das amerikanische System kann in Amerika nur überleben, wenn es das System der ganzen Welt wird).2
„Mit anderen Worten: Wir Amerikaner müssen unser System der ganzen Welt oktroyieren oder wir werden zugrunde gehen. Die Herrschaft, die wir über andere ausüben, ist die Voraussetzung unserer eigenen Existenz“, kommentiert Matthias (ebd.) die Truman-Doktrin.
Bemerkenswert an Trumans Auslassungen ist nicht so sehr ihre verfehlte Beurteilung der Konkurrenz- und Überlebensfähigkeit der sowjetischen Planwirtschaft, als vielmehr der sich daraus ergebende Weltherrschaftsanspruch des „amerikanischen Systems“.
Der amerikanische „Way of Life“ kann ohne die Weltherrschaft nicht überleben! Das ist auch die Quintessenz der Truman-Doktrin, die bis heute ungeachtet der Irrungen und Wirrungen der vergangenen achtzig Jahren und zahlreichen Metamorphosen der Weltgeschichte quicklebendig ist und mit Trumps zweiter Amtszeit ihren endgültigen Höhepunkt feiert.
Nur die Zeiten haben sich geändert. 1946 waren die USA eine unangefochtene ökonomische und militärische Supermacht, die dazu noch als die einzige Weltmacht im Besitz der Atomwaffen war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trug die amerikanische Wirtschaft mit ca. 227,5 Milliarden US-Dollar etwa die Hälfte zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei, wohingegen der US-amerikanische Anteil am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 lediglich bei rund 14,5 Prozent liegt.
Europa lag nach dem Kriegsende in Ruinen und die Sowjetunion war in die Steinzeit zurückgebombt worden. Die kolossalen Zerstörungen des Landes waren beispiellos: „1.710 Städte waren vernichtet, mehr als 70.000 Dörfer, 70.000 Kilometer des Eisenbahnnetzes, 4.100 Eisenbahnstationen, 427 Museen (von insgesamt 992), 40.000 Krankenhäuser, 43.000 Bibliotheken, 44.000 Theater, Klubs und Kulturräume, 84.000 Schulen und Forschungsinstitute; zusammen wurden 6 Millionen Gebäude verbrannt oder zerstört und 25 Millionen obdachlos“3, von Millionen Opfern ganz zu schweigen.
Die Ausgangspositionen der beiden Siegermächte und ehem. Bündnispartner, die beim Eintritt in die Friedenszeit ideologisch feindselig gegenüberstanden und völlig zerstritten waren, konnten darum kaum ungleicher sein. Die Eskalations- und Konfrontationsdominanz war eindeutig auf der Seite eines geoökonomisch viel mächtigeren US-Gegenparts, von der atomaren Monopolstellung der USA (bis 1949) ganz zu schweigen.
Truman suchte nun in den eingebrochenen Friedenszeiten im Bewusstsein der eigenen ökonomischen und militärischen Überlegenheit die Spielregeln des Friedens zu diktieren, kam aber mit seinem Weltherrschaftsanspruch über die westliche Hemisphäre nicht weit genug und konnte darum seine Doktrin nicht vollumfänglich umsetzen.
Vor dem Hintergrund des ausgebombten, ausgeplünderten und ökonomisch daniederliegenden Landes war die Sowjetunion ihrerseits ungeachtet der anderslautenden Anschuldigungen weder zum Expansionismus noch zur Weltherrschaft fähig und willig. Trumans Frustration über die sowjetische Expansion in Osteuropa war darum unbegründet. „I’m tired of babying the Soviets“, äußerte er seine Verärgerung im Januar 1946 in einem persönlichen Schreiben an seinen Außenminister James F. Byrnes.
Natürlich sind in Denken und Handeln Stalins wie Trumans ideologische und imperiale, offensive und defensive Antriebe unentwirrbar vereint gewesen. Es wäre aber fahrlässig und unverantwortlich, von Stalin seitens Truman zu erwarten gewesen, dass dieser nach einem solchen grausamen Krieg und in Anbetracht der Vorgeschichte der 1930er-Jahre – um mit Golo Mann zu sprechen – „brav zu den Grenzen von Brest-Litowsk oder Riga“ zurückkehren würde4.
„Ein zaristischer Sieger“ – meint Golo Mann (ebd.) 1964 zu Recht – „hätte Polen wieder geschluckt. Stalin hat das, der Ideologie zuliebe, nicht getan, Chruschtschow erst recht nicht. Darum ist, nationalpolitisch betrachtet, Polen heute besser dran als je seit 1772. Und der Wille, die Früchte des Sieges zu sichern, die grauenvolle Prüfung von Hitlers Krieg nicht noch einmal zu erleben, sollte in der russischen Politik der Nachkriegszeit keine Rolle gespielt haben? Der Wille, in den Randstaaten, die im Niemandsland zwischen den beiden Kriegen sich als so schwach, wetterwendisch und dem Feind Gelegenheiten bietend erwiesen haben, eine feste, ihm günstige Ordnung zu schaffen, sollte die Hand Russlands nicht auch geführt haben? Die russische Position in der DDR, die Polen und Böhmen von Westen her kontrolliert, das wiederauferstandene Deutschland und seinen amerikanischen Bundesgenossen von der Oder fernhält, sollte nicht auch eine militärische Rolle spielen? Russland sollte den Krieg, begonnen von einem Gegner, in dessen Seele es nicht blicken kann … und dessen militärische Repräsentanten nur zu gern bramarbasieren, nicht auch fürchten, für den Ernstfall sich nicht bessere Ausgangsstellungen sichern wollen, als jene waren, die es 1941 besaß? Man muss ein stark ideologischer Anti-Ideologe sein, um solche Fragen glatt zu verneinen.“
Besser als Golo Mann könnte man kaum noch den Sinn und Widersinn dieser „ideologischen Anti-Ideologen“ des „Kalten Krieges“ entlarven. Da kann man nur vom Glück sprechen, dass der „Kalte Krieg“ nicht in einen Dritten Weltkrieg ausartete.
Erst der Untergang des Weltkommunismus hat es den USA ermöglicht, die Truman-Doktrin mit der Entstehung der unipolaren Weltordnung zumindest vorübergehend zu verwirklichen. Und nun steht diese dreißig Jahre lang andauernde Unipolarität zu Disposition und Trump ist ihr letzter Mohikaner.
2. Von Trumans Traum zu Tramps Alptraum
Die USA befinden sich heute geopolitisch, geoökonomisch und militärisch auf dem Rückzug. Russland hat die unipolare Weltordnung unter Führung des US-Hegemonen am 24. Februar 2022 geopolitisch und militärisch in Frage gestellt. China höhlt die US-Hegemonie bereits seit Jahren geoökonomisch und technologisch aus.
Und nun ist der Iran an der Reihe! Der Iran hat die US-Militärmaschinerie endgültig entzaubert. Laut einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, die sich auf eine Analyse von Daten der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) über zerstörte und beschädigte US-Militärausrüstung stützt, könnten die Gesamtschäden für das US-Militär allein in den ersten zwei Wochen seit dem Bruch der am 18. Juni unterzeichneten Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran („Memorandum of Understanding“) 20,6 Milliarden Dollar erreichen.
Laut Tasnim entstanden die größten Verluste bei US-Luftverteidigungssystemen und Radaranlagen mit rund 7,5 Milliarden US-Dollar. Logistik, Lager und Infrastruktur folgten mit 6,8 Milliarden US-Dollar. Die Schäden an der Flugzeugflotte, einschließlich Flugzeugen, Drohnen und Hubschraubern, wurden von der Publikation auf 3,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Kommando- und Kommunikationszentren erlitten Verluste in Höhe von insgesamt 2,8 Milliarden US-Dollar.
Die Schadensliste der IRGC umfasst vier Patriot-Luftverteidigungssysteme, sechs Patriot-Radargeräte, zwei F-15-Kampfjets, ein P-8-Flugzeug, ein C-17-Transportflugzeug, acht Tankflugzeuge, 17 Drohnen, 17 Munitionsdepots und sechs Raketenlager sowie Dutzende von Kommando-, Radar- und Logistikzentren. Eine ziemlich ansehnliche Schadensbilanz, die die Iraner den „siegreichen“ US-Streitkräften in den vergangenen zwei Wochen zugefügt haben.
Da erscheinen die Beteuerungen des US-Kriegsministers, Pete Hegseth, dass die Gesamtkosten des Irankrieges für die USA lediglich auf 37,5 Milliarden Dollar belaufen, geradezu grotesk. Manche Beobachter sprechen schon jetzt von entstandenen Kriegskosten in Höhe von bis zu 100 Milliarden Dollar.
Am 25. Juli erklärte Hossein Mohebi (Brigadekommandeur der Revolutionsgarden), dass die Zahl der gefallenen US-Soldaten seit dem Scheitern der Waffenruhe 200 überschritten habe, und bezeichnete die von den USA veröffentlichten Opferzahlen als unglaubwürdig. CNN berichtete ebenfalls, dass die Website des Pentagons die Zahl der im Iran getöteten Kämpfer „zu niedrig“ angegeben habe. Washington hatte zuvor offiziell nur 18 gefallene US-Soldaten gemeldet.
Am selben Tag ordnete Trump laut Axios eine Aussetzung weiterer Luftangriffe an und beendete damit eine 13-tätige Serie der Luftangriffe. Die New York Times berichtete, Washington habe aufgrund schwindender Munitionsvorräte von einer weiteren Eskalation abgesehen.
Dass Trump ein unsicherer Kantonist ist, ist hinlänglich bekannt. Dass er einen Vertragsbruch nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern auch darauf stolz ist, alle Konventionen und Spielregeln der internationalen Ordnung nach seinem Gutdünken kurzerhand außer Kraft setzt; dass Trump wie ein gewöhnlicher und brutaler Schläger von der Straße agiert und über Leichen geht – all das ist mittlerweile nicht mehr überraschend.
Überraschend war höchstens das Timing des Kriegsausbruchs gegen den Iran. Am wenigstens ist Trumps Gehabe überraschend. Bereits im Januar 2026 erklärte er in einem Interview mit der New York Times, dass das internationale Recht seine weltweite Macht nicht einschränke. Gefragt nach Grenzen seiner Autorität, antwortete Trump, wie gesehen, dass nur sein eigener Verstand und sein eigener Sinn für Moral ihn stoppen könnten.
Ein solches Gehabe ist nicht zuletzt durch Trumps Machtverständnis bedingt. Dieses Machtverständnis hat Noah Rosenblum (Prof. an der New York University School of Law), wie folgt, definiert: „Ich wurde von euch zum Anführer gewählt, also habe ich das Sagen. Ich kann tun, was ich will“ (Rosenblum said. „He’s saying, ‘I was chosen by you to be the leader, so I’m in charge. I can do whatever I want‘”).5
Recht geht hier in Macht und Macht in Recht auf. Es ist darum nur konsequent, wenn die Trump-Administration auch offen damit droht, die Befugnis des Gerichts zu ignorieren, die Handlungen der Regierung auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen, wie Vizepräsident JD Vance Anfang Februar 2025 erklärte: „Richter dürfen die legitime Macht der Exekutive nicht kontrollieren“ (Judges aren’t allowed to control the executive branch’s legitimate power).6
„Am brisantesten war Trumps Aussage vom 15. Februar 2025, als er mit Napoleons Behauptung ‚Wer sein Land rettet, verstößt gegen kein Gesetz‘ die Rechtsstaatlichkeit – die Grundlage unserer verfassungsmäßigen Ordnung – unter die Guillotine legte“ (Most incendiary, Trump on Feb. 15 put the rule of law — the foundation of our constitutional order — under the guillotine with a Napoleonic assertion that „He who saves his Country does not violate any Law“), empörte sich Knutson (ebd.).
Was die US-amerikanischen Verfassungsrechtler hier kritisieren, ist ein Machtverständnis, dem allein direktdemokratische Vorstellungen von der Machtausübung zugrunde liegen.7
Ein solches Machtverständnis nannte Karl Loewenstein einst „demoautoritär“8. Die darauf gegründete Machtausübung der Exekutive bedeutet in letzter Konsequenz eine rechtlich entbundene Herrschaftsmacht, die auf die Mitwirkung weder des Einzelnen noch der Gesellschaft angewiesen ist.
Hier geht es um ein entgrenztes Machtverständnis im Sinne der potestas legibus absoluta und nicht im Sinne einer verfassungsmäßigen Bindung der Exekutivgewalt.
Kurzum: Wer mit dem Teufel Geschäfte macht, muss teuflisch aufpassen, dass dieser ihm bei nächster sich bietenden Gelegenheit nicht in den Rücken fällt.
Das „Schicksal“ wollte es, ein solches Ungeheuer zum mächtigsten Mann der Welt zu wählen, was nicht so sehr Zeichen der Stärke, als vielmehr Zeichen der imperialen Schwäche ist.
Wenn eine imperiale Macht mit ihrer Big Stick“-Diplomatie9 in eine imperialistische ausartet und dazu noch alle zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte mit Füßen tritt, dann desavouiert sie ihren eigenen globalen Führungsanspruch und verwirkt jedes Recht darauf, den anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben, zu denken und zu handeln haben.
Trumps Amerika ähnelt immer mehr dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Endstadium seiner Existenz, das der große Rechtsgelehrte der Aufklärung, Samuel Pufendorf (1632-1694) einst als „irregulare aliquod corpus et monstro simile“ (ein unregelmäßiger und einem Monstrum ähnlicher (Staats)Körper) bezeichnete.
Trumans Traum vom amerikanischen System, welches „das System der ganzen Welt“ werden soll, ist zu Trumps Albtraum für die ganze Welt geworden.
3. Trumps Allmachtfantasien
„Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (El sueño de la razón produce monstruos) steht auf einer berühmten Aquatinta-Radierung des spanischen Malers, Francisco José de Goya, geschrieben. Das Bild zeigt einen Künstler im Schlaf an der Tischkante versunken. Hinter und neben ihm erscheinen unheimliche, fliegende monströse Fabelwesen wie eulenartige Ungeheuer, riesige Fledermäuse und ein katzenähnliches Wesen. Ein größeres der eulenähnlichen Monstren hat mit seinen Krallen eine der Schreibfedern gegriffen, scheint sie ihm reichen zu wollen und ihn anzusprechen. Ein schauriges Bild!
Der Traum wird zum Alptraum und der schlafende Künstler wird von der Monstrosität der im Schlaf träumenden „Vernunft“ erschlagen. Diese Monstrosität des Traumes ähneln Trumps Allmachtfantasien, die ihm im Iran, in der Ukraine und anderswo übel mitspielen.
Diese Allmachtfantasien werden von seiner Megalomanie erdichtet – jenem Daueragenten der Täuschung und Selbsttäuschung und jenem Träumer, der träumt, keiner zu sein und daher versagt, ohne sich sein Versagen einzugestehen. Dieser sich selbst täuschende und träumende Versager, der auf der ganzen Linie versagt, versagt selbst darin noch, dass er nicht einmal um die große Stärke weiß, die in seiner Schwäche liegt: dass nämlich Täuschung Erfindung, Erfindung aber Erdichtung und Erdichtung der Inbegriff der Selbstverblendung ist.
Und in dieser Welt der Täuschung, Erdichtung und Verblendung befindet sich heute Trumps Amerika mit seinem nie vergehen wollenden Hegemonialanspruch, selbstlegitimiert durch den die ganze Zeit hindurch vorherrschenden und immer noch unausrottbaren US-amerikanischen Exzeptionalismus (American exceptionalism).
So verkündete die US-Außenministerin, Madeleine Albright (1997 – 2001), einst unumwunden und mit Hingabe einer zur einzig wahren Gewaltreligion Bekehrten: „Wenn wir Gewalt anwenden müssen, dann weil wir Amerika sind; wir sind die unverzichtbare Nation. Wir stehen aufrecht und blicken weiter in die Zukunft als andere Nationen.“ Dem pflichtete auch Obama bei, als er pathetisch sein Glaubensbekenntnis ablegte: „Ich glaube an die Sonderstellung Amerikas mit jeder Faser meiner Existenz“ (in einer Rede an der Militärakademie West Point 2014).
Nicht anders verhält es sich auch mit Trumps Amerika. Es merkt nur nicht, dass „die Sonderstellung Amerikas“ nichts weiter als ein Produkt der Imagination ist, die verklärt, ohne aufzuklären, dichtet, ohne zu begreifen, und träumt, ohne sich der Realität stellen zu wollen.
Offenbar ist Trump aus einem monströsen Alptraum erwacht und merkt allmählich, dass er im Iran mit seiner Gewaltanwendung nicht weiterkommt, von der Ukraine ganz zu schweigen. Laut Axios-Bericht „Top U.S. military commander in Middle East advised halting Hormuz bombing“ vom 26. Juli 2026 habe der oberste US-Befehlshaber im Nahen Osten, Admiral Brad Cooper, empfohlen, die Luftangriffe in der Straße von Hormus zu beenden, da deren Wirksamkeit an ihre Grenzen gestoßen sei.
Zum ersten Mal seit zwei Wochen ordnete Trump dem Militär an, das Feuer einzustellen und keine Ziele vor der iranischen Südküste und in der Straße von Hormus anzugreifen. Zuvor hatte Admiral Cooper dem Pentagon, dem Vereinigten Stabschef und dem Weißen Haus seine Empfehlungen für das weitere Vorgehen vorgelegt, berichtet Axios.
Der Vorsitzende der US-Stabschefs, General Dan Kaine, soll zudem den Kriegsminister Pete Hagseth und Trump unter vier Augen gewarnt haben, dass der Mangel an Abfangraketen für Luftverteidigungssysteme die Fähigkeit einschränken könnte, amerikanische Truppen und Verbündete in der Region zu schützen.
Dessen ungeachtet darf man sich nicht täuschen lassen: Trump kann jederzeit die Bombardements wiederaufnehmen. Trumps Allmachtphantasien, die er für realisierbar hält, bleiben voll intakt. Trump ist ja samt der US-Machteliten immer noch von Trumans fixer Idee besessen, dass nämlich „das amerikanische System in Amerika nur überleben kann, wenn es das System der ganzen Welt wird“.
Trump hat nur noch nicht gemerkt, dass er der letzte Mohikaner ist, der sich vergeblich um die Aufrechterhaltung der US-Hegemonie bemüht, da der US-Hegemonialzug langsam, aber unaufhaltsam auf ein Abstellgleis rangiert wird, um dort verschrottet zu werden.
Anmerkungen
- Silnizki, M., Wollte Stalin einen Dritten Weltkrieg vom Zaun brechen? Stellungnahme zu Goguns Werk „Продуманное Светопреставление“. 25. Juni 2025, www.ontopraxiologie.de.
- Zitiert nach Matthias, L. L., Die Kehrseite der USA. Rowohlt 1964, 127.
- Deschner, K., Der Moloch. „Sprecht sanft und tragt immer einen Knüppel bei euch!“. Zur Amerikanisierung der Welt. Stuttgart und Wien 1992, 283.
- Mann, G., Wenn der Westen will, in: Neue Rundschau 75 (1964), 592-610 (600).
- Zitiert nach Jacob Knutson, What Is Unitary Executive Theory? How is Trump Using It to Push His Agenda? Democraty Docket, February 20, 2025. Näheres dazu Silnizki, M., „Von imperialer zu autoritärer Präsidentschaft“? Cheney, Trump und die Eigengesetzlichkeit des politischen Handelns. 16. November 2025. www.ontopraxiologie.de.
- Zitiert nach Knutson (wie Anm. 5).
- Vgl. Maier, H., Können Begriffe die Gesellschaft verändern? In: Sprache und Herrschaft. Die umfunktionierten Wörter. Herderbücherei 1974, 55-68 (59).
- Zitiert nach Fraenkel, E., Deutschland und die westliche Demokratie. Stuttgart 1964, 16.
- Silnizki, M., Trumps „Big Stick“-Diplomatie. Auf dem Wege zum postmodernen Imperialismus? 26. März 2026, www.ontopraxiologie.de.
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Der Dollar könnte seinen Status als weltweite Reservewährung verlieren,
warnt JPMorgan-CEO Jamie Dimon.
„Wenn wir in 25 Jahren nicht über das stärkste Militär und die stärkste Wirtschaft verfügen, werden wir auch nicht mehr die Reservewährung stellen“.
https://www.msn.com/de-de/finanzen/wirtschaft/dann-verliert-der-dollar-seinen-status-als-weltreservew%C3%A4hrung-warnt-jpmorgan-ceo-jamie-dimon/ar-AA29KGzv
Die Truman Doktrin war letztlich nur die Erweiterung des George Kennan „containment concepts“ – welches auf Politik und Diplomatie abhob – in Richtung Imperialismus und Militarismus!
Je problematischer die Spezialoperation für Russland wird desto mehr Artikel über Vergangenheit tauchen hier auf.
Nun hat Trump wahrlich eine große Klappe und ist völlig undiplomatisch – aber vertragstreu waren auch seine Vorgänger nicht. Und auch die Europäer haben z.B. die Minsker Verträge oder die Abmachungen zur Ukraine 2014 komplett ignoriert. Die völlige Abwesenheit von Diplomatie ist inzwischen das Markenzeichen des Westens.
Na sowas, ein Beitrag von Silnizki, M. und noch immer nur drei – pardon – lahme Kommentare? Wo doch Unglaubliches zu vernehmen ist? Der größte, schlimmste und was sonst noch zu konstatieren ist SCHURKE von Welt, Väterchen Stalin ein wohlmeinender Menschenfreund? Und ich meine das nicht zynisch-sarkastisch! Hat der ‚frühere‘ Sauhund doch – nachweislich Silnizki – die Existenz Polens gerettet und ihnen das größte Polen ever (zugegeben: natürlich ohne Litauen) gesichert. Wenn das derzeit mit dem ganzen Irrsinn so weiter geht, könnten sich durchaus noch Weiterungen ergeben, die einer Fortsetzung von Gottes Werk und Stalins Beitrag entsprechen. Zwar dürfte dann Josip der Zweite, Wlad, wohl fast bis Warschau vorrücken, dafür könnte die Mecklenburg’sche Seenplatte, wenn nicht auch die norddeutsche Tiefebene als Neu-Vorpolen begrüsst werden. Und der Hansdampf im Oval Office könnte – falls er noch habhaft – die Nordsee als Begrüßungssgeschenk als Golf von Polen umtaufen!
Dazu fällt mir nur noch ein, dass bei Truman und Trump die ersten 4 Buchstaben identisch sind.
Ich weiß, dass ist keine Antwort auf Ihren Kommentar, passt aber sehr gut.
Nochmals meine Hochachtung, Herr Silnizki!
Es waren wieder einige Zitate dabei, die Einiges besser verstehen lassen, warum das Handeln so und nicht anders war.
Nun war des Trumans Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen. Die Sowjetwirtschaft unter Stalin hatte immer Wachstumsraten von so 15 Prozent, was der Kapitalismus nie schaffte. Weltweite Bewunderung für den Wiederaufbau der von den Deutschen als verbrannte Erde hinterlassenen Landstriche.
Schon im Krieg hatte niemand den Sowjets einen Panzer wie den T34 zugetraut.
Die Gründe für das spätere Scheitern sind dann eben doch, dass die Leute nicht dauerhaft mit Propaganda zu motivieren sind. Im Kapitalismus ist Geld das motivierende Element. Das zieht immer.
„Die New York Times berichtete, Washington habe aufgrund schwindender Munitionsvorräte von einer weiteren Eskalation abgesehen.“
Schon die Ukraine guckte in ihrer medial groß angekündigten Frühjahrsoffensive, die dann auf Sommer/Herbst 2023 verschoben werden musste, dumm aus der Wäsche, als Präsident Biden eingestand, man habe keine Artilleriegranaten mehr, nur noch Clustermunition sei verfügbar.
Lernt eigentlich irgend jemand in Amerika aus den Fehlern? Sich dann wie Trump hinzustellen und auf den Munitionsverbrauch seines Vorgängers zu verweisen, nur weil der alles verballert habe, ging es jetzt nicht weiter, bedeutet im Grunde, die eigene Dummheit öffentlich einzugestehen. Wenn vorher bekannt ist, dass die Arsenale nur halbvoll sind, beginnt man doch keinen Krieg!
Ich freu mich schon auf den 14Tage Krieg mit China irgendwann in ferner Zukunft, wenn der dann regierende US-Präsident erklärt, seine Generäle hätten ihm soeben mitgeteilt, dass die USA überhaupt keine Munition mehr hätten. Er sei vollkommen geschockt. Wie denn das sein könne, wo man doch das mächtigste und teuerste und beste Militär der Welt habe.
@Simon
„Ich freu mich schon auf den 14-Tage Krieg mit China…“
Wie alt bist du eigentlich, hier solch eine Aussage mit voller Inbrunst loszulassen?
Milliarden für Kiew: Europa stellt der Ukraine im Juni 7,2 Milliarden Euro Militärhilfe bereit – Deutschland zahlt 700 Millionen
https://weltwoche.ch/daily/milliarden-fuer-kiew-europa-stellt-der-ukraine-im-juni-72-milliarden-euro-militaerhilfe-bereit-deutschland-zahlt-700-millionen/
Deutschland hat der Ukraine im Juni 700 Millionen Euro an Militärhilfe bereitgestellt und damit zum starken Anstieg der europäischen Unterstützung beigetragen.
Insgesamt wurden Kiew in diesem Monat 7,2 Milliarden Euro zugewiesen. Dies berichtet Euractiv.
Gemäss Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft ist der Juniwert der höchste seit April 2024, als die Militärhilfe 9,04 Milliarden Euro erreichte. ALLES LESEN!!
Inzwischen ist aus dem US-Stellvertreterkrieg gegen Russland ein Stellvertreterkrieg des deutschen Kanzlers und seiner Regierung gegen Russland geworden!
Widerlich, dass die Deutschen nicht aus ihrer unheilvollen Geschichte gelernt haben!! NUR DIE AfD WILL FRIEDEN !!
„Wir trinken Urin“: Ukrainische Soldaten klagen über katastrophale Frontlage
https://t.me/neuesausrussland/31378
Kämpfer der 121. Territorialverteidigungsbrigade der ukrainischen Streitkräfte, die wegen fehlender Rotation seit April im Einsatz sind, haben sich in einem Video beim Oberbefehlshaber Michail Drapatyi über ihre schreckliche Lage an der Front beklagt.
Sie seien sogar wegen Mangels an Essen und Trinken gezwungen, „Urin zu trinken, um den Körper aufrechtzuerhalten“.
SO SIEHT DIE HUMANITÄT DER UKRAS AUS UND DEREN HELFER!!
Wie Selenskyj daran gehindert wurde, Frieden im Donbass zu schaffen
https://www.nachdenkseiten.de/?p=94683
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gilt vielen im Westen als aufrechter Held, der sich den russischen Interessen im Namen der „westlichen Werte“ entgegenstellt.
Das ist bemerkenswert, trat Selenskyj sein Amt doch mit dem Versprechen einer Aussöhnung der Ukraine mit der russisch-sprechenden Minderheit in der Ostukraine an.
Doch aus dem Vermittler wurde ein Hardliner, dessen Politik zum jetzigen Krieg beigetragen hat.
Unser Leser Felix Abt hat einen Blick auf die jüngere Geschichte geworfen und kommt zu dem Eindruck, dass Selenskyj unter dem Druck der Rechtsextremen im eigenen Land und der mangelnden Unterstützung Washingtons eingeknickt ist.
Washington habe Selenskyj fallen lassen, um seine eigenen geostrategischen Interessen voranzutreiben.
Obwohl Selenskyj den Minsker Vereinbarungen zur Lösung der Minderheitenfrage zögerlich gegenüberstand, setzte er die Gespräche über deren Umsetzung fort.
Juri Hudymenko, Führer der rechtsextremen Demokratischen Ax-Partei, drohte Selenskyj sogar mit einem Staatsstreich:
„Wenn irgendjemand von der ukrainischen Regierung versucht, ein solches Dokument zu unterzeichnen, wird eine Million Menschen auf die Straße gehen, und diese Regierung wird aufhören, eine Regierung zu sein.“
Ein Beispiel dafür, dass die Rechtsextremisten es mit ihrer Feindseligkeit gegenüber russischsprachigen Ukrainern ernst meinen, ist die jüngste Ankündigung eines ukrainischen Soldaten im Osten des Landes, alle russischstämmigen Ostukrainer im Donbass zu ermorden, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. ALLES LESEN !!
Drohnenvorfall in Leipzig: Ermittler schließen ukrainische False-Flag-Aktion nicht aus
https://t.me/ostnews_faktencheck/23167
Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff auf dem Flughafen Leipzig/Halle ziehen deutsche Ermittler mehrere Versionen in Betracht. Unter andrem schließen sie nicht aus, dass ein fremder Staat hinter dem Angriff stehen könne. Dabei sei die Ukraine in Frage gekommen, schreibt die „Zeit“ unter Verweis auf eigene Quellen.
„Sie [die Ukraine] kennt sich mit Drohnen aus, und sie könnte ein Interesse an einer False-Flag-Aktion haben.
Also an einem Angriff, der aussehen soll wie ein russischer: Um die deutsche Bevölkerung dazu zu bringen, sich noch stärker am Kampf gegen Russland zu beteiligen.“ !
Guter Artikel.
Auch ein Lob zum passenden Bild des Textes:
Der sonnenbeschienene Präsident auf einem stählernen Kriegsschiff, winkend mit einem weiß anmutenden Hut vor dräuendem Gewölk. Die Offiziere neben (hinter) ihm strahlen in Paradeuniform und ziehen mit den ebenfalls erleuchteten Stars & Stripes eine teilende Bilddiagonale. Oben links fliegende Kampfverbände, die selbst vor dem düsteren Himmel schmutzige Sprenkel sind, während in der unteren rechten Ecke ein fassungslos ehrfürchtig grinsender Zivilist abseits steht, er ist fast gar nicht mehr da.
Diese Komposition ist die Antithese einer Einladung.
(Was ein trauriges Zeugnis der politischen Verwirrung dieser Tage meinerseits: Ich kann Rechts und Links nicht mehr unterscheiden. 🤦)